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militärische Vertreter Deutschland- Oberst v. Schwarzhoff: Da$ deutsche Volk ist nicht unter den Militärlasten zusam- mengebrochen, und e- geht nicht der Erschöpfung und dem Ruin entgegen. Ganz im Gegenteil: die ganze Lebensstellung hebt sich von Jahr zu Jahr." Seitdem sind diese Worte vielfach bewiesen worden. Unser deutsche- Heer ist nicht nur nicht unproduktiv, sondern bedeutet als die weitaus wichtigste und wirksamste Einrichtung der allgemeinen Volk-erziehung die Grundlage unserer körperlichen, sittlichen und wirtschaftlichen Kräfte und bildet den Grundpfeiler unserer nationalen Zu­kunft. Schon daraus erklärt sich, daß unter den Abrüstlern die Sozialdemokratin an erster Stelle stehen: kommt das Heer, dieser Grundpfeiler unserer gesamten Zukunft, in- Wanken, dann kann e- sie nicht mehr allzu viel Afühe kosten, die be­stehende Ordnung über den Hausen zu werfen.

Zur Berufswahl.

Die Frage:WaS soll unser Junge werden, der zu Ostern die Schule verläßt?" bereitet wohl jetzt vielen Eltern Kopfzerbrechen und schlaflose Nächte. Mancher Knabe weiß ja ganz genau, war rr werden will und kennt schon seit Jahren keinen größeren Wunsch, al- den von ihm ersehnten Berus ergreifen und auSüben zu dürfen. Andere aber wieder wissen absolut nicht, wozu sie sich entschließen sollen und überlassen den Eltern die verantwortungsvolle Entscheidung in dieser wichtigen Lebensfrage. Die meisten Knaben sollen ja nach der Konfirmation hinauStreten in da- Leben, sollen aus eigenen Füßen stehen lernen. Da ist eS denn oft recht schwer die­jenige Lausbahn ausfindig zu machen, welche die besten Zukunft-auSsichten bietet. ES ist ja jetzt alles so überfüllt! So sagt der Vater mißmutig, und geängstigt um daS Schicksal ihrer Jungen blickt Mütterchen dann gar trübe drein.

Nun, er soll nicht bestritten werden, daß allerdings heut­zutage in säst allen Geschäft-zweigen daS Angebot der Stellefuchenden dir Nachfrage weit übersteigt. Den Kops aber braucht man de-halb noch lange nicht hängen zu lassen; denn wer etwas Ordentlicher zu leisten vermag, der findet auch in heutiger Zeit nicht nur sein Unter- kommen, sondern auch sein Fortkommen. Er muß nur eben neben den gehörigen Kenntnissen auch einen eisernen Fleiß an den Tag legen. Und vor allem muß er Lust nnd Liebe zur Sache haben! Denn kein Mensch wird er in einem Berufe, der ihm unsympathisch ist, zu etwa- Tüch­tigem bringen. Und darum sollten Eltern auch niemals ihren Knaben zwingen, eine Laufbahn zu betreten, die ihm nicht zusagt.

Häufig plagt auch wohl der Hochmut-teufel da- ver­blendete Elternpaar. Der Junge muß studieren, au- dem muß einmal etwas Große- werden! heißt er ba. Nun wird der arme Knabe, der vielleicht nur mittelmäßig begabt ist, durch alle Klaffen deS Gymnasium- gepreßt, um schließlich bei dem Examen gründlich durchzufallen oder schon vorher al- ein Opfer der Ueberbürdung siech an Geist und Körper zu werden. DaS ist ein gar trauriges Schicksal, und um diese- fernzuhalten, sollte man einen Knaben niemals zum Studium überreden, eS sei denn, er habe selbst Lust dazu. Wo aber diese fehlt und auch keine Neigung zum Kauf­mannsstande vorhanden ist, da lasse man den Jungen ruhig ein Handwerk erlernen.

