schwankt die Schale deS Erfolgs fortwährend. Kaum war jetzt die Zurückeroberung der den Rebellen in die Hände gefallenen wichtigen Städte Hanjang und Wuljchang durch die kaiserlichen Truppen gemeldet worden, so kommt hinterher die Nachricht, daß die Rebellen nach heftigen Kämpfen mit den kaiserlichen Truppen in die Stadt Nanking eingedrungen sind. Ueber den weiteren Verlauf der Kämpfe in Nanking lag in- dessen bis zum Donnerstag noch keine Nachricht vor. — Infolge der fortdauernden Revolutionswirren in China ist ein deutsches Truppendetachement von Tfingtau, der Hauptstadt des KioutschauschutzgebieteS, nach Tientsin abgegangen. — In der Mandschurei verschärft sich die Lage, die Unruhen wachsen. Japanische Truppen sind in der Hafenstadt Niutschwang eingetroffen. Ueber die angebliche Niedermetzlung der fron» zöfischen Mission Legendre in der südchincsischen Provinz Jünnan verlautet jetzt, daß von dieser Mission niemand getötet worden sei, es habe lediglich zwei Verwundete gegeben.
Mt Provinz u. ßachbargebiet.
p. Hersfeld, 1. Dez. (Dezember.) Der letzte Monat deS Jahres ist angebrochen, der Dezember, der im Kalender Karls deS Großen Christmond , heißt. Die ganze herrliche Weihnachtspoesie ist leuchtend in Sicht. Tausend fleißige Hände regen sich, WeihnachtSfreude Herbeizuzaubern. Der Christbaum rüstet sich, mit dem Immergrün der Hoffnung und dem Goldglanz lichten Glaubens das große Fest der Liebe und der Familie sinnig zu schmücken. Der Dezember atmet srisch-fröhliche GegenwartSlust, aber er taucht mit seinen Gedanken tief in die längst vergangenen Jahrhunderte. Altgermanischer LichtmythuS schimmert auf, wenn der Tag der Wintersonnenwende kommt. DaS siegende Licht! Zunächst eine still friedliche Erholungsreise der alten Gottheiten, die bei solcher Gelegenheit den Erdenkindern gar leutselig und hilf- reich begegneten. Erst später, als dieses Heidnische dem siegreich vordringenden Christentum weichen mußte, kam greulicher TeuselSspuk hinein und vor WodanS wildem Heer sollte man ängstlich in die Häuser fliehen. Volkstümlicher Aberglaube umrankte den Nikolaustag (6. Dezember), die Lupiennacht vom 11. zum 12. Dezember, den ThomaStag (21. Dezember) und den letzten MonatS- und Jahresausklang, den Sylvester. Der Monat Dezember steckt auch im übrigen voll von alten Bauernregeln. Da heißt eS: Im Dezember Schnee und Frost, — Das verleiht viel Korn und Most. Oder: Dezember mild mit Regen Bringt unS wenig Segen. Sehr viele Regeln stehen direkt mit der Weihnachtszeit in Verbindung. So sagt der Volksmund: Grüne Weihnachten, weiße Ostem. Eine andere Bauernregel sagt: Weihnachten im Klee, Ostern im Schnee. Ferner: Wenn in der Christnacht der Wein rumort im Faß, Ein gutes Weinjahr bringt uns das. Oder: Wenn die Christnacht hell und klar, folgt ein höchst gesegnet Jahr. Die Reihe dieser alten Bauernregeln ließe sich noch lange fortsetzen; denn kein anderer Monat ist so reich daran. Und allmählich geht über alledem da? Jahr zu Ende. ES war so lang und doch auch wieder so kurz.
