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Prinzessin Cecilie mit dem Kronprinzen Wilhelm in Gelbensande, vermählte sich daS Paar am 6. Juni 1905 in Berlin, wo seither im Potsdamer Marmorpalais ihr Heim war. Der Deutsche verehrt seine Kronprinzesiin wegen ihrer anmutigen, liebenswürdigen Persönlichkeit, besonders aber auch wegen ihrer HerzenSgüte im Dienste deS WohltunS. Was die Kronprinzesiin als Protektorin vieler Veranstaltungen des Roten Kreuzes oder deS Vaterländischen FrauenvereinS tut oder selbst anregt, daS tut sie aus ehrlicher und herzlicher Nächstenliebe. Dabei wirb dann stets die Anmut und liebenswürdige Bescheidenheit ihres Auftretens gepriesen. Die Kronprinzesiin ist wie die Kaiserin ganz Frau, sie will in erster Linie Frau und Mutter sein, und sie ergänzt damit das Beispiel, daS die Kaiserin unserem Volke gibt.

Wie halbamtlich mitgeteilt wird, ist der Oberpräsident von Waldow in Posen an Stelle deS in den Ruhestand tretenden OberpräsidentenFreiherrn v. Maltzahn nach Stettin versetzt worden. Zu seinem Nachfolger in Posen ist der Unterstaatssekretär im Kultusministerium, Wirklicher Geheimer Rat D. Dr. jur. Schwartzkopss ernannt worden.

DaS preußischeStaatSministerium beriet über staatliche Maßnahmen zur Milderung der Schäden, welche der Ernteausfall an Kartoffeln, Gemüse und Futterstoffen sür die VolkSernährung und die Erhaltung deS ViehstandeS mit sich bringen wird. U. a. wurde beschlossen, auf den StaatS- eisenbahnen eine 50prozentige Frachtermäßigung für Futter- gerste, Mais, frische Kartoffeln und Gemüse einschließlich Bohnen, Erbsen und Linsen einzuführen. Beim Bezug der Waren durch gemeinnützige Organisationen und Gemeinden werden besondere Vergünstigungen eintreten. Die Fracht für Düngemittel wird auf die halben Sätze deS SpezialtarifS 3 herabgesetzt. Auch für den Transport frischer Seefische tritt eine Frachtermäßigung in Krast. Um einen Teil der in den Brennereien verarbeiteten Kartoffeln sür Speise- und Futter­zwecke zurückzuhalten, beschloß daS StaatSministerium, beim BundeSrat die Gewährung einer Erleichterung zur Ver­arbeitung von Getreide und Mais in den Brennereien zu be­antragen.

Wie die Kölnische Zeitung erfährt, ist die Ernennung des Kronprinzen zum Kommandeur deSLeib-HusarenregimentS mit dem Zusatz ersolgt, daß daS MajorSpatent Er. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit am 18. September 1907 erteilt, als vom 26. Januar 1907 datiert zu gelten habe. ES ist dies mit Rücksicht darauf geschehen, daß der Major Ludendorff beim Stäbe des Regiments ein MajorSpatent vom 27. Januar 1907 hat und der Kommandeur ein älteres Dienstgradpatent haben muß als seine Untergebenen des gleichen Dienstgrades. Diese Vordatierung deS Patents beim Kronprinzen ist eine Ausnahme, da Vorpatentierungen vom Stabsoffizier aufwärts in der Regel nicht stattfinden; eine weitere Ausnahme bilden die Flügeladjutanten deS Kaisers, die vom Major zum Oberst­leutnant außer der Reihe befördert werden, wie dies nach dem Kaisermanöver bei dem diensttuenden Flügeladjutanten Major v. Mutius zum Oberstleutnant der Fall war.

Die National!iberalen wollen einer etwaigen Verstärkung der Flotte nicht bedingungslos zustimmen. Nach einer Erklärung deS nationalliberalen ReichStagSabge- ordneten Stresemann in einer Versammlung in König-berg i. Pr. machen die Nationalliberalen die Zustimmung zu einer neuen Flottenvorlage von der Annahme einer ErbschastS- und Ver­mögenssteuer abhängig.

