Einzelbild herunterladen
 
  

Tripslis

Die tripolitanische Frage ist keineswegs unerwartet mifgo taucht. Sie gehört zu dem alten Bestand der mittelländischen Fragen, die schon CriSpi lebhaft beschäftigt und wird vorauS- sichtlich noch manchem italienischen Staatsmann Arbeit geben. Etwa seit AlgesiraS weiß man, daß die Franzosen die italienische Zustimmung zu ihrer Marokko-Politik durch Gewährung der freien Hand in TripoliS erkauft haben. Ebenso steht eS fest, daß England keinen Finger rühren wird, um den Türken ihren letzten afrikanischen Besitz zu erhalten. ES ist auch begreiflich, daß die Italiener sich noch ein Stück der afrikanischen Nord- küste zu sichern suchen, ehe sie ganz in den Händen ihrer mittelländischen Konkurrenten ist. Schon haben die Franzosen im tripolitanischen Hinterland so starke Fortschritte gemacht, daß sie in der Lage find, wichtige Karawanenstraßen auS dem Innern, die sonst in TripoliS daS Meer erreichten, auf französisches Gebiet abzulenken. Große Teile deS früher zu Tripolis gerechneten Hinterlandes sind bereits von französischen Posten besetzt. Frankreich hat nichts versäumt, um von TripoliS noch unter türkischer Herrschast soviel an sich zu nehmen, wie irgend möglich. Daraus erklärt sich die italienische Besorgnis, daß sie schließlich nur noch einen auSgenagten Küstenstrich vorfinden würden, wenn sie nicht bei Zeiten zu- griffen.

DaSBerliner Tageblatt" mein^ daß wir durch daS Vorgehen vor Agadir den Italienern die Gelegenheit zur Auf- rollung der tripolitanischen Frage gegeben hätten. DaS ist ein Argument unserer Gegner, daS man in der deutschen Presse sich nicht aneignen, sondern alS falsch abweisen sollte. Der Anlaß für Italien ist nicht Agadir, sondern die mit dem Zuge nach Fez bekundete Absicht Frankreichs, sich endgültig in Marokko häuslich einzurichten. Hätten wir nichts zur Wahrung unserer eigenen Jntereffen unternommen, so wäre nichts destoweniger die Frage an Italien herangetreten, ob sie nicht nunmehr angesichts deS französischen Appetits in Afrika für sich sorgen müßten um nicht völlig in Nordafrika auSge- schaltet zu werden. ES handelt sich dabei um den DaseinS- kampf der lateinischen Völker am Mittelmeer, von dem man in ihrer Presse nicht spricht, der aber trotzdem mit Zähigkeit und Erbitterung geführt wird. Die 7Q 000 Italiener in dem französischen TuniS find für Rom eine ständige Mahnung gewesen.

Die Frage ist nun, wieweit die Italiener gehen wollen, um ihre Jntereffen zur Geltung zu bringen. Die öffentliche Meinung geht außerordentlich scharf inS Zug, ist aber gerade in Italien bei Mißerfolgen in ihren Rückschlägen für jede Re­gierung gesährlich. DaS werden vermutlich die italienischen Staatsmänner in Anschlag bringen, wenn sie sich entschließen, wie hoch fie in TripoliS spielen wollen. Ein gefährliches Spiel bleibt eS aus jeden Fall. Wirtschaftliche Zugeständnisse find von den Türken vielleicht ohne Krieg zu erreichen. Zur Aufgabe ihrer afrikanischen TerritorialbesitzeS, alten musel- manischen Gebietes, werden fie nicht ohne einen Waffengang zu bringen sein. Daß fie im Mittel deS BoykottS eine starke Waffe haben, um Italien wirtschaftlich zu schädigen, muß auch in Bettacht gezogen werden. Die Ausgabe Deutschlands kann eS nicht fein, in diesem Streit aus die eine oder andere Seite zu treten, sondern in Rom wie in Konstantinopel nach Kräften mäßigend und auSgleichend zu wirken. Im übrigen sind die anderen europäischen Mächte an der Erhaltung deS FriedenS zwischen Italien und der Türkei genau so interessiert wie wir. ES ist töricht, eS so darzustellen, alS ob gerade Deutschland von dem Konflikt um TripoliS besonders hart betroffen sei.

