Die Sonne strahlt, die Frühling-Winde wehn, Und seine Schrecken hat der Tod verloren. Er welkt und eS zerfällt, was [taubgeboren, Doch über Gräbern braust eS: Auferstehn!
Politischer Wochenbericht.
Auch der p r e u ß i s ch e L a n d t a g ist nunmehr in die Ferien gegangen, nachdem er den Staatshaushalt, wenngleich wieder mit einiger Verspätung, fertiggestellt hat. Außer dem Etat sind nur noch einige kleinere Gesetzentwürfe, wie der Gesetzentwurf betreffend Mittel zum Bau von Arbeiter- wohnungen, die BergwerkSanleihe, die Hannoversche Landgemeindeordnung u. a., erledigt worden, während die größeren Vorlagen, wie die Entwürfe über die Feuerbestattung, die gewerbliche PflichtsortbildungSschule und die Bildung von Zweck- verbänden, erst nach Ostern ihrer Verabschiedung harren. — Die Verhandlungen bei preußischen Landtages sanden in den Debatten des Herrenhauses einen wahrhaft erhebenden Ausklang. Die Reden, die während dieser Debatten über die verschiedensten Gegenstände, wie Antimodernisteneid und elsaß- lothringische Frage, gehalten wurden, zeichneten sich nicht nur durch ihre ästhetisch ungemein fesselnde Form, sondern auch in sachlicher Hinsicht durch Gedankenreichtum und abgeklärteste Weisheit aus. ES war Höhenluft, die unS hier umfing, eine Luft, deren Hauch man in den Parlamenten deS allgemeinen und gleichen Wahlrechts leider so gut wie niemals verspürt.
Früher als sonst hat diesmal die ReichStagswahl- bewegung eingesetzt. Da ist es Pflicht des sorgsamen Chronisten, die bemerkenswertesten Vorgänge auf diesem Gebiete festzuhalten. Nach unserer Ansicht hat sich nun ein solcher Vorgang während der Bericht-woche in der Südwestecke unseres Vaterlandes abgespielt. Dort weht über K a r l s r u h e, der badischen Haupt- und Residenzstadt, wie bedauerlicherweise über manchem andern Wahlkreise auch, nur infolge der bisherigen Uneinigkeit der bürgerlichen Wähler die rote Fahne. Um dieser Schmach ein Ende zu bereiten, haben sich die rechtsstehenden Parteien deS Wahlkreises Karlsruhe bis in die Reihen der RechtSnationalliberalen und das Zentrum schon jetzt aus eine gemeinsame Kandidatur deSReichsparteilerS Freiherr» von Gemmingen geeinigt, das Zentrum hat diese Kandidatur nicht nur ohne jede Bedingüng seinerseits akzeptiert, sondern zeigt sich auch entschlossen, dieselbe mit allen Kräften genau so zu fördern, als handle es sich um eine Kandidatur der eigenen Partei. Es vollzieht damit einen Akt patriotischer Selbstverleugnung, der als vorbildlich hingestellt zu werden verdient, und daS Wutgeheul der badischen Großblockbrüder hierüber zeigt nur, wie richtig und zweckentsprechend daS Verhalten bei Zentrum- in diesem Falle ist.
