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Beilage $um

herrsel-er KmsWt

Nr. 113.

Sonnabend, den 23 September

1911.

falsches glück.

Novelle von Th. Werner.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Da- mußte er ergründen.

Da werde ich heute auch nicht reiten, statt dessen einige dringende Besuche erledigen", erwiderte er ihr.

Eine Stunde später sprach er bei Direktor Nrstmann vor. Eine Droschke stand bereits vor der Tür.

Herr Direktor ist momentan nicht zugegen", ward ihm der Bescheid.

Ich werde aus ihn warten."

Vielleich treten Sie einstweilen hier ein, im Sprechzimmer ist Frau Schmidt mit dem Schüler Dornberg."

Oetting stutzte.Frau Schmidt? Wie, sollte meine stolze Tea unter salschem Namen hier sein?" dachte er.

Es drang eine volle, herzliche Stimme an sein Ohr, in der er sofort Tea- Stimme erkannte.

Schon gut", sagte er dem Diener,Sie brauchen mich gar nicht erst zu melden ich erwartete, diese Dame hier zu treffen."

Er öffnete die Tür ;rat ein und Aug' in Aug' stand er Tea gegenüber.

Mit einem leisen Schreckensschrei sprang sie aus.

Kurt, Du hier?!" stieß sie, erdfahl, in halb feindseligem Tone hervor.

Dieser schuldbewußte Ausdruck als ob, was sie längst befürchtet, endlich eingetroffen sei.

Was hatte das alle- zu bedeuten?

. Sein Auge fiel auf den hübschen, blondharigen Knaben, der dicht neben ihr stand ein Knabe gerechter Gott! ihr getreues Ebenbild: derselbe schöne Mund, dasselbe feingeschnittene Oval, daß man sie für Mutter und Sohn halten konnte.

Oetting stieß einen Schrei, einen halb unterdrückten Ver- zweiflungSschrei aus für einen Augenblick war er starr vor Schreck und Gram; dann umklammerte er Tea- Handgelenk mit festem Griff, und auf den Knaben zeigend fragte er tonloS:

Um aller Barmherzigkeit willen wer ist der Knabe?" Sie wollte ihm antworten, aber die Worte erstürben ihr auf den Lippen.

Wer ist dieser Knabe?" wiederholte er in strengem, zornigem Tone.

Als sie noch immer keine Antwort gab, sagte der Knabe, ein paar Schritte vortretend, in eifrigster Verteidigung seiner Wohltäterin:

DaS kann ich Ihnen auch sagen, ich heiße Edgar Dornberg!"

DaS glaube ich nicht!"

Aber gewiß, Herr! Frau Schmidt kannte meine Mutter, und kommt darum öfter mich besuchen, und ist immer so gut zu mir. Sie ist noch die einzige, die wirklich Interesse an mir hat, seit mein Onkel gestorben ist. Sind Sie böse, daß sie manchmal zu mir kommt?

Tea, von Dir will ich hören: Wer ist dieser Knabe? war führt Dich zu ihm?"

Allmählich röteten sich ihre Wangen wieder.

Frage ihn selbst", entgegnete sie stolz,einen solchen Ton bin ich nicht gewöhnt."

Ich sagte Ihnen ja schon, ich heiße Edgar Dornberg!" wiederholte der Knabe lebhaft.Fritz Dornberg war mein Onkel er brächte mich von Amerika hierher und ist kürzlich gestorben."

Oetting sah von einem zum andern und schüttelte verständ­nislos den Kopf die Aehnlichkeit war zu auffallend.

Von Amerika kommst Du? Und wie heißt diese Dame, Deiner Mutter Freundin?"

Frau Schmidt."

Wie erklärst Du mir die-, Tea?" , Ich habe keine Erklärung zu geben", entgegnete sie stolz. Frage den Knaben, nicht mich."

Du bist der Neffe des Herrn Dornberg, der lange Jahre als Sekretär auf Schloß Jmmenbrook lebte?" wandte sich Oetting wieder mit blassem, verstörtem Gesicht dem Knaben zu.

Welchen Namen nannten Sie?" fragte dieser mit leb- haftem Jntereffe.

