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herrftlder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Anschlutz Nr. 8
Nr. 143
Dienstag, den 5. Dezember
1911
Amtlicher teil
Hersfeld, den 1. Dezember 1911.
Nachstehend veröffentliche ich das Verzeichnis über die Er- gebniffe der zur Herbstkörung vorgestellten Zuchtbullen.
Die Ortspolizeibehörden und die Königlichen Gendarmen
der Kreises haben streng darüber zu wachen, daß die für untauglich befundenen, sowie die nur bedingSweise zugelassenen Zuchtbullen zur Nachzucht nicht oder nur insoweit verwendet werden, als dies seitens der KörungSkommijfion eingeräumt worden ist.
Zuwiderhandlungen sind auf Grund der Polizeiverordnung vom 17. Januar 1879 zur Bestrafung zu bringen.
Hierbei bringe ich gleichzeitig mein AuSschreiben vom 7. Mai 1907 I. L Nr. 4141 — KreiSblatt Nr. 56 — in Erinnerung.
Bei Bullen, die noch nicht mit einem Nasenring versehen sein sollten, muß derselbe noch alsbald angebracht werden.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
I. A. 7529. von GruneliuS.
S
5
«
Gemeinde.
Anzahl der
Bullen.
Namen
der Bullenhalter.
Datum der
Körung 1911.
Resultate der Köruna.
Abstammung
Bemerkungen.
Alter und Raffe der Bullen.
Farbe und Abzeichen.
Befund.
1
Rusbach
1
Mosebach, Heinrich
19. 10
12 Äonate Simmentaler
Gelbsch. w. Kopf
gut
Z. G. Gersseld
' muß noch etw. geschont werd. Zuchtbescheinigungn. vorleg.
2
Friedewald
1
Hoßbach, August
19. 10
16 ..
ff
brauchbar
Z. G. HerSfeld
1
19. 10
13 „
Falbsch. w. Kopf
wie vor
3
Hrlmes
1
Deiseroth, Heinrich
19. 10
12 „ Kreuzung
Gelbsch. w. Kops
unbrauchbar
4
Kleinensee
1
Gemeinde
3. 11
16 „ Simmentaler
ff
brauchbar
Z. G. Hersfeld
Zuchtbescheinigung noch vor.
5
Kohlhausen
1
Stuckhard, Philipp
2. 11
18 „
Falbsch. w. Stirn
noch brauchbar
Z. G. Hünfeld
legen
6
Niederjoffa
1
Steinberg, Johannes
2. 11
Rotsch. w. Kops
brauchbar
Z. G. Oberhessen
7
Rotterterode
1
Nuhn, Bürgermeister
2. 11
14 „
Gelbsch. w. Kopf
noch brauchbar
Z. G. Hersfeld
Zuchtbescheinigung noch vor-
8
Solms
1
Thiel, Karl
2. 11
24 „
ff
unbrauchbar
>Z. G. Oberhessen
legen
9
Wippershain
1
Otter, Johannes
19. 10
17 „
Falbsch. w. Kopf
gut
Z. G. Hünfeld
10
Holzheim d «^
1
Wille, Friedrich
2. 11
18 „
Rotsch. w. Kopf rote Augenringe
noch brauchbar
Z. G. Contra
11
Kerspenhausen
1
Grenzebach, Val.
2. 1t
w „
Gelbsch. w. Kopf
noch unbrauchbar
!Z. G. Gersfeld
weil zu jung im Frühjahr
12
Friedewald
1
Setzekorn
22. 10
13 „
fl
brauchbar
noch mal vorführen.
HerSfeld, den 28. November 1911.
Ich mache daraus aufmerksam, daß auch im Jahre 1912 wieder Beihülfen auS staatlichen Mitteln für die Ausbildung geeigneter Personen, die später alS Baumwärter im öffentlichen Obstbau^tätig sein^wollen, gewährt werden können.
DiejjHöhe des mit den verfügbaren Mitteln zu ermöglichenden Zuschusses [für eine Person beträgt durchschnittlich 80—130^Mk. je nach .den Kosten, welche den Teilnehmern für Aufenthalt und Reise erwachsen. Es können etwa 10 bis 12 Gesuche berücksichtigt werden.
Die Zubilligung der Beihülfen geschieht unter denselben Bedingungen wie im Vorjahre, und wie sie in meinem AuS- schreiben vom 10. Januar 1911 Nr. 14105, im Kreisblatt Nr. 7, bekannt gegeben find.
Etwaige Gesuche sind bis spätestens zum 1. Februar 1912, unter Beifügung eines polizeilichen FührungS- und eines Gesundheitsattestes bei der Obstbauanstalt in Oberzwehren ein-
die Wahl zum deutschen Reichstag 1912, noch nicht erledigt haben, werden hieran mit Frist bis spätestens zum 7. d. M tS. erinnert.
