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Beratung des PrivatbeamtenversicherungSgesetzeS in der Kommission möglichst zu fördern. An einem der ersten Tage nach Wiederaufnahme der Plenarverhandlungen soll dann die schon längst angekündigte Aussprache über die auswärtigen Angelegenheiten, speziell über Marokko, vor sich gehen. Nach den neuerlichen Beschlüssen des Seniorenkonvent- sollen vor Schluß deS Reichstages auch noch die Novelle zur Gewerbe­ordnung, sowie die Vorlagen über die Errichtung von Arbeit-- kümmern und über die Regelung der Heimarbeit zur Erledigung gelangen. In der letzten Sitzung des Seniorenkonvents war nationalliberalerseitS der Antrag gestellt worden, der Reichs­tag solle den Reichskanzler um eine Erklärung darüber ersuchen, daß erstens das deutsch-französische Gesamtabkommen über Marokko nicht eher zum formellen Abschlüsse gebracht werde, biS der Reichstag hierüber gehört worden sei, und daß zweitens ohne Genehmigung der Reichstages weder deutsches Schutz­gebiet abgetreten noch neues Kolonialland erworben werden solle. Das Zentrum wie die Konservativen äußerten jedoch Bedenken gegen diesen Antrag, der infolgedessen von den Nationalliberalen wieder zurückgezogen wurde.

Der Kmg in Tripolis.

Alle die jüngsten Kämpfe in Tripolitanien sowohl bei der Stadt Tripolis als auch in Benghasi und Derna deuteten darauf hin, daß den Italienern noch schwere und verlustreiche Kämpfe bevorstehen, ehe eS ihnen gelingt, von der Küste auS ohne den Schutz der SchiffSgeschütze tiefer in das Innere deS Landes einzudringen. Alles bisher von ihnen Geleistete er­scheint alS eine Kleinigkeit gegenüber den ernsten Schwierig­keiten, die die italienischen Truppen dann zu überwinden haben werden. Welche Bedeutung den Kämpfen bei der Oase von Tripolis zukommt und welche großen Verluste die Italiener erlitten, erhellt aus der nachstehenden Meldung der Frankfurter Zeitung auS TripoliS:

Nach zuverlässigen Mitteilungen betrugen die italienischen Verluste am 23. Oktober 300 Tote und viele Verwundete, darunter viele Offiziere. Die schwersten Verluste hatte daS 11. Bersaglieri-Regiment. Viele Verwundete wurden entsetzlich verstümmelt. Durch diese Vorfälle (hat sich die allgemeine Lage völlig verändert. Der Krieg beginnt erst! Die sofortige Entsendung von Verstärkungen ist unvermeidlich. Die Ein­geborenen selbst in der Stadt lehnen sich vorläufig nur gegen die Italiener auf, doch könnte die Bewegung leicht allen Europäern gefährlich werden. Ueber die Stärke der Stel­lungen der Türken waren die Italiener schlecht unterrichtet. Von türkischer Seite verfichert man, bisher seien 30,000 Ein­geborene eingetroffen, ganze Stämme mit zahlreichen Kamelen und großen Vorräten. Zwei angesehene Scheichs werden noch erwartet. Weitere türkische Stabsoffiziere sind zu den Truppen abgegangen. Den Oberbefehl hat jetzt Haffan Riza-Pascha, ein Schüler der deutschen Offiziere aus Saloniki. Ferner ist eS gelungen, große Geldsummen den Truppen zuzusenden. Schon vor Tagen sollen arabische Truppen eine italienische Kavallerieschwadron überrascht und nieder- gemacht haben. Die letzten Vorfälle riefen bei den Europäem Bestürzung hervor. Die Stimmung ist gedrückt, jeden Augenblick ist eine neue Panik möglich. Aus der Cyrenaika kommen infolge der amtlichen Schweigens nur un­bestimmte Nachrichten nach Tripolis. Hassun-Pascha, der von den Italienern bestätigte Bürgermeister von Tripolir, der längst eine italienische Jntewention angestrebt hat, forderte seinen Sohn, einen türkischen Artillerieoffizier bei dem OperationSheer, auf, in die Stadt zurückzukommen. Der Sohn antwortete, er werde sich freuen, nach Tripolis zu kommen, wo er sofort feinem Vater für dessen Venat den Kops abschneiden werde.