. Durch die glänzende, den Charakter warmer Herzlichkeit tragende Aufnahme, die unserm K r o n p r i n z e n und der Frau Kronprinzessin bei Erfüllung ihrer Mission in R o m seitens des italienischen K ö n i g S p a a r e S und des italienischen Volkes zuteil geworden ist, find auss neue die freundlichen Beziehungen bekundet worden, die zwischen Deutschland und Italien, sowie zwischen den Herrscherhäusern Hohenzollern und Savoyen obwalten. Von Rom aus hat der deutsche Kronprinz seine Rückreise noch benutzt, um einen Besuch am österreichischen Kaiserhose in Wien abzustatten und dem Kaiser Franz Josef seine Gemahlin vorzustellen. Auch diesmal war der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand mit seiner Gattin aus Brionie herbeigeeilt, um an diesem neuen Austausch von Herzlichkeiten zwischen den beiden Höfen teilzunehmen. Die aufrichtige Freundschaft, welche zwischen den beiden Kaisern bet verbündeten Nachbarreiche besteht, wird sich zweifellos auch auf die Thronfolger übertragen, und diese Tatsache darf als bedeutungsvoller, heil- kündender Faktor für die Zukunst des deutsch-österreichischen Bündnisses und des Dreibundes angesehen werden. Der Be- such in Wien bildete die letzte Etappe auf der Heimreise des kronprinzlichen Paares. Nach sünsmonatlicher Adwesenhelt ist daS hohe Paar nunmehr wieder daheim. Der Kronprinz ist aus seiner Reise überall mit warmen Sympathien ausgenommen worden, und das Urteil des Auslandes über seine Person und sein Auftreten lautet einmütig anerkennend. Er hat Er- sahrungen und Eindrücke heimgebracht, die von dauerndem Werte für ihn sein werden. So ist diese Reise ein voller Er- solg für den Kronprinzen und ein Gewinn für das Deutsche Reich geworden. Wir heißen das kronprinzliche Paar in der Heimat aufS herzlichste willkommen.
In Marokko ist die Lage nach wie vor unklar und verworren. Der französische Minister des Auswärtigen hat erklärt, daß Frankreich, wenn die Lage in Fez schwierig werden sollte, im Rahmen der A l g e c i r a S - A k t e alle Maß. nahmen treffen werde, die notwendig find, um die Sicherheit der Europäer und insbesondere der französischen Landsleute zu gewährleisten. Ob und wieweit dies freilich in dem bezeichneten Rahmen möglich sein wird, erscheint noch sehr fraglich. Jedenfalls aber haben wir bisher keine Ursache, an der Loyalität der Absichten Frankreichs zu zweiseln, und wissen außerdem, daß unsere Regierung, wenn die Entwickelung der marok- konischen Dinge neue Vertrag-verhältnisse notwendig machen sollte, nichts verabsäumen wird, um die volle Wucht der bedeutsamen deutschen Interessen in Marokko in die Wagschale zu werfen.
Die Revolution der Winzer in Frankreich.
Die Winzer im Marnegebiet sind mit den Bestimmungen üb« die Abgrenzung der Weinbaudistrikte, die sie als ihren wirtschaftlichen Interessen schädlich erachten, äußerst unzufrieden geworden. Diefe Unzufriedenheit hat sich in den letzten Tagen in eine offene Revolte umgefetzt. Etwa 2000 Winzer au- ^rfchledenen Orten retteten sich zusammen und verübten eine Reihe von Gewalttätigkeiten, besonders in Dizy-Magenta, wo die Geschäftsräume und Kellereien bei Champagnerhauje« Kastellane demolierten und hierbei auch 230 000 Flaschen Sekt
die Meuterer wateten bis an die Kniee in dem köstlichen Schaumwein. Sie errichteten sogar Barrikaden und pflanzten aus ihnen rote Fahnen aus.
