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schläaevon postlagernden Briesen auS Rußland, Frankreich usw., eine LegitimationSkarte auS Monte Carlo, Koffer mit Pelz- waren, seidene Mäntel und viele andere Sachen. Ihrem Hauswirt hatten sie auch bereit- Wurst gestohlen. Die Spitz- huben standen höchstwahrscheinlich mit auswärtigen HelferS- Helfern in Verbindung. Bei der Voruntersuchung verwickelten sich alle in Widersprüche und gaben salsche Namen an. Die Verhafteten wurden in daS Walkenrieder AmtLgerichtSgesängniS cingeliesttt.^^^ Warmetal, 8. September. Teure Aepfel aßen vor einigen Tagen mehrere Herren, die mit ihrem Auto die Landstraße von W. nach M. fuhren. Sie hielten unter­wegs bei einem Baume, dessen rotwangige Aepsel zum Kosten einluden, an und pflückten sich ein paar Aepfel ab. Kaum wars geschehen, da meldete sich auch schon der Eigentümer und verlangte Schadenersatz. Die Herren wollten, um Scherereien auS dem Wege zu gehen, gutwillig 2 Mk. bezahlen für die 6 Aepsel, soviel hatten sie sich inS Auto gelegt. Aber nein, den Herren sollte eS für immer vergehen, von denverbotenen AepfelS" zu nehmen, und 10 Mk. sollte die Entschädigung betragen. Schließlich einigte man sich aus 5 Mk., welche der Bestohlene" schmunzelnd einsteckte.

Winterberg, 8. Sept. Im nahen Neuastenberg kam daS sechsjährige Söhnchen der Familie Spiekermann unter die Räder eines mit Stroh beladenen Wagen-, wobei es so schwere Verletzungen erlitt, daß eS bald darauf starb.

Wiesbaden. Gestern mittag wurde der RechtSanwalt Güth verhaftet, weil er ihm anvertraute Wertpapiere im Betrage von 33 000 Mk. durch eine Mitte-Person verpfänden ließ. Er soll da- Geld hauptsächlich zur Grundstücksspekulation verbraucht haben.

Gotha, 8. September. Die Rundfahrt deS Luftschiffs Schwaben, an der mit dem Großherzog von Sachsen auch die Großherzogin teilgenommen hatte, endete gegen 11 Uhr. An der zweiten Fahrt, die eine halbe Stunde später begann, nahmen der Herzog und die Herzogin von Sachsen» Koburg und Gotha teil.

Mühlhausen i. Th., 8. Sept. Als ein Wagen der MillinitheaterS, daS zur Mühlhäufer Kirmes aus dem Blobach Vorstellungen veranstalten will, auf dem Platze umdrehen wollte, stürzte der Wagen um und begrub den Maschinen» sührer Kutter auS Delitzsch unter sich. Der Verunglückte trug außer Beinquetschungen eine vollständige Zerquetjchung der Leber davon. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde er in das Krankenhaus gebracht, wo er jedoch seinen Ver­letzungen erlegen ist. K. war 44 Jahre alt und Vater von sieben Kindern.

Möringen bei Göttingen, 6. September. Gestern abend 7 Uhr rutschte der Waldarbeiter W. Metge beim Futter schneiden auS und fiel so unglücklich in die Maschine, daß ihm ein Arm oberhalb deS Ellbogen- säst durchschnitten wurde. Der herbeigerusene Arzt ordnete sosort die Ueberführung in die Göttinger Klinik an.

Halle a. S., 7. September. Als in der Maschinen­fabrik Wegelin und Hübner ein Kompressor mit Druck auf eine Kohlensäureflasche auSgeprobt wurde, explodierte die Kohlensäureflasche. Eine Anzahl Fensterscheiben wurde zertrümmert, sonst ist der Schaden nicht erheblich. Dem Schlosser Mittelstädt wurde der rechte Arm auSgerissen und die rechte Brustseite war sürchterlich verletzt. Die Verwundung ist lebensgefährlich. Mittelstädt wurde nach dem Krankenhaus gebracht.

Halle a. S., 10. Sept. Zwei aus einem kinemato- graphischen Theater herau-tretende Arbeiter wurden ohne Wortwechsel von einer Rotte rauflustiger Burschen überfallen und niedergestochen. Der eine war sofort tot, der andere ist schwer verletzt in eine Klinik gebracht worden. Die Täter, junge Fabrikarbeiter, wurden auf ihrer Arbeitsstätte verhaftet.

