8m MemfMm Her Marokko- SerlnlbmtflL
Paris, 2. September. Die heutige Besprechung des Ministerpräsidenten Caillaux mit dem Kolonialminister Lebrun galt gewissen Einzelheiten der KongoabgrenzungSsrage. Je näher der Termin für die Antwort Deutschlands aus die vom Botschafter Cambon überbrachten Anerbietungen rückt, desto deutlicher gibt sich in leitenden Kreisen der Wunsch zu er- kennen, daß die französische Presse nicht durch zweckwidrigen Lärm daS schwierige Werk der Diplomatie störe. Selbst der TempS fühlt sich heute veranlaßt für eine leidenschaftslose Prüsung etwaiger deutscher Gegenvorschläge einzutreten. In dem Artikel wird auSgeführt, daß eS für einen gewandten Unterhändler zahlreiche Auskunft-mittel gäbe, um seine Ausgabe ehrenvoll zu lösen. Man dürfe nur nicht auf jene vereinzelten Stimmen hören, die durch aufreizende Redensarten, „die Demütigung Frankreichs" bereithalten für den Fall, daß nicht schon in den ersten Beratungsstunden alle- klappen sollte. Geschäft ist Geschäft! ES hat keinen Sinn, die Gebiete, welche wir abzutreten entschlossen sind, als die reichsten und ergiebigsten deS gesamten französischen Kolonialbesitze- hinzustellen und mit leicht erkennbarer Absicht alles gering einzuschätzen, waS Frankreich an dem Handel zu gewinnen hofft.
Rom, 2. September. Der spanische Ministerpräsident CanalejaS sagte in einem Interview mit dem Korrespondenten deS Giornale d'Jtalio, er habe aus Mclilla Nachrichten, wonach starke Ansammlungen von Marokkanern stattsänden. Er habe den Kommandanten Order gegeben, sich defensiv zu halten und falls sie gezwungen wären, die Grenze zu überschreiten, sich wieder zurückzuziehen, da Spanien keinen Eroberungskrieg wolle. Er könne übrigens nicht glauben, daß die Mauren von fremder Seite aufgehetzt würden, da Spanien zu allen Regierungen freundschaftliche Beziehungen unterhalte. Spaniens Stellung im heutigen Konflikt sei klar; er wolle keine Eroberungen machen, aber auch seinen Besitz nicht als KompensationSland betrachten laffen.
Nach einem weiteren Telegramm aus San Sebastian hatte der spanische Minister des Arußern Garcia Prieto gestern eine Besprechung mit dem französischen und dem englischen Botschafter.
* *
*
Die militärische Durchdringung Marokko- durch die Franzosen geht indes ihren weiteren Gang. Wie die Agence- HavaS unter dem 31. August aus Fez meldet, langte dort General Moinier mit 2500 Mann an. Er wird nach Sesru ausbrechen, wo er eine scherisische Garnison auf- stellen wird.
Aus In« und Ausland.
Se. Majestät der Kaiser machte gestern nachmittag eine Ausfahrt im Automobil aus der Döberitzer Heerstraße. Am Abend war im Weißen Saale de- königlichen Schlosse- Paradetasel Sei Ihren Majestäten. Während der Paradetafel unterhielt Eich der Kaiser sehr lebhaft mit dem türkischen Thronsolger und dem türkischen Botschafter und trank neben anderen Herren dem kommandierenden General des GardekorpS Generaladjutant v. Loewenfeld zu. Nach dem Diner hielten Ihre Kaiserlichen Majestäten in der Bildergalerie Cercle. Um 8Vs Uhr begann im Lustgarten unter den Fenstern deS Schlosses der große Zapfenstreich der Musikkorps deS Gardekorps. Vom Denkmal Friedrich- des Großen Unter den Linden rückte die wuchtige Masse der Spielleute, Hoboisten und Trompeter an, von dem grünlichen Licht der Magnesiumfackeln eingehüllt. Die Gebäude, die den Lustgarten einschließen, da- Alte Museum mit seiner Halle, der Dom, da- Denkmal Friedrich Wilhelms in. und die Springbrunnen waren mit Buntfeuer erleuchtet. Die Straßenbeleuchtung des Lustgartens war abgeblendet. Dem Publikum war nach Möglichkeit Zutritt gelassen, für die Schloßterrasten waren besondere Karten auSgegeben. Die Kaiserlichen Majestäten, der König von Sachsen, der türkische Prinz und alle anderen Fürstlichkeiten erschienen an den Fenstern deS Schlöffe-.
Der türkische Thronfolger hat an den Sultan eine Depesche gerichtet, in der er mit Anerkennung betont, daß der Kaiser, die Behörden und die Bevölkerung große Hochachtung für den Sultan hegten. Weiter hebt der Thronsolger hervor, daß der Kaiser bei jeder Unterredung aus- richtigste Freundschast für den Sultan und die Türkei bekundet hätte. Der erste Sekretär des Sultan- antwortete, daß der
Sultan über die Freundschaft-bezeugungen äußerst befriedigt sei, weil diese einen neuen Bewei- bildeten für die zwischen den beiden Ländern bestehenden innigen Beziehungen.
Dem wöchentlichen Saaten st and-bericht der PreiSberichtSstelle des Deutschen Landwirtschaft-rat- ist zu entnehmen: Die Witterung-verhältnisse der letzten Woche haben eine bemerkenswerte Aenderung bei den Hackfrüchten nicht herbeizuführen vermocht. Die ersten Tage brachten dem Südwesten etwa- mehr Feuchtigkeit, in den anderen Gebieten sind durchdringende Niederschläge, von denen hier und dort noch eine Besserung zu erwarten gewesen wäre, nicht vorgekommen. Infolgedessen hat da- Wachstum in der letzten Woche meist nur wenig oder gar keine Fortschritte gemacht. Die Knollen der späten Kartoffeln bleiben klein, und der Rückstand deS RübengewichtS gegenüber normalen Jahren ist immer noch sehr erheblich. Verhältnismäßig am günstigsten ist die Lage nach wie vor in Ost- und Westpreußen, aber auch in letzterer Provinz hält man die bisherige Befeuchtung nicht überall für ausreichend. Von diesen Landesteilen abgesehen gibt e- nur wenige Gegenden, in denen man jetzt noch eine nennenswerte Besserung für möglich hält. Vereinzelt mitgeteilte ErtragS- schätzungen nach dem derzeitigen Stande deuten bei Kartoffeln und Rüben auf eine schwache Ernte, auch wird häufig über AuSwuchS bei den Kartoffeln berichtet. Da- spärliche Grummet, daS nasse Wiesen noch gaben, ist meist eingebracht; vielsach wurde der zweite Schnitt dem Vieh zur Weide überlassen, da sich daS Mähen kaum lohnte. Die Bodenbearbeitung wird durch mangelnde Feuchtigkeit sehr erschwert; stelleweise müssen fremde Arbeiter entlasten werden, da eS an Beschäftigung fehlt.
Ein schweres Unglück wird auS Stettin gemeldet. Auf dem RegierungSdampser „Strewe" explodierte der Dampfkessel, wobei sechs Personen — Schiff-kapitän LaabS, Baurat SlefinSky, Maschinenmeister Schröter, Heizer Gnowoch, Maschinist Herzky und Matrose Berntsen — sofort getötet, drei weitere Personen schwer verwundet wurden. Ueber die Ursache der Explosion ist Bestimmte- noch nicht bekannt.
Von dem befreiten Ingenieur Richter selber find nunmehr die ersten telegraphischen Nachrichten bei seinen Angehörigen und der Verwaltung der Zeißwerke in Jena eingetroffen. In ihnen meldet er seine glückliche Ankunft in Saloniki und teilt ferner mit, er beabsichtige, für die Heimreise von Saloniki nach Jena nicht den Landweg, sondern den Seeweg zu nehmen. Ueber den Zeitpunkt seiner Abreise von Saloniki hat Richter in diesen Depeschen noch nicht- mitgeteilt.
Londoner Blättermeldungen zufolge wäre schon für nächste Zeit mit der Möglichkeit des AusbrucheS der signalisierten monarchistischen Grenzrevolution in Portugal zu rechnen. Seit zwei Monaten liegen die Operation-pläne der Monarchisten fertig vor, und die von ihnen getroffenen Vorbereitungen sollen außerordentlich geschickt und umsasfend sein. Conzeiro stehen 7000 Mann zur Verfügung, mit mehreren Kanonen und Schnellfeuergeschützen. Seine Soldaten sind meistenteils au- Bewohnern des Nordens zusammengestellt und auch einige Garnisonen im Norden sollen Anhänger seiner Sache sein. Es sollen auch eine Anzahl Engländer in die Dienste deS portugiesischen Ex-Monarchen eingetreten sein, um für die Wiederaufrichtung seines Throne- zu kämpsen.
Au- Konstantinopel wird eine Truppen- Meuterei gemeldet. Aus einem türkischen Truppentransport- dampser, welcher in der Quarantänestation Hiv Bornu am BospuruS ankert, revoltierten eine Anzahl Soldaten, weil man sie längere Zeit ohne Waffer gelassen hatte. Sie mißachteten die Befehle ihrer Offiziers, durchbrachen den Quarantänekordon und holten Wasser aus dem nächsten Dorfe. Auch erpreßten die Meuterer von Händlern Obst und Melonen. Die Militärbehörde in Konstantinopel ordnete eine strenge Untersuchung des Vorfalles an.
In verschiedenen Provinzen China- sind nicht unbedenkliche Unruhen au-gebrochen: In Kansu haben sich Mohammedaner gegen die Jünger Konsuciu- erhoben, und in Szetschuan richtet sich die Wut der Bevölkerung gegen die neuen Eisenbahnbauten. Der Generalgouverneur von Schensi und Kansu berichtet, daß 200,000 Mohammedaner sich erhoben und Sming-fu erobert hätten. Die Regierungstruppen hätten den Kamps ausgenommen. Der Aufstand mache den Eindruck eine- erbitterten RaffenkampseS und sei auch gegen Ausländer gerichtet, die bisher von den Behörden wirksam beschützt worden seien. AuS Schanghai wird über die gemeldeten Unruhen in der Provinz Szetschuan, die insolge der Agitation gegen die Eisenbahnen auSgebrochen sind, telegraphiert, daß in Chengtu gestern sämtliche Läden alS Demonstration gegen die Regierung geschloffen wurden. In Lin-Hsien ist eS zu großen Kundgebungen und außerordentlichen Gewalttätigkeiten gekommen.
Die Teuerung-unruhen im nördlichen Frankreich dauern noch immer fort. Namentlich in St. Quentin und Douai ist eS zu neuen schweren Ausschreitungen der wegen der hohen LebenSmittelpreise erregten Menge gekommen; in ersterer Stadt mußte Infanterie und Kavallerie zur Wiederherstellung der Ruhe eingreisen. In PariS fand wegen dieser bedenklichen Vorgänge ein außerordentlicher Ministerrat statt, aber er hat noch keine besonderen Beschlüsse gezeitigt.
Aus Provinz u. Nachbargebiet
):( Hersfeld, 4. September. Begünstigt vom schönsten Wetter fand gestern daS zweite KreiSturn- und Spiel- fest für die Schuljugend der Kreise- Her-feld hier statt. Im Laufe deS vormittags trafen die Schulen mit der Bahn und mit geschmückten Leiterwagen hier ein und begaben sich nach dem Schulplatz der städtischen Bürgerschule hinterm Hain, wo sich auch u. a. Herr Landrat von GruneliuS sowie Herr KreiSschulinspektor G o n n e r m a n n au- Cassel einge- funden hatten. Hier fanden zunächst die Freiübungen der ' gesamten Schulen statt. In ganz vorzüglicher Weise wurden diese von der einige hundert starken Knabenschar erledigt, i Unter den flotten Klängen des Trommler- und PseifferkorpS der städtischen Bürgerschule marschierten die Schulen alsdann nach dem Spielplatz im Kurpark, wo alsbald die Wettkämpse begannen. Heiß wurde hier um die Palme deS Sieges ge- stritten und mancher Tropsen Schweiß im ehrgeizigen Spiele vergossen. ES war eine Freude mit anzusehen, mit welcher Gewandheit und Ausdauer die Schüler aller Gemeinden spielten. Eine große Zuschauermenge au- Stadt und Land versolgte mit Interesse die einzelnen Wettspiele, und großer Jubel erscholl stets von der gewinnenden Partei und ihren Angehörigen. Gegen sechs Uhr waren alle Kämpfe geschlagen und eS wurde nun zur Preisverteilung geschritten. Zunächst , ergriff Herr Landrat von GruneliuS das Wort zu einer Ansprache und wie- kurz auf das vorjährige Fest hin, welches zunächst nur ein Versuch gewesen wäre. Doch hätte der Verlaus damals gezeigt, daß der Sache hier ein zunehmendes s Interesse entgengebracht werde. Er gab seiner Freude über die zahlreiche Beteiligung an den diesjährigen Spielen Ausdruck und dankte in erster Linie den Herren Lehrern für ihre Be- | mühungen bei der Ausbildung der Jungen, so daß dieselben l an den Wettkämpfen hätten teilnehmen können. Sie hätten | keine Opfer an Zeit und Mühe hierfür gescheut. Nicht nur j des Spielen- wegen allein würden diese Veranstaltungen abgehalten, sondern sie bildeten eins der großartigsten Erziehungsmittel unserer Jugend und seien diese Wettkämpse von ganz hervorragender Bedeutung. Mit zündenden Worten gedachte dann der Herr Landrat der großen Zeit vor nunmehr 41 Jahren, als an dem Tage der Schlacht von Sedan der Kaiser der Franzosen gesangen wurde und richtete beherzigenswerte Worte der Ermahnung an die Jugend. Mit einem jubelnd ausgenommenen Hoch auf daS Vaterland schloß die Ansprache. Hieraus stimmte die Versammlung das Lied „Deutschland, Deutschland über alles" an. Die nun folgende PreiSverteilung hatte folgendes Ergebnis: In den volkstümlichen Spielen er- ‘ hielten die Schulen von HerSfeld den 1., Heringen den 2. und Fricdewald den 3. Preis. Lobende Anerkennungen wurden den Schulen von Obergeis, Sorga und SchenklengSfeld zuerkannt. Den drei ersten Preisträgern wurden Eichenkränze sowie eine Ehrenurkunde überreicht. Im Barlausspiel siegtet« die Schulen von Unterhaun, Heringen, Kirchheim, Obergeis,H Meckbach und Hersseld. Im Schlagballspiel gewannen über« $ gei-, Hersseld und Aua. In dem EntscheidungSkamps uml die Meisterschaft für den Kreis HerSfeld im deutschen Schlag-1 ballspiel siegte HerSfeld gegen Hersa. Für diese Meisterschaft I ist ein Wanderpreis gestiftet worden, welcher dreimal ge- | wonnen werden muß, bevor er in den Besitz der betreffenden | Schule übergeht. Im Schleuderballspiel der schulentlassenen l Jugend siegte die Mannschaft von Heringen gegen diejenige | von PhilippSthal. Die PreiSverteilung war von dem lauten Jubel der siegenden Schulen begleitet. Hierauf ergriff Herr KreiSschulinspektor Gonnermann auS Cassel daS Wort und feierte Herrn Landrat von GruneliuS alS den Urheber dieser Veranstaltungen. Er dankte dem Herrn Landrat von Herzen für das große Interesse, welches derselbe dem ganzen Schulwesen entgegenbringe, und bezeichnete ihn als einen wahren Vater seine- Kreises. Der Herr Redner ermähnte die Eltern der Schüler, die Bürgermeister, Pfarrer und Lehrer, sich Schulter an Schulter mit dem Herrn Landrat zu stellen. Er sorderte die Anwesenden zum Schlüsse aus, ihre Liebe und Dankbarkeit gegen Herrn Landrat von GruneliuS in einem dreisachen Hoch zum Au-druck zu bringen. Dasselbe
falsches Glück.
Novelle von Th. Werner.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Unwillkürlich gedachte Tea bei ihrem Anblick de- Bilde- einer Bachantin, daS sie einst in einer Pariser Galerie gesehen hatte.
Eben wollte sie sich bemerkbar machen, al- die ersten Worte, die sie vernahm, sie so stutzig machten, daß sie sich stumm und still verhielt.
Die Unterhaltung wurde französisch geführt.
Die Gräfin hatte einen juwelengeschmückten Fächer in der Hand, mit dem fie sich leicht Kühlung zuwehte.
„Nun, Henri, schnell! Laß hören, weshalb Du mich meinen Gästen entführt hast. WaS hast Du mir zu sagen?"
„Aus meine Frage will ich endlich Deine Antwort! Die fordere ich und muß ich endlich haben! Vor Jahren hast Du mich schon einmal düpiert — ein zweite- Mal soll Dir da- nicht gelingen, da- schwöre ich Dir! Seit Monaten bin ich nun schon hier — und ich sage Dir, ich habe er satt, diese- alte, düstere Schloß! Ich sehne mich nach Baden- Baden, Homburg, Monaco, Paris — irgend wohin, wo eS Leben gibt! — Nun endlich will ich Deine Antwort — aber auch sofort!"
„WeShalb denn plötzlich diese Eile, wenn ich fragen darf?'
„Eile? Wo ich nun schon seit Monaten warte? Heute abend noch muß ich Deine Antwort haben, und zwar auS dem triftigen Grunde, weil de Barloux morgen nach Pari- zurückkehrt und ich die Angelegenheit mit ihm regeln muß."
„Und wenn ich Dir nun meine Zusage nicht geben will?"
Sein Gesicht wurde blaurot vor ißut.
„Dann, daS schwöre ich Dir, verrate ich Dich der stolzen Tochter diese- Hause-. Ganz Deutschland soll wissen, wer die Gräfin von Tannhagen ist."
Tea hatte inzwischen ihre volle Selbstbeherrschung wiedergewonnen. Sie stand auf und trat vom Balkon inS Zimmer.
„Bitte, lassen Sie mich da- Zimmer verlassen", sagte sie mit vornehmer Ruhe; „ich trage kein Verlangen, Ihre Unterhaltung mit anzuhören."
„Ich bin froh, Sie hier zu haben", entgegnete der Franzose, ohne Tea den Weg freizugeben. „Sie find stolz — aber voll Ehr- und Gerechtigkeitsgefühl."
Die Gräfin lachte spöttisch aus.
„DaS verspricht ja sehr interessant zu werden", bemerkte sie höhnisch.
„Ich wende mich an Sie mit der Bitte, mir Gerechtigkeit widerfahren zu lasten", fuhr Nogent zu Tea gewendet mit vor Erregung zitternden Lippen fort. „Diese Dame gelobte mir, als wir uns in Paris trafen, feierlichst, mich zu heiraten, und nun weigert sie sich ihrem Versprechen nachzu- kommen."
„Und zwar mit aller Entschiedenheit", warf Valerie lächelnd ein.
„Sagen Sie, Komteß, ist daS ehrlich gegen mich gehandelt? Ist daS gerecht? Ist daS ehrenhaft? sie hat eS mir heilig versprochen — alle Vorbereitungen waren getroffen. Ich sollte unter irgend einem Vorwande hierherkommen, daß eS aus- sehe, alS hätte ich mich hier in sie verliebt, und dann wollten wir heiraten. Ist eS in der Ordnung, daß sie mich jetzt zurückweist?"
„Ich bitte, mich in derartiger Angelegenheit aus dem Spiele zu lasten. Dazu kann ich garnichtS sagen", entgegnete Tea.
„Sehr weise geantwortet", höhnte die Gräfin.
„Sie war bereeit- als Siebzehnjährige mit mir verlobt", fuhr Nogent unbeirrt fort; „als fie mit mir brach, um Ihren Vater zu heiraten, versprach fie mir fest, wenn sie verwitwete, mich zu heiraten. — Als wir uns jetzt in Paris wiedersahen, erneute fie ihr Versprechen — und nun weigerte sie sich. Ist daS recht?"
„Ich habe an der Sache weder Interesse, noch ein Urteil", sagte Tea, sich voll Abscheu abwendend.
„Spare Dir Deine UeberredungSkunst, Henri", lachte j Valerie, „eS nutzt Dir ja doch nicht-. Ueberlege Dir nur, | mein Lieber, ich war ja noch ein halbes Kind, wie ich mich in Dein hübsches Gesicht verliebte — und hübsch warst Du damals wirklich.
Er murmelte etwa- zwischen den festgeschlossenen Lippen, und die Gräfin, sich läffig fächelnd, fuhr fort:
„Ich leugne ja garnicht, daß ich versprach, Dich heiraten zu wollen — dann kam mir aber der Gras Artur in den ; Weg. Welche- Mädchen mit seinen gesunden fünf Sinnen hätte gezögert in der Wahl zwischen einem hübschen, völlig ; mittellosen französischen Leutnant, und einem hochadelige» - deutschen Großgrundbesitzer? Hast Du nicht selbst gesagt, daß t eS sehr vernünftig von mir fei, ihn zu heiraten? Und — I offen gestanden — nachdem ich Dich, feit Du hier bist, näher kennen gelernt, habe ich vollends keine Lust mehr, die Deine zu werden."
„Du vergißt, daß Du in meiner Gewalt bist", zischte er.
Sie zuckte spöttisch mit den Achseln.
„Ich meine e- ja ganz gut mit Dir! Ich will Du | eine sehr ansehnliches Geschenk machen und Du kehrst nach dem schönen Pari- zurück; nur verlange nicht, daß ich Dich begleite."
„So sage mit wenigsten-, weshalb nicht?"
„Weil Du Dich zu einem professionellen Spieler auS- i gebildet hast. Du kannst Dich jetzt so wenig mehr vom J Spieltisch fern halten, wie Du der Lust bedarfst zum Leben. De-halb, Henri de Nogent, lehne ich eine Verbindung mit dir ab."
„Wenn ich Dir aber mein Wort gebe", hub der Fra^ zose an.
Aber die Gräfin fiel ihm lebhaft in- Wort, .
„Spare Dir ein falsche- Versprechen. Du würdest alSbaw mein ganze- Vermögen verspielen und dann wärest Du ve erste, der mich mißhandelte. Ich danke für die Ehre, durcy Dich um all mein Hab und Gut zu kommen."
(Fottsetzung folgt.)