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Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Sernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 98. Dienstag, den SS. August 1911.

Amtlicher teil.

Tarif für die Untersuchung von Beobachtung-Vieh.

Die tierärztliche Untersuchung von Viehbeständen der an­läßlich der Maul- und Klauenseuche gebildeten Beobachtungs­bezirke, auS denen Vieh mit polizeilicher Erlaubnis auSgeführt werden soll, erfolgt gegen Gebühren, deren Höhe gütlicher Vereinbarung zwischen den Beteiligten unterliegt. In Er­mangelung einer solchen werden die Gebühren durch den unterzeichneten RegierungS-Präsidenten festgesetzt und hierbei folgende Sätze zugrunde gelegt:

I. Für am Wohnorte deS Tierarztes oder in einer Ent­fernung von weniger als 2 km vom Wohnorte stattfindenden Untersuchungen einschließlich der Ausstellung der GesundsheitS- bescheinigungen:

bei einem Bestände von 125 Stück Klauenvieh 2 Mk., r 25 50 3 H w n 51 75 »

h * w 76100 5

mehr alS......100 6

II. Für die Untersuchungen in einer Entfernung von mehr alS 2 km vom Wohnorte deS Tierarztes einschließlich der Ausstellung der Gesundheitsbescheinigungen sind den zu I. angeführten Gebühren die gesetzlich den KreiStierärzten zustehenden Fahrkosten zu entrichten.

III. Erreichen im Falle der Ziffer II, die für einen UntersuchStag insgesamt zu bezahlenden Gebühren nicht die deS gesetzlichen TagegeldersatzeS, so sind die Untersuchenden berechtigt, an Stelle der Gebühren die Entrichtung deS Tage­geldes zu verlangen.

IV. Werden auf einer Reise mehrere Viehbestände unter­sucht, so sind die Reisekosten auf die einzelnen Zahlungspflich­tigen nach Maßgabe der Zahl der untersuchten Tiere zu verteilen.

V. Der Höchstbetrag der von einem Tierarzte für die Untersuchungen erhobenen Gebühren darf den Satz von 40 Mk. für den ganzen «nd von 25 Mk. für den halben Tag nicht überschreiten. GegebenensallS sind die Gebühren in gleicher Weise wie die Reisekosten auf die einzelnen Vieh­besitzer zu verteilen. AlS halber Tag ist die Dauer bis zu 6 Stunden einschließlich der ausgewandten Fahrzeit zu rechnen. (A. III. 3567.)

Cassel, am 31. Juli 1911.

Der RegierungS-Präsident. I. V.: v. W u s s o w. * *

Her-feld, den 14. August 1911.

Wird veröffentlicht.

I. 10003. Der Landrat

von GruneliuS.

HerSfeld, den 18. August 1911.

Am 15. d. MtS. ist die 2. Kreissteuerrate für 1911

falsches glück.

Novelle von Th. Werner.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Willkommen daheim, Papa!"

Sie reichte ihm die Hand, ohne, wie sonst ihren Arm um seinen HalS zu schlingen und ihn mit dem gewohnten Kusse zu begrüßen.Ich danke Dir. Und hier sollst Du noch jemand willkommen heißen."

Und wenn eS ihr Leben gekostet hätte, sie konnte nicht lächeln, konnte kein freundliches Wort über die Lippen bringen. Sie begrüßte Valerie nur mit einer steifen, formellen Verbeugung.

Darauf ein kurzes, peinliche- Schweigen.

Wieder verfinsterten sich des Grafen Züge, wieder war eS die einschmeichelnde Stimme der jungen Frau, die den in ihm aufsteigenden Groll ebenso schnell wieder bannte. Sie streckte Tea herzlich die Hand hin.

Die größte Freude bei meiner Ankunft hier empfand ich in der Hoffnung aus Ihre Liebe."

Sehr gut von Ihnen", versetzte Tea kalt.

