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erlebt." Der Korrespondent der Times sagt:Selbst wenn man die Gebote der KriegSlage in Betracht zieht, kann man sich deS Eindrucks nicht erwehren, daß diese abscheuliche Rache Grund zu einem blutigen Krieg und zu erbarmungsloser Wiedervergeltung geben muß. Ich habe Grausamkeiten erlebt, die im 20. Jahrhundert kaum durch militärische Gründe gerechtfertigt werden können."

Hm Jn- und HMland.

Der Kaiser nahm heute vormittag im hiesigen Königl. Schloß die Vorträge der ChesS deS Militärkabinetts, Generals der Jnsanterie Freiherrn von Lyncker, und deS Chefs deS Admiralstabes der Marine, Vizeadmirals von Heeringen, ent­gegen und empfing sodann den Reichskanzler Dr. von Beth- mann Hollweg, der zur FrühstückStasel geladen wurde.

Der Kaiser hat an den Fürsten Leopold von Lippe-Detmold ein Handschreiben gerichtet, in welchem er dem Fürsten Leopold, alS den Chef deS 3. Bataillons Infanterie-RegimentsGrafen Bülow von Dennewitz", mitteilt, er habe alS StiftungStag dieses Truppenteile-, bei ehemaligen Füsilierbataillons Lippe, den £0. Juli 1697 fest­gesetzt. Der Kaiser weist daraus hin, daß er hiermit einem vom Fürsten geäußerten Wunsche entspreche, der ihm um so größere Genugtuung gewähre, alS er dadurch Gelegenheit ge­funden habe, die Erinnerung an die für die lippischen Truppen so ruhmvoll bestandenen Kämpfe, namentlich ihre Teilnahme am Mainfeldzuge 1866, zu beloben und im preußischen Heere für alle Zeiten Wacht zu halten. Am Schlüsse deS Schreiben- erneuert der Kaiser die Versicherung seiner freundlichen Ge- sinnung für den Fürsten Leopold, sich hierbei alS besten freundwilligen Vetter" bezeichnend. Diese kaiserliche Kund­gebung mit ihrem ganzen, so ungemein verbindlichen, Tone gegenüber dem Fürsten Leopold von Lippe-Detmold darf wohl alS ein Anzeichen dasür betrachtet werden, daß die längere Zeit bestandenen Verstimmungen zwischen den Höfen von Berlin und Detmold nunmehr definitiv beseitigt sind.

Der am vergangenen Sonntag in BreSlau abgehaltene konservative Parteitag für die Provinz Schlesien hat wegen der politischen Programmrede, mit welcher der bekannte konservative Führer v. Heydebrand und Lasa hierbei hervorgetreten ist, auch in weiteren Kreisen ein gewisses Aus­sehen erregt. In der Rede verteidigte er die konservative Partei energisch gegen die mancherlei Angriffe, welche in den letzten Jahren von der Linken auS wider sie gerichtet worden sind, und polemisierte weiter schars gegen den Bauernbund, den Hansabund, den LiberaliSmuS und ganz besonders gegen die Sozialdemokratie. Der Redner bedauerte dann den Kamps zwischen den bürgerlichen Parteien und forderte dann zum Zusammenschluß eine- GroßblockeS der bürgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokratie aus. Nachdem Herr Heydebrand die äußere Lage flüchtig gestreift hatte, sie alS für Deutsch­land sehr schwierig hinstellend, zollte er der Marokkopolitik der Reich-regierung Anerkennung. Zuletzt betonte er, wie gerade in Hinblick aus die auSwärtige Politik eine feste, einige und starke Konservative Partei für Deutschland notwendiger sei alS je. Die Rede wurde von der starkbesuchten Versammlung mit stürmischem Beisall ausgenommen.

