Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich
1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, r»
Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer em- gespaltenen Zeile 10Pfg.,im amtlichen Teile 20pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.«*»««
heM-er Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-slnschlutz Nr. 8
Nr. 95.
Dienstag, den 15. August
1911
Amtlicher teil.
LandespoNzeiliche Anordnung, betreffend die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche im Kreise HerSfeld.
Meine landeSpolizeiliche Anordnung vom 8. April/2ö. April — A. III. 1636/1910 — betreffend die Bekämpfung der im Kreise HerSfeld ausgetretenen Maul- und Klauenseuche — Amtsblatt Nr. 15/17, G. 114/5/128/9 — wird hierdurch wie folgt, abgeändert:
1. AuS dem Sperrgebiet im § 1 scheidet die Gemeinde Niederjoffa auS.
2. AuS dem Beobachtung-gebiet im § 10 scheiden aus die Gemeinden Niederaula und Hattenbach. (A. III. 3867.) Der RegierungS-Präsident. Graf v. Bernstorf f.
HerSfeld, den 9. August 1911.
Der Herr Minister deS Innern und der Herr Finanz- minister haben genehmigt, daß die Ziehung der 4. Serie der Geldlotterie zu Zwecken der deutschen Schutzgebiete in der Zeit vom 22. bi- 24. Februar 1912 stattfindet und daß der Generalvertrieb der in Preußen zugelassenen 220 000 Lose dieser Serie auf Grund deS Vertrage- vom 24. August 1910 den drei Firmen Ludw. Müller u. Co. in Berlin, Lofe-Ber- triebS-Gesellschaft Königlich Preußischer Lotterieeinnehmer in Berlin und A. Molling in Hannover übertragen wird.
Mit dem Vertriebe der Lose dars nicht vor dem 12. Januar 1912 begonnen werden.
Die Ort-polizeibehörden haben dafür zu sorgen, daß dem Vertriebe der Lose, die von dem Poüzei-Präsidium in Berun abgestempelt sein müssen, keine Hindernisse bereitet werden.
I. 9827. Der Landrat
von GruneliuS.
HerSfeld, den 10. August 1911.
Im Deutschen Reiche sind z. Zt. folgende RegierungS- Bezirke und BundeSstaaten, welche nicht in RegierungS-Bezirke geteilt sind, mit Maul- und Klauenseuche verseucht: Königsberg, Gumbinnen, Allenstein, Danzig, Marienwerder, Berlin, Potsdam, Frankfurt, Stettin, Kö-lin, Stralfund, Posen, Bromberg, BreSlau, Liegnitz, Oppeln, Magdeburg, Merfeburg, Erfurt, Schleswig, Hannover, Hildesheim, Lüneburg, Stade, Osnabrück, Aurich, Münster, Minden, ArnSberg, Gaffel, Wiesbaden, Koblenz, Düsseldorf, Cöln, Trier, Aachen, Sigmaringen, Oberbayern, Niederbayern, Pfalz, Oberpfalz, Oberfranken, Mittelfranken, Untersranken, Schwaben, Bautzen, DreSden, Leipzig, Chemnitz, Zwickau, NekarkreiS, Schwarzwaldkreis, JagstkreiS, DonaukreiS, Konstanz, Freiburg, KarlSruhe, Mannheim, Starkenburg, Oberhessen, Rheinhessen, Mecklenburg- Schwerin, Sachsen-Weimar, Mecklenburg-Strelitz, Oldenburg, Lübeck, Birkenfeld, Braunschweig, Sachsen-Meiningen, Sachsen- Altenburg, Coburg, Gotha, Anhalt, Schwarzburg-SonderS-
Oktterwolktn.
Roman von M. v. Bu ch.
(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
Wieder betrachtete er sie; er sah, wie eingefallen da- Gesicht war, in welch unnatürlichem Glänze die Augen leuchteten, und sagte: „Ich werde Sie in meiner Sänste nach Hause tragen lassen; dicht vor dem Schlosse mögen Sie die Träger halten lassen und au-steigen. Widersprechen Sie mir nicht, ich sehe e» Ihnen an . . . Sie können nicht mehr..."