TripoliS (via Tunis), 26. Okt. Eine von den Italienern unternommene scharse Rekognoszierung nach dem Süden, an der zwei Infanterie-Regimenter mit Artillerie und Reiterei teilnahmen, verlief ergebnislos. Die Expedition blieb nach drei Stunden im Sande stecken und mußte umkehren. Jm allernächsten Hinterland der Stadt Tripolis befinden fich 30,000 irreguläre arabische Reiter unter türkischen Offizieren. Die türkischen Vorposten stehen zwölf Kilometer südlich von Tripolis bei Ainsara. Die Hauptmacht liegt dahinter. Araber bringen die Nachricht, daß die dortigen Bergketten stark besestigt werden. Die italienischen Vorposten im Westen von Tripolis weisen Lücken aus. Die Truppen haben sich bei TripoliS häu-lich eingerichtet, Etallungen gezimmert sowie Feldbäckereien und zahlreiche Lazarette errichtet. Die gesamte Ver­pflegung kommt aus Italien. Die schweren Pserde, Maultiere und Esel, die hier gelandet find, sind alle im Sande unbrauchbar, da sie nicht trainiert find und täglich zweimal getränkt werden müssen, anstatt zweitäglich, wie dies insolge des Wassermangel- nötig ist. Die Manneszucht der Italiener ist musterhaft. Die LebenSmittelpreise steigen und die Cholera nimmt immer mehr an Au-dehnung zu. Von den Kämpsen bei Benghasi wird noch ergänzend berichtet, daß die Araber vor der Einnahme der Stadt durch die Italiener sich der OrteS bemächtigt hatten, da die Türken ihn mit zu wenig Energie verteidigt haben sollen. Die dortigen Araber stehen tatsächlich vollkommen unter dem Einfluß der Senussi.

Tripolir, 26. Okt. Die Nacht vom 24. zum 25. Oktober verlies ruhig. Gestern morgen bemerkte ein Aeroplan anrückende feindliche Streitkräste sowie andere, die 15 Kilo­meter von den italienischen Vorposten entfernt lagerten. Diese Truppen wurden durch den AufklärungSoffizier auf nicht weniger als 50006000 Mann geschätzt. In der Oase von TripoliS, 800 Meter von der italienischen Ver­teidigungslinie, bemerkte Man zahlreiche Bewaffnete, die jedoch keinen Angriff machten. Die Oase wurde daraus durch italie­nische Kruppgeschütze und durch SchiffSgeschütze beschossen. Die im Rücken der italienischen Stellungen befindliche Oase wurde von gesährlichen Elementen der dort wohnenden Araber gesäubert. Bei einer Rekognoszierung auf dem linken italie­nischen Flügel wurden über 300 vom Feind zurückgelassene Leichen gesunden.

Xus Jn- und Xusland.

AuS Kiel wird gemeldet: Zur Einweihung-feier der Rathauses am 2. November hat der Kaiser sein Erscheinen in AuSsicht gestellt. Der Kaiser und die Kaiserin werden sich im Automobil von der Akademiebrücke auS nach dem Rathaus begeben und dort von den beiden Bürgermeistern und dem Stadtverordnetenvorsteher empsangen werden. Der Kaiser wird dann nach einer Ansprache bei Oberbürgermeister- einen Ehrentrunk entgegennehmen. Die Feier wird vormittag- HVt Uhr stattfinden.