DieNordd. Allg. Ztg." dementiert die Zeitungsnachricht, die preußischen Landräte hätten eine Anweisung erhalten, worin sie ausgesordert würden, sich über schwerwiegende An­griffe gegen die Regierung bei der jetzigen Reich-tags- w a h l b e w e g u n g in der Presse und in den Flugblättern genau zu orientieren. Das Berliner Regierungsblatt gibt lediglich zu, daß der Minister deS Innern die Regierungs­präsidenten ersucht habe, ihm über in ihren Provinzen gegen die Politik der Staat-regierung gerichtete, auf wirkliche- oder angebliches Zahlenmaterial gestützte Angriffe schwerwiegender Natur, welche die kommenden Reichstag-Wahlen beeinflussen könnten, Bericht zu erstatten.

Ueber den Baumwollbau in unsern Kolo- n i e n wird geschrieben: Nach zuverlässigen Mitteilungen auS Togo wird dieser Schutzgebiet im laufenden Jahre für mehr alS eine Million Mark Rohbaumwolle auSsühren. Der erste Baumwollexport auS Togo fand im Jahre 1903 statt und belies sich aus kaum 40 000 Mk. Im Jahre 1909 ergab die Ausfuhrstatistik der kleinen Kolonie eine AuSsuhr an Rohbaum­wolle von etwa 400 000 Mk. Innerhalb zweier Jahre ist nun wiederum mehr alS eine Verdoppelung der Baumwoll- erzeugung erreicht. Diese Steigerung ist um so beachtenswer­ter, weil sie nahezu ganz aus der Ernte farbiger Bauern beruht und nur zu einem geringen Teile den größeren Pflanzungen entstammt. Dabei ist die Qualität sehr gut; in einem kürz-

geringen Erstaunen seine Mutter auf der Schwelle stand. DaS Mädchen, dar sie bis dahin gebracht hatte, zog sich zurück. Herr Ferdinand sprang aus, eilte der alten Dame entgegen und führte sie sorglich zu einem bequemen Stuhle.

Mutter, was verschafft mir diese seltene Ehre," sagte er, noch ganz überrascht.

Ich muß dich allein sprechen, mein Sohn."

Ich hätte ja zu dir kommen können."

Er ist bester so. Wir sind doch ganz allein?"

Ganz allein, Mutter." Er stand aus und riegelte die Tür nach dem Kontor ab.

Ferdinand," begann die Blinde,Klärchen hat mir alles gesagt."

DaS Gesicht der Sohne- verfinsterte sich.Sehr über­flüssig," sagte er unzusrieden;sie hätte dich mit dieser üblen Geschichte nicht beunruhigen sollen."

Ich wußte eS ohnehin, und ich habe diese Aussprache veranlaßt.

»Ich hoffe, die Sache ist nun endgültig abgemacht; August hat sich sehr edelmütig benommen."

Aber, ich möchte dich doch bitten, Ferdinand, diese Heirat nicht zuzugeben."

Ich verstehe, Mutter, daß er dir widerstrebt, August an ein Mädchen zu verheiraten, da- sich seinersso unwürdig gezeigt hat. Er ist aber alt genug, um selbständig und allein zu entscherden, und er hat entschieden."

Ich denke nicht nur an August, obgleich ich auch für ihn in dieser Sache fürchte, ich denke aber auch an dar Mädchen."

An dar Mädchen? Ich verstehe dich nicht, Mutter, das Mädchen, meine ich, kann sich glücklich schätzen, wenn wir sie nicht verstoßen, obgleich sie sich dessen wert gemacht hat."

Sie liebt Rehberg, Ferdinand."

Pah !" machte Herr LüderS,sie wird diese Schrulle bald genug vergessen. Er ist dafür gesorgt, daß der undankbare leichtsinnige Bursche ihren Weg nicht mehr kreuzt."

