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herrselder Kreisblatt

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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 68.

Dienstag, den 13. Juni

1911.

Amtlicher teil.

Landespolizeiliche Anordnung. betreffend die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche im Kreise Hersseld.

Mit Rücksicht aus die noch bestehende Gefahr der weiteren Verbreitung der Maul- und Klauenseuche im Kreise HerSfeld wird die Gültigkeitsdauer des KlauenviehhausierhandelsverboteS § 14 meiner landcSpolizeilichen Anordnung vom 8. April d. Js. A. III. 1636 Amtsblatt Nr. 15 Seite 114/5 um 4 Wochen bis 6. Juli d. JS. verlängert. (A. III. 2570 a.) Caffel, den 2. Juni 1911.

Der Regierungspräsident, gez.: Graf v. Bernstorfs.

Hersfeld, den 7. Juni 1911.

Wird veröffentlicht.

I. 6949. Der Landrat.

I. B.:

von Cossel.

HerSfeld, den 7. Juni 1911.

Die Militär-Intendantur deS XL Armeekorps hat daraus hingewiesen, daß die unmittelbaren Einlieferungen der Produ­zenten an die Proviantämter sowohl nach Menge wie nach Beschaffenheit noch sehr zu wünschen übrig lassen, obgleich die Proviantämter überall bestrebt seien, möglichst unmittelbar mit den Produzenten landwirtschaftlicher Verbrauchsgegenstände in Verkehr zu treten.

Sie glaubt die Ursache u. A. in folgenden Umständen suchen zu müssen:

1. Die Produzenten sind, abgesehen davon, daß sie ihre Ländereien vielfach noch nicht rationell bewirtschaften, kein reineS Saatgut verwenden, Unkraut aus ihren Acckeru nicht beseitigen, in der Bereitung ihrer Produkte für den Verkauf auch nicht sorgsam genug; insbesondere besitzen viele keine zeitgemäßen Reinigungsmaschinen, um das Getreide magazin- fähig zu machen.

2. Die Produzenten machen sich von dem Einflüsse der Händler und Makler, unter welchen sie vielfach stehen, oft noch nicht frei; sie lassen sich von diesen einreden, daß sie seitens der Proviantämter unfreundlich ja chikanöS behandelt würden, daß die Abwicklung von unmittelbaren Geschäften mit denselben sehr zeitraubend sei, überhaupt sich für sie nicht eigne.

3. Selbst die Landwirtschaftlichen Genossenschaften machen die Geschäfte mit den Proviantämtern vielfach nicht unmittelbar, sondern durch Makler.

4. Die Bürgermeistereien zeigen nicht immer daS notwen­dige Interesse, um in ihren Ortschaften dem Verkehr der Pro­duzenten mit den Proviantämtern Eingang zu verschaffen, indem sie Bekanntmachungen der Proviantämter ohne Interesse be­handeln, erbetene Auskünfte unvollständig oder überhaupt nicht erteilen.

Der neue Berr.

Roman von Walter H o g a r t h.

(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Aber während dieser finstere Argwohn die Seele der be­sorgten jungen Frau noch bedrängte und sie mit ihren scharf spähenden Augen noch immer nicht KunoS Gestalt aus dem langen Wege nach dem Schlosse erkennen konnte, kam plötzlich ein herrschaftlicher Wagen daher gerollt, hielt vor dem Gast- Hofe, und Kuno sprang vergnügt lächelnd, einen kleinen Rosen­strauß in der Hand haltend, auS dem Wagen.

Ich habe den Austrag, die Herrschaften um vier Uhr abzuholen," sagte der Diener, als er den Kutschenschlag schloß, mit einer Verbeugung.Haben sonst der gnädige Herr noch Befehle

Nein," sagte Kuno, und dem Diener und Kutscher ein reichliches Trinkgeld gebend fügte er hinzu,wir erwarten also um vier Uhr den Wagen."

