die Konferenzen, die bereit- gestern zwischen dem Botschafter Cambon und dem Minister deS Aeußeren de Selve- begonnen hatten, so weit fortgeschritten, daß man ihrem baldigen Abschluß entgegensieht.
PariS, 22. August. Die ministeriellen Vorbesprechungen mit dem Botschafter Cambon find soweit gediehen, daß binnen 48 Stunden die von dem Ministerrat unter FallidreS Vorsitz zu genehmigenden neuen Instruktionen der Botschafter- Cambon abgesaßt sein werden. Im Ministerium hält man sehr daraus, daß sich die neuen Berliner Verhandlungen nicht allzu weit in den September auSdehnen. Aus wesentliche Neuordnungen Deutschland- einzugehen ist man nicht gewillt, weil man, wie die Libntv bemerkt, hier daS Bewußtsein hat, in dem von Cambon nach Berlin zu bringenden ausführlichen Vertragsentwurf allen gerechten deutschen Wünschen zuvorzukommen.
London, 22. August. Der Morning Post wird auS Tanger gedrahtet, daß zwar daS Gerücht von der Ermordung zweier Deutschen sich nicht bestätige, daß aber die Lage trotzdem noch schwieriger sei, als man anfangs glaubte. ES sei mehreren Hundert Mann des Haura-Etamme- gelungen, mit Hilfe von Verrätern und nach hartem Kampfe in die Stadt einzudringen und verschiedene dominierende Stellungen einzu» nehmen. In dem ersten Gefecht allein seien 46 Mann gesallen. Der Gouverneur habe sich mit den unter feinem Schutz stehenden Europäern in die Zidadelle geflüchtet. Man sei in Tanger überzeugt, daß der Vorfall Deutschland Gelegenheit zum militärischen Eingreifen geben werde.
gilt M des Generals des Sanakerie m Kinem.
Der kommandierende General der 7. Armeekorps, General der Kavallerie von Einem, hat bei dem Festessen det Abgeordnetentage- des Deutschen Kriegerbundes und deS Preußischen LandeS-KriegerverbandeS in Detmold eine bemerkenswerte Rede aus die Kriegervereine gehalten. Die Rede lautete:
Der Herr Vorredner hat als Stellvertreter Seiner Exzellenz des Generalobersten und Generaladjutanten Herrn von Linde- quist der Armee und Marine namens deS deutschen Krieger- vereinSwesen- freundliche Worte gewidmet. Als rangältester aktiver Offizier an dieser Festtafel ergreise ich daS Wort, um hierfür zu danken und auSzusprechen, daß wir glücklich find, unter den Männern zu weilen, die nach Beendigung bei aktiven Dienstes sich bereit gefunden haben, für das Krieger- vereinSwesen zu wirken. Aus kleinen Anfängen ist bis aus den heutigen Tag Große- geleistet. Mit regem Eifer, großem Geschick und nie rastender Fürsorge ist dar KriegervereinSwesen auSgebaut, und ich gebe mich der Hoffnung hin, daß den führenden Persönlichkeiten eS gelingen wird, immer weitere Kreise des Volker zu werben und namentlich die Jugend und die vom Dienst entlassenen jungen Leute als Mitglieder heranzuziehen.
Der Herr Stellvertreter hat auch meiner Person in bezug aus meine frühere Stellung gedacht. WaS ich als Kriegsminister für daS ShiegerVereinitoefen habe tun können, war meine Pflicht, und ich habe diese Pflicht gern geübt. Die Armee ist außer Stande, in der kurzen zweijährigen Dienstzeit, in der so unendlich viel gelehrt werden muß, die Erziehung bei Soldaten so zu vollenden, daß er auch alle die geistigen und moralischen Eigenschaften besitzt, die der Ernstfall von ihm verlangt. Die Heeresverwaltung rechnet daher aus die Mitwirkung der Kriegervereine, und sie wie die Marine begrüßen ei dankbar, daß daS deutsche KriegnvereinSwesen in verständnisvoller Weise auf die Einziehung seiner künftigen wie jetzigen Mitglieder zu treuen Soldaten hinarbeitet. Die Heeresverwaltung ist dankbar dafür, daß die Kriegervereine sich der Erziehung der Heranwachfenden und Heerespflichtigen Jugend auf da- Ernsteste widmen und daß sie die aus Armee und Marine entlassenen Reservisten in den soldatischen Tugenden zu befestigen und zu erhalten streben.
Wir stehen hier aus historischem Boden. Bor 1900 Jahren ist hier zum erstenmale der furor teutonicus auf den Bedrücker deutschen VolkStumS vernichtend herniedergefahren. Seit dieser Zeit haben unsere Feinde diesen furor oft erfahren. Vor 100 Jahren hat er unter Preußen- Führung den vaterländischen Boden von dem welschen Eroberer befreien helfen, und vor 40 Jahren haben viele von den hier anwesenden diesen furor selbst erlebt und find von ihm ergriffen und begeistert worden zu Kampf und Sieg.
Damit wir auch künftig siegen, muß der feste eiserne Wille zum Sieg« vorhanden sein. Dieser feste Wille ist bei un- vorhanden. Wir selbst wissen er, und ei wird gut sein, daß
Sie wandte sich, wie wenn sie damit da- Gespräch beendet wähnte. Tr aber hielt sich an ihrer Seite.
»Sie wohnen hier in L . . . ?"
„Ich logiere mit Freunden im Europäischen Hof."
„Und ich im Deutschen Kaiser. Gestatten Sie, daß ich mich Ihnen vorfielle, — hoffe ich doch zuversichtlich, daß wir uni bald Wiedersehen, und zwar unter glücklicheren Berhält- niffen. Mein Name ist von Oetting, Sohn der verstorbenen Minister- von Oetting. Ich reife hier die Elbe entlang, um zu skizzieren. Schade, daß ich mein Skizzenbuch nicht bei mir habe, um Ihnen verschiedene Ansichten aus dieser Gegend zu zeigen, — die würden Sie sicher interessieren."
Er hoffte, sie würde feine Offenheit erwidern, Tea hatte sich aber inzwischen gefaßt und entgegnete mit vornehmer Ruhe:
„Ich bin ihnen dankbar, Hen von Oetting, daß Sie so freundlich zu mir waren. Wollen Sie mir nun noch einen Gefallen tun?"
Freudig leuchtete ei in seinem feingeschnittenen Gesicht auf. »Eine Ehre, die mich hoch beglückt", entgegnete er.
„Da bitte ich Sie dringend, diese kleine Szene zu ver- gefien. Ich schäme mich, so kindisch gewesen zu sein. Ich war aber so unsagbar unglücklich, suchte darum die Einsamkeit, um mich hier richtig au-weinen zu können. — Nicht war, Sie vergessen dies, sagen niemand, daß Sie mich gesehen haben, und sehen mich all Fremde an, wenn der Zusall uni wieder zufammensühren sollte."
„Wenn Sie e- wünschen", antwortete er traurig. „Ich wäre so glücklich gewesen, Ihnen irgendwie helsen zu können, so glücklich, Sie wiederzusehen."
„Nun, vielleicht kreuzen sich unsere Wege doch noch einmal", sagte Tea; „aber nicht wahr, dann vergeffen Sie, daß wir uni schon einmal begegnet sind."
„Kann ich Ihnen denn garnicht- nützen, garnicht- helsen?" „Nein, — nur diese Stunde vergessen. Ich schäme mich zu sehr, so kindisch gewesen zu sein. Nochmals Dank, und leben Sie wohl!"
