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Herrfelder Armblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage”
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 8«. Dienstag, den 11. Juli 1911.
Amtlicher teil.
LandespolizeUiche Anordnung, betreffend Maßregeln gegen die Einschleppung der Maul- und
Klauenseuche in den Regierungsbezirk Cassel.
Meine landeSpolizeiliche Anordnung vom 2. und 7. d. MtS. — A. III. 2725/2725 a — Maßregeln gegen die Einschleppung der Maul- und Klauenseuche in den Regierungsbezirk Cassel wird dahin abgeändert, daß das Herzogtum Eachsen-Meiningen und die Fürstentümer Schwarzburg. Rudolstadt und Schwarzburg-SonderShausen im Absatz 2 sortfallen und somit aus diese nur noch die Bestimmungen meiner landeSpolizeilichen Anordnung vom 7. November 1910/5. Februar 1911 — A. III. 4646/550 Amtsblatt Nr. 45/6, Seite 324/45/6 — amtliche Untersuchung der mittels der Eisenbahn eingesührten KlauenviehS Anwendung finden. (A. III. 3105.)
Cassel, am 27. Juni 1911.
Der Regierungspräsident. Graf von Bernstorss.
HerSseld, den 5. Juli 1911.
Im deutschen Reiche sind z. Zt. folgende RegierungS- Bezirke und BundeSstaaten, welche nicht in Regierungs-Bezirke geteilt find, mit Maul- und Klauenseuche verseucht: Königsberg, Gumbinnen, Allenstein, Danzig, Marienwerder, Berlin, Potsdam, Frankfurt, Stettin, Köslin, Stralfund, Posen, Bromberg, Breslau, Liegnitz, Oppeln, Magdeburg, Merse- burg, Erfurt, SchleSwig, Hannover, HildeSheim, Lüneburg, Stade, Osnabrück, Aurich, Münster, Minden, ArnSberg, Cassel, WieSbaden, Koblenz, Düsseldorf, Köln, Trier, Aachen, Sigmaringen, Oberbayern, Niederbayern, Pfalz, Oberpsalz, Oberfranken, Mittelsranken, Unterfranken, Schwaben, Bautzen, DreSden, Leipzig, Chemnitz, Zwickau, NekarkreiS, Schwarz- waldkreiS, JagstkreiS, DonaukreiS, Konstanz, Freiburg, Karlsruhe, Mannheim, Starkenburg, Oberheffen, Reinheffen, Mecklenburg-Schwerin, Sachsen-Weimar, Mecklenburg-Strelitz, Oldenburg, Lübeck, Birkenfeld, Braunschweig, Sachsenmeiningen, Sachjen-Altenburg, Coburg, Gotha, Anhalt, Schwarzburg- SonderShausen, Schwarzburg-Rudolstadt, Waldeck, Reuß älterer Linie, Reuß jüngerer Linie, Schaumburg-Lippe, Lippe, Lübeck- Bremen, Hamburg, Unter-Elsaß, Ober-Elsaß, Lothringen.
I. 8228. Der Landrat.
A.:
Wessel, Kreissekretär.
HerSfeld, den 4. Juli 1911.
Im Hinblick aus den Umstand, daß die Gefahr eines Brandunglücks umso größer ist, je mehr Nahrung dem auS- gebrochenen Feuer sich bietet, veranlasse ich die Herren OrtS- vorstände des Kreises tunlichst daraus hinzuwirken, daß jetzt, wo nach begonnener Ernte, die Scheuern mit brennbaren
Der neue Hm.
Roman von Walter H 0 g a r t h.
(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
William horchte bei diesen Worten betroffen aus und er- widerte dann fest:
„Nun gut, lieber Onkel, ich nehme Deine großmütige Unterstützung an, und du darsst überzeugt sein, daß du sie keinem Unwürdigen zuteil werden läßt."