Wie auS Kiew berichtet wird, ist der russische Ministerpräsident Stolypin am Montag abend gegen 10 Uhr feinen Wunden erlegen. Nach den gestern vormittag eingegangenen Telegrammen mußte mit diesem AuSgang der ruchlosen Tat deS Revolutionär- Bagrow ge­rechnet werden. DieN. A. Z." schreibt hierzu: Mit dem Kaiser Nikolaus und dem ruffischen Volke empfinden wir tieseS Bedauern über das Hinscheiden deS verdienstvollen, tat­kräftigen Staatsmannes, der bis zum letzten Atemzüge tapser und treu seinem Kaiser und seinem Volke gedient hat. Eine ungewöhnliche Begabung und ein fester Charakter setzten ihn in den Stand, die außerordentlichen Schwierigkeiten, die sich ihm beim Amtsantritt entgegenstellten, zu überwinden. Niemand vermag dem nun dahingeschiedenen Staatsmann die Aner­kennung zu versagen, daß er in überraschend kurzer Zeit dem durch revolutionäre Agitation unterwühlten Lande Ruhe und Ordnung wiedergegeben hat. Ohne Zweifel wird seine Gestalt unter den Persönlichkeiten, die dem neuen Rußland da- Gepräge ausgedrückt haben, als eine der vornehmsten und hervonagendsten Erscheinungen fortleben. Stolypin war ein ergebener Sohn seines Landes und betrachtete die politischen Dinge stets unter dem Gesichtswinkel der russischen Interessen. Daher empfahl er seinem Herrscher im vergangenen Jahre für die Leitung der

gestrige Versammlung deS Wissenschaftlichen Verein- kam, meinte Oetting:

Die beste Rede hat entschieden Direktor Nestmann von der Hannerschen Schule gehalten, ein in seinem Fach hervor­ragend begabter Mann."

Mit Befremden bemerkte er, wie Tea die Farbe wechselte und ihn mit seltsam erschrockenen, erstaunten Augen ansah. Wie sich gewaltsam von einem schweren Traume loßreißend, wandte sie sich ihrem Nachbar zu und fing an, sich mit dem­selben zu unterhalten, aber offenbar mit halbem Ohr nach der anderen Seite hinhorchend.

Oetting erwähnte nun nochmals, und diesmal absichtlich, Direktor NestmannS Namen und sonderbar wieder zuckte sie leicht zusammen, wieder glitt der Echmerzenszug über ihr Gesicht. Den ganzen Abend blieb Sie ernst und zerstreut.

Sobald die Gäste fort waren, setzte sie sich still hin, griff nach einem Buch und starrte sinnend auf dasselbe nieder, ohne sich auch nur den Anschein zu geben, als ob sie lese.

Plötzlich hob sie den Kops und fragte:

Kennst Du diesen Direktor Nestmann näher? Siehst Du ihn öfter?"

Nein, nur im Verein, höchstens mal im Leseklub. Er ist allgemein sehr geschätzt, hat schon mehrere bedeutende päda­gogische Bücher geschrieben."

Sie nahm ihr Buch wieder zur Hand und sagte nichts weiter.

Eine volle halbe Stunde beobachtete er sie sie rührte sich nicht: Er trat zu ihr und nahm ihr da- Buch au- der Hand.

Kurt!" stieß sie, hestig zusammenfahrend, erschrocken aus. Ich--ich hatte ganz vergessen, baß Du hier warst."

Kein sehr schmeichelhaftes Kompliment, mein Liebling. Darf ich fragen, an wen oder an was Du dachtest, daß Du mich ganz darüber vergesien konntest?"

Sie erglühte dunkelrot unter seinem Blick.

Ich finde Dich jetzt oft so nachdenklich willst Du mir nicht sagen, was Dich bedrückt?"

auswärtigen Angelegenheiten Herrn Sasonow, der gleich Stolypin russische Politik zu treiben entschlossen war. Von diesem Ausgangspunkte sührte der Weg sehr bald zu jener er­freulichen Klärung und Festigung der deutsch-russischen Be­ziehungen, die nicht ohne positive Nachwirkung geblieben sind. StolypinS Wirken wird sür diejenigen vorbildlich bleiben, die berufen werden, sein schwieriges Werk sortzusetzen.

