blutige Feld von Leipzig und über den Rhein hinüber bis Paris führte. Und als der unruhige Korse aus seiner Verbannung im Jahre 1815 erneut erschien, um die Herrschaft wieder an sich zu reißen, war eS Blücher, der in der Schlacht bei Waterloo—Belle-Alliance die Entscheidung krachte und durch seine rastlose Verfolgung daS französische Heer vernichtete. Ihm verdankt in erster Linie daS Vaterland seine Befreiung.
Blücher war keineswegs nur der Haudegen und blinde Draufgänger, als den man ihn zuweilen hingestellt hat. Bei aller Kühnheit in feinen Entwürfen vergaß er doch daS Abwägen nicht und nahm bereitwillig von seinen Beratern, insbesondere seinem GeneralstabSchef Gneisenau, guten Rat an, ohne dabei auf eine eigene Meinung zu verzichten. Er hat durch sein ganzes Verhalten gezeigt, daß in seinem Innern neben dem feuersprühenden Geist deS alten Husaren der kluge und entschlossene Heerführer vollauf seinen Platz fand. Wie selten ein Feldherr verstand er eS, aus seine Umgebung und aus seine Truppen einzuwirken, durch kräftige, soldatisch kurze Worte ebenso wie durch vorbildliche Taten. Unangenehm empfand er es, wenn ihm große Lobreden gehalten wurden. Bei einer derartigen Gelegenheit unterbrach er ungeduldig den Sprecher mit den Worten: „WaS ist's, das Ihr rühmt? ES war meine Verwegenheit, Gneisenaus Besonnenheit und deS großen Gottes Barmherzigkeit!" Vier Jahre ruhigen Genusies waren ihm nach seinem letzten Siege noch beschieden, die er meist aus dem ihm vom Könige geschenkten Gute Krieblowitz, südlich von BreSlau, verlebte, wo er am 12. September 1819, fast 78 Jahre alt, sein Heldenleben abschloß. Goethe, der große deutsche Dichter, widmete ihm die Grabschrift:
In Harren und Krieg, in Sturz und Sieg, Bewußt und groß; so riß er unS vom Feinde los.
Gute Aussichten der Marskks-Verhandlungen.
Die grundsätzliche Einigung in der Marokkofrage, an der man in den leitenden Kreisen Frankreichs und Deutschlands nirgends mehr zweiselt, erfolgt möglicherweise noch in dieser spätestens aber zu Anfang der kommenden Woche. Die französische Regierung hat alle ihre großen Diplomaten und Generäle aufgeboten, um das Studium der deutschen Gegenvorschläge durchzusühren. Am gestrigen DienStag fand ein Ministerrat statt, in welchem die Antwort aus die deutschen Gegenvorschläge ausgearbeitet wurde. Die endgültige Fassung dieser Antwort wird jedoch voraussichtlich erst am kommenden Donnerstag erfolgen. An diesem Tage findet ein Ministerrat unter dem Vorsitz des Präsidenten FalliereS statt.
Der „Kölnischen Zeitung" zusolge kann vielleicht damit gerechnet werden, daß die Antwort der französischen Regierung bis Ende dieser Woche in Berlin eintreffen werde, und daß von diesem Zeitpunkte an die deutsche Regierung in der Lage sein werde, die etwa noch ersorderlichen Gegenbemerkungen zur sranzösischen Antwortnote zu entwerfen. Daß eine nochmalige Erwiderung von deutscher Seite nötig sein wird, ist nach dem bisherigen Verlaus der Dinge nicht unwahrscheinlich, aber ebenso berechtigt die bisherige Entwickelung der Verhandlungen zu dem Schluß, daß beide verhandelnden Parteien aus eine befriedigende Lösung der Angelegenheit hinstreben.
Jedenfalls ist die Stimmung in Paris in dieser Woche eine bedeutend ruhigere und zuversichtlichere, als sie in der vorigen war. Da glaubte man steif und fest an einen Krieg und ein französischer Offizier, der Hauptmann Lautte, hatte schon im „Journal des Sciences Militaires" die Kosten eines deutsch-französischen Kriegs berechnet. Danach würde ein einziger Tag in dem der Berechnung zu Grunde gelegten deutsch-französischen Kriege Frankreich annähernd 33 Millionen, und Deutschland, je nach der Einberufung der Altersklassen. 37 bis 70 Millionen Franken kosten. Frankreich würde dem- zusolge in einem Monat für die Kriegführung 918,375.000 Franken, Deutschland 1,098,900,000, und, falls auch der Landsturm eingezogen werden sollte, 2,307,000,000 Franken auszubringen haben. Daß auch der „Krieg im Frieden" recht kostspielig ist, dafür erbringen vor allem die Flottenmanöver recht anschaulichen Beweis. So bedeuten beispielsweise die aus der Flottenparade in Toulon abgeseuerten Kanonenschüsse einen Munitionsverbrauch von 7 bis 8 Millionen Franken, da jeder Schuß 1750 Franken kostete. Die im Hasen von Toulon versammelte Flotte repräsentiert mit ihrem 468,000 Tonnengehalt einen Herstellungspreis von 1 Milliarde 150 Millionen, der sich durch die Kosten für Armierung, Ver- proviantierung, Munition und Unterhalt von Mannschaften und Offizieren auf 3 bis 4 Milliarden erhöht.
unmöglich ist, noch sernerhin an einem Tische zu fitzen in traulicher Unterhaltung — mit dem furchtbaren Schuldbewußtsein zwischen uns!"
„Sie mögen ja recht haben. — Wie schwer eS aber ist, meiner Liebe auch noch dieses, daS größte Opfer zu bringen — das ahnen Sie nicht."
20.
Der nächste Morgen brächte Tea einen langen, zärtlichen Brief von Kurt von Oetting. Er habe geduldig gewartet; nun aber durch den Unglücksfall deS kleinen Erben daS einzige Hindernis, daS bisher ihrer Verbindung im Wege gestanden, beseitigt sei, könne und wolle er nicht länger warten.
So sehr der zärtliche, innige Ton Tea beglückte, sagte sie sich doch, daß sie mit der entsetzlichen Last ihre- furchtbaren Geheimnisses im Herzen ihn unmöglich heiraten konnte. Sie ließ Dornberg zu sich bitten.
„Sie haben mich gestern für sehr gefühllos und hartherzig gehalten", hub sie an. „Ich sehe es Ihnen an. Wenigstens sollen Sie sehen, daß Sie nicht allein leiden. Sehen Sie, hier dieser Brief ist von ihm, den ich über alle- liebe. Er schien mich zu verstehen, alS ich, ohne ein Hehl aus meinen Gefühlen für ihn zu machen, seine Werbung trotzdem ausschlug, weil ich alS Ehrenwächter hierbleiben müsse. Jetzt, nun dieser Hindernis gefallen, drängt er zu einer baldigen Verbindung. Aber eS trennt uns eine unübersteigliche Kluft, nie kann ich die Seine werden — nie!" —
„Warum nicht? Wollen Sie ihr ganzer Leben vertrauern ?"
„Nein, aber durch edle, selbstlose Handlungsweise, dat Geschehene möglicht zu büßen suchen. Ich will den Armen, Kranken und Bedrängten zur Wohltäterin, zum guten Engel werden."
„Und nie heiraten?"
„Nie I"
"WaS wird da aus Jmmenbrook?"
„Das fällt nach meinem Tode an eine Seitenlinie von Tannhagen. Ich kenne sie — einfache, aber ehrbare Leute.
As lllöHtn in -er Abt ertrunken.
Ein schwerer Manöverunsall, der elf Soldaten dar Leben kostete, hat sich gestern srüh in der Nähe von Pirna auf der Elbe zugetragen.
Pirna, 12. Sept. Zwei Offizierspatrouillen in Stärke von 25 Mann wollten heute früh unter Führung der Leutnants von Lotitz und Stresemann die Elbe bei Obervogelgesang durchschwimmen. Während eS den beiden Offizieren gelang, daS jenseitige Ufer zu erreichen, wollten die Pferde der Soldaten den tiefen Fluß nicht passieren. Sie wurden wild und schüttelten einen Unteroffizier und zehn Mann ab, die sämtlich ertranken. Zwei Pferde kamen ebenfalls in den Fluten um. Die Verunglückten gehören der 2. und 4. Schwadron des 17. Ulanen- regimentS in Ofchatz an. Bis um 12 Uhr waren zehn Leichen geborgen.
DaS Unglück ereignete sich kurz nach 10 Uhr. Ueber Einzelheiten der Katastrophe wird noch folgendes gemeldet:
Die erste Jnfanteriebrigade war bis in die Nähe von Pirna gelangt. Die beiden Patrouillen hatten die Aufgabe erhalten, von Obervogelgesang nach Posta durch die Elbe zu schwimmen, um den dort liegenden Feind auszuspüren. Nachdem kurz vorher elbabwärtS in der Nähe von Pirna zwei Schwadronen Garde-Ulanen den Strom glücklich passiert hatten, sollte gegen 10 Uhr vormittags eine aus 25 Mann bestehende Patrouille unter Führung eines Unteroffiziers und einer Gefreiten ebensallS nach dem gegenüberliegenden Ufer übersetzen. Die Soldaten hatten mit ihren Pferden gerade die Mitte deS Stromes erreicht, als ein Pferd unruhig wurde und seinen Reiter abzuschütteln versuchte. ES entstand eine allgemeine Panik unter den Tieren. Mehrere Soldaten wurden von den Rücken der Tiere gerissen. Andere tauchten mit ihren Pserden unter. Auf die Hilseruse der im Strom treibenden Soldaten eilten sofort die in der Nähe befindlichen Schiffer herbei. Infolge der schweren Ausrüstung, die die Soldaten trugen, konnten sie sich nur kurze Zeit über Wafler halten und versanken vor den Augen der entsetzten Kameraden in den Fluten des ElbestromeS, noch ehe die Schiffer Hilfe bringen konnten. Es ertranken elf Mann, darunter der die Patrouille führende Unteroffizier Dietrich. Mit Hilfe der Schiffer und der ebenfalls herbeigeeilten Rettungsmannschaften gelang es, die im Strom treibenden Leichen bis auf eine zu bergen. Die Toten wurden an das Ufer von Posta gebracht und in einem am Elbufer liegenden Gärtchen niedergelegt, von wo sie in der zweiten NachmittagSstunde von einem Leichenwagen abgeholt wurden. Von den Pferden ertranken zwei, die übrigen retteten sich aus Ufer.
Wie weiter berichtet wird, wurden sofort der Pirnaer Samariterverein und die Sanitätsmannschaft deS Garnisonlazaretts alarmiert. Aber obgleich die Hilse nach außerordentlich kurzer Zeit an der UnglückSstelle eintras, kam sie doch zu spät. Der König, der umgehend benachrichtigt wurde, ordnete die strenge Untersuchung deS VorsallS an.
Aus In- und Ausland.
Aus Strasburg-Uckermark, 12. September, wird vom Kaisermanöver gemeldet: Soweit beobachtet werden konnte, ging Rot mit dem 2. und 9. KorpS auch heute weiter südlich und südöstlich vor. Beide Divisionen deS blauen 20. KorpS standen früh bei Woldegk und wurden von Rot südöstlich zurückgedrängt. Von 6 Uhr ab war anhaltendes Gefecht bei Woldegk. Selbst in den Straßen des Städtchens besand sich Artillerie. Die Maschinengewehre traten in Tätigkeit. Man sah Artilleriemannschaften die Geschütze den steilen Abhang eines Hügels hinaufschleppen. Aus abgehängten Protzkasten waren 4 Meter hohe Eisengestelle als Beobachtungstürme ausgesetzt. Der blaue Lenkballon, Ein- und Zweidecker ar- betteten. Berittene Fernsprechtrupps verlegten Telephonver- bindungen vom offenen Gelände nach Stationen. Der Kaiser traf um 6 Uhr im Automobil in Woldegk ein und beobachtete das Gefecht erst am Nordausgang deS Städtchens, dann von 7 Uhr ab vom Galgenberg südlich von Woldegk. Später begab er sich im Automobil nach Strasburg-Uckermark und von da nach Marienhöhe südlich von StraSburg, wo er um 10 Uhr zu Pferde stieg. Später griff auch die Garde- Kavalleriedivision und da- GardekorpS in den Kampf ein; auf einer Linie Gueterberg—Fahrenholz südlich StraSburg gingen diese von Osten kommend vor. Lange wogte hier die Schlacht hin und her. Mannschaften der Garde-Kavallerir- division, ebenso Leib-Gardehusaren, welche letztere die Divisionskavallerie der ersten Gardedivision bilden, saßen ab und gingen mit Truppen der 41. Division in Schützenlinie. Mittag war
Ich werde mir in ein paar Jahren ihren ältesten Sohn kommen lassen und ihn zu meinem Erben einsetzen."
„Ein grausamer Entschluß!"
„Den ich mir aber reiflich überlegt habe, der unerschütterlich fest bei mir steht. — Ich sage Ihnen daS alles auch nur, damit Sie wissen, daß ich unter unserer gemeinsamen Schuld ebenso leide wie Sie, meinem Herzen mit seiner heißen Liebe ebenso Schweigen gebieten muß wie Sie, daß ich für alle Zukunft aus jedwedes wahre Glück verzichten muß."
21.
Schnell rückte der Tag heran, der Dornberg seine letzte noch einzige Freude, sie, der er sein ganzes LebenSglück zum Opfer gebracht, täglich sehen, ihr stündlich nahe sein zu können, raubte.