Jmmenbrook." _ ,

Jmmenbrook?" wiederholte der Knabe mit vor Liier glühenden Backen.Den Namen muß ich doch schon irgendwo gehört haben. Jmmenbrook Jmmenbrook! Wie bekannt mir das klingt! Er taucht da ein ganzer Bild vor meinen Augen auf", fuhr er wie traumverloren fort,eine große Veranda mit steinerner Balustrade, an der sich üppige Blumen emporrankten, in der Ferne ein dichter, dunkler Wald, ich habe eS geträumt, ich habe manchmal sonderbare Träume. Ob mein Onkel je in Jmmenbrook gelebt hat, weiß ich nicht. Ich habe nie von ihm gehört, daß er je länger in Deutschland war." k

Kurts und TeaS Blicke begegneten sich; m demselben Augenblick erscholl die Hausglocke. - Da kommt der Herr Direktor", sprach der Knabe.Soll ich ihn hereinrufen?" «Nicht nötig", erwiderte Oetting schnell, ,wwe ein andermal wieder es ist schon spät, ich kam hauptsächlich, um die Dame abzuholen." , Aber nicht wahr, Sie kommen wieder? wandte der Knabe sich bittend an Tea.

Jawohl, ich komme wieder. Wir bleiben gute Freunde , versprach Tea zaghaft. . . Oetting bemerkte, wie der Knabe sein hübsches Gesicht in die Höhe hob, als pflegte Tea ihn zu küssen. Ohne vatz er

sich darüber hätte Rechenschaft geben können, drang ihm daS Blut bei dem bloßen Gedanken daran heiß zum Herzen.

Sie fuhren zusammen nach Hause Seite an Seite, aber kein Wort miteinander wechselnd zum erstenmal ent­zweit entfrembet.

29.

Zu Hause angelangt, ging Tea händeringend, voll Ver­zweiflung in ihrem Zimmer auf und ab.

WaS fange ich an? WaS soll ich tun? Lieber sterben, als mein Geheimnis verraten!"

Nahende Schritte ihr Gatte trat ein blaß und be­kümmert, nicht zornig und erregt, wie sie erwartet hatte.

Er kam aus sie zu und ergriff ihre beiden Hände.

Tea, mein Liebling, die erste Wolke in unserer glücklichen Ehe, die erste Entfremdung! DaS dars nicht fein laß sie unS verscheuchen."

Ich bin bereit dazu", antwortete sie gerührt.

Du hast immer einen verschlossenen Winkel in Deinem Herzen gehabt, immer etwa- vor mir geheim gehalten jetzt kann ich die Spur davon durch Dein Leben verfolgen diese- Geheimnisses wegen hast Du so lange nicht die Meine werden wollen dieser Geheimnis, da- aus Dir lastet, hat Dich seit einiger Zeit gänzlich verändert, von diesem Geheim­nis träumst Du des Nacht- und brütest am Tage darüber nach. Vertraue mir endlich, wa- Dich bedrückt, erleichtere Dein Herz, mein Lieb."

Ich leugne ja die Tatsache eine- Geheimnisse- nicht", entgegnete sie, ihr erdfahle- Gesicht ihm zuwendend,aber eS berührt Dich absolut nicht ich werde e- Dir darum nicht sagen."

AlS Dein Mann darf ich aber wohl darauf bestehen, zu erfahren, was Dein Leben so verbittert."

Ich kann eS Dir nicht sagen, weil eS nicht mein alleinige- Geheimnis ist."

Zum wenigsten kannst Du mir doch sagen, wer dieser Knabe ist?"

Auch daraus muß ich Dir die Antwort schuldig bleiben." Er zog sie näher an sich.

So sei doch nicht so grausam, so hart, so ungerecht! Haben wir unS denn nicht mehr lieb? Haben wir nicht die gleichen Interessen? Warum willst Du mir denn nicht ver­trauen ? Sag' doch, wer ist der Knabe, den Du hinter meinem Rücken unter falschem Namen besuchst? We-halb lastet sein bloßes Dasein wie ein geheimer Fluch aus Dir? Nur das eine wenigsten- sage mir: Wie kommt e-, daß der Knabe al- Neffe Dornberg- Dein getreue- Ebenbild ist?"

Plötzlich hielt er inne Tea war seinen Armen ent­glitten und wie leblos zu Boden gesunken.

Er hob sie aus, trug sie aus die Chaiselongu, öffnete die Fenster und netzte ihre Stirn und Schläsen. Aber e- dauerte eine ganze Weile, ehe er sie wieder zum Bewußtsein brächte und sie die Augen ausschlug.

Hast Du mich lieb, so bringe nicht weiter in mich", waren ihre ersten Worte wieder.

Ihr Gatte aber war fest entschlossen, er mußte hinter dar verhängnisvolle Geheimnis kommen. Blieb alle- Flehen und Bitten vergeblich, so mußte er eS mit Drohen versuchen.

