Politischer Wochenbericht.
In die Berichtswoche fiel die E e d a n f e i e r. Machtvoller noch und begeisterter als in den Vorjahren gestalteten sich in diesem Jahre die patriotischen Kundgebungen am Sedantage. Das Ausland sollte es sehen und hat eS gesehen, wie stark der nationale Gedanke bei unS ist und wie derselbe alle Schichten des deutschen Volkes beherrscht. Wir halten mit unerschütterlicher Treue an dem großen, mit unsäglichen Opfern und Mühen erstrittenen Errungenschaften der Jahre 1870/71 fest, die unS den Aufstieg ermöglicht haben, und keine Gewalt der Erde soll uns diese Errungenschaften wieder rauben.
In der M a r o k k o f r a g e beginnt sich der Schleier nun doch allmählich zu lüften. Das offizielle Preßorgan der deutschen Reichsregierung, die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung", hat kundgetan, daß künftig „den Umständen nach mit einem glatteren Fortgange der Verhandlungen, als vor der Pause gerechnet werden kann." Damit ist unzweideutig festgestellt, daß alle die vagen Gerüchte, die bereits von dem definitiven Abbrüche der Berliner Verhandlungen wissen wollten, nichts als eine üble Stimmungsmache waren, und wir können nur wünschen, daß nunmehr auch die Kriegsnervosität, die sich bereits eines Teils der Publikums bemächtigt hatte, wieder einer ruhigeren und optimistischen Auf- fassung der Sachlage weichen möge.
Die feierliche Uebergabe des SteubendenkmalS in Potsdam mit den dabei gehaltenen Reden und dem Depeschenwechiel zwischen Kaiser Wilhelm und dem Präsidenten Taft hat die allgemeine Aufmerksamkeit wieder einmal auf das politisch so außerordentlich wichtige Verhältnis zwischen Berlin und Washington gelenkt. ES waren höchst erfreuliche Klänge, die bei der Eteubenseier vernehmbar wurden. Mit ihrem Kaiser teilt die ganze deutsche Nation den einigen Wunsch, die deutsch-amerikanischen Beziehungen matten sich immer freundlicher und herzlicher gestalten. Dem Bert eter der Union bei Uebergabe deS SteubendenkmalS, :rrn Richard Bartholdt, aber, der so warme Wor^e ■ Anhänglichkeit und Anerkennung für da? ci: at^rland f nd, möchten mir noch ' * "x«en ur* ' artholdt schert zu den hervorragendste- ^i; Deutsch. amerikanertumS der Gegenwart ■ »um ew.ru hL Zwick' amerikanischen jpr j dar. M ' ' c- „der allezeit
cwußte Zr gewaltiges Schwergewicht zugunste ^tn Freundschaftsverhältnisses zu Dr . gic ^^gschale wersen. DaS ist jedenfalls prakt er und wi, mer als alle noch fo fein ausgeklügelten und ^ön io^^iterten Schiedsgericht-verträge.
AuS Frankreich ',« wieder einmal von revolutionären Unruhen zu mel Den Weinbauenden SüddepartementS find die Bewol, »c der Champagne und nun die Picarden gefolgt. Angeblich handelt eS sich bei dem Aufruhr der nordöstlichen Departements um sogenannte Teuerungsunruhen. In Wirklichkeit aber spielt auch hier wie ja bei allen derartigen Bewegungen der Gegenwart der politisch- revolutionäre Gedanke die Hauptrolle. Die gestiegenen Lebens- mittclpreise dienen den politischen Drahtziehern des Allgemeinen revolutionären ArbeiterbundeS als zugkräftige- AgitationS- mittel, um die Mafien auf die Straßen zu bringen und zu GewaUtätigkeiten aller Art anzureizen. Daß ihnen dies selbst in dem ruhigsten Winkel von Frankreich in so über- laschendem Maße gelingen konnte, zeigt ausS neue, in wie bedenklicher Weise die Ehrerbietung für Recht und Gesetz im ganzen sranzöfischen Volke bereits erschüttert ist. Wenn daher während der letzten Zeit in Frankreich Aeußerungen schadenfrohen Behagens über daS revolutionäre Phrasengedresch deutscher sozialdemokratischer Versammlungen laut geworden find, so ist den betreffenden Herrschaften der Rat zu geben, sich einmal erst um die Zustände im eigenen Lande zu kümmern.