Freilich gibt ei leider eine große Anzahl von Eltern, die ihre Söhne zu gut für da- Handwerk halten. Ebenso denkt auch eine ganze Anzahl junger Leute, daß daS Hand­werk kein entsprechende- Wirkung-feld für sie sei. Wenn der junge Mann in der Schule fleißig gewesen und einiger­maßen intelligent ist, oder wenn er gar eine Realschule ab­solviert hat, dann ist er oft nach seiner eigenen Meinung sowie nach der Meinung vieler anderer für dm Handwerker­stand zu schade. Man glaubt dann, daß der junge Mann von Talent zu einem vermeintlich vomehmeren Beruf« ge­schaffen sei, und dadurch geht mancher Jüngling dem Hand­werkerstände, für den er in den jungen Jahren vielleicht Jnte- reffe zeigte, verloren. Aber gerade die höhere Bildung wird ihm im späteren Leben von großem Nutzen sein. Je intelli­gentere und tatkräftigere Leute ein Stand hat, desto mehr wird sich dieser Stand heben, und da- Handwerk hat auch heute noch einen goldenen Boden; eS kommt nur wahrlich nicht darauf an, daß der Junge einmal etwas Großes, sondern in erster Linie daraus, daß er etwa- Rechte- werde.

Reichstag.

Der Reichktag erledigte am Freitag die Etats der einzelnen Schutzgebiete. Die Etat- wurden fast sämtlich in der Regie-

denen sich mit der Zeit ein Verkehr angebahnt hatte. Jrm- gard hielt sich an dem in G. Herkömmlichen, wenn eS auch nicht gerade der von ihr verhöhnt« Kalbsbraten und Kartoffel- salat war.

Da die Taufe Ende Mai war, hatten Margarete und Jrmgard aller mit weißem Flieder und frischem Grün ge- ichmückt. Das ganze HauS und die Tafel prangten in dus- tenoem LenzeSschmuck, und die Stimmung war von Anfang an so gehoben,s^wie man es sich nur wünschen konnte. Alle gingen befriedigt fort, und LörSbach dankte seiner Frau, als sie allem blieben, für dar schöne Fest.

grifd) und fröhlich ging es jetzt im Hause zu. Man konnte auch hier wie von Wests sagen:Lörsbach- lachen gern."

»Nur Mut, Gott hilft:"

Diese tapfern Worte hatte sich Jrmgard als LebenSmotto erkoren, wenn je die häu-lichen kleinen Unannehmlichkeiten, die nirgend, aukbleiben, eintraten. Früher hatte sie ihnen zu­viel Gewicht beigelegt, jetzt sah sie alles in einem anderen Lichte.

Still und einsörmig floß indessen das Leben in der kleinen Wohnung der Mazorrn Ludolff dahin.)

. Die große Lücke, die Ernst- Tod hinterlassen, war den Seinen fühlbar, am meisten der Mutter, die in ihrem ältesten Söhne so viel verloren hatte.P Ihre pekuniäre Lage war ge- sichert. Will» besuchte daS Polytechnikum, und Emmy ver­diente immer mehr. Sie hatte ein Anerbieten nach London als deutsche Lehrerin an einer großen Schule bekommen. Im Herbste mußte sie sich entscheiden, und zu Weihnachten sollte sie die sehr gut bezahUe Stelle antreten. Sie sagte sich oft. daß es da- beste sür sie wäre. Wozu Bruno von Schorn Wiedersehen, wozu die Liebe zu ihm weiter nähren? Er konnte doch nie etwas darau- werden!

I »Ich muß ihn vergessen und kann e- doch nicht," dachte Emmy, aber ich kann weit sortgehen und darf erst wieder, kehren, wenn er verheiratet ist. Er soll eine standesgemäße Partie machen; ich weiß, es ist seine» Vater, Wunsch."