Er drängte sie nochmals: bei der Liebe zu ihm und ihren Kindern, bei der Ehre ihre- Namen-, auf den sie so großen Wert legte, bei dem Stolze ihres Geschlecht- solle sie ihm Vertrauen. Er küßte ihre Lippen, er küßte ihre Hände, er nannte sie bei allen Liebe--, allen Kosenamen umsonst!

Statt einer Antwort entrang sich ihrer Brust nur ein bittere- Stöhnen.

AlS er ihr aber damit drohte, daß, wenn sie ihm nicht- verriet, er andere Mittel und Wege einschlagen müsse, da bat sie ihn demütig, er solle ihr nur noch ein bißchen Zeit lassen, er solle aller erfahren, nur jetzt nicht, nicht gleich.

Du wirst mich hassen", stöhnte sie,aber glaube mir, ich trug nicht allein die Schuld. Ich war von Sinnen, ganz von Sinnen, al- ich die unseligen Worte auSsprach, die daS ganze Unglück herbeiführten und er, mir so ergeben, nahm sie für ernst."

Du vergißt, daß ich noch garnicht weiß, wovon Du sprichst. Sage mit jetzt nur da- eine dann wird Dir Dein übrige- Geständnis auch leicht werden sage mit nur, wer der Knabe ist."

Langsam richtete Tea sich auf, sah ihren Gatten mit un­heimlich funkelnden Augen an und sagte mit geisterbleichem Gesicht und zitternden Lippen:

Ja, besser, Du hörst eS von mir, als von jemand anderem: der Knabe ist" sie tat einen tiefen Atemzugist Egon von Tannhagen, der Erbe von Jmmenbrook."

Oetting prallte zurück, als habe er einen Faustschlag inS Gesicht bekommen.

Egon von Tannhagen!" wiederholte er kaum hörbar. Ich glaubte, er sei tot."

Das glaubten alle da- glaubte selbst ich." Darauf erzählte sie ihm aller ohne Rückhalt. Bleich und stumm hörte er sie bis zu Ende.

Mag der Himmel Dir vergeben!" sagte er tiesernst.

Er ergriff ihre beiden Hände und betrachtete dieselben lange und sinnend.

WaS habt ihr getan, ihr kleinen, zarten Händchen, mit der euch anvertrauten Ehre?!" entrang es sich seinen Lippen mit halb erstickter Stimme.

30.

Kurt von Oetting war von dem Furchtbaren, dat seine Tea, die er in ihrer Schönheit, ihrer Vornehmheit, in ihrem Stolz und Edelmut bisher für daS Muster echter Weiblichkeit gehalten, ihm gebeichtet hatte, so betäubt, daß eS Tage be- 1

durfte, ehe er wieder klar denken, sich richtig überlegen konnte, was zu tun sei, um, soweit dies überhaupt möglich war, das an dem armen Egon begangene schwere Unrecht wieder gutzumachen.

Wie seine Zukunft sich gestalten soll, müssen wir sehr reiflich überlegen und erwägen", sagte er eine- TageS zu Tea. Vorläufig schlage ich Dir vor, wir gehen nach KönigSruh, und Du ladest Egon ein, da den Sommer über unser Gast zu sein, damit wir vorerst seinen Geschmack, seine Lieb­habereien, überhaupt seinen ganzen Charakter etwa- näher kennen lernen. AlSdann können wir ihm ja die Wahrheit sagen, daS heißt nur so viel alS nötig, als er durchaus wissen muß. tzo lange hat es auch Zeit mit der Mitteilung an seine Mutter, daß ihr Sohn noch lebt. Wir können ihr ja schreibe», die Leute, die ihn dereinst gestohlen, hätten ihn unS wiedergebracht. AlS Komtesse de Cailoux hat sie für ihre Person kein weiteres Jntereffe an Jmmenbrook, für ihren Sohn hat sie, wie Du mir immer sagtest, nie viel übrig gehabt, da wird sie auch gar kein so dringendes Verlangen haben, der ganzen Angelegenheit näher nachzuforschen.

Tea war mit allem, was Kurt ihr vorschlug, einver­standen, und Edgar Dornberg glückselig über die an ihn ergangene Einladung.

(Schluß folgt.)

vermischtet.

