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rErscheint wöchentlich Mittwoch und Frei!

dreimal und gelangt Montag,

Freitag nachmittag zur Ausgabe. 0er Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, tu

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herchlder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 37.

Dienstag, den 28. März

1911.

Zu dem am 1. April 1911 neu beginnenden Vierteljahr laden wir zu recht zahlreichen Bestellungen auf das Bersfelder Kreisblatt ergebenst ein.

Das Hersfelder Kreisblatt enthält:

Berichte über die Politik des Reichs, sowie aller in- und ausländischen Staaten, Berichte über die Sitzungen des Reichstages und des Abgeordnetenhauses.

Nachrichten aus Stadt und Kreis Hersfeld, aus der Provinz und den Nachbar­gebieten.

Vermischte Nachrichten aus aller Welt.

Die neuesten Depeschen und Nachrichten

gehen uns durch eins der ersten Büros zu.

Vorzügliche Romane, Novellen rc.

erscheinen fortsetzungsweise in jeder Nummer.

Die amtlichen Bekanntmachungen des Königlichen Landratsamtes sowie einer ganzen Anzahl Zivil- und Militärbehörden werden nur im Hersfelder Kreisblatt veröffentlicht, daher sowohl für jeden Handels- und Gewerbetreibenden ivie für jeden Privatmann von ganz besonderer Wichtigkeit. U. a. werden die Frühjahrs- und Herbstkontrollversammlungen, die milit. Ausmuste- ungen, Jmpftermine usw. nur durch das Hersfelder Kreisblatt bekannt gemacht.

An Gratisbeilagen erhalten unsere Leser alle 8 Tage ein Illustriertes Sonntagsblatt, alle 14 Tage eine vorzügliche Illustrierte Land­wirtschaftliche Beilage, am 1. Mai mib 1. Oktober euren Auszug aus dem Fahrplan, sowie am Beginn des neuen Jahres einen farbigen Wandkalender und ein Märkteverzeichnis.

KmchMl.

Roman

von Freifrau Gabriele von Schlippenbach

(Herbert Rivulet.)

(Fortsetzung.)

Und wenn er ei schon getan hätte, Hugo? Wenn er sein Leben-glück im Besitze einer Bürgerlichen zu finden hoff t?" Baron Schorn sprang aus und ging mit großen Schritten im Zimmer aus und ab.

Nein, nein!" rief er,das ginge mir gegen den Strich, das dars nicht geschehen!

Warum nicht, Hugo?"

Frau von Schorn war an ihren Mann herangetreten und legte ihm fragend die Hand aus seinen Arm; ihre freundlichen Augen blickten ihn fragend an.

Warum?" wiederholte er.Du kennst doch meine An­sichten! Gleich zu gleich, so allein ist eS richtig."

Doch nicht in allen Fällen," entgegnete Frau v. Schorn ernst.Unser armer Junge braucht eine Frau, die ihm ein guter Kamerad ist, ein Wesen, daS voll Aufopferung und Selbstlosigkeit neben ihm hergeht, seine Eigenart versteht und ihm Frohsinn und Leben-mut gibt. Ich glaube, es finden sich schwer junge Mädchen, die da- alles in sich vereinigen werden."

Du redest, all kenntest du eine solche Perle, Mariechen." Vielleicht, Hugo,"

Nun, ich bin doch wirklich neugierig. Wer ist eS denn?" Frau von Schorn zögerte etwa-, dann sagte sie:

Sie heißt Emmy Ludloff."

Was? Nein, da- bildest du dir ein! Da- kann nicht sein!" I

Weshalb nicht? Ist sie nicht die beste Frau, die wir für unsern Jungen bekommen können? Bürgt ihr Charakter nicht für sein Glück?"

»Ich will nichts davon wissen," brummte Schorn.

Amtlicher teil.

Her-feld, den 27. März 1911.

Im Anschluß an meine Bekanntmachung vom 13. Februar b. Jr. I. A. Nr. 956 Kreirblatt Nr. 21 mache ich daraus aufmerksam, daß der Ankauf von Zuchtbullen, Simmen- taler Rasse, am Mittwoch den 29. d. Mtr. stattfindet. Diejenigen Interessenten, welche noch aus einen solchen Bullen reflektieren, wollen mir dieS umgehend, spätestens biS zum 28. d. Mir. mitteilen.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

A. 1940. von Gruneliu -.

Hersfeld, den 23. März 1911.

Ich bringe meine Verfügung vom 16. März 1909 J. A. Nr. 1670 KreiSblatt Nr. 33 betreffend Mitteilung der zur Frühjahr-körung und Nachschau vorzustellenden Zuchtbullen nochmals in Erinnerung und sehe ihr nunmehr bestimmt bis zum 1. April d. Jr. entgegen.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

A. 1521. II. von GruneliuS.

nichtamtlicher teil.

Abrüstung.

In den Parlamenten der europäischen Troßstaaten ist eS seit langem üblich, sich alljah-lich mindestens einmal über die AbrüstungSfrage und die Einführung der ewigen Friedens zu unterhalten. Auch in diesem Jahre ist das bereits mehrmals geschehen. Die unverdrossenen Vertreter der AbrüstungSge- danken? und deS WeltsriedenS verfahren nach dem sonst be­währten Satze, daß Beharrlichkeit zum Ziele führt. Aber da­mit werden sie in diesem Falle nichts erreichen. Denn fie wollen, waS der unabänderlichen Natur der Menschen und aller geschichtlichen Erfahrung widerspricht. Im Leben der einzelnen wie der Völker ist der Kampf umS Dasein die be­wegende Kraft, und der Widerstreit und Wettstreit der Inter­essen wird unter Staaten im äußersten Falle niemals anders als durch Krieg, als nach dem Worte Theodor Körners ge­schlichtet werden können:DaS höchste Heil, daS letzte liegt im Schwerte!"

Nicht veranschaulicht besser den Widersinn der sogenannten Weltfriedