§ 36 la (Besetzung der besoldeten Kassenämter). § 361b—371 la (Bestallung-recht der Aufsichtsbehörde, KommissionsversicherungS- ordnung, Disziplinarversahren u. s. w.) unter Verwerfung der sozialdemokratischen Abänderung-anträge fast durchgängig in der Kommission-fassung genehmigt. Schließlich wurde noch der wichtige § 412, der die Drittelung der Beiträge vorsieht, ebenfalls in der Kommission-fassung angenommen. Am Sonnabend fuhr der Reichstag in der Spezialberatung der ReichSversicherungSordnung fort.
Aus > und Ausland.
Berlin, den 14. Mai 1911.
AuS Wie-baden, 13. Mai, wird gemeldet: Seine Majestät der Kaiser ist um 10 Uhr 45 Min. Abends nach England abgereist. Auf dem Weg vom Theater zum Bahnhof wurde er von einer zahlreichen Menschenmenge mit Hochrufen begrüßt. — Seine Majestät der Kaiser wohnte auch am letzten Abend den Festvorstellungen im Hoftheater bei. In der Hofloge hatte neben dem Kaiser der Staatssekretär der Reichsmarineamt- v. Tirpitz Platz genommen. Es wurde Oberon in der Wiesbadener Bearbeitung gegeben unter der musikalischen Leitung von Pros. Schlor. Den Hüon sang Herr Hensel mit glänzender Stimme, die Riza Frau Leffler-Burckhard.
DieBudgetkommisfiondesAbgeordneten- Hauses verhandelte nach Bewilligung der angeforderten Mittel zur Beschaffung von Fahrzeugen für neue Bahnen (8,185,000 Mk.) und für die bestehenden StaatSbahnen (82 Millionen) über die Einrichtung elektrischer Zugbesörderung, für die 27,330,000 Mk. ausgeworfen sind. Es handelt sich dabei um die Bahnstrecken Magdeburg—Bitterfeld und Lauban—Königszelt im schlesischen Gebirge (mit Zweigstrecken). Aus Anfrage teilte der Minister mit, daß auf beiden Strecken, für die elektrische Zugsührung in Aussicht genommen ist, die Kilowattstunde nicht mehr als 23A Pfennig kosten würde. Nach den bisherigen Schätzungen werde die elektrische Ge- birgSlinie gegenüber der Beförderung mit Dampf einige hunderttausend Mark rentabler sich gestalten. Bei Bitterfeld würde der Vorteil etwas geringer sein, aber auch noch immer einige hunderttausend Mark voraussichtlich betragen. 1913 werden beide Netze erst in vollem Betriebe sein. WaS den weiteren Bau von Nebenbahnen anlangt, so erklärte der Minister, daß die Eisenbahnverwaltung sich in dieser Beziehung nach der finanziellen Lage richten müsse. Im nächsten Jahre werde wahrscheinlich mit Rücksicht auf die steigende Tendenz des Verkehrs die Eifenbahnkreditvorlage sich höher gestalten. Gleichzeitig machte der Minister Mitteilungen über Bahnen, für welche die Vorarbeiten in Angriff genommen sind. Eine Reihe Petitionen um Trassierung der Linien oder weitere neue Bahnen wurden der Regierung alS Material überwiesen.
Wieder hat ein albanesischer Meuchelmörder im türkischen Heer einen Kameraden erschossen. Der Mordtat liegt folgender Vorfall zugrunde. Ein Major, der albanesischer Herkunft ist, zerriß in einem Kaffeehause absichtlich eine türkische Zeitung. Zwischen ihm und einem Oberstleutnant entstand dann ein Wortwechsel. In der Nacht lauerte der Major dem Oberstleutnant auf, feuerte auf ihn und verwundete ihn tödlich. — Diese Tat ist aufS schwerste zu verdammen, und zwar vom allgemein-menschlichen, vom rein militärischen wie auch besonder- vom kameradschaftlichen Standpunkte auS. Daher dürste wohl auch der Meuchelmörder seiner verdienten Strafe nicht entgehen.
Zu den marokkanischen Wirren liegen augenblicklich nicht sonderlich bemerkenswerte Nachrichten vor. Vor Fez haben neue Kämpse zwischen den Sultan-truppen und den die Stadt umschwärmenden Rebellen stattgesunden. Die rebellischen Uled Djemma griffen Truppenabteilungen der Garnison Fez an, die bis Dedji Lai vorgedrungen waren; die schwachen Detachements zogen sich auf die Stadt zurück. Dann griff anscheinend die ganze Besatzung in den Kamps ein, wobei die Rebellen bis Sidi AchmeS Beraussi zurückgeworfen wurden. Ueber die beiderseitigen Verluste wird lediglich berichtet, daß die Uled Djemma sechs Gefangene und die Sultanstruppen drei Mann an Toten verloren hätten. Ein weiterer Kampf spielte sich zwischen Streitkräften der Besatzung und den rebellischen Beni Mtier ab. Letztere wurden geschlagen und zogen sich in westlicher Richtung zurück.
