Ueber den Aufenthalt der Schwaben in Potsdam sprach sich Dr. Eckener sehr vorsichtig aus.
Während des Nachmittags und Abends wurde daS Luftschiff von Mannschaften deS 1. Garde-UlanenregimentS zu Potsdam bewacht. Die Verankerung des Vorderteils an den Betonblöcken, die dem Luftschiff gestattete, sich nach dem Wind einzustellen, und ein LoSreißen des Kreuzer- durch eine plötzliche Bö unmöglich machte, bewährte sich ausgezeichnet, so daß nur wenige Mannschaften erforderlich waren, um den Ballon zu halten. Der Besuch des Publikums war am Nachmittag etwa- stärker als am Vormittag. Viele Berliner kamen mit der Eisenbahn, Dampfschiffen und Autos hinaus, um daS Paffagierluftschiff in der Nähe zu bewundern. Dem Hos- marschallamt, daS im Austrage des Kaisers sich nach der Landung erkundigt hatte, wurde über den Verlaus der Fahrt und die Landung in dem Hafen eingehend Bericht erstattet. Da von den meteorologischen Stationen übereinstimmend für Sonntag starke westliche Winde und Regenschauer gemeldet werden, beschloß Dr. Eckener den Zeitpunkt der Abfahrt auf 4 Uhr morgens festzusetzen. Die Schwaben wird ohne Aufenthalt und Zwischenlandung die Halle in Gotha zu erreichen suchen. Passagiere werden aus dieser Fahrt nicht befördert. Am heutigen Nachmittag wurden die Benzin- und Oelvorräte ergänzt und der Wasserballast frisch nachgesüllt. Obwohl die Motoren aus der ganzen Fahrt glänzend gearbeitet hatten, wurden sie durch die Monteure doch einer genauen Prüfung unterzogen.
Sehr anerkennend hat sich Admiral v. Hollmann über die Fahrt von Gotha nach Potsdam ausgesprochen. Er ist namentlich erstaunt über die außerordentliche Ruhe, die dem Schiff während der ganzen Fahrt eigen war.
Potsdam, 10. September. Das Luftschiff Schwaben ist heute früh 23A Uhr mit Rücksicht auf die veränderte Wetterlage nach Magdeburg aufgestiegen. Je nach dem Stande der WitterungSverhältnisse wird das Luftschiff nach Gotha oder direkt nach Düsseldorf weiterfahren. Die nähere Entscheidung wird erst in Magdeburg getroffen werden.
Gotha, 10. September. DaS Luftschiff Schwaben ist kurz vor 8 Uhr vor der hiesigen Lustschiffhalle gelandet. Es hat die Fahrt hierher ohne Passagiere zurückgelegt und bleibt über Tag voraussichtlich in Gotha.
Aus > und Ausland.
Aus Potsdam 10. September, wird gemeldet: S e. Majestät der Kaiser hat sich um 2 Uhr 30 Minuten im Automobil nach Boitzenburg ins Manövergelände begeben und ist nachmittags 6 Uhr 10 Minuten daselbst eingetroffen und vom Grafen von Arnim empfangen worden. Der Ort ist festlich geschmückt.
