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herrMer Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-Flnschlutz Nr. 8
Nr. ISS. Dienstag, den"l^ Oktober 1«H
Amtlicher teil.
HerSseld, den 13. Oktober 1911.
Auf Grund der §§ 19—29 deS ReichS-Viehseuchen-Ge» setzer in der Fassung vom 1. Mai 1894 R. G. B. S. 409, deS § 57 ff der BundeSratS-Jnstruktion vom 27. Juni 1895 R. G. B. 6. 367 und in AuSsührung deS § 9 der landek- polizeilichen Anordnung vom 9. Oktober 1911 A. III. 4843 — Kreisblatt Nr. 121 — ordne ich zur Bekämpfung der im hiesigen Kreise in Heringen ausgetretenen Maul- und Klauenseuche folgende- an:
1. Die Abhaltung von öffentlichen Tanzbelustigungen in den Sperr- und BeobachtungSgebieten ist bis auf Weiterer verboten.
2. Dünger- und Komposthausen ausSper rgehöften dürfen nicht abgefahren werden.
3. Felle dürfen nur in getrocknetem Zustande aus Seuche ngehösten abgegeben werden.
4. Rauh-Futter und Stroh au- Sperrgehöften darf nicht abgegeben werden.
5. Zur Ausfuhr von Klauenvieh zu Schlachtzwecken ist in jedem Falle meine besondere Genehmigung erforderlich.
Die Genehmigung wird nur erteilt, wenn durch Vorlage einer kreiStierärztlichen Bescheinigung, die nur 24 Stunden Gültigkeit hat, nachgewiesen wird, daß der Bestand, aus dem Tiere ausgeführt werden sollen, seuchensrei ist
6. Die OrtSpolizeibehörden haben von der AuSfuhr von Klauenvieh die Ort-polizeibehörde de- Bestimmungsort- telegraphisch ober telefonisch zu benachrichtigen unter Angabe deS Namen- deS Besitzer- und der Zahl und Art der au-zuführenden Tiere. Wenn die auSzuführenden Tiere mit der Eisenbahn befördert werden sollen, ist von der Erteilung der Genehmigung außerdem auch die Eisenbahnstation, aus der die Verladung erfolgen soll, in Kenntnis zu setzen. Jede nachträgliche Anweisung der Versender-, die auf eine Aenderung der Bestimmungsstation obzielt, wird von der Eisenbahnversandstation an die Polizeibehörde deS AbsendungSorteS unverzüglich zurückgemeldet werden. In diesem Falle ist die Polizeibehörde der neuen Bestimmungsorte- sofort zu benachrichtigen.
7. Die Ört-polizeibehörde der Bestimmung-orte- hat die Ankunft der Tiere, deren Eintreffen ihr von der Ort-polizeibehörde deS AuSfuhrorteS oder von dem beamteten Tierarzt angemeldet ist, zu kontrollieren. Ist nach Ablauf einer angemessenen, nach der mutmaßlichen Dauer deS Transportes zu bemeffenben Frist das Vieh an dem Bestimmung-orte nicht eingetroffen, so sind über den Verbleib weitere Ermittelungen anzustellen.
8. Die Abfuhr von Dünger aus unverfeuchten Gehöften ist gestattet.
9. Die Benutzung von Klauenvieh zur Feldarbeit in den Orten deS Beobachtung-gebiets ist gestattet, soweit die
Klara.
Eine Geschichte auS der Biedermeierzeit von H. von Krause.
(Fortsetzung.)
„Bitte," sagte Klärchen, alS sie oben anlangte, »suchen Sie jemand? Wollten Sie vielleicht Frau LüderS sprechen?"
Langsam wandte sich die Gestalt. Klärchen schien eS, als blickten sie aus dem weißen Gesicht ein paar große, unendlich traurige Augen an, und dann — war alle- verschwunden. Der Platz, wo die Dame noch soeben gestanden hatte, war leer; graue Dämmerung lag über dem Geländer, und der Treppe, eS war totenstill im Hause, nur da- Ticken der alten Uhr klang durch die Stille. Klärchen zitterte an allen Gliedern: „Was war daS?" Sie stürzte über den Vorplatz in das Zimmer der Blinden: „Großmutter, Großmutter, ich — i$ — habe etwa- gesehen, Großmutter, eS war schrecklich, was kann eS nur gewesen fein?"