(Der Schatz im K e hrrichthaus en.) Der Hauptgewinn der letztgezogenen Posener Ausstellung-lotterie im Werte von 60,000 M. ist auf die Nr. 33,074 in eine Kollekte in Oppeln gefallen; der glückliche Gewinner ist ein Herr G. in Malapane. Da- Lo- wurde jüngst, in mehrere Teile zerrissen, au- einem Düngerhausen zutage gefördert, von wo e- Kinder herausgesucht hatten, um mit den bunten Papier­setzen zu spielen. So kam eS dem Herrn G. wieder vor Augen und, da die Nummer noch leserlich war, fragte er bei dem Oppelner Kollekteur nach dem Schicksal seine- Lose-. Zu seiner nicht geringen Ueberraschung stellte sich heraus, daß da- schon in den Kehricht geworfene LoS einen Wert von 60,000 Mk. repräsentierte.

(Hexenverbrennung.) Von dem erschreckenden Tiefstand der italienischen Bevölkerung zeugt eine neue SchreckenS- meldung. Bei Umbertide in der Nähe von Perugia stand eine alte Frau im Rufe derHexerei." Die abergläubischen Bauern beschlossen daher, sie auS der Welt zu schaffen. Sie haben die Frau, wie die Untersuchung ergab, in einem Kalk- ofen bei lebendigem Leibe verbrannt. Die Polizei ist auf der Spur der Missetäter.

(Die kuh auf den Schienen.) In welchem Tempo gewisse französische Eisenbahnen fahren, das illustriert eine Geschichte, die ein Reisender erzählt:Plötzlich bleibt der Zug auf freiem Felde stehen. Alles eilt an die Fenster, man fragt besorgt, was geschehen sei und hört bereits von einer Eisenbahnkatastrophe sprechen. Aber der Zugführer be­ruhigt uns: ES ist weiter nicht- geschehen, als daß sich aus den Schienen eine Kuh gezeigt hat. Man entfernt sich rasch und der Zug fährt weiter,ganz langsam, recht langsam, sehr langsam," wie eS im Liede heißt. Eine Viertelstunde später neuer Ausenthalt auf freiem Felde ...Sicher noch eine zweite Kuh," unterbricht eine etwas vorlaute Dame den Er­zähler.Nein, gnädige Frau!" erwidert dieser trocken, eS war dieselbe Kuh!"

(Zwei Jäger von einem Adler ange­griffen.) In Parisern Blättern macht folgende Jagdge­schichte Aussehen. Danach standen am gestrigen Sonntag zwei Jäger namen- Pellet und Gay aus einem in der Marseiller Bannmeile belegenen Grundstück, um sich aus die Jagd zu begeben, al- sie plötzlich von einem mächtigen Adler attackiert wurden. Dak Tier stieß lotrecht auf die Männer herab. Sie setzten sich zwar nach Krästen zur Wehr, konnten aber wegen der Nähe der Tieres und auS Furcht, sich selbst gegenseitig zu verletzen, nicht gleich Gebrauch von ihren Ge­wehren machen. Endlich wurde dar wütende Tier durch einen wohlgezielten Schuß zur Strecke gebracht. Es maß von einer Flügelspitze zur anderen anderthalb Meter.

(Der Polizeihund als Lebensretter.) Als gestern in Strelno (Posen) ein Reisender, der Bestellungen auf Fahrräder angenommen und sich Vorschuß hatte geben lassen, dann aber nichts mehr von sich hören ließ, wiederum seinen Trick auSzuüben versuchte, wurde er von einem Ein­wohner erkannt und seine Verfolgung veranlaßt. Der Polizei­sergeant Buchmann setzte dem Flüchtigen mit einem Polizei­hund nach. Auf dem freien Felde blieb der Verbrecher plötzlich stehen und zog einen mit sechs Patronen geladenen Revolver, wodurch die Situation für den Beamten sehr kritisch wurde. Im gleichen Augenblick sprang jedoch der Polizeihund an dem Spitzbuben empor und biß ihn in den rechten Arm. Mit vieler Mühe gelang eS dann, den Mann zu entwaffnen und zu fesseln.

(Ein seltsamer Sammler.) In Gent ist ein Rentier gestorben, der seinen Erben eine der seltsamsten Kollektionen hinterlassen hat, die es gibt: eine Kollektion von Knöpfen. Der Mann hat mit einem wahren Bienenfleiß Knöpfe gesammelt auS der Zeit vom 9. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Die Sammlung wird mit 200 000 Francs bewertet, hat aber ihrem Urheber jedenfalls die doppelte Summe gekostet. Man findet da Knöpse aller Regimenter der europäischen Staaten, Knöpse von den Kleidern Karls deS Großen bis zu den Knöpfen von der Uniform Napoleons I. Knöpfe au- Holz, Elfenbein, Glas, Kupfer, Zink, SUber, Sold und Diamanten. Eine seltsame Kollektion, die nun aus einen Liebhaber wartet.