nennen, hatten die Tauben doch eine DurchschnittSgeschwin- digkeit von 1340 Meter pro Minute erreicht. Die Tauben folgender Herren konnten mit Preisen bedacht werden: Klasse I: Junge Tauben. Gebr. Siebert 1„ 7., 8., 9. u. 12. PreiS. Hrch. Serffling 2. u. 13.. Adam Bartel 3. u. 4., Willhardt 5. u. 11., Val. Otter 6.. Karl Mühling 10. Preis. Klasse II: Aeltere Tauben. Gebr. Siebert 1., H. Willhardt 2., Hrch. Weidmann 3. und Adam Bartel 4. PreiS.
):( Hersfeld, 18. September. Der Landwirt- schastliche Kreisverein hielt am vergangenen Sonnabend im Hotel zum Stern eine Versammlung ab, mit welcher zugleich eine Saatgut-Ausstellung verbunden war. Erschienen waren etwa 60 Mitglieder. Der Vorsitzende deS VereinS, Herr Landrat von GruneliuS, eröffnete gegen 3 Uhr die Versammlung und erwähnte hierbei einleitend die infolge der diesjährigen anhaltenden Dürre bevorstehende Futternot, die auch zu gleicher Zeit Gegenstand der Tagesordnung bildete. Nachdem dann die Ausnahme einiger neuer Mitglieder stattgesunden hatte, sprach Herr Landrat von GruneliuS seinenDank aus für daS Zustandekommen der Saatgut- AuSstellung, insbesondere für die Bemühungen deS Herrn Winter- schul-Direktors Fürst. Hieraus erhielt derselbe daS Wort zu seinem Vortrage über die Sortenfrage beim Anbau von Getreide. Die Ausführungen deS Herrn Redners bezogen sich unter Zugrundelegung der Boden- und klimatischen Verhältnisse unserer Gegend, soweit sie Herr Direktor Fürst während seiner hiesigen Tätigkeit bekannt waren, aus den Anbau und die Sortensrage. In ausführlicher und verständlicher Weise behandelte Redner sein Thema und erntete am Schluß desselben lauten Beifall. An den Vortrag schloß sich noch eine lebhafte Diskussion an, in der die gegenseitig gemachten Ersahrungen zur Aussprache kamen. — In der Saatgut-AuSstellung waren Roggen-, Haser-, Weizen- und Kartoffelsorten vertreten. Die einzelnen Aussteller berichteten selbst über den Anbau und die Entwickelung ihrer Produkte. Da die Ausstellung sich als sehr lehrreich und interessant erwies, so beschloß die Versammlung in jedem
Jahre eine derartige Ausstellung abzuhalten — Ein weiterer Punkt der Tagesordnung betraf die Entgegennahme von Aus- trägen für die gemeinschaftliche Beschaffung von Torfstreu und Krastfuttermitteln. Nach den Urteilen der Mitglieder ist zunächst eine Futternot nicht zu erwarten. AuS diesem Grunde wurde von einem gemeinsamen Bezüge oben genannter Gegenstände abgesehen. Nachdem dann noch einige kleinere Vorlagen erledigt waren, schloß Herr Landrat von GruneliuS um Va5 Uhr die Versammlung. — Die nächste Versammlung soll voraussichtlich in der Lulluswoche stattfinden.
Casfel, 16. September. Die zur Zeit im Manöver- gelände weilenden Truppen der hiesigen Garnison werden an solgenden Tagen wieder einrücken: DaS 83. und 167. Jn- santerieregiment am 20. September, daS zu den Kaisermanövern besohlene Kommando des TrainbataillonS am 19. September, während der Rest erst am 24. Sept. zurückkehrt, die beiden fahrenden Abteilungen der FeldartillerieregimentS und das Husarenregiment ebenfalls am 24. Sept. Die reitende Abteilung des Feldart.-RegtS. rückt schon am 23. wieder in Fritzlar ein.
Marburg, 17. September. Auf Bahnhof Treysa fuhr heute vormittag 4 Uhr 58 Min. Güterzug 6473 auö Richtung Neustadt kommend, infolge falscher Freigabe deS StationS- blockfeldeS, auf den in Gleis 9 über Sonntag ausgestellten Güterzug 6491 aus. Menschen nicht verletzt. Tender und 7 Wagen mit je einer Achse entgleist, die Wagen zum Teil erheblich beschädigt. HauptgleiS Neustadt—Treysa iVa Stunde gesperrt. Zugverkehr nicht gestört.
Eschwege, 13. September. Heute morgen in aller Frühe ertränkte sich die Ehesrau deS Färbers H. in der Werra. Die Frau litt an Geistesstörung. Die Leiche wurde bald nach dem UnglückSfall gelandet. ES ist dies innerhalb 8 Tagen der brüte Fall, daß lebensmüde Frauen sich in die Werra stürzten.
Friedberg i. H„ 14. September. Der Weißbinder Heinrich Müller aus Nieder-Dorselden wurde verhaftet, weil er im Verdacht, steht, von der Absicht deS Gunterloch auS Rendel, feine Familie zu ermorden, gewußt zu haben, und in der Lage gewesen zu sein, die Ermordung der fünf Personen zu verhindern. Auch ist er durch große GeldauSgaben, die nicht im Einklang mit seinen Verhältnissen stehen, verdächtig, von Gunterloch vor der Bluttat größere Geldbeträge erhalten zu haben. Er war mit dem Mörder befreundet und unternahm in den Tagen, bevor daS Verbrechen geschah, mit Gunterloch größere Automobilsahrten.
Frankfurt a. M., 16. September. In einem vornehmen Hotel wurde heute früh der angebliche englische Kapitän Etti und sein angeblicher zweiter Privatsekretär, der aus Berlin stammende Max Gielow, verhaftet. Die Beiden hatten in den Zeitungen kautionSsähige Vertreter für große indische Fabriken und für ein chinesisch-europäische- Handelsunternehmen gesucht. Etti gibt an, auS Malta zu fein, man vermutet aber daß er identisch mit einem schon lange Zeit gesuchten englischen Echeckfälscher ist, der einer internationalen Gesellschaft angehört und insbesondere vornehme Hotels durch gefälschte englische ScheckS um große Beträge prellte.
Schlitz, 15. September. In dem Prozeß der Grafen Görtz zu Schlitz gegen die Gemeinden Uetzhausen, Nieder-Stoll und Psorde wegen Ablösung von Sreu- und Weideberechtigung ist vom KreisauSschuß Lauterbach zu Ungunsten der Grasen entschieden worden. DaS Urteil lautet: Für Ablösung der Weideberechtigung hat die Rentkammer insgesamt an die Gemeinden 71 930 Mark, für Ablösung der Streuberechtigung aus den Wäldern an die Gemeinden 26 596 Mark zu zahlen. Die Prozeßkosten für Weideberechtigung zahlt die Rentkammer, die für Streuberechtigung die drei Gemeinden.
Gießen, 15. September. Der Hauptmann Poliere aus Butzbach, der sich am Dienstag abend bei Hahnstetien-Zollhaus erschaffen hat, hatte am Dienstag den Biwackplatz verlassen und sich nach einem Waldrande zu entfernt. Dort fanö man ihn am nächsten Morgen, aus einer Bank sitzend, mit zertrümmertem Schädel. Zu der Tat hat er den Armeerevolver benutzt. Er hinterläßt eine Frau und zwei Kinder. Haupt- mann Mokiere gehörte der Butzbacher Garnison an. Von dort wird als Motiv der Tat verletzter Ehrgeiz angenommen. Er soll sich im Manöver von einem Vorgesetzten einen Verweis zugezogen haben, sodaß ihm wohl der Abschied drohte. ^^
Aus Thüringen, 14. September. Der 16lährige Sohn deS Landwirts Moritz Krumbholz in K'Mtz wollte ein Teschin auSeinandernehmen, in dem versehentlich eine scharfe Patrone stecken geblieben war. Der Schutz^ ging los und die ganze Ladung traf den Unglücklichen übn dem linken Äuge in den Kops. Der junge Mann ist so schwer vuletzt, daß an seinem Auskommen gezweifelt wird. — Ul la stürzte der Rentier MöbeS beim Obstpflücken so unglücklich vom Baume, daß er nach kurzer Zeit verstarb.
. Jena, 13. September. Trefflich bewährt hat sich wieder emmal der dem Schutzmann Gumlich gehörige Polizeihund «Lotte". Auf der Insel besitzt ein Polizeibeamter einen Garten,
in dem er einen Kaninchenstall eingerichtet hat. Sonntag srüh war dort ein Einbruch verübt worden. Die Spur wurde von „Lotte" sofort ausgenommen und bis zum Hause Gerbergasse 9 verfolgt, wo in der Tat der Dieb, angeblich ein fremder Schloffergeselle, angetroffen und verhaftet wurde. Ferner gelang eS „Lotte", im Mühltal eine Räuberhöhle auszuspüren, die mit Matratze und Betten wohnlich eingerichtet war. Der Inhaber, ein galizischer Arbeiter, ist verdächtig, einen vor einiger Zeit verübten Raubansall auf eine Dame auSgeführt zu haben. Er wurde in Haft genommen.
Berliner Humor vor Gericht.
(Unerbetene Belehrung.) „Sowie sich'- um Sachverständig handelt, denn fall' ick jedetmal rin. Meinen Zivilprozeß hab' ick seinerzeit verloren, weil mir der Eachver- ständije im Stiche ließ, und bet ick heute hier als sojenannteS Objekt der Rechtsprechung fijurieren muß, dadran ist ooch bloß so cen unjlückselijcr Sachverständiger schuld, mit den ick in Meinungsverschiedenheiten jeraten war." Diesen Stoß- seuszer tat vor Beginn der Verhandlung Herr ThomaS, der gemeinsam mit Herrn Hartmann unter Anklage stand. — Bors.: Und diese Meinungsverschiedenheit haben Sie und Ihr Mitangeklagter in der Weise aus der Welt geschafft, daß Sie den Kläger Peters einfach verprügelten. — Thomas: Eene andre Lösung war nich möjlich, denn die Widersprüche waren absolut unüberbrückbar. Ick besürworte: Hätte sich der Kläjer »ich eene Sachkenntnis angemaßt, die er nich besitzt, denn wärst ooch nich so weit jekommen. Na, hab' ick nich recht Herr Hartmann? — „Vollkommen!" bestätigt der Mitangeklagte. „Sie haben mir direkt bet Wort auL'n Munde jenommen, denn ick wollte jenau detselbe Plädojeh halten. — Bors.: Man kann vielleicht einen Sachkenner, der in Wirklichkeit keiner ist, auch anders widerlegen, als mit Schlägen und Schimpsworten. — Thomas: AuSjeschlossen. Ick versichere Sie, Herr JerichtShos, in diesem Falle janz ausje- schloffen! Ick war im Bejriff, sor meine ländliche Besitzung, die aus eene Laube, zwee Morjen Jartenland, Tauben und Hühner und so weiter besteht, von Hartmann eenen Wachhund zu koosen. Det Jefchäft wickelte sich in eene Stehbierhalle ab und wir waren mitten mang eene hitzije Hunde-Debatte jeraten, denn Hartmann behauptete steif und fest, det sein Hundevieh, bet er mir verkoosen wollte, cen raffeechter Polizeihund wäre, der jedet Kriminalmuseum zur Zierde gereichen däte. Nach seine Behauptung wäre't eene Kreuzung von Schäferhund und Erdöl-Terrier, während ick noch heute der Ansicht bin, det'S sich um eenen englischen Setter mit'm Schuß Bulldoggen-Blut handelt ... — Hartmann: Wenn ick schon sowat höre! Mann, Sie blamieren ja die ganze kynoloochische Wissenschaft! — Vorsitzender: Ihre Hundege- schichten interessieren uns ganz und gar nicht! Kommen Sie endlich zu dem Vorfall, wegen dessen Sie angeklagt sind. — ThomaS: Während wir unS noch über die strittije Frage ereifern, kommt der Kläjer PeterS dazu. „Meine Herren," sacht er, „Sie haben ja alle bcede nich det jeringste Quantum von Hundeverstand, det iS eene ganz jewöhnliche Töle, wo der Vater een entarteter Wolfsspitz und die Mutter möglicherweise vielleicht een Ziehhund war. Et kann natürlich ooch umjekehrt gewesen sind. Een Polizeihund? Det ick man nich lache. Sonne Biester haben je bei die Polizei nich. Wenn Se sich orientieren woll'n, denn lesen Ee BrehmS Tierleben, da könn'n Se über Rasiehunde wat lernen!" — Als ob's zu den seligen Brehm feine Zeiten schon Polizeihunde jcjebcn Hütte! Natürlich kamen wir nu mit den naseweisen Menschen in Konflik. Er erjing sich dabei in sonne beleidijende Ausdrücke jejen HartmannS Hund, det ihm Hartmann schließlich eene feuerte. Ick hab' se dann beede auS'nander jebracht. — Hartmann: Versessen Se nich zu erwähnen, Herr Mitanjeklachter, det Sie den Mann dabei den Rock zerriffen haben, sonst bleibt bet ooch noch uff mir sitzen. — Bors, (zu dem Kläger): Herr PeterS, eS war immerhin doch recht unvorsichtig, sich in dieser Weise in eine Angelegenheit zu mischen, die Sie nichts anging. — PeterS: Bei die bemitt- leidenswerte Unkenntnis, die die beeden venieten, Herr Präsident, war't wirklich schwer, sich eener jutachtlichen Aeußerung zu enthalten. — Hartmann erhielt 60 Mark, ThomaS 40 Mark Geldstrase.
vermischtet.
— (TrauerseierfürdieOpserdeSManöver- unglückS bei Pirna.) Aus dem Friedhose in Pirna fand gestern nachmittag die Trauerfeier für die am 12. d. M. beim Patrouillenritt durch die Elbe verunglückten zehn Ulanen statt. Außer dem RegimentSkommandeuer, mehreren OffizierS- deputationen und Mannschajten, Abordnungen der verschiedenen Regimenter, wohnten der Feier auch Vertreter deS KönigS von Sachsen, des Kaiser- von Oesterreich sowie der englischen Armee bei, die im Austroge ihrer Monarchen Kränze niederlegten. Nach den Trauerreden des evangelischen und bei katholischen Geistlichen wurde die Leichen ihrer Heimat zu- gesührt.
— (Geständnis eines Mörder- nach zehn Jahren.-) Der wegen eine- Raubmorde-, den er bei Roth in Bayern verübt hatte, zu 20 Jahren Kerker verurteilte Weber- gehilse Adam Meier auS Böttcher-dorf legte in der Strafanstalt in Nürnberg das Geständnis ab, daß er im Oktober 1905 in der sächsischen Schweiz bei HerrnSkretschen einen Mord begangen habe. Er habe einen Touristen, der ihn als Führer verwendete, von einem Felsen in eine Schlucht hinabgestoßen und die Leiche der Barschaft im Betrage von 600 Mk. beraubt. Die sächsische Kriminalpolizei hat im Grenzengebiete Nachsorschungen eingeleitet, um die Leiche des Ermordeten auszufinden. Wie verlautet, ist man auch insoweit zu einem Ergebnis gekommen, als ermittelt wurde, daß tatsächlich Ende 1905 in der sächsischen Schweiz die Leiche eine- Touristen aufgesunden wurde, dessen Identität nicht festgestellt werden konnte, und die dann an Ort und Stelle begraben wurde.
— (Eine tüchtige Leistung.) Ein Mann aus Krakau, der im Alter von 104 Jahren steht, hat eS unternommen, eine Fußwanderung von Wien nach Trieft zu machen. Sein Gepäck trägt er aus den Schultern mit sich. Der Mann schafft am Tage seine 30 Kilometer! — Dagegen ist dem Tonnenwanderer Dierdorf auS Bonn der mit einer Tonne als Wohnstätte die Reise zu Fuß durch Deutschland machen wollte, die Reise leid geworden. Er rollte seine Tonne in einen Graben und ist seitdem spurlos verschwunden.
— (Wieder eine Massenvergistung durch Pilze.) Die Familie deS Baumeister- Pretti in Villeneuve (Kanton Waadt) erkrankte nach dem Genuß von Pilzen. Bier Kinder sind bereit- gestorben. Der Vater, die Mutter und ein fünfzehnjähriger Sohn sind lebensgefährlich erkrankt.
— (Humoristische-.) Us de schwäbische Jsebahne — ist, wie man den „Münch. N. N." schreibt, dieser Tage wieder ein lustige- Stücklein paffiert, da- zwar nicht neu, •
dafür aber wirklich vorgekommen ist. In Langenargen, einem bekannten Orte am Bodensee, hatte ein Bauer eine Eisenbahnwagenladung Ware erhalten und war im Begriffe, sie auSzuladen. Um sich jedoch in seiner Arbeit nicht stören zu lassen, band er nach bekanntem Muster seinen Schimmel hinten an den Eisenbahnwagen, der vorne noch mit zwei anderen Wagen verbunden war. ES dauert nicht lange, da erscheint aus der Bildfläche daS Dampfroß, spannt sich vor die zwei Wagen und fährt seewärt-, um dort mit KieS beladen zu werden. Unglücklicherweise hatte der Schaffner vergeffen, den dritten Wagen abzuhängen, und so mußte wohl oder übel bai arme Rößlein, da- begreiflicherweise kein Vollbluttier war, trotz energischen Einspruches seine- BefitzerS im schaffen Galopp hinterdrein. Wie man hört, will der Besitzer die Eisenbahnverwaltung wegen zu „rascher Abnützung" seiner Gaules verklagen.
