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Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Slnschlutz Nr. 8

Nr. 42.

Sonnabend, den 8. April

1911.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 4. April 1911,

An die sämtlichen Schulvorstände des Kreises.

Nach § 17 des VolkSschulunterhaltung-gesetzeS vom 28. Juli 1906 erstattet der Staat den Schulverbänden mit nicht mehr als sieben Schulstellen ein Drittel desjenigen Teilbetrages der durch notwendige Bauten jür Volksschulzwecke, aus­schließlich des Grunderwerbs, entstandenen Kosten, welcher im Rechnungsjahre 500 Mk. für die Schul stelle ü 6 er­stiegen hat.

Die Schulverbände des Kreises werden aufgcfordert, etwaige Ansprüche auf Gewährung des staatlichen Baubeitrages für das Rechnungsjahr 1910, soweit noch nicht geschehen un­verzüglich bei mir geltend zu machen.

Ich betone nochmals, daß die Baukosten den Betrag von 500 Mk. übersteigen müssen; bei geringeren Baukosten wird ein staatlicher Baubeitrag nicht gewährt.

I. 3999. Der Landrat.

I. A.:

W e s s e l, KreiSsekretär.

Hersseld, den 7. April 1911,

Es besteht die Gefahr einer größeren Verbreitung der Maul- und Klauenseuche im hiesigen Kreise.

Ich habe deshalb auf Grund des § 59a der BundeSratS- instruktion zum ReichSviehfeuchengesetz vom 27. Juni 1895 Beilage zum Amtsblatt Nr. 34 pro 1895 sämtliches Klauen- Vieh (Rindvieh, Schafe, Ziegen, Schweine) innerhalb der Gemarkungen Niederjossa, Kleba, Kirchheim, GerShausen, Allendorf, ReimboldShausen, Kemmerode, HedderSdorf, Frie- lingen, Gersdorf, WillingShain, Rotterterode, GoßmannSrode, Beiersgraben, SchmidSberg, Reckerode, HählganS, MengS- Hausen, EolmS, Kerspenhausen, Roßbach, Beiershausen, Asbach, Kohlhausen, Eichmühle, Eichhof, BingarteS, Unterhaun, Ober- haun, Rotensee, Vollmersburg, Kühnbach, PeterSberg, Wilhelmshof, Sorga, KathuS, Hermannshos, Oberrode, Friedlos, Reilos, Wehneberg, die übrigen Stadtteile von HerSfeld, KalkobeS, HeeneS, AllmerShausen und Hof Meisebach, zunächst unter Beobachtung gestellt.

Die Ausführung von Klauenvieh aus dem Beo­bachtungsgebiet ist verboten.

Ebenso ist der Durchtrieb von Klauenvieh auS anderen Ortschaften durch das BeobachtungSgebiet verboten.

Die kranken und verdächtigen Tiere innerhalb des Beo- bachtungSgebietS unterliegen der Gehöftsperre.

Ausnahmen von der vorsteh-nden Anordnung sind nur mit meiner Genehmigung zulässig.

I. 4280. Der Landrat

von Gruneliut.

HerSfeld, den 7. April 1911.

Bei dem Schneidermeister Post hier, Schreiner Heinrich Sauer, Niederaula, Förster Neuschäfer, Heinrich Reiht, Georg Burck und Georg Witter in Hattendach ist unter den Schweinen die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden.

I. 4280. Der Landrat

von G runeliuS.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Der Reichstag ist aus drei Wochen in die Osterferien gegangen, nachdem er vorher noch den Etat in dritter Lesung erledigt hat. Die letzten Sitzungen vor Beginn der Ferien gaben sowohl dem Reichskanzler wie dem Reichr- fchatzfekretär Gelegenheit, sich in höchst anerkennender Weise über die Wirkungen der ReichSfinanzreform zu äußern. So sagte der Reichskanzler:Der eigentliche Kamps um die ReichSfinanzreform ist längst auSgesochten, gesunde Reichsfinanzen sind seine Folgen, und diesem Faktum wird man sich auch im Volke auf die Dauer nicht entziehen können." Wir hoffen und wünschen von Herzen, daß der weitere Gang unserer innerpolitischen Entwicklung dem Reichskanzler hierin Recht geben möge. Denn die Nachgesechte über die ReichS- finanzresorm, die in unverantwortlicher Weise immer wieder angezettelt werden, haben absolut keinen vernünftigen Sinn, sondern find nur geeignet, Wasser aus die Mühlen der Um­sturzpartei zu leiten und dem Gemeinwohl tiefe Wunden zu schlagen. Je eher mit ihnen aufgeräumt wird, desto besser.