Bevor iym Zeit zu einer Antwort blieb, war sie ihm
er auch die andern wissen. Dieser feste Wille aber setzt, um zum Erfolge zu führen, die Eigenschaft eiserner Treue bei den Soldaten voraus. Diese Treue den jungen wie ehemaligen Soldaten einzupflanzen, sind die Kriegervereine eifrig an der Arbeit. Armee und Marine wünschen dieser emsigen Arbeit vollen Erfolg. Um diesen Wunsch zur Ausführung zu bringen, bitte ich die hier anwesenden aktiven Offiziere daS Glas zu erheben und mit mir einzustimmen in den Rus: DaS deutsche KriegervereinSwesen! Hurra, Hurra, Hurra!
Unwetterverheerungen.
Pari-, 22. August. Da gestern zum ersten Male in diesem Monat etwa- Regen in Pari- gefallen ist, wird konstatiert, daß der diesjährige August an Trockenheit alle anderen Augustmonate schlägt, selbst wenn eS den Rest der Monats noch reichlich regnen sollte, wa- aber sehr unwahrscheinlich ist. Die durchschnittliche Zahl der Regentage im August beträgt zwölf. Im August deS letzten Jahres waren eS jedoch zwanzig, so daß der diesjährige nur auSgleicht, was fein Vorgänger an Uebertreibung geleistet hat. In der Provinz haben heftige Unwetter gestern vielfach schwere Verwüstungen angerichtet, namentlich in Mittelsrankreich. In der Gegend von PrivaS wurde die ganze Ernte durch Hagelschlag vernichtet. In Chaisedieu erschlug der Blitz den Grundbesitzer Bonnebouche und verbrannte seine Tochter so schwer, daß sie kurz daraus starb.
Meran, 22. August. Die Straße zwischen Gomagoi und Prad, also die Suldenerer und Trasoyer Zufahrt, ist infolge eine- sechsstündigen Nachtgewitters zerstört. Der Verkehr ist gänzlich eingestellt. Große Gefahr^ ist für eine weitere Zerstörung durch den Drafoyer Bach vorhanden. Heute srüh schlug der Blitz nächst dem Gemeindehaus in Algund in daS Transformatorenhäuschen und den Mast der „Etschwerke". Der LeitungSdraht schmolz und herabsallende Drähte töteten die gerade vorübergehende Frau bei Schuhmacher- Schaermer.
Innsbruck, 22. August. AuS dem Oetztal treffen Nachrichten von katastrophalem Hochwaffer ein. In der Nacht aus heute ist ein starker Wolkenbruch niedergegangen und die Oetztaler Ache ist auS ihrem Bett getreten. Die Ortschaften Lengenseld und Astlehn liegen unter Wasser. Die Bewohner mußten die Häuser räumen. DaS Wasser hat daS Badehotel in Lengenseld bereit- erreicht und steigt fortwährend. In Umhaufen ist die Straße zerstört und die Postverbindung unterbrochen. Die Ache reißt überall Brücken und Stege fort. Die Gefahr ist sehr groß. In FranzenSfeste ging in der Nacht ebensallr ein starker Wolkenbruch nieder. Auf der Strecke von Mittenwald nach Franzensseste sind sämtliche Brücken fortgerissen, so daß die Straße für den Bahnverkehr gesperrt ist.
Hw$ > und Heiland.
AuS WilhelmShöhe wird gemeldet: Die k a i s e r l i ch e Familie unternahm gestern früh den üblichen Morgenritt nach dem Essigberg. Unterwegs überreichte ein kleine- Mädchen der Kaiserin und der Prinzessin TeerosenbukettS, welche mit sreundlichem Dank entgegengenommen wurden. Die Rückkehr in- Schloß erfolgte in Automobilen. Um 10 Uhr hielt der Chef deS MilitärkabinettS Frhr. v. Lyncker dem Kaiser Vortrag. An der Frühstück-tafel, zu der Frl. v. Heeringen auS Caffel geladen war, nahm auch da- Gefolge teil. Im Laufe deS Vormittag- traf auch der Generalmajor a la fuite bei Kaisers v. Lauenstein in Wilhelm-höhe ein, der Sr. Majestät ebenfalls Vortrag hielt. Abends s/*8 Uhr begab sich der Hof in sechs Automobilen von WilhelmShöhe in das Hoftheater, wo auf Allerhöchsten Befehl „DaS Stiftungsfest" gegeben wurde. Der Kaiser war begleitet von der Prinzeffin Viktoria Luise, die eine hellblaue Robe trug, und dem Prinzen Adalbert in Marineuniform, sowie einem zahlreichen Gefolge. Ungeheure Menschenmengen hatten sich auch gestern abend wieder in den Zufahrtsstraßen angesammelt und jubelten dem Kaiser zu. Der Schwank, der bekanntlich schon im vorigen Jahre auf Wunsch deS Kaiser- einstudiert wurde, fand auch diesmal die lebhafte Zustimmung Sr. Majestät, der sich aufs beste unterhielt und wiederholt da- Zeichen zum Beifall gab. DaS HauS war auSverkauft. Nach Schluß deS Theaters begab fich der Kaiser sofort nach Wilhelm-höhe zurück. — Die Kaiserin war dem Theater fern geblieben; sie unternahm gegen Abend noch eine Ausfahrt bis zum Jägerhause.
Die „N. A. Ztg." schreibt: In der TageSpreffe ist in
aus den Augen und er stand allein unter dem blauen, wolkenlosen Himmel.
Auf nähere Erkundigung bracht« Kurt von Oetting in Erfahrung, daß Frau von Echmettau mit ihren Töchtern und ihrer Freundin, der Komteß von Tannhagen, im Europäischen Hof logierten.
8.
AlS die Tage kühler, die Abende länger wurden, kehrte Tea nach Hause zurück. An einem grauen, trüben Herbstabend, wo der Rasen hoch mit welkem Laub bedeckt war und der Wind traurig klagend durch die kahler werdenden Baum- fronen trieb, traf sie auf Jmmenbrook ein.
ES durchschauerte sie, alS fie die Dächer und Türme des Schlosses wiedersah, auf daS sie all ihre ZukunftSplän« gebaut hatte; eS durchschauerte sie, alS sie die Schwelle überschritt. Ein Gesühl der Angst des Schreckens ergriff sie, das sie sich nicht zu erklären wußte — so fröstelnd, so unheimlich war ihr zumute, alS betrete sie ein TotenhauS. — Auch ihr Vater fürchtete ihr erstes BegegniS; nervös und und unruhig bat er Valerie, zur Begrüßung bei ihm zu bleiben.
Mit ihrer gewohnten Rücksichtslosigkeit meinte diese lachend:
„Fürchtest Dich wohl unsere- Egon- halber vor ihr?" Jedenfalls war seine Furcht unnötig.
Zu stolz, um zu zeigen, wie sie empfand, kam Tea freundlich und ruhig auf ihren Vater zu, küßte ihn und begrüßte ihn mit der alten Herzlichkeit. Wie sie sich darauf mit ein paar alltäglichen Worten zu Valerie wandte, sah sie wohl daS triumphinende Aufleuchten in deren Augen.
„Du scheinst keine allzu große Eile zu haben, Deinen Bruder zu sehen", bemerkte Valerie im Laufe der nächsten halben Stunde.
„O doch, ich mag ja Kinder sehr gerne."
„Er ist ein prächtiger Kerl", meinte Valerie. „Seine Ankunft hat Jmmenbrook ein ganz neue- Ansehen gegeben.
Willst Du mit in da- Kinderzimmer kommm und ihn Dir mal ansehen?" , . g
letzter Z«it verschiedentlich die Nachricht verbreitet worden, ei sei beschlossen, in der Herbsttagung deS Reichstages von einer Weiterberatung der Strafprozeßordnung ab. zusehen. Diese Meldung entbehrt jeder Unterlage. Von den maßgebenden Faktoren ist im Frühjahr d. I. die Beratung der Strafprozeßordnung für die Herbstsession deS Reichstags in AuSsicht genommen, und hieran hat sich inzwischen nicht- geändert. Die verbündeten Regierungen geben sich der Hoff, nung hin, daß die Strafprozeßresorm noch von dem gegenwärtigen Reichstag zum Abschluß gebracht wirb.
