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lobten führen! Er dürste sich über Ihre lange Abwesenheit wundern."

So dürfen wir nicht voneinander gehen," sagte Dorle mit bebender Stimme, indem sie ihre Hand aus seinen Arm legte,ich verdiene Ihre Vorwürse. aber wollen Sie mir nicht vergeben, bevor wir scheiden, und mich zu vergessen suchen?"

Wie er ihr in die tiesbekümmerten Augen sah, da wich ein wenig sein Groll.

Vergessen kann ich Sie nie. Und wollte ich jetzt sagen, ich vergebe Ihnen, so wäre daS eine Lüge. Vielleicht vermag ich das später. Wollen Sie mir eine kleine Blume zum An­denken geben?" setzte er mit einem Blick aus daS Maiblumen­bukett in ihrer Hand hinzu.

Doch während Dorle noch im Begriff war, seiner Bitte zu willsahren, meinte er:Nein, etwas anderes möchte ich haben nichts, das von mir herrührt."

Dorle lächelte trübe.WaS könnte ich Ihnen geben?"

DorleS Auge fiel aus einen kleinen bescheidenen Perlenring; sie zog ihn vom Finger und reichte ihn Georg.Hier. Den behalten Sie, bis Sie mir vergeben haben. Wenn Sie aber wieder froh ins Leben blicken und mich vergessen haben, dann schicken Sie ihn mir wieder. Wollen Sie daS?"

Versprechen will ich eS Ihnen aber eS wird nie dazu kommen; ich werde den Ring bis zu meinem Tode be­halten." Er küßte die Hand, die ihm den Ring gab; und ihr mit wehmütigem Blick in die umschleierten Augen sehend, hauchte er:Noch einen letzten Tanz."

Wer hätte geahnt, daß das schöne Paar, wie es sich zu heiterer Musik im Saale drehte, abschloß mit der Herzensge- schichte seiner Jugend! Selbst dem Baron log ein solcher Ge­danke fern, wie sie an ihm vorüberkamen und er sich wunderte über Dorles trauriges Gesicht!

*

*

Eine strahlende Wintersonne schien herab aus die muntere, bewegte Szene. Die Mannschaften reihten sich zu Kolonnen; die Offiziere erteilten laut ihre Befehle, die Trommeln wurden geschlagen der Abmarsch ging vor sich. Die Musik stimmte die Melodie an:Mein Schätzer!, muß ich von dir gehen", und von allen Seiten, von Fenstern und Balkons wurde den Soldaten noch gar mancher herzliche AbschiedSgruS zu­gewinkt.

Als Georg ScherlingS eben sein Pferd besteigen wollte, wurde ihm noch ein Brieschen eingehändigt nur wenige Zeilen, die von Tränen halb verwischt waren.

Vergeben und vergessen Sie! Der Himmel schütze Sie!

Leben Sie wohl! Dorle."

Und wie er an ihrem Hause vorüberritt, wars er noch einen letzten heißen AbschiedSblick nach dem totbleichen Gesicht mit den rotverweinten Augen.

* *

Wieder ist Winter. Seit fast einem Jahr ist Dorle Baronin von Wolten, und ihr Gatte stolzer denn je auf seine schöne junge Frau. Sie ist wirklich, wie er einst gesagt hatte, eine- alternden Mannes ganzes Glück, und er immer nur darauf bedacht sie so glücklich zu sehen, wie sie ihn mit ihrem Besitz gemacht hat. Sie selbst hat Vergangenes in der Tiese ihrer Herzens begraben und kehrt der Welt ein heiteres, lächelndes Gesicht zu. Dem Gatten sucht sie eine gute Frau zu sein, als Dank für all die große Liebe, die er ihr in allem, was er sagt, in allem, was er tut, täglich von neuem beweist. Und doch wundert Erhard sich bisweilen, wenn sie, aus einem niedrigen Schemel neben ihm fitzend, ihren Kopf an sein Knie lehnt und ihre Lippen sich aus seine Hand pressen, über ihr traurige- Gesicht.

(Fortsetzung folgt.)