Ärolsen, 7. Sept. Eine entsetzliche Tat, die wieder ein junges Menschenleben zum Opfer forderte, ist im benach­barten Neudorf, im fog. roten Lande, geschehen. Zwischen den Burschen der beiden Dörfer Kohlgrund und Neudorf, die eine halbe Stunde von einander entfernt sind und zu einem Kirchspiele gehören, besteht schon seit einiger Zeit ein gewisser Zwist. Kürzlich gingen die Kohlgrunder am Sonntag abend nach Neudorf. AlS sie in daS Dorf kamen, wurden sie von den Neudörfern mit Knütteln, Wagenrungen und dergl. zurück- getrieben. Beim Handgemenge zückte der 17jährige B. aus K. ein dolchartigeS Messer und stach mit aller Kraft in den HalS eines NeudörferS, der blutüberströmt zufammenbrach. Der Getroffene starb kurz darauf. Der Messerheld wurde zunächst nach Arolsen inS Amtsgericht-gefängnis gebracht, von wo auS ihn heute morgen Wachtmeister Rumpf gefesselt nach Cassel ins Gefängnis brächte. Ueber die Tat, die man anfangs ziemlich verschwieg, herrscht in hiesiger Gegend große Aufregung. Hoffentlich findet die Bluttat vor Gericht ihre verdiente Strafe und Sühne.

Lt jeiht nich!"

(Eine wahre Begebenheit.)

Aus den Erlebniffen eines alten Postbeamten erzählt von AlfonS de Resee.

(Schluß.)

Aber, lieber Jakob,- stellte ich dem eigensinnigen Burschen vor,waS fällt Ihnen denn schon wieder ein? Wir müssen diesmal eine Ausnahme machen; eS geht nicht anders. Der Herr ist Gesandter, ein hoher Würdenträger."

JS mich ganz engol, Herr Postmeester. Sammtner oder Seidner et jeiht eenmol nich. De PerdkeS find mi tau lieb, de sen ock Bürdenträgerfch."

Jakob rief eS so laut, daß Herr von BiSmarck jeder Wort verstehen mußte. Nun wurde ich aber böse.

Himmeldonnerwetter", schrie ich ihn an,es wird aber gesahren, ich will es! Verstanden? Sie spannen sofort an und fahren zweispännig. Vorwärts!"

«Na, mintSwegen, wennt fenn möt, denn man tau! knurrte Jakob und ging. Herrn von BiSmarck rief er tm Vor­beigehen zu: u

Wenn de PerdkeS tau nufcht gohn, denn betauhlen 6etv . .

Das ist meine Sache," entgegnete dieser ablehnend, dann dankte er mir für meine Entscheidung, indem er yrnzusugle, daß er jede Verantwortung aus sich nehme.

Seien Sie versichert, eS passiert nicht-/ rief er mir m Absahren zu, dann rasselte die Extrakutsche über den Post- hof davon. _____

Eine gute Stunde mochte sich das Gefährt schon aus der Landstraße befinden. Es ging schrecklich langsam vorwärts, und Herr v. BiSmarck ersuchte denSchwager wiederhol, schneller zu sahren. . ,

. »Et jeiht nich," erklärte der jedoch und suhr um so lang- °wer; - ja, eS schien säst, alS ob er sich gnade d«^am schwersten sahrbaren Stellen auSsuchte. Immer langsamer

und langsamer ging eS weiter, und aus einmal blieb daS Gefährt sogar stehen. Ein Weilchen wartete Herr von BiS­marck; alS eS aber gar nicht weitergehen wollte, öffnete er den Wagenschlag und sah hinaus. Es war die allerhöchste Zeit er bekam einen nicht geringen Schreck, denn waS sah er? Mein Jakob hatte ganz einfach die Pferde auS- gespannt, sich aus einS derselben gesetzt und war gerade im Begriff, abzureiten.

Mensch, waS sällt Ihnen ein?" rief der Reisende entsetzt.

Der Postillon sah geringschätzig von seinem erhabenen Eitz zu ihm herab und erklärte mit schadenfrohem Triumph:

Ja, fehe See, Herrche, et jeiht eben nich. De PerdkeS könne nich." Dabei zeigte er auf die Räder, die er im Sande sestgesahrcn hatte. Herrn v. B. ging ein Licht aus; daS war so groß wie eine FcuerSbrunst. Er gedachte eS nun mit Güte zu versuchen und bot demSchwager" ein guter Trink» aeld an, wenn er weiterfahren wolle. Alles vergeben-! Mollert, der vom Pferde herunter geglitten war, damit er die Last nicht unnütz trage, streichelte daS glänzende Fell des Tiere- und blieb bei seinemEt jeiht nich. de PerdkeS könne nich." WaS galt ihm ein Trinkgeld gegenüber seiner PferdeS- liebe; hatte er doch sogar seine Stelle aus- Spiel gesetzt!

