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herrMer Kreisblatt
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Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 133. Donnerstag, den 19. Oktober 1911.
nichtamtlicher teil.
Kaiser Friedrich.
Zu seinem 80. Geburtstage: 18. Oktober.
Am 18. Oktober 1813 hatten aus den weiten Ebenen von Leipzig die Völker Europas ihren Unterdrücker, den französischen Kaiser Napoleon, nach schwerem Ringen endgiltig besiegt. Als ein glückverheißender Vorzeichen konnte eS gelten und wurde auch als solches angesehen, daß gerade am Jahrestage jener gewaltigen, einen Wendepunkt in unserer vaterländischen Geschichte bedeutenden Leipziger Schlacht im Jahre 1831 ein Hohenzollernprinz das Licht der Welt erblickte, der infolge der kinderlosen Ehe des damaligen Kronprinzen, späteren König- Friedrich Wilhelm IV., von Anfang an berufen schien, dereinst Träger der preußischen Königskrone zu werden. In dem mit der Geschichte deS Hohenzollernhauses seit Friedrichs deS Großen Zeiten engveiknüpften und zu einer historischen Stätte im wahren Sinne der Worte- gewordenen Neuen Palais bei PotSdam wurde der edle Sproß geboren, der 57 Jahre später in demselben Zimmer einer heimtückischen Krankheit in der Vollkraft der Jahre erliegen sollte — Kaiser Friedrich, der Sieger von Königgrätz, Wörth, Sedan und Paris, der unsterblich und für immer unvergeßlich jortlebt im Andenken des deutschen Volke- und Heeres.
Von der Natur auSgestattet mit seltener ManneSschönheit — „Siegfriedsschöne" so nannte sie daS für ihn begeisterte Volk —, dabei von hohen geistigen Gaben und einnehmendem ritterlichen Wesen, gewann er im Fluge die Herzen der Menschen und fesselte sie dauernd, wo immer er erschien, im alltäglichen Verkehr wie bei feierlichen Anlässen und in ernsten Stunden vor dem Feinde. Seiner gewinnenden Liebenswürdigkeit und der Wirkung seiner bezaubernden Persönlichkeit gelang eS in der Zeit, alS der Erbfeind an unserer Westgrenze erschien, die letzten Schranken zu durchbrechen, die sich nach den Ereignissen deS Jahres 1866 der von Herzen kommenden Einigung der deutschen Stämme noch entgegenstellten. Seine ungezwungene Leutseligkeit war eS, die beim Eintritt Deutschland- in den gewaltigen Kampf mit dem mächtigen Frankreich im Jahre 1870 die deutschen Brüder im Süden deS MainS fester an den Norden kettete, als zehn geschriebene Verträge eS vermocht hätten. Wie freuten sich damals die tapferen Bayern und Schwaben, unter den Besehl deS prächtigen preußischen Kronprinzen treten zu können, dessen allzeit freundliche Art der Verkehr- auch mit dem einfachen Mann ihnen so sehr gefiel! Unbedingte- Vertrauen faßten sie zu ihm, und freudig zogen sie unter feiner Führung in den Franzosenkrieg, der für sie wie für daS gesamte deutsche Heer eine ununterbrochene Reihe von Siegen und Ruhmestaten werden sollte.
Mit Recht wurde Kaiser Friedrich die Verkörperung des krastbewußten Deutschtum- genannt — eine echt deutsche Erscheinung vom Scheitel bis zur Sohle, gepaart mit echt deut-
Klara.
Eine Geschichte aus der Biedermeierzeit von H. von Krause.
(Fortsetzung.)
Klara wollte aufschreien, sie wollte ihn zurückhalten, aber sie brächte keinen Laut hervor, und die Tür fiel in- Schloß, ehe sie sich bewegen konnte. Dann sank sie in halber Betäubung auf die Bank zurück. Hatte er nicht gesagt, ihre Mutter würde sich freuen ? Hatte er nicht sehr großmütig gesprochen? Wer war denn sie, daß sie sich widersetzen sollte, wenn sie doch alle so augenscheinlich nur aus ihr Glück bedacht waren! Sie, die obdachlose Waise, sollte die Tochter deS Hauses, die Gattin der Erben der Firma LüderS werden. Sie sah ja ein, eS war Unerhörte-, waS sie ihr da schenkten, aber ach — dennoch — dennoch — nein — o nein!