Die Revolutionsparteiin Mexiko tritt jetzt nach Eroberung des wichtigen Platze- Juarez durch die Insurgenten, immer zuversichtlicher auf. Der oberste Rebellenches Madero hat bereits ein provisorisches Kabinett gebildet, in welchem es alle Ministerressorts gibt. Die Insurgenten be-
Kuno blickte betroffen daS junge Mädchen an und strich, wie verlegen um die rechte Antwort mit der Hand über die Stirn.
„Sie haben bis zu einem gewissen Grade ganz recht, Miß Elisabeth," antwortete er dann, „aber eS gibt auch AuSnahme- fälle, in denen man sich in Afrika wohl fühlen kann. Diese kommen bei uns allerdings jetzt nicht in Betracht, und ich habe selbst schon daran gedacht, in meine Heimat zurückzukehren, aber eS ist dies für |un5 Afrikaner nicht so leicht, ausführbar, wir sitzen hier fest."
„Indessen gedenke ich doch nur noch so lange in Afrika zu bleiben, so lange eS im Interesse unserer Diamantengefell- schast unbedingt notwendig erscheint," erklärte Henry Owen jetzt, „eS hat für einen unverheirateten Mann keinen rechten Zweck, so lange in Afrika zu bleiben, bis man alt und schwach geworden ist, oder gar das Unglück hat, daS tückische gelbe Fieber zu bekommen und elend daran hinzusiechen. Ich bin allerdings Ingenieur und Subdirektor der Gesellschaft und kenne meine Pflichten. Ich denke, wenn die beiden neu angelegten Diamantwerke vollständig unter meiner Leitung ausgebaut sind, kann ich mit Ehren um meine Entlassung bitten."
Kuno machte bei diesen Eröffnungen der Freunde- große Augen und erwiderte:
„3a, ja, Henry, Du hast ganz recht, eS hat keinen rechten Sinn, daß wir als reiche alte Junggesellen uns in Afrika begraben lassen und zuweilen packt einem ja auch eine unbändige Sehnsucht nach der alten Heimat. Aber während Du in England sicher von den Verwandten und Freunden mit offenen Armen als der erfolgreiche Bergwerk-ingenieur ausgenommen werden wirst, muß ich befürchten, daß meine standeSstolzen Verwandten in Deutschland in mir nur den glücklichen Abenteurer erblicken und mich über die Achseln ansehen werden."
„Daa wird sich wohl bald ändern, wenn sie merken, waS für ein bedeutender Mensch Kuno von Bevern gerade in Afrika geworden ist und wenn Du deinen Reichtum zeigst," lachte HtM) Owen, „ich glaube bezüglich der Wertschätzung der find die Menschen fast überall gleich, und daß Du ei durch ehrliche Arbeit erworben hast, dafür sind leicht Beweise zu brin^n."
stehen auf der definitiven Abdankung deS Präsidenten Porfirio Diaz und verlangen für sich 14 Gouverneurposten, also die größere Mehrzahl der Gouverneur-posten Mexiko- überhaupt. Diaz soll sich entschieden weigern, jetzt abzudanken. In Washingtonern Regierung-kreisen befürchtet man den AuSbruch völliger Anarchie in Mexiko, doch zögert man noch immer mit einer militärischen Intervention. Weitere Meldungen über die Lage in Mexiko besagen, daß die Stadt Chihuhahua in Nordmexiko, mit einer Besatzung von 1500 Mann Regierungstruppen von 2000 Rebellen belagert wird. Die Revolutionäre griffen die Vorstädte an und erbeuteten zahlreiche Pferde. Die Besatzung der Stadt Mexiko ist wegen des drohenden Angriffe- der Rebellen verstärkt worden. Präsident Diaz plant angeblich die Auflösung deS Kongresse- und die Ernennung des Generals ReyeS zum militärischen Diktator. In Juarez ist unter den verwundeten RegierungSsoldaten der Typhus auSgebrochen, angeblich infolge der Unsauberkeit im Lazarett. Er wird der AuSbruch einer Epidemie befürchtet, und es wurden daher Maßnahmen zu strengster Isolierung der Kranken getroffen.