Ich glaube nicht, daß sie ihn so leicht vergessen wird, und sie zwingen zu dieser Heirat, heißt sie unglücklich machen."

lich an das ReichSkolonialamt gerichteten Schreiben wurden die jüngsten Sendungen von Togo-Baumwolle alsein vor­zügliche- Material, welches die ersten vielversprechenden Erträge der Togo-Baumwollkultur in der Qualität wieder erreicht hat", bezeichnet. In Deutsch-Ostafrika besteht ein ausgedehnter plan» tagenmäßiger Baumwollanbau seit 1903. In den letzten bei­den Jahren hatte man hier viel unter Schädlingen zu leiden, daS Jahr 1911 hat jedoch nach dem Rückgang der Ernten eine wesentliche Besierung gebracht, die sich allerdings zahlen­mäßig noch nicht ausdrücken läßt. Da bereits 1910 für 750 000 Mark Rohbaumwolle aus Deutsch-Ostafrika auS- geführt wurde, so wird in diesem Jahr sicher die Summe von einer Million erreicht werden. Unsere Schutzgebiete werden also zusammen einen Baumwollexport im Werte von über 2 Millionen Mark auszuweisen haben. Diese Leistung ist in weniger alS einem Jahrzehnt erreicht, sie ist in erster Linie der Tätigkeit bei Kolonialwirtschastlichen KomiteeS zu danken. Die deutsch-ostafrikanische Baumwolle hält an Qualität den Ver­gleich mit den besseren ägyptischen Marken auS, während man in Togo hauptsächlich nordamerikanische Spielarten anbaut. DaS in unseren Kolonien für Baumwollversuche ausgewendete Kapital beziffert sich auf etwa 2 Millionen Mark. Da nun unsere Kolonien bis zum vorigen Jahre etwa für 5 bis 6 Millionen Mark Baumwolle geliefert haben, so sind jene Summen jedenfalls nicht vergeblich auSgegeben worden.

Eine umfassende Denkschrift über die Leben-- mitteltcuerung hat der Deutsche LandwirtschastSrat den Mitgliedern deS Reichstags und BundeSratS überreicht, in welcher zum erstenmal der Versuch gemacht ist, das gesamte Material der amtlichen Statistik über die Entwicklung deS Bodenerträge- und der Viehproduktion, ferner über die Be­wegung der Preise und daran anschließend über die Bewegung der Löhne in den letzten 30 Jahren übersichtlich zur Dar­stellung zu bringen. Die Nachweisung der Preise erstrecken sich zum Teil über ein Jahrhundert zurück und beschränken sich nicht nur auf Getreide- und Viehpreise sowie aus Brot- und Fischpreise, sondern belehren auch über die Preisentwicklung der übrigen LebenSmittel im Kleinhandel wie von Kartoffeln, Mehl, Erbsen, Bohnen, Linsen, Graupen, Wurst, Speck, Butter, Käse, Schmalz, Milch, Zucker, RnS usw. Zur Unter­lage der Tabellen haben die Publikationen deS Kaiserlichen Statistischen AmteS und der Statistischen Landesämter in Preußen, Bayern, Württemberg und Baden sowie deS Statistischen AmteS der Stadt Berlin gedient.

DieUnterzeichnungdesMarokkoabkommens ist wider Erwarten auch gestern noch nicht erfolgt. Im letzten Augenblick hat Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter Pariser Blättern zufolge noch einige Aenderungen im Trxt für not­wendig gehalten, die Frankreich der Form nach nicht annehmen konnte. Wie dieTägl. Rundsch." von unterrichteter Stelle erfährt, ist eS möglich, daß daS Abkommen am Mittwoch unterzeichnet wird, wenn nicht der amtliche französische Feiertag Aller Heiligen, oder daS deutsche Aller Seelen die Angelegenheit verzögern sollten. In diesem Falle wäre die Unterzeichnung Freitag zu erwarten. DieVoss. Ztg." kündigt an, daß die Unterzeichnung über die Landabtretungen spätesten- am Mitt­woch zu erwarten sei. Die amtliche Veröffentlichung bei Wortlaute- bei Vertrages würde bestimmt noch in dieser Woche erfolgen. Ein Vertragsdokument für den Reichstag wird sich im Einkauf der nächsten, bekanntlich auf den 7. November anberaumtcn Sitzung befinden. Gleichzeitig wird auch der französischen Deputiertenkammer ein Gelbbuch des Auswärtigen AmteS zugehen, in dem alle diplomatischen Dokumente und Besprechungen seit dem Juli d. Js. enthalten sein werden.

