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herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 90. Donnerstag, den 3. August 1911.

Amtlicher teil.

Bekanntmachung, betreffend die Behandlung der noch im Umlauf befindlichen Fünszigpfennigstücke der älteren Ge- prägesormen. Vom 18. Mai 1911.

Aus Grund deS § 14 Abs. 1. No. 1, 2 Abs. 2 bet MünzgesetzeS vom 1. Juni 1909 (Reich-gesetzblatt S. 507) hat der BundeSrat im Verfolg der am 27. Juni 1908 be­schlossenen Außerkurssetzung der Fünszigpfennigstücke der älteren Geprägesormen (vergleiche die Bekanntmachung vom gleichen Tage, ReichSgesetzblatt Seite 464) die nachfolgende Bestim­mung getroffen:

Die bei den ReichS- und Landeskassen noch eingehenden Fünszigpfennigstücke der älteren Geprägesormen mit der Wert­angabe „50 Pfennig" sind durch Zerschlagen oder Einschnei­den sür den Umlauf unbrauchbar zu machen und alsdann dem Einzahler zurückzugeben.

Ferner hat der BundeSrat sich damit einverstanden er­klärt, daß die Kassen der ReichSbank mit diesen Münzen in gleicher Weise versahren.

Berlin, den 18. Mai 1911.

Der Reichskanzler.

In Vertretung: gez.: Vermuth.

* *

HttSseld, den 28. Juli 1911.

Wird veröffentlicht.

I. 9450. Der Landrat.

I. v.:

Wcssel, Kreissekretär.

.......... ■■' »

Landespoltzeiliche Anordnung, betreffend: die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche im Kreise HerSfeld.

Meine LandeSpolizeiliche Anordnung vom 8. April, 30.

Mai und 21. Juni d. Jr. — A. III 1636, 2626 und 2923 a — betreffend die Bekämpfung der Maul- und

Klauenseuche — Amtsblatt No. 15, 22 und 25, Seite 114, 115, 165 und 214 — wird hierdurch wie folgt abgeändert:

1. Aus dem Sperrgebiete im § 1 scheidet aus die Ge­meinde WillingShain.

2. AuS dem Beobachtung-gebiet im § 10 scheiden aus die Gemeinden GerSdors und Frielingen. Cassel, am 26. Juli 1911.

(A, in. 3627.) Der RegierungS-Präsident

J. V. gez. von W u s s o w. * * HerSfeld, den 28. Juli 1911. Wird veröffentlicht.

I. 9416. Der Landrat.

I. «.:

W e s s e l, Kreissekretär.

Wetterwolken.

Roman von M. v. Buch.

(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

,3a", sagte sie, „während ein trauriges Lächeln über ihr Gesicht huschte, „eS ist so. Damals, eS ist freilich schon lange her," schaltete sie ein, „fast elf Jahre, eS war im Jahre 1745, als Ihr angebeteter König, ehe er den Frieden von DreSden schloß, unsere Stadt zur Kapitulation zwang und hier als Sieger einzog. Also damals lag ich als kleines Mädchen krank zu Bett. In der ganzen Stadt, in unserem Hause herrschte ein Wirrwarr, der gar nicht zu beschreiben war. Ich hörte von einer Schlacht von Kesselrdors erzählen, in der daS österreichisch-sächsische Heer geschlagen worden war, überall sprach man von dem Preußenkönig alt von einem Ungeheuer, einem Wüterich. Wir hatten eine alte Kinder­muhme, die wahrscheinlich, weil sie annahm, mich besser im Bett und im Zaume zu halten, von dem Könige Sachen er- zählte, die mich in Angst hielten, und diese Furcht wirkte wie Gift auf meinen Körper. Ich war ein kräftiges Kind, allein seit jenem Fieberanfall habe ich mich nie wieder recht erholt, daS sühle ich, auch die Spuren jener Zeit nie ganz verwun­den. Meine Kindermuhme handelte töricht, da- weiß ich, aber die Hauptschuld trägt sie doch nicht an meiner Krankheit, die trägt die KriegSzeit und im Grunde Ihr König. Und nun Sie das wissen, können Sie beim besten Willen nicht verlangen, daß er mir in angenehmer Erinnerung steht, oder daß ich mich gar für ihn begeistern kann."

Maltzahn hatte ausmerksam zugehört. Nun ergriff « in plötzlicher Aufwallung Beate- Hand und drückte sie herzhaft.

»Es tut mir leid um Sie, Komtesse, mehr, als ich sagen ^nn. Ich beklage aufrichtig dies unseelige Zusammentreffen, . 8 Walten der Zufall-, wodurch der König Friedrich zu einer unheilvollen Rolle in Ihrem Leben verurteilt worden aber — aber Sie sind noch jung, Komtesse, lassen Sie

HerSfeld, am 1. August 1911.