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§ Hersfeld, 1. Dez. In der Sitzung der Casseler Handelskammer berichtete Herr Wiskemann-Homberg kurz über den StanddeSEisenbahnprojekts Hersseld — Homberg— Wabern. Erfreulicher Weise hat die StaatSregierung da- sür insosern ein Interesse bekundet, «alS, vermutlich infolge der Eingabe der Handelskammer an den Herrn Oberpräsidenten, im vergangenen Herbst eine Vereisung der Strecke durch den Herrn Präsidenten der Königlichen Eisenbahndirektion Cafsel stattsand. Redner dankt der Kammer sür daS um das Zustandekommen des Projekts gezeigte Interesse. In einer von dem Knüll-Eisenbahnkomitee nach Appenseld berusenen Versammlung wurde eine Abordnung von 5 Herren gewählt, welche dem Herrn EisenbahndirektionSpräfidenten unter Ueber- reichung von Bittschriften sämtlicher Anliegergemeinden der Strecke ihre Wünsche vortragen wollen, und davon guten Erfolg erhoffen. DaS in der Versammlug ausgetauchte Nebenprojekt, die Bahn anstatt durch daS GeiStal durch da- Rohrbachtal zu führen, wurde als unzweckmäßig verworfen.
):( Hersfeld, 30. Nov. (Schöffengericht.) Wegen Körperverletzung, HauSsriedenSbruch und Sachbeschädigung hatten sich zwei hiesige Fabrikarbeiter zu verantworten. Der eine derselben erhielt zwei Monate und 28 Tage, der andere drei Monate GesängniS. Außerdem wurde der letztere noch wegen WersenS mit Steinen mit einer Woche Hast bestraft. — Wegen FelddiebstahlS erhielt ein hiesiger Fabrikarbeiter 3 Tage GesängniS. — Ein Einwohner auS Gitter-bors wurde wegen Körperverletzung mit 10 Mk. Geldstrafe evt. 2 Tagen Gefängnis belegt. — Von zwei hiesigen Knechten erhielt einer wegen Unterschlagung 6 Mk. Geldstrafe evtl. 2 Tage Gefängnis, der andere wegen Hehlerei eine Woche Gefängnis. — In zwei Fischdiebstahlssachen erfolgte Vertagung bis zum 7. Dezember. — In einer Sache erfolgte Freisprechung; außerdem wurden noch drei Privatklagesachen verhandelt.
Beiseförth, 30. Nov. Ueber die Findigkeit eines Pferdes ist hier in den letzten Tagen viel gelacht worden. Kommt da vor einigen Tagen die Frau deS hiesigen Landwirts in den Pferdestall, um einem Pferde Futter zu geben. Zu ihrem Erstaunen ist aber von einem Pferde, trotz geschlossenem Stalle, nichts zu sehen. Nach langem Hin und Herraten und Suchen geht die Frau die Treppe zum Futterboden hinaus, und sieht dann zu ihrem nicht geringen Schreck daS Pserd ganz vergnügt aus dem Futterboden beim auSgebreiteten Haser stehen und sich gütlich tun. Daß das Herunterschaffen deS Tiere- nicht ganz leicht war, läßt sich denken, er glückte aber. Jedenfalls auch noch nicht oft da gewesen.
Schlächter«, 28. Nov. Die alberne Unsitte der Reser- Vistentrauerbriese hat einer angesehenen Bauernfamilie und ihrer großen Freundschaft gewaltigen Schrecken bereitet. Der Sohn der Familie dient z. Zt. bei einem Kavallerieregiment. Dort zog er sich eine leichte Verletzung zu. Er kam nun ein schwarz- umränderter Trauerbrief bei den Eltern an, worin diese von dem Unsall in Kenntnis gesetzt wurden, dabei stand „noch 300 Tage", dann ist der Soldat tot und wird eingesargt, um alS Reservist aufzuerstehen usw. Die Eltern übersahen in ihrer Erregung den Satz von den 300 Tagen und glaubten, hr Sohn wäre gestorben. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich
die Trauerkunde; einige Nachbarn lasen dann den Brief und klärten die Eltern aus.