Herr von BiSmarck fing die Situation allmählich amü­sant zu werden. Er klopfte dem braven Burschen, dem seine Tiere über alles gingen, lachend auf die Schulter und rief:

Na, wenn» nich ander- jeiht, dann reiten Sie nur ge­trost nach der Stadt zurück und holen Sie noch ein Paar ,PerdkeS*! Wir werden hier wohl oder übel so lange warten müssen."

Jau, dat wern Se woll mötcn," grinste Jakob und trabte davon.---

Ich saß ahnungslos bei meiner Arbeit. Plötzlich höre ich Pferdegetrappel, und siehe da! mein Jakob kommt ohne Wagen und Passagiere angeritten. Ich reiße daS Fenster auf.

Um Gotteswillen, Mensch, wo haben Sie Ihre Extrapost gelassen?" rufe ich ihm zu.

Bie Stroporczyn em Sand," gibt er prompt zurück, als ob nicht- dabei wäre.

Herr des Himmel-, Wollert, waS haben Sie gemacht?"

Herr Postmeesterche, sehn Se, et jing doch nich, de PerdkeS künde nich" er grinste mich verschmitzt an.

Na, schließlich kann sich so ein Gesandter auch vier Pferde leisten," sagte auch ich lachend.

Jau, dat meen eck och, fon Sammtner kann dat. Un denn, wer seiht na mine andere zwee PerdkeS, wenn eck nich do bin? Der Jahan eS duch tau dämlich un ful datau. Am libste hob eck see alle veer binander."

Nun machen Sie aber schnell, daß Sie mit den Pferden fortkommen!" schnitt ich ihm weitere Reden ab.

Jau, jau--dat hett her och ment, de Sammtner, awer eck meen, dat eilt noch lang nich," gab er biffig zurück.

Der Kerl muß daS letzte Wort behalten. Na warten Sie, Jakob, Extraposten sahren Sie mir von heute ab nicht mehr." Ich schlug daS Fenster zu.

Dat er man een Sejen," hörte ich ihn noch räsonnieren. Awer wenn eck Recht hew, denn laat eck- mi och nich nehme."

ES dauerte noch eine geraume Zeit, bis er endlich abritt.

Recht hat der Eigensinnige allerdings wie immer behalten. Herr von BiSmarck hatte drei Stunden Verspätung und Jakob sein Stück behauptet. Eine Beschwerde von oben kam nicht."

Bravo, bravo, Postmeisterchen," riefen die Zuhörer be­lustigt und:Prosit dem alten Jakob!"Profit seinem hohen Widersacher!" scholl eS im Kreise der Tierfreunde.

llermirchler.

Weil bei Eßlingen, 9. September. Der Avia­tiker Exring unternahm abend-, obwohl er gewarnt war, einen Ausstieg und stieß insolge der Dunkelheit gegen eine Mar- kiervng-stange. Er wurde schwer verletzt in- Krankenhaus gebracht, wo er, ohne da- Bewußtsein wieder zu erlangen, starb. Beim Sturz war die Maschine aus ihn zu liegen ge­kommen, sodaß er einen Schädelbruch, mehrere Rippenbrüche, einen Oberschenkelbruch und Knochenbrüche erlitt.

Coburg, 9. September. Der Koburgische Kammer­herr Baron von Erffa-Ahorn ist heute bei einer Automobil- fahrt verunglückt. Er wurde sofort getötet. Der mitfahrende Freiherr von Mexern-Hohenberg au- Wüstenahorn sowie der Chauffeur wurden erheblich verletzt.

(Die Durchquerung deS KanalS.) Der Engländer Burgeß, dem eS nach vielen vergeblichen Versuchen geglückt ist, den Kanal zu durchschwimmen, gibt über die von ihm vollbrachte Leistung folgenden eingehenden Bericht:Als ich ins Wasser ging, war ich entschlossen, bis anS Ende meiner Kräfte zu schwimmen. Ich mußte schrecklich gegen die Strö­mung kämpfen und eS bedurfte aller meiner Energie, um da- Schwimmen fortzusetzen. Als ich in der Mitte deS KanalS angelangt war, wurde ich mehrere Male zurückgeworfen. Mein Weg war eine ewige Vor- und RückwärtSbewegung, die im allgemeinen der Form eines großen lateinischen M ähnelt. Ich bin am Dienstag um 10 Uhr 40 Min. von South Foreland abgeschwommen. Zuerst wurde ich dreimal nach Nordosten vom Leuchtturm Goodwin abgetrieben, dann mußte ich gegen die Ebbe kämpsen, die mein VorwärtSkommen sehr erschwerte. Später wieder wurde ich nach der Sandbank von Warne auf eine Distanz von drei Meilen zurückgetrieben und geriet bis auf etwa eine Meile an diese Sandbank heran. Meine Position war in diesem Augenblick nicht so sehr schlecht, sie wurde aber, all ich mit dem Wachsen der Gezeiten auf die Sandbank hinaufgetrieben wurde, viel schlimmer. Trotz aller Anstrengungen wurde ich wieder nach England zurückge- stoßen. Die Ebbe trieb mich stundenlang in nordöstlicher Richtung, und ich konnte nicht einen Meter vorwärts kommen. Ich war aber entschlossen, nach meinen zahlreichen Versuchen diesmal bis zum Ende meiner Kräfte auSzuhalten. Besondere Schwierigkeiten verursachte mir meine Brille. Sie löste sich loS, und ich hatte heftige Schmerzen in den Augen, bis mir einer meiner Begleiter im Schiff seine Brille zur Verftigung stellte. Während drei Stunden hatte ich heftig unter der Seekrankheit zu leiden. Ich war ungefähr 10 Meilen auf der Höhe von CalaiS, all die Flut aufhörte. Die folgende Ebbe war weniger hart, und ich kam in guter Richtung aus Cap GriS-Nez vorwärts. Ich befand mich schließlich nur eine Meile vom Lande entfernt, zu deren Bewältigung aber eine dreistündige Anstrengung nötig war. Die letzte Strecke war für mich außerordentlich schwer, und ohne die Ermunte» rung meiner Kameraden im Begleitboot und der Menschen, die am User standen, hätte ich mein Ziel nicht erreicht. Von der Flut abgetrieben, schwamm ich ungefähr 400 Meter an Cap GriS-Nez vorbei. Ich versuchte, in eine kleine Bucht hineinzuschwimmen, aber ich wurde von neuem von der

Strömung ersaßt und 400 Meter vom Lande zurückgeworsen. Während all dieser Zeit war mir sehr übel, zeitweise war el mir, als wenn mir das Herz stillstand. Ich sühlte, daß ich am Ende meiner Kräfte war. Um daS Funktionieren deS Herzen- zu erleichtern, schwamm ich einige Zeit auf dem Rücken. Wenn ich nicht ein alter Seebär wäre, so wäre ich sicherlich untergegangen. Mit aller Kraft fchwamm ich jetzt so schnell w>e möglich auf eine kleine Sandbank gerade unter dem Dors von Cap GriS-Nez zu. DaS Glück wollte, daß ich nicht mehr abgetrieben wurde. Mein Genosse Weidmann begleitete mich während der letzten drei Stunden. Als wir endlich an- Land kamen und er mir die Hand drückte, weinte ich vor Aufregung. Meine mittlere Geschwindigkeit beträgt etwa l3/< Meilen pro Stunde. Im ganzen habe ich 23 Stunden 40 Minuten gebraucht." König Georg von England hat den kühnen Kanalschwimmer Burgeß, der bereits 45'Jahre zählt, zu seinem Erfolge beglückwünscht und ihm seine besondere Anerkennung über seinen Mut ausgesprochen. Er erhielt als Ehrenpreis einen prachtvollen silbernen Pokal im Werte von ca. 6000 Mark. Verschiedene Londoner Varietöbesitzer sind bereits an Burgeß mit dem Ersuchen herangetreten, sür ein wöchentlicher Honorar von 2000 Mark bei ihnen auszutreten. Jedoch hat Burgeß bisher alle Engage­ment-vorschläge abgeschlagen.

Köln, 9. September. In Pruhlheim bei Köln wurde ein Arbeiter unter dem Verdachte deS vierfachen KindeS» morde- verhaltet. Seine Frau, die sich im Wochenbette be­findet, soll der Mittäterschaft schuldig sein. Die Leiche bei jüngsten KindeS wurde in einem Koffer ausgefunden. Die drei andern Kinder werden aus behördliche Anordnung au-ge» graben, da der Verdacht besteht, daß auch sie ermordet wurden.