Die Reichstagskommission setzte nach zweitägiger Pause gestern nachmittag die Beratung bei Angcstelltenver- sicher ungsgesetzeS fort. Der AbschnittSchiedsge- richte und Oberjchied-gerichte", in dessen Beratung man am Sonnabend schon eingetreten war, wurde einstweilen auSgesetzt. ES beginnt die Beratung bei Abschnitt- von der Ausbringung der Mittel. Die Höhe der Beiträge wird nach den Vorschlägen der Regierungsvorlage unverändert genehmigt; die SteigerungS- sätze betragen in den neun Gehalt-klassen monatlich 1,60 bis 26,60 Mk. Der Zeitpunkt für die erstmalige Vorlage einer versicherungStechnischen Bilanz wird, um ein sichereres Bild zu bekommen, zwei Jahre hinauSzuschieben, aus den 31. Dezember 1919. Damit wird auch der Zeitpunkt für die in der neulich angenommenen Resolution über Einsührung einer Kinderzu­schußrente um zwei Jahre aus diesen Termin vertagt. Nach § 175 erhöht der BundeSrat die Beiträge entsprechend, wenn die Bilanz einen Fehlbetrag ergibt; umgekehrt können bei einem Ueberschuß die Leistungen erhöht werden. Anträge der VolkSpartei und der Sozialdemokratin, hierbei die Zustimmung

Herr Ferdinand schritt unruhig im kleinen Zimmer auf und ab.

Unglücklich? Unglücklich?!" rief er.Dieses Mädchen das betteln müßte, wenn ich sie heute auS dem Hause wiese; diese Person, die kein Hemd auf dem Leibe hat, daS sie ihr eigen nennen kann, unglücklich, weil sie meinen Sohn heiraten soll, weil sie einst die Herrin dieses Hauses werden, einen ehrenhaften Namen tragen, eine Existenz führen soll, wie sie sie niemals hat erträumen können? An der Seite eines so soliden, rechtschaffenen Manne- wie August? Pah ich lache über diese- Unglück. Beunruhige dich nicht, Mutter! Wenn sie wirklich so töricht sein sollte, sich heute unglücklich zu fühlen, ich versichere dir, wenn sie erst Augusts Frau sein wird, wenn sie vielleicht überS Jahr einen Sohn auf ihrem Schoße wiegt, ist dieses große Unglück in eitel Glück ver­wandelt."

Ferdinand, ich habe deinen Vater auch geheiratet, ohne ihn zu lieben," sagte die alte Frau mit bewegter Stimme, aber mein Herz war frei. Da- war etwas anderes."

Mutter," rief Herr LüderS ungeduldiger, als er sonst mit der alten Frau zu sprechen pflegte,siehst du denn nicht ein, daß diese ganze unsinnige Geschichte nur entstanden ist, weil dieser Nichtsnutz von einem Leichtfuß und Habenichts, dieser gewissenlose Schlingel, die Abwesenheit August- und die Un­wissenheit und Unbesonnenheit diese- unerzogenen Mädchens benutzt hat, um ein Liebe-abenteuer zu beginnen? Heiraten kann er sie doch nicht niemals, wird auch bald genug sie und die ganze Sache in den Wind schlagen."

So laß ihr wenigsten- Zeit."

Bitte, Mutter, wir wollen von dieser Sache, wenn du erlaubst, nicht mehr reden, ich muß diese Dinge August über­lassen. Einen Skandal für ihn und un- kann ich durch dieser alberne Mädchen nicht heraufbeschwören lassen."