Bom Eich-felde, 29. November. Spielende Kinder fanden gestern in der Wipper bei Bernterode (Kreis WorbiS) die Leiche eines gut entwickelten 4—6 Wochen alten Mädchens. DaS Kind, daS anscheinend durch ein Verbrechen zu Tode gekommen ist, war bekleidet mit Hemdchen und Jäckchen. Woher eS stammt und wie eS in daS Wasser gelangt ist, konnte noch nicht scstgestellt werden. Die polizeilichen Ermittelungen sind im Gange.
Bom Eichsfelde, 28. Nov. Auf die Spur zweier jugendlicher Einbrecher kam man jetzt durch Zufall in Freienhagen. Der 18jährige Georg Günther auS Zella, der trotz feiner Jugend eine sehr bewegte Vergangenheit hinter sich hat und wiederholt auS Erziehungsanstalten entflohen war, hatte sich in die Scheune des Landwirts Georg Krebs in Freien- Hagen eingefchlichen, um nachts daselbst einen Einbruch zu verüben, wie er auch tagS zuvor schon bei der Witwe Anna Senge daselbst einen EinbruchSdiebstahl verübt hatte. Der jugendliche Verbrecher wurde einstweilen in das Spritzenhaus zu Freienhagen gesteckt. Als man aber gegen 12 Uhr nachts nach dem Häftling sah, war er bereits aus dem Wege über das Dach entflohen. Der dreiste Bursche kehrte aber am folgenden Tage wieder in dasselbe Dorf zurück und verübte einen dritten Einbruch bei dem Arbeiter Martin Senge. Günther ist zuletzt auf dem Wege nach Heiligenstadt gesehen worden. Der hoffnungsvolle Einbrecherjüngling hat einen Spießgesellen in der Person deS gleichaltrigen Franz Bösecke, der auS dem ManSfeldischen stammt und den G. in der ZwangSerziehungS- anstalt kennen lernte. Da jener Bösecke am Sonntag früh in Rustenselde gesehen wurde, so ist bestimmt anzunehmen, daß die beiden Freibeuter gemeinsame Sache machen.
Fulda, 29. Nov. Einem hiesigen Fabrikarbeiter ist der 15 000 Mark betragende Hauptgewinn der Harzflug-Lotterie zugefallen.
Ziegeuhain, 30. Nov. Aus der Etation LeimSseld geriet gestern der 48jährige Streckenarbeiter Joh. Hahn aus Schön- bom beim Aufspringen in einen fahrenden Zug unter die Räder. Dem Unglücklichen wurden beide Beine abgefahren. Er war sofort tot.
Biedenkopf, 29. Nov. Durch Explosion eine- Spreng- schusseS kamen am Montag nachmittag in der Grube Storch u. Schöneberg bei Gosenbach zwei Bergleute namenS Bäumer auS Oberschelden und Wirt auS Wahlrod umS Leben.
Elm, 27. Nov. Ende voriger Woche stürzte ein beim Zementwerk Elm tätiger Arbeiter auS Altengronau so unglücklich beim Steinbrechen, daß er in daS Kreiskrankenhaus nach Schlächtern verbracht werden sollte. Noch ehe dieses erreicht war, starb der Mann, der Frau und Kinder hinterläßt, an den Folgen deS Sturzes.
Gießen, 29. Nov. Zu dem Niedermörlener Raubmord speziell zu der Verurteilung ErbcS zum Tode wird berichtet: Vor einigen Wochen hat die Muttter des zum Tode Verurteilten ein Gnadengesuch sür den Sohn eingereicht und eine Audienz beim Großherzog nachgesucht, um diesem persönlich ihre Bitte vortragen zu dürfen, welche dahin geht, doch die gegen den noch jungen Menschen erkannte Todesstrafe in lebenslängliche Freiheitsstrafe umzuwandeln. Die Akten Erbes sind übrigens bisher vom Reichsgericht an die Staatsanwaltschaft Gießen noch nicht zurück, diese Behörde wird, wie man hört, die Begnadigung der Erbe nicht befürworten. Sie hat im Gegenteil schon alles vorbereitet, damit eventuell die Sühne sür die Bluttat in Niedermörlen möglichst noch vor Weihnachten eintreten kann.