Die „N. A. Z." schreibt: Die infolge der anhaltenden großen Dürre eingetretenen und noch zu erwartenden Schädigungen bilden überall den Gegenstand ernster Sorge. Der Kaiser hat bereits ausgesprochen, wie sehr ihn die dem Lande aus dem MißwachS dieses JahreS drohende Not beschäftige, und den Reichskanzler und Ministerpräsidenten beauftragt, alle im Bereiche staatlicher Möglichkeit liegenden Maßregeln zur Abhülfe des Notstandes zu ergreifen. Die StaatSregierung hatte, sobald die Futternot einen gefahrdrohenden Umfang annahm und erkennbar war, daß auf eine wefentliche Besserung nicht mehr zu hoffen sei, die sofortige Einführung von Notstand-tarifen beschlossen und durch eine Reihe anderer Maßregeln fördernd eingegriffen. Inzwischen ist geprüft worden, waS weiter geschehen kann, um den durch die Dürre gefährdeten Interessen mit augenblicklichen praktischen Maßnahmen zu Hülse zu kommen. Alle Möglichkeiten, von denen man sich in dieser Hinsicht einen Erfolg versprechen kann, sind eingehend erwogen worden. In der bevorstehenden Sitzung des StaatsministeriumS wird über die Ausführbarkeit und Zweckmäßigkeit der einzelnen Vorschläge entschieden und daS danach Erforderliche sogleich veranlaßt werden. Es steht zu hoffen, daß eS dem einmütigen und uneigennützigen Zusammenwirken aller berufenen staatlichen und volkswirtschaftlichen Kräfte gelingen wird, dem Lande über die Folgen dieses verhängnisvollen Sommers hinwegzuhelfen. Wir bedauern, daß hier und da versucht wird, die durch ein elementares Ereignis hervorgerufene Not, die zunächst die landwirtschaftlichen Produzenten in den von der Dürre leidenden Landesteilen trifft, aber auch in jedem Haushalt durch die Verteuerung von Lebensmitteln fühlbar wird, zur Bekämpfung unserer Wirtschaftspolitik auSzunutzen. Wie wenig unser wirtschastpolitischeS System für den gegenwärtigen Notstand verantwortlich gemacht werden kann, zeigt am besten die Tatsache, daß die Folgen der ungewöhnlichen klimatischen Erscheinungen diese- JahreS sich mit gleicher und größerer Härte auch da geltend machen, wo die Wirtschaftspolitik aus anderer Grundlage beruht.
Besprechungen zwischen den preußischen und sächsischen Militärbehörden haben schon im Laufe diese- Sommer- dahingehend stattgesunden, daß die beiden sächsischen Armeekorps XII und XIX an den nächstjährigen Kaisermanövern, für welche bekanntlich das IV. und XL Armeekorps bestimmt sind, teilnehmen werden. Zuletzt haben im Jahre 1903, bei Naumburg, die Sachsen gegen das IV. und XI. preußische KorpS gefochten. Im September 1912 werden sich voraussichtlich die gleichen Gegner von vor neun Jahren wieder bekämpfen. Eine amtliche Veröffentlichung über die nächstjährigen Kaisermanöver wird, wie im Vorjahre bald nach Beendigung der heurigen Kaisermanöver erfolgen.
Da- Statistische LandeSamt veröffentlicht die vorläufigen Ernteschätzungen für die wichtigsten Körnerfrüchte und für Kartoffeln in Preußen nach dem Stande von Anfang September 1911. Darnach ist zu erwarten an Winterweizen ein vorauSsichlicher Ertrag von insgesamt 2163253 Tonnen (pro Hektar 2,09 Tonnen gegenüber der 1910 geschätzten Mittelernte von 2,15), an Sommerweizen 262079 Tonnen (pro Hektar 1,88 gegen 2,28), an Winterroggen 8388791 Tonnen (pro Hektar 1,80 gegen 1,69), an Sommerroggen 63302 Tonnen (pro Hektar 1,21 gegen 1,25), an Sommergerste 1585940 Tonnen (pro Hekta? 1,91 gegen 2,05), an Hafer 5048967 Tonnen (pro Hektar 1,79 gegen 1,96), und an Kartoffeln 22567719 Tonnen (pro Hektar 10,05 gegen 14,45.)
