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herrWer Kreisblatt

Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-slnschlutz Nr. 8

Nr. 38.

Sonnabend, den 30. Mai

1911.

Erstes Blatt.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 19. Mai 1911.

Zur Behebung von Zweiseln hinsichtlich der Abgrenzung der mit Rücksicht auf die im hiesigen Kreise ausgetretene Maul- und Klauenseuche gebildeten Sperrbezirke und der zum BeobachtungSgebiet gehörigen Orte mache ich aus­drücklich darauf aufmerksam, daß zur Zeit die Orte:

Niederaula, Hattenbach, Ger-bors, Niederjossa und Engelbach,

je einen Sperrbezirk, und die Orte:

WillingShain, Frielingen, HedderSdors, Goßmannsrode, Rotterterode, Reckerode, BeierSgraben, Kirchheim, GerS- Hausen, Allendorf, Kemmerode, ReimboldShausen, SolmS, MengShaufen, Ker-penhaufen, Beiershausen, StärkloS und WetzloS, Kreis Hünfeld, das BeobachtungSgebiet bilden.

In den übrigen nicht zum Sperrbezirk oder BeobachtungS­gebiet gehörigen Orten des Kreises darf Klauenvieh wiederum getrieben werden, ebenso ist die Aus- und Einfuhr von Klauenvieh gestattet, ohne besondere polizeiliche Erlaubnis. Ferner darf aus den vorgedachten Orten mit Klauenvieh in andere, nicht zum Sperrbezirk und Beobachtung S- gebiet gehörige Gemarkungen gefahren werden.

I. 6204, Der Landrat.

I. A.: Weffel, KreiSfekretär.

Her-feld, den 16. Mai 1911.

Der Herr Ober-Präsident hat die Abhaltung einer Haus- kollckte für die Jdiotenanstalt, AntioniuSheim in Fulda und für die Niederlassung der Barmherzigen Brüder zu Fulda bei den katholischen Einwohnern deS RegierungS-BezirkS Casiel ge­nehmigt. DaS Bischöfliche General-Vikariat in Fulda hat den Termin der Kollekte für die zuerst genannte Anstalt aus die Zeit vom 10.—16. September d. JS. und für letztere aus die Zeit vom 26. November bis 2. Dezember d. Js. festgesetzt. Die Ortspolizeibehörden und die Königliche Gen­darmerie weise ich an, dafür zu sorgen, daß den mit der Ein- fammlung betrauten Personen keine Hindernisse bereitet werden. I. 5892. Der Landrat.

I. A.:

Weffel, Kreissekretär.

HerSfeld, den 15. Mai 1911.

Diejenigen Herrn OrtS- bezw. Gut-vorstände, welche meine Verfügung vom 27. November 1876 I. Nr. 11906, Kreis­blatt Nr. 96, betreffend Heranziehung von Personen zur Er­füllung ihrer Militärpflicht, nicht erledigt haben, werden hieran mit Frist bis zum 22. d. MtS. erinnert.

I. M. Nr. 979. Der Landrat.

I. A.:

Weffel, KreiSfekretär.

HerSfeld, den 16. Mai 1911.

An die sämtlichen Schulvorstände deS Kreises.

ES erscheint notwendig, daß in jeder Schule mindesten- ein Exemplar der Wetterkarte der Wetterdienststelle Frankfurt a/Main vorhanden ist, und daß diese- Abonnement aus das ganze Jahr ausgedehnt wird. DaS Abonnement kostet 6 Mk. im Jahr und kann bei jeder Postanstalt ersolgen. Die Lehrer können al-dann schon in der Schul, die Kinder in der Wetterkunde und ihrer Bedeutung unterrichten. Besonder- im Winter pflegen die WitterungSerscheinungen sehr viel typischer und leichter erkennbar vor sich zu gehen, sodaß gerade diese Jahreszeit sich besonders zur Erteilung deS Wetterunter- richtS eignet.