*

In Messina ist gestern nachmittag der Konteradmiral Thaon de Revel angekommen, der seine Flagge auf dem Kriegsschiff Garibaldi" hißte. ES verlautet allgemein, daß der größte Teil der Truppen für die Expedition nach TripoliS dort konzentriert werde. Vor einigen Tagen kam der KorpS- kommandant Marini nach Messina und inspizierte die ganze Ganison. Ebenso wurden alle FortS an den Berghängen von höheren Offizieren inspiziert. Die Kohlenmannschasten arbeiten unausgesetzt. Im Depot der Kriegsmarine wurden aus großen Ponton- 600 Tonnen Heizmaterial verladen. Gestern haben die KriegsschiffeFerruccio" undVarese" ihre Ladung vervollständigt. DaS KriegsschiffRoma" wird aus Spezzia in Messina erwartet; eS dürste seine Ladung an Heizmaterial und Lebensmitteln bereits vervollständigt haben. Aus dem Kai von Augusta liegen 1000 Tonnen Kohlen be­reit, um auf die KriegsschiffeNapoli" undReina Elena" gebracht zu werden. Mit dem heutigen Tage wird die ganze mobilisierte Flottenmacht zwischen Augusta und SyrakuS

doch, bei Erhards gütiger Stimme meinte sie, als seine Frau doch glücklich werden zu können, wenn ja, jene- unselige wenn!" Erhard nahm ihr Gesicht zwischen seine beiden Hände strich ihr voller blonde- Haar zurück und sah ihr in die noch tränenfeuchten Augen.

So traurig darfst Du nicht dreinschauen, mein Dorle," sprach er zärtlich,ich werde alle- tun, Dich glücklich zu machen Du bist eines alten Manne- ganzer Glück, mein Liebling."

Ach, er ahnte nicht, war eS fie kostete, ihn als Antwort anzulächeln. Schweigend faß sie auf seiner Heimsahrt neben ihm, während ihre Hand widerstandslos in der seinen lag. Sie kannte ihn, seit sie sich ihrer selbst bewußt war, und hatte ihn immer gern gemocht und nun begehrte er sie zu seiner Frau! Er sah nicht die heißen Tränen, die ihr über die Wangen liefen, noch ahnte er, wie ihr Herz bang und heftig schlug wie in trüber Vorahnung, als er von der Zukunft von ihrer gemeinsamen Zukunft sprach.

*

*

Blaß und still, mit fest auseinandergepreßten Lippen hörte Dorle zu, wie ihre Schwestern immer und immer wieder dar große Glück besprachen, das ihr geworden.

Wie stolz Du fein kannst, wenn Du Deine eigene Equipage hast und alles haben kannst, war Du Dir wünschest!" sagte die eine.

Eine Equipage macht da- Glück nicht au»", entgegnete Dorle seufzend.

Und denke, wenn Du Baronin von Wollen bist, wie vornehm da- klingt!" meinte die andere.

So schwatzten und plauderten die zwei über Dorles Glück, ihre Zukunst. über die Hochzeit, bis die eine, mit einem Blick aus dem Fenster, plötzlich rief:Dort kommt Leutnant ScherlingS was wird der wohl zu der Neuigkeit sagen!"

Dorle preßte die Zähne auseinander und krampste die Hände wie sollte sie ihm jetzt begegnen?

Doch noch ging der bittere Kelch an ihr vorüber er kam nicht herein mit einem Blick nach dem Fenster und einem liebenswürdigen heiteren Gruße ging er weiter.

konzentriert sein. Er werden noch da» PanzerschiffEaint- Bon" unter dem Kommando deS Linienschiff-kapitän- Atton und derHectore Pisani" unter dem Kommando deS Kapitäns Reccio und mehrere Torpedoboote erwartet. Dann werden sich daS KriegsschiffHectore Pisani" und die Torpedoboote nach TripoliS begeben, wo der Herzog der Abruzzen sich alS Oberkommandant einschiffcn soll.