Darrnftadt, 28. Nov. Auf dem Darmstädter Truppenübungsplatz versuchte gestern August Euler eine neue Drei- decker-Konstruktion von ganz geringen Dimensionen. Der Apparat ist nur sieben Meter lang und sieben Meter breit. Bei diesen ersten Versuchen flog der Apparat süns Kilometer mit dem Steuermann allein. Dann nahm August Euler bei drei Flügen einen Passagier mit. Der Aeroplan zeigte eine so hohe Stabilität, daß Euler sämtliche Steuerungen in der Luft während des Fluges loSlassen konnte und zwar sowohl die Höhen-, die Seiten-, sowie die Schräglagensteuer, die alle, wenn sie bedient werden, nur von der Hand und nicht mit den Füßen betätigt werden. Die Maschine ging al-bald nach LoSlassen sämtlicher Steuerungen, wie beabsichtigt, in einem ganz leicht geneigten Flug nach unten über. Zehn Meter über der Erde wurden die Steuerungen wieder gefaßt und weitergeflogen. Es wurden insgesamt vier Flüge absolviert in einer Länge von je fünf Kilometern, welche sämtlich glatt mit schönen Gleitflügen mit vollständig abgestelltem Motor beendet wurden. Als Passagier flog bei diesen Versuchsflügen der bekannte Flieger Werner Dücker aus Düffeldors mit.
Wiesbaden, 29. Nov. Der im benachbarten Dotzheim fefigenommene Falschmünzer SchultheiS versuchte heute Nacht auS dem hiesigen GesängniS auSzubrechen. Er demolierte seine eiserne Bettstelle und schlug dann eine Oeffnurm in die Wand, durch die er in den Hof gelangte. Beim Uebersteigen der Mauer stürzte er aber ab und blieb mit schweren inneren Verletzungen aus der Straße bewußtlos liegen. Zwei mit ihm auSgebrochene Komplizen glauben, er habe sich zu Tode gestürzt und alarmierten selbst die GesängniSausseher, die die drei AuSbrecher wieder zurückbrachten.
Halle, 30. Nov. Heute mittag stürzten in der Liebenauer Straße die vierjährige Käte Arnold und der dreijährige Kurt Quielitzsch beim Spielen von der Fensterbrüstung drei Stock tief auf daS Pflaster hinab. DaS Mädchen war sofort tot, der Knabe liegt hoffnungslos darnieder.
Arnstadt, 28. Nov. Die 26 Jahre alte Tochter deS OberbriesträgerS Härtung hier stürzte sich im Jonastal von einem etwa 40 Meter hohen Felsen inS Tal, wo sie mit zerschmetterten Gliedern tot liegen blieb.
Koburg, 28. Nov. Der „Erf. Allg. Anz." meldet: In der Uniform eine? Leutnants verübte in Grimmenthal ein Gauner mehrere Schwindeleien und fuhr dann mit der Bahn in der Richtung nach Koburg und LichtenfelS davon. Er stieg indessen schon an der Station Schney auS, so daß er seiner Verhastung, die bereit- in Lichtensels angeordnet war, entging. Von dem salschen Leutnant hat man noch keine Spur.
Rudolstadt, 30. Nov. Heute morgen wurde in der Nähe der Stadt die Leiche einer vier Monate alten Kindes, in einen Pappkarton gepackt ausgefunden. In der Nähe fand man noch eine goldene Damenuhr. Anscheinend handelt es sich um ein Verbrechen. Die Polizei fahndet eifrig nach dem Kindesmörder oder der Mörderin.
Gera, 29. Nov. Wegen bedeutenden Unterschlagungen befindet sich, wie wir meldeten, der Postassistent Steinbach in Untersuchung-Hast. Insgesamt soll er etwa 10 000 Mark an sich gebracht haben. Davon hat er einen Teil zu Wucherzinsen auSgeliehen. 4000 Mk. fand man in einer Ofenröhre in seiner Wohnung vor.
