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herrselder Kreisblatt

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Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

§ernsprech-5tnschlutz Nr. 8

Nr. 92. Dienstag, den 8. August 1911.

Amtlicher teil.

Landespolizeiliche Anordnung, betreffend die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche im Kreise HerSseld.

Mit Rücksicht aus die Gesahr der Weiterverbreitung der Maul- und Klauenseuche verlängere ich hierdurch die Gültig­keitsdauer meiner landerpolizeilichen Anordnung vom 8. April d. Jr. A. III. 1636 Amtsblatt Nr. 15, Seite 114/5 Verbot des Hausierhandel- mit Klauenvieh sür den Um­fang des Kreise- Her-seld um weitere 8 Wochen bi- zum 27. September d. JS. (A. III. 3759.)

Cassel, am 2. August 1911.

Der Regierungs-Präsident. Graf v. B e r n st o r s s.

Anträge von Lehrern aus Erhöhung der Küchendienst- Vergütung.

Mehrere Lehrer det Bezirke- haben sich an den Provin- zialrat gewandt, um eine höhere alS die von uns festgesetzte Kirchendienstvergütung zu erreichen.

Derartige Anträge sind zwecklos.

Wir haben die Kirchendienftvergütungen überall da, wo die Vertretungen der Schulverbände und Kirchengemeinden sich ablehnend verhielten, auf den Höchsten nach § 6 deS LehrerbesoldungSgesetzeS zulässigen Betrog sestgesetzt. Darüber hinaus konnten wir mit Rücksicht aus die Höhe der Stellen- einkünfte nicht gehen.

Einzelne der Eingaben der Lehrer sind in der Form einer Beschwerde gehalten. Nach § 6 der LehrerbesoldungS- gcjctzeS steht jedoch nur den Schulverbänden und Kirchen­gemeinden, nicht aber auch den Lehrem ein förmliche- Be­schwerderecht zu.

Wir ersuchen, die Lehrer aus vorstehender aufmerksam zu machen und sie davon abzuhalten, daß sie den Provinzialrat mit unnötigen Anträgen behelligen. B. I. 3500. Cassel, den 12. Juli 1911.

Königliche Regierung, Abteilung für Kirchen- und Schulwesen. *

HerSseld, den 3. August 1911.

Wird veröffentlicht.

I. No. 9728. Der Landrat

von GruneliuS.

HerSseld, den 2. August 1911.

Der Gemeindewegewärter Georg Adolph zu Unterhaun ist zum Leichenschauer sür Unterhaun bestellt und eidlich ver­pflichtet worden.

I. 9699. Der Landrat.

I. A. :

Wess el, Kreissekretär.

Wetterwolken.

Roman von M. v. Bu ch.

(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Da- Bündnis bestand, Gott sei'- geklagt, und doch, Gott sei Dank, daß man Gewißheit hatte . . . Gewißheit!

Maltzahn atmete tief und erleichtert auf. Da er in der Nacht nicht viel geschlafen, wollte er versuchen, gegen Morgen daS Versäumte nachzuholen.

Er schlief ein, allein eS war kein erquickender Schlummer der ihn umfing. Unruhige Träume quälten ihn. Ihm war, als habe jemand Beate von Brühl qerufen. Oder war er daS selbst gewesen?

Da pochte eS an die Kammertür.

Ein Lakai erschien, höchlich verwundert, daß sein Herr, der für gewöhnlich frühe Stunden liebte, heute ungebührlich lange im Bette zögerte. Er entschuldigte sich und sagte:

Ich hätte nicht gewagt, den Herrn Baron zu stören, wäre nicht soeben ein Bote au- dem Brühlschen Palm- ge- kommen, der aus Antwort wartet."

So, so," tief Maltzahn.Was wünscht der Herr Graf von mir?"

ES ist sür heute abend eine Einladung zum Souper."

Gut," meinte Bodo von Maltzahn,bestellen Sie dem Diener, ich würde die Ehre haben, zu erscheinen, und schicke dem Herrn Grafen meine höflichsten Empfehlungen."