Die Erinnerung an den Abschied verließ ihn nie und brach ihm schließlich daS Herz. In seiner Angst vor dem Augenblick, wo er ihr ein letzte- Mal in daS schöne Antlitz sehen, wo ein letztes Mal seine Hand die ihre berühren würde, schob er diesen Abschied bis zum letzten Moment hinaus.
AlS der Wagen bereits vor der Tür stand, suchte er sie auf.
„Mein lieber, treuer Freund", sprach sie mit Tränen in den Augen, „wie ungern laffe ich Sie gehen — aber eS muß fein 1 — Glauben Sie mir, es muß sein! Ersatz für Sie werde ich niemals finden."
„Wenigstens keinen, der Sie so liebt wie ich, der, wie ich, jeden Moment mit Freuden sein Leben und selbst seine Liebe opfern würde, nur um Sie glücklich zu sehen", stieß Dornberg heiser, mit farblosen Lippen hervor.
„Das weiß ich — und doch müssen wir uns trennen und versuchen, zu vergessen."
„Nicht wahr, Komteß, das eine versprechen Sie mir, wenn Sie je einer Freundes bedürfen, so rufen Sie mich — man kann ja nicht wissen, war die Zukunft bringt."
„Das verspreche ich", erwiderte Tea, und wie er sich zu ihr niederbeugte um ihre Hand zu küssen, berührten ihre Lippen seine Stirn.
längst vorüber, als Rot immer neue Massen in daS Gefecht warf. DaS Wetter ist sehr schön, die Etaubentwickelung natürlich ungeheuer. DaS Aussehen der Truppen ist vorzüglich, nur eine Anzahl Fußkranker ist zu verzeichnen.
Der König v o n S a ch s«n hat sich bei einer größeren Tafel, welche er vergangene Woche in Schloß Pillnitz gab und zu welcher zahlreichen hervorragenden Industriellen, Landwirten und Gewerbetreibenden Sachsen- Einladungen zugegangen waren, über die gegenwärtig in Deutschland herrschende Teuerung und Futternot ausgelassen. Der Monarch wieS in letzterer Beziehung auf die in den einzelnen BundeSstaaten schon unternommenen Schritte und noch zu erwarteten weiteren Maßnahmen zur Linderung der Futternot hin und mahnte die Landwirte, ihr Vieh nicht ohne die zwingendste Not zu verschleudern. Betreff- der Teuerung versprach sich der König von einer etwaigen Oeffnung der Grenzen keine Abhilfe, auch wies er auf die Maul- und Klauenseuche hin, welche sich durch eine Oeffnung der deutschen Grenzen für die Vieheinfuhr im Zulande nur allzuleicht weiter ausbreiten könnte. Die Fleischer sprach der hohe Redner von einer Mitschuld an der Fleischteuerung frei, dagegen meinte er, daß den den Markt beherrschenden Großhändlern eher eine Verantwortung zukäme. Ueber geeignete Schritte zur Milderung der bestehenden LebenSmittelteuerung scheint sich jedoch der König nicht weiter geäußert zu haben.
DaS Luftschiff „Schwaben" ist gestern morgen 7.10 Uhr vom Gothaer Lustschiffhasen mit acht Passagieren an Bord, unter Führung von Dr. Ecken«, zur Fahrt nach Düsseldorf aufgestiegen. Es hat die Richtung nach Eisenach eingeschlagen. Die Stadt Eschwege wurde um 8,10 Uhr in ruhiger Fahrt übelflogen und dann die Richtung aus Gaffel genommen, daS wenige Minuten vor 9 Uhr erreicht wurde. DaS Lustschiff zog einen weiten KreiS über der Stadt und setzte dann in rascher Fahrt den Flug nach Düsseldorf fort, wo eS 1.45 Uhr mittag- glatt landete.
Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt unter den letzten Handel-nachrichten: „R u s s i s ch e G u t h a b e n in B e r l in". Der „Neuyork Herald" hat eine Nachricht gebracht, nach welcher die russische Regierung den größten Teil ihrer Guthaben bei den deutschen Banken und Bankiers zurückgezogen, respektive gekündigt habe, und knüpft daran die verschiedensten politischen Bemerkungen. Auf Grund genauer Informationen können wir erklären, daß diese Nachricht glatt erfunden ist, demnach auch die daran geknüpften politischen Aeußerungen jeder Grundlage entbehren.
Die Diamantensörderung in Deutsch- Südwestafrika betrug im Rechnungsjahre 1910 von April bis Juli 271 133 Karat, im Jahre 1911 in derselben Zeit 273 474 Karat, was eine Zunahme von 2341 Karat gegenüber dem Vorjahre bedeutet.