Schorns kamen Anfang Juni über Berlin zurück,

rungtfassung genehmigt; nur beim Etat sür Südwestafrika wurden die geforderten 45 000 Mark Ortszulagen für die Beamten des Bezirks Lüderitzbucht gemäß einem Anträge der Budgetkommission gestrichen. Die Etats für Neuguinea, für die Südsee-Jnseln, für Samoa und für Togo fanden über­haupt völlig debattelo- Annahme, ganz kurz nur war ferner die Besprechung des Etat- für Kamerun. Nur Deutsch-Ost- afrika und Deutsch-Eüdwestasrika riefen, wie immer, eine etwas längere Diskussion hervor; die Debatte über Deutsch-Ostafrika galt hauptsächlich der Verwaltung der früheren Gouverneurs Freiherrn v. Rechenberg. Am Schlüsse der Freitagsitzung vertagte sich der Reichstag bis Dien-taz, den 28. März (Fort­setzung der Etatsberatung).

WM ntnt§ Ultimatum an Um

Peter-burg, 25. März. Der zeitweilige Verweser det Auswärtigen AmtS hat dem russischen Gesandten in Peking nachstehende- Telegramm zugehen lassen: Die Verhandlungen der letzten Monate haben die kaiserliche Regierung überzeugt, daß die chinesische Regierung danach strebt, durch verschweigende oder ausweichende Antworten die in der russischen Note vom 16. Februar dargelegten Punkte abzulehnen. So gibt die chinesische Regierung einerseits in dem am 19. März dem russischen Gesandten eingehändigten Memorandum unserem wiederholten Drängen nach und willigte darin ein, daß die Errichtung eine- russischen Konsulat- in Kobda nicht abhängig gemacht werde von der Einführung von Zollabgaben, schweigt aber anderseits über die anderen Konsulate, deren Errichtung der Artikel 10 de- Petersburger Vertrage- Vorsicht, und über die Monopole, die in der Provinz Sin-tchan im Widerspruch mit den Verträgen mit den Mächten eingesührt werden, und sagt, in Sachen des Handel- mit Lokalerzeugnissen würden den russischen Händlern die gleichen Bedingungen wie den chinesischen gestellt werden, wobei sie die da- Vertragliche Recht der Russen, in der Mongolei und in Westchina ohne Ent­richtung irgendwelcher Zölle und Steuern Handel zu treiben, ganz unbeachtet läßt. In Anbetracht der völligen Nutzlosigkeit derartiger Verhandlungen, in denen die chinesische Regierung nur einen Anlaß sucht, die russischen Vertragsrechte durch Argumente zu beschränken, die sie selbst später sollen zu lassen gezwungen ist, sieht sich die russische Regierung genötigt, jetzt diesem durch nicht- gerechtsertigten Hinziehen ein Ende zu machen und die chinesische Regierung zu bitten, die Recht­mäßigkeit und die Uebereinstimmung aller Punkte der russischen Note vom 16. Februar mit den Verträgen formell zu bestätigen. Nur nach einer derartigen Bestätigung kann die kaiserliche Regie­rung einwilligen, über die Fragen der Einführung von Zollabgaben, der Schaffung eine- besonderen Regime- für den Teehandel oder irgend welche partielle Abänderungen deS Vertrages vom Jahre 1881 in Verhandlung zu treten. Die kaiserliche Re­gierung ist bereit, auf die Antwort aus diese Note bis zum 28. März zu warten, sie macht jedoch darauf aufmerksam, daß sie sich, wenn bis zu dem angegebenen Termin keine erschöpfliche und befriedigende Antwort bezüglich aller sechs Punkte der Note vom 15. Febr. eintrifft, die Freiheit deS Handelns vor- behält, und daß sie die chinesische Regierung für die von ihr an den Tag gelegten Hartnäckigkeit verantwortlich mache.