Zwischen den Zähnen knirsche er:Verräter! Aber noch darf ich mir nicht- merken lassen!"

6. K a p i t e l.

In Wien hatte man den Plan gesaßt, ihn zu verderben.

Wie die Spinne die Fliege im Netz einsängt, so gedachte man auch ihn zu sangen. Eisrig und emsig wurden zu vlcjem Netze Fäden gewoben. Fein und dicht sollte eS werden und ehe er ei sich am wenigsten versah, war er darin ge­langen. Wien war der Mittelpunkt und von hier zogen sich lfäden nach Peter-burg, Dre-den, PariS.

HerSseld, den 3. August 1911.

Unter den Schweinen deS Lohgerber- Konrad Bätz hier ist die Rotlaufseuche au-gebrochen.

I. 9719. Der Landrat.

J. A.:

Wessel, Krei-sekretär.

Hersfeld, den 2. August 1911.

Unter der Schasherde in Rothenkirchen, KreiS Hünseld, ist der AuSbruch der Räude festgestellt worden.

I. 9621. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, KreiSfekretär.

nichtamtlicher Ceil.

Kaiserin Friedrich und die Arme.

Zum 10. Jahrestage ihres Todes.

Am 5. August 1901 zeigten die Halbmast gehißten Flaggen an den Fahnenstangen der königlichen Schlösser und aller militärischen und sonstigen Dienstgebäude dem Volke an, daß unser Herrscherhaus von schwerer Trauer betroffen worden sei. Schnell verbreitete der Telegraph im ganzen Lande die Botschaft, daß die erlauchte Mutter unseres Kaisers, die Witwe deS hochseligen Kaiser- und König- Friedrich III., nicht mehr unter den Lebenden weile; ein sanfter Tod hatte sie auf Schloß FriedrichShof bei Kronberg von ihren Leiden erlöst. Ein an segen-vollem Wirken reiche- Leben, von dem noch viele- erhofft werden konnte und auch erhofft wurde von den vielen, die sich nun ihrer Beschützen« und Wohltäterin beraubt sahen, hatte damit einen frühen Abschluß gefunden. Am 21. November 1840 alS englische Prinzessin in London geboren, zählte die hohe Verblichene erst 60 Jahre, alS sie in die Ewigkeit abberufen wurde. Im Alter von 17 Jahren hatte sie am 25. Januar 1858 dem ritterlichen Hohenzollernprinzen Friedrich Wilhelm, demschönsten deutschen Manne", die Hand zum Ehebunde gereicht, den nach 30 Jahren eine- glücklichen, vorbildlichen Familienleben- den Tod deS Gatten am 15. Juni 1888 löste. Eine treue, kluge und hoch gebildete Lebensgefährtin, auSgestattet mit reichen Gaben deS Geiste- und deS Gemüt-, war sie ihm bis an daS erschütternde Ende seine- Dasein-, besonders bewährt in der harten Leiden-zeit, die dem edeln Dulder am Abend seine- Leben- beschieden sein sollte. Nie wich sie bis zu seinem letzten Seufzer von deS schwer erkrankten Gatten Seite, ihm allezeit Trost und Hilse spendend.

AlS junge PrinzessinEngland- schöne Rose" genannt und von ihren Land-leuten, namentlich den einfachen Berg­bewohnern Schottlands, unter denen sie besonder- gern weilte, mit Liebe überschüttet, überwand sie nicht leicht den Schmerz der Trennung von ihrem Vaterlande. Bald aber lebte sie

Und er, zu dessen Verderben sich fast ganz Europa rüstete, war König Friedrich von Preußen.

Er besand sich in PotSdam, im Schlosse SanSsouei, da- bald nach dem Frieden von DreSden ganz nach den von ihm gemachten Plänen und Entwürsen entstanden war.

EanSsouci, d. h. ohne Sorgen! Ohne Sorgen war er freilich nicht, der König und Held, der siegreich aus zwei Kriegen hervorgegangen war.