Wochenbericht der Berliner Produktenbörse.
In der am 29. November beendeten BerichtSwoche blieben am Weltmärkte für Getreide die Weizenpreise im allgemeinen behauptet. Zurückhaltung der argentinischen Exporteure und feste Tendenz der JnnlandSmärkte Rußlands infolge der Mißernte in den östlichen Gebieten deS Reiches ließen eine Ab- schwächung nicht auskommen, obwohl man geneigt ist angesichts der weiter sich vermehrenden sichtbaren Vorräte Nordamerikas die dortige Weizenernte höher einzuschätzen, als die bisherigen Angaben lauteten, und obwohl über die australische Ernte jetzt hoffnungsvollere Berichte eingetroffen sind, alS vorher. Bei diesen Verhältnissen machte sich aus dem Berliner Markte nach keiner Seite hin von außen eine besonders krästige Anregung geltend. Im Inlands bleibt das Angebot seitens der Landwirtschaft auffallend schwach sowohl sür Weizen wie für Roggen. Die Besitzer mögen wohl aus höhere Preise für später rechnen, auch ist schon vor Beginn der Feldarbeiten ungewöhnlich viel verkauft worden. Da an der Küste andauernd Begehr nach Ware für den Export namentlich von Roggen besteht, so machte sich daS geringe Angebot ziemlich fühlbar. Andererseits hinderten aber auch hohe Preissorderungen, schwierige Beschaffung von Frachträumen und hohe Seefrachten daS Zustandekommen größerer Abschlüsse. Die Knappheit an Frachtraum hat angeblich darin seinen Grund, daß viele Schiffe in dem KohlentranSport von England nach Italien lohnenden Verdienst gefunden haben. Für den Berliner Lie- ferungSmarkt gewährte das schwache Jnlandsangebot eine Stütze. Doch wegen der hier lagernden bedeutenden Vorräte an Weizen und Roggen, die zum Teil im Dezember angedient werden, sanken Begleichungen per nächsten Monat statt, und infolgedessen gaben für beide Getreidearten die Notirungen für diesen Termin etwas nach, während die FrühjahrSpreise sich behaupten konnten. Hafer schwächte sich anfangs per Dezember durch Realisierungen ab, befestigte sich aber durch Deckungen und Käufe der Proviantämter, da Ware knapp war. Gerste stieg auf regeren Konsumbegehr und erhöhte russische Forderungen. MaiS war sehr sest bei guter Nachsrage und höheren Forderungen deS Auslands. Die Preise für Dezember stellten sich schließlich, wie solgt: Weizen 202%, Roggen 181,50, Haser I8OV2, MaiS 170%.
humoristische Weltrundschau.
WaS sagt die Welt nun wohl dazu, — Zu all' den Rätselfragen, — Die lang gestört Europas Ruh', — UnS gingS fast an den Kragen? — Es war uns aller Nebeldunst, — Von dem Argwohn erzeuget, — Und Dank der Diplomaten Kunst — Ist die Gesahr verscheuchet.--So sprach'- Sir Edward kühnlich aus — In langem Redeflüsse, — Und Englands wackres Unterhaus — Lohnt ihn mit einem Kusse. — O England, du bist schlau und mild, — Rührst nie ein eine Pfütze, — Du strebst nur, daß du bleibst im Bild, — Und jeder Streit dir nütze. — — Und Deutschland ist dadurch beglückt, — Denn eS sieht klar und deutlich, — Daß England niemals schief geblickt — Und liebt uns noch ganz weidlich. — Drum folgen wir auch gern der Spur, — Die Agadir uns zeigte, — Und geht's auch nun nach Hause nur, — Weil man daS Spiel vergeigte.--So was kommt eben manchmal vor! — Das kann kein Mensch bestreiten. — Man ist deshalb noch lang kein Tor — Und hofft aus bessere Zeiten. — Im Flug saust so ein Jahr dahin, — Auch wenn es Aerger brächte. — Dann sieht man rauf ein neue! zieh'n — Und hofft auf Bessrung sachte.--So steht jetzt vieler in der Welt — Wie in der Schicksalswende, — Wo alles Unheil jäh zerschellt — Und neues Glück sich fände. — Der alte Reichstag auch so denkt — Und macht' sich aus die Socken, — Doch wer Deutschland- Geschick nun lenkt, — Der hat was au-zubrocken.--Gar wirr sieht eS im Innern aus, — Und wenig klar nach außen, — Dort kämpft man gar noch blut'gen Strauß — Hier will man sich zerzausen. — ES blitzt und donnert überall — Und dunkle Wolken fliegen. — Doch bangt es unS auf keinen Fall, — Das Gute muß doch siegen.