Aus Provinz h. Naehbargediel,

* (Unterstützungen an leistungsschwache Kreise.) Auf Grund der Gesetze- von 1902 find folgenden Kreisen au- dem DotationSfondS Unterstützungen gewährt worden: GerSseld 7546 Mk., Kirchhain 7125 Mk., Franken­berg 6978 Mk., Hünseld 6829 Mk., Homberg 5069 Mk., Melsungen 5060 Mk., Schlüchtern 4759 Mk., Ziegenhain 4635 Mk., Herrschaft Schmalkalden 4468 Mk., Grafschaft Schaumburg 4458 Mk., Rotenburg 4386 Mk., HerSfeld 4016 Mk., HofgeiSmar 3979 Mk., Gelnhausen 3846 Mk., Fritzlar 3608 Mk.. Witzenhausen 3607 Mk., Casfel-Land 3562 Mk., Eschwege 3279 Mk., Marburg 2790 Mk. Diese Unterstützungen dienen dazu, um den genannten Kreisen Er­leichterungen für die Armen- und Wegelasten zu schaffen. Außerdem wurden auf Grund deSselbeü KesetzeS auS dem DotationSfondS der Betrag von 30 000 Mk. für die Ge­meinden von 21 Kreisen zu dem gleichen Zweck verteilt. Zu Feuerlöschzwecken sind ferner an 10 Gemeinden in den Kreisen Casfel, Frankenberg, Wolshagen, Gelnhausen, Marburg, Schlächtern und Schmalkalden Beihilfen in Gesamthöhe von 3800 Mk. Der LandeSausschuß befaßte sich außerdem mit dem Entwurf einer neuen Satzung und allgemeinen Ver- sicherungSbedingungen für die Hessische BrandverficherungS* anstatt.

* (S chu tz d e n E ch w a l b e n.) Ein gemeinsamer Rund­erlaß deS Minister- der öffentlichen Arbeiten und der Ministers sür Landwirtschaft, Domänen und Forsten empfiehlt Maß­nahmen, welche gegen die vielfach beklagte Abwanderung der als Vertilger schädlicher Insekten ungemein nützlichen Schwalben gerichtet find. Es wird angeregt, dem Nestbau der Schwalben sowohl bei Neubauten durch Schaffung kräftiger Dachüberstände und geeigneter Vertiefungen und Auskragungen unterhalb der­selben Schutz- und Stützpunkte zu bieten, als auch bei Um­bauten dahin zu wirken, daß die Brutstätten geschont und die Nistgelegenheiten vermehrt werden. Durch Aufklärung über den Nutzen der Schwalben sollen die Nutznießer der sür den Nestbau in Frage kommenden Baulichkeiten für die Bestrebungen zum Schutze dieser Vögel, die leider in den Lande-gejetzen keinen Anhalt finden, gewonnen werden. Da die Anbringung künstlicher Nester keinen nennenswerten Anreiz zur vermehrten Anfiedlung gegeben hat, ist die Beschaffung des zum Nestbau geeigneten Materials, wie lehmiger Erde und ausreichenden Wassers, als besonder- förderlich zu empfehlen.

Obermöllrich b. Fritzlar, 25. September. Ein 4jährige- Mädchen des Arbeiter- Kr. kam mit feinen Kleidern dem Kar« toffelseuer zu nahe, so daß diese von den Flammen ergriffen wurden und die Kleine unter furchtbaren Schmerzen ihren Tod fand.

Frankfurt a. M., 27. September. Im Stadtwald stieß ein Automobil der Zuckerfabrik Groß-Gerau mit einem Fuhrwerk zusammen. Der Lenker des Automobils war aus der Stelle tot, während der Mitsahrer mit leichten Verletzungen davonkam.

Worbis, 22. September. Der Posthalter Kleinecke in Zwinge (Kreis Worbis) hatte gestern ein Automobil gekauft.

Aus dem Transport von Nordhausen nach Zwinge führte der Chauffeur Schneider au- Nordhausen den Kraftwagen. Aus der Chaussee zwischen Bockelnhagen und Osterhagen wollte der Besitzer daS Fahrzeug selber sühren. Er suhr gegen einen Baum, sodaß das Automobil völlig zertrümmert wurde und der Chauffeur schwere Verletzungen erlitt.

Weimar, 23. Sept. In einem Abteil zweiter Klaffe wurde heute nacht nach 12 Uhr in dem von Apolda um diese Zeit abfahrenden Zuge unweit Großheringen ein Kraft- wagensührer von einem Buchhalter der Frciburger Mühle er­mordet, woraus der Buchhalter sich selbst erschoß. Näheres ist noch nicht bekannt.

