__L__ H -■- ' —^-~—— , „^ । Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. ra
Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein« gespaltenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 Psg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.nsnsn»n»
herzselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Flnschlutz Nr. 8
Nr. 84.
Donnerstag, den 20. Juli
1911.
Amtlicher teil.
Bekanntmachung.
Einstellung von Dreijährig-Freiwilligen für das III. Secbataillon (Marine-Infanterie) in Tsingtau (China).
Einstellung: Oktober 1911, Ausreise nach Tsingtau: Januar 1912, Heimreise: Frühjahr 1914. Bedingungen: Mindestens 1,65 m groß, krästig, vor dem 1. Oktober 1892 geboren (jüngere Leute nur bei besonders guter körperlicher Entwicklung.) Es werden junge Leute aller BerusSarten eingestellt, Handwerker erhalten jedoch den Vorzug.
In Tsingtau wird außer Löhnung und Verpflegung täglich 0,50 Mark Teuerungszulage gewährt.
Meldungen mit genauer Adresse sind unter Beisügung eines vom Zivilvorsitzenden der Erjatzkommission ausgestellten Meldescheins zum sreiwilligen Diensteintritt aus drei Jahre zu richten an:
Kommando des III. Stammseebataillons, WilhelmShaven.
teil.
M Reichs- M das Staatsschuldbilch.
Die Einrichtungen deS Reichs- und des StaatSschuldbuchS sind in weiten Kreisen deS Publikums noch immer zu wenig bekannt, obwohl sie den Besitzern großer und kleiner Kapitalien mannigfache Vorteile bieten; nämlich unbedingte Sicherheit gegen Verluste durch Diebstahl, Unterschlagungen, Verbrennen, Abhandenkommen, wie sie bei Wertpapieren vorkommen können, ferner kostenlose lausende Verwaltung und portofreie Zusendung der Zinsen. Die Begründung von Schuldbuch- sorderungen ist denkbar einsach: man zahlt den Betrag durch einen Bankier oder bei einer RegierungS-Hauptkasse oder einer Kreiskasse oder auch bei einem Postamt auf das Postscheckkonto der ReichSbank — für daS Reichsschuldbuch — oder der Seehandlung (Preuß. Staatsbank) — für da- Staatsschuldbuch — ein und gibt dabei an, für wen die Buchschuld eingetragen und an wen und wie die Zinsen gezahlt werden sollen. Näheres ist an den genannten Stellen zu erfahren. Die Zinsen werden dann je nach Wunsch portosrei durch die Post zugesandt oder auf ein Bankkonto überwiesen; sie können auch bei den Staatskassen oder Reichsbankanstalten abgehoben werden. Wer bereits Schuld« verschrcibungen der Reichs oder Preußen- besitzt, kann diese mit dem Anträge auf Umwandlung in eine Buchschuld an die Verwaltung der Echuldbücher (Berlin S W. 68, Oranien- straße 92—94) einsenden und ist dann aller Sorge und Kosten wegen der Verwahrung der Wertpapiere überhoben. Aus diese Weise können StaatSrenten von 3 Mk. jährlich an — entsprechend einem Kapital von 100 Mk. Nominalwert
— erworben werden. Für die laufende Verwaltung werden
Oktterwolken.
Roman von M. v. Bu ch.
(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
Maria Theresia erhob sich mit stolzer Würde. Ihre Augen blitzten.
„König Ludwig ist der schlechteste der mit dem heiligen Oele gesalbten Könige Frankreichs," sagte sie. „Er ist in schlimme Lüste versunken, Lüste, die mit Namen zu nennen mein Mund sich sträubt. Ich bin stolz auf bat kaiserliche Diadem, daS ich trage, allein nicht minder stolz bin ich auf das andere Unsichtbare, auf meine Würde als ehrbare Frau. Ich mag nichts mit Paris zu schaffen haben. Hören Sie wohl, Kaunitz? Ich mag nicht." —
Kaunitz war verabschiedet.
Er verbeugte sich vor seiner kaiserlichen Herrin, dann aber — er konnte eS nicht unterlassen — fragte er zum Abschiede: „Wünschen Ew. Majestät sofort beim Eintreffen der Kurier- aus England benachrichtigt zu werden, oder haben die Nachrichten, die ich mit Sehnsucht erwarte, für meine Kaiserin keine Eile?"