„So istr recht, mein Junge," rief jetzt der Onkel Kuno freundlich und schüttelte William die Hand. „Das EiS wäre aus diese Weise nun doch zwischen uns gebrochen, und wir könnnten wie Vater und Sohn zu einander stehen. Du hast keine Eltern mehr, William und du wirst eS mir und meiner Frau doch nicht übel nehmen, wenn wir dich wie unseren Sohn ansehen wollen. Wir haben uns ja immer vergeblich einen Sohn gewünscht, und nun schickte uns der Himmel einen Neffen, einen Prachtkerl, da müssen wir doch zugreisen."
„Aber liebster Onkel, wohin soll denn dar sichren?" sagte William seufzend, „Du hast doch Hanni bereits adoptiert oder so gut wie deine Tochter angesehen und ihr und ihrem Bräutigam dein Erbe versprochen. Ich will da nicht da- zwischentreten, ich will kein Aergernis schaffen. Laß also das sein, mich auch noch als Sohn annehmen zu wollen."
„ES langt für Euch beide, sür Dich und Hanni, mein Vermögen," erwiderte der Onkel Kuno lächelnd. „Außerdem ist Hanni noch keineswegs von mir adoptiert worden, und wenn ich noch mit meiner Frau zu einer Adoption schreiten sollte, so könntest nur Du, lieber William, unser Adoptivsohn werden."
„DaS nehme ich aber nicht an," erklärte dieser mit säst eifern klingender Festigkeit.
„William, waS sollen diese Worte bedeuten?" sagte jetzt der Onkel Knno sehr ernst und traurig. „Willst du mich in dieser schönen Stunde, wo ich einen lieben Neffen gefunden yobe, kränken? ES ist doch naturgemäß und den Banden der Blutsverwandtschaft entsprechend, daß wir unsere Hoff
Stoffen angefüllt sind, soweit möglich, ein Jeder seine Vorräte gegen Feuer-gefahr versichert, damit im Falle einer Unglücks eine tunlichst erreichbare Ausgleichung des erlittenen Schadens stattfinden möge.
Ich mache hierbei ausdrücklich darauf aufmerksam, daß nach dem Erlaß des Herrn Ober-Präsidenten vom 28. Februar 1878 (cfr. KreiSblatt Nr. 20) die Abhaltung von Hau-kollekten aus Anlaß von Beschädigungen durch Brand, ebensowenig wie bei Hagelschlag genehmigt werden wird.
Gleichzeitig richte ich an die Kreisbewohner die dringende Mahnung, ein besonderes Augenmerk auf die sichere Ausbewahrung der Streichhölzer zu richten, damit namentlich unverständige Kinder nicht in deren Besitz gelangen und durch Spielen damit, wie schon oft geschehen, Feuerschaden verursachen. Die Herren OrtSvorstände wollen sür tunlichste Bekanntwerdung deS Gesagten Sorge tragen und auch die Herren Lehrer hieraus Anlaß nehmen, in entsprechender Weise aus die Schulkinder einzuwirken.
I. 8213. Der Landrat.
I. A.:
W e s s e l, KreiSsekretär.
HerSseld, den 7. Juli 1911
Bei Berechnung der Unterstützung sür die Familien, der zu FriedenSübungen einberusenen Mannschaften kommen vom 1. Juli d. JS. ab die neuen Sätze der ortsüblichen Tagelöhne zur Anwendung. Sie sind bereits im KreiSblatt Nr. 6 vom 4. Januar 1911 veröffentlicht worden.
Die Herren Bürgermeister und Gut-vorsteher deS Kreises wollen diese Neusestsetzung bei Ausstellung der EmpsangSbe- scheinigungen beachten.
I. 4217. Der Landrat. 3. V.: von Cossel.
HerSseld, den 5. Juli 1911.
Auf Anordnung deS Herrn Regierungs-Präsidenten ist die Abhaltung deS zum 20. Juli d. JS. in der Stadt Fulda angesetzten ViehmarkteS aus veterinärpolizeilichen Gründen untersagt worden.
I. 8843. Der Landrat.
I. A.:
W e s s e l, KreiSsekretär.
HerSseld, den 7. Juli 1911.
An die Echulvorstände des Kreises.