Paderborn, 25. September. Eingebrochen wurde in der Nacht zum Sonntag in da- Hutgeschäst der Geschwister Schartenberg. Nachdem die Diebe die Kasse erbrochen und ihres Inhalts in Höhe von 150 Mk. beraubt hatten, suchten sie sich mit Kennerblick die besten und wertvollsten Federn au- den Modellhüten heraus und nahmen 35 wertvolle seidene Blusen mit. Der gesamte Schaden wird auf 2000 Mk. ge­schätzt.

Göttingen, 20. Sept. In der Ortschaft Diemarden hat sich eine heitere Episode zugetragen. Eine Dienstmagd hatte ohne Erlaubnis ihrer Herrschaft eine Tanzmusik in einem Nachbarorte besucht. Spät kehrte sie zurück und sand die Türen verschlossen. ES blieb ihr nichts anderes übrig, als zum Fenster hineinzuklettern, was ihr auch trotz ihres Ball- staates gelang. Beim Herabspringen vom Fensterbrett in den finsteren Raum geriet sie jedoch in eine breiig-zähe Masse, die sie mit unsichtbarer Gewalt am Boden festhielt. In ihrer Angst rief sie laut um Hilfe, und bald war daS ganze Haus aus den Beinen. Mit Staunen fand der Hausherr seine Maid breitbeinig im großen MuSkeffel sitzen, der zur Abkühlung seiner Inhaltes an das offene Fenster gesetzt war. Der An­blick, den die süße Maid im Ballkleid bot, war erschütternd.

Vermischtes.

Danzig, 25. September. Kurz vor seiner Ver­heiratung mit einer Slettiner Dame wurde Kapitänleutnant Wischgraf erschossen in seinem Zimmer aufgesunden. Er hatte mit einer Browningpistole hantiert. Dabei muß sich ein Schuß gelöst haben, der ihm durch daS Herz ging.

(Freiwillig skalpiert.) Ein großes aber nutz­loses Opfer sür seine Schwester brächte ein junger Mann in Stockport, der sür seine Schwester Edith Stuart, die mit ihren Haaren in eine Maschine gekommen und vollständig skalpiert worden war, seine eigene Kopshaut hergab, damit seine Schwester geheilt werden konnte. Er unterzog sich der schwierigen Ope­ration, der Heilungsprozeß machte bei der Schwester auch günstige Fortschritte, dann trat ein Rücksall ein, dem die Schwester erlag.

Kopenhagen, 26. September. Aus dem Arcesee (Insel Seeland) kenterte gestern abend ein Boot, in dem sich ein 21jähriger Handlungsgehilfe und drei Knaben von neun bis zwöls Jahren befanden. Alle vier ertranken. Die Leichen konnten noch nicht geborgen werden.

(Vater-und Gattenmord.) Sonntag abend erschoß der 18jährige Sohn des Boron Gouvringny bei Falaise in der Normandie seinen Vater, als dieser im offenen Wagen aus der Landstraße einherfuhr, aus dem Hinterhalt. Er war sofort tot. Der Sohn gab an, daß er auf Anstisten seiner Mutter gehandelt habe, die neben ihm gestanden habe, während er den Schuß abgab. DaS Motiv ist Rache der liederlichen Mutter. Mutter und Sohn wurden verhaftet.

(VerunglückteFeuerwehrleute.) Als gestern früh die Freiwillige Feuerwehr in PutbuS (Rügen) zur Hilse- leistung beim Brande eines Wohnhauses auSrückte, brach die Achse eines Löschwagens. Die Feuerwehrleute wurden herab­geschleudert und teils schwer, teils leicht verletzt. Der zweite Führer der Wehr, Gastwirt Hintze, erlitt einen Schädelbruch und war sofort tot.

(Das Opser des Kosaken.) Ein Kosak war bei einem einsamen Ritte von einem surchtbaren Sturme heim­gesucht worden; in seiner Not betete er zum heiligen Nikolaus und tief:Heiliger Nikolaus, großer heiliger Nikolaus, mein süßer Namenspatron, wenn du mich aus der Gefahr rettest, will ich dies Pferd verkausen und all daS dasür erhaltene Geld dazu verwenden, dir Kerzen zu stiften"* Der heilige Nikolaus hatte wohl Mitleid und freute sich über den Opfer­mut deS Kosaken, jedensallS kam der Reiter heil und gesund nach Hause. Am nächsten Tage nimmt unser Kosak einen Hahn auS seinem Hühnerstall unter den Arm und sein Pserd an die Leine und wandert auf den Markt.He, Kosak, war hast du zu verkaufen?" ruft man ihm zu.Einen Hahn und ein Pferd," erklärt der Brave,aber ich verkaufe nur beide- zusammen. Für meinen Hahn fordere ich 200 Rubel, und für mein Pferd 30 Kopeken." Bald fand sich ein Käufer, der diesen wunderlichen Kauf bereitwilligst abschloß, und Hahn und Pserd zusammen für 200 Rubel und 30 Kopeken erstand. Freudig kehrte der Kosak nach Hause, und getreu seinem Ge­lübde stiftete er für 30 Kopeken Lichter, die dann sorgsam vor dem Bilde der heiligen Nikolaus aufgestellt und feierlichst angesteckt wurden.