AuS O e st e r r e i ch ist die erfreuliche Nachricht eingetroffen, daß die Parteileitung der Wiener christlich-sozialen Partei den Beschluß gesaßt hat, mit den übrigen deutsch- bürgerlichen Parteien im Sinne deutscher Gemeinbürgschast Hand in Hand zu gehen. Wir freuen uns dieses Beschlusses von Herzen und hoffen, daß derselbe zu kräftiger Durchführung gelangen möge. Denn das Deutschtum kann seine traditionelle Stellung im Rahmen der österreichisch-ungarischen Gesamt- Monarchie nur behaupten, wenn es sich der vollsten Einigkeit im eigenen Lager ersreut.
Znr Lag«.
Die „Post", die sich, ihre nobleren Traditionen vergessend, zu einem EensationSblatt entwickelt hat, regte am Mittwoch Abend eine Stunde lang daS Berliner Straßenpublikum durch eine Meldung auf, daß die Marokkoverhandlungen abgebrochen seien. Als sich diese wilde Ente auch in der Wilhelmstraße zeigte, wurde sie schleunigst heruntergeschossen. Gegen solche öffentlichen Alarmversuche kann daS Publikum allenfalls geschützt werden. Gegen die Ausstreuungen, die unter der Hand Umläufen, muß jeder einzelne seinen gesunden Verstand gebrauchen; diesem stellt sich die gegenwärtige Situation folgendermaßen dar:
Frankreich hat in Berlin auSgearbeitete Vorschläge unterbreitet. Diese Vorschläge betreffen einmal die Ordnung der Lage in Marokko, die, wie die Franzosen wissen, nur unter sorgsältigster Garantierung unserer Wirtschaft-interessen zu erreichen ist. Sie betreffen weiter die kolonialen Kompensationen, die reichlich auSgemessen sein müssen, wenn sie Deutschland besriedigen sollen. Die sranzöfischen Vorschläge sind ein Angebot. AlS vorsichtige Kaufleute werden die Franzosen nicht sofort mit ihren letzten Zugeständnissen herausgerückt sein. Sie werden deutsche Mehrsorderungen erwarten. So ergibt die einsache Urberlegung, daß es jetzt an unsern Staatsmännern ist, die deutschen Gegenvorschläge zu formulieren. In Paris hat man sich über 14 Tage Zeit genommen, um die Anträge sertigzustellen. Man hat drei Botschafter zu Rate gezogen, verschiedene Kabinett-sitzungen gehalten. In Berlin ist am Montag zum erstenmal über diese Vorschläge gesprochen worden, für ihre Durchsührung und Beantwortung wird man also noch einige Zeit verlangen dürsen. Sollte man in Berlin selbst ebenso lange daran arbeiten wie in Paris, so wäre daS nur selbverständlich und kein Grund zur Sorge oder Ungeduld. Daß in Berlin übrigens keine Zeit vertrödelt wird, müssen die Franzosen wohl anerkennen. Der Reichskanzler hat noch am Abend seiner Rückkehr auS Kiel, die erst kurz vor 10 Uhr ersolgte, eine lange Besprechung mit dem Staatssekretär gehabt. In der Frühe deS nächsten Tages find diese Besprechungen fortgesetzt worden und haben beide Staatsmänner einen großen Teil des TageS beschäftigt.