Paris, 13. April. Während des ganzen gestrigen Tages wurden in der Champagne die Verwüstungen und Mord- brenuerszenen fortgesetzt. Die Gendarmen und Truppen waren entweder nicht zur Stelle oder unzureichend, oder sie dursten nicht wirksam einschreiten, weil die Regierung sich fürchtet, Blut zu vergießen und deshalb bei einer Interpellation zu Falle zu kommen. Ungestört konnten also die toll gewordenen Winzer ihr Vernichtungswerk fortfetzen. In Ay und Um- W-nd allein gingen zehn bis zwölf größere Champagnersa- brikrn in Flammen auf, unter denen die Häuser von Moet, Durwm, van Cassel, Galloir, Grandin, Dupont und Aubert ,vie bedeutendsten sind. Zunft wurden stets die gefüllten
Flaschen zerschlagen, die Keller dadurch unter Wein gesetzt, dann rollte man die Fässer in die Straßen, wo sie geöffnet wurden, so daß sich ganze Ströme der Flüssigkeit in die Straßen ergossen. Ganz Ay riecht nach diesem Weine. Schließlich stürzte sich die wilde Meute in die Fabriken, ja selbst in die Bureaux und Privatwohnungen der Fabrikanten, auS denen Möbel, Geschäftsbücher, Wäsche, Kleider, kurz alle-, waS sie enthielten, durch die Fenster aufs Pflaster geworfen wurden. AuS diesen Dingen bildete man dann riesige Schei- terhausen, die angezündet wurden. Sogar Kinderwiegen, Geldschränke und Oelgemälde wurden geraubt, zerbrochen, verbrannt, und die Flammen ergriffen überall auch die Gebäude. Die Winzer sorgten dafür, daß niemand Hand an die Pumpen legte. Wehe dem Feuerwehrmann, der eS gewagt hätte, dem rasenden Elemente Halt gebieten zu wollen! AIS aber aus Zufall die Bürgermeisterei von Ay plötzlich ebenfalls Feuer fing, da rührten sich alle Hände, um den Brand zu löschen, und die Winzer brachten selbst Pumpen und Löschgeräte her- bei, so daß der Brand bald gelöscht werden konnte. Zum Glück waren die Fabrikanten und ihr Personal zum größten Teile abwesend, sonst wäre eS ihnen ans Leben gegangen, da die Wut der Winzerhorde keine Grenzen kannte. Nicht viel besser ging es in dem benachbarten Epernay zu, obwohl die Stadt durch Truppen geschützt war. Es gelang einer Bande von etwa 200 Mann, die Wachsamkeit der Kavalleriepatrouillen zu täuschen und durch die deckenden Weinberge hindurch in den Ort zu bringen, wo sie einem vorher ausgegebenen Losungsworte gemäß direkt auf die Fabrik von Coste Folcher marschierten. Auch dort wurde alles kurz und klein geschlagen und dieselben Szenen wie in Ay wiederholten sich. Endlich trat den Wüterichen eine Abteilung Gendarmerie entgegen und suchte ihnen den Weg zu verlegen, aber die Winzer griffen die Gendarmen mit langen Stangen, Haken, Beilen und anderen Instrumenten an, und es wäre den Gendarmen schlecht ergangen, wenn nicht endlich eine Kompagnie Jnsanterie und ein Zug reitender Jäger angelangt wären, denen ei nach vieler Mühe gelang, die Winzer etwas zurückzudrängeu und die Gendarmen aus ihrer höchst gefährlichen Lage zu befreien.
flut Jn- lind Ausland.
Berlin, den 14. April 1911.
Ihre Kaiserlichen Majestäten sowie die Prinzessin Viktoria Luise mit dem Gesandten Frhrn. v. Jenisch, General Frhrn. v. Lyncker, Oberst v. CheliuS, Fre- gattenkapitän v. Bülow und Gräfinnen zu Rantzau und v. Kanitz begaben sich gestern vormittag 10 Uhr in Automobilen vom Achilleion nach dem Dorf Garitza bei der Stadt Korfu, in dessen Nähe seit einigen Tagen Ausgrabungen gemacht werden. Anwesend waren der Präsekt sowie der EphoreVer- sakis. Die Majestäten besichtigten bereits gefundene Teile eines Steintempels auk dem Jahre 600 vor Christi Geburt, nämlich ein großes Gorgonenhaupt, einen gewaltigen Löwen- köpf und andere Stücke. Inzwischen wurde weitergearbeitet, wobei kleinere Stücke gefunden wurden. Die Kaiserin und die Prinzessin besuchten sodann ein in der Nähe gelegenes Frauenkloster und kehrten daraus zum Achilleion zurück. Der Kaiser besuchte das städtische Museum, wohin schon einige größere Fundstücke, Teile eines HochrelifS, verbracht waren. Der Kaiser kehrte sodann zu der AuSgrabestelle zurück und verblieb dort, ohne irgendeine Erfrischung zu nehmen. Er verfolgte mit gespanntester Aufmerksamkeit das Freilegen und Umwenden einer riesigen Steinplatte, die sich als der gewaltige Rumpf einer Gorgo herausstellte, der zu dem schon gefundenen Kopse paßt; der Leib ist schlangenumwundcn und geflügelt und zeigt Spuren roter Farbe. Der Kaiser, der für'die Arbeiten eine größere Summe überwiesen Hot, ließ die Kaiserin telephonisch von dem Fund benachrichtigen, worauf die Kaiserin mit der Prinzessin und daS gesamte andere Gesolge wieder am Platze erschienen. Die Kaiserin und die Prinzessin machten photographische Aufnahmen. Die Funde sind zweifellos von höchster Bedeutung und Wichtigkeit. Die Majestäten kehrten gegen 6 Uhr nach dem Achilleion zurück. — Das Wetter war schön. — Hausmarschall Freiherr v. Lyncker ist im Achilleion eingetroffen.