Und Beate konnte wirklich nicht mehr. Sie sah zum Erbarmen blaß und elend au-, al- sie jetzt da- Tuch um das Haupt schlang, während er sie in den warmen Mantel hüllte.
„Ich fürchte, der Weg oder aber die Aufregung," unterbrach er sich, „ist Ihnen doch ein wenig zuviel geworden. Hoffentlich haben Sie sich nicht überanstrengt?"
Sie schaute zu ihm auf.
„Und wenn?" erwiderte sie. „WaS schadet daS? Dann habe ich doch etwa- erreicht im Leben, etwa- Großes, einem Röntge das Leben gerettet! Und lassen Sie eS sich gesagt sein, für mich war es eine besondere Genugtuung, daß eS Ihr, Ihr angebeteter König war ..."
„Beate," rief er hingerissen, und plötzlich sank er vor ihr auf ein Knie und küßte den Saum ihre- Gewände-. „Beate," wiederholte er leiser, „Geliebte, ich danke dir. . ."
Geliebte!
Sie hörte die Worte und lächelte glückselig.
Und plötzlich ließ sie die Arme sinken, umfaßte mit beiden Händen fein Haupt und flüsterte: „Ehe wir scheiden, will ich drr ein Geheimnis verraten. Ich liebe dich, Bodo von Maltzahn, ich hab' dich so lieb, fo lieb . . ."
Da schlang er den Arm um sie.
»Mein süße- Lieb, ich werde dich mir erkämpfen. Habe Geduld und glaube an mich. Bald sehe ich dich wieder, laß dir Die Zeit nicht lang werden."
Hausen, Schwarzburg-Rudolstadt, Waldeck, Reuß älterer Linie, Reuß jüngerer Linie, Schaumburg-Lippe, Lippe, Lübeck, Bremen, Hamburg, Unter-Elsaß, Ober-Elsaß und Lothringen. I. 9571. Der Landrat
von GruneliuS.
nichtamtlicher teil.
Flugzeuge in den deutschen und franzöfischen Manövern.
Dem „A. P.-F" wird von sachverständiger Seite geschrieben: In diesem Jahre werden auch an den deutschen Manövern, neben den Luftschiffen, zum ersten Male Flugapparate zur Verwendung kommen. Ueber die Anzahl der beteiligten Apparate verlautet noch nicht- Genaue-, e- ist aber kaum anzunehmen, daß die Zahl 12 überstiegen werden wird, in diesem Falle müßten dann schon ziemlich alle aus dem Militärflugplatz in Döberitz vorhandenen Flugzeuge herangezogen werden. Die verwendeten Typen dürften fein: An Doppeldeckern die Albatros-, Aviatik- und Wright- Apparate, von Eindeckern nur die „Taube", von Etrich- Rumpler, aus der der Militärpilot, Leutnant v. Thüna, in der vorigen Woche den schönen Flug nach Gotha gemacht hat, und von der die Militärverwaltung mehrere Exemplare besitzt. ES ist übrigen- nicht ausgeschlossen, daß sich irgendwelche Überraschungen ereignen, denn man arbeitet in Döberitz in aller Stille und ohne Reklame, ander- wie aus den französischen Flugfeldern. ES wird in Döberitz täglich sehr fleißig geflogen, und wenn auch gi^cre ^vtduu^u^.. nur selten auSgeführt werden, so ist doch daS ausgedehnte, viele Quadratkilometer umfassende Gelände des Truppenübungsplätze- Döberitz selbst eine gute Schule für die Piloten, die auf ihm, unsern ihrer Schuppen und Reparaturwerkstätten, genug Flugmöglichkeiten in der Praxi- studieren können. Ueber eine eventuelle Heranziehung von Zivil-Piloten, ähnlich wie bei den letzten sranzösifchen Manövern, ist bisher nicht- bekannt geworden, deren Beteiligung dürste aber ausgeschlossen sein, obwohl häufig private Flieger in Döberitz fliegen und auch den Flugplatz als Ziel zu Ueberlandflügen benützen. Bei den diesjährigen Manövern handelt es sich um erste vraktische Versuche, darum werden sie natürlich in kleinerem Maßstabe vorgenommen.