AuS Valencia in Spanien wird gemeldet: Die städtische Arbeiterschaft ist gestern in den AuSstand getreten. Artillerie hat die strategischen Punkte der Stadt besetzt. Die Gendarmerie wurde mit Steinen beworfen und griff mit der Waffe ein. ES wurden Verhaftungen vorgenommen. Am Vormittag begannen ungefähr 100 erregte Ausständige Wagen und Straßenbahnen anzuhalten. Sie waren Herren der Stadt, nachdem eS ihnen um 3 Uhr nachmittags gelungen war, den Verkehr aufzuhalten und die gesamte Arbeit in den Betriebs­werkstätten zum Stillstand zu bringen. Um 4 Uhr rückten Gendarmen gegen die Straßen deS Zentrums der Stadt vor und wurden mit Steinwürfen empfangen. Sie griffen mit der Waffe ein. Eine Schar von jungen Burschen zwang durch Steinwürfe ein Etablisiement zur Einstellung des Be­triebes. Um 5 Uhr besetzten mit Gewehren bewaffnete Polizei- mannschaften, Gendarmen und Truppenabteilungen die in der Nähe der Fabriken befindlichen Straßen. Die Lage nimmt ein immer ernsteres Aussehen an. Fortwährend kommt eS zu blutigen Zusammenstößen zwischen Polizei und Truppen einer­seits und den Streikenden anderseits. Die Zensur wird von der Behörde streng gehandhabt. Wie weiter mitgeteilt wird, wurde der Generalstreik für ganz Spanien von dem General­verband der Arbeiter versügt, jedoch ist daS Datum deS JnkrasttretenS deS AuSstandeS noch nicht festgesetzt. Madrid, 19. September. Der König hat ein Dekret unter­zeichnet, durch daS die konstitutionellen Garantien für ganz Spanien ausgehoben werden.

Bat Provinz u. Nachdargebirl

"(LandwirtschastSkammer und Futternot.) Aus die Aufforderung deS LandwirtschaftsministerS, über den Ausfall der Futterernte und den Stand der Futtervorräte zu berichten, hat der Vorstand der LandwirtschaftSkammer für den Reg.-Bez. Caffel sestgestellt, daß der AuSfall der diesjährigen Futterernte mindestens die Hälfte und darüber hinaus einer normalen Ernte betrage, während Grummet und der zweite Schnitt Klee dahingegen fast vollständig auSgesallen seien. Die Futterrübenselder werden nicht mehr alS den vierten Teil eines normalen Ertrages liefern und auch die Kartoffelernte werde den Durchschnitt nicht erreichen. Die Aussaat von Futterpflanzen nach der Ernte war infolge der weiter anhal­tenden Dürre unmöglich. Dem Landwirtschaft-minister wird empfohlen, mit Rücksicht darauf, daß die Futterernte nur ein Viertel bi- die Hälfte einer normalen Ernte ausmache, als wichtigste Maßnahme zur Abhilfe der Futterernte die weit­gehendste Ausnutzung der Streumaterialien und des FutterS des WaldeS zu verfügen. Insbesondere soll die Abgabe von Laub, GraS und Haide jetzt schon im Herbst zu Futter- und Streuzwecken und die Erlaubnis zur Waldweide oder Futter- entnahme in älteren Schonungen und auf Waldblößen erbeten werden. Um zu verhindern, daß trotzdem die wertvollsten Viehbestände verkauft werden, sollen den Landwirten die nötigen Mittel zur Bestreitung der laufenden Verpflichtungen zur Verfügung gestellt werden. Er soll daher die Gewährung von Darlehn seitens der Preußenkaffe an landwirtschaftliche Genossenschaften, auch solche deS RaiffeisenverbandeS nach Maßgabe der Größe der Bezirke zu 1V, Proz. Zinsen aus vorläufig 2 Jahre beantragt werden. Der Vorstand der Landwirtschaftskammer erachtet sür den Regierungsbezirk Caffel zunächst einen Bedarf von 300 000 Mark für nötig.

"(Die Garnisonen in Preußen.) Ein inte­ressantes Bild hat daS jüngst festgestellte Ergebnis der Unter­suchungen über die Stärke der Garnisonen in Preußen ergeben. Die stärkste befindet sich, waS allgemein überraschen wird, nicht in Berlin, sondern in Kiel. Hier wurden 22 831 Militärpersonen gezählt, während Berlin nur 21900 auszu- weisen hat. Die drittstärkste Garnison ist WilhelmShaven mit seinen 35 044 Einwohnern. Hier sind 1517 9 Militärpersonen vorhanden. Die Verschiebung der Bevölkerung ist hier der­artig, daß aus 24 848 männliche Personen nur 10196 weibliche kommen. Die viertstärkste Garnison ist KönigSberg mit 9571 Militärpersonen. ES folgen Köln a. RH. mit 8892, Danzig mit 8666, Magdeburg mit 7426, Hannover mit 7289, PotSdam mit 6938, Posen mit 6209, BreSlau mit 6047. Ueber 5000 Militärpersonen haben Stettin (5561), Caffel (5149), Thorn (5702) und Allenstein (5178). Mit

Wer vermag ein unbekanntes Land zu beschreiben? Und Gedanken sind ein unbekannte- Land."