Die Herbstbestellung der Felder, die besonder- noch eine späte Futterernte bringen sollte, wird kaum die aus sie gefetzten Hoffnungen erfüllen, wenn die Trockenheit weiter anhält. Die bOprozentige Ermäßigung der Frachtsätze für Futter- und Streumittel wird auf allen deutschen Bahnlinien gewährt werden, wa- eine Erleichterung für den Landwirt bedeutet. Dagegen soll, wie die „Deutsche TageSztg." an zuständiger Stelle erfahren haben will, eine zeitweilige Herabsetzung der LebenSmittelzölle ausgeschlossen sein. Recht be- bäuerlich ist, daß in manchen landwirtschaftlichen Bezirken trotz der Aufforderungen der Landwirtschaft-kammern, ruhig Blut zu bewahren und die Viehbestände zu schonen, eine Verschleuderung bei Vieh- Platz gegriffen hat. Da- ist umso bedauerlicher, alS sich danach da- Anziehen der Fleischpreise im Winter umso empfindlicher sühlbar machen wird. Zu den Notstandsmaßnahmen für die Landwirtschaft schreibt die „Deutsche TageSztg.", nachdem sie die bekannten Frachtermäßigungen begrüßt hat: „Man hüte sich vor allen vorzeitigen Maßnahmen und vor Uebereilungen und Uebertreibungen. Wenn die Landwirte dar Ihre tun, wenn der Staat seine Pflicht erfüllt, wenn er alle unzweckmäßigen Maßnahmen vermeidet und alle möglichen verständigen Linderung-maßregeln trifft, dann wird mit Gotte- Hilfe die Landwirtschaft auch diese- Notjahr zwar schwer, aber schließlich doch überstehen. Sie muß aber so gefördert, so gestützt und so geschützt werden, daß sie solche Zeiten auch künftig überwinden kann. Jede Maßregel, die diese- letzte und bedeutsame Ziel auS dem Auge läßt, ist eine Versündigung nicht nur an der Landwirtschaft, sondern am ganzen Volke, dessen Blüte und Gedeihen aus der Blüte der Landwirtschaft ruht."
Gestern vormittag begann in der städtischen Tonhalle in Düsseldorf die erste Hauptversammlung bei 12. Hand- werkS- und GewerbekammertageS unter Vorsitz bei Obermeister- Plate. Zum nächsten Tagung-ort wurde Würzburg bestimmt. Der Vorsitzende eröffnete die Versammlung mit einem Hoch auf den Kaiser. Vortragender Rat im Reich-amt bei Innern Jaup und Geheimer Oberregierungsrat Dr. Franke vom Handelsministerium gaben dem Interesse der Staat-regierung an der Tagung Ausdruck. Nach den Begrüßungsansprachen gab Geschäftsführer Dr. Meusch- Berlin einen Rückblick über die Tätigkeit bei KammertageS im letzten Jahre. Der Sitzung wohnten u. a. auch bei die Vertreter deS bayerischen, sächsischen und heffischen Ministeriums und deS preußischen LandgewerbeamtS. Den ersten Vortrag hielt der Syndikus der Düffeldorser Handwerkskammer Dr. Wilden über kommunale HandwerkSsörderung, der die Errichtung von Handwerker- und GewerbeauSschüssen seitens der Gemeinden, Hebung der Handwerkerbildung, Erlaß einer VerdingungSordnung, Unterlassung der Regiebetriebe seitens der Kommunen, sowie Verbesserung bei Gewerbesteuersystems sorderte. Den letzten Vortrag hielt der Syndikus der Handwerkskammer BreSlau Dr. Paeschke über die Versicherung der Privatangestellten, dessen Ausführungen folgend sich die Versammlung dahin auSsprach, dem Gesetzentwurf nicht zustimmen zu können.
Ueber neue Streikunruhen in England wird gemeldet: Obwohl die Regierung ebenso wie die Bertteter der Arbeiter gestern behaupteten, daß die Ordnung aller schwebenden Streitigkeiten nur noch eine Frage weniger Stunden sei, haben sich wieder neue Schwierigkeiten in verschiedenen Punkten ergeben. Vor allem ist die Lage in Liverpool noch immer sehr ernst. Nachdem die Abendblätter die Nachricht verbreitet hatten, der Hafenstreik sei aufgehoben worden, stellt sich jetzt heraus, daß im Gegenteil, die Streikleitung erst gestern abend nochmals dringend davor gewarnt hat, die Arbeit wieder aufzunehmen. Die Hafenarbeiter sind sehr erbittert über die Eisenbahner, die sich verpflichtet hatten, so lange zu streiken, bis den ersteren ihre Forderungen gewährt sein würden. Die Eisenbahner haben jedoch eine seltsame Entschuldigung für den plötzlichen Friedensschluß von Sonnabend Mitternacht. Sie behaupten, daß sie in jener Nacht ein anscheinend von dem Liverpooler Streikkomitee unterzeichnete- Telegramm erhalten hatten, in dem angekündigt wurde, daß die Hafen- und Transportarbeiter sich mit den Arbeitgebern
„Je schneller e- vorüber, um so besser", dachte Tea und folgte der jungen Mutter in die Räume, die für den kleinen Erben hergerichtet waren. Sie war betroffen von dem LuxuS, der Eleganz, mit welch« dieselben ausgestattet waren. Kein Geld war gespart worden, alle- war aus- schönste, aus- vornehmste eingerichtet. Die Wärtnin schlug die Bettgardine zurück.
„Schade, daß er schläft", sprach Valerie; „« hat so wunderschöne Augen. Sieh, Tea er hat genau seine- Vater- Mund, aber meine Augen und Haar."
Tea mußte ihr recht geben: er hotte den feingeformten, hübschen Mund ihre- VaterS.
„Ein echter Tannhagen, daS läßt sich nicht leugnen", bemerkte Valerie triumphierend. „Er ist wirklich ein Prachtjunge!"
Tea drückte einen Kuß auf daS rosige Gesichtchen. WaS konnte da- Kind dafür, daß sie entthront worden? Diesem darum zu grollen, war sie eine zu edle Natur. „Ich könnte ihn sogar lieb haben", dachte sie, „wenn er eine andere Mutter hätte."
Diese betrachtete lachend den Knaben.
„Komisch", sagte sie, „wenn man bedenkt, wie dieS kleine, dumme Babychen hier meinem Leben sowohl wie auch dem Deinen eine solche Wandlung gebracht hat."
„Kleine Ursachen, große Wirkungen", gab Tea lächelnd zurück, und Valerie ärgerte "sich, daß dn beabsichtigte Hieb nicht getroffen zu haben schien.
„Und wenn er sich erst stolz „Besitzer von Jmmenbrook" nennen kann!" setzte sie hämisch hinzu.
„Um meine- Vater- willen hoffe ich, daß dieser Tag noch in weiter, weiter Ferne liegen möge!"
_______________________(Fortsetzung folgt.)_______________ _
— Graz, 21. August. In dem Flecken Nassenfuß brach gestern früh ein gewaltige- Feuer aus, dem in kurzer Zeit 43 Wohnhäuser und 110 Wirtschaftsgebäude zum Opfer fielen. Der Schaden wird aus zwei Millionen Kronen geschätzt. Die Feuerwehren der benachbarten GebirgSdörser konnten bei dem großen Wassermangel wenig auSrichten.