Die alte Frau kämpste einen Augenblick mit sich, dann sagte sie, ihre Hand nach ihm au-streckend, mit bewegter Stimme:Ferdinand, ich beschwöre dich noch einmal, stehe von dieser Heirat ab. Gottes Segen ist nicht dabei." Und da er schwieg und sie hörte, wie er die Tür zum Kontor wieder aufriegelte, stand sie auf und nach ihm tastend, faßte

der Reichstage- vorau-zusetzen, werden von der Regierung entschieden bekämpft und finben nicht die Mehrheit.

Die Lage der Manschu-Dynastie wird immer kritischer. Der Schwerpunkt der AusstandeL hat sich jetzt teili nach Kanton, teilt nach Peking verschoben. Die Truppen in Petschili und der Manschurei meutern, und aul den Pro­vinzen Schansie und Schensi kommt eine UnglückSbotschast nach der anderen. So sieht sich die Pekinger Regierung ganz aus Juanschikai- Vermittlung-aktion angewiesen: dieser selbst freilich scheint eine etwas zweideutige Rolle zu spielen. AuS Hankau wird vom 29. gemeldet: Ein Finanzbeamter in Jtschang und andere Manschubeamte sind von den Rebellen getötet worden. Die Aufständischen halten die Ordnung rück­sichtslos aufrecht und richten alle Plünderer hin. ES wird über Ausschreitungen der Truppen in Iintschang berichtet, die unter der Landbevölkerung plündern und morden, so daß diese teils flüchtet, teils höher gelegene Plätze befestigt hat.

Hm Provinz *. Nachbargebiet

* (Die Briessallen.) DaS Verschieben von Brie­fen und Postkarten in Druckjachensendungen bildet fortgesetzt die Ursache unliebsamer Briesverschleppung und Briefverluste. Ungeachtet wiederholter Anmahnungen durch die Presse und trotz unmittelbarer Einwirkung der Postanstalten auf die Ab­sender werden viele Drucksachensendungen leider immer noch in so mangelhafter Veipackung zur Post geliesert, daß sie leicht zu Fallen sür kleinere Sendungen werden. AlS besonder- gefährlich in dieser Beziehung erweisen sich, wie neue Fest­stellungen bestätigen, die häufig zur Versendung von Druck­sachen benutzten offenen Briefumschläge, bei denen die Absender die am oberen Rand oder an der Seite vorhandenen Kloppe nach innen einschlagen. In den dadurch entstehenden Spalt verschieben sich Briese, Postkarten usw., die dann in der Druck­sache oft weite Irrfahrten machen. Im eigensten Interesse bei Publikums muß eindringlich davor gewarnt werden, die Kloppe solcher Umschläge nach innen einzuschlagen; viel besser ist es, die Klappe über die Rückseite bei Umschlags lose Über­hängen zu lassen. Als recht zweckmäßig haben sich Umschläge bewährt, die an der Verschlußklappe einen zungenartigen An- satz haben, der in einen äußeren Schlitz bei Umschlags gesteckt wird. Sie sichern den Inhalt vor dem HerauSsallen und ver­hindern daS Einschieben anderer Sendungen; ihre möglichst ausgedehnte Verwendung ist im allgemeinen Interesse zu wünschen. Verhältnismäßig häufig verschieben sich auch Briefe usw. in Zeitungen, die unter Streifband verschickt wer­den. Er ist dringend zu raten, die Streifbänder so fest wie möglich um die Zeitungen zu legen, nachdem diese umschnürt worden sind.