Sie kniete, wie sie so oft tat, vor der alten Frau nieder und drückte ihr Angesicht in deren Schoß, noch immer bebend wie im Fieberschauer.
„WaS denn, Kind? WaS denn?" fragte die alte Dame. Aber als sie dann den Bericht hörte, faltete sie still die Hände, und als Klärchen zu der immer noch Schweigenden aussah, erschien ihr daS liebe, alte Gesicht ganz ungewöhnlich bleich und ernst, oder war es nur da- fahle Licht, daS noch durch das Fenster fiel, während eS im Zimmer schon fast dunkel war.
„Hatte die Dame einen fchwarzen, oder einen weißen Schleier, Kind?" kam e- endlich zögernd von den Lippen der Blinden.
„DaS weiß ich nicht mehr, ich war so erschrocken, Groß- wutter, eS war so schrecklich I" — sie schauderte wieder zusammen
„sage nur, waS war das?"
. „Frage nicht danach, Klärchen, eS ist besser, man spricht Mt davon. Gott sei der armen Seele gnädig! — Zünde
öffentlichen Straßen der SperrbezirkS dabei nicht berührt werden.
Uebertretungen dieser Vorschriften werden, sofern nicht nach § 328 Stras-Gesetz-Buch eine höhere Strafe verwirkt ist, aus Grund der § 66 Ziffer 4 deS Reich-viehseuchen-GesetzeS vom 1. Mai 1894 und des § 148 Absatz 1 Ziffer 7 b ReichS- Gewerbe-Ordnung mit Geldstrafe bir zu 30 Mk. bestraft.
I. 12824. Der Landrat
gez.: von Grunelius.
Her-feld, den 13. Oktober 1911.
Nachdem der Herr Regierungs-Präsident mit der landeS- polizeilichen Anordnung vom 9. d. Mt-., A. III. 4843, veröffentlicht im Kreisblatt Nr. 121 — die Maßnahmen zur Bekämpfung der im hiesigen Kreise erneut ausgebrochenen Maul- und Klauenseuche getroffen hat, setze ich die von mir erlassenen vorläufigen Vorschristen vom 4. Oktober b. JS. — Kreisblatt Nr. 117. wieder außer Kraft.
I. 12824. Der Landrat
gez.: von Grunelius.
Her-feld, den 14. Oktober 1911.
Am Mittwoch, den 18. d. Mtr., Vormittags llVa Uhr, findet im Königlichen Landgestüt zu Dillenburg eine öffentliche Vorführung der Hengste statt. Anschließend daran ein gemeinsamer Essen.
Anmeldungen über Teilnahme am Festessen werden an daS Landgestüt Dillenburg erbeten.
Den Pferdezüchtern deS Kreise- gebe ich hiervon Kenntnis.
I. 12675. Der Landrat
aez.: von Grunelius.
............................—— -....... > .—... .. ....... .
Her-feld, den 11. Oktober 1911.
Zwischen dem deutschen Reiche und der Schweizerischen Eidgenossenschaft ist inzwischen ein neuer NiederlaffungSvertrag abgeschlossen worden, welcher am 1. Oktober b. JS. in Kraft getreten ist.
Die OrtSpolizeibehörden mache ich ganz besonders aus die AuSsührungsanweisung zu dem Vertrage aufmerksam. Sie wird in einer Sonderbeilage zum nächsten Amtsblatt erscheinen. I. 12 598. Der Landrat von Gruneliuk.
HerSfeld, den 12. Oktober 1911.
In Hönebach, Kreis Rotenburg, ist die Maul- und Klauenseuche amtlich sestgestellt worden.
I. 12 591 II. Der Landrat.
I. A.:
W e s s e l, Kreissekretär.
Licht an, mein Kind, lie- mir etwa- aus Stark- Handbuch vor, da kommst du wieder zur Ruhe."