Bei unsern Nachbarn jenseit- der Vogesen pflegt die Spannung zur Geschwätzigkeit zu führen. Daher die etwa- lauten rednerischen Leistungen, welche die Flottenrevue von Toulon begleitet haben. Man beruhigt in Frankreich das
Publikum, indem man möglichst laut davon spricht, wie gut man aus alle Eventualitäten vorbereitet ist. In Deutschland arbeitet man lieber in der Stille. Die große Flottenparade hat sich ohne daS Touloner Brimborium vollzogen, aber der Eindruck unserer maritimen Leistungsfähigkeit hat darunter gewiß nicht gelitten. In Frankreich spricht und schreibt man seit Wochen darüber, ob die Manöver diesmal nicht lieber ausgegeben oder doch eingeschränkt werden sollten. In Deutschland gehen die militärischen Uebungen ihren regelmäßigen Gang. Man läßt sich in der Ausbildung der Truppen und Truppen- sührer nicht stören. Man weiß, daß im Ernstsalle jeder aus seinem Platz sein und daß unsere Organisation ohne Tadel arbeiten würde. Dort laute Nervosität, hier gesammelte Ruhe. Unter diesen Umständen wird man sich auch nicht durch ein paar Lärmmacher in Zeitungen und Versammlungen auS dem Gleichgewicht bringen lassen.
Zur > nnd Musland.
Se. Majestät der Kaiser besuchte gestern in Kiel gegen Mittag mit dem Grasen Montecuccoli, welcher gestern noch als Gast Sr. Majestät deS Kaisers in Kiel weilte, die Segeljacht Meteor. Gegen 27a Uhr ging Se. Majestät unter Salut von Bord der Hohenzollern, begab Eich auf dem Wasserwege zum Bahnhos und ist um 2 Uhr 30 Min. mit Sonderzug nach Station Wildpark abgereist. Aus dem Bahnhof waren zur Verabschiedung erschienen der Großherzog von Oldenburg, Prinz Waldemar und Großadmiral v. Koester sowie der Stadtkommandant v. Bodungen. Der Großherzog von Oldenburg begab sich später an Bord seiner Jacht Lensahn. Der Reichskanzler ist um 2 Uhr 56 Min. nach Berlin zurückgereist. — Gestern abend 8 Uhr 15 Min. ist Se. Majestät der Kaiser auf der Fürstenstation Wildpark eingetroffen. Zum Empsang hatte Sich Ihre Majestät die Kaiserin eingefunden. Die Majestäten begaben Sich ins Neue Palais.
Aus Gotha, 7. September, wird gemeldet: Das Luftschiff „Schwaben" ist heute um 10 Uhr und um 12 Uhr zu Rundfahrten ausgestiegen. Nachmittags erfolgt keine Fahrt, sondern erst morgen srüh. Falls in Berlin rechtzeitig genügend WafferstoffgaS-Vorräte für die Nachfüllung beschafft werden können, soll Sonnabend früh gegen 5 Uhr die Absahrt von Gotha zur Fahrt nach Berlin erfolgen. Am Abend wird daS Luftschiff jedoch wieder in Gotha eintreffen. Ueber die erfolgreiche Fahrt der „Schwaben" von Baden- Baden nach Gotha entnehmen wir den „L. N. N." folgende bemerkenswerte Würdigung: Das Zeppelinlustschiff „Schwaben" hat die angesagte Fernsahrt von Baden-Baden nach Gotha genau programmgemäß durchgesührt. Während man srüher — und das ist noch gar nicht so lange her — derartige große Fahrten von Zeppelinluftschiffen mit einem gewissen Gefühl der Bangigkeit begleitete, sieht man den Flügen der „Schwaben" mit Ruhe und Sicherheit entgegen. Die auS Bangen und Hoffen gemischte Spannung hat nachgelassen, und an ihre Stelle ist die Ueberzeugung getreten, daß daS Luftschiff ungefährdet fein Ziel erreichen wird. Den Fahrten der Luftschiffe ist damit ein gewisser prickelnder Reiz verloren gegangen. Aber andererseits sind wir mit dem Erreichten doch auch einen großen Schritt vorwärts ge- kommen. Die „Schwaben" ist ein Lustfchifftyp, aus den man sich verlassen kann. DaS haben die mehr als 50 Passagier- fahrten bewiesen, die daS Schiff schon hinter sich hat, und daS hat auch der Flug von Baden-Baden nach Gotha, wenn er noch nötig gewesen wäre, gezeigt.