Nach der „Statistik der Deutsche» Reich-- stellt sich die Zahl der im Jahre 1910 über deutsche Häfen auSgewan- d e r t e n P e r f o n e n aus 276 027, darunter 21 409 Deutsche und 254 618 Fremde; beide Zahlen waren im Jahre 1909 etwas geringer, nämlich 18 315 Deutsche und 239 637 Fremde. Außer den 21409 über deutsche Häsin au-gewanderten gingen über fremde Häfen 4122 Deutsche, darunter über Antwerpen 1863, über Rotterdam und Amsterdam 2108. Die Gesamtzahl der deutschen Auswanderer betrug also im Jahre 1910 25 531 (1909 24 921). An dieser Gesamtzahl der deutschen Auswanderer find als An-wanderung-gebiete beteiligt Bayern,
Brandenburg mit Berlin sowie Hannover mit je über 2000, Westfalen, Königreich Sachsen, Rheinland, Posen und Württemberg mit je über 1000. Ihrem Berufe nach entsallen von den deutschen AuSwandern 7072 aus die Landwirtschast, 8329 auf Bergbau und Industrie, 3595 auf Handel und Verkehrs- gewerbe (einschließlich der Gast- und Echankwirtschast). Unter den über deutsche Häfen auSgewanderten Fremden befanden sich 105 662 Russen, 84 426 Oesterreicher und 56 861 Ungarn. Von den deutschen AuSwandern gingen 22 773, von den fremden 233 056 nach den Vereinigten Staaten von Amerika. Die überseeische Einwanderung über die Häfen Bremen und Hamburg umfaßte im Jahre 1910 154 393 Personen, darunter 99 429 auS Nordamerika, 10 248 aus Südamerika, 952 auS Westindien und Mexiko, 4677 aus Afrika (hierunter 904 Mann deutscher Truppen), 833 auS Ostasien und 531 auS Australien.
Der preußische LandwirtschaftSminister hat über die F u t t e r n o t Erhebungen durch die Landwirtschaftskammern angeordnet. DaS Ergebnis dieser Erhebungen, die augenblicklich überall im Gange sind, ist darum noch nicht abzu- schätzen, weil erst der AuSfall der Kartoffelernte abgewartet werden muß, der aus daS Ergebnis besonderen Einfluß haben wird. Vom 1. September ab ist der preußisch-hessische AuS- nahmetaris für Futter- und Streumittel mit einigen Einschränkungen über alle deutschen StaatS- und Privatbahnen ausgedehnt worden. Am 10. September 1911 wurde der Tarif mit dem vollständigen Geltungsbereich neu herauSge- geben.
An ReichSmünzen wurden geprägt im Monat August für 6 026 400 Mark Doppelkronen, 1449 513 Mark Drei- markstücke, 511 768 Mark Fünfzigpfennigstücke, 25 000 Mark Fünfundzwanjigpscnnigstücke, 449 021,60 Mark Zehnpsennig- stücke, 107 011,40 Mark Fünspsennigstücke, 66 623,12 Mark Zweipfennigstücke, 110450,39 Mark Einpfennigstücke.
Dem Wöchentlichen Saaten standSbericht der PreisberichtSstelle deS Deutschen LandwirtschastsratS ist zu entnehmen: Auch in der BerichtSwoche blieben die Niederschläge aus daS östliche Ostseegebiet beschränkt, während in den übrigen Landesteilen daS trockene Wetter ununterbrochen anhielt. Dabei stiegen die Temperaturen in den ersten Tagen deS Monats wieder hoch empor, und die herrschenden Winde ließen den Boden nur noch mehr auStrocknen. Infolgedessen hat die Unzufriedenheit mit den Hackfrüchten, ausgenommen in Ostpreußen, sowie in Teilen von Westpreußen und Pommern eher zugenommen, und auch dort, wo in den letzten Wochen geringe Niederschläge die Pflanzen erfrischt hatten, hat die neuerliche Trockenheit die Hoffnungen wieder herabgemindert. Wohl haben sich die späten Kartoffeln vielfach noch grün im Kraut gehalten, aber die Knollen wachsen nur langsam, auch wird häufig berichtet, daß sie neue Triebe ansetzen, wodurch ihre Entwicklung naturgemäß beeinträchtigt wird. In Süddeutschland hat man deshalb stellenweise bereits mit dem Aufnehmen begonnen. Während schwere Böden bei günstiger Witterung noch annähernd mittlere Erträge bringen könnten, hält man auf leichten und sandigen Böden eine nennenswerte Besserung kaum noch für möglich. Auch Zuckerrüben, deren Wachstum zuletzt nur geringe Fortschritte machen konnte, stellen eine schwache Ernte in Aussicht. Viel geklagt wird über Jnjektensraß, auch Mäuse nehmen in vielen Gegenden wieder überhand. Wegen der andauernden Trockenheit kann daS neu gesäte Herbstfutter nicht wachsen, vielfach ist eS überhaupt nicht ausgegangen. Die Bestellung der Aecker zur Herbstsaat ist bei der herrschenden Bodenhärte fast unmöglich.
