Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, na
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herchl-er Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Anschlutz Nr. 8
Nr. 7«.
Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten.
Erstes Statt.
Zu dem am 1. Juli 1911 neu beginnenden Vierteljahr laden wir zu recht zahlreichen
Bestellungen auf das Bersfelder Kreisblatt ergebenst ein.
Das Hersfelder Kreisblatt enthält:
Berichte über die Politik -es Reichs, sowie aller in- und ausländischen Staaten, Berichte über die Sitzungen -es Reichstages un- -es Abgeordnetenhauses.
Nachrichten aus Sta-t un- Kreis Herssel-, aus -er Provinz un- -en Nachbar- gebieten.
Vermischte Nachrichten aus aller Welt. Die neuesten Depeschen un- Nachrichten
gehen uns durch eins der ersten Büros zu.
Vorzügliche Romane, Novellen re.
erscheinen fortsetzungsweise in jeder Nummer.
Die amtlichen Bekanntmachungen des Königlichen Landratsamtes sowie einer ganzen Anzahl Zivil- und Militärbehörden werden nur im Hersfelder Kreisblatt veröffentlicht, daher sowohl für jeden Handels- und Gewerbetreibenden wie für jeden Privatmann von ganz besonderer Wichtigkeit. U. a. werden die Frühjahrs- und Herbstkontrollversammlungen, die milit. Ausmusterungen, Jmpftermine usw. nur durch das Hersfelder Kreisblatt bekannt gemacht.
An Gratisbeilagen erhalten unsere Leser alle 8 Tage ein Illustriertes Sonntagsblatt, alle 14 Tage eine vorzügliche Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage, am 1. Mai und 1.
nach zwanzig Jabren!
Novelle von Carl Cassau.
(Nachdruck verboten.)
Aus dem Wege von der Hauptstadt nach dem KreiSort Egestorff fuhr ein Mietwagen daher, darin saß ein Herr, eine recht stattliche Erscheinung, ein Mann, der etwa auf vierzig Jahre zu schätzen war. Der Kutscher wandte sich jetzt zu dem stillen Herrn um und sagte:
„Kehren wir bei MöbiuS auf dem Markt ein?"
„Jawohl, Kutscher; ich möchte durch die Große Forst nach Egestorff gehen, denn ich weiß hier Bescheid. Sie können indes auf dieser Landstraße weiter fahren und bei MöbiuS Quartier bestellen! Sagen Sie nur für den neuen Landrat!"
„Gut, Herr Landrat!" entgegnete der Mann auf dem Bock und blickte schon mit etwas mehr Respekt den stillen Herrn, der wieder in Nachdenken versunken war, an.
An der Waldecke stieg der Landrat auS und bemerkte:
„Nun fahren Sie direkt zu MöbiuS!"
„Jawohl, Herr Landrat!"
Der ging rüstig weiter und atmete die balsamische Lust deS WaldeS tief ein:
„Wie heimisch mir daS hier vorkommt! ES ist mir nicht so zu Mute, als ob ich seit zwanzig Jahren nicht hier ge- Wesen wäre und diesen belebenden Waldesduft so lange nicht eingeatmet hätte!"
Dann schritt er weiter und dachte bei sich:
„Schau, die alte Eiche steht auch noch! Wahrlich so ein Baum überdauert zwei und drei Menschenleben."
Dann dachte er nach und sann weiter so vor sich hin.
„Zwanzig Jahre, welche Zeit! Ich trug damals noch die Studentenmütze, war ein junger Springinsfeld, und Adelaide war eine aufblühende Knospe! Welche selige Zeit! Und doch auch wie viel Kummer und Sorge barg sie, als Papa dann starb! Hätte mir damals Onkel Jsidur nicht beigestanden, ich hätte mein Studium fliegen lassen müssen, wie ich Adelaide ausgeben mußte, weil das Leben mit feinen Forderungen
Sonnabend, den 1. Juli
Oktober einen Auszug aus dem Fahrplan, sowie am Beginn des neuen Jahres einen farbigen Wandkalender und ein Märkleverzeichnis.
Das Hersfelder Kreisblatt erscheint wöchentlich dreimal und kostet vierteljährlich für Hersfeld bei freier Lieferung ins Haus 1.40 Mk., durch die Post bezogen 1.60 Mk. (ohne Bestellgeld).
probenummern werden auf Wunsch gratis und franko, zugesandt.
Amtlicher teil.
HerSfeld, den 29. Juni 1911.