Wie au- den Plänen deS Generals RoqueS, der an der Spitze deS französischen Armee-Flugwesen- steht, hervorgcht, ist Franreich gewillt, seine bisherige, allerdings mehr quantitative alS qualitative Ueberlegenheit unter allen Umständen zu wahren. General Roques geht damit, von der Industrie glänzend unterstützt, überaus energisch und planmäßig vor. Für den Herbst steht der militärische Wettbewerb für Konstrukteure bevor, für den in den Fabriken gewaltig gearbeitet wird. Nach dem, waS man über die Vorbereitungen in der
Sie aber schüttelte den Kops und sagte: „Meine Zeit ist um."
Dann stieg sie in die Sänfte. Wenige Schritte vor ihrem Hause mußten die Träger halten, und sie huschte durch ein Hinterpförtchen in den Flur. Er gelang ihr, ungestört ihr Zimmer zu erreichen, wo sie sich entkleidete und sofort zu Bett begab.
Einige Minuten später trat die Gräfin bei ihr ein.
„Wo warst du nur, Beate?" rief sie erregt. „Ich habe dich rufen lassen, du kamst nicht. Man sagte mir, daß du nirgend- zu finden seiest. Daraus kam ich selbst, um mich nach dir umzuschen, und fand dein Zimmer leer. Ich habe mich allen Ernstes um dich gesorgt."
„Ich war auSgegangen," entgegnete daS junge Mädchen der Wahrheit gemäß.
„Jetzt?" fragte die Gräfin erschrocken. „Die Abendlust ist Gift für dich . . . Im Garten ziehen von der Elbe her gesährliche Dünste aus."
„Ich war nicht im Garten," entgegnete Beate.
„Und wo hieltest du dich aus?"
Keine Antwort erfolgte.
Die Gräfin strich mit der Hand über Beate- fieberheiße- Gesicht.
„Kind, Kind," jammerte sie, „wie du auSsiehst! Ich muß sofort zum Arzt schicken. Hilf Himmel! Du weißt, daß du krank bist, wie konntest du dich irgend einer Anstrengung, und sei eS auch der kleinsten, auSsetzen?"
„Weil ich mußte! Mutter, weil ich gutmachen mußte, war Sie böse- zu tun gedachten. Der König von Preußen ist gewarnt. Er weiß, daß man einen Anschlag auf sein Leben plant. Er ist gewarnt. Gottlob."
Die letzten Worte kamen leise und mit Anstrengung auS ihrem Munde. Bald daraus schwand ihr Bewußtsein, sie lag in Fieberphantafien.
Maltzahn eilte in das PalaiS DlocyinSki. Er begehrte Se. Majestät zu sprechen und wurde sofort vorgelaffen.
WaS er mit dem König in jener Abendstunde zu
Industrie hört, werden alle Konstrukteure und alle Typen ohne Ausnahme sich am Wettbewerb beteiligen und man erwartet da- Erscheinen sensationeller Apparate und Motoren. Und diese Erwartungen find gewiß, soweit man die französische Flugmaschinenindustrie kennt, durchaus berechtigt. Die Bedingungen des Wettbewerbes find außerordentlich strenge, sie fordern neben allen möglichen Beweisen der Schnelligkeit, der Landung-- und Höhenmöglichkeiten einen Ueber- landflug über 300 Kilometer aus vorgeschriebener Strecke mit einer Nutzlast von 300 Kilogramm bei einer Minimalgeschwindigkeit von 60 Stundenkilometern. Man muß erwarten, daß die aus ein gleiche- Ziel gerichteten Anstrengungen aller französischen Fabriken Ergebnisse haben werden, die daS Flugzeug dem Normaltyp ein große- Stück Wege- näher bringen werden, und, darüber ist kein Zweifel, zunächst zum Nutzen de- französischen Militärflugwesen-. Wichtig für die Teilnehmer an der Konkurrenz werden noch die Ergebnisse der diesjährigen französischen Manöve- sein. Man will in diesen Manövern vor allem die Frage (bie man übrigen- in Deutschland längst, und m»4 Recht, au- der Theorie zu Gunsten der zweisitzigen Apparate beantwortet hat) au- der Praxis entscheiden; soll der Pilot eintxi Beobachter neben sich haben, oder allein sein, um, mit leichterem Apparat, schneller fliegen zu können? AuS der Bedingung deS Konstrukteur-Wettbewerbes, die 300 Kilogramm Nutzlast fordert, geht eigentlich hervor, daß man schon jetzt wie in Deutschland denkt. Aber zum praktischen Beweise soll der eine Armeekörper in den Manövern nur einsitzige, der Gegner nur zweisitzige Flugapparate verwenden. Die genaue Zahl der beteiligten Flieger ist noch nicht bekannt, er steht aber fest, daß alle Inhaber. deS verschärften mili- täuschen Pilotenze:^ 4feS und die cHvkgrricheo Teilnehmer an den letzten grossen Rundflug-Wettbewerben zur Stelle /ein werden.