I. 15670.
Der Landrat.
I. A.: Wessel, Kreissekretär.
HerSfeld, den 1. Dezember 1911.
Die Maul- und Klauenseuche in Heringen ist er loschen.
I. 15617.
Der Landrat.
I. A.: Wessel, Kreissekretär.
HerSseld, den 29. November 1911.
Unter dem Rindviehbestande der Witwe Wagner Heringen ist die Maul- und Klauenseuche erloschen.
in
zureichen.
I. I. Nr. 15305.
Der Landrat von Grunelius.
HerSseld, den 2. Dezember 1911.
Diejenigen Herren Bürgermeister und GutSvorsteher des Kreises, welche meine Versügung vom 8. November d. JS. I. 14092 — KreiSblatt Nr. 133/1911 — betreffend die Anzeige über die erfolgte Aufstellung der Wählerlisten für I
I. 15442.
Der Landrat.
I. A.: Wessel, Kreissekretär.
HerSfeld, den 29. November 1911.
In Dermbach (Sachsen Weimar) ist die Maul- Klauenseuche amtlich festgestellt worden.
I. 15169.
Der Landrat.
I. A.: Wessel, Kreissekretär.
und
HerSfeld, den 1. Dezember 1911.
Im Monat November d. Js. sind von hier auS den nachbezeichneten Persönlichkeiten Jagdscheine erteilt worden:
A. Zahresjagdscheine :
1. entgeltliche:
am ff
W ff W ff
ff ff ff ff ff ff ff
ff
ff
1/11. dem Metzgermeister Konrad Sander in HerSfeld, Gastwirt Ludwig Eydt in Niederjoffa,
2/11.
2/11.
3/11.
3/11.
3/11.
4/11.
4/11.
4/11.
7/11.
7/11.
7/11.
7/11.
8/11.
w
w
ff
ff
ff
ff
M ff W
8/11. „
9/11. „
9/11. „
11/11. „
Fabrik-DirekorHeinrich Westerheide in HerSfeld, Kaufmann Wilhelm GieS in HerSfeld, Bauunternehmer Friedrich Keil in Harnrode, Landwirt Konrad Rudolph in Leimbach, Landwirt Georg Gliemeroth II. in Wölsers- Hausen, Bergafleffor Jungeblodt in Vacha, Ziczeleibefitzer Konrad Grenzebach in Niederaula, Bürgermeister Georg Lotz II. in Lengers, Uferwärter Georg Lotz HI. in Lengers, Gutspächter Fritz Steinhoff in LengerS, Landwirt Walther Rüger in Unterweisenborn, Landwirt Johs. Riebold in Hof Rimmerode bei WehrShausen, Gastwirt Heinrich Grebe in Friedlos, Fabrikbesitzer Fritz Rechberg in HerSfeld, Gutspächter Wilhelm Hold in Kirchheim, Arzt Dr. med. HanS Prüß in Heringen,
Der verlorene Sohn.
Historische Original-Novelle von Carl^Ca s sa u.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Du warst damals immer voran, Jutta!"
Sie lachte laut.
Indem klopfte eS und herein trat ein junger Bürgersmann, zierlich in^Wort und Gewand, ähnlich gekleidet wie Florian, nur waren Hose und Strümpfe dunkelgrau, daS Barett aber von Tuch und mitfeiner Feder geziert.
Er verbeugte sich höflich, warf dann aber einen brennenden Blick aus Florian, einen fragenden aus Jutta.
Diese beeilte sich zu erklären ; „Herr Florian ThomasiuS, mein Jugendspielgesährte — Herr Wolfgang Wedde, mein Nachbar!"
Der junge Wedde war ein schöner Mann, obwohl seine Schönheit nicht so bestechend war, wie die Florians. Er trug einen langen schwarzen Bart, der biS aus den Gürtel reichte, und daS Lächeln, welches nach Juttas Worten über daS Gesicht strich, verklärte dieses zu einer wunderbaren natürlichen Schönheit. ~ ,
„Ein Jugendspielgefährte? Ei, ei, 3ungf«! Ich gab nur die Ehre, Euch aufzusuchen, um Euch auf nächsten Sonntag alle zum MittagSbrot auf meinen Garten an der Elmena ein« ^^A da dank ich Euch Un VaterS Namen! Will'S ihm auSrichten. Aber setzt Euch, Nachbar Wedde."
Er schien Bedenken zu tragen, setzte sich aber dann doch und ließ sich in ein Gespräch mit den Beiden ein, in bem er sich allerdings durch den weltgewandten Florian in
Darum schien Wolfgang eS alS eine Erlösung zu betrachten, alS Frau Brigitta eintrat und ein anderes Fahrwasser für die Unterhaltung einschlug. „ ,
Florian schien ^sich seines Sieges bewußt. Er lachte, lachte laut auf, sobald etwas lustiges berichtet ward, währenb
Wolfgang Wedde immer unsicherer und ängstlicher ward, bis er sich zuletzt mit einem traurigen Blick auf Jutta entfernte.