Da- Staat-ministerium wird sich demnächst mit der Frage dnEinberufungde-Landtage - beschäftigen. Da­

nach bestünde die Absicht, den Landtag am 9. Januar 1912 einzuberufen; er werde sich aber am gleichen Tage wieder ver­tagen, nachdem der Finanzminister den Etat in einer geschäft­lichen Sitzung eingebracht habe. Da die Stichwahlen zum Reichstag am 19. Januar stattfinden werden, so nimmt man an, daß der Landtag seine Beratungen am 23. Januar wieder ausnehmen wird.

Die formelle Abnahme bei Zeppelinl ust- schiffeS8. Z. 9" ist noch nicht erfolgt. Da der Luftschiffbau Zeppelin aus bedingungslose Abnahme Wert legt, und eine der Abnahmebedingungen wegen Nebel- aus der 20-Stunden- fahrt nicht vorgeführt werden konnte, findet in den nächsten Tagen noch eine Fahrt statt, an der zwei Offiziere der Ab­nahmekommission teilnehmen. ES handelt sich um eine Höhen- fahrt, die in 1200 Meter acht Stunden dauern soll.

Ueber die Baumwollernte im Süden von Deutsch-Ostafrika wird auS Lindi berichtet, daß die Aussichten für die diesjährige Baumwollernte am Rufiyi im Bezirk Lindi und in der Umgebung von Kilwa ausgezeichnet sind. Die in vollem Gange befindliche Ernte zeigt wesentlich höhere Erträge als in den Vorjahren. Im Mohoro-Bezirk und am oberen Rufiyi rechnet man mit einer Ernte von über einer Million Pfund. Bei Anfang der diesjährigen Kampagne sind vom Bezirksamt Mohoro an die Eingeborenen 800 Zentner Baumwollsaat abgegeben worden, die Nachsrage ist damit aber längst nicht gedeckt. Im Bezirk Kilwa erwartet man wohl eine sehr gute Ernte, doch wird sie der ursprünglichen Annahme nicht entsprechen. Der Aufschwung aber, den die Baumwoll- kultur im Bezirk Lindi im letzten Jahre genommen hat, ist ganz auffallend; eS wird mit einer AuSfuhr von mindesten- 1000 Ballen Baumwolle gerechnet.

Die amtliche Veröffentlichung deS Marokko-Ver- trage- nebst dem Abkommen über die KriegS-Kompensationen ist für diese Woche nicht mehr zu erwarten, sie wird aber wahrscheinlich am 3. oder 4. November erfolgen können. Bir dahin dürfte auch der kleine Rest der Verhandlungen, der noch auSsteht, völlig erledigt sein. Botschafter Cambon hatte gestern eine Konferenz mit Staatssekretär v. Kiderlen-Waechter, den er im Lause deS Tages voraussichtlich noch einmal sprechen wird. AuS PariS, 26. Oktober, wird gemeldet: Die gestrigen Meldungen, daß der Text deS Marokko-Abkommens bereits durch die deutsche und französische Regierung den Mächten unterbreitet worden sei, wird von zuständiger Seite als verfrüht bezeichnet. Die Uebermittlung soll nicht vor Unterzeichnung bei gesamten Abkommen- erfolgen. Man nimmt hier an, daß England im Anschluß an die Zustimmung zu dem deutsch-französischen Vertrage die Anerkennung der Annexion deS Kongostaates durch Belgien vollziehen werde. England wird vertragsmäßig auch über die nunmehr bevor­stehenden Unterhandlungen mit Spanien aus dem lausenden gehalten werden, die einen durchaus freundschaftlichen Charakter erhalten sollen. Es handelt sich, wie schon gemeldet, darum, eine Form zu finden, in der Spanien- Ansprüche in Nord­marokko gewahrt werden unter gleichzeitiger Anerkennung deS durch den deutsch-französischen Vertrag geschaffenen Protektorats Frankreichs über ganz Marokko. Der Vertrag enthält zugleich für ganz Marokko Verpflichtungen, die Frankreich übernommen hat, namentlich das Verbot der Erhebung von AuSsuhrtaxen aus Erze. Die Verhandlungen sind daher sehr delikater Natur, und man hofft deswegen, England werde crsorderlichensalls seine guten Dienste dabei anbieten.