Die deutsche Kolonialschule Witzenhausen konnte dieses Mal beim Schluß des Wintersemesters acht Kolonialschüler mit einem Diplomzeugnis entlassen. Außerdem ist eine Reihe Kolonialschüler nach ein- bis zweijähriger Ausbildung ohne Diplomprüfung, aber mit Empfehlung der Kolo- nialjchule abgegangen. Deutsch-Ostafrika, Deutfch-Südwest, Kamerun, Samoa, Australien und Kanada sind die Ziele dieser jungen Leute, nachdem in letzter Zeit erst eine besonders große Zahl alter Kolonialschüler nach Südwest und Ostasrika gegangen war. ES mag gleichzeitig wieder einmal daraus hin- gewiesen werden, daß die deutsche Kolonialschule Gewähr und Verantwortung für die Ueberführung in den kolonialwirtschast- lichen Beruf nur für geeignete bewährte Kräfte zu übernehmen bestrebt ist; darum werden ungeeignete junge Leute rechtzeitig wieder auSgeschieden.
Von den am 1. Oktober 1911 zu errichtenden Masch i- nengewehr-Kompagnien erhalten je 7 das Garde- korps und 16. Armeekorps, je 5 das 2., 5. bis 9., 14. und 17. Armeekorps, je 4 die übrigen Korps. Beim 7. Armeekorps werden solche Kompagnien etatsmäßig errichtet bei den Regimentern Nr. 13, 16, 39, 53 und 56, beim 8. beim 65., 68., 70. und 161. Regiment.
Die politische Lage zwischen Rußland und China gilt nach wie vor als unsicher, trotz der vorläufigen Nachgiebigkeit der chinesischen Regierung gegenüber den russischen Forderungen. Es wird von Kennern der chinesischen Politik und diplomatischen Taktik behauptet, daß die chinesische Note, welche im allgemeinen die Anerkennung der Forderungen Rußlands ausspricht, nur bestimmt sei, Zeit zu gewinnen, bis China seine im Gange befindlichen militärischen Zulüftungen beendigt haben werde. In Rußland wird man daher gut tun, sich von dem chinesischen Nachbar nicht überS Ohr bauen zu lassen.
Der blutige Bürgerkrieg in Mexiko nimmt seinen Fortgang, nachdem die eingeleiteten Friedensverhand- lungen zwischen der Regierung der Präsidenten Diaz und den Insurgenten gescheitert sind. Nach einem Telegramm auS Chihuahua wurden vergangene Woche 90 Mann BundeS- truppen von den Rebellen, welche seitens der ersteren verfolgt wurden, in einen Hinterhalt gelockt und dort bis aus 2 oder 3 Mann niedergemetzelt. ES bestätigt sich, daß der Führer der Aufständischen, FranziSco Madero, in einem Ultimatum an die mexikanische Regierung die sofortige Abdankung bei Präsidenten Diaz und seine Entfernung auS dem Lande, sowie die ungesäumte Vornahme der Wahl eines neuen Präsidenten gefordert hat.