Sie WfHÄtn Beziehm-tu.
Kaiser Wilhelm und seine hohe Gemahlin weilen seit Montag wieder als Gäste am verwandten englischen Königshofe, bekanntlich infolge einer seitens des Königs Georg an den Kaiser, als den Enkel der Königin Viktoria, ergangenen Einladung, an der feierlichen Einweihung des Königin Viktoria- Denkmales in London teilzunehmen. Dieser Anlaß deS auf mehrere Tage berechneten Aufenthaltes der deutschen Majestäten am Londoner Hose prägt allerdings dem Vorgänge zunächst einen familiären Zug auf, der daS politische Moment bei dem Ereignisse ganz in den Hintergrund zu drängen scheint. Aber trotzdem steht wohl zu erwarten, daß dieser jüngste Kaiserbesuch aus englischem Boden nicht ohne Einwirkung aus da- politische Verhältnis zwischen Deutschland und England bleiben wird, und zwar, wie zu hoffen ist, in der Richtung einer weiteren Festigung und Vertiefung der jetzt bestehenden „normalen" deutsch-englischen Beziehungen. Die Zeit ist noch gar nicht so lange her, in der das Verhältnis zwischen Deutschland und England ein so gespannte- war, daß ein Krieg als kaum noch vermeidlich erschien, etwa vor fünf oder sechs Jahren, als die fortwährenden hetzerischen Behauptungen der englischen Jingo- presse von den angeblichen gewaltigen Flottenrüstungen Deutschlands und einer hiermit zusammenhängenden drohenden deutschen Invasion in England auf ihrem Höhepunkte standen. Zum gleichen Zeitpunkte hatte auch die gegen Deutschland gerichtete berühmte Einkreisungspolitik König Eduard VII. ihren Gipfelpunkt erreicht und es bedurfte vielleicht nur irgend eines unbedeutenden Anlasses, um einen in seinen Folgen unübersehbaren kriegerischen Konflikt zwischen der größten Seemacht und der stärksten Militärmacht der Welt herauszube- schwören.
In diesem hochkritischen Stand der Dinge bewirkte nun die Begegnung Kaiser Wilhelms mit seinem Oheim König Eduard aus Schloß Wilhelmshöhe im Sommer 1904 zum ersten Male eine Wendung zum Bessern. Es folgte im November des nämlichen Jahres der gemeinsame Besuch des Kaisers und der Kaiserin in England nach, bei welchem dem deutschen Herrscher und seiner Gemahlin eine geradezu enthusiastische Ausnahme von der englischen Bevölkerung bereitet wurde; der Kaiserbesuch hatte ersichtlich eine weitere Ab- schwächung der bisherigen „Unstimmigkeiten" zwischen London und Berlin zur Folge. Die Zusammenkunft Kaiser Wilhelms mit König Eduard in Schloß Friedrichshos im Sommer 1908 trug dann ebenfalls zur Fortführung der wieder freundlicher gewordenen deutsch-englischen Beziehungen bei und heute stellen sie sich in einem verhältnismäßig so günstigen Lichte dar, daß in England selber daS von Zeit zu Zeit noch immer erschallende wüste Geschrei der einheimischen Chauvinisten von der „deutschen Gesahr" immer weniger ernst genommen wird. Bereit- hat man denn im englischen Parlament den Plan einer deutsch-englischen Abmachung behufs einer beiderseitigen Einschränkung der Flottenrüstungen anbringen können, und der Reichskanzler von Bethmann-Hollweg hat im deutschen Reichstage eine keineswegs direkt ablehnende Antwort hieraus gegeben, so sehr er sich auch andererseits bei dieser Gelegenheit mit aller Entschiedenheit gegen eine Abrüstung der Mächte Europas erklärte. Inzwischen hat sich nichts ereignet, waS die begonnene allmähliche Verständigung zwischen Deutschland und England wieder in Frage stellen könnte, auch die bekannten deutsch-englischen Spionagegeschichten haben sich lediglich als belanglose Episoden erwiesen. So dars man denn hoffen, daß die anhebende freundlichere Gestaltung der deutsch-
„DaS ist alles richtig," meinte Kuno mit bitterem Lächeln, „aber wenn ich erzähle, daß ich wie ein gewöhnlicher Arbeiter fast ein Jahr lang in einem Diamantbergwerk gearbeitet habe, dann halten mich meine standeSstolzen Verwandten nicht mehr ganz für ihres Gleichen."
„Unglaublich, unglaublich, denn die tüchtige Arbeit adelt jeden Menschen," rief Henry. „Sollten sie Dich in Deutschland aber schief ansehen, dann kannst Du ja auch bockbeinig werden und mit Deinem Gelde nach PariS auSwandern."
