recht der Einfluß deS Preissturzes, der vor 15A Jahren plötzlich einsetzte. Beim Elfenbein zeigt sich die entgegengesetzte Er- jcheinung, der Menge nach eine Abnahme von 1623 Kilogramm, dem Werte nach eine Steigerung von 8168 Mk.
Von staatlicher Seite wird in Preußen eine gegen bisher noch verstärkte Förderung der Ziegenzucht ange- strebt, und man dars erwarten, daß sich in der Etatsausstellung für daS nächste Jahr entsprechend erhöhte Mittel finden werden. Als wünschenswert wird vor allem erachtet, daß die Ziegenzuchtstationen finanziell unterstützt werden, und in diesem Ginne ist eS auch erfreulich, daß die Zuchtvereine sich mehren. ErsahrungSgemäß findet sich die Ziegenhaltung vielsach in dem Haushalt industrieller Arbeiter, wo die Ziege alS „Kuh deS kleinen Mannes" volkswirtschaftlich besondere Ausmerksam- keit verdient.
DaS furchtbare Unglück auf der Reede von Toulon hat zu heftigen Angriffen gegen den bisher so viel gepriesenen Französischen Marineminister Delcaffä in der Presse gesührt, die jetzt auch innerhalb deS Kabinetts ihr Echo finden. Den Pariser MittagSblättern zusolge wird der bevorstehende Ministerrat darüber entscheiden, ob Marineminister Delcasss gut beraten war, als er dem Admiral Bellue, dem Kommandanten deS zweiten Geschwaders, besahl, die von diesem inS Werk gesetzte Ausladung bedenklicher Pulversorten auS allen vor Toulon liegenden Kriegsschiffen zu unterbrechen. Der Marineminister beharrt nämlich entgegen Bellue daraus, daß alle Pulversorten einwandsrei seien.
Aus dem nordpersischen Kriegsschauplatz ist jetzt ein heißer Kampf um Täbris entbrannt. Den ersten Angriff haben zwar die Verteidiger zurückgeschlagen, doch werden die Angriffe wiederholt werden. Schudscha ed Dauleh hat TäbriS von vier Seiten angegriffen. Die Fidai leisteten tapferen Widerstand. Der Kamps mußte abend- ergebnislos eingestellt werden. Die Reiter Schudscha ed DaulehS haben die von ihnen am Tage besetzte Vorstadt Schamhasan verlassen und sich in die frühere Stellung bei Karamelik zurückgezogen. Die beiderseitigen Verluste sind gering.
Die Revolution in H a u r a n, deren Niederwerfung den Türken im letzten Jahre viel Schwierigkeiten bereitet hat, ist durch die neue Empörung eines gefürchteten Rebellen wieder- aufgelebt. Privatnachrichten bestätigen, daß an verschiedenen Punkten deS Hauran wieder ernste Unruhen auSgebrochen sind. Der berüchtigte ehemalige Rebellenchef Attrache hat aufs neue zu den Waffen gegriffen und bereits großen Anhang gesunden. Mehrere Dörfer wurden geplündert und die Einwohner teilweise niedergemacht. Die Regierung entsandte Truppen in die bedrohten Gegenden.
flut Provinz «. Nachbargebiel
*(DerEisenbahnministergegendenAlkohol- genuß der Reisenden.) Nachdem Herr von Breitenbach den Alkohlgenuß der Beamten während der Dienststunden verpönt hat, will er auch bei den Reisenden eine Alkohol- erziehungSkur einjühren. Er hat eine Versügung erlassen, wonach das AuSrusen von Bier und anderen alkoholischen Getränken aus den Bahnsteigen vor 10 Uhr morgens verboten wird. Kognak und änhnliche alkoholische Stärkungsmittel dürscn an den Wagenabteil deS EisenbahnzugeS zwischen 12 Uhr nachtS und 10 Uhr morgens nur bei Unwohlsein oder Unfällen eine- Reisenden auf dessen ausdrückliches Verlangen oder seiner Begleitung vom Kellner gebracht werden. Dagegen sollen alle BahnhosSwirte in den Stationen, die einen Knotenpunkt darstellen, in den Morgenstunden warmen Kaffee und warme Milch in genügenden Mengen vorrätig halten.