Zur marokkanischen Angelegenheit wird aus Madrid gemeldet, daß zwischen Frankreich und Spanien in der Marokkoangelegenheit ein vollständige- Einvernehmen erzielt
worden sei. Frankreich habe der Madrider Regierung seine Pläne mitgeteilt und diese habe ihr dafür ihren Dank ausgesprochen. Nach einer anderen Meldung hätten zwei Signatarmächte deS AlgeciraSvertrages, ohne grundsätzliche Einwendung gegen ein französisch-spanisches Einschreiten geltend zu machen, in PariS und Madrid Vorstellungen erhoben, die zwar die Absicht der französischen und spanischen Regierung nicht geändert, die sie aber veranlaßt hätten, die Entwickelung der Ereignisse erst abzuwarten, bevor sie endgültige Beschlüsse fassen.
Reuters Bureau erfährt, daß E n g l a n d in Bezug aus die Lage in Marokko keine Vorstellungen bei Frankreich erhoben habe. Frankreich habe kürzlich England von den Schritten unterrichtet, die es in gewissen etwa eintretenden Fällen zu tun gedenke. England aber habe keine Bemerkung dazu gemacht. Wohlunterrichtete englische Kreise geben der Ansicht Ausdruck, daß die Lage in Marokko in Wirklichkeit nicht so kritisch sei, wie einige mit den marokkanischen Verhältnissen nicht Vertraute sich einbilden, und glauben nicht, daß den Europäern Gefahr drohe.
Aus Provinz u. Nackdargediet
§ Hersfeld, 15. April. Neuerdings sind in Italien sich aushaltenden Reichsangehörigen mehrfach daraus Unzuträglichkeiten erwachsen, daß ihnen das dort bestehende Verbot des Waffentragens nicht hinrcichend bekannt war und sie sich über ihre Person nicht genügend auSweisen konnten. Das in Italien erlassene Waffenverbot zu übertreten, liegt deshalb besondere Gefahr vor, weil dort neben wirklichen Waffen, wie Schutzwaffen und Degen, Dolchen, Stiletten und Messern mit feststellbarer Klinge, auch gewöhnliche Messer mir einer mehr als 10 cm langen Klinge, Rasiermesser und Scheren von mehr als 10 cm Länge nur nach zuvoriger Lösung eines Waffenscheines getragen werden dürfen. Verletzungen dieser Vorschrift müssen mit GesängniSstrasen geahndet werden, und ist es wiederholt vorgekommen, daß zuwiderhandelnde Reisende festgenommen worden oder sonst in die größten Ungelegensten geraten sind. Es muß daher davor gewarnt werden, in Italien Waffen ohne zuvorige Beschaffung eines Waffenscheins mitzuführen. Der Mangel hinreichender Ausweispapiere hat dort namentlich bei der Entgegennahme von Postsendungen zu Weiterungen geführt. Die italienische Postverwaltung erkennt zwar jetzt die deutschen Postausweiskarten alS vollgültige Ausweispapiere zum Empfang von Postsendungen an. Gleichwohl kann die Mitführung eines Reisepasses bei Reisen nach Italien — wie überhaupt bei Auslandsreisen — nur dringend empfohlen werden. Denn die Möglichkeit, sich auch sonst schnell und ausreichend über seine Person auszuweisen, Tann für jeden Reisenden von großem Werte sein. So sind wiederholt deutsche Reisende im Auslande polizeilicherseits infolge Verwechselung mit strafrechtlich verfolgten Personen festgenommen und in Haft gehalten worden, bis ihre Persönlichkeit sestgestellt war. Andererseits ist ein Reisepaß auch zum Zwecke des Nachweises über den Besitz der Reichsangehörigkeit von Nutzen, um in Fällen der Not unverzüglich den Schutz der Kaiserlichen Konsulate in Anspruch nehmen zu können, die ein Eingreifen in der Regel von dem Nachweise der Reichsangehörigkeit abhängig machen müssen.