Sie wich seiner Bitte also au-.

Er nahm ihr Gesicht zwischen seine beiden Hände.

Schau mir mal in die Augen, mein Liebling vielleicht vermag ich da Deine Gedanken zu erraten."

Sie vermochte aber seinen Blick nicht zu ertragen die Lider senkten sich vor ihm.

Auch daS nicht? Sag', meine geliebte Tea, handelt er sich um irgend ein Geheimnis, dar Du mit nicht anver­trauen magst?" forschte er in ernstzärtlichem Tone.

Ein Geheimnis?" stieß sie angstvoll hervor.Wie kommst Du darauf, Kurt? Was für ein Geheimnis sollte ich vor Dir haben?"

DaS weiß ich nicht. Hältst Du mir nicht- geheim? Vertraue mir doch, war aus Dir lastet; geteilte- Leid ist halber Leid."

Gewaltsam raffte sie sich aus und machte sich auS seinen Armen frei.

Sieh nur," sagte Sie nach dem Pseile greisend, der ihren dicken Haarknoten hielt,wie Du mich zugerichtet hast, ich war gerade so hübsch frisiert I Wa- Du nur von Geheimnissen redest! Im übrigen ist et spät und Zeit zum Schlasengehen."

Oetting sagte nichts weiter.

DaS Verhalten seiner schönen stolzen Frau, in die er bisher unbegrenzter Vertrauen gesetzt hatte, bekümmerte ihn tief. War e- denkbar, daß sie, die Edle und sonst so Auf­richtige, ein Geheimnis vor ihm hatte, ihn zu täuschen suchte?

Keine Minute kam ihm ein eifersüchtiger Gedanke er wußte genau, daß er ihr ganzer Herz besaß, daß sie nur ihn, und ihn allein liebte. Aller Nachgrübeln brächte ihn nur aus die einzige Möglichkeit, daß Fritz Dornberg ihr etwa- anvertraut hatte, daS sie all daS traurige Geheimnis eines anderen selbst ihm nicht verraten mochte.

Er hielt sie sür ein Opfer DornbergS und grollte darum dem armen Toten. Welches Recht hatte derselbe gehabt, mit seinen Angelegenheiten seiner Tea den Seelensrieden zu rauben?! Sie mußte ihre Ruhe wieder haben, um nicht körperlich und

starken Garnisonen können noch aufwarten: Münster (4399), Saarbrücken (3562), FlenSburg (3919), Bromberg (4919), Koblenz (4678), Brandenburg (3590), Graudenz (4629), Burg (4044).

):( Hersfeld, 20. September. Zu der am 8. Oktober d. JS. in Caffel beginnenden Schwurgerichtsperiode wurden Herr Fabrikant Paul Schilde von hier und Herr Haupt­mann a. D. Ludwig von Baumbach in Kirch heim (Kreis HerSfeld) als Geschworene auSgelost.

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x. Hersfeld, 20. Sept. (Vom Sommer zum Herb st.) Die Tage werden immer kürzer. Die grauen Schatten der Dämmerung senken sich immer früher auf die Erde herab, und die schönen Wochen, in denen die Lampe ein überflüssiger Luxusartikel war, sind endgültig vorüber. Jetzt tritt sie wieder als ein notwendiges Uebel in die Tages­ordnung ein. Schon in den späten Nachmittag-stunden brauchen wir ihr Licht, da uns da- der Sonne entzogen ist. Hier sei darauf hingewiesen, ja nicht im Halbdunkel zu lesen oder zu schreiben, denn nichts ist dem Auge schädlicher als eine Ucberanstrengung bei ungenügender Helle. Entweder man macht eine Pause, sobald eS dunkel wird, oder man zündet sogleich die Lampe an, um keinen Augenblick zu ver­lieren. Ratsamer ist jedoch der erstere Weg, zumal ein kurze- AuSruhen nicht nur den Sehorganen, sondern dem ganzen Menschen wohltut. Daß der Sommer dahin ist, wird unS täglich deutlicher zu Gemüt gesührt. Nun hört daS lange Sitzen im Freien auf, da die eintretende Kühle uns hindert, wie noch vor Wochen, bis spät abends die laue, herrliche Nacht zu genießen. Früh inS Zimmer zurück! so lautet die Parole der kürzer werdenden Tage. Drinnen aber in der Stube wird'- traulich und schön. Hier merkt man nichts von dem, waS da draußen vor sich geht. Schlägt auch mal der Sturm an die Fensterläden und heult der Wind, so find wir hier unter sicherem Schutz. Unser Heim ist gefeit gegen alle äußeren Feinde. Wenn in ihm selbst Friede herrscht dann kann alle Unbill der Witterung un- nichts anhaben. DaS künstliche Licht, das wir Menschen erfunden haben, mag eS der Elektrizität, dem GaS oder dem Petroleum feinen Ursprung verdanken, bereitet seinen leuchtenden Schein auS; wir können bei demselben unS den Beschäftigungen hingeben, die wir gerade zu erledigen haben. Gute Bücher kommen jetzt zu ihrem Recht. Belehrung und Kurzweil zugleich sind erwünschte Dinge. Daneben wird fleißig musiziert. DaS find aller Tätigkeiten, die wir im Sommer mehr oder weniger liegen lassen. So haben die abnehmenden Tage auch ihr Gutes. Man muß nur die Lichtseite dieser lichtarmen Zeit herauSzufinden wissen.