Ich ersuche deshalb die Schulvorstände des Kreises alsbald für die Schule auf die Wetterkarte der Wetter­dienststelle in Frankfurt a/Main, zu der der Kreis HerSfeld jetzt gehört, zu abonnieren und mir vom Geschehenen bis zum 2 9. d. M t s. Mitteilung zu machen.

Die Mittel für daS Abonnement der Wetterkarte dürfen unter Titel V. „zu Unterricht-zwecken" des SchulhaushaltS- anschlageS 1911 zur Verfügung stehen.

I. 5331. Der Landrat von GruneliuS.

Her-feld, den 16. Mai 1911.

In Weilar, BezirkSdirektion Dermbach, ist dir Maul- und Klauenseuche au-gebrochen.

L 5986. Der Landrat.

I. V.:

Wessel, KreiSfekretär.

Bekanntmachung.

Dar Kurmärkische Dragoner-Regiment Nr. 14 in Colmar

im Elf. teilt mit, daß bis Ende August 1911 Dreijährig- Freiwillige für Oktober d. Jr. angenommen werden.

Junge Leute, welche bereit und im Besitze einer Melde­scheine- zum dreijährig-freiwilligen Dienst sind, wollen den­selben unter genauer Angabe der Adresse an da- Regiment einsenden. Handwerker, insbesondere Schuhmacher, Schneider, Sattler, Schmiede, Musiker pp. haben den Vorzug.

*

HerSseld, den 16. Mai 1911.

I. M. Nr. 364 II. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, Kreissekretär.

Zugelaufen.

Ein graues Hündchen mit gestumpften Ohren. Meldung deS Eigentümers bei dem OrtSvorstand zu SchenklengSfeld.

nichtamtlicher Ceil.

PolitischerWochenbericht.

Im Reichstage nehmen die Beratungen über die ReichsversicherungSordnung ihren Fortgang. Der bisherige Gang der Beratungen läßt erhoffen, daß die aus Konservativen, Zentrum und Nationalliberalen bestehende Mehr­heit daS große Werk der ReichsversicherungSordnung zu einem gedeihlichen Abschlüsse bringen und damit der deutschen Ar- beiterschast ein überaus wertvolles Geschenk darbieten wird.

Einen erfreulichen AuSgang hat die Oberbürger­meisterwahl in Stuttgart geuommest? der Kandidat der vereinigten bürgerlichen Parteien RegierungSrat Lauten- schläger wurde gegenüber dem sozialdemokratischen Bewerber Dr. Lindemann gewählt, obwohl die rosafarbenen Freunde der Revolutionspartei, die Fortschrittler, durch Aufstellung einer Sonderkandidatur, die bei der Eigenart der Württembergischen Bürgermeisterwahlen, wo die relative Mehrheit entscheidet, nur den Sinn einer Unterstützung der sozialdemokratischen Kandi­datur haben konnte, aller getan hatten, um ihren roten Bun- deSgenossen zum Siege zu verhelfen. Auch hier zeigte sich wieder dieselbe Erscheinung wie in Gießen-Nidda: die fort- schrittlichen Wähler sind klüger und patriotischer als ihre Führer und leisten daher Wahlparole für den Sozialdemokraten teil­weise keine Folge. ES eröffnet daS für die kommenden Reichs- tagSwahlen wenigstens einen einigermaßen günstigen Ausblick und mildert etwas die Gefahren der unseligen Großblockpolitik.

In London ist während der BerichtSwoche daS D en k- mal der Königin Viktoria feierlich enthüllt worden. Das Zeitalter der Königin Viktoria füllt als eine Periode ge­waltigen Aufschwunges und ungeheuren Ländercrwerbs eine- der glänzendsten Blätter der Geschichte Großbritanniens aus. AlS Zeichen dieser großen Zeit wird das Denkmal, das Dank­barkeit und Liebe errichtet hat, dem Herzen jedes Briten teuer sein. Kaiser Wilhelm II. hat seine Verehrung, für die Königin Viktoria aufS neue bekundet, indem er auf Einladung des Königs Georg mit seiner kaiserlichen Gemahlin und der Prinzessin Viktoria Luise an der Denkmalsfeier persönlich teil- genommen hat. Der herzliche Empfang, der unserm Kaiser­paar bei dieser Gelegenheit bereitet worden ist, begegnet in Deutschland ausrichtigster Genugtuung.