):( Hersfeld, 15. April. In dem Haushaltsetat des Kreises HerSfeld für das Rechnungsjahr 1911 sind allein für Landwege-Unterhaltung 93500 Mk. eingestellt worden. Bon dieser gegen das Vorjahr um 45 316 Mk. höheren Summe entfallen für dauernde Ausgaben auf sämtliche Kreisstraßen 36 000 Mk., während die übrige Summe von 57 500 Mk. für Wege im Werra- grunde auszuwenden sind, welche durch den enormen Verkehr der Kaliwerke besonders stark abgenutzt sind. So wird mit einem Kostenaufwand von 18 000 Mk. der Landweg Wölsers- Hausen-Hersa instandgefetzt, die Aufhöhung des Landweges Heringen-Hersa am Eingänge von Heringen erfordert 12 000 Mk., die Abpflasterung der Wegezüge am Bahnübergang bei Heringen kostet 7500 Mk. Die Instandsetzung der Wege- strecke WölserShausen-Heringen und Wölsershausen-Lengers ist mit 3500 Mk. veranschlagt. Für den Landweg Ransbach- Nippe sind 16 000 Mk. und für Erhöhung der Fahrbahn Herfa-Wölsershausen 500 Mk. nötig. Zu diesen Kosten sind die Interessenten zu Vorausleistungen mit insgesamt 40 000 M, herangezogen worden, und zwar zahlt die Gemeinde Heringen 6000 Mk., die Gewerkschaft Wintershall 4500 Mk., die Gewerkschaften Hcrfa und Neurode 15 000 Mk. und die Gewerkschaften Heimboldshausen und Ransbach 14500 Mk. — Der außerordentliche Etat hat diesmal durch den Bau der Kleinbahn Hersfeld—Heimboldshausen die Höhe von 1 368 876,33 Mk. erreicht. Hiervon entfallen aus den Bau und Grunderwerb 1 277 252 Mk., während für den Grunderwerb der Strecke Niederaula-Schlitz-Alsfeld 90 000 Mk. bereitgestellt sind. Die Vergütung für den Grunderwerb der Nebenbahn Hersfeld-Heimboldshausen beträgt 220 203 Mk., während die Baukosten mit 1 050 000 Mk veranjchlagt sind.
):( Hersfeld, 15. April. Einem am Eisfeld wohnenden Händler wurde dieser Tage die W u r st k a m m er von unberufener Seite etwas erleichtert. Nach dem ganzen Befund kann hier nur eine mit den Verhältnissen gut vertraute Person all Täter in Frage kommen.
):( Hersfeld, 15. April. Am Donnerstag früh wurde in einem Hause in der Kaiserstraße ein Einbruch verübt. Mittels Nachschlüssel hatte sich der Dieb Eingang in den Laden verschafft und daselbst die Kasse erbrochen. Da der betreffende Geschäftsinhaber am abend jedoch die Kasse entleert hatte, war die Beute nur gering. AlS Täter kommt ein fremder ca. 26jähriger Menfch in Betracht, der sich in der Richtung nach Neukirchen zu entfernt hat. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange.
(§) Friedewald, 14. April. Von einem Grabstein erschlagen ausgefunden wurde am DienStag auf dem hiesigen Friedhose der 8 Jahre alte Sohn des Pflasterers Joh. Schellhas. Wie sich bet schreckliche Unfall zu getragen hat, konnte noch nicht mit Bestimmtheit sestgestellt werden. Vielleicht hat sich daS Kind an dem Steine zu schaffen gemacht, wobei derselbe umstürzte und bal unglückliche Kind erschlug. _
Gerstungen, 11. April. Der Oberbahnhofsvorsteher Wahrenberg, der vor 4 Wochen auf dem hiesigen Bahnhöfe verunglückte, ist jetzt seinen Verletzungen im Krankenhaus in Eisenach erlegen. Wahrenberg war am 10. März aus dem Rangiergleise von einem Zuge erfaßt und etwa 60 Meter weit geschleift worden, wobei er schwere Verletzungen an den Beinen erlitt. Eine Amputation im Eisenacher Krankenhaus vermochte ihn nicht zu retten.
Bon der Edder, 11. April. Ein großer Verlust hatte den Landwirt Göbel zu RommertShausen gestern früh betroffen. Derselbe hatte unachtsamer Weise abends die Stalllaterne brennend an einem Balken im Stalle hängen lassen. Der Balken geriet dadurch in Brand, durch den Rauch und