— (Eifersuchtstragödie in Amerika.) Amerika hat wiederum ein sensationelles Verbrechen. Wie au- Nashville (Tenneffe) gemeldet wird, erschoß dort in einem Theater Frau Earl Samuel, die Gattin eine- der reichsten Bürger von Nashville, eine Miß West, die neben ihrem Gatten saß. Die Vorstellung wurde sofort abgebrochen. Zahlreiche Damen fielen in Ohnmacht. Die Schauspieler sprangen von der Bühne herab in den Zuschauerraum, um den Ohnmächtigen Hilfe zu bringen. MrS. Samuel stand während des Tumulte- ruhig mit dem rauchenden Revolver in der Hand da und ließ sich ohne Widerstand festnehmen.
Letzte Dachrichten.
Wien, 17. Septemoer. Heute vormittag haben vor dem Rathaus und in der Volkshalle deS Rathauses sozialdemokratische Kundgebungen gegen die Lebensmittelteuerung und das Fleischeinfuhrverbot stattgesundeu, an denen etwa 40000 Personen teilnahmen. Die Versammlungen Verliesen ruhig. Nach ihrem Schluß jedoch kam es zu schweren Ruhestörungen. Kavallerie und Jnsanterie mußte herangezogen werden. Den Truppen gelang eS, die Menge nach den Bezirken abzudrängen. Aus dem SchmerlangSplatz und an dem Gebäude deS Verwaltung-gerichts zertrümmerten die Demonstranten die Mehrzahl der Fensterscheiben. Erst nach dem Eintreffen von Kavallerie und Jnsanterie konnte die Ruhe wiederhergestellt werden.
Wien, 17. September. Beim Eingreifen der Kavallerie auf der Schmelz find, wie bi- 10 Uhr abend- verlautet, sechs Personen tot geblieben und acht verwundet worden. Abendzertrümmerten die Demonstranten in den Hauptstraßen die Ga-laternen und errichteten Barrikaden. AlS au- den Reihen der Demonstranten und aus den Fenstern Wursgeschoffe aus daS Militär und die Polizei geschleudert wurden, machte das Militär von der Waffe Gebrauch. Wie es heißt, wurde eine Person getötet, vier Personen schwer verletzt und acht Personen mehr oder minder schwer verwundet. Auf feiten des Militärs und der Polizei wurden gleichfalls mehrere Mann schwer verwundet. Im Lause deS TageS wurden 170 Verhaftungen vorgenommen. Die Exzesse blieben auf den Ottakring beschränkt.
Kiew, 17. September. Am Spätabend wird über da- Befinden des Ministerpräsidenten gemeldet, daß die Bauchfellentzündung fortfchreitet. Die Temperatur beträgt 36,6, PulS 116—120, Atmung 28. Der Zustand bei Patienten ist sehr ernst.
Köln, 18. September. Von der holländischen Grenze wird gemeldet, daß unter den Rindviehbeständen eine unbekannte Krankheit sich bemerkbar macht, indem die Tiere plötzlich erblinden. Auch unter den Pferden soll diese Seuche au-gebrochen sein.
Hend on, 17. September. Heute abend stürzte Leutnant Cammel bei einem Höhenflug zu Boden und wurde sofort getötet. ______________
Wien, 17. September. Ein Ausruf der sozialdemokratischen Parteileitung fordert unter Hinweis darauf, daß nach ruhiger Arbeiterdemonstration disziplinlose Elemente Kämpfe mit Militär und Polizei begonnen, die Arbeiter auf, sich jeder weiteren Kundgebung zu enthalten, und morgen früh wie gewöhnlich die Arbeit wieder auszunehmen.
Augsburg, 18. September. Bei der Wechsel- und Diskontobank find umfangreiche Unterschlagungen und Betrügereien entdeckt worden. Nach den bi-heffgen Feststellungen handelt eS sich um Fehlbeträge von mehr als eine Million Mark. AlS Schuldiger wird der 31 Jahre alte Kausmann Friedrich Hetzner bezeichnet, der die Stellung eine- zweiten Direktor- und Prokuristen bekleidete. Hetzner hat die Flucht ergriffen und man vermutet, daß er versuchen wird, noch Amerika zu entkommen.
OeffenÜicher Wetterdienst. Wetterdienststelle Frankfurt a. M. Dienstag, den 19. September 1911.
Trüb, unveränderte Temperatur, leichte Regenfälle.