Zur gleichen Zeit ist unser Kronprinz mit der Kron­prinzessin nach Petersburg gereist, um am rus­sischen Kaiserhose einen Besuch abzustatten. Der Um­stand, daß dieser Besuch gerade zur Geburtstagsfeier des Zaren stattfindet, verleiht ihm ein besonders herzliches Gepräge. Dem Besuche aber muß auch, wenngleich es sich nicht um eine diplomatische Spezialmission handelt, ein hoher politischer Wert zuerkannt werden. Mit Recht schreibt in dieser Hinsicht die offiziöse russische „Roffija": „Der Besuch der deutschen Kron­prinzen und der Kronprinzessin ist von hervorragender poli­tischer Bedeutung und dient als neue feierliche Bekräftigung der Unwandelbarkeit der freundschaftlichen Beziehungen, welche schon seit mehr als einem Jahrhundert zwischen Rußland und Deutschland zum Wohle beider Staaten und Völker bestehen." In zahlreichen Preßäußerungen wird die enge Verbindung be­tont, die zwischen der Potsdamer Kaiserentrevue und der Petersburger Reise unseres Kaisers obwaltet. So schreibt „Birsheanja Wjedomosti" in einem Leitartikel: „Der Kronprinz ist ein lebendiger Träger der Gedanken, die nach Potsdam führten." Wir hoffen und wünschen von Herzen, daß diese Gedanken allezeit einen unwandelbaren Grundzug in der aus­wärtigen Politik Deutschlands und Rußlands bilden möchten.

In der Türkei haben die Nachwirkungen der jungtür­kischen Parteikrisi- zum Rücktritte deS Finanzministers D s ch a- w i d Bei geführt. Der scheidende Minister hat sich unleugbar große Verdienste um da- türkische Finanzwesen erworben. — Die Lage in Mexiko endlich wird immer verworrener. Frie­den-Hoffnungen und Krieg-nachrichten wechseln miteinander ab, und zunächst besteht offenbar wenig AuSsicht aus Wiederher­stellung der Ruhe.

Reichstag.

Am Mittwoch ging die Beratung in schnellerem Tempo weiter. Sozialdemokratische Anträge aus Ausdehnung deS Um­fanges der Gewerbeunfallversicherung wurden abgelehnt. Bei der Verwertung der Berufsgenoffenschasten beantragten die Sozialdemokraten die Einfügung einer Bestimmung, wonach die Mittel der Berufsgenoffenschasten nicht zur Unterstützung solcher Verbände verwendet werden dürfen, welche die Arbeiter­versicherung oder die Arbeiterorganisationen bekämpfen. Der Antrag wurde ebenfalls abgelehnt. In der weiteren Be­ratung wurde der Termin, bis zu dem der BundeSrat dem Reichstag die gesetzlichen Vorschriften über die Rücklagen der Berufsgenoffenschasten zur erneuten Beschlußfassung vorzulegen hat, von 1921 auf 1913 verkürzt. Im übrigen wurden keine wesenlichen Aenderungen beschlossen. Die Beratung ist an diesem elften Tage ein gutes Stück vorwärtSgekommen, denn es wurden mehr als 300 Paragraphen erledigt.

Der Reichstag setzte am Donnerstag die zweite Lesung der ReichsversicherungS-Ordnung in flottem Tempo fort, und in der ersten Stunde wurden bereits 50 Paragraphen deS Teils über die landwirtschastliche Unfallversicherung ange­nommen. Bei § 964 aber, der von der Satzung derBerufS- genossenschaften Handel, entspann sich eine etwas ausgedehntere Erörterung.

$en Am zu Me.