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— (Der Durst deS verflossenen Sommers.) Infolge der anormalen Hitze deS letzten Sommer- ist im Gebiete der norddeutschen Vrausteuergemeinschast der Bierabsatz um mehr als drei Millionen Hektoliter, etwa 10 Prozent der Gesamterzeugung, gestiegen. Der Bierkonsum in Deutschland in dem am 31. März 1912 ablausenden Steuerjahr wird voraussichtlich 70 Millionen Hektoliter gegen 64,5 Millionen Hektoliter im vorigen Jahr betragen. Der allgemeinen Konsumsteigerung entsprechend wird der DurchschnittSverbwuch, der von 119 Liter im Jahre 1900 auf 100 Liter im Jahre 1909 ständig zurückgegangen ist, für daS lausende Jahr wohl um einige Liter in die Höhe gehen.
— (Im Zementbassin erstickt.) In der Zuell- chower Zementsabrik stürzte der 15jährige Arbeiter Filte in ein mit Zement gesüllteS Bassin, in dem er sofort unterging und erstickte. Er konnte erst nach angestrengter Arbeit alS Leiche geborgen werden.
— Dessau, 28. Nov. Der 15jährige Mechanikerlehrling Matthias hatte sich Benzin über die Kleider gegossen. M. hantierte darauf an einem glühenden Ofen, daS Benzin fing Feuer, und im Nu standen die Kleider des Jungen in hellen Flammen. Er erlitt dabei so schwere Brandwunden daß er starb.
— (Ersr 0 ren ausgefunden.) In Heißwedel wurde Donnerstag morgen der Fakultant Apel erfroren aufgefunden. Er war am Abend spazieren gegangen und scheint sich dabei verirrt zu haben. Vermutlich war er gezwungen, im Freien zu nächtigen, und ist dabei ersroren.
— Port Said, 30. Nov. Der britische Dampser PeloruS ist gestern im Euezkanal mit einem mit vier Personen bemannten Boot zusammengestoßen, welches sank. Zwei Personen ertranken.
— Newyo rk, 30. Nov. Der im italienischen Viertel wohnende Arbeiter PloScia, der in sehr dürftigen Verhältnissen lebte und seine Frau, die zum Unterhalt der Familie beitragen mußte, häufig mißhandelte, erschoß sie auS der Wut darüber, daß sie ihn verlassen wollte, mit einem Revolver. Dann tötete er seine beiden Kinder, die Schwiegermutter und zwei Kusinen, die die Wohnung mit ihm teilten und erhängte sich selbst.
— (Furchtbarer Selbstmord einerKindeS- mörderin.) Die wegen KindesmordS im GesängniS zu Kolberg befindliche 16 Jahre alte Anna Lucht übergoß sich in der UntersuchungSzelle mit Petroleum auS der Zellenlampe und zündete sich an. Als daS GesängniSpersonal ihr zu Hilfe eilen wollte, war sie schon tot.
— (Kindermund.) Der „Münchner Zeitung" erzählt jemand folgende hübsche Geschichte: In den Jsarauen sah ich