Nach den nun festgestellten Ergebnissen deS unlängst aus dem ProbefahrtSverhältniS entlassenen Linienschiffe- OstfrieSland hat sich eine Fahrgeschwindigkeit von ungefähr 21,25 Seemeilen in der Stunde ergeben. Danach hat OstfrieSland die ausbedungene Schnelligkeit von 20 Knoten überschritten und auch noch ein wenig besser abgeschnitten als sein Schwesterschiff Thüringen, da- bei den Probefahrten 21,1 Knoten erzielte. Man wird gespannt sein dürfen aus die Leistungen deS dritten DreadnoughtS Helgoland, daS nächsten- endgültig in den Geschwaderverband eingereiht werden soll. Bei den ersten deutschen Schiffen der Nassau-Klasse sind die Maximalgeschwindigkeiten unter 21 Seemeilen geblieben. West- salen konnte 20,25, Posen 20.5 und Nassau 20,7 aufweisen. Die neuesten englischen Kriegsschiffe werden an Geschwindigkeit den deutschen kaum überlegen sein, da nach Zeitungsmeldungen England in den jetzt veröffentlichten Bedingungen für die neu zur Au-jchreibung gelangenden Schlachtschiffe nur 21 See­meilen Verlangen soll. Man muß abwartcn, ob ' sich diese Nachricht bestätigt, da früher berichtet wurde, die verbesserten DreadnoughtS auS den Jahren 1907 und 1909 Temeraire und Banggard wären 22,1 Knoten abgelausen. Das über­haupt schnellste KriegSsahrzeug der deutschen Marine ist augen­blicklich daS von der Kruppschen Germaniawerst in Kiel gebaute Torpedoboot G 194, daS bei den Probefahrten eine Höchst­geschwindigkeit von 36 Knoten auszuweisen vermochte, eine erstaunliche Leistung, die überall berechtigte- Aussehen erregt. DaS bisher schnellste Schiff der deutschen Flotte, G 171, hatte 34,6 Knoten erzielt. Beide Boote sind mit Turbinen der Germaniawerft ausgerüstet. Von den Kreuzern nimmt der Turbinen-Panzerkreuzer Moltke, der Ende September unter die Flüge trat, den ersten Platz ein. Moltke durchlief bei der Uebergabe-Probefahrt 29,5 Seemeilen, während der im vorigen Jahr abgelieferte Panzerkreuzer von der Tann noch mit 27,6 Knoten genügen mußte. Gleiche Leistungen vermochten auch die neuesten Städtekreuzer Augsburg und Köln aufzuweisen. Mottke, von der Tann und Augsburg sind mit Parson-, Köln mit Germania-Turbinen ausgerüstet.

In Wien und PariS waren gestern mittag Gerüchte über einen Unfall deS Zaren verbreitet, die sich alsbald zu der Behauptung verdichteten, daß auf den Zaren ein Attentat verübt worden fei. Ganz Wien ist mit dem Gerücht ange- füllt, daß auf den Zaren ein Attentat verübt fein soll. Der Monarch soll durch einen Revolverschuß schwer verletzt oder gar getötet sein. Der kaiserliche Chauffeur soll getötet sein. DaS Attentat soll während der Fahrt im Automobil verübt worden sein. DerL. A." schreibt hierzu: Diesen Ge­rüchten liegen irgendwelche tatsächlichen Vorgänge nicht zugrunde. Wenigstens war an hiesiger gut unterrichteter Stelle bis zum späten Nachmittag keinerlei Nachricht eingetroffen, die zu Be­fürchtungen dieser Art Anlaß geben könnte. Auch auS Peters­burg sind keine irgendwie beunruhigenden Nachrichten hier ein- gegangen. Vielleicht handelt ei sich, wie wiederholt bei der­artigen Gerüchten, wieder um ein Börsenmanöver.