Da pochte eS. August stand vor ihr. Sein rötliches Gesicht strahlte, feine kalten Augen hatten einen freundlichen Glanz.
„Mein liebe- Fräulein," sagte er nur, so warm er nur sprechen konnte, „Fräulein Klara, meine werte Braut!"
Und ehe sie eS hindern konnte, legte er den Arm um sie und küßte sie auf die Stirn. Ihr war, alS träumte sie. Er setzte sich dann neben sie auf die Bank, nahm ihre Hand in seine roten, kalten Finger und redete zu ihr von der Zukunft, und wie gut sie oben in den schönen Zimmern wohnen würden, und wie er sich freue, nun auch ein eigene- Heim i« haben.
„Nicht wahr?" fragte er endlich, nachdem er lange geredet und sie immer noch stumm, mit niedergeschlagenen Augen "eben ihm saß, „nicht wahr, liebe Klara, Sie werden eS mn alles so schön machen und so freundlich sein, wie Sie neulich oben waren; o, ich freue mich sehr darauf."
„Ja," hauchte sie kaum vernehmbar.
Und dann kamen die Eltern. Noch einmal sprach Herr LüderS einige salbungsvolle Worte, und Frau Henriette um°
schem Empfinden. Noch leben viele unter unS, die daS Glück hatten, ihn als Kronprinzen in seiner vollen Frische und Männlichkeit sehen und bewundern zu können, eine vorbildliche militärische Gestalt, die jede- Soldaten Herz erfreuen mußte. Sein Vater, Kaiser Wilhelm, der „beste Soldat seines Heeres", hatte ihm militärischen Sinn eingeflanzt und eine übera». sorgsame militärische Unterweisung zuteil werden lassen, so daß er einer unserer tüchtigsten Heerführer in den Kriegen wurde, welche der deutschen Einigung vorangingen. Mit Umsicht und Entschlossenheit führte er 1866 seine Armee durch die schlcsischen Pässe nach Böhmen und brächte am 3. Juli bei Königgrätz durch sein rechtzeitige- Eintreffen mit der Garde und den Schlesiern die Entscheidung, nicht nur der Schlacht sondern der ganzen FeldzugeS. Im Jahre 1870 hatte er das Glück, seinen Namen mit dem ersten großen Siege von Wörth am 6. August zu verknüpfen. Vereint schlugen hier Nord» und Süddeutsche unter seiner Führung den fähigsten und tapfersten der französischen Generale, Mac Mahon, derartig aufs Haupt, daß seine Niederlage säst einer Vernichtung gleichkam, die dann vier Wochen später aus den blutigen Feldern von Sedan ihre Vollendung sand.
Sonnig, wie wenigen Glücklichen, lag nach den schweren Stampfen, die mit der Wiederausrichtung deS Deutschen Reich- geendet hatten, die Zukunft vor ihm, war er doch der ruhm- gekrönte Feldherr, der Liebling von Heer und Volk in Nord und Süd und der Erbe des mächtigsten Throne-. Um so härter mußte der bis dahin während seiner ganzen Leben- und namentlich bei seiner verantwortlichen militärischen Tätigkeit vor dem Feinde allzeit vom Glück Begünstigte da-surcht» bare Schicksal empfinden, welches ihm schließlich beschieden war und ihn durch eine unheilbare Krankheit am 15. Juni 1888 Hinwegraffte, nachdem er 'drei Monate zuvor die Zügel der Regierung ergriffen hatte.
Wir wollen aber heute, am 80. Jahrestage seiner Geburt nicht die betrübenden Einzelheiten jener schmerzlichen Tage wieder auffrischen und erneut daS Weh wachrufen, welche- damals vom MeereSstrande bis an die Alpen die Herzen durchbebte. Wir wollen vielmehr seiner Ruhmestaten gedenken und der Vorsehung unsern Dank darbringen, daß sie unserm Herrscherhause und dem deutschen Volke eine so blendende Heldengestalt geschenkt hat, wie - der Kronprinz Friedrich Wilhelm, als Kaiser und König: Friedrich III. gewesen ist. Im Volk-munde bleibt er allzeit: „Unser Fritz".
Der Stieg hhi (Tripolis.