„Nein, nein, das würde ich nicht tun, denn ich achte und liebe mein deutsches Vaterland zu hoch, als daß ich ihm deshalb wieder den Rücken zukehren würde, weil mich Verwandte und alte Freunde dort vielleicht bei meiner Rückkehr schies ansehen," entgegnete Kuno, „ich würde dann schon einen stillen Winkel in Deutschland finden, wo ich unbehelligt von schiesen gesellschaftlichen Vorurteilen leben könnte. Aber war mich in diesem Argwohne bestärkt, daS ist der Umstand, daß ich auf meine Briese an meine Brüder Ulrich und Wilhelm keine Ant- Wort erhalten habe. Ich muß ja allerdings gestehen, daß ich seit meinem Aufenthalte in Aegypten auch einmal vier Jahre lang nicht- von mir hören ließ. Ich wollte eben erst etwas Ordentliches erreichen und nicht alS armer Abenteurer nach Deutschland zurückkehren. Nun habe ich es zu Gold und angesehener Stellung in Asrika gebracht, und da wollen sie von mir in Deutschland nun doch nichts mehr wissen."
„DaS kann aber auch nur ein unglücklicher Zufall sein, daß Sie keine Antwort aus Ihre Briefe auS Deutschland erhielten, Herr von Bevern," wandte Elisabeth Owen schüchtern ein, „eS kommen im Ueberseeverkehr ja ganz seltsame Dinge vor."
„Mag Gott geben, daß dieses Rätsel für mich keine gar zu traurige Lösung finden möge," erwiderte Kuno resigniert, „ich werde mich eben auch entschließen, nächste- Jahr Afrika zu verlassen, wenn du nach England zurückkehrst, Henry, denn ohne einen in aller Not erprobten lieben Freund würde ich er schließlich in Afrika doch wohl nicht lange aushalten."
„Jedenfalls steht mein Entschluß fest," erklärte Henry, „daß ich meine Stellung hier aufgebe, sobald die beiden neuangelegten Diamantwerke fertig sind, und dann können wir ja gemeinsam nach Europa zurückkehren."
englischen Beziehungen noch weitere Fortschritte machen, und daß hierzu der jüngste Kaiserbesuch am Themsestrand ebenso daS {einige beitragen wird, wie da- für diesen Sommer angekündigte Zusammentreffen Kaiser Wilhelm- und König Georg- aus deutschem Boden. Immerhin bleibt aber die unerläßliche Voraussetzung für eine solche gewiß höchst wünschenswerte Weiterentwickelung der Dinge die, daß man im englischen Volke entgültig mit der törichten Vorstellung bricht, als ob Deutschland wirklich darauf auSginge, sich England ebenbürtig zur See zu machen.
Aus Provinz u. Naebdargebiet.
* (Die Gebäude st euer in Hessen-Nassau.) Die Veranlagung zur Gebäudesteuer in Hessen-Nassau ergab für 1910 folgende Resultate: ES waren vorhanden 338 829 steuerfreie und 364 651 steuerpflichtige Gebäude. Letztere wurden bei einem Nutzungswert von 197 650 860 Mk. mit 7 230 342 Mark Gedäudesteuer belastet. WaS den durchschnittlichen Gebäudesteuer-Nutzungswert anbelangt, so belief er sich in den Städten für Wohngebäude auf 1499,8 Prozent und für gewerbliche Gebäude aus 786,7 Prozent, auf dem Lande für Wohngebäude aus 132 Prozent und für gewerbliche Gebäude auf 487,3 Prozent. Im Vergleich mit den übrigen Provinzen steht Hessen-Nassau bezüglich des Nutzungswertes der Wohn- und Geschäftsgebäude mit an erster Stelle. Den größten durchschnittlichen NutzungSwert der Wohngebäude besitzt unter städtischen Gebieten der Stadtkreis Berlin mit seinen zahlreichen Mietskasernen.
* Verliehen wurde dem Lehrer a. D. Johann Heinrich
S ch a e s e r zu Zimmer-rode im Kreise Fritzlar, bisher in Ger-hausen, Kreis HerSseld, der Adler der Inhaber der Königlichen HauSordens von Hohenzollern.
p. Hersfeld, 15. Mai. (Waldmeister und Maiwein.) Allen Freunden einer blutauffrischenden, herz- ersreuenden Maibowle sei eS verraten: Waldmeister, daS duftende Kräutlein Asperala odorata, ist wieder in allen Buchenwäldern erschienen und ladet durch seinen herrlichen Geruch zum Pflücken ein. Die Zeit ist da, von der unser Dichter Otto Roquette in seinem Rhein-, Wein- und Wandermärchen „Waldmeisters Brautsahrt" gesungen hat:
O tief geheimnisvolles Träumen Der dustdurchwchten Waldesnacht!