Im Monat Juli d. Js sind diesseits den nachbe­nannten Persönlichkeiten Jagdscheine erteilt worden:

A. Jahresjagdscheine:

1. entgeltliche:

am 4/7. dem Landwirt Hermann Burghardt in Aua;

„ 4/7. „ „ Adam Kempf daselbst;

„ 4/7. „ Apotheker A. Kastendyk in HerSfeld;

„ 5/7. „ Agenten Johanne- Simon Bolkenand in Heringen;

„ 6/7. „ Oberleutnant HanS Naumann in HerSfeld.

2. unentgeltliche:

„ 1/7. „ Königlichen Förster Schmidt in Friedewald;

„ 4/7. „ von Baumbach'schen Waldwärter Philipp Paul in WillingShain;

„ 6/7. „ Waldwärter Andrea- Kehl in GoßmannSrode;

„ 29/7. „ Königlichen Förster Kurth in Lautenhausen.

B. Tagesjagdscheine:

Keine.

Der Landrat

von GruneliuS.

^pslizriverordnung.

Auf Grund der §§ 5 und 6 der Verordnung vom 20* September 1867 über die Polizeiverwaltung in den neuer­worbenen Landesteilen und br« § 143 deS GefetzeS über die allgemeine LandeS-Verwaltung vom 30. Juli 1883 wird für den Gemeindebezirk Unterneurode folgende Polizeiver­ordnung erlassen.

ö x *

DaS Hemmen ohne Hemmschraube an Fuhrwerken ist aus sämtlichen Fahrwegen einschließlich der Wendewege (jedoch ausschließlich der ganz steilen Wendewege) in der hiesigen Ge­markung verboten.

§ 2.

DaS Beschädigen der Wege einschließlich der Wendewege und Gräben beim Ackern mit Ackergerätschaften ist ver­boten.

§ 3.

DaS Verunreinigen der Gräben und daS Befahren derselben an den Wegen außerhalb der vorgesehenen Uebersahrten ist verboten.

§ 4.

DaS Befahren der Wirtschaft-wege in hiesiger Gemarkung mit Lastfuhrwerken, sowie zum Zwecke der Bewirtschaftung von Grundstücken der angrenzenden Gemarkung ist für alle diejenigen, welche nicht Grundbesitzer der hiesigen Gemarkung sind, verboten.

Ausnahmen oder Abweichungen von dieser Bestimmung können durch die OrtSpolizeibehörde gestattet werden.

8 5.

Diejenigen Wege, die in dem Rezesse über da- Zu-

uns hoffen, daß Sie die schlimmen Eindrücke jener Zeit über kurz oder lang bald gänzlich überwinden."

Sie schüttelte da- dunkle Köpfchen.

„Sie sprechen vom Zufall, Baron, nun wer weiß, viel­leicht war eS mein Schicksal, daß der Preußenkönig diese Rolle in meinem Leben zu spielen hatte. Kein glückliches Schicksal, muß ich sagen."

„Mein Himmel, Kommtesse, waS sind das alle- für Ge­danken I" rief Maltzahn, in daS jäh erblaßte Gesicht feiner Nachbarin fchauend, deren Augen mit so unverhohlener Be­wunderung und Liebe in die seinen schauten.

Heiß stieg eS in seinem Herzen auf. War eS Mitleid, war eS Liebe? Eine weiche Stimmung hatte sich feiner be­mächtigt; er küßte die Hand, die er in der feinen hielt.

In dem Moment wurde ein Schritt hörbar. Auf dem Fußpfad erschien die Gestalt seiner Exzellenz bei Herrn Minister-.

Als er das junge Paar erblickte, huschte ein zusriedeneS Lächeln über sein Gesicht, allein dies Lächeln war eS, was Maltzahn sofort um die Stimmung brächte.

Er erhob sich, um den Grafen mit kühler Höflichkeit zu begrüßen und sagte:

„Ich stand im Begriff, mich von der Komtesse zu ver­abschieden. Die Sonne sinkt, ei ist also Zeit für den Heim­ritt, in Kötzschenbroda wartet mein Pferd und der Diener auf mich. Komtesse, tausend Dank und — und" — er stockte unwillkürlich. In der Gegenwart bei Herrn Grasen war er ihm unmöglich, ein herzliche- Wort hinzu» zufügen.

„Nun, nun, mein lieber Baron, waS haben Sie meinem kleinen Mädchen getan, daß eS so blaß und unglücklich aus- sieht?" versuchte Exzellenz recht mal L propos zu scherzen. „Wirklich, ganz satiguiert, Kind!"

„Ich bebaute, wenn meine Unterhaltung die Komtesse angegriffen hat," meinte Maltzahn, und der Ton seiner Stimme klang unwillkürlich härter, als er eigentlich beab­sichtigte. „Indessen", und er zuckte die Achseln, „die Schuld an dem Besuche tragen Sie, bitte ich zu bemerken, Sie schickten mich."

sammenlegungSverfahren der hiesigen Gemarkung nicht aus­drücklich als Holzabfuhrwege bestimmt sind, dürfen als solche nicht benutzt werden.