Am folgenden Nachmittage war Klärchen in dem engen Gärtchen. Sie hatte so große- Verlangen nach frischer Lust. Sie kam fast nie heraus auS dem großen Hause. Nur deS Sonntags ging sie regelmäßig mit der Familie zur Kirche. DaS war so Brauch im Hause LüderS und gehörte zur Ordnung. Vater und Mutter gingen in der Mitte, August neben Vater, Klärchen neben Mutter, und hinter ihnen ging daS Folgemädchen und trug der Frau ein hübschen Kohlenbecken auS Messing nach, denn die weite Marienkirche war eiskalt. Dann saßen sie alle in dem kleinen Kirchstuhl der Familie LüderS und hörten der Predigt zu. Die war manchmal sehr lang und sehr theoretisch, aber Klärchen ermüdete nicht. Wenn sie nicht mehr zuhören konnte, wanderten Augen und Gedanken durch den schönen, alten Bau, hasteten an den schweren Epithaphien und dem reichen Schnitzwerk, an den großen, dunklen Bildern, auf denen in Perücke, Talar und weißer Halskrause, mit der Bibel in der Hand, die ehrbaren, frommen Pastoren dargestellt waren, die einst hier gepredigt hatten. Sie dachte daran, wer doch schon alles in diesem Gestühl gesessen und dasselbe gesehen haben mochte. Sie grübelte darüber nach, war die Toten, die unter den grauen Grabsteinen deS Fußboden- der Kirche ruhten, wohl alles erlebt haben mochten. Und eS ward ihr immer so still und wohl unter den herrlichen hohen, lustigen Spitzbogen, eS war ihr, als fei ihr Gott wirklich nahe, als schreite der Heiland unter der Predigt leise und unsichtbar durch die dämmerigen Hallen. ES war freilich ganz ander?, alS in dem Dom zu Ratzeburg, der war soviel trauter und heller und heimlicher, aber schön war eS auch, und sie freute sich immer auf den Sonntag. Daheim erzählte sie dann der Großmutter, waS sie von der Predigt behalten hatte, und die Blinde wußte die Geschichte mancher ehrsamen Frau, manches festen Manne-, deren Namen Klärchen aus den Epitaphien gelesen hatte.
Ja, daS waren eigentlich ihre einzigen AuSgänge im Winter. Frau Henriette ging nie spazieren. DaS würde sie für Zeit- verschwendung gehalten haben. Die Besuche, die sie empfing
nichtamtlicher teil.
Sie Revolution in Wm.
Die Aufständischen im Jantje-Gebiet gehen zwar gegen die RegierungStruppen mit äußerster Energie vor, sind aber ängstlich bemüht, jede Gefährdung ausländischer Interessen zu vermeiden. Auch beobachten sie streng die Vorschriften deS internationalen Verkehrs, indem sie den fremden Konsuln in aller Form Mitteilung von der Uebernahme der Regierung und den Zielen ihrer Erhebung gemacht haben. Die Sorge der Europäer dreht sich um die Gefahren der bevorstehenden Beschießung von Wutschang.
Die Vertreter der Mächte in Peking wurden ersucht, der chinesischen Regierung Vorstellungen zu machen, daß da- angedrohte Bombardement von Wutschang durch die chinesischen Kreuzer in einer Weise auSgesührt würde, die jede Gefahr für die ausländischen Niederlassungen in Hankau und Wutschang auSschlöfse. DaS Bombardement sollte andernfalls mit reichlicher Frist vorher angekündigt werden, und die Regierung versprechen, für jegliche Beschädigung deS ausländischen Eigentums auszukommen.