g. Hersfeld, 29. Sept. (Michaeli-tag.) Der 29. September ist der Tag deS streitbaren Erzengels Sankt Michael. Wie so manches christliche Fest, hat auch dieses einen heidnisch-germanischen Hintergrund. Wodan und Thor sind da- Urbild. Das altgermanijche Erntesest in Verbindung mit einer allgemeinen Totenseier war die ursprüngliche Scenerie. Und eS folgte die „Gemeinwoche", jene heilige Zeit, wo man den Göttern opferte und die menschlichen Streitereien schlichtete. Unter freiem Himmel ward große Gerichtsversammlung gehalten, der „Herbstthing". In England waltet teilweise noch heute die Sitte, die amtlichen FriedenShüter am Michaelistage zu wählen. So fällt z. B. die Wahl deS Londoner Lord- MayorS stets auf diesen Termin. Von den Anhöhen der Mosel lodern immer noch vereinzelte MichaeliSseuer. MichaeliS- brot, -Gans, »Trunk usw. erinnern ebenfalls an die uralten Herbstopfer, und sogar der berühmte deutsche „Michel" dürste mit diesem heidnischen Frömmigkeit-milieu verwandt sein. Die Kirche setzte an Stelle der alten Opferstätten die MichaeliS- kapellen und empsahl ein Fest der heiligen Engel. Luther betonte in feinen Michaelispredigten den Gedanken, daß die Kinder ihre Schutzengel hätten, und er mahnte u. a.: „Daß die Kinder ihre Engel haben, sollte unS bewegen, bei dem jungen Volk vorsichtiger und bedächtiger zu sein und ihm kein AergerniS zu geben." AlS kirchlicher Feiertag ist das Fest ge- schwunden, aber im volkstümlichen Leben und Schaffen spielt der Michaelistermin nach wie vor eine große Rolle. Aus dem Lande beginnt da daS „Lichtarbeiten" und zugleich daS ganze neue Wirtschaftsjahr. In der Stadt geht daS UmzugS- gespenst herum, und man ist froh, wenn die Möbelwagen- Ungeheuer endlich wieder leer abziehen, und so sachte die häusliche Gemütlichkeit wieder einzieht. Zu Michaelis sind die Tage schon kürzer, und der Altweibersommer mahnt: Nützt die Zeit nur rechtschaffen auS, denn über kurz oder lang ist Busch und Baum ganz kahl, und die Natur hält ihren tiefen, tiefen Schlaf.
, „ ):( Hersfeld, 25. Sept. (Schöffengericht) Ein irüher hier wohnhaft gewesener Ersatzrefervist erhielt wegen unerlaubten AuSwandernS nach Amerika 30 Mk. Geldstrafe eb. 6 Tg. Haft. — Eine zweite Sache wegen DiebstahlS mußte ausfallen, da der Beschuldigte nicht erschienen war.
Adelshausen bei Melsungen, 27. Sept. Heute morgen gegen 9 Uhr ereignete sich hier ein schwerer UnglückSsall. Das 5jährige Söhnchen deS Landwirts Friedrich Mitze spielte suit einem mit Schrot geladenen Gewehr und schoß dabei sein 8jährigeS Schwesterchen in den Kopf. DaS Kind brach sosort blutüberströmt zusammen. ES mußte mit dem nächsten Zuge nach Casfel inS LandkrankenhauS gebracht werden.
, Helf«, 25. Sept. In eine recht unangenehme Verlegen- hnt brächte ein junger Mann aus einem der Vororte CasfelS seine hiesige Braut dadurch, daß er zu der sür gestern ange- fetzten Hochzeit nicht erschien. Alles war zu der Feier her- gerichtet und nur der leichtfertige Gatte schlte. Derselbe hatte bereits etliche seiner Braut gehörige Erntevorräte verwüst und auch bareS Geld erhalten, um eine gute Ziege für öen jungen Haushalt zu kaufen.
Cafsel, 29. September. Der Königliche Landrat deS Landkreise- Cassel hat dieser Tage eine Verfügung an die ^urgermcister seine- Bezirk- gerichtet, welche sich mit der Verunstaltung landschaftlich hervorragender Gegenden be
schäftigt. ES heißt darin, daß daS Königliche Kammergericht neuerdings eine Entscheidung in einem Strafverfahren getroffen hat, welches wegen der Verunstaltung landschaftlich hervorragender Gegenden gegen den Inhaber eine- ReklameinstitutS eingeleitet worden war, der im Austrage einer Zigarettenfabrik unweit der Eisenbahn ein großes auffallendes Reklamefchild ausgestellt hatte. Der Landrat ersucht dann die Bürgermeister ihm anzuzeigen, ob ein solches Strafverfahren etwa von einer Ortspolizeibehörde deS LandkreiseSlCaffel eingeleitet war.