Der Augenblick, den Italien selbst von vornherein alS den für neue Friedensverhandlungen geeignetsten bezeichnet hat, rückt allmählich heran. Er sind an 30000 Mann in Tripolis gelandet worden. Da- GroS dieser Truppen breitet sich von der Stadt TripoliS über die Umgebung aut. Die Häfen
armte sie, eS ging wie ein Wassersturz über Klärchen- Haupt hin, sie wußte kaum, wie eS alle- g'schrhen war. Aber alS sie nun in daS Zimmer der Großmutter traten, diese sie an ihr Herz drückte, „mein Klärchen, wie freue ich mich," sagte und GotteS Segen aus sie herabflehte, da kam eine Art von Befriedigung über sie. Es war noch so wunderbar, so unverständlich, aber alle waren so zufrieden, alle bewiesen ihr so viel Güte und Freundlichkeit, daß sie am Ende meinte, sie sei recht undankbar, weil sie sich doch so gar nicht freuen könne, und sie nahm sich fest vor, aller zu tun, waS sie ver- möge, um August glücklich zu machen.
„Und nun, mein liebe- Kind, ziehe heute dein schwarze- Kleid aus," sagte Frau Henriette. „Ich ließ dir ein weiße- in dein Zimmer legen, ich habe es für dich besorgt und hoffe, daß eS paßt; an diesem deinem Freudentage darfst du nicht in Trauer gehen, du mußt eS schon August wegen nicht tun."
AlS Klärchen aber dann allein in ihrem Zimmer war, wo da- schöne, neue weiße Kleid aus dem Bette lag und daneben der bunte seidene Schal, den August ihr geschenkt hatte, brach sie doch in heiße Tränen auS. Ein leise- Geräusch an der Tür hatte sie überhört, da ging diese aus, und die Großmutter tastete sich in daS Zimmer.
„Mein Klärchen, du weinst? Ich dachte eS," sagte sie leise und strich sanft über daS Haar deS Mädchen». „Möch- test du nicht denken, daß Gott eS alles so gnädig gefügt hat, daß er dich unS zuführte? Sieh, mein Kind, ich freue mich so sehr, daß mein August nun ein so recht warmeS, zartes Fleckchen in feinem bisher so kalten Leben haben soll. Er weiß es ja selbst nicht, der arme Junge, wie viel er entbehrt hat. Sein ganzer Dasein war nicht- alS Arbeit und Geschäft und Geschäft und Arbeit. Er ist ein so pflichttreuer Mensch, ein so vortrefflicher Sohn seiner Eltern, und nun hat Gott mein Gebet erhört und ihm ein liebe-, sanftes und frommes Weibchen zu geführt, daS alle die guten Triebe, die noch niemand in feinem Herzen weckte, pflegen und beleben kann, willst du daS nun nicht gern tun, mein Klärchen?"
DaS Mädchen schluchzte leise: „Ja, ja, ich will ja, Groß-
von Bomba und Marfa Tobruk find schon vorher von 4000 Mann okkupiert worden. Derma und Benghafi dürften eS jetzt auch bereits sein. Die militärische Okkupation der Küftenzone ist also durchgeführt. Die türkischen Truppen sind -ach den Hügeln zurückgegangen, durch die die Straßen inS Innere führen. Sie haben zweimal in Nachtgefechten den Brunen von Bu-Meliani, wo die äußere italienische Vorposten- kctte steht, angegriffen und sind zurückgewiesen worden. WaS sie sonst zu tun beabsichtigen, ob sie kapitulieren werden, wie die Korrespondenten auS TripoliS nach Rom melden, oder ob sie zum Widerstand aufs Aeußerste entschlossen find, wie man in Konstantinopel sagt, daS weiß mit Bestimmtheit niemand. ES ist aber auch für die Frieden-frage insofern gleichgültig, al- die Kapitulation die Italiener nicht der Mühsal der Unterwerfung der Beduinen im Innern enthebt, während der Widerstand der türkischen Truppen zwar ihre Waffenehre rettet, nicht aber da- Schicksal der okkupierten Provinz retten oder ändern kann.
In diesem Augenblick hat eS die italienische Regierung noch einmal für angezngt gehalten, ihren Standpunkt in der FriedenSvermittelungSfrage mit allem Nachdruck, ja mit einer in internationalen Fragen kaum üblichen Schärfe zu betonen.