Caffel, 20. Sept. Eine furchtbare Blutttat hat sich heute mittag in dem Hause der Wolfhager Straße Nr. 91 ereignet. Dort wohnt in der ersten Etage seit etwa 2 Jahren daS Ehepaar Müller; der Mann ist von Berus Schlosser. Als heute mittag kurz nach 12 Uhr der Mann von der Arbeit nach Hause kam, war er sehr überrascht, die ganze Wohnung durchwühlt zu finden. In den Zimmern waren die Schubladen der Kommoden und Schränke herausgezogen und ihr Inhalt auf den Boden verstreut. Auch in dem Schlaszimmer herrschte eine surchtbare Unordnung. In dem Waschbecken bemerkte der Mann zu seinem Entsetzen Blut­spuren, woraus er laut nach seiner Frau tief. Als er keine Antwort erhielt, ging er, von schlimmen Ahnungen gepackt, in die Küche, wo sich ihm nun ein surchtbarer Anblick dar­bst. Seine Frau lag mit dem Gesicht nach unten auf dem Fußboden in einer großen Blutlache. Der Mann ließ, nach­dem er sich von dem ersten Schrecken erholt hatte, die Leiche unberührt liegen und benachrichtigte sosort die Kriminalpol-zei, die al-bald mit einem Polizeihund an der Mordstelle erschien. Der Hund nahm an der Leiche Witterung und lief direkt in daS Schlafzimmer an die Waschschüssel, in welcher der Täter

seelisch zugrunde zu gehen dazu wollte er ihr verhelfen Aber wie? DaS war die Frage.

28.

Eines Morgen-, als Oetting mit Frau und Kindern zu- sammensaß, kam die Rede auch auf Jmmenbrook.

Nicht wahr, Mama, wenn ich erst groß bin, be­komme ich Jmmenbrook daS gehört dann mir?" fragte der Jüngere.

Sie herzte und küßte ihn.

Ja, mein Liebling, Du bekommst Jmmenbrook waS auch geschehe!"

Plötzlich stockte sie verwirrt, als sie dem verwunderten Blick ihres Gatten begegnete.

WaS soll geschehen?" fragte er.Du redest ja, alS ob jemand dem Jungen sein Recht aus Jmmenbrook streitig machen könnte."

Ach, ich sagte daS nur so, ohne weiter zu überlegen, zu dem Jungen", sagte Tea mit halb abgewandtem Gesicht.

AlS sie ihrem Gatten aber an demselben Morgen einen gemeinsamen Spazierritt unter irgend einem nichtigen Vorwand abschlug, fuhr eS ihm plötzlich durch den Kops:Sollte Direktor Nestmann doch recht gehabt und Tea in seinem Institut gesehen haben? Wollte Sie vielleicht auch heute einen heimlichen Besuch dort machen?"

(Fortsetzung folgt.)

Schüler st reikS machen in England jetzt viel von sich reden. Die Jungen ziehen mit Plakaten, auf denen zu lesen ist: Kürzere Schulstunden I Weg mit der Rute! durch die Straßen und veranlassen auch ihre Mitschüler, dem Unter­richt fernzubleiben. Die Lehrer baten die betreffenden Eltern, ihre streikenden Kinder persönlich zur Schule zu bringen. Man sieht daher jetzt in London und verschiedenen anderen Städten in den Morgenstunden zahlreiche Mütter die streitlustigen Buben an den Ohren zur Schule führen.