Aus Jn- und Ausland.

DerNorddeutschen Allgemeinen Zeitung" zusolge beruht die Meldung,' daß im preußischen Finanzministerium aus Grund verschiedener Anregungen Erwägungen über die Gewährung einer einmaligen Te u erun g S z u la g e an die Staatsbeamten bestanden, auf einen Irrtum. Abgesehen von der außerordent­lichen finanziellen Tragweite der Gewährung von Teuerungs­zulagen, würden solchen Zuwendungen grundsätzliche Bedenken entgegenstehen, daß sie, weil ohne Rücksicht auf das Bestehen und daS Maß deS Bedürfnisses im einzelnen Falle den Beamten allgemein zufließend, wie eine BesoldungSerhöhnug wirken und, wenn die Beamten aus die Bezüge erst einmal eingerichtet sind, leicht zu einer wiederkehrenden Einrichtung werden und nur den ersten Schritt zu einer neuen BesoldungSausbesserung darstellen würden.

Der Kölnischen Zeitung wird auS Berlin geschrieben: Nach einer auch in deutsche Blätter übergegangenen Mitteilung soll die deutsche Regierung den in der türkischen Armee dienenden deutschen Affigieren die Nachricht habe zugehen lassen, daß sie sich an einem eventuellen Krieg gegen Italien aus keinen Fall beteiligen sollten. Auch England soll bereits den gleichen Schritt unternommen haben. WaS Deutschland anlangt, so lag zu einer derarttgen Mitteilung schon auS dem Grunde kein Anlaß vor, weil die deutschen Offiziere im türkischen Heere nicht alS Truppenführer, sondern als Instruk­teure angestellt sind.

DerVoss. Ztg." zufolge ist bei der R e s o r m der Fahrkartensteuer eine Besteuerung der vierten Wagen­klasse nicht beabsichtigt. Die Belastung der beiden oberen Klaffen soll gemildert werden. Man hofft durch die Steige­rung ihrer Benutzung die Einnahmen deS StaateS unverkürzt zu erhalten. Nach den BerlinerN. N." kommt dagegen die Fahrkartensteuerreform in nächster Zeit nicht in Frage. Vor geraumer Zeit haben längere Besprechungen über eine solche Reform stattgefunden, neuerdings aber nicht. Davon, daß die Vorlage dem Abschlüsse nahe sei, ist keine Rede. Deshalb ist e- auch ganz ungewiß, ob bezw. wann dem Reichstage eine entsprechende Vorlage wird zugehen können.

Von einem LuftkriegSschiff kann man jetzt sprechen, nachdem das neue Militärlustschiff nach Zeppelinschem Typ armiert worden ist. DaS neue Luftschiff ist 138 Meter lang. ES besitzt statt der Paffagierkabinen zwischen den Motor­gondeln eine Anlage, in der sich ein Maschinengewehr unter­bringen läßt, außerdem find die Behälter für eine Anzahl von Bomben vorgesehen. Auch ist aus dem Rücken deS Luft­schiffe- eine Plattform eingerichtet worden, aus der ebenfalls ein Maschinengewehr Aufstellung findet, sodaß also auch eine Verteidigung nach oben stattfinden kann. Außerdem ist noch die Besatzung mit Gewehren ausgerüstet.