Die Kämpfe in P e r s i e n scheinen mit wechselndem Erfolge geführt zu werden. Nachdem berichtet worden war, daß die Truppenmacht, die unter Aschad cd Dauleh für den früheren Schah focht, völlig vernichtet worden sei, lag heute eine Meldung vor, wonach Solar ed Dauleh dem Bachtiaren- sührer Emir Mufakam eine schwere Niederlage beigebracht habe. Da weder über die Stärke der Truppenmacht Mohammed AliS noch über die der Regierung zur Verfügung stehenden Truppen sichere Nachrichten vorhanden sind, läßt sich die Tragweite der beiden Gefechte für die fernere Entwicklung der Dinge in Persien nicht ermessen.
Die Unruhen in Tfchangzeh in Korea infolge der Hungersnot dehnen sich immer weiter aus. Eine amerikanische Baptistenkapelle bei Kwisan wurde von einer Bande von Plünderern zerstört. Das Volk ist verzweifelt, da eS den HungerStod vor Augen sieht. Die Lage des Lande- ist trostlos, der größte Teil steht unter Wasser.
Aus R o u b a i x, 10 September, wird gemeldet: Die gestrigen Unruhen nahmen im Lause des Abends äußerst ernsten Charakter an. Die Demonstranten löschten die Straßenlaternen aus und rissen die Steine au- dem Pflaster, um sich des Angriffs der Kavallerie zu erwehren. Auch Infanterie ging gegen die Ruhestörer vor. Sowohl von den Truppen als auch von den Ruhestörern wurden viele verletzt. Mehrere Läden wurden geplündert. Man verhaftete dreizehn Personen. Um 1 Uhr früh war die Ruhe noch nicht wieder- hergestellt.
Aus Provinz u. Nackbargebiet
* (Neue- Fernfprech-Teilnehmer-Ver- zeichniS.) Das Verzeichnis der Teilnehmer an den Fernsprechnetzen im Ober-PostdirektionSbezirk Caffel soll im November neu herausgegeben werden. Etwaige Wünsche der Teilnehmer betreffs Aenderung der Namen oder Firmenbezeichnung usw. werden, wie unS mitgeteilt wird, bis zum 1. Oktober bei den OrtS-Postanstalten entgegengenommen, denen die Fernsprechnetze zugewiesen find. Soll ein Anschluß im Verzeichnis an zweiter oder dritter Stelle ausgesührt werden, so wird dasür eine besondere jährliche Gebühr von 5 Mark für die einmal gespaltene Druckzeile erhoben. Anschlüsse für Gasthöfe usw. werden zweckmäßig unter der Bezeichnung der GasthosS oder Hotels (statt unter den Namen des Inhaber-) aufgeführt. Auf Wunsch der Teilnehmer können auch Vermerke über die Sprech- und Geschästsstunden in daS Verzeichnis ausgenommen werden.
o Neuheiten in Damen-Confektion o
9 für die Saison 1911-12 9
§ sind am Lager eingetroffen. H
2 Gg. Herm. Möller, Kaiserstr. 3. 8
x Confektion, w
& Manufactur-, Modewaren u. Aussteuerartikel. 9
Hersfeld, 11. September. Am 6. d. MtS. fand in Ober-Appenfeld im Gasthaus Trischmann eine Versammlung
von ca. 600 Personen zur Beratung deS Eisenbahnbauer der Strecke HerSseld-Homberg-Wabern statt. Die Landräte auS den Kreisen Homberg-Ziegenhain und Fritzlar waren zugegen. ES wurde eine Resolution angenommen mit der genauen Angabe der Strecken, die die Bahn durchlausen soll. Diese Entschließung soll höheren OrtS vor- gelegt werden. ES steht zu hoffen, daß daS Projekt nunmehr Wirklichkeit wird.