Die russische Torpedoboot-flottille, die zurzeit eine Kreuzfahrt an der deutschen Küste der Ostsee unternimmt, liegt zurzeit vor Lübeck. Dort hielt der russische Konsul von Karaffew in Erwiderung eines Toastes des präsidierenden Bürgermeister- aus daS russische Kaiserhaus eine Rede aus daS deutsche Kaiserhaur. In ihr sagte er: „Ich bin überzeugt, daß unsere Seeleute wie vor zwei Jahren, da sie an gleicher Stelle so fröhliche Stunden verbrachten, auch diesmal die allerangenehmsten Eindrücke aus dieser vortrefflichen Gesellschaft und dem gastfreien Lübeck mit aus den Weg nehmen und daß daS schöne sich immer mehr sestigende Gefühl in Deutschland als Freunde begrüßt und ausgenommen zu werden, den harmonischsten Wiederhall finden wird in den Kreisen der russischen Marine und dem ganzen russischen Vaterlande." Der Konsul betonte diesen Passus ganz besonders in seiner Rede, so daß er auf alle Hörer sichtlichen Eindruck machte.
Die Erregung unter der Bevölkerung NordsrankreichS über die hohen LebenSmittelpreise macht sich hier und da noch immer in Ausschreitungen Lust. So kam eS dieser Tage aus dem Wochenmarkte zu Dünen- kirchen zu argen Raufereien zwischen Händlern und Käufern, weil erstere mit ihren Preisen nicht heruntergehen wollten. Die einjchreitende Polizei stellte die Ruhe wieder her. — Die HinauSzerrung der Entscheidung über die Marokko-Angelegenheit hat auch in Frankreich eine nervöse Stimmung hervorgerufen. Von ihr zeugen u. a. die umlausenden Gerüchte, wonach die zur Reserve abgehenden Mannschaften nach Beendigung der französischen Manöver bis aus weiterer unter der Fahne noch zurückbehalten werden sollen.
Im Norden Portugals sollen r o y a l i st i s ch e Verschwörer von der benachbarten spanischen Provinz Galicen eingesallen sein, doch liegen noch keine zuverlässigen Nachrichten hierüber vor. In den portugiesischen RegierungS- kreisen tut man gegenüber diesem Vorgang sehr zuversichtlich. Der Minister des Auswärtigen erklärte, die Regierung habe alle Vorsichtsmaßregeln getroffen, die Truppen stünden treu zur Republik. Er fei überzeugt, daß die sogenannte Gegenrevolution fast ohne Schwertstreich erledigt werden würde — die Ereignisse werden ja geigen, ob dieser Optimismus ge- rechtsertigt ist, sofern sich eben die Nachricht von diesem behaupteten Putsch der portugiesischen Royalisten überhaupt bewahrheitet.
Die erwartete Entscheidungsschlacht zwischen den persischen Regierung-truppen und den Streit- kräften des Exschahr Mohammed Ali hat am letzten Dienstag in der weiteren Umgebung von Teheran stattgefunden. Nach einer Reuter-Meldung aus Teheran find hierbei die Etreit- kräste des Exschahr vollkommen geschlagen worden. 300 Mann von ihnen sind den Siegern als Gefangene in die Hände gefallen, ebenso wurde auch Sardar Aschad, einer der hervorragendsten Truppensührer Mohammed Air, von den Regierungstruppen gefangen genommen; er ist dann hin- gerichtet worden. Ueber die Verluste an Toten und Verwundeten liegen indes noch keine Nachrichten vor. Die betreffende Reuter-Meldung versichert, daß die Sache der Exschahs durch diese Niederlage seiner Truppen einen Schlag erhalten habe, von welchem sie sich wahrscheinlich nicht wieder erholen werde. Indessen bleibt die Bestätigung dieser ganzen Meldung noch abzuwarten.
Mus Provinz n. Naehdargebiet.