Diese von Elisabeth vom Fenster der Gasthose- aus be­obachtete Szene löste alle Spannung in ihrer Seele aus und befreite sie von allem Argwohne. Sie hätte jetzt hinabeilen und Kuno in die Arme fliegen mögen, aber schon war er die Treppe hinausgeeilt und freudestrahlend in daS Zimmer getreten.

Er ist aller gut, ja prächtig im Schlosse verlaufen," rief er schon bei seinem Eintritte.

Ich bin gut ausgenommen worden, und alles hat seine Ausklärung gesunden, alle, mein Bruder, meine Schwägerin und meine kleine Nichte lassen Dich herzlich grüßen, Elisabeth, und senden Dir diese Rosen aus dem Schloßgarten. Du wirst mit offenen Armen ausgenommen, Elisabeth, alle Vor­urteile gegen uns sind glücklich beseitigt. Wir sind heute schon zum Diner inS Schloß geladen, um vier Uhr fährt der Wagen vor."

Es konnte ja gar nicht anders kommen," jubelte jetzt Elisabeth,denn einem so edeln Manne, wie Du, Kuno, einer durste man nicht die Tür weisen, das war ja unmögli$.

Um diesen Uebelständen entgegen zu wirken und den un­mittelbaren Verkehr zwischen den Produzenten und dem größten Konsumenten, dem MilitärfiSkuS, zu fördern, werden die Herren OrtSvorstände veranlaßt, dahin zu wirken,

1. daß die Produzenten sich bemühen, bei Verkäufen an die Proviantämter nur reelle, gut gereinigte Ware zu liefern, und daß sie sich hierzu nötigenfalls eventuell ortschaftS- weife, die anderwärts üblichen Putzmühlen Preis ca. 150 Mk. anschaffen,

2. daß sich die Produzenten persönlich, nötigensalls durch den Bürgermeister oder einen Vertrauensmann auS ihrer Mitte wegen Einlieferung ihres Naturals unter Beiseite­schiebung der Händler und Makler an die Proviant­ämter wenden,

3. daß die an sie gerichteten Aufforderungen der Proviant­ämter wegen der unmittelbaren Einlieferung von Natu­ralien ordnungsgemäß bekannt gemacht und erbetene Auskünfte bald und eingehend erteilt, ferner, daß die die Ortschaften bereifenden ProviantamtS-Beamten mit Rat und Tat in ihren Absichten, den Verkehr mit den Produzenten zu beleben, in bereitwilligster Weise unter­stützt werden,

4. daß die Landwirte bei jeder sich bietenden Gelegenheit dahin belehrt werden, daß sie bei den Proviantämtern für gute Ware jederzeit die höchsten Tagespreise erhalten und immer schnelle und entgegenkommende Absertigung finben. Der Verdienst, welcher bei Umgehung deS Händ­lers in die eigene Tasche deS Produzenten fließt, ist nicht klein und macht eventuell mit der direkten Zufuhr ver­bundene Arbeit reichlich belohnt.

Die näheren Bestimmungen für Lieferung landwirtschaft­licher Erzeugnisse an Proviantämter find im KreiSblatt Nr. 38 de 1900 bereits bekannt gegeben worden.

I. 7001. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, Kreissekretär.

Hersfeld, den 7. Juni 1911.

Unter dem Rindviehbestande deS Heinrich Jcklcr in WillingShain ist die Maul- und Klauenseuche amtlich sestge- stellt worden.

I. 6990. Der Landrat.

I. A.: Wessel, Kreissekretär.

Hersseld, den 7. Juni 1911.

Der Viehmarkt in Fulda am 22. d. Mts. ist aus veterinär- polizeilichen Gründen untersagt worden.

I. 7048. Der Landrat.

3. A.:

Wessel, Kreissekretär.

Hersseld, den 7. Juni 1911.

Unter dem Rindviehbestande des Karl Krause IV. zu

Mein schwaches Herz war ja wegen Deines langen Aus­bleibens in Zweisel geraten, aber ich sehe jetzt ein, daß ich nur törichte Sorgen hatte."