Casfel, 27. September. Auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft ist in dem Nachbarstädtchen GudenSberg ein Hausierer verhaftet worden, der dort einen Siegelring verkauft hatte, welcher Eigentum der vor einigen Tagen in der Wolf- Hagerstraße ermordeten Frau Müller fein soll. Der unter dem Verdachte deS Raubmorde- stehende Bruder der Getöteten, der Kellner Fritz Cron, befindet sich noch immer in Untersuchungshaft.
Heiligenstadt, 27. September. Ein Schwindlerpaar hat in Verkleidung als Nonnen fowohl in Heiligenstadt wie in den Dörfern des EichSfeldeS auf Grund von Empfehlungsschreiben hochgestellten Persönlichkeiten Gelder für angeblich gute Zwecke gesammelt. Die Gaben flossen reichlich. Doch sehlte eS nicht an Leuten, die Verdacht schöpften. Bei einer angesehenen Familie entlockte die tiefe Stimme der einen „Nonne" der Hausfrau den AuSrus: „Sie müssen aber gut „alt" singen können." In einem Orte wurden die beiden vom Schicksal ereilt. Nach dem Gottesdienst blieben die vermeintlichen Nonnen noch in der Kirche. Als alle Besucher fort waren, fingen sie an, ihre Einnahmen zu zählen (1800 Mark sollen in einigen Tagen zusammengekommen sein). Dem noch in der Sakristei weilenden Pfarrer fiel daS wenig ehrfurchtsvolle Verhalten der beiden Personen aus. Als die eine nun auch noch anfing, ganz unchristlich zu schimpsen, da war eS ihm klar, daß eS sich um zwei Schwindlerinnen handelte. Die schnell verständigte Polizei nahm fich der beiden Schwestern an, nachdem durch eine hochnotpeinliche Untersuchung jestgestellt war, daß man eS nicht mit 2 Frauen, sondern mit einem — Ehepaar zu tun hatte.
Marburg, 26. September. Einbrecher drangen in der Nacht zum Montag bei dem Dechanten der Neustädter katholischen Gemeinde ein und erbeuteten 800 Mk. die in einem Sekretär aufbewahrt wurden. Die Diebe müssen ortskundig gewesen sein, denn außer den 800 Mk. wird nichts vermißt. Ein aus Lippstadt beorderter Polizeihund konnte die Spur der Diebe nur bis zum Bahnhof verfolgen.
Marburg, 26. September. Bei den Manövern, die in den letzten Tagen hier abgehalten wurden, brach unter vielen Soldaten die Ruhr aus. Mehrere Bataillone mußten noch vor Schluß der Uebung in die Garnisonen befördert werden. Von den hiergebliebenen Soldaten wurden viele als verdächtig isoliert, doch konnten die meisten am letzten Manövertage als gesund entlassen werden; einige wurden jedoch dem hiesigen Krankenhaus zugeführt. Von diesen ist nun der Musketier Nölle vom Jns.-Regt. Nr. 15 auS Minden vorgestern im hiesigen Krankenhause gestorben. Der Bedauernswerte starb gerade an dem Tage, an welchem er vom Militär entlassen werden sollte.
Langenschwalbach, 28. September. Die städtischen Badeeinrichtungen, Badehäufer, Brunnen usw., von Langenschwalbach sind an eine G. m. b.?H. verpachtet worden. Von dieser Gesellschaft wurde nunmehr auch der Stadt sür die städtischen Besitzungen, gärtnerischen Anlagen, Spielplätze usw., ein Pachtangebot von 20,000 Mk. jährlich gemacht.
Grotzalmerode, 27. September. Aus traurige Weise verlor die Familie bei Tiegeldrehers Casselmann am gestrigen Tage ihr einziger Mädchen im Alter von etwa 10 Jahren. Beim Kartoffelseuer auf dem Felde hatten die Kleider deS KindeS Feuer gefangen und setzten bald daS Kind in Brand, so daß eS einer Feuerfäule glich. Da in nächster Nähe deS Kindes niemand weilte, lief eS in schnellstem Lause davon und bekam erst Hilfe, alS eS zu spät^war. Noch aus dem Transport zum Krankenhause wurde daS arme Kind durch den Tod erlöst.
Neudietendorf, 26. September. Zwischen hier und Bischleben wurde vor einigen Tagen im Eisenbahnzug die 17jährige Marie Große von Heldrungen von zwei Mitreisenden (angeblich Parfümhändlern) mittels Riechfläjchchen betäubt, ihrer Barschaft von angeblich 32 Mk. beraubt. Bei Ankunft deS ZugeS in Ersurt stiegen die Spitzbuben schnell auS und ließen die noch Betäubte liegen, bis diese von anderen AuS- stcigenden bemerkt wurde.