Konstantinopel, 17. Oktober. Wie die „Sabah" meldet, wurden mehrere 1000 Mann Italiener, welche gegen das Innere vorrückten, bei El Carbi, 3/a Stunden von TripoliS entfernt, in einem Kampf mit den türkischen Truppen verwickelt, die von Eingeborenen unterstützt wurden. Die Italiener hatten über 100 Mann Tote und flohen in Unordnung in die Festung zurück. Die „Sabah" ist das einzige Blatt, welcher diese bisher anderweitig nicht bestätigte Meldung bringt.
Konstantinopel, 17. Oktober. Nach einer Meldung der „Sabah" haben die Italiener bei Asizje bedeutende Verluste elittten. Bei Derma haben die türkischen Truppen eine Schaluppe mit 60 italienischen Soldaten zum Stranden ge» bracht und alle Italiener getötet.
Tripolis, 16. Oktober. Die Oasen Mefchia und Gargarisch sind von den Italienern besetzt. Allnächtlich finden kleinere Gefechte läng- der Vorpostenlinie statt, welche voraus- sichtlich bald vorgeschoben werden wird. Ernsthafter türkischer Widerstand ist erst im Djebel wahrscheinlich, wo die Stellungen günstig find. Dort wurden von den Türken Befestigungen angelegt unter Verwendung trefflicher Artillerie. Die türkischen Truppen bestehen aus 2500 aktiven Mannschaften, 2500 Reservisten und 5000 Irregulären, meist Arabern. Die Italiener hoffen, der Eindruck ihrer Uebermacht werde die Araber sofort zur Uebergabe bewegen.
Rom, 16. Oktober. Nach einer Meldung im „Giornale d'Jtalia" hat der Banco di Roma eine Aufstellung der Kosten in der TripoliS-Expedition veröffentlicht. Darnach kostet der tripolitanische Spaziergang den Italienern bis jetzt 500 Millionen Lire.
mutter. O, ihr seid alle, alle so sehr gut zu mir, und ich — ach ich bin so undankbar!"
„Laß dir nur Zeit, Kind, e- ist dir so überraschend gekommen. Sieh, ich weiß, wie e- ist," fuhr die alte Frau fort, „ich habe eS auch durchgcmacht. Ich war fünfzehn Jahre alt und ganz anders als du, so ein recht lustige- Mädchen, ich sang und sprang den ganzen Tag. Da ließ mich mein Vater eines Morgen- vor sich kommen, und bei ihm im Zimmer war Herr Ferdinand August LüderS. Er war wohl zwanzig Jahre älter alS ich und ein sehr ernster Mann, mit einem säst strengen Gesicht. „Hier, Dorothea," sagte mein Vater, „ist Herr LüderS, er hat dir die Ehre angetan, um dich zu werben, du wirst ihn heiraten." Ich hatte Herrn LüderS drei oder viermal gesehen, und einmal hatte er ein Menuett mit mir getanzt. Ich fürchtete mich etwas vor ihm, aber ich mußte gehorchen. Ich nahm eS auS GotteS Hand. Ich will nicht sagen, daß eS mir keinen Kampf gekostet hat, ich hatte ja auch ein junge-, törichtes Herz, aber weil ich eS nahm als mein mir von Gott beschiedeneS LoS, ist eS mir zum Segen geworden, und ich bin ganz fröhlich meine Straße gezogen. Als man aber meinen Mann in feinem Sarge hinauStrug, da habe ich ihm aufrichtig nachgeweint, denn ich hatte verstehen gelernt, was eine Frau an einem ehrenhaften und ordentlichen Eheherrn hat. — Willst du nun nicht auch versuchen, mein Klärchen, deinen Weg mit Gott zu gehen?" Die alte Frau schwieg, und Klärchen trocknete ihre Augen.
„Ja, Großmutter, ja ich will," sagte sie entschlossen, und dann zog sie daS weiße Kleid an, und es kam eine große Ruhe über sie.--
Die folgende Zeit brächte viel äußere Unruhe. Zunächst ward daS Verlobung-fest mit allem dem Glänze gefeiert, der deS HaufcS F. A. LüderS würdig war. Frau Henriette ließ es sich nicht nehmen, alle Verwandten und Bekannten möglichst großartig zu bewirten. Auch Juliane mußte mit ihren Eltern eingeladen werden. Für Klärchen wurden die schönsten Kleider bestellt, und man mußte gestehen, daß daS zarte Mädchen, mit den blonden Locken, die zur Seite der weißen Stirn herabfielen, unter dem Kranze von vollen rosa Rosen,