Nachdem Friedrich nach dem Frieden von DreSden den siegreichen Degen auS der Hand gelegt, arbeitete er an der friedlichen Entwickelung seine- Länder. Er hatte feinem Preußen eine Großmachtstellung gegeben, eine Stellung, in die er sich gleichsam erst hineinwachsen mußte. DaS wußte der König, darum sorgte und schaffte er ohn' Unterlaß,

Nach der Arbeit aber gewährte ihm fein Freundeskreis erwünschte Erholung. Unter heiteren oder philosophischen Ge­sprächen verging die Zeit, die der Muße gewidmet war. Doch deS Abend-, in den Feierstunden, trat die Kunst in ihr Recht. Dann erlabte man sich an der holden Musik. Die Kunst und die Freundschaft, daS waren die Sterne, die König Friedrich- Leben erhellten.

Im Konzertsaale zu San-souei erklang Musik. König Friedrich, ein schlanker, feiner Herr, stand am Notenpult und spielte ein Solo auf der Flöte. Eine sanfte, feierliche Melodie schwebte durch den Raum.

Nur wenige Gäste waren geladen, nur die vertrautesten Freunde des königlichen Gastgebers hatten sich eingefunden.

Draußen war eS schwül, die Gewitterstimmung vorherr­schend. Bereit- am Nachmittage hatte ei von allen Seiten gedonnert, allein da- düstere Gewölk, da- ausgezogen war, hatte sich wieder verzogen. Nun schien e-, alS ob da- Ge­witter während der Nacht wieder herauskommen wollte.

König Friedrich blies also die Flöte. Seine Zuhörer, die teils an den Wänden lehnten, teil- auf weißlackierten mit. roter Seide gepolsterten Sesseln Platz genommen hatten, lauschten mit gespanntester Aufmerksamkeit. In den Korridoren schlichen die Diener aus den Zehenspitzen.

In die andächtige Stille hinein aber fuhr jetzt plötzlich ein Windstoß, der die Fenster erzittern machte und zugleich

sich in ihrer neuen Heimat ein und wurde eine echt deutsche Frau. Ihr Vater, ein Coburger Prinz, mit allen Fasern seine- Herzen- ein guter Deutscher, hatte sie die neue Heimat lieben gelehrt, ihr von Deutschland- Größe und der Zukunft Preußens, dessen Königin sie dereinst werden sollte, viel erzählt und damit ihre lebhafte Aufmerksamkeit für den ihrer harrenden Wirkungskreis zu wecken verstanden. Gleichzeitig hatte er in ihr Herz das Gefühl eingepflanzt, daß eS ihre Pflicht sei, ihr Leben und Streben dem Wohle deS Volke- zu weihen, eine Pflicht, die sie allezeit in der gewissenhaftesten Weise ersüllt hat. Aus jedem Gebiet, welches mit der Förderung der all­gemeinen Wohlfahrt zusammenhängt, finden sich die Spuren ihre- WirkenS. Ein ganz besonders warme- Interesse widmete sie der Ausbildung und Hebung des weiblichen Geschlecht-, um dieses den mannigfachen BerusSarten, welche die heutige Zeit den Frauen erschlossen hat, wohlvorbereitet zuzuführen. Anregend und bahnbrechend ging sie hierin vor und war selbst unmittelbar beteiligt an der Leitung einer ganzen Reihe derartiger Anstalten, von denen viele den Namen der hohen Beschützerin trugen. Auch einzelnen weiblichen Personen, die nach Selbständigkeit rangen, war sie eine huldvolle Gönnerin überall da, wo sie Talent und ernstes Streben fand.