Die Teuerung-unruhen in Oesterreich sind noch nicht beendet. Wie auS Jägerndorf gemeldet wird, kam eS dort nach einer Versammlung gegen die LebenSmitteUeuerung zu einer Kundgebung von 2000 Personen vor der BezirkS- Hauptmannschaft. Die Menge zog dann vor einen Meierhof, wo die Fenster eingeworfen und die Türen beschädigt wurden. AlS einer der Demonstranten verhaftet wurde, nahm die Menge eine drohende Haltung ein. ES wurde Militär auf­geboten, das den Platz räumte. Auch in Kuttenberg kam es zu großen Krawallen. Mehrere Tausend Arbeiter bombardierten daS Getreidemagazin. Sie schlugen die Fensterscheiben einer Zuckerfabrik ein und demolierten daS Tor einer andern Fabrik. Militär und Gendarmerie mußte au-rücken. Es kam wieder­holt zu heftigen Zusammenstößen mit der Menge, welche nacht- in die benachbarte Stadt Sedletz zog. Ein Gendarm wurde verletzt. ES wurden strenge AuSnahmeverfügungen erlassen.

Aus Provinz u. Nackbargebiel

):( Hersfeld, 26. September. Die gestrige Sitzung der Stadtverordneten-Bersammlung im Rat- hau-saale stand unter dem Zeichen der Elektrizität. Der Herr Stadtverordneten-Vorsteher hatte die Stadtverordneten zu einer vertraulichen Sitzung zusammenberufen, um ihnen das vom

Aber nur zu bald erreichte auch ihn die Kunde. Er mochte eS nicht glauben. AlS er aber danach zum ersten Mal wieder mit Dorle zusammentras und er bemerkte, wie sie seinen Blick mied, wie sie ihm nicht mehr offen inS Gesicht sehen konnte, da umklammerten seine Finger ihr Handgelenk, und mit vor innerer Erregung bebender Stimme stieß er kaum hörbar zwischen den auseinandergepreßten Zähnen hervor: Nicht wahr, eS ist nicht wahr? O, sagen Sie, daß er nur Verleumdung ist!"

Sie hob den Kopf, sah ihm fest inS Gesicht und antwortete mit beängstigender Ruhe:Ja, eS ist wahr, Baron von Wollen hat mein Jawort."

ES folgte eine peinliche Unterredung zwischen den beiden; der junge Offizier bot dabei seine ganze Beredsamkeit aus; er bat, bat so inständig, stand doch sein ganzer Herzensglück aus dem Spiel! Er ahnte nicht, daß er sie fast besiegt hatte; wieviel es der Armen kostete, dem Geliebten gegenüber stand­haft zu bleiben. Wie schwer ward eS ihr, immer wieder Nein" zu sagen, während ihr Herz immerJa" sagte. Liebe und Pflicht sochten einen harten Kampf in ihrem Innern, alS er ihren widerstrebenden Lippen daS BeständniS entrang, daß fie sich nun entschieden habe.

Wie fie, voll Angst, fie könne in ihrem Entschlüsse schwankend werden, ihn bat, er solle gehen, da ergriff er ihre beiden Hände.

Sehen Sie mich an und berichten Sie, warum heiraten Sie den Baron, wenn Ihr Herz seither mir gehörte? Antwort, ich will die Wahrheit wissen!"

(Fortsetzung folgt.)

Eine schwere BootS-Katastroph e wird au» Brüssel gemeldet: Gestern fuhr der mit Zement beladene Kahn deS Schiffers Adrian auf der Scheide zwischen Boom und Antwerper in dichtem Nebel aus drei dicht nebeneinander verankerte Scheldeboote aus. Der Schiffer konnte nach dem Zusammenstoß sein Fahrzeug rechtzeitig verlassen, ebenso seine Frau, die mit einem Säugling auf dem Arm aus eines der angerannten Fahrzeuge gesprungen war. Jetzt fiel dem Ehe­paar ein, daß in dem sinkenden Boot noch ein vierjähriger