Tip M Hit Umklöftaze.
Die Gerüchte, daß unsere deutsche Kolonie Togo in den Besitz Frankreich- übergehen soll, wollen nicht nur nicht verstummen, sondern treten jetzt in PanS mit größerer Bestimmtheit als bisher auf.
AuS Pari- wird folgendes gemeldet: Ein soeben au- Französisch-Westasrika zurückgekehrter Beamter einer französischen Privatgesellschaft, der sich die absolute Richtigkeit seiner Angaben verbürgt, teilt mit, man habe in Dahomey schon am 25. Juni, also noch ehe der „Panther" nach Agadir entsandt wurde, mit aller Bestimmtheit gewußt, daß zwischen Deutschland und Frankreich über die Abtretung Togo- zum Austausch gegen andere französische Kolonialgebiete verhandelt werden würde. Der Gewährsmann befindet sich in hochangesehener Stellung. An seiner Glaubwürdigkeit ist nicht ein Augenblick zu zweifeln.
Bei dem Interesse, dem diese Angelegenheit zweisello- be-
verhandeln hatte, ist zwischen ihnen beiden ein Geheimnis geblieben.
Der König war tief erschüttert.
„Maltzahn," sagte er, „ich stehe tief in Seiner Schuld, damals, vor wenigen Monaten, als Er mir Einblick in die Akten verschaffte, hat Er sozusagen mein Königreich gerettet. Heut, heute —" Er vollendete den Satz nicht, sondern sagte: „Hat Er irgendeine Bitte, die ich ersüllen kann, so sprech Er frei heraus."
Und Maltzahn hatte eine Bitte. Er sagte: „Vergessen Ew. Majestät, daß Beate von Brühl die Tochter ihre- Vaters und ihrer Mutter ist."
„Und nicht vergessen soll der Dienst sein, den sie mir geleistet hat," rief der König mit Wärme. „Ob sie es Scinet- oder meinetwegen tat, wollen wir jetzt nicht untersuchen, genug ich danke Ihm. DaS übrige findet sich."
Maltzahn war entlassen.
König Friedrich stand, das Gehörte bcdenkend, am Fenster. Nachdenklich blickte er hinaus in den stillen, in der Abendruhe dunkel und schweigsam daliegenden Garten, in dem doch, durch den Frühling geweckt, neues Leben knospte. Und er erinnerte sich an den wenige Monate zurückliegenden Abend in Sanssouci, da ihm der Kurier auS DreSden die alarmierenden Nachrichten hinterbracht, und verglich ihn mit dem heutigen. Dann ging er an den Schreibtisch zurück und fragte: „Zusall oder Vorsehung?"
ES war schließlich die gleiche Frage, die auch Maltzahn stellte.
MenzelS persönliche Gefühle, der Haß gegen daS HauS Brühl hatten ihn veranlaßt, den Inhalt der Geheimakten au? den sächsischen Archiven, die für den König von Preußen von ungeheurer Wichtigkeit waren, zu verraten. Persönliche Ge- suhle diktierten seine Handlungen; aber an der Tragweite dieser Handlungen ließ sich eine höhere Macht erkennen. War eS nicht so?
Und heute? Heut war daS Leben deS Königs bedroht gewesen und wie durch ein Wunder gerettet worden. Wieder waren e- persönliche Gefühle gewesen, die in den Gang der