Peking, 25. März. Die Lage soll sehr ernst sein. Man glaubt, wenn China sich nicht innerhalb der festgesetzten Frist bedingungslos aus den Standpunkt der russischen Note vom 16. Februar stellt, werde RußlÄrd Zwangsmaßnahmen er­greifen, die bereits vorbereitet seien.

Aus Jn- und Ausland.

Zum Empfange Jh rer K a is er li ch e n Maj e st ät e n und der Prinzessin Viktoria Luise in Venedig hatten sich aus dem Bahnhof außer dem Herzog der Abruzzen der deutsche Militärattaches und der deutsche Marineattachee auS Rom, der dortige deutsche Konsul und die Mitglieder der deutschen Kolonie mit ihren Damen eingefunden. Der Herzog der Abruzzen führte die Kaiserin durch den Bahnhof zur Boots­anlegestelle. Die Majestäten und die Prinzessin mit Gefolge begaben Sich in Booten der Hohenzollern durch den Canal Grande zur kaiserlichen Jacht, wo Sie Wohnung nahmen. Zahlreiche- Publikum begrüßte den Kaiser und die Kaiserin mit Evviva-Rusen. DaS Wetter ist mild und regnerisch. Nachmittags verblieb Se. Majestät der Kaiser an Bord. Ihre Majestät die Kaiserin und Prinzessin Viktoria Luise be­suchten die Accademia delle Belle Arti. Zur Abendtasel an Bord der Hohenzollern waren geladen der Herzog der Abruzzen, der Fürst Udine, Graf und Gräfin Faccini sowie

Elsriede eilte gleich zur Freundin, nnd begrüßte sie herzlich, dann sagte sie:

Du mußt Mutter besuche». Sie war heute noch zu müde von der Reise; Papa und Bruno sind schon nach Schornstätten vorangereist."

@r meidet mich," dachte Emmy, »ich habe seine letzten Briefe unbeantwortet gelassen."

Als Emmy am nächsten Tage zu Frau von Schorn ging, war sie allein.

»Nun, mein liebes Kind," sagte die Baronin nach der ersten Begrüßung, »ich hoffe, du kommst auch diesen Sommer wieder nach Schornstätten."

DeS jungen Mädchens Herz pochte heftig, aber sie sagte sehr ruhig:

Ich danke Ihnen sür die gütige Einladung, gnädige Frau, aber ich kann sie nicht annehmen."

Warum, mein liebe- Kind?" fragte Frau von Schorn.

Ich habe meiner Schwester versprochen, dieser Jahr bei ihr zu sein," entgegnete Emmy

Läßt sich da- nicht ändern?"

Nein, gnädige Frau, ich stehe in Unterhandlung wegen einer Stellung als Lehrerin au einer Londoner Schule, die ich zu Weihnachten antreten muß; da möchte ich diesen Som­mer bei den Meinigen verbringen."

ES kam sehr ruhig heraus, aber Frau von Schorn- kluge Angen lasen etwa- von dem Mädchengefichte, da- sie in dem Glauben bestärkte, hinsichtlich einer Neigung zwischen Bruno und Emmy Ludolff.

Ich will nichts übereilen, Hugo muß mit der Zeit nach, geben," dachte die Baronin. Mir als Mutter liegt meines Kinde- Glück mehr am Herzen, ich will sehen, wie ich ihm dazu verhelfen kann."

Aus der enttäuschten Miene Bruno-, als er von Emmy- Stellung erfuhr, und daß sie die Einladung abgelehnt hatte, sah Frau von Schorn, wie ernst er e- mit seiner Neigung nahm. »Er zog im Juni auf dar große Vorwerk, aber eS fehlte dem Mann an der rechten Lebensfreude und Lust zur Arbeit.

Kleiner Kamerad," so schrieb «r an Emmy,haben

der deutsche Militärattache« und der deutsche Marineattache« in Rom.