Der Lehrer Rud. Schiffe! in Leipzig hat drei farbige Tafeln über Obstbaumschädlinge herauSgegeben, die sehr gut auSgesührt sind und sich vorzüglich sür Schulen eignen. Die 3 Taseln sind im Verlage von I. I. Weber (Jllustr. Zeitung) in Leipzig, Reudnitzerstraße 1—7, erschienen und kosten nebst Beschreibung insgesamt 90 Pfg. sür rohe
nungen aus Dich setzen. Du kannst, du darsst eS nicht abschlagen, wenn wir dich adoptieren wollen! Du kannst uns die größte, die schönste Freude unseres LebenS bereiten, wenn du in Deutschland bleibst und unser Adoptivsohn und Erbe wirst. Gieb mir daraus deine Hand, William! Ich bin Deiner Vaters Bruder. Wir Männer aus dem Bevernschen Namen haben immer treu zusammen gehalten. Du darsst nicht nein sagen."
Der junge Mann wurde bei diesen ihn tief ergreifenden Worten abwechselnd rot und bleich im Antlitze und seine Lippen zitterten. Er war um die rechte Antwort sichtlich in sehr großer Verlegenheit, und es schien fast, als könnte er die richtigen Worte nicht finden. Dann aber überkam es ihn doch wie eine plötzliche Eingebung und er sagte mit halblauter aber fester Stimme:
„Lieber Onkel, ich kann deinen hochherzigen Antrag nur dann annehmen, wenn du auch gleichzeitig deine Nichte Hanni mit mir adoptierst, denn ich wünsch«, daß diese in keiner Weise hinter mir, dem Neffen zurückgesetzt wird."
„Diese Erklärung macht Dir alle Ehre, William," sagte der Onkel Kuno gerührt, „ich nehme deinen Vorschlag an und danke dir dafür."
„Aber nun hätte ich noch eine Bitte." sagte dann der Neffe noch. „Diese ganze AdoptionSangelegenheit soll ruhen bis sich über meine Zukunft alles geklärt hat."
„Das Letztere ist zu viel verlangt," entgegnete Kuno von Bevern lächelnd, „denn bis sich nun gerade alles über Deine Zukunft geklärt hat, möchte ich da doch nicht mit der Adop- tion warten, sondern ich möchte deine Zukunft selbst mit in die Hand nehmen. Aber ich will jetzt nicht weiter in dich rindringen und rasche Entscheidungen verlangen. Vereinbaren wir, daß diese Angelegenheit zunächst ein Jahr ruhen soll."
„Gut, ein ganzes Jahr bleibt alles wie eS ist zwischen dir und mir, und erst, wenn zwölf Monate verstrichen sind, dars über die Adoption wieder gesprochen werden," entgegnete William.
„Gut, gut," rief Kuno von Bevern, „aber nun komm, jetzt will ich dir wenigstens noch die Ahnengalerie zeigen, den Turm können wir erst morgen besuchen, denn ei will schon
Exemplare bezw. 1,50 Mk. für Exemplare aus Karton (31V2X23V2 cm.) mit Oesen und Schnur.
Die Taseln werden zur Anschaffung empfohlen.
I. 8397. Der Landrat.
3. V.:
von C 0 jsel.
Hersfeld, den 4. Juli 1911.
Zufolge Verfügung des Herrn Regierungs-Präsidenten müssen die Schankgefäße wieder einer Prüfung durch den Geißler'schen Apparat unterzogen werden.
Die OrtSpolizeibehörden deS Kreises ersuche ich, diese Prüfung vorzunehmen und mir über daS Ergebnis nach dem mit Verfügung vom 8. Juli 1908 Nr. I. 6844 im Kreis- blatt Nr. 81 von 1908 abgedruckten Muster, insbesondere über die Stückzahl der unvorschristsmäßig befundenen Gefäße und über die erfolgten Bestrafungen bis zum 1. September d. JS. bestimmt zu berichten.
Die Königliche Gendarmerie deS Kreises hat an diesen Revisionen in den Landgemeinden teilzunehmen und zugleich festzustellen und mir zu berichten, wieviel brauchbare Geißler'- sche Apparate noch vorhanden sind.