(EinblutigerKampfausdemTanzboden.) In Gomorzan, einem Orte bei fiebenbürgischen Hochlande-, der von einer wilden, kulturarmen Bevölkerung bewohnt wird, fand ein Tanzvergnügen statt, an der die ganze Einwohner­schaft teilnahm. Zwischen den erhitzten Burschen entstand ohne ersichtliche Ursache plötzlich ein blutiger Kampf, an dem sich etwa 300 junge Männer beteiligten. Die Alten bildeten einen KreiS um die Streitenden und feuerten die Jungen zum Kampfe an. Die Weiber trugen ihren Angehörigen Steine und Knüppel zu. In kurzer Zeit floß daS Blut in Strömen über den Tanzboden. Die Verwundeten verbanden sich notdürftig und fetzten den Kampf fort. Eine Gendarmerie­abteilung vermochte nicht, die Ordnung wiederherzustellen. Erst nach eineinhalbstündigem Toben bei Streites ließ man infolge der allgemeinen Ermattung voneinander ab. Fast alle find schwer verwundet. Zwöls von ihnen ringen mit dem Tode.

(R a v en S b u rg.) Eine niederträchtige Tat hat ein 17 jähriger Dienstknecht in Trutzenweiler bei Schmalegg verübt. Sein Dienstherr brächte ihn zur Anzeige, weil er während der strengsten Arbeit ohne Kündigung davonlief. Um sich hierfür zu rächen, schlich er sich Nachts in den Pserdestall seiner ehemaligen Dienstherrn ein und versetzte mit einem Stilettmesfer einer wertvollen, mehrfach prämiierten Zuchtstute zwei tiesgehende Schnitte in den HalS, so daß daS Tier zu Grunde ging. Der Bursche hat die Tat nach ansänglichem Leugnen ein­gestanden.

ernte Dachrichten.

PariS, 9. September. In dem Arbeiterviertel Belle- ville ist ei heute vormittag wegen der Lebensmittelteuerung zu ernsten Unruhen gekommen. Ein italienischer Anarchist ist alS RädelSsührer verhaftet worden. Er wird auSgewiesen werden.

H o l d e ck, 11. September. Der Raum, in dem sich bal diesjährige Kaisermanöver abspielt, wird begrenzt im Norden durch die Peene und im Osten durch eine Linie Angermünde- Ueckermünde, im Westen durch eine Linie Schwerin-Neustrelitz, im Süden durch eine Linie Neustrelitz-Angermünde. Die Ge­samtstärke aller Truppen beträgt 100 000 Mann. ES nehmen teil, daS Gardekorps, daS zweite und neunte KorpS, sowie ein besonders ausgestellte- 20. KorpS. Aus der blauen Seite arbeitetM. II." aus der rotenM. III." und auf beiden Seiten Ein- und Zweidecker. Beide Korps führen Ballon- abwehrkanonen auf Kraftwagen oder Räderlasetten. Die nörd­liche rote Armee befehligt Generaloberst Prinz Friedrich Leopold. Chef bei Stäbe- ist Generalmajor Stein. Der Führer der blauen südlichen Armee ist Generalfeldmarschall Frhr. von der Goltz, Ches de- Stäbe- der bayerische Generalleutnant Gras Montegelas. Das GardekorpS steht unter General von Löwenseld. Bei der südlichen Armee steht die Gardekavallerie­division heute östlich von Holdeck. Sie arbeitet mit einem Fernsprechnetz von 400 Kilometer Drahtleitung. Diese- Netz wird jede-mal mit dem Standorte des Kaiser- im Gelände verbunden.

Jena, 11. September. Die Familie Richter erhielt ein Telegramm aus Wien, wonach die Ankunft in Jena Dienstag Nachmittag zu erwarten ist.

C h a r l e v i l l e, 11. September. Bei einer Kundgebung gegen die LebenSmittelteurung, kam eS wegen Verhaftung eines Demonstranten zu großen Ausschreitungen. Die Ruhestörer zogen vor daS Polizeigebäude und forderten die Freilaffung deS Verhafteten. Eine Eskadron Kavallerie und Gendarmen gingen mit blanker Waffe gegen die Menge vor. Viele junge Leute und Frauen stürzten sich vor die Pferde. ES wurde beschloffen, einen Generalsireik von 24 Stunden zu ver­anstalten. ____

Berlin, 11. September. Der wegen seines Duells mit dem Herrn von Gaffron zu zwei Jahren Festung verurteilte Baron Oswald von Richthofen tritt heute feine Strafe hier an.

Oeffentticher Wetterdienst.

Wetterdienststelle Frankfnri a. M. Dienstag, den 13. September 1911.

Leicht bewölkt, tagsüber warm, nacht- kühl.

Hierzu eine Beilage.