Ueber die in der Presse vielfach erörterte Aktion der internationalen Truppen in Hankau gibt ein au-führlicher Bericht deS deutschen Kreuzergeschwadert nähere Aufklärung. In der Nacht vom 12. zum 13. Oktober war ein Feuer in der Nähe der deutschen und englischen Nieder­lassungen au-gebrochen und der chinesische Pöbel benutzte diese Gelegenheit, um in die Niederlassungen einzudringen in der Absicht, eine Plünderung zu versuchen. Der Einsall wurde zunächst durch da- den Polizeidienst versehende deutsche und englische Freiwilligenkorp- ausgehalten, zu dessen Unterstützung noch die Landungsabteilungen bei Kanonenboote-Vaterland",

de- englischen Kanonenboote-Thistle" und eine Patrouille bei amerikanischen Kreuzer-Helena" herbeieilten. Dem schnellen und tatkrästigen Einschreiten der internationalen Truppen gelang er weitere Exzesse deS aufgeregten Pöbel- zu verhindern und dadurch die Niederlassungen von allen weiteren Vorfällen freizuhalten.

Ueber den fortdauernden Bürgerkrieg in Persien liegen au- jüngster Zeit zwei widerspruchvolle Nachrichten vor. Die eine von ihnen behauptet, daß die persischen Regierung-- trappen unter Gardar Mochi die Turkmonen, die Anhänger des ExschahS Mohammed Ali, im nördlichen Persien ge­schlagen und biS an den Wald von Kurdmohalla zurückge­worfen hätten. Die andere Nachricht meldet dagegen ganz im Gegenteil hierzu, daß die Turkmenen die Vorhut Cardar MochiS geschlagen und ihm 25 Gefangene sowie mehrere Ge­schütze abgenommen hätten.

Xus Provinz u. nacbbargebiet.

* (Darf man bei der Mahnung mit Klage drohen?) Fast jeder Mahnbrief droht mit Klage, falls der Schuldner binnen der gesteckten Frist nicht zahlen sollte. Der Gläubiger will eben dadurch, daß er dem Schuldner ein Uebel in AuSsicht stellt, und die Klage ist ein solche- Uebel, dessen freie Willensbestimmung in feinem Sinne beeinflussen. Steht dem Gläubiger nun ein Anspruch in Wirklichkeit zu oder glaubt er, wenigsten- einen solchen geltend machen zu können, so kann, wie da- Reichsgericht nach einer soeben in derJuristischen Wochenschrift" ver­öffentlichten Entscheidung ausdrücklich festgestellt hat, weder von einer Nötigung noch einer Erpressung im Sinne bei Strafgesetzbuches die Rede sein. Denn der Gläubiger will dem Schuldner die Freiheit feiner Entscheidung durchaus nicht nehmen, er hegt und drückt nur die Erwartung aus, der Schuldner werde bei vernünftiger Erwägung der Umstände selber zu der Ueberzeugung kommen, eS sei für" ihn das Rich­tige, durch Zahlung dem Eintritt des Uebels auS dem Wege zu gehen. Nur der Wille, ihm ein anderes Verhalten, als eS seinem freien Willen entsprechen würde, zwangsweise aufzudrängen, enthält den Nötigung-- und Erpressungsvorsatz.