(DaS Grammophon alsSchnarch- registrator".) AuS der großen Seestadt Leipzig wird derTägl. Korr." folgender Stammtischscherz erzählt: Schlaf- Sachverständige behaupten, daß alle Männer, so das Schwaben- alter erreicht oder ihm nahe stehen, allemal schnarchen, wenn sie aus dem Rücken schlasen. Und diese Untugend schrieb man ansang- insgeheim in letzter Zeit sogar ziemlich offen­kundig einem Leipziger Junggesellen und Mitglied eine- der seuchtsröhlichsten Leipziger Stammtische zu. Der gute Mann, der viel aus seinen untadelhasten Charakter hielt, war natürlich darüber umso mehr erbost, al- da- Schnarchen bekanntlich zu jenen Lastern zählt, die der Jnkulpat nie einsieht, weil er per­sönlich daS liebliche Geräusch geflissentlich überhört. Schließ­lich wurde eine Wette arrangiert, und da sich kein einwand- sreier Zeuge fand, sollte eine Grammophonwalze die nächtliche Tätigkeit" deS Herrnregistrieren". Am nächsten Abend war man in Erwartung deS Kommenden natürlich besonders gehobener Stimmung. DaS Corpus delicti, die Platte, wurde gebracht, alS die Stammtischmitglieder vollzählig er- schienen waren, und sodann eingespannt. Zuerst hörte man wie jemand wuchtigen Schritte- der Türe sich näherte, sie dann öffnete und mit Donnergepolter wieder zuwarf; man hörte das Prusten eines Manne-, der sein Gesicht ein paarmal in frischem Wasser der Waschschüssel kühlt, man hörte, wie jemand die Stiefel vor die Tür warf; dann wurde eS still. Triumphierend sah sich der so böse Verdächtige im Kreise um. Da was war daS! Welche Töne?! Hhhh chchch ---HHHHchchch. Ein homerische- Gelächter brach loS. Wütend sprang derEntlarvte" aus und hätte beinahe denverdammten Apparat" zertrümmert, wenn die Freunde ihn nicht zurückgehalten hätten. Eine ganze Batterie von Weinflaschen soll denn aus seine Rechnung geköpft worden

sein, na, und wer den Schaden hat, braucht ja für den Spott nicht zu sorgen. Edison hat sich jedenfalls von dieser Verwendungsmöglichkeit seiner Erfindung nicht- träumen lassen.

-(England-neue st er Ueber-Dreadnought.) Die neue Super-DreadnoughtOrion" ist gestern von Ports- mouth in See gegangen, um ihre großen 13.5jölligen Ge- schütze einer Probe zu unterziehen. ES sind besondere Vor­kehrungen getroffen worden, um die Mannschaft vor Schaden bei den ungeheuren Erschütterungen zu bewahren, die das Abseuern dieser Riesengeschütze verursachen werden. Während ein Geschoß der 12zölligen Geschütze aus einer Entfernung von 3000 IardS einen 17zölligen Kruppanzer durchbohrt, soll daS Geschoß der 13.5zölligen Geschütze 26 Zoll aus dieselbe Ent- sernung durchschlagen.