Gewaltige Steigerung weist die d e u t s ch e A u - s u h r von Kraftfahrzeugen und deren Einzelteilen im Jahre 1910 aus; diejenige von fertigen Kraftfahrzeugen um mehr als 60 Prozent. Wie die neueste Nummer der Zeitschrift des Mitteleuropäischen Motorvereins nachweist, betrug im letzten Jahre die Ausfuhr von Personen-Motorwagen 29 Millionen Mark (gegen 17 Millionen 1909), von Last- Motorwagen 3 Millionen (1909 2 Millionen), von Motor- Fahrrädern 1 Million (wie im Vorjahre) und von Motoren für Motor-Wagen und -Räder 16 Millionen (11 Millionen). Aus Grund früherer Ermittelungen bezifferte sich schätzungs­weise der Ausfuhrwert sür Pneumatik- aus 40 Millionen (1909 30 Millionen), und derjenige für Einzelteile auf mindesten- 25 Millionen (1909 20 Millionen), so daß ins­gesamt für mindesten- 114 Millionen Mark (1909 81 Mil­lionen Mark) an fertigen Motorfahrzeugen und deren Einzel­teilen in daS AuSland gingen. Dabei sind nicht berücksichtigt worden die in der amtlichen Statistik nicht besonder- erfaßten Motorboote und lenkbaren Luftfahrzeuge sowie deren Einzel­teile, deren AuSsuhr auch mit einigen Millionen Mark ange­nommen werden kann.

Eine Auszeichnung deS Reichskanzlers durch den Kaiser, der gerade im gegenwärtigen Zeitpunkt als unzweideutiger Beweis für da- gute Verhältnis zwischen dem Monarchen und seinem ersten Ratgeber erscheint, wird aus Kiel berichtet: Wie nachträglich bekannt wird, ist der Reichskanzler am Tage des Stapellauss deS Linienschiffs Kaiser" vom Kaiser zum Generalmajor ernannt worden. Der Reichskanzler bekleidete bisher den Rang eines Majors und trug als solcher die Uniform deS 1. Garde-Dragoner- Regiments. Herr von Bethmann Hollweg hat seiner Dienst- pflicht beim 1. Garde-Dragoner-Regiment genügt, war dann kurze Zeit Reserveoffizier dieser Regiment-, später alS Landrat des Kreises Oberbarnim und Oberpräsidialrat in Potsdam Premierleutnant der Garde-Landwehrkavallerie 2. Ausgebots. Im Jahre 1900, nach der Ernennung zum Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg, wurde er als Rittmeister unter Verleihung der Berechtigung zum Tragen der Landwehr- Armeeuniform verabschiedet.

Der Stand der amerikanisch-mexikanischen Schwierigkeiten bleibt ein ungewisser. Einen neuen amerikanisch-mexikanischen Zwischensall stellt die standrechtliche Erschießung von vier Amerikanern in Chihuahua, welche von den mexikanischen BundeStruppen in einem Gefecht mit den Rebellen gefangen genommen worden waren, dar. Dem Ver­nehmen nach hat die Unionsregierung wegen dieses Vorganges einen diplomatischen Protest in Mexiko eingelegt. Zum mexi­kanischen Aufstande selbst ist nichts besonders neues zu melden; eine entscheidende Wendung in dem blutigen Bürgerkriege ist jedenfalls bis jetzt nicht eingetreten. Die Forderungen, welche die mexikanischen Rebellen an die Regierung deS Präsidenten Porfirio Diaz stellen, hat Gomez, der Vertreter der Aujstän- dischen in Washington, in ihren Hauptpunkten wie folgt, prä- zisiert: Vertretung der jetzigen revolutionären Partei im Kon­greß und im mexikanischen Kabinett, sowie Garantien für Leben und politische Freiheit der kämpsenden Ausständischen. Es ist noch unbekannt, ob hierüber vielleicht schon Unterhandlungen zwischen der Regierung deS Präsidenten Porfirio Diaz und den Führern der mexikanischen Jnsurgentenpartei eingeleitet worden sind. Ferner verlangen die Insurgenten eine Revision deS jetzigen Wahlrechtes in Mexiko, woraus, wie es heißt, die mexikanische Regierung eingehen will. Das KriegSdeparte- ment zu Washington hat Befehl gegeben, 6000 bis 7000 Re­kruten anzuwerben, um die jetzt mobilisierten Regimenter wieder aus ihren vollen Stand zu bringen, da nächstens zahlreiche Dienstverpflichtungen ablaufen. Die- Werbegeschäst beleuchtet die militärischen Verhältnisse der Union in recht bezeichnender Weise.