* Ueber den kommenden Winter schreibt die Wetterdienststelle Weilburg: Wohl selten find in einem Jahre soviel Vermutungen und Vorhersagen über die Strenge des kommenden Winters ausgesprochen wie im laufenden, mit seinem abnorm heißen und trockenen Sommer. So schloß man auS der Tatsache, daß bereits im Laufe August die Bienen ihre Tracht beendet hatten und alle Fugen und Ritzen dicht mit Wachs verklebten, daß ein früher nnd sehr kalter Herbst, sowie ein strenger Winter bevorstände. Ebenso schloß man auS dem frühzeitigen Abziehen der Zugvögel aus daS Bevorstehen eines frühen kalten Herbstes. Es wurde da­bei meist eine viel einfachere und näherliegende Erklärung bei der Tatfache außer Acht gelassen. Infolge der anhaltenden Sonnenglut des Sommer- ging die Blüte schnell vorüber, die Wiesen und Raine versengten bald und auch die nur an manchen Stellen vorkommende Heide honigte infolge der Trockenheit nur schwach. Die Bienen hatten daher schon früh­zeitig meist reichlich eingetragen und bereit- im August war eine Tracht nicht mehr möglich. Au- diesem Grunde schlössen die Bienen ihre Stöcke gegen Schmarotzer usw., wie eS sonst erst später geschieht. Die Ursache bei frühzeitigen Wegzuges der Zugvögel ist ebenso wohl mehr darin zu suchen, daß bei der günstigen Witterung die Bruten sich schnell entwickelt» und die jungen Vögel. daher früher zugreif waren. Da Die Sommerzugvögel aber nur wegen bei BrutgeschäfteS zu uns kommen, war ihre Aufgabe erledigt und sie zogen früher alS sonst ab. In der Tat ist denn auch auf jenen August ein um mehr alS 1 Grad zu warmer September gesolgt, und die Wärmeverhältnisse bei Oktober sind biS jetzt durchau- normalt Auch die gegenwärtige Lustdruckverteilung gestattet vorläufig nicht die Annahme, daß wir einem strengen Winter entgegengehen. Aus anderen Anzeigen sollte man sich aber hüten, einen solchen Schluß zu ziehen. Die Tiere haben keineSsallS ein AhnungSvermögen für die später ein­tretende Witterung.

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):( Hersfeld, 26. Oktober. (Schöffengericht.) Ein Holzhauer auS Reckerode erhielt wegen DiebstahlS einen Tag Gefängnis. Wegen Grenzüberschreitung bei Ausübung der Jagd und wegen Rauchens im Walde wurde ein Referendar auS Halle zu 10 Mark Geldstrafe evtl. 2 Tagen Haft verurteilt. Ein hiesiger Arbeiter erhielt wegen Felddiebstahls 1 Tag Hast. Eine Diebstahltsache wurde vertagt. Ferner wurde noch eine Privatklagesache verhandelt.

Melsungen, 25. Oktober. In unserem Nachbardorse Körle wurde feit dem letzten Montag der im 58. Lebensjahr stehende dortige Einwohner Konrad Döring vermißt. Er war in Geschäften in unserer Stadt anwesend gewesen und hatte am Abend noch in verschiedenen hiesigen Wirtschaften Station gemacht und dabei bei Guten etwa- zu viel getan. Die aus der Suche nach ihm befindlichen Angehörigen sanken den Vermißten schließlich am heutigen Mittag auf dem Wege von hier nach Röhrensurth biS an den Hals im Wasser der Fulda liegend tot vor. Der Kopf bei toten Mannes befand sich vollständig im Trockenen. ES wird angenommen, daß der auf dem Heimgang nach feinem Dorfe begriffene ange­trunkene Mann infolge der Dunkelheit von der Landstraße abgewichen und bei dieser Gelegenheit in das Wasser gestürzt ist. Alle Bemühungen de- unglücklichen Mannes (wofür bic noch in feinem Händen Vorgefundenen, in der Angst auSge- rauften Büschel Schils und Gra- sprechen), sich au- der pre­kären Lage zu befreien, sind vergeblich gewesen und mußte er feine Unvorsichtigkeit mit dem Leben bezahlen. Der Verun­glückte hinterläßt eine zahlreiche Familie. Der Leichnam wurde vorläufig nach hier geschafft, um ärztlicherskit- die Todesursache sestzustellen.

Cassel, 25. Okt. Gerade im richtigen Augenblick trat am Mittwoch mittag der von der Arbeit zurückkehrende Fabrik­schlosser G. in dem dämmerdunklen Flur bei von ihm be­wohnten HauseS am Graben. Denn etwas tiefer in den Flur hineinschreitend, alS sonst, stürzte ihm plötzlich von oben herab etwa- Schwere- auf Kopf und Schulter ein Kind. In