Maria Theresia verstand.
„Sie haben Eile," sagte sie. „Bringen Sie mir sofort die Neuigkeiten."
Als Kaunitz aber aus der Tür ging, murmelte er: „Und wir tuenden uns doch noch an Frankreich, parole d’honneur! Erst durch Frankreichs Hilfe sind wir sicher, und vor dem harten Muß schweigt jede Rücksicht ..."
* *
Der so sehnlichst erwartete* Kurier auS England war im Laufe des nächsten Tages in Wien eingetroffen.
Er hatte die wichtigen vom österreichischen Gesandten in London erhaltenen Aktenstücke in den Stiefelsohlen und -Schäften verborgen. DaS war eine Vorsicht, die ihm Kaunitz geraten hatte.
Behutsam trennte der Kurier seine Stiefel auseinander, woraus die versiegelten Akten zutage kamen.
keine Gebühren erhoben. Um Sicherheit zu haben, daß nicht ein Unbefugter über die Forderung verfügt, ist für Anträge aus Aenderungen der Eintragung öffentliche Beglaubigung vorgeschrieben, die bei den öffentlichen Kassen kostenfrei erfolgt. Wer die Buchschuld wieder veräußern muß und nicht sofort jemanden findet, der sich an seiner Stelle eintragen lassen will, kann jederzeit die Aushändigung von Schuldverschreibungen gegen eine geringe Gebühr verlangen und die Papiere dann durch einen Bankier verkaufen. Besonderen Anklang bei dem Publikum hat es gesunden, daß zugleich eine zweite Person — z. B. die Ehefrau — eingetragen werden kann, die nach dem Tode des Rentenbesitzers allein gegen Vorlegung der Sterbeurkunde ohne sonstige Förmlichkeiten der Erbe-legitimation über die Rente verfügen und bestimmen kann, auf wen sie umgeschrieben werden soll.
Welche Beliebtheit die Schuldbücher jetzt schon haben, obwohl sie noch lange nicht genug bekannt sind, beweisen folgende Zahlen: am 31. März 1911 waren im Reichsschuldbuch Kapitalien von 1037 Mill. Mk. und im Preußischen Staatsschuldbuch von 744 Mill. Mk. zu 4, 3Va und 3 % eingetragen. Von den rd. 55 000 Konten des StaatSschuldbuchS lauten rd. 22 000 über Kapitalbeträge biS 4000 Mk., 12 000 über solche zwischen 4000 und 10 000 Mk. und mehr als 17 000 über solche zwischen 10 000 und 100 000 Mk, was gewiß zeigt, daß gerade die Besitzer kleiner und mittlerer Kapitalien die Vorzüge dieser Anlage zu schätzen wissen.
. Am in Am mit Wn.
England und Japan haben es für notwendig gehalten, ihr Bündnis, welches noch bis zum 12. August 1915 dauerte, schon jetzt biS zum 13. Juni 1921 zu verlängern. Man darf ja daher wohl fragen, waS beide Großmächte mit dieser außerordentlichen Verlängerung ihres Bündnisses beabsichtigen. Man irrt wohl nicht, wenn man annimmt, daß die beiden Großmächte England und Japan in der großen Politik überall dort gemeinsam austreten und mit ihren gewaltigen Machtmitteln Eindruck machen wollen, wo sie eS für nötig halten. Es ist sonach also wahrscheinlich, daß Japan und England Arm in Arm ihr Jahrhundert in die Schranken der großen Politik fordern wollen. Man braucht ja da nicht gleich an eine Weltherrschaft Englands und Japans zu denken, aber es darf auch nicht vergessen werden, daß zwei so sehr aus die Ausdehnung ihrer Macht und ihres Einflusses bedachte Groß- staaten, wie England und Japan, ihren neuen Bündnisvertrag nur zu politischen Paradezwecken abgeschlossen haben. England und Japan haben sicher große Pläne vor, die sie mit Hilfe ihres Bündnisse- durchdrücken wollen. Wahrscheinlich ist eS allerdings auch, daß daS Bündnis zwischen England und Japan etwas Aehnlichkeit mit dem Vertrage hat, den nach dem Märchen einst der Löwe mit dem Esel abschloß, als sie zusammen aus die Jagd gehen wollten. Denn Japan, welches
Ohne mit der Wimper zu zucken, mit unbeweglichem Ge- sichte laS sie der Graf. Dann stieg er in seine Sänfte und ließ sich in die Hosburg tragen.