Duderstadt, 26. September. Beim Apfelpflücken zu Tode gekommen ist ein Dienstknecht im benachbarten ESplinge- rode. Er stürzte vom Baume, brach das Genick und ein Bein und war aus der Stelle tot.
Gerstungen, 28. September. Nach zweijähriger Dauer sind die Reparaturarbeiten in Hönebacher Tunnel beendet worden. Am Sonntag ist der zweigleisige Verkehr durch den Tunnel wieder ausgenommen worden.
Schweres Unglück im Pariser Straßenverkehr.
Durch die Unachtsamkeit der Chauffeur- eines Automobil- OmnibuS hat sich gestern in PariS ein schweres Unglück zu- getragen, daS zahlreiche Opfer gefordert hat.
Ein im Jnnenraum und aus dem Wagendache vollbesetzter AutoomnibuS der Pariser Linie Jardin deS PlanteS-BatignolleS ist infolge eines noch nicht völlig aufgeklärten DienstfehlerS des Chauffeurs vom Pont de l'Archevöchs in die Seine ab- gestürzt. Die Zahl der Ertrunkenen beträgt dreizehn. Der Cauffeur wollte offenbar einige Minuten Zeitversäumnis ein- holen und fuhr mit vorschriftswidriger Geschwindigkeit. — Weiter wird noch berichtet: Der Chauffeur gab, um mitten aus der Brücke einem vom rechten Seineuser kommenden schwerbeladenen Frachtwagen auSzuweichen, seinem Autobus einen scharfen Ruck nach links. DaS Brückengeländer wurde in einer Länge von fünf Meter durchbrochen. Der Wagen stürzte ab und man sah die Wogen bis zum Brückengeländer emporschlagen. Dann zeigte sich in weitem Umkreise weißer Gischt, auS dem Köpfe und Arme von Schwimmenden empor- ragten. Allen voran erblickte man die Gestalt eines Priester-, der einen zweijährigen Knaben im linken Arm trug. Nach wenigen kräftigen Stößen hatte der Priester daS linke Ufer erreicht. Dieser Priester Abbe Richard, der einen jungen Mann auS der Provinz nach Paris begleitet hatte und sich mit diesem im Omnibus besand, vermißt feinen jungen Begleiter. Der Abbs durchschwamm noch zweimal den Fluß und rettete weitere zwei Personen. Er erzählt, daß sich in der ersten Klasse fünf Personen befanden, in der zweiten Klasse einige zwanzig, darunter mehrere Frauen und Kinder. Ein gleichfalls geretteter Handelsagent bestätigt diese Angaben mit dem Beifügen, daß er im Augenblick deS Absturzes herzzerreißende Rufe von Frauen und Kindern vernahm, Im Hospital Hotel
de Dieu sind zurzeit 13 Personen aufgebahrt. Einige Leichen zeigen Schädel- und Knochenbrüche. AuS allen Stadtteilen eilen um ihre Angehörigen besorgte Familien nach dem Spital. Bisher wurde kein Ausländer rekognosziert. Unter den Personen, deren Jndentität festgestellt werden konnte, befindet sich die Rentiere Frau DueaS mit Tochter und Schwiegertochter. Bei Anbruch der Nacht arbeiteten die Taucher beim Schein von Acetylenreflektoren. Die Versuche, den Omnibus zu heben, werden unter Leitung des Präsekten Lupine, der fünf Stunden an der Unglücksstätte auSharrte, fortgesetzt.
Letzte Nachrichten.
Zum Konflikt zwischen Italien und der Türkei.
Rom, 28. Sept. Heute nachmittag 2 Uhr 30 Min. überreichte der italienische Geschäftsführer in Konstantinopel in Begleitung de- ersten Dragomans die daS Ultimatum Italiens an die Psorte enthaltende Note.
K o n st a n t i n o p e l, 28. Sept. Die Nachricht von der Ueberreichung deS Ultimatums hat in Stambul Bestürzung hervorgerufen. An der Börse brach eine förmliche Panik auS. Der Vali von Tripolis ist heute über Marseille abgereist.
Konstantinopel, 28. Sept. Der Ministerrat befaßte sich mit der Vorbereitung der Antwort auf das italienische Ultimatum. Wie verlautet, wird die Psorte in ihrer Antwort erklären, sie sei bereit, den wirtschaftlichen Interessen Italien- in Tripolis Rechnung zu tragen, sie könne jedoch in eine Okkupation nicht einwilligen. Die Psorte soll die Absicht haben, an die Loyalität JtalimS und der Großmächte zu appellieren.