Magistrat übersandte Material wegen Gründung einer Elek- trizitätSwerk- in der Stadt HerSseld zur Kenntnisnahme und Beschlußfassung vorzulegen. Zugleich war im Einverständni- mit der Stadtverordneten-Bersammlung der Direktor der städtischen ElektrizitätSwerkS in Marburg, Herr Lautemann, anwesend, um zu dem von ihm entworfenen Spezialprojekt für die hiesige ElektrizitätSanlage die erforderlichen Erläuterungen zu geben. Nachdem um 4 Uhr Herr Stadtverordneten-Vor­steher Becker die Sitzung eröffnet und den Herrn Direktor Lautemann vorgestellt hatte, ergriff Herr Bürgermeister Strauß das Wort. Er berichtete, daß schon bei seinem Amtsantritt vor 15 Jahren Bestrebungen betreffs Gründung eines ElektrizitätSwerkS in hiesiger Stadt im Gange gewesen seien, daß die Angelegenheit aber nicht habe zum Durchbruch kommen können, weil die damaligen Verhältnisse zu ungünstig gewesen seien. Erst vor Jahresfrist seien die Verhandlungen wieder ausgenommen worden, alS die Tuchfabrik Firma A. Rechberg in Verbindung mit ihrer Fulda-Stauung eine Turbinenanlage herstellte und die Tuchfabrik Firma Georg Braun ein neues Fabriketablissement baute, bei welchem Maschinen von großen Dimensionen zur Erzeugung elektrischer Energie zur Verwendung kamen. Mit beiden Firmen trat der Magistrat wegen Lieferung des für die Stadt Hersfeld erforderlichen elektrischen Stromes in Verbindung und zwar mit günstigem Erfolg. ES wurde ein Vertrag mit diesen Firmen abgeschlossen, der für beide Teile vorerst auf die Dauer von zwanzig Jahren bindend ist. In diesem Vertrage ver­pflichten sich die beiden Firmen durch ihre Maschinenanlage die zur Versorgung deS städtischen Leitungsnetzes notwendige elektrische Energie bis zu einer gewissen, für die Stadt voll­kommen ausreichenden Maximalbelastung, in Form von Drehstrom, gegen mäßige Vergütung zu allen TageS- und Nachtzeiten zu liefern. Der Herr Bürgermeister bezeichnete die Bestimmungen dieses Vertrages alS außerordentlich günstig für die Stadt, zumal die Stadt nicht genötigt sei, zur Er­zeugung der Elektrizität eine eigene Centrale mit großem Kostenaufwand zu bauen. Hieraus hielt Herr Direktor Lautemann den angekündigten Vortrag. Auch Herr Lautemann bezeichnete die Bestimmungen des mit den beiden Firmen abgeschlossenen Vertrages alS außerordentlich günstig für die Stadt und empfahl dringend die Annahme deS Vertrages, da nach menschlicher Berechnung der Stadt wohl kaum jemals ein günstigerer Angebot gemacht werden könne. Für die Stadt sei sehr wichtig, daß sie keine eigene Centrale zu bauen brauche, sondern den elektrischen Strom in beliebiger Menge geliefert erhalte. Die vereinbarte Vergütung sei mäßig und ermögliche eS der Stadt, allen Bewohnern ihre Elektrizität für Beleuchtung sowie für Heiz- und Krast- zwecke zu angemessenem Preis abzulassen. Ein ElektrizitätS- werk, welches nur ein kleiner Gemeinwesen versorge und keine Großkonsumenten habe, sei wenig rentabel. HerSseld sei aber eine Industriestadt mit starkem Maschinenbetrieb und deshalb feien die Verhältnisse hier für die Gründung eines Elektrizitäts­werks in mancher Beziehung günstiger. Ein weiterer Grund für die Annahme des Vertrages sei der, daß die Stadt den für die Consumenten so wichtigen Drehstrom erhalte, während für kleinere Städte, die nicht an eine Ueberlandzentrale an- geschlossen feien, in der Regel nur Gleichstrom geliefert werden könne. Was nun den Bau deS aus Kosten der Stadt herzu­stellenden Leitungsnetzes betreffe, so sei zunächst mit sechs größeren Elektrizitätswerken in Verbindung getreten worden. Dieselben seien ersucht worden, Generalprojekte für Arbeiten und Lieferungen zum Bau einer Starkstromanlage auszustellen und vorzulegen. Diese Generalprojekte seien eingegangen und es sei von ihm (Herrn Direktor L a u t e m a n n) auS denselben ein Spezialprojekt ausgearbeitet worden, daS den Bedürfnissen der Stadt für absehbare Zeit entspreche und daS den Anschluß der ganzen Stadt an das Leitungsnetz ermögliche. Dieses Spezialprojekt sei nunmehr den bewußten sechs Firmen zur Eintragung ihrer Forderungen mitgeteilt worden. Die For­derungen feien abgegeben worden; da aber der Vertrag mit den beiden Firmen Rechberg und Braun noch nicht zum Ab­schluß gekommen war, konnte wegen der Uebertragung der Lieferung ein Beschluß bislang nicht gefaßt werden. Inzwischen traten günstigere Konjunkturen aus dem Kupfermarkt ein und die sechs Elektrizität-werke erklärten sich auf Anfrage bereit, ihre Forderungen noch herabzusetzen. ES ist dies auch ge­schehen. Zu der billigsten Forderung müssen noch die Kosten der HauSanschlüsse, deS Elektrizität-zähler-, der Zähler für die einzelnen Konsumenten u. s. w. hinzugerechnet werden, so daß sich eine Kostenhöhe von 125 000 bis 130 000 Mk. ergiebt. Dieser Betrag soll nach dem Beschluß deS Magistrats erborgt, verzinst und amortisiert werden. Herr Direktor Lautemann gab nunmehr eine ausführliche Erläuterung über die Rentabilität