Maria Theresia, die endlich einen Augenblick Zeit gefunden hatte, da sie Frau und Mutter sein durfte, befand sich gerade im Kinderzimmer, umgeben von einer munteren Schar rotbackiger Buben und Mädel, als der Kanzler gemeldet wurde. Sie war in Erwartung der Nachrichten, die sie hören würde, ein wenig erregt, die Gefühle der Kaiserin überwogen die der Mutter.
Verschiedentlich hatte sie an daS gestern geführte Gespräch mit ihrem Kanzler gedacht. Kaunitz hatte, obwohl gewissermaßen zum Kriege, so doch auch wieder zur Vorsicht gemahnt, ja, verschiedentlich, und daS war daS, wa- Maria Theresia am meisten beschäftigte, für Oesterreich einen neuen Bundesgenossen in Vorschlag gebracht. Sie ließ durch den meldenden Lakaien sagen, daß sie kommen würde, und wollte sich von den Kindern verabschieden. Selbstverständlich wurde sie von allen Seiten bestürmt, ihren Besuch nicht abzukürzen.
Die kleine Marie Antoinette, ein kleiner blondlockiger Engel und daS hübscheste ihrer Kinder, hing sich weinend an daS Brokatgewand der Mutter.
„Du sollst bei uns bleiben, Mama Kaiserin, du sollst bei uns bleiben . . ."
Die Fürstin tröstete da- schreiende Kind, allein bei all ihrer Zärtlichkeit konnte sie ihre Ungeduld nicht verbergen.
„Sei artig, ma petite," sagte sie, „Tränen verderben die Augen und deine Guckerln sollen doch schön und klar bleiben. Schau, morgen komme ich wieder und bring dir etwas recht Schönes mit. Was soll ich dir schenken?"
Die Kleine wischte sich mit den Fäustchen die dicken Tränen au- den Augen. Sie dachte über da- Geschenk nach.
„Nun, Kind, rasch, rasch, waS willst du haben? Eine Zuckerstange oder eine neue Puppe?"
Marie Antoinette aber wußte noch etwa- anderes. Sie machte ein schlaue- Gesichtchen.
„Ich habe dich einmal drüben in dem großen Saale gesehen. Da saßest du auf dem Thron und hattest eine goldene
nur aus Grund des englischen Wohlwollen- seine Eroberungspolitik in Ostasien in Szene setzen und in Korea festen Fuß fassen konnte, ist biS zu einem gewissen Grade aus Gnade und Ungnade auf dar Wohlwollen Englands angewiesen, denn wenn England den Japanern den Vertrag kündigen würde, so stände Japan politisch total vereinsamt da. Die Japaner haben eS sich daher auch gefallen lassen müssen, daß in dem neuen Vertrage mit England die Bestimmung ausgenommen worden ist, daß der Vertrag nicht gegen dritte Staaten gilt, mit denen England oder Japan bereits in einem SchiedSgerichtsvertrage oder sonst einem Bündnisse stehen. England hat diese Bestimmung in den neuen Vertrag ausgenommen, um aus der bösen Zwickmühle herauSzukommen, welche das englisch-japanische Bündnis für die Beziehungen zwischen Japan und den Vereinigten Staaten von Nordamerika geschaffen hatte. England ist daher auch bestrebt, einen Schiedsgerichtsvertrag mit Nordamerika abzuschließen, der kriegerische Verwickelungen zwischen diesen beiden Großmächten unmöglich machen soll. Die Engländer haben offenbar mit wachsender Angst gesehen, daß die Feindschaft zwischen den Japanern und Nordamerikanern unheimlich wächst, und daß diese beiden Großmächte noch einmal einen Kampf um die Oberherrschaft auf dem Stillen Ozean und wegen der Aus- breitungssucht der Japaner, die schon in Nordamerika festen Fuß gefaßt haben, auszufechten haben werden. In diesen Kampf will aber England unter keinen Umständen durch die Japaner hineingezogen werden, da ein Krieg zwischen England und den Vereinigten Staaten