):( Hersfeld, 11. September. Bei dem am gestrigen Sonntag stattgefundenen Wettslug des hiesigen Militärbrief- taubenklubs „K r i e g S p o st" ab Elze wurden wiederum recht gute Flugzeiten erzielt, indem die Mehrzahl der Tauben die Flugstrecke in verhältnismäßig kurzer Zeit zurücklegten. Der Auflaß vollzog sich, laut Depeschen, um 7 Uhr morgens. Die ersten Tauben trafen bereits um 9.06 Uhr auf ihrem heimatlichen Schlage ein. Die Tauben folgender Herren trafen als erste ein und wurden mit Preisen bedacht: Klasse I, junge Tauben: Karl Mühling 1., H. Serffling 2., Gebr. Siebert 3., 4., 11. und 12., Gebr. Willhardt 5. u. 10., Adam Bartel 6. u. 8., H. Weidmann 7. und V. Otter den 9. Preis. Klasse II, ältere Tauben: Gebr. Siebert 1., Adam Bartel 2., H. Weidmann 3. und Gebr. Willhardt 4. Preis. — Der nächste Wettflug derselben Tauben findet am nächsten Sonntag von Hannover auS statt.
):( Hersfeld, 11. September. Gestern früh gegen Vs7 Uhr bot sich auf dem hiesigen Bahnhof ein großartiger Anblick dar. Circa 18 00 Militärbrieftauben der Kölner Reisevereinigung, welche in fünf Waggons angekommen waren, wurden hier zu einem Wettflug aufgelassen. Die große Schar erhob sich schnell in die Lust und entschwand bald den Blicken der Zuschauer.
):( Hersfeld, 11. September. Bei dem am Sonnabend nachmittag über unsere Stadt ziehenden Gewitter schlug derBlitz im ForstortHillersbach der Oberjörsterei HerSseld ein und zündete. Herr Forstmeister Schulz und die Forstbeamten waren gleich zur Stelle, ebenso die alarmierten Gemeinden UntergeiS, Gittersdos und Allmershausen, so daß daS Feuer aus feinen Herd beschränkt wurde. Wäre nicht gleich Hilfe dagewesen, so hätte das Feuer an der unmittelbar daran liegenden Fichtenschonung einen unabsehbaren Schaden angerichtet.
Fulda, 9. September. Unser 2. Kurhkssisches Feld- Artillerie-Regiment Nr. 47 wird im Jahre 1912 eine große Aenderung erfahren. Die Feld-Artillerie-Brigade, zu der das hiesige Artillerie-Regiment gehört, erhält eine weitere Haubitzen- Abteilung, die dem hiesigen Regiment zugeteilt wird. Die 2. Abteilung unseres Regiments wird daher ihre Geschütze ausgeben und sich mit der Bedienung der Haubitzen vertraut machen müssen. Hiermit steht auch der geplante größere Geländeankaus im Zusammenhang. Bisher hatte das 11. Armeekorps nur eine Haubitzen-Abteilung und zwar in Erfurt.
Bebra, 9. September. Als gestern auf hiesigem Bahnhof ein Güterzug zur Abfahrt nach Cassel bereit stand, ragte der Packwagen über die Kreuzungsweiche hinaus, so kam es, daß ein von Göttingen einfahrender Güterzug dem Casseler in die Flanke fuhr, den Packwagen zertrümmerte, auch die Lokomotive wurde stark beschädigt, der Führerstand teilweise weggerissen, ohne daß die beiden Lokomotivbeamten nennenswerte Verletzungen erlitten. Die Packbcamten kamen ebenfalls mit dem Schrecken davon.