Tritt ein, und ringS aus Busch und Bäumen
Erblüht dir holde Märchenpracht. . . .
Prinz Waldmeister erscheint aus grünem Plan,
Da tönt's Juchhe! durchS Kellerloch.
Der nicht nur bei Männern, sondern auch bei unsern Frauen beliebte Maiwein wird bereitet, indem man reichlich Waldmeister in einem mit gutem Mosel- oder leichtem Rheinwein gefüllten zugedeckten Gefäß etwa 10 bis 15 Minuten ziehen läßt und dann Zucker, aber nicht allzuviel, zusetzt. Wie der Maiwein wirkt, beschreibt Otto Roquette in den köstlichen Versen:
Waldmeister glüht und sprüht von Witz, Ich glaub', es nippte sich beim Tanze
Selbst das Prinzeßchen einen Spitz.
Für die Vollwirkung des Maitranks gibt der Dichter solgendeS Rezept:
Nehmt Jugend, Hoffnung, Lust und Scherz, Nehmt glühenden Sinn, ein freie- Herz, Nehmt Blütenkränze und Gesänge, Von Freud und Leid ein bunt Gedräitge/
Gießt wacker draus kristallne Glut,
DaS treibt das Blut, daS schütt den Mut.
Unter den sogenannten blutreinigenden Mitteln deS Frühling- gibt es kein kräftigeres, sicher aber kein wohlschmeckenderes als den Maitrank.
zzz Tepp ich e =
verkaufe so lange der Vorrat reicht
10/4 = 170 : 240 große Plüsch-Teppiche (Velour Prima) netto für 25.— Mk,
12/4 = 200 : 300 große Plüsch-Teppiche (Velour Prima) netto für 40 — Mk.
Gg. Herrn. Möller, Kaiserstr. 3.
§ Caffel, 15. Mai. Die diesjährige Mitgliederbe r f a m m l u n g deS z. Zt. 44 Zweigvereine zählenden
„DaS soll ein Wort sein und uns binden für den noch gemeinsamen Ausenthalt in Asrika und für die gemeinsame Heimreise," entgegnete Kuno, „und ich denke, Miß Elisabeth, Sie reifen auch erst mit unS von hier weg, so lange halten Sie eS bei Ihrem Bruder schon noch auS."
„Meinetwegen kann sie noch ein Jahr da bleiben, brummte Henry in den Bart, „wenn sie es sich abgewöhnt, Grillen zu sangen und mir ein böses Gesicht zu zeigen."
AlS Kuno die verlegene Miene des jungen Mädchens bei Henrys Worten erblickte, rief er lachend:
„Na, na, mit dem Fangen von Grillen wird eS bei Miß Elisabeth wohl nicht so schlimm fein, du mußt ihr nur etwas mehr Zerstreuung bieten und einige Ausflüge mit ihr unternehmen."
„Sie ist nicht sattelsest genug, um ein Pserd in der Wildnis reiten zu können," entgegnete Henry, „und aus einem Kameele ist sie mir schon einmal „seekrank" geworden," setzte er lächelnd hinzu, „es blieben dann noch Ausfahrten mit unserem Maultiergespann, doch damit kommt man gewöhnlich nur auf der Steppe, aber nicht im afrikanischen Busch gut vorwärts."
„Ich werde für Miß Elisabeth ein lammfrommes Pferdchen besorgen," erklärte jetzt Kuno, „ich war acht Jahre lang deutscher Kavallerieoffizier, da verstehe ich mich noch ein bischen aus die Pferde. Wer weiß, auf waS für einem schrecklichen Gaul Miß Elisabeth ihre Reitversuche iu Asrika gemacht hat. Verlassen Sie sich darauf, liebe Miß, Henry ist ein sehr tüchtiger Ingenieur, aber von Pferden versteht er nichts. Auch muß man, um ein Pferd reiten zu können, auch in der Reitkunst einigermaßen unterrichtet sein, oder man lernt eS sich auf eine halsbrecherische Art und Weise selbst. Das kann man aber nicht gerade von einer jungen Dame verlangen. Wenn Du nichts dagegen hast, Henry, und Sie, Miß Elisabeth, einwilligen, werde ich für den nötigen Reitunterricht auf einem frommen Pferde sorgen."
„Meinetwegen," brummte Henry.
(Fortsetzung folgt.)