Aus Provinz u. Nackdargebiet

):( Hersfeld, 27. März. Vor einem gut besetzten Hause machte unS gestern abend das 1. Wiener Operettenensemble mit dem neuesten OperettenschlagerPolnische Wirtschaft" bekannt. Das Stück ist so voller übermütiger und komischer Situationen, daß daS Publikum von vornherein in die ver­gnügteste Stimmung versetzt wurde. DaS Ensemble verfügt über sehr gute Kräfte, welche ihre Rollen in anerkennendster Weise durchführten. OesterS lohnte stürmischer Beifall die Darsteller bei offener Szene, so daß sich dieselben zu mancher Wiederholung entschließen mußten. Ganz besonders war dies bei dem DuettDie Dorsmusik" der Fall, bei dem die beiden

Sie unsern Freundschaftspakt vergessen? Warum lehnten Sie die Einladung nach Schornstätten ab? Wissen Sie denn nicht, wie sehr ich mich nach Ihnen sehne, und daß ich Sie mehr als je vermisse? Sie denken vielleicht, weil eS mir gesundheitlich gut geht, daß ich Sie weniger brauche, als in den kranken Tagen? Das ist nicht der Fall; nie­mand kann Sie mir ersetzen."

Und Emmy antwortete:

Ich glaube, daß jeder sich ersetzen läßt: eS wäre Tor­heit, von mir das Gegenteil zu denken, Herr Baron. Ich möchte unsern Briefwechsel nicht weiter fortsetzen."

Ihr Mädchenstolz diktierte ihr diese Worte, unter denen ihr Herz litt. Daraus kam von Brunos Seite kein Bries mehr.

Er wird mich bald vergessen haben," sagte sich Emmy. ES ist besser f»; auch ich will versuchen, durüber hinwegzu- kammen. ES war ein kurzer, törichter Traum!"---

Sie ging diesen Sommer mit Wests und der Mutter nach Deep. Hier in der Einsamkeit, beim Anblicke des Meeres hoffte das junge kämpsende Wesen die Ruhe und das gestörte Gleichgewicht der Seele wiederzufinden.

Jrmgard verbrachte die Zeit, die ihr Mann im Manöver war, in Schornstätten. Sie trennte sich besonders schwer voü G., denn West- sollten den Ort bald verlassen, um nach Königsberg überzusiedeln, wo der Oberlehrer Direktor eines Gymnasiums geworden war.

Wir verlieren unsern lieben Nachbar," daS dachten der Hauptmann und seine Frau. Der Abschied fiel beiden Fami­lien schwer. Margarete und Jrmgard hielten sich lange um­armt, und Frau von Lörsbach sagte:

Nie werde ich eine so liebe Freundin wiederfinden. Was du mir gegeben, bleibt mir als köstlicher Eigentum."

Ich kann dich ruhig verlassen, Liebste," versetzte Margarete herzlich,mein Leben-spruch:Nur Mut, Gott hilft," ist auch der deine geworden."

Der kleine Heinz, daS jüngste Löhnchen beS Hauptmanns wurde der Liebling aller in Schornstätten. Die beiden älteren Kinder hatten manche Unart abgelegt; Jrmgard erzog sie besser, seit sie sie selbst in Zucht genommen."

(Fortsttzung folgt.)