Der nach vielen Fährlichkeiten und mehrmonatigen Gefangenschaft im Olympgebirge heimkehrende Ingenieur Richter, ist um 1 Uhr 44 Minuten mit dem von Eger kommenden Schnellzüge in Jena eingetrosfen. Aus dem Bahnhöfe hatte sich eine nach vielen Hunderten zählende Menschenmenge eingesunden, die den Heimkehrenden beim Verlassen deS ZugeS mit lebhaften Ovationen begrüßte. Richter wurde aus dem Bahnsteig von seiner Frau erwartet und nach langer Trennung herzlich in die Arme geschlossen. Dann bestieg Richter mit Mutter, Frau und Tante einen blumenge- schmückten offenen Wagen, mit dem er durch die Stadt fuhr. Unterwegs wurde er von vielen Menschen, die ihn auf den Straßen der Stadt erwarteten, mit freundlichen Zurufen be--— grüßt. DaS Heim Richters war bereits gestern festlich geschmückt. Eine Girlande mit der Inschrift „Willkommen nach langen Leiden" schmückte die Eingangspforte der Richterschen Villa.
Wenn die Franzosen an Italien- Bundestreue zweifelten, so haben sie sich getäuscht. Der französischen Regierung ist, wie der Berichterstatter der „Preß-Zentrale" authentisch erfährt, vonseiten der italienischen Regierung unverkennbar zu verstehen gegeben worden, daß im Kriegsfalle Italien seinen Bundespflichten Deutschland gegenüber auf daS entschiedenste nachkommen würde. Erkundigungen, welche die »Preß-Zentrale" in informierten politischen und diplomatischen Kreisen RomS, welche der Regierung nahe stehen, eingezogen hat, lassen ebenfalls erkennen, daß Italien mit aller Ent- schicdenheit im Falle eine- Konflikt- sich auf Deutschlands Seite zu stellen gedenkt. — Damit sind die müßigen Kombinationen der französischen Chauvinistenpresse, die bereits von dem Mittelmeerbund gegen Deutschland zu fabeln wußte, gebührend gekennzeichnet.
Ueber Unruhen in China wird berichtet: Die Lage in Chengtu scheint sich verschlimmert zu haben. Nach unbestätigten Gerüchten ist der Palast des GeneralgouverneurS
„Leben Sie wohl! Gott schütze Sie!" sagte sie leise mit bewegter Stimme. „Sie waren mein treuester Freund — ich Ihr größter Feind. — Leben Sie wohl!"
22.
Sofort nach Empfang von TeaS Bries, in welchem dieselbe ihm ihren Entscheid mitteilte, machte Kurt von Oetting sich aus und fuhr nach Jmmenbrook. Er erklärte Tea, daß er ihren Entschluß nicht gelten lasse — sie müsse nunmehr die Seine werden; doch sei er gern bereit, nur sechs Monate im Jahre in KönigSruh zu wohnen, und die anderen sechs Monate hier auf Jmmenbrook zu verbringen."
TeaS ganz energische Erklärung, daß sie ihn trotzdem nicht heiraten könnte, erwiderte er mit munterem Lachen.
„Mein kleiner Eigensinn, das glaube ich Ihnen nicht! Ich weiß, daß Sie mich lieb haben, und will von keinen weiteren Bedenken und Ausflüchten mehr hören. Ich würde Sie doch mit Drängen und Bitten, die Meine zu werden, nicht mehr verschonen. Sagen Sie diesmal „nein", so komme ich wieder; sagen Sie das nächste Mal „nein", so komme ich doch immer und immer wieder — also, was wollen Sie mit einem so beharrlichen Verehrer machen?"
„Ich kann Ihnen den Grund nicht sagen, Kurt, aber ich muß bei meinem Entschluß bleiben."
(Fortsetzung folgt.)
— Wie »i, 12. September. Au- Prag kommt eine Blättermeldung, daß in Neu Benatck eine Kompagnie deS 102. Infanterie-Regiments gemeutert, und ihren Hauptmann und zwei weitere Offiziere erschossen habe. Es wurden telegraphisch auS Prag 3 Eskadron- Kavallerie beordert, die die meuternde Kompagnie nach dort eskortierten und internierten.
— (Rom.) Auf dem Trasimenischen See kenterte am Sonnabend nachmittag, infolge eine- plötzlich ausgetretenen Sturmes, eine mit 17 Touristen besetztes Motorboot, als es sich ungefähr 300 Meter vom User befand. Von den Insassen konnten sich nur drei Herren retten. Vierzehn Damen sind ertrunken.