Wegen meines langen Ausbleibens muß ich Dich schon um Entschuldigung bitten, meine liebe Elisabeth," erwiderte Kuno ich habe Dir dadurch Unruhe bereitet, aber ohne böse Absicht, denn ich konnte wirklich aus dem Schlöffe nicht eher wieder fortkommen, ohne unhöflich zu sein. Auch mußte ich dort meine Miffion voll und ganz ersüllen, und das ist bestens gelungen, wie Du heute auch noch erfahren wirst. Verzeih mir also, wenn ich heute Deine Geduld auf eine harte Probe gestellt habe."

Dich trifft ja unter diesen Umständen gar keine Schuld, Du lieber Mann," sagte Elisabeth sreundlich,ich hatte Dir auch schon verziehen, als Du in das Zimmer tratest, denn ich sah schon in Deinen strahlenden Augen, daß alles gut stand, und daß mein Argwohn töricht war."

So wollen wir nun Toilette zum Diner im Schlosse machen, wir haben nicht so sehr viel Zeit dazu." entgegnete Kuno,ich bin zwar bald mit meiner Gesellschaft-toilette fertig, aber bei den Damen dauert eS länger, hoffentlich ist ein Mädchen im Gasthose, das Dir behilflich sein kann."

Man muß sich hier im Dorfgasthof behelfen, so gut es eben geht", meinte die junge Frau,immerhin haben wir ja auch noch zwei Stunden Zeit. Auch werden die Schloßherr- schasten Nachsicht gegen uns üben, wir befinden uns ja auf der Reise. Ich werde daS weiße seidene Kleid anziehen, das Du mir in London getauft hast und in dem ich Dir so gut gefiel."

Mir ist es recht, denn weiß gilt als die Farbe der Fest­freude," erwiderte Kuno,ich werde aber jetzt hinunter gehen und einmal mit der Frau Wirtin sprechen, ob nicht ein dienst­barer Geist auszutreiben ist, der einigermaßen geschickt ist, Dir bei der Toilette zu heljen."

Die Wirtin machte freilich ein langes Gesicht, als Kuno sein Anliegen vortrug, denn unter den Mägden im Hause war keine, die einer großen Dame bei der Toilette behilflich sein konnte. Aber die findige Wirtin wußte dann doch Rat, indem sie sagte: Ich we.de die Frau des Forstaussehers

Sontra, Kreis Rotenburg a/Fulda, ist die Maul- und Klauen­seuche amtlich sestgestellt worden.

I. Nr. I. 6981. Der Landrat.

3. A.:

Wessel, Kreissekretär.

Landespolizeiliche Anordnung, betreffend Maßregeln gegen die Einschleppung der Maul- und Klauenseuche in den Regierungsbezirk Caffel.

Meine landespolizeiliche Anordnung vom 5. Februar 1911 A. III. 550 betreffend Maßregeln gegen die Einschleppung der Maul- und Klauenseuche Amtsblatt Nr. 6, Seite 45/6 wird hierdurch auf Grund der §§ 18 und 20 deS ReichS- gesetzeS, betr. die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen vom 23. Juni 1880/1. Mai 1894 mit Genehmigung deS Herrn Minister- für Landwirtschaft, Domänen und Forsten für den Umfang des Regierungsbezirks Caffel, wie folgt, erweitert:

Klauenvieh (Rindvieh, Schafe, Ziegen, Schweine,) das aus den Provinzen Ostpreußen, Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Posen, Schlesien, Sachsen, SchleSwig-Holstein, Hannover, Westfalen, Rheinprovinz, dem Preußischen Regie­rungsbezirk Wiesbaden und Sigmaringen, den Königreichen Bayern, Sachsen und Württemberg, dem Großherzogtum Baden und dem Großherzogtum Hessen, den Großherzogtümern Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz, Sachsen-Weimar und Oldenburg, den Herzogtümern Braunschweig, Sachsen- Meiningen, Sachsen-Coburg und Gotha und Anhalt, den Fürstentümern Schaumburg-Lippe und Lippe-Detmold, Schwarzburg-Sondershousen, Schwarzburg-Rudolstadt, auS Bremen und Tlsaß-Löchrlügen in den diesseitigen Bezirk ein­geführt wird, ist wenn es mit der Eisenbahn oder zu Schiff oder mit der Fähre eingeführt wird, bei der Entladung, wenn es auf dem Landwege eingeführt wird, bei der Einfuhr an den von den Herren Polizeipräsidenten Polizeidirektoren Landräten bestimmten Untersuchung-stellen einer amt-tierärzt- lichen Untersuchung zu unterziehen. (A. III. 2725.)

Caffel, am 2. Juni 1911.

Der Regierungspräsident, gez.: Graf von Bernstorss.

nichtamtlicher Cell.

Deutscher Rundslug PM.

Johannisthal-Berlin, 11. Juni. Schon seit den frühen Morgenstunden strömte eine ungeheure Menschen­menge nach dem Flugplätze zusammen, um den Start zur heutigen ersten TageSstrecke BerlinMagdeburg beizuwohnen. Die Eisenbahnzüge und Straßenbahnen sind überfüllt. In endlosen Reihen kommen Automobile und Radsahrer an. Viele haben sich zu Fuß auf den Weg gemacht. DaS Wetter ist prachtvoll; eS herrscht Windstille. Bisher sind gestartet:

Werner bitten, der gnädigen Frau bei dem Ankleiden und Frisieren zu helfen. Frau Werner war früher Zote auf dem Schlosse und da muß sie doch solche Arbeiten noch verstehen."

Meine Frau wird die Hilfe der Frau Werner dankbar annehmen", rief Kuno freudig,sorgen Sie nur dafür, daß die Frau Werner spätestens in einer halben Stunde sich bei meiner Frau meldet."

Das wird schon möglich sein", entgegnete die Wirtin, ich werde aber gleich selbst hinüber zu Frau Werner gehn und ihr alles erklären und sie bitten, sofort zur gnädigen Frau in den Gasthof zu kommen."

Die Wirtin verstand er schon, die Frau Werner zu ver­anlassen, der jungen Frau im Gasthofe, die mit ihrem Ge­mahle zum Diner ins Schloß geladen war, bei der Toilette zu helfen, und bald traf die Frau Werner im Gasthose ein und meldete sich bei der Dame.

Kuno hatte bisher im Gasthose seinen wahren Namen absichtlich geheim gehalten. Denn er wollte sich nur einen Tag im Dorse aushalten, falls er im Schlosse nicht die ge­wünschte Aufklärung und Aufnahme finden follte. Nun war ja aber alles für ihn nach Wunsch gegangen, und er hatte nicht die geringste Veranlassung mehr, seinen Namen und Stand zu verbergen.

Ich bin Kuno von Bevern und bin heute mit meiner Frau zum Diner von meinem Bruder ins Schloß geladen", sagte er daher zu Frau Werner, als diese in daS Zimmer trat,tun Sie Ihr Bestes, liebe Frau, um meiner Frau bei der Toilette behilflich zu sein. Sie waren ja früher Zofe auf dem Schlosse. Da wissen Sie ja, was zu tun ist."

Sehr gern stehe ich unter diesen Umständen zu Diensten gnädige Frau", sagte Frau Werner, zu Elisabeth gewandt verbindlich und machte eine tiefe Verbeugung."

Also dieser Sorgen wären wir nun auch ledig", schmunzelte Kuno, als seine Frau sich mit Frau Werner in das Nebenzimmer zurückgezogen hatte, und er begann nun selbst, sich zum Diner anzukleiden, indem er seinen Frackanzug anlegte. Obwohl Kuno bereits zweiundvierzig Jahre alt war, so strahlte er doch noch in männlicher Schönheit und sein