Den Herren Verband-vorstehern der Gesamt-Schulverbände der Kreises geht heute von der Ludwig Funk'schen Buchdruckerei hier ein Formular zu Schulkassen -Prüfung-- Verhandlungen zu, daS schon zu dem Kassenabschluß am 30. d. MtS. und bis aus Weiteres zu verwenden ist, (vergleiche Ziffer 4 der Vorschriften vom 22. März 1898, Regierungs- AmtSblatt Nr. 13/1898 in analoger Anwendung.) Etwa nach dem alten Muster bei mir eingehende Abschlüsse, werde ich zur Ausfertigung eines Abschlusses nach dem neuen Formular zurückgeben.
Unter Ziffer 1 und 3 des KaffenabschluffeS ist, da nur daS 1. Vierteljahr des Rechnungsjahres 1911 beim Abschluß am 30. d. Mts. in Frage kommt, nichts einzutragen. Dagegen muß unter Ziffer 2 die Gesamt-Einnahme sür die Monate April, Mai und Juni 1911, mit dem eventuellen Kassenbestande vom Rechnungsjahre 1910, und unter Ziffer 4 die Gesamt-AuSgabe fü. die Monate April, Mc.» und Juni 1911, mit der eventuellen Ueberzahlung vom Rechnungsjahre 1910 eingetragen werden. DaS neue Formular soll mit dazu dienen, daß der Kassenabschluß für daS vierte Vierteljahr daS Gesamtbild deS ganzen Rechnungsjahres darstellt, daS mit der für dieses Rechnungsjahr ausgestellten Schul- rechnung genau übereinstimmen muß. (vergleiche § 14, Schluß, der obenbezeichneten Vorschriften.)
Die Einziehung deS Schulkassen-Einnahme- und Ausgabe- Buches zu dem vorgelegten Kassenabschluß behalte ich mir vor. I. 8043. Der Landrat.
I. V.:
von Cossel.
HerSfeld, den 30. Juni 1911.
Diejenigen Herrn Bürgermeister deS «reifes, welche meine Verfügung vom 15. Mai d. JS. I. A. Nr. 2256 — Kreisblatt Nr. 62 — betreffend Abfchließung einer Haftpflichtversicherung mit der LebenSverficherungsgefellschaft „Germania" zu Stettin noch nicht erledigt haben, werden hieran mit Frist bis zum 7. Juli d. JS. erinnert.
Gleichzeitig teile ich mit, daß ich die Versicherung der
drängte! Dann kamen die Kummerjahre l Adelaide schrieb mir, daß sie um ihrer Eltern willen dem Kaufmann MuntiuS ihre Hand reichen müsse; sie gäbe mir ihr Wort und meine Freiheit zurück! Möge ich glücklich werden! Ach, wie manche Nacht habe ich in dieser Zeit vor Sorgen und Auflegung geweint! ES gab nur ein Mittel dagegen: die Arbeit! Und so wurde ich ein tüchtiger Jurist, weshalb mich Onkel Jsidor später auch zu seinem Erben einsetzte, und ich wurde dann auch Assessor! Jetzt konnte ich der gehaltSlosen Amtszeit ruhig entgegensehen und wurde nun zum Landrat in Egestorff ernannt! Hätte es mir wahrlich nicht träumen lassen, daS alte, liebe Nest noch einmal Wiedersehen zu sollen, und nun gar als Landrat!"
Jetzt wünschte dem fremden Herrn ein grünberockter Forstmann so freundlich einen „Guten Morgen!", daß der neue Landrat überrascht ausblickte.
„Guten Morgen", gab er zurück, „Sind Sie wohl der Herr Förster hier im Walde?"
„Auszuwarten, Obersörster Brahmstedt, seit sechs Jahren hier angestellt!"
„So, So! Auch in der Stadt gut bekannt?"
„Wollt'S meinen!"
„Kennen Sie die KausmannSfamilie MuntiuS?"
„Jawohl, Frau Adelaide lebt noch! MuntiuS ist bald nach meiner Anstellung hier gestorben, daS Geschäft ist verkauft! Die Familie ist ziemlich wohlhabend! Frau Adelaide hat ein Töchterchen von etwa achtzehn Jahren mit Namen Angelika! UebrigenS sieht die Mutter noch recht gut auS!"
„Was Sie sagen? Und die Familie wohnt?"
„Gartenstraße Nr. 5!"
„Wohnt in derselben Straße nicht auch der Institutsdirektor AcheliuS?"
„Jawohl, stimmt!"
„Glaubte das in der Hauptstadt vernommen zu haben!"
„Ja, ist auch so; statt eines KnabeninstituteS dirigiert er jetzt ein Mädchenpensionat!"
„Komischer Wechsel!"
„Der Mann ist wirklich komisch!"
1911.
sämtlichen Gemeinden deS Kreise- bei der „Germania" vermitteln werde. ES wird dadurch eine Verbilligung der Versicherung erzielt.