K o n st a n t i n o p e l, 28. Sept. Etwa 80 Deputierte traten nachmittags zur Beratung der Notwendigkeit einer vorzeitigen Einberusung deS Parlaments zusammen. Die Debatte nahm einen ziemlich erregten Verlaus. Die Abgeordneten von TripoliS sührten Klage über die Zustände in Tripolis sowie über die Unsähigkeit der türkischen Beamten und sorderten Abhilfe. Schließlich wurde einstimmig der Wunsch nach baldiger Einberufung de- Parlaments ausgedrückt und sofort dem versammelten Ministerrat davon Mitteilung gemacht.
K o n st a n t i n o p e l, 28. Sept. Die Präsidenten deS ScnatS und der Deputiertenkammer sind in den Ministerrat berufen worden, der noch fortdauert. Der Ministerrat erklärte. er könne sich mit der Forderung einer vorzeitigen Einberufung deS Parlaments nicht befassen, da er ausschließlich mit dem Ultimatum beschäftigt sei.
Rom, 29. Sept. Die Tribuna schreibt: Im Falle einer italienisch-türkischen Zusammenstoßes würden die türkischen Untertanen allezeit seitens der italienischen Regierung jeglichen Schutz genießen, vorausgesetzt, daß ihre Haltung sich mit dem Gesetz und den Forderungen der Lage im Einklang befindet. Ferner würden mit den italienischen Streitkrästen die Interessen und daS Leben der in Tripolis ansässigen Angehörigen sremder Staaten geschützt werden, ohne Unterschied mit den Italienern, natürlich in den durch die Lage gezogenen Grenzen. — Giornale d' Jtalia betont, die Regierung konnte nicht anders handeln, alr sie mit voller Zustimmung der gesamten öffentlichen Meinung gehandelt habe. Der katholische Corriere Jtalia schreibt: Die Lösung, die von der Nation gesordert war, ist dar wichtigste Problem der Gleichgewichts im Mittelmeer und eine Garantie für die Zukunft.
Rom, 29. Sept. Die Blätter besprechen sämtlich die Note der Regierung an die Psorte aufs günstigste. Die Tribuna betont, daß die Note ein Vorgehen sestgelegt habe, an dem nun Italien definitiv festhalten werde. Zu spät sei die Psorte aus dem langen hartnäckigen Schlas ausgewacht, zu spät habe sie Konzessionen angeboten. Italien habe die militärische Okkupation nicht gewollt, sondern sie sei ihm durch die Tatsachen aufgedrungen worden. Die Note, die die italienische Regierung nach den Hauptstädten deS Balkan gesandt habe, sei eine Mahnung für diese und eine Probe der Freundschaft, die Italien dem ottomanischrn Reich gebe.
Petersburg, 29. Sept. Vorgestern nacht wurde entdeckt, daß Diebe die Fenster des kaiserlichen PalaiS in Kraffnoje Sselo erbrochen und den inneren Gemächern einen Besuch abgestattet hatten. Die Diebe scheinen mehrere Tage unbemerkt im PalaiS gewohnt zu haben.
Germ er-heim, 28. Sept. Zwei Personen wurden wegen Epionageverdacht verhaset. Sie hatten einem Soldaten 200 Mark versprochen, wenn er ihnen einen Zünder vom Zehnzentimeter-Geschoß verschaffe. Der Soldat tat, als ob er aus die Sache eingehe und verabredete eine Zusammenkunst mit den beiden. Er benachrichtete die Behörde, die die beiden sestnahm.
Essen, 29. Sept. Beim Zusammenbruch eines Abbau- betriebe- wurden drei Bergleute von der Außenwelt abgeschnitten. Einer von ihnen konnte nach kurzer Zeit geborgen werden. Der Besrriung der beiden anderen stellten sich große Schwierigkeiten entgegen. Erst nach 52stündiger Gesangenschaft konnten sie gestern zu Tage gesördert werden.
Letzte Fernsprechmeldung.
Konstantinopel. 29. Sept. In ihrer Antwortnote erklärt die Pforte, dah sie bereit sei, über wirtschaftliche Zugeständnisse an Italien und die besonderen Interessen Italiens in Tripolis zu verhandeln, unter der Voraussetzung, datz der heutige status quo beibehalten wird und eine Okkupation nicht erfolge.
Oeffentlicher Wetterdtenft.
Sonnabend, den 30. September 1911.
Bewölkung wechselnd, meist trocken, kühle nordwestliche Wind».