(Wo wird der meiste Käse gegessen?) DaS Land, daS den stärksten Fleischverbrauch hat, hat auch den größten Konsum im Käse. Von allen Ländern, in denen der Käse gegessen wird, steht England obenan, und zwar ver­braucht eS etwa 70 Prozent von all dem Käse, der überhaupt fabriziert und eingeführt wird. In den europäischen Ländern werden etwa 240,000.000 Kilogramm Käse alljährlich kon­sumiert, wovon England beinahe 180,000,000 für seinen Teil verbraucht. In zweiter Linie steht Holland, wo man etwa 56,000,000 Kilogramm Käse alljährlich verzehrt, dann kommt die Schweiz mit 43,000,000, Frankreich mit 31,000,000 und an letzter Stelle steht Deutschland, daS im ganzen nur 20,000,000 Kilogramm jährlich ißt. In Italien und Spanien ist der Käseverbrauch nicht so groß, weil dort nur bestimmte Sorten eingcsührt und gegessen werden. Ein Volk der Welt aber wendet sich mit Grauen und Entsetzen von dem Genuß deS KäseS. Das sind die Chinesen. Sie können nicht begreifen, wie eS Menschen geben kann, die mit Genuß eine Speise ver­zehren, die, wie der Käse, in Fäulnis übergegangen ist. Wenn die Chinesen eine europäische Reise machen und dann nach Hause zurückkehren, dann erzählen sie gewöhnlich, daß man in Deutschland verfaulte Sachen als Delikatesse ißt. Sie ahnen nicht, mit welchem Entsetzen wir ihre Speisekarte betrachten, aus der Ratten- und Hundefleisch verzeichnet ist.

(Ein Schoppen Marokkaner.) Der Name für den neuenHeurigen" ist gefunden, und zwar geht er, wie immer aufs Aktuelle. Besuchte da in den letzten Tagen ein rheinischer Bäuerlein eine Wirtschaft und forderte fest und bestimmt5 Schöppche Marokkaner." Der Wirt äußerte keiner­lei Ueberraschung über die neue Sorte, mußte aber erklären, daß der Marokkaner erst in den nächsten Wochen zum Anstich gelange. Aus die neugierige Frage deS Bauern, ob er auch richtig verstanden habe, welcher Wein gemeint sei, erwiderte der brave Wirt:Wie könnt denn der neie Win, der 1911er, wo währende derer afrikanische Hitze gewachsen ist, anders heiße als Marokkaner."

(Humoristisches.) Der Vorsteher einer kleinen ländlichen Bahnstation hatte, als er seine monatlichen Bedürf­nisse requirierte, u. a. auch eine neue Bürste gefordert. AlS die Materialien ankamen, sand er, daß eine Bürste nicht da­runter war, und alS er die Liste durchsah, entdeckte er, daß dieser Artikel von seiner Vorgesetzten Behörde gestrichen worden war. Im folgenden Monat stellte er dasselbe Ansuchen, wieder mit demselben Ergebnis. Aber er ließ nicht locker und sandte sofort eine alte Bürste ein, die aller Haare entblößt war, und bemerkte im Begleitschreiben:Da eS scheint, daß Sie mir eine neue Bürste nicht bewilligen können, reiben Sie die bei­folgende, bitte, mit einem HaarerzeugungSmittel ein, und senden Sie sie mir, sobald dies Erfolg gehabt hat. zurück."

(Appetitliche Sachen.) Aus den amerikanischen Fleischfabriken kommen von Zeit zu Zeit Nachrichten, die, wenn unsere Zeit nicht so vergeßlich wäre, jenen Unternehmungen eigentlich schon daS Ende bereitet haben müßten. So wurde seinerzeit festgestellt, daß in dem Cornedbees einer gewissen Fa­brik allerhand Mäuschen und Ratten mit verarbeitet worden waren, während der hauptsächlichste Bestandteil dieses beliebten Aufschnitts verdorbenes Rindfleisch war. Das Schweineschmalz, daS heute noch in Tausenden von Tonnen wöchentlich importiert wird, hielt einer Untersuchung auch nicht stand, der VolkSmund, der unzarte aber treffende Ausdrücke wählt, spricht seitdem vom Affensett." Jetzt wird von der weltberühmten Fleisch-Export­firma Schwartz Brothers Company in New-Jersey gemeldet, daß zahlreiche nicht geschlachtete, sondern verendete Pserdekadaver zur Aussuhr nach Holland kamen, um hier für den mensch­lichen Konsum verarbeitet zu werden. In Rixdorf bei Berlin wurden zwei Fleischermeister verhastet, die feit langer Zeit tuberkulöses und anderes gesundheitsschädliches Fleisch in den Handel gebracht hatten. Bei Nacht wurden die kranken Tiere, die für ein Spottgeld getauft waren, geschlachtet, mehrere Gesellen mußten dann in den Straßen Schmiere stehen, da­mit die Herrn Fleijchmeister vor unliebsamen Besuchen der Behörden sicher waren.

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