Ich ersuche in den Gemeindebeschlüffen deshalb auch zum Ausdruck zu bringen, daß die Versicherung durch mich geschehen soll.
Der Vorsitzende des Kreisausschuffes:
I. V.:
A. 2256II. von Cossel.
Hersfeld, den 26. Juni 1911.
Diejenigen Herrn Bürgermeister des Kreises, welche meine Verfügungen vom 17. Oktober 1900 I. I. Nr. 2546 — KreiSblatt Nr. 125 und vom 3. Mai 1905 I. I. Nr. 3056 — KreiSblatt Nr. 53 —, betr. Einreichung der Nachweisung über den Bestand an Kühen, deckfähigen Rindern und sprung- fähigen Bullen noch nicht erledigt haben, werden hieran mit Frist biS zum 1. Juli d. JS. nochmals erinnert.
Der Vorsitzende des Kreisausschuffes:
I. A. Nr. 3804. von Cossel.
Hersseld, den 26. Juni 1911.
Diejenigen Herm Bürgermeister der Kreises, welche meine Verfügung vom 3. Mai d. Js. I. A. Nr. 2728 — KreiS- blatt Nr. 54 — betreffend Einreichung deS GemeindebeschluffeS über die Feststellung der Gemeinderechnung noch nicht erledigt haben, werden hieran mit Frist bis zum 3. Juli d. JS. nochmals erinnert.
Der Vorsitzende des Kreisausschuffes:
I. A. Nr. 2728. von Cossel.
nichtamtlicher teil.
Politischer^Wochenbericht.
Der preußische Landtag, der bi- jetzt noch eine rege Tätigkeit entfaltete, ist geschlossen worden und sür daS parlamentarische Leben ist eine Periode deS Stillstandes und der Ruhe eingetreten. Vom Herrenhause wurden die ZweckverbandSvorlagen und daS Feuerbestat- tungSgesetz nach lebhaften und interessanten Debatten angenommen. Hinsichtlich deS FeuerbestattungSgefetzeS legte der Minister deS Innern unter völliger Würdigung persönlicher Ueberzeugungen dar, daß der Feuerbestattung kein christliches Dogma und keine kirchliche Lehre entgegcnständen, und daß eS ein Gebot der Billigkeit und Gerechtigkeit fei, auf diesem so tief in das Gefühlsleben eingreifenden Gebiete nach keiner Seite einen Zwang zu üben. Diese Gesichtspunkte bestimmten auch einen Teil der Rechten, für die Vorlage einzutreten, so
Der Landrat lächelte.
„In seiner Art ist er ebenso wunderlich wie mein neuer Hund Wolf! Wolf, wo bist du nun wieder? rief der Oberförster und sah sich nach seinem Hunde um :
„Verzeihen Sie, das Vieh ist wieder fortgelaufen! Ich muß eS suchen!"
Er schritt davon, der Landrat lächelte und sah den langen Grünrock eiligst davonlaufen. Dann ertönte ein scharfer Pfiff und der Oberförster rief nach seinem Hunde.
„Auch ein wunderlicher Heiliger! dachte der Landrot, „die Originale scheinen in Egestorff und Umgebung noch nicht ausgestorben zu sein! Also in der Gartenstraße wohnt sie? Werde doch einmal durch die Gasse schreiten, denn Wiedersehen möchte ich sie doch einmal! Freilich, andere Zeiten, andere Menschen!"
Ein Schrei ließ ihn schnell ausblicken: nicht weit von ihm stand ein junges Mädchen, auf welcher ein großer wolfartiger Köter zu schlich. Die junge Dame hatte jedenfalls, durch da- Tier erschreckt, den Schrei auSgestoßen I
Der Landrat hob seinen Spazierstock und drohte dem Hunde.
Der Köter erschrak, kniff den Schweif und schlich davon. Die junge Dame aber sagte mit wohltönender Stimme:
„Ich danke Ihnen, mein Herr!"
„DaS Tier hat Sie erschreckt?"
„Ja, er wird der Försters neuer Hund sein, den ich zwar nicht kenne, von dem ich aber schon gehört habe. In meinem Schrecken hielt ich ihn aber für einen wirklichen Wolf und bedachte gar nicht, daß er bei unS keine Wölfe gibt!"
„Sehr richtig! Sie kommen wohl selten in den Wald?" frug der Landrat.
„O nein, die Forst ist mir wohlvertraut!"
„So?"
„Ja, ich bin alle Tage darin, denn wir wohnen nahe dabei, in der Gartenstraße!"
„In der Gartenstraße?"
„Jawohl, Nr. 5!"
„So, so! Und hier in der Forst gehen Sie täglich spazieren?" (Fortsetzung folgt.)