Während der letztverflossenen EtatSverhandlungen im Reichstage hat der Reichskanzler auch Gelegenheit ge­nommen, sich in bedeutungsvoller Weise über die Fragen der Abrüstung und der S chiedsgeri chte zu äußern. Er hat die Forderung, Deutschland solle den andern Großmächten ein Programm für die Einschränkung der Rüstungen vorlegen, mit vollstem Rechte abgelehnt. Schiedsgerichten dagegen steht Deutschland nach den Darlegungen der Reichskanzlers nicht ablehnend gegenüber. Es hat im Gegenteil den Abschluß von Schiedsgerichten gefördert und wird dies auch ferner tun.

Aber nimmermehr, so betonte der verantwortliche Leiter unserer Politik, dürfte einem Schiedsgerichte die unmögliche Aufgabe zugewiesen werden, über die Unabhängigkeit, Ehre und Existenz der Staaten zu entscheiden. Sowohl im Inlands wie im Auslande hat die Presse in ihrer überwiegenden Mehr­heit diese Grundgedanken der Rede des Reichskanzlers als zu­treffend anerkannt und gewürdigt. Nur Unverstand oder böser Wille vermag in ihnen eine völlige Absage an den Friedens­gedanken zu erblicken, und so hat denn tatsächlich auch nur eine Minderzahl von Preßstimmen sich in solchem Sinne ge­äußert. Sehr zutreffend bemerkt dieNorddeutsche Allgemeine Zeitung":ES lohnt sich nicht der Mühe, diesen Preßstimmen im einzelnen entgegenzutreten. Sie werden bündig widerlegt durch die Politik, die Deutschland seit 40 Jahren sührt und auch fernerhin führen wird."

In unserm befreundeten und verbündeten Nachbarlande Oesterreich-Ungarn ist nunmehr die vorauSzusehende A u slö s u n g deS im Mai 1907 gewählten Abgeordneten­hauses, des ersten österreichischen Parlamentes deS gleichen Wahlrechtes, tatsächlich erfolgt. Die Auflösung des Abge­ordnetenhauses ist, wie daSWiener Fremdenblatt" sehr richtig bemerkt, kein Streich gegen das Parlament, kein Akt der Feindseligkeit gegen daS Haus des allgemeinen Wahl­rechtes, im Gegenteil, sie ist ein Akt für daS Parlament, eine Maßregel des Schutzes für die Grundlage alles parlamenta­rischen Wirkens. Denn durch die Obstruktion wird der Parlamentarismus in Gründ und Boden ruiniert, und ein Parlament, in welchem das Leben-prinzip jeder Volksver­tretung, daS Majoritätsgesetz, mißachtet und in sein Gegenteil verkehrt wird, kann nicht leben. Im übrigen denkt die österreichische Regierung an keine absolutistischen Abenteuer, wie sie ihr von sozialdemokratischer Seite unterstellt worden sind, sondern wird sich darauf beschränken, den Paragraphen .14, das kaiserliche Notverordnungsrecht, nur auf jene Regierungs­vorlagen anzuwenden, die im aufgelösten Abgeordnetenhause unmittelbar obstruiert worden sind und deren Nichtgesetz- Werbung zu einem bestimmten Termine mit schweren Störungen in der staatlichen Verwaltung verbunden wäre. Von den Neuwahlen im Juni aber erhofft die österreichische Regierung ein Parlament, daS festen Willens und imstande sein wird, seinen verfassungsmäßigen Ausgaben und Pflichten gerecht zu werden, und wir wollen wünschen, daß sich diese Hoffnung im vollsten Umfange erfüllen möge.