* Zu Anfang September bezifferten sich die Begutachtungen des SaatenstandeS in Preußen (3 ----- Mittel, 4 = gering und 5 ----- sehr gering), für Hafer aus 3,0, Kartoffeln 3,6, Zuckerrüben 4,1, Klee 4,3, Luzerne 4,2, Rieselwiesen 3,6 und andere Wiesen 4,2. — In den Bemerkungen der Statistischen Korrespondenz hierzu heißt es u. a.: Die trockene und heiße Witterung hielt auch im August an. Nur wenige Gewitterregen brachten hier und da für Stunden etwas Erfrischung, von wirklich durchfeuchtendem, befruchtendem Regen wird nur mehrfach auS den Regierungsbezirken Danzig, Marienwerder und Wiesbaden, vereinzelt auS Königsberg, Allenstein und Merseburg berichtet. Infolge der trockenen Witterung haben sich die Mäuse geradezu erschreckend vermehrt, so daß man für die Wintersaaten fürchten muß. Auch Raupen, Maden und Engerlinge werden häufiger genannt. DaS Unkraut scheint nicht besonders gediehen zu sein. Dem Einbringen der Ernte ist die Trockenheit überaus sörderlich gewesen. Bis auf ganz geringfügige Mengen Hafer ist sämtliches Getreide geborgen. Im allgemeinen läßt sich von den Halmfrüchten sagen, daß sie von selten schöner Beschaffenheit sind. Auch die Menge befriedigt meistens. Nur ganz vereinzelt wird erwähnt, daß der Roggen stark unter dem Frost in der Blütezeit gelitten hat. Stroh ist genügend geerntet. Die Kartoffeln haben unter der Trockenheit sehr gelitten. Wenn auch der Ansatz im allgemeinen gut gewesen ist, war doch ein Wachsen nicht möglich. Hin und wieder wird behauptet, daß selbst durchdringender Regen nichts mehr helfen könne. Sandiger und hochgelegener Boden wird wenig Frucht bringen, während schwerer und tief gelegener Acker eine Mittelernte erwarten läßt. Die Frühkartoffeln besriedigen im allgemeinen. Die Zuckerrüben haben ähnlich wie die Kartoffeln zu leiden. Vereinzelt wird sogar von einer Mißernte gesprochen. Hier könnte ausgiebiger Regen noch vieles gut machen. Die Futterverhältnisse geben zu großen Besürchtungen Anlaß. Klee und Luzerne lassen einen zweiten Schnitt meistens überhaupt nicht zu. Junger Klee soll gänzlich auSgebrannt sein; waS noch übrig geblieben ist, haben die Mäuse vernichtet, so daß selbst noch für das nächste Jahr eine geringe Kleeernte zu erwarten steht. Trockene Wiesen gaben keinen oder nur geringen zweiten Schnitt. Bewässerung-wiesen liefern bessere Erträge. Weiden find so gering, daß das Vieh häufig noch nebenher gefüttert werden muß oder ganz ausgestellt worden ist. Meist sind die Wintervorräte schon angegriffen, zum Teil ist auch schon Vieh verlaust. Die Bestellung deS Ackers für die Winterfrucht ist noch sehr wenig vorgeschritten. Der Boden ist derartig ausgetrocknet und hart, daß daS Pflügen sehr beschwerlich ist. Das Einjäen deS Getreides muß noch hinausgeschoben werden, weil daS Korn jetzt nicht kirnen würde.
*(FreieSchulftellenfürBolkSschullehrer.) Im Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Cafiel werden 22 erledigte Stellen an Volksschulen nachgewiesen, und zwar in den Kreisen Fritzlar, Gelnhausen und Hanau-Land je 3, in den Kreisen Homberg und HofgeiSmar je 2 und in den Streifen Frankenberg, GerSfeld, HerSseld, Marburg, Melsungen, Hünseld, Fulda, Rinteln und Schmalkalden je 1 Stelle.
):( Hersfeld, 8. September. Nächsten Montag nachmittag 4 Uhr wird eine Sitzung der Stadtverord- neten-Versammlung im Rathaussaale stattfinden. Tagesordnung: Wahl der Beisitzer und Stellvertreter zur Vornahme der ErgänzungSwahlen für die Stadtverordneten- Versammlung. — Wahl einer Ausschusses zur Vorprüfung der Jahresrechnung der GaS- und Wasserwerkslafie. — Kostenbewilligung. — Fluchtlinien-Abänderung. — Sonstiges. — Aus die öffentliche Sitzung folgt eine vertrauliche Beratung und Beschlußfassung.
):( Hersfeld, 7. September. (Schössen gericht.) Ein früher hier beschäftigt gewesener Friseurgehilse erhielt wegen Körperverletzung 30 Mk. Geldstrase evtl. 6 Tage Ge- sängnir. — Ebenfalls wegen Körperverletzung wurde ein hiesiger Anstreichergehilfe zu 50 Mk. Geldstrafe evtl. 10 Tagen Gefängnis verurteilt. — Wegen Diebstahls wurde ein hiesiger Arbeiter mit 1 Tag Gefängnis bestraft. — Wegen unbefugten Fischen- in der Fulda erhielt ein hiesiger Arbeiter 15 Mk. Geldstrase evtl. 5 Tage Hast. — Gegen einen hier beschäftigt gewesenen Italiener konnte wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt nicht verhandelt werden, da sich derselbe heimlich von hier entsernt hatte. ES wurde demgemäß ein Hajtbesehl gegen ihn erlassen. — Außerdem wurden noch drei Privatklagesachen verhandelt.
p. Hersfeld, 8. September. (Drachen.) Ist er nicht eine herrliche Zeit für unsere Kinder, wenn sie jubelnd über die Stoppelfelder rennen und dabei mit entzückten Augen hinausschauen zu dem selbstgefertigten Ungeheuer, daS nun hoch oben in den Lüsten steht? Es ist nur ein Kinderspielzeug, aber eins von jenen, an denen auch selbst der Erwachsene sein Ergötzen hat. Wie so viele Kinderspielzeuge, ist auch diese- im Laufe der Zeit zu einem Lehrer der Menschheit geworden, als es in die richtigen Hände gelangte. So benutzte z. B. im Jahre 1752 Benjamin Franklin und nach ihm Cavallo, de RumaS u. a. den mit einer Metallspitze versehenen Drachen, um an der leitend gemachten Schnur die Elektrizität der Wolken zur Erde zu leiten. Die bei diesen Versuchen gewonnenen großen Funken erbrachten den Beweis, daß der Blitz ein elektrischer Funke ist. Eine weitere wissenschaftliche Verwertung ersuhr daS ursprüngliche Kinder- spielzeug in der Aeronautik durch die DrachenballonS, die mit aeronautischen Instrumenten versehen sind und unS Aus- klärung bringen über die Windstärke, den Feuchtigkeitsgehalt der Lust und ähnliche Dinge. Freilich die Hauptverwendung wird der Drache immer in den Händen unserer Jugend finden. Und man wird nichts dagegen haben, denn daS Spiel mit den Drachen ist gleichzeitig ein gesunder Sport. Zu bedauern ist nur, daß die Kinder der Großstadt infolge der wachsenden Ausdehnung der Städte mehr und mehr auf den Genuß dieser Kinderlust verzichten müssen, da ihnen die ausgedehnten Felder und Wiesen fehlen. Sind diese aber vorhanden, so erwächst den Stadtkindern noch ein anderes Hindernis in Gestalt der vielen Telephon- und Telegraphendrähte. Verwickelt sich nämlich der Bindfaden in diese Drähte, so kann leicht eine Betriebsstörung erfolgen, und solche wird nach dem Gesetz bestrast. Man versäume daher auch nicht, seine Kinder hieraus ausmerksam zu machen und sie zur Vorsicht und Ausmerksamkeit zu mahnen.
Schwarzenhasel, 5. September. Am Sonnabend abend kam eS in der Schmauch'schen Gastwirtschaft zwischen dem Landwirt H. Schade und etlichen Ziegeleiarbeitern zu einem Streit, bei dem Schade das Messer zog und zu stechen drohte. Deshalb wurde er von den Arbeitern vor die Tür gesetzt, wobei ein Wortwechsel stattsand. Hierauf zog Schade nochmals das Meffer, sprang auf den 48 Jahre alten Arbeiter W. Wilhelm von hier los und stach denselben mit aller Wucht in daS rechte Bein, so daß die Schlagader durchschnitten