Frau Brigitta begleitete ihn. Diesen Augenblick benutzte der kühne Abenteurer Florian; er warf sich vor Jutta aufs Knie und flehte:
„O, süße Jutta, ich bin ganz in Liebesbanden gefangen, Dein Sklave! Komm, löse die Fesseln durch einen einzigen Kuß wie in der Jugendzeit, als ich Dein Ritter, ein gehörnter Siegfried, die eingebildeten Drachen einem Don Quixote gleich für Dich bekämpfte meine süße Krimhild!"
„Hoho, Herr Ritter!" lachte sie dagegen übermütig, „wer gibt Euch Recht, so kühnlich auf küßlichen Lohn zu pochen? Die schöne Jugendzeit ist hin und Ihr seid ein — Bettelstudent! *
Die Zornesader schwoll ihm an der linken Schläft.
„Ein Bettelstudent? Ja, führwahr, weil ich um die Liebe einer Kindes bitte, daS mir die Heimat wieder lieb machen könnte, mir, dem AuSgestoßenen!"
„Sucht Amt und Ehren!"
„Und dann!"
Sie beugte sich tief zu ihm nieder, strich das Haar, welches nach der Sitte der Zeit franzenartig die Stirn bedeckte hinweg und — schon fühlte er ihren wohligen Atem nahe der Stirn — gab ihm einen leichten Schlag auf die Wange:
„Da, Herr Bettelstudent, mit diesem Ritterschläge weihe ich Euch zu meinem Kavalier! Stehet auf, der Vater ist strenger Zucht gewöhnt, er würde Euch, träfe er Luch so, das HauS verweisen und daS wäre doch schade."
„O, Du Engel, laß Dich küff—"
„Halt, halt, Herr Florian! Denkt an Amt und Ehren! Die Jutta wird nur alS — Braut geküßt!"
Und sie verschwand lachend durch die Seitentür.
Eine Weile stand er noch sinnend da, dann griff er zum Barett und stürzte sosort nach der Herzogengasse.
Laut knarrte daS Schloß, die Türangeln kreischten, wie ein Jammerruf drang eS durch daS HauS, als er eS öffnete und hinter sich schloß.
War eS der letzte Ruf deS sterbenden VaterS, der jetzt durchs HauS drang?
Das kleine Haus war gut im Stande gehalten und sauber
fah'S in allen Zimmern aus. Die Mutter war schon früh gestorben, aber eine treue Magd hatte drinnen gewirtschastet. Vielleicht lebte die alte Käte noch.
Er ging in das frühere Wohngemach nach hinten, warf Barett und Mantel auf den Tisch und setzte sich in einen Lehnstuhl.
Dann seufzte er laut aus und murmelte:
„Gewagt' Spiel! Herzdame ist Trumpf! Also aus die Dame!"
Dann schaute er auf zu dem lebensgroßen Bilde des Vaters und der Mutter. Lange saß er sinnend da, dann fing er an, die Schränke nachzusehen.
Er nickte befriedigt, denn alles war voller Vorrat; ein ordentlich eingerichtetes Häuschen nahm ihn aus, eS fehlte drinnen nur eins: die Hausfrau. Und Jutta? — nur eine Ehrenstelle und sie fiel ihm wie eine reife Frucht in den Schoß! — Nun, daS Ehrenamt würde sich finden! —
Aber er hatte keine Ruhe im Hause. Er ging zum Schneider und bestellte sich eine neue Gewandung und Linnenzeug. Dann ging er ausS Polizeiamt und fragte nach der alten Käte.
Er fand sie im Elend, im Spital. Sie mußte mit und wieder im Hause wohnen: sie reinigte die Räume und säuberte die runden bleigesaßten Fensterscheiben, setzte überhaupt daS Häuschen wieder in wohnlichen Zustand.
Dann bei der Lampe mußte sie ihm über alles Auskunft geben, über deS VaterS Krankheit, fein Treiben nach der Flucht des verlorenen Sohnes, seine letzten Augenblicke, und dabei ging er im Stäbchen auf und ab.
Die Herzogengasse war eine Sackgasse, aber hinter dem RektorenhäuSchen war ein kleiner Baumgarten, von dem ein vielstufiger Pfad hinunter zum Wallgraben ging. Dort stand er gegen 10 Uhr lange und schaute zum östlichen Himmel aus, als erwarte er von dort ein Zeichen.
Dann kam er wieder ins HauS und wanderte abermals ruhelos auf und ab. Ueberall hörte er deS VaterS Stimme gerade wie an dem Tage, als er auS dem Pulte seines VaterS die drei Goldstücke entwendet, um durch Völlerei ton* trahierte Schulden zu zahlen.