In Italien ist daS Ministerium G i o l i t t i inzwischen vom Könige bestätigt worden. ES ist entgegen der ursprünglich bestehenden Absicht sozialistenrein geblieben, da B i j s o l a t i angeblich wegen der mit Uebernahme eines MinisterpostenS verknüpften ReprüsmtationSpflichten, in Wirklichkeit aber wohl wegen der gegen einen solchen Schritt gerichteten Stimmung seiner Parteigenossen, den Eintritt in das Ministerium ver- weigert hat. So stellt daS neue italienische Kabinett, dem eine erhebliche Majorität in der Kammer gesichert sein dürfte, eigentlich nur eine Umbildung deS Kabinetts Luzzatti dar. Auch Spanien hat wieder einmal seine Ministerkrisis ge­habt. die durch eine Rekonstruktion deS Kabinetts C a n a l e j a S beendigt worden ist. Welche Gründe den König bewogen haben, Canalejas im Amte zu halten, entzieht sich der allge­meinen Kenntnis.

In Marokko scheinen die Dinge dem Ende der Unab- Hängigkeit deS Scherisenreiches entgegenzutreiben. Wie ver- lautet, haben die Aufständischen bereit- Fez erstürmt und be­absichtigen, an Stelle Mulay Hafids Mulay Ismail als Sultan einzusetzen. Einem solchen Beginnen aber dürste sich Frankreich mit aller Macht widersetzen und den Thron Mulay HaidS durch die Krast seiner Bajonette stützen. Das Ende wäre alsdann voraussichtlich ein formelles Scheinregiment Mulay Hafids und die tatsächliche Etablierung der franzö­sischen Herrschaft über Marokko.

3ur Wem« Hochzeit des loiirtlem- bergischen SmWams.

8. April.

An diesem Sonnabend begehen der König und die Königin von Württemberg ihr 25jähriges Ehejubiläum und damit eine Feier, an der das ganze Land freudigsten Anteil nimmt. Nach nur kurzem Eheglücke an der Seite seiner ersten Gemahlin, Prinzessin Marie, geborenen Prinzessin zu Waldeck, der Mutter seiner einzigen Tochter Pauline, jetzt Gemahlin der Fürsten Wilhelm zu Wied, reichte der damalige württembergische Thronsolger, Prinz Wilhelm, zu neuem Ehebunde die Hand der Prinzessin Charlotte zu Schaumburg- Lippe. Am 8. April 1886 fand die Vermählung in Bücke­burg statt, wenige Tage daraus erfolgte der feierliche Einzug der Neuvermählten unter dem Jubel deS ganzen Landes in Stuttgart. Damit erblühte reiches Leben-glück dem Prinzen und feinem erhabenen, allerseits hochverehrten Hause, und mit ihm seiner Tochter, die nun den süßesten aller Namen, den der Mutter, wieder mit kindlicher Liebe aussprechen durfte.

Frau Prinzessin Wilhelm von Württemberg nahm bald mit kräftiger Beteiligung den ersten Platz ein, unter allen,

die im Württemberger Lande auf dem weiten Gebiete der heftenden und rettenden Menschenliebe mit glänzenden Taten sich auSzeichneten. Je weniger sich die hohe Frau mit den Jahren der schmerzvollen Ueberzeugung verschließen konnte, daß ihr die Krone deS Ehelebens, Kindersegen, versagt bleiben sollte, desto besser verstand sie eS, sich ihrem Gatten, seinem Kinde, ihren Armen und Bedürftigen weit umher im Volke mit Beweisen reichster Liebe zu widmen. Da war es wohl selbstverständlich, daß, alS König Karls I. Abscheiden am 6. Oktober 1891 dem Prinzen Wilhelm und der Frau Prin­zessin Charlotte die Königskrone aufs Haupt drückte, ihnen aller Herzen mit glühender Begeisterung und rauschendem Jubel zuflogen. Solch Vertrauen ist denn auch mit der Reihe der kommenden Hahre vollauf gerechtfertigt worden, und nun­mehr nock.25 Jahren glücklichen Ehestände- seines KönigS- paares, sieht Land und Volk Württemberg unter reichem Danke gegen Gott den Herrn mit gerechtem Stolze aus fein Königspaar alS den reichbeglückten Träger der vollen, unge­teilten Liebe der Millionen seines Landes!