Diesen edeln Sinn, überall helfen zu wollen, betätigte die hohe Frau auch der Armee gegenüber, der sie als Gattin eines ihrer sieggekrönten Feldherrn besonder- nahe stand und alS Chef des 2. Leib-HusarenregimentS selbst angehörte. Noch heute hat dieses Regiment, dem sie allzeit ihre wärmste Neigung cntgegcngcbracht hat, die Ehre, den Namen seine- einstigen Chefs führen zu dürfen. Auch den Regimentern, zu denen ihr Gemahl in näheren Beziehungen stand, hat sie wiederholt Beweise reger Anteilnahme gegeben. So erwies sie dem OffizierkorpS der Elfer^Gr^sdn e m Breslau, deren Komman­deur und Chef der Kaiser Friedrich gewesen war, die Auf­merksamkeit, ihm nach dessen Ableben die vom Kaiser getragene RegimentSuniform als Geschenk zu übermitteln. Auf einem Ehrenplatz im Offizierkasino finden sich noch heute diese für jeden Elfer wertvollen Erinnerungszeichen.

Die Gelegenheit, sich ein bleibendes Verdienst um die An­gehörigen deS Heeres zu erwerben, boten der damaligen Kron­prinzessin die drei Kriege von 1864 bi- 1871. Während bei dänischen FeldzugeS überfandte sie dem Feldmarschall Grafen Wrangel, zugleich im Namen des Kronprinzen, einen nam­haften Betrag für die erwerb-unsähig aus dem Kriege Heim­kehrenden und für mittellose Hinterbliebene alSAusdruck des Dankes für die freudige Hingebung unserer braven Waffen- gesährten." Das Jahr 1866, da- ihr einen teuern Sohn raubte, gestattete ihr keinen tätigen Anteil in der Nähe deS Kriegsschauplatzes. Erst im Herbst war es ihr möglich, nach Schlesien zu reisen und die dortigen Lazarette auszusuchen. In Erdmannsdors schmückte sie die zerschossene Fahne deS aus Böhmen zurückkehrenden König-GrenadierregimentS mit einem Lorbeerkranz. Dann aber ging von ihr die erste segensreiche Anregung aus, eine Jnvaliden^Stiftung in- Leben zu rufen,

erklang der Hufschlag eines wiehernden Rosses. Wenige Mi­nuten darauf aber wurde eS wieder still.

Als der König, der sein Konzertstück beendet, die Flöte hinlegte und vom Notenpult zurücktrat, erhob sich Kapell­meister Graun, der ehemalige Lehrer des KönigS. Er durste sich feinem ehemaligen Schüler gegenüber schon erlauben, daS Zeichen bei Beifalles zu geben. Anerkennend sprach er sich über den Genuß auS.

Friedrich drohte scherzend mit dem Finger.

Flatteur, der Er ist!" Aber er schien daS Lob doch gern zu hören.

Während sich der König mit Graun unterhielt, öffnete sich die Saaltür, und ein Page erschien; ehrsurchtSvollst näherte er sich seinem Herrn.

Sire, draußen wartet ein Kurier; er bringt Briese, die er nur Seiner Majestät selbst zu übergeben hat. Ich bitte um Verzeihung, wenn ich störe, allein," er stotterte,der Kurier zwang mich, die Meldung bei Seiner Majestät zu übernehmen. Sachen von höchster Wichtigkeit, sagte er, dulden keinen Ausschub."

Der König hatte dem Sprecher den Rücken gekehrt. Lang­sam wandte er sich herum.

So spät noch stört man mich?" erwiderte er unwirsch, Hab ich den ganzen Tag hindurch nicht fleißig gearbeitet, um am Abend meine wohlverdiente Ruhe genießen zu dürscn. Frag den Kurier, war er will!"

Verzeihung, Majestät. Der Kurier kommt von Dresden und will Seiner Majestät höchstselbst Bericht erstatten."

So mag er warten," befahl der König.Man führe ihn in mein ArbeitSkabinett. Dort werde ich mich einfinden."

Der König wandte sich von neuem an seine Gäste. Er plauderte und scherzte und tat, alS habe er die letzte Meldung vergessen.

Dennoch beschäftigte der Bote, der mit wichtigen Nach­richten aus DreSden gekommen war, seine Gedanken mehr, alS er sich eingestehen mochte.

So war eS ihm lieb, al- die Gäste bereits zu srüher Stunde aufbrachen.