p. Hersfeld, 1. November. (November.) Der Monat November hat seinen Einzug gehalten. Er hat seinen Namen vom lateinischen Zahlwort novem, bai heißt, neun, weil er bei den alten Römern, bei denen das Jahr nicht mit dem Januar, sondern mit dem März begann, der neunte Monat war.Trübe wird's, die Wolken jagen," sagt ter Dichter, unb wo der November bildlich dargestcllt wird, ver­gißt man sicher nicht die fallenden Blätter und Nebelschleier, die diesem Monat das ihm eigentümliche Gepräge geben. Der November ist so recht der Monat der Melancholie; denn wie kein Monat im Jahr erinnert er an die Vergänglichkeit alles Irdischen; keiner wie er jührt so zwingend zur ernsten, stillen Einkehr und zu Gedanken an den Tod. Fast selbstverständlich scheint ei uns daher, daß er Bußtag und Totensonntag in sich schließt. Für die katholische Kirche sind die beiden ersten Novembertage von besonderer Bedeutung. Am 1. November feiert sie ihr Allerheiligenfest, das von Papst Gregor IV. zum allgemeinen Kirchenfeste erhoben wurde, und der 2. November ist das katholische Totenfest, der Allerseelentag. Des Land­manns Wunsch ist ein trüber und feuchter November, denn in den alten Bauernregeln heißt eS:

Im November viel Naß, Aus den Wiesen viel GraS.

Dagegen:

November trocken und klar

Bringt wenig Segen füri ganze Jahr.

Der 3. November ist der Tag deS heiligen HubertuS, bei Schutzpatrons bei edlen WeidwerkS, der von den Jägern durch fröhliche Jagden, die sogenannten Hubertusjagden, ge­feiert wird. Der 11. November ist der Martinstag, der dem Andenken bei heiligen Martin geweiht ist und an dem die MartinsganS bei Tisch nicht fehlen darf. Der 30. November aber ist der GedächniStag bei heiligen Andreas, deS Bruders deS Apostels Petrus, der in älterer Zeit als Schutzheiliger der Ehe galt und an die Stelle bei germanischen Eonnen-

sie seine Hand:Mein Sohn, ich Bitte dich, denke doch daran, wie schwer ei für ein Kind ist, du warst doch auch einmal jung."

Ja, Mutter," sagte er, und seine Stimme klang härter und kälter als zuvor,ich war auch einmal jung, und da hat mich niemand gesragt, ob ich Henriette Burgsrodt liebte oder eine andere!"

Die Blinde senkte den Kops, e- pochte jemand an die Kontortür.

Gott helfe uns," murmelte die alte Frau,rufe mir dak Mädchen, Ferdinand."

Erlaube, daß ich dich selbst hinaufführe."

Alle Vorbereitungen zur Hochzeit wurden getroffen. Frau Henriette arbeitete vom Morgen bis zum Abend, und Klär­chen half, so viel sie konnte. ES war ihr dabei, als werde dies alles für jemand ganz Fremde- getan. Sie ging umher ohne irgend einen anderen Gedanken, als an die Arbeit, die ihr gerade aufgetragen war. Sie schien wie innerlich erstorben. August behandelte sie sehr rücksichtsvoll. Er drang nicht mit Zärtlichkeiten aus sie ein, er erwähnte mit keinem Worte den Vorfall mit Heinz. Eine- Tage- gab er ihr schöne Geschenke, Schmuck, Kleiderstoffe, Spitzen, die er für Sie au- Frankreich mitgebracht hatte. Sie war ganz verwirrt über seine Güte. In ihrem Zimmer legte sie alle die schönen Sachen beiseite, bedeckte die Augen mit den Händen und stöhnte leise. Ach, warum waren sie doch alle so gut zu ihr I Hätten sie sie doch lieber aus die Straße gestoßen! Lieber ihr Brot von Tür zu Tür betteln, als dieses elende Gefühl der Undankbarkeit, der Schuld mit sich herumschleppen. Auch Herr Lüder- war höflich, bisweilen sogar freundlich gegen sie. Frau Henriette schien ei förmlich daraus anzulegen, sie durch Güte zu be­schämen, aber bei ihr fühlte sie den Stachel, der darin lag, am schmerzlichsten. Ach, hätte sie für sie arbeiten können, Tag und Nacht, wie die niedrigste Magd hätte sie schaffen wollen. Warum mußte ei gerade diese Weise sein, in der sie ihren Dank verlangten?"

(Schluß folgt.)