Hankau, 14. Oktober. Die ausständischen Truppen fahren fort, Jagd aus MandschuS zu machen, von denen 800 getötet worden sein sollen. Der revolutionäre General Liyuan- hung gibt die Zahl feiner Truppen aus 25,660 größtenteils auSgebildete Soldaten an und erklärt, er habe Geldmittel in Hülle und Fülle. Agenten feien nach Hunan gesandt worden, um Reis für die Armee der Aufständischen zu kaufen, die der kaiserlichen Armee entgegenziehe. Der revolutionäre Vizekönig Tanghualing, erklärte, das Ziel der Revolution sei, China in eine Republik umzuwandeln. Wenn die gegenwärtigen Steuern rechtschaffen verwaltet würden, wären sie ausreichend, um das Land in Stand zu setzen, die Last seiner Verpflichtungen zu tragen und die Ausgaben sür die öffentlichen Arbeiten zu bestreiten. Man könne die Eisenbahnen vielleicht ohne die Unterstützung durch fremde Anleihen bauen, doch könne man auch Geld durch Anleihen beschaffen, wenn cS notwendig sein sollte. Aus.alle Fälle sei man entschlossen, mit den Ausländern in Freundschaft zu leben. Der die republikanischen Etreitkräste befehligende General hat den hiesigen fremden Konsuln mitgeteilt, daß seine Partei bereit sei, die Anleiheverpflichtungen und anderen Verbindlichkeiten der chinesischen Regierung an- zuerkennen.
Hankau, 14. Oktober. Die Revolutionäre beabsichtigen die beiden durch kaiserliches Edikt entsandten Divisionen in der Provinz Honan zu erwarten. Die revolutionäre Regierung hat den Konsuln mitgeteilt, sie sei an die Stelle der stöberen Regierung getreten. — Der Telegraph befindet sich in den Händen der Revolutionäre, die chinesische Telegramme der Zensur unterwerfen, während die Telegramme der Fremden der Zensur nicht unterliegen.
und erwiderte, und bei denen Klärchen bisweilen zugegen fein mußte, brachten auch wenig Abwechslung. ES handelte sich dabei meist um ältere Frauen. Die Unterhaltung drehte sich um die Dienstboten und den Haushalt; höchstens sprachen sie einmal davon, daß ein großes Schiff in Travemünde cinge- lavsen fei, oder man orakelte darüber, ob wohl die Parade der Lübecker Bürgergarde in der Stadt oder außerhalb vor dem Tore stattfinden werde. Bei gutem Wetter hielt man sie draußen, bei schlechtem in der Stadt ab.
Aber an alles das dachte Klärchen jetzt nicht, eine große FrühlingSschnsucht erfüllte sie. Diese kalten Mauern schienen ihr heute besonders düster, und das Fleckchen Garten wütete sie wie ein Gefängnis an. Sehnsüchtig blickte sie nach den weißen Wolken, die über daS Stückchen blauen Himmels hin» segelten und hinter dem Giebel deS Hauses verschwanden; sehnsüchtig sah sie auch dem Star nach, der davonflog, wiederkam, sich aus die höchste Spitze des alten Apselbaumes setzte und zu flöten begann. Ja, der konnte wohl flöten, er durste ja fliegen. O, einmal nur möchte sie über den weiten See fortsehen können, wo jetzt die grünen Spitzen deS jungen Schilfes auS dem Wasser hervorsproßten, wo der Rohrsperling sein drollige? Lied sang, die Kiebitze und Taucher sich tummelten, und wo eS frisch wehte und so herrlich nach Veilchen und jungem Laub duftete. Daran dachte sie und erschrak heftig, als das Folgemädchen plötzlich vor ihr stand und sagte: „Der Herr LüderS lassen Fräulein bitten, gleich in sein Zimmer zu kommen."
„WaS soll ich nur da, Pauline, wissen Sie es gar nicht?" sragte sie, durch diese unerhörte Botschaft beunruhigt und ganz vergessend, daß Frau Henriette sie schon so oft erwähnt hatte, nichts mit den Leuten zu reden, als waS absolut zu deren Dienst gehörte.
DaS Mädchen sah sie halb grinsend, halb mitleidig an: „Ich weiß ja nicht, Fräulein, aber waS Wichtiges muß eS ja wohl sein, sonst schlafen Herr LüderS doch immer gleich nach dem Essen, und heute ist der junge Herr schon seit einer Stunde beim Herrn drin gewesen, und dann mußte ich die Frau rufen und nun daS Fräulein."
Klärchen wurde immer unruhiger, sollte der Herr LüderS