von Nordamerika in England für das größte Unglück angesehen wird. In diesem Punkte ist also der neue englisch-japanische Vertrag eine Abkühlung für die japanischen Bestrebungen auf dem Stillen Ozean. Sicher ist aber bafür den gelben Söhnen Japans von England irgend eine Konzession in Ostasien zugesagt worden, und man kann da schon in einiger Zeit aus irgend eine Ueber- raschung gefaßt sein. Wer die Geschichte der überseeischen Politik der Großmächte genau betrachtet, der wird auch bald dahinter kommen, daß diese Politik im Grund genommen stets bezweckt, rückständige und verrottete Länder zu teilen oder zu annektieren. Man sieht ja jetzt diese Politik wieder in Marokko am Werke. England, das sich in Nordasrika daS schöne Land Aeghpten zugelangt hat, will ja den Franzosen Marokko überlassen, um sich seine Stellung in Acgypten zu sichern, aber daS Kaiserreich Persien soll auch geteilt werden, nur sind die Russen und Engländer über das Teilungsve,fahren noch nicht recht einig, und da es bei den Engländern als ein Hauptrecht gilt, das überseeische Land, auf daS sie Wert legen, allein zu verschlucken, so kann man den Gedanken nicht loS werden, daß der neue englisch-japanische Bündnisvertrag auch die Einleitung für die Annexion Persien- durch England sein und Rußland durch Japan von seinen Ansprüchen in Persien abgedrängt werden soll.
Krone aus das Haupt gesetzt; ach, wie schön warst du da! Schenke mir doch auch eine Krone, Mama Kaiserin!"
Maria Theresia strich mit zarter Hand über die blonden Löckchen ihres Liebling-,
„Vielleicht, Kind, vielleicht später. Aber schau, du mußt nicht glauben, daß e- etwas so Schöne- um die Krone ist, so ein güldener Reifen ist schwer, der drückt die Stirn wund."
Damit ging sie, allein noch im Korridor hörte sie die Kleine rufen: „Eine Krone, Mama Kaiserin, eine Krone!"
Nun stand sie im Arbeitszimmer, auf dessen mit Papieren bedecktem Tisch die Wachskerzen in silbernen Kandelabern brannten. Im Bannkreise des Tische- war eS hell, aber der übrige Raum lag in Dunkelheit. Im matten Zwielichte sah da- blasse Gesicht ihre- Kanzler- noch blasser au- denn sonst.
„Sprechen Sie, Graf," sagte sie.
Und Kaunitz sprach.
Er war eine lange und erregte Unterhaltung, die die Fürstin mit ihrem Kanzler führte. Dieser teilte seiner kaiserlichen Herrin die wichtigen Nachrichten mit, die er au- London empfangen hatte. Zwischen König Georg von England und König Friedrich von Preußen war zu Westminster ein Vertrag vereinbart worden. Der zwischen den amerikanischen Kolonien entbrannte Seekrieg zwischen England und Frankreich hatte den König Georg wegen seine- Stammlandes Hannover besorgt gemacht. Daher war zwischen ihm und König Friedrich ein Bündnis zustande gekommen. Der Preußenkönig stand also nicht mehr allein, er hatte einen Bundesgenossen, der ihm im Falle der Not Truppen und Hilssgelder versprochen und wer konnte wissen, ob er über kurz oder lang nicht noch andere Freunde gewinnen würde!|
Man munkelte, daß der Großfürst Peter, ein Prinz von Holstein-Gottorp, der präsumtive Nachfolger der Kaiserin Elisabeth von Rußland, durchaus nicht die Abneigung seiner Tante gegen den Preußenkönig teile, ja im Gegenteil eine wahrhaft schwärmerische Verehrung für ihn hegte. Wenn Peter einmal — das Wann war unbestimmt — den Thron bestieg, war die österreichische Allianz, deren Spitze gegen Preußen gerichtet war, vernichtet. . .
(Fortsetzung folgt.)