§ 6.

DaS Wenden in hiesiger Gemarkung beim Bewirtschasten von Grundstücken der angrenzenden Gemarkung ist für fremde Grundbesitzer verboten.

8 7.

Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Polizeiverordnung, welche mit dem Tage der Bekanntmachung in Kraft tritt, werden mit einer Geldstrafe von 1 bis 9 Mark oder ent­sprechender Hast bestraft.

Unterneurode, den 18. Juli 1911.

Die OrtSpolizeibehörde: MalkomcS.

nichtamtlicher teil.

Swinemüttbe.

Französische Blätter hatten sich mehr und mehr dem Wahne hingegeben, daß Swinemünde zu einem Canossa der deutschen Politik werden würde. Der Kaiser wird kommen, dem Reichs­kanzler und dem Staatssekretär der Auswärtigen wegen ihrer rauhen Vorgehen- den Text lesen, eine schöne Geste nach Frankreich hin machen, und die Wolken um Agadir werden verflogen sein. Diese Illusion hat unzweifelhaft dazu beige­tragen, den ernsthaften französischen Politikern, die zu einem friedlichen Einv:rnehl.:n mit un- kommen wollen, ihre Auf­gabe zu erschweren. In der Lat scheint eS ja auch in den bisherigen Besprechungen zwischen Cambon und Herrn v. Ribetfen noch zu keinem annehmbaren Angebot Frankreich- in der KompensationSfrage gekommen zu sein, so daß formelle Verhandlungen noch nicht begonnen werden konnten.

Swinemünde war kein Wendepunkt der deutschen Politik und somit eine große Enttäuschung der französischen Illusionisten. Selbstverständlich stand der Plan für die nach den fran­zösischen und spanischen Eigenmächtigkeiten in Marokko notwendige Wahrung der deutschen Rechte und Interessen schon vor der Nordlandreise sest und ist der Kaiser während derselben fortdauernd auf dem Laufenden erhalten worden. Bei der diesjährigen Befolgung der stets und auch in minder ernsten Zeitläuften beobachteten Brauches, daß der Reichs­kanzler und der nächstbeteiligte Minister oder Staatssekretär unmittelbar nach der Heimkehr des Kaiser- zum mündlichen Vortrage erscheinen, waren also keine neuen Entschlüsse zu fassen, außer etwa für den Fall der Scheiterung der gegen­wärtigen Unterhandlungen. In diesem Falle aber kann nur von einem Vorgehen, nicht von einem Zurückweichen die Rede sein. Zuviel steht auf dem Spiele, und gegenüber dem töricht beleidigenden, obendrein noch durch die Verbreitung

„Aber Papa", rief Beate, förmlich gekränkt, „Baron Maltzahn hat mich angenehm und anregend unterhalten, allein du mußt wissen, daß ich kränklich und wenig an Gesellschast gewöhnt bin."

„Kind, Kind, ich wollte dir mit meiner Bemerkung nicht zu nahe treten", sagte Brühl und wandte sich mit liebens­würdigem Lächeln an Maltzahn. „Entschuldigen Sie mich, lieber Baron, übrigen-, wenn Sie wirklich im Aufbruch sind, wie Sie sagen, mache ich Ihnen den Vorschlag, mich zu be­gleiten. Auf halber Höhe wartet mein Wagen. Sie steigen mit mir ein, und der Diener kann Ihrem Reitknechte Bescheid sagen."

„Exzellenz fahren nach DreSden?" erkundigte sich Maltzahn.

„Ja, ja, leider, habe dort zu tun", meinte Brühl, und sich von neuem an seine Tochter wendend, suhr er fort: „Ich erhielt soeben einen Bries. Deine Mutter ist bereit- von Karl-bad abgereist, ich glaube sogar, daß wir sie bald zurück­erwarten können."

„Schon jetzt?" fragte Beate erstaunt. „Bekommen ihr die Bäder nicht?"

„Daran liegt ei nicht; um offen zu sein, Kind, Karlsbad ist ihr durch eine unangenehme Episode verleidet worden. Denke dir, ihre Kammerjungser Anna hat sich plötzlich bai Leben genommen."

„DaS Annchen, daS blonde, lustige, junge Ding sich daS Leben genommen?" rief die Komtesse erschreckt, „wie entsetzlich da- ist, wie surchtbar! Und weiß man nicht, au- welchem Grunde daS geschehen ist?" setzte sie nach einer kleinen Pause hinzu.

Exzellenz lächelte etwa- zynisch.

„AuS welchem Grunde? Kind, danach fragen junge Damen nicht . . . Adieu, Beate, schone und pflege dich."

Damit küßte er seiner Tochter leicht die Wangen, Maltzahn verneigte sich mit einem leise gemurmelten Abschiedsworte. So schieden die Herren . . .

Beate ging allein in- HauS. Der Imbiß stand unberührt da. Die Blumen, die sie vorher gepflückt, und mit denen