AuS Fez sind in den letzten Tagen keine Nachrichten mehr nach Europa gelangt. Auch über die Kolonne Brulard, die von Westen zum „Entsatze" der marokkanischen Residenz vorrückt, hat die £effentli$k't nW viel mehr erfahren, alS daß sie nicht vor Ende oiejer^oche bei Fez eintreffen kann. Mulay Hafid soll noch einmal um Beschleunigung der Ex­pedition zu seinem Schutze gebeten haben, da die Truppen bei Fez von den Kämpfen mit den rebellischen Stämmen ermattet seien und die Munition auSgehe. Daß die Gärung mit dem Vorrücken der Franzosen zunimmt, scheint sicher zu fein. Es wird noch blutige Kämpse geben, und wenn auch die Franzosen mit ihren 30000 Mann gut ausgerüsteter Soldaten aller Waffen, die sich gegenwärtig auf marokkanischem Boden befinden, stark genug zum endlichen Siege sind, so wächst doch die Sorge in Frankreich, daß die Unternehmung viel länger dauern und mehr Opfer erfordern werde, als an­fänglich angenommen wurde.

Nachdem sich die französische Regierung unter wieder­holter Aenderung ihrer Absichten von Etappe zu Etappe hat drängen lassen, werden ihre Maßregeln künftig noch weniger von ihrem freien Willen als von den Ereignissen aus dem Kriegsschauplatz bestimmt werden. Denn als Krieg wird in Frankreich selbst die ganze Unternehmung mehr und mehr angesehen. Das „Journal des Debüts" wird wohl Recht behalten mit der Voraussage: „Die Befreiung von Fez beendigt den Feldzug nicht, sie eröffnet ihn erst." Dat Blatt tritt lebhaft dafür ein, daß die Regierung den festen Entschluß fasse, Fez sofort nach seiner Bcjreiung zu verlassen und den Kamps für Mulay Hafid gegen die Stämme ein- zustellen.

Das sranzösischc Kabinett hat sreilich die Versicherung ab­gegeben, daß eS seine Truppen sogleich nach Rettung der fremden Kolonien von Fez wieder abziehen lassen werde; aber eS wird damit gehen wie mit anderen Ankündigungen, sie werden sich nicht erfüllen, und dann tritt der Fall ein, daß Frankreich in offenen, unzweideutigen Konflikt mit der Algesirasakte gerät. Hier liegt eine große politische Verant­wortung, die auch von einigen ernsten französischen Blättern unter scharfer Betonung der „unberechenbaren Konsequenzen" anerkannt wird. Demgegenüber ist die deutsche Politik von Anfang an klar und einsach gewesen. Sie hat der fran­zösischen Regierung keinen Zweisel darüber gelassen, daß diese, wenn sie sich in die inneren marokkanischen Wirren mit militärischer Gewalt einmischt, die politischen Folgen für das Mißglücken ihrer Versicherung, sich im Rahmen der Algesirar­akte zu halten, zu verantworten haben wird.

Abgeordnetenhaus.

Am Mittwoch wurde mit der zweiten Lesung des Feuer- bestattungSgesetzes begonnen. Abg. Frhr. v. Richthosen (kons.) wandte sich energisch gegen die Vorlage; der Entwurs bedeute einen Eingriff in alte, geheiligte Sitten, auch sprächen kriminialistische Bedenken dagegen. Abg. Krause (natl.) be­zeichnete die Zulassung der Feuerbestattung als ein Gebot der Toleranz. Minister des Innern v. Dollwitz erklärte, eS sei ein Gebot der Billigkeit gegenüber Andersdenkenden, daß man ihnen gegenüber nicht einen Zwang ausrecht erhält, auch die kriminalistischen Bedenken seien in Fortsall gekommen, was auch Justizminister Dr. Beseler bestätigte. Abg. Dr. Schrock (frkons.) erklärte die Zustimmung eines großen Teiles seiner Freunde zur Vorlage. Die Abgg. Dr. Poch- nicke (fortsch. Vp.) und Hoffmann (Soz.) traten für die Vorlage ein.

Da- Abgeordnetenhaus nahm am Donnerstag in nament­licher Abstimmung den grundlegenden Paragra-M der