Ferner hat sie mir über die gemachten Wahrnehmungen biS zu dem angegebenen Termine zu berichten.
Die Geißler'schen Apparate befinden sich in den Händen der OrtSvorstände der KirchspielSgemeinden.
In diesen Gemeinden ist die Revision zunächst vorzunehmen; daraus ist der Apparat an die übrigen Gemeinden weiterzu» geben.
I. I. Nr. 8224. Der Landrat.
I. V.
von Coffel.
nichtamtlicher Ceil.
Marokko.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die Mitteilung über Entsendung einer deutschen Kriegsschiffes nach Agadir hat in der deutschen Presse eine ruhige und der Bedeutung dieser Maßregel zum Schutz der deutschen Interessen im Südwesten Marokkos entsprechende Aufnahme gesunden. Im AuSlande hat der Schritt Deutschlands zu amtlichen und halbamtlichen Kundgebungen Anlaß gegeben, aus denen die Bereitwilligkeit ersichtlich ist, die marokkanische Frage einer sachlichen Erörterung zu unterziehen. Eine kurze Aussprache fand sowohl in der ungarischen wie in der italienischen Kammer statt. Mit einer formulierten Erklärung trat Premierminister ASquith am Donnerstag vor das britische Unterhaus. Herr ASquith gab als Ansicht der britischen Regierung kund, daß durch die kürzlichen Ereignisse in Marokko eine neue Situation entstanden sei, in der es möglich sei, daß künftige Entwicklungen
Abend werden und gar so lange Zeit dürfen wir unS von den Damen auch nicht entfernen."
Langsam schritten der Onkel und der Neffe jetzt durch die langen und breiten Korridore des Schlosses der Ahnengalerie zu, aus deren Wandgetäsel eben noch durch die Fenster die scheidende Abendsonne ihre goldenen Strahlen sendete und die ehrwürdigen Bilder wie mit einem Zauberduste umwob.
William stand wie geblendet in diesen goldenen Sonnenstrahlen und betrachtete dann gerührt die Bilder seiner Ahnen. Und fast schien es, ob der Ahnherr Philipp von Bevern, dem William so ähnlich sah, so besonders fest sein Auge auf den jüngsten Sprößling richtete, der wie von einer Wunderhand geführt, von Amerika herüber nach Deutschland gekommen war, nur vorübergehend im Schlosse hatte Einkehr halten wollen und nun nach dem Willen des einflußreichen Onkels der neue Herr auf Bevern werden sollte, wenn Kuno von Bevern diese neue Lieblingsidee auch noch etwas geheim zu halten suchte. Das Gefühl, daß William die nächste Anwartschaft auf den uralten Bevernschen Herrensitz naturgemäß haben müsse, war aber bei Kuno so mächtig, daß er sein Vorhaben gar nicht recht geheim halten konnte. Dazu kam noch, daß Kuno, seitdem er erkannt hatte, daß William wirklich sein Neffe war, diesen so väterlich in sein Herz geschlossen hatte, daß er ihn um keinen Preis wieder nach Amerika ziehen lassen, sondern zunächst in Deutschland und später möglichst aus Schloß Bevern oder doch in seinem schönen großen Landhause festhalten wollte.
Jetzt erklärte Kuno dem Neffen auch die lange Ahnenreihe der Vorfahren, die auf acht Jahrhunderte zurück nachweisbar war, aber wahrscheinlich noch einen älteren Stammbaum Halle.
Die beiden Herren traten nach einigen Minuten in daS Gesellschaftszimmer deS Schlosses ein, wo die Damen ihrer warteten und sie zum Tee einluden. Die schwüle Stimmung, die sich vor zwei Stunden der kleinen Gesellschaft wegen der Erbschaftsfrage, die durch daS unerwartete Auftauchen eines Neffen des OnkelS Kuno eine ganz andere Gestaltung anzu- nehmen schien, bemächtigt hatte, war wieder verschwunden und fröhlich und freundlich begrüßten die Schloßherrin und Hanni die eintretenden Herren.