Sohn schlief. Beide betraten nochmals die Kajüte des Schiffes. Ehe sie aber das sinkende Fahrzeug wieder verlassen konnten, sank dieses völlig, und alle vier ertranken. Später sank noch ein anderer, durch den Zusammenstoß leck gewordener Kahn, und die ganze Familie des Schiffers, Ehepaar mit 8 Kindern, ertrank. Im ganzen hat also der verhängnisvolle Zusamen- stoß 14 Menschenleben vernichtet.

(Zwanzigtausend gegoss eneHäuser für Konstantinopel.) Die türkischen Behörden verhandeln augenblicklich mit den holländischen Ingenieuren, die daSHaus auS einem Guß" zum ersten Male in Sandpoort bei Haarkem ausstellten, über die Errichtung von 20,000 solcher Häuser in den abgebrannten Vierteln Konstantinopels. Auch in Woter- graasSmeer in Holland werden demnächst mehrere dieser Häuser gegossen werden. Die gegossenen Häuser werden bekanntlich in der Weise hergestellt, daß ein eiserne- Gerippe errichtet und mit einet hölzernen Form umgeben wird, die dann mit Beton gefüllt wird.

(DerLederkönig" Wallen ermordet.) EnormenS Aussehen erregt in Chicago der Tod deSLeder- königS" und Millionärs Charlet Wallen, der unter mysteriösen Umständen verschied. Seine Leiche wurde in Palmer'S Hotel aufgefunden. Sie war völlig unbekleidet, doch lagen Uhr und Börse neben ihm am Boden. Die Polizei weiß noch nicht, ob eS sich um einen Mord oder um einen Selbstmord handelt. Einige Chicagoer Zeitungen wollen wissen, daS Wallen einem Racheakt zum Opfer gefallen ist, da er in der letzten Zeit öfters anonyme Drohbriefe bekam. Er hinterläßt ein kolossales Vermögen.

(BootSunglück auf einem westfälischen Fluß.) Aus der Werfe, einem Nebenfluß der Ems, ereignete sich in der Nähe deS Ausflugslokal- HubertuSburg bei Münster ein schwerer Bast-unfall. Eine Gesellschaft von zwei Damen und drei Herren unternahmen eine Kahnpartie. Durch Un­vorsichtigkeit beim Wechseln der Plätze geriet daS Boot ins Schwanken und kenterte. Während die beiden Damen und ein Herr mit Mühe gerettet werden konnten, ertranken die beiden anderen Herren. Der eine hinterläßt Frau und Kinder, der andere ist der Ernährer seiner Mutter.