In treustem Eifer sind Herz und Hände der geliebten Königin bemüht, Erziehung und Ausbildung des weiblichen Geschlechtes in die Bahnen vollkommensten Segen- für daS Ganze zu leiten, in Kranken- und Armenpflege allen mit leuchtendem Vorbilds voranzugehen und das Wohlergehen deS Volke- geistig wie leiblich zu sördern. Als wahre Landes- mutter steht sie da dem Könige, ihrem Gemahle, zur Seite, der schon lange und von jeher mit Recht, den Namen Vater des Vaterlandes in der weiten Runde des württembergischen Volkes sührt ein deutsches KönigSpaar auf dem Throne, ein edleS, getreue-, in innigster Liebe einander verbundene- Ehepaar im Glänze der Fürstenwürde, ein Vorbild für weite Geschlechter au^ de. ,chem Stamme. So steht dies erlauchte Fürstenpaar im Strahlenglanze der silbernen Hochzeit, des 25jährigen Eheglücks, umrauscht von dem Jubel eines ge­treuen Volkes, der feine Wogen weit hinausträgt in das große Deutsche Reich und auch dort die Seelen mit sich reißt, zur aufrichtigen Teilnahme an dem Glücke der Brüder und Schwestern aus schwäbischem Stamme.

Mit Recht feiern wir Deutschen die Feste in den Gauen und Häusern unserer Brüderstämme mit. Gilt für uns alle das herrliche Wort: Ein Reich, ein Volk, ein Gott! so gilt es auch bei dieser freudigen Gelegenheit, der silbernen Hochzeit des württembergischen Königspaarer. So geht die Teilnahme aller guten Deutschen an Diesem Freudentage in Wahrheit vom Fels zum Meer und so weit die deutsche Zunge klingt. Auch wir legen dem erlauchten Jubelpaare unsere Huldigung an den Stufen seiner Thrones nieder mit dem Rufe: Gottes Segen über Württemberg- König-paar! Heil und Glück über Ihre Majestäten König Wilhelm II, und Königin Charlotte von Württemberg 1

Aus Jn- und Ausland.

Berlin, den 6. April 1911.

Ueber die Ankunft der Deutschen Kron­prinzen und der Kronprinzessin aus dem Bahn­höfe in Rom wird berichtet: Als der Kronprinz den Eisen­bahnwagen verlassen hatte, umarmte und küßte ihn der König zweimal sehr herzlich; die Königin umarmte und küßte die Kronprinzessin ebenfalls sehr herzlich. Der König küßte der Kronprinzessin, der Kronprinz der Königin die Hand. Nachdem die Vorstellung der beiderseitigen Gefolge vorüber war, hieß der Bürgermeister namenS der Stadt den Kronprinzen und die Kronprinzessin willkommen. Die italienischen Herr- schasten trugen deutsche, die deutschen Herrschaften italienische Ordensauszeichnungen. Zum Empsange hatte sich auch das Personal der deutschen Botschaft eingefunden. Botschafter v. Jagow war mit dem Militärattache Fihrn. von Hammer- stein-Equord dem Kronprinzen bis Cassmo entgegengefahren. Der Bahnhof selbst war mit einem großen roten Baldachin und einer Fülle von Palmen und anderen Blattpflanzen prächtig geschmückt. Während der König und der Kronprinz die Ehrenkompagnie abschritten, unterhielten sich die Königin und die Kronprinzessin aufs herzlichste. Die Straßen, durch die die Fahrt zum Quirinal ging, waren von einer dichten Menschenmenge umsäumt; auch Die Fenster der anliegenden Häuser waren von zahlreichen Zuschauern besetzt. Musikkorps spielten die preußische und Die italienische Hymne. Der Kronprinz und die Kronprinzessin waren über den ihnen bereiteten enthusiastischen Empfang sichtlich gerührt. Trotz des bedeckten Wetters boten die Straßen vom Bahnhof bis zum Quirinal ein ungemein sestlicheS Bild. Alle öffentlichen Gebäude und die meisten Privathäuser hatten geflaggt, die Straßenverkäufer trieben einen schwunghaften Handel mit kleinen Fahnen in den italienischen und deutschen Farben. Um 1 Uhr 20 Min. trafen die Herrschaften im Quirinal ein. Dort hatte sich eine gewaltige Menschenmenge ver- sammelt, die immer neue begeisterte HuldigungSkundgebungen verunstaltete. Auch nachdem die Fürstlichkeiten in den Palast eingetreten waren, dauerten dort die HuldigungSrufe der Bevölkerung an, so daß der König und die Königin mit ihren hohen Gästen sich dreimal auf dem Balkon zeigten.