V Zimmersrode, 8. Sept. Vorgestern, zwischen 9 und 10 Uhr vormittags, war in dem der Gemeinde Trocken- erfurt gehörigen Nadelwald auf eine unausgeklärte Weise Feuer enstanden. Der Feuerherd befand sich M unmittek^ barer Nähe eine- an dem genannten Walde belegenen Steinbruches. Es war ein Glück, daß daS Feuer rechtzeitig von einem vorbeifahrenden Radsahrer entdeckt und dann sogleich von diesem der Gemeinde Trockenersurt gemeldet wurde; denn sonst wäre bei der großen Dürre der ganze Wald vernichtet worden. Sofort machten sich nun eine große Anzahl Mannschaften an das Löschung-werk, und eS gelang, das Feuer in kurzer Zeit zu dämpfen. Dieser Fall ist um so bedenklicher, alS erst 3 Tage vorher in der Nähe deS benachbarten Dorfes Dillich in einem Walde auch auf eine unaufgeklärte Weise Feuer auSgebrochen war. So zahlreich wie in diesem Jahre die Feuersbrünste in Stadt, Dorf und Wald sind, so zahlreich sind sie lange zuvor nicht dagewesen, und die hiesige Gegend wird noch besonder- in Schrecken durch anonyme Briefe gesetzt, die von schandbübischer Hand in einige Ortschaften gesandt find mit der schrecklichen Drohung, daß demnächst in dem Dorfe ein Feuer große Verheerungen anrichten werde.
Friedewald, 8. September. Im benachbarten Lauten- hausen stürzte gestern abend der etwa 60 Jahre alte Landwirt Georg Häußner beim Dreschen von dem Gerüst der Scheune, wobei er einen Schädelbruch erlitt und kurz darauf verstarb.
Friedderg i. H., 8. September. Der 18jährige Gymnasiast Jugard hat sich heute hier erschossen. Als Motiv wird nervöse Ueberreizung angegeben.
Hanau, 6. September. Der Schweinehändler Runkel in Langenselbold hatte einen Tran-port Schweine, um die Untersuchung durch den beamteten Tierarzt zu umgehen, an eine Deckadresse, einen Müller in Langenselbold gehen lassen. DaS Schöffengericht in Langenselbold erkannte gegen ihn aus 3 Wochen Gefängnis, der gefällige Müller wurde wegen Beihilfe zu zehn Tagen Gefängnis verurteilt.
Rotenburg, 9. Sept. Das gestern im Wege der Zwangsversteigerung zum Verkauf gekommene „Hotel zum Engel" ging gurch Kauf außer Termin zum Preise von ca 43 000 Mark an Herrn Jakob Schmidt, Oberkellner im Hotel zum „Deutschen Haus" in HerSseld über.
Sondershausen, 6. September. Verbrüht wurden gestern nachmittag in der chemischen Fabrik der hiesigen Gewerkschaft „Glückauf" die Arbeiter WalliS und Margraf. Durch vorzeitiges Oeffnen deS Mannloches eines LötekesselS ergoß sich die siedende Flüssigkeit über die beiden Arbeiter, die am Oberkörper stark verbrannt wurden. Wallis wurde so schwer verletzt, daß seine Uebcrsührung in daS Krankenhaus „Bergmann-trost" nach Halle notwendig wurde. Beide Verunglückte sind Familienväter.
Nordhausen, 7. September. Die Polizei verhaftete in Wieda eine Diebesgesellschaft, die alS „Sommerfrischler" dort ein Privatquartier bewohnte. Die Fremden, ein Mann, drei Frauen und ein 8jähriger Junge, waren vorher in Walkenried gewesen, wo sie einem Hotelier auS der Rauchkammer Wurstwaren entwendet hatten. Aus die Anzeige deS Hotelier- er* folgte dann in Wieda die Festnahme. Der Mann ist jedoch der Verhaftung entgangen, da er am Sonntag unter Mitnahme eine- großen schweren Koffers abgereist ist. In dem Besitze der Verhafteten befanden sich u. a. eine große Anzahl Dietriche, zahlreiche wertvolle Gold- und Schmucksachen, 40 bis 50 Pfandscheine, große Mengen fremde- Silbergeld, eine Brieftasche mit französischen Kassenscheinen von hohem Werte, eine Anweisung einer Professor- über Zahlung verschiedener hoher Summen, von 15 000, 10 000 Mk. usw., BriesuM'