Gut? Bin ich dar? Ich weiß e- nicht! Wenn der Wunsch nach Liebe gut macht ja, dann bin ich gut."

Ein fast spöttische- Lächeln glitt über TeaS stolzer Gesicht, als sie sah, wie ihres Vaters Blick mit wahrem Entzücken an feiner jungen Frau hing.

Glaube mir, Tea", wandte er sich ihr zu,Du wirst Sie auch bald lieb gewinnen wie jeder, der in nähere Be­rührung mit ihr kommt."

Diese Worte der Grafen erwiesen sich in der nächsten Zeit wenig prophetisch. Brächte doch jeder Tag für Tea neue Enttäuschungen, neue Aergernisse. Gleich am anderen Morgen, , 8rau Spenzer kam, ihre täglichen Befehle entgegenzunehmen, »rat Valerie hinzu.

fällig geworden. Mit Einzahlung der fälligen Beträge ist noch eine Anzahl Gemeinden und GutSbezirke im Rückstände.

Ich ersuche die betreffenden Herren Bürgermeister und GutSvorsteher, gefälligst dafür Sorge zu tragen, daß die fälligen Beträge bis spätestens zum 25. d. MtS. bei der KreiSkommunalkasse hier eingezahlt werden.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: von GruneliuS.

HerSfeld, den 17. August 1911.

Die Rotlaufseuche unter den Schweinen deS Landwirt- Jakob Hahn in Hilperhausen ist erloschen.

I. 10234. Der Landrat

von GruneliuS.

HerSfeld, den 17. August 1911.

Unter dem Rindviehbestande deS Landwirts Johannes Rüger II in ASbach ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden.

I. 10201. Der Landrat

von GruneliuS.

Herrfeld,,den 16. August 1911.

Der Viehmarkt in Fulda am 31. d. MtS. ist auS veterinär- polizeilichen Gründen untersagt worden.

I. 10269. Der Landrat

von GruneliuS.

HerSfeld, den 19. August 1911.

In Burghaun, Kreis Hünfeld, ist die Maul- und Klauen­seuche auSgebrochen.

I. 10410. Der Landrat

von GruneliuS.

nichtamtlicher teil.

Bit Am mit Die LMirWft.

Die ungewöhnlich lange und intensive Trockenperiode des gegenwärtigen Sommers hat für die Landwirtschaft in vielen, wenn nicht in den meisten Gegenden Deutschlands eine nicht unbedenkliche Lage geschaffen. Wohl ist ungeachtet der großen Hitze in den beiden Hauptkörnerfrüchten, in Roggen und Weizen, eine im allgemeinen recht befriedigende Ernte erzielt worden, aber dafür haben die wochenlange geradezu tropische Hitze und die hiermit verbundene Dürre die Aussichten auf eine günstige Ernte auch in den Futtermitteln und Kartoffeln auf ein Minimum reduziert, ja, vielfach geradezu vernichtet. Jedes Wachstum der Futterpflanzen hat auf­gehört, der zweite Kleeschnitt ist teils nur spärlich, teils über­haupt nicht zur Entwickelung gelangt, viele Wiesen sind von der Sonnenglut, die tagtäglich herabströmte, geradezu ver­brannt. Ebenso traurig steht eS meistens mit den Hackfrüchten,

Sehr freundlich, liebe Tea, mir diese Mühe abnehmen zu wollen", hob sie mit freundlich lächelnder Miene und der süßen Stimme an, die Tea schon anfing verhaßt zu werden; aber ich kenne meine Pflichten als Hausfrau. Melden Sie sich von nun an jeden Morgen bei mir, Frau Spenzer. Ich muß von vornherein selbständig handeln", wandte sie sich zu Tea, sobald die Haushälterin das Zimmer wieder verlassen hotte.Verlasse ich mich jetzt auf Sie, so muß ich, wenn Sie heiraten und daS Schloß verlassen, von vorn zu lernen anfangen."

Ich werde Jmmenbrook nie verlassen, stets wird daS Schloß mein Heim bleiben I" stieß Tea mit nervöser Hast hervor.

Valerie lachte diesmal etwas spöttisch.

Da wollen Sie, wenn Sie heiraten, Ihren Gatten hierin bringen?"

Der bloße Gedanke, Jmmenbrook, ihr geliebter Jmmen­brook, wo sie geboren war, wo sie ihr ganzes bisherige- Leben verbracht hatte, je verlassen zu sollen, trieb Tea die ZorneSröte in die Stirn. Nein, nie, niemals würde sie die Liebe eines Mannes der Liebe zu ihrer Heimatstätte vorziehen.

ES bekümmerte sie auch tief, daß ihr Vater, sonst so ruhig, so gemessen in seinen Anschauungen, selbst in seinen Aeußerungen, sich jetzt mit warmem Eifer in die Gesellschaften und Lustbarkeiten stürzte, in denen seine Frau die Tonan­gebende, die Königin war. Bisher stets ernst, ging er jetzt auf alle ihre Launen und tollen Streiche ein, wie ein Jüngling beteiligte er sich an ihren EportS, an ihren Spielen und anderen derlei jugendliche Vergnügungen.

Mehr und mehr fühlte Tea sich unbehaglich, fühlte sie sich in Gesellschaft der zwei und zog sich immer mehr von ihnen zurück.

Allen Bemühungen Valeriens zum Trotz kamen die beiden Frauen einander in keiner Weise näher.

Er kam nie zu einem offenen Streit, nie zu einer tat­sächlichen Gehässigkeit dazu war Tea zu stolz, zu jelbst- bewußt, und Valerie zu oberflächlich. Für sie bestand die Quintessenz der Lebens nur in Vergnügungen aller Art. Sie tanzte, sie kokettierte gern, sie ließ gern den Hof machen und

namentlich mit den Kartoffeln, sie liefern infolge der an­haltenden Dürre in zahlreichen landwirtschaftlichen Betrieben einen ganz ungenügenden Ertrag. Die heimische Landwirt­schaft befindet sich demnach durch den immer stärker hervor­tretenden Mangel an Futtermitteln u. s. w. in einer sehr gefahrvollen Situation, die natürlich auch ihre empfindliche Rückwirkung auf die weitesten Kreise ausüben muß. Hängt doch außerordentlich viel von dem Gedeihen oder Nichtge- deihen der Landwirtschaft ab, ja eS gibt sogar eine ganze Reihe von Industrien, die nur von der Landwirtschaft leben und welche darniederliegen, sobald eS ihrer gemeinsamen Ernährerin nicht gut geht, wie z. B. der Zuckerrübenbau, die Flachsindustrie, in vieler Beziehung auch die chemische Industrie, die SpirituSindustrie u. f. w. Einer einsichtsvollen Regierung muß darum alles daran gelegen sein, in Hinblick auf die allgemeine Kalamität, welche sich auS der gegen­wärtigen teilweise schon eingetretenen Notlage der Landwirt­schaft zu entwickeln droht, soviel wie möglich die Ursachen dieser Notlage zu kämpsen und der Landwirtschaft, welche jetzt durch den Futtermangel und den schlechten Ausfall der Kartoffelernte in einer ihrer Grundlagen erschüttert wird, beizuspringen. Kommen doch bereits auS den verschiedensten Teilen deS Reiches Meldungen, daß die mittleren und kleineren Besitzer wegen der Deckung von Zinsen, Steuern und anderen Lasten in großer Bedrängnis find und daß, da nun auch noch die Futternot hinzutritt, trotz aller ein­dringenden Warnungen die Viehbestände mit großen Ver­lusten verkauft werden, waS zweifellos eine direkte Gefährdung der Existenz vieler mittlerer und kleiner Landwirte bedeutet. Die Erhaltung der deutschen Viehbestände ist jedensallt von größter Bedeutung. Warnungen allein genügen indeS hier nicht, vielmehr muß mit praktischen Hilfsmitteln vorgegangen werden. Vielleicht empfiehlt es sich, den landwirtschaftlichen Genossenschaften auS Staatsmitteln Gelder zu niedrigem Zinsfuß zur Verfügung zu stellen, um eventuell für Rechnung der Genossenschaften das vorhandene Vieh, daS seine Besitzer verkaufen wollen, oder verkaufen müssen, anzukaufen, weiterzu- füttern und zu erhalten. Auch eine Lombardierung könnte in Frage kommen. Das zur Zeit Dringendste ist aber wohl die Abwendung der Futternot, soweit dies unter den ob­waltenden Verhältnissen eben geschehen kann. Vielleicht eines der durchgreifendsten Hilfsmittel wäre da gewiß die Reduzierung oder selbst die vorübergehende gänzliche Auf­hebung der Eisenbahntarise für Futtermittel, und eS kann daher nur mit Genugtuung konstatiert werden, daß sowohl aus den preußischen, wie aus den bayerischen StaatSbahnen eine Ermäßigung der Tarife für Futtermittel um 50% von jetzt ab bis zum 30. Juni 1912 verfügt worden ist. Man darf wohl erwarten, daß diese Maßnahme, die hoffentlich auch aus den übrigen deutschen Bahnen bald Nachahmung finden wird, daS ihrige dazu beitragen wird, die drohende Futternot zu mildern, auch werden hoffentlich noch andere AbhilfSmittel gefunden werden.

konnte eine ganze Gesellschaft mit ihrer Komik und lustigen Schnurren unterhalten. Und der Graf in seiner blinden Liebe hieß alle- gut, was sie tat.

Eines Tages regte sich in Valerie aber doch ein Gefühl des Hasses gegen Tea.

Bei einem Spazierritt mit dem Grafen machte dieser sie auf ein kleiner Häuschen aufmerksam.

11Dein zukünftiger Witwensitz", bemerkte er lächelnd.

Mein Witwensitz?" wiederholte Valerie befremdet.Soll daS heißen, daß, wenn Du stirbst, ich da wohnen soll?"

Der Gras nickte.

Wenn daS Familienhaupt stirbt, zieht sich die Witwe hierher zurück."

Weshalb sollte ich nicht im Schlosse wohnen bleiben?"

Wenn ich sterbe, geht Schloß und Park in TeaS Besitz über. Mir gehört daS nur, so lange ich lebe. Ich könnte eS Dir gar nicht vermachen. Hätte ich einen Sohn, so würde der eS erben."

* *

*

Wenn ich sterbe, gehen Schloß und Park in TeaS Besitz über!" Tag und Nacht verfolgten Valerie diese Worte.

So lange sie in Tea nur die entthronte Herrin von Jmmenbrook gesehen, hatte die Klugheit ihr geboten, eS zu keiner offenen Feindseligkeit kommen zu lassen wie ander- stand es aber um sie, wenn Tea im Lause der Zeit wieder in den Besitz deS Schlosses kam und sie ihre Rivalin einfach fortschicken konnte.

Diese Kenntnis weckte ein Gefühl deS Hasses gegen Tea in ihrer Brust. Immer feindlicher gegen sie gesinnt, suchte sie auch den Grasen seiner Tochter mehr und mehr zu ent­fremden. Jede Gelegenheit hierzu nahm sie wahr. Wie oft sagte sie:Wozu Tea darum befragen? Die ist viel zu ernst, zu geistreich, um sich für solche Nichtigkeiten zu interessieren." Dann schlang sie wohl beide Arme um ihren Gatten, schmiegte den goldblonden Kops an seine Brust und sagte mit ihrer, süßen, einschmeichelnden Stimme:Gefiele ich Dir besser, wenn ich mich bemühte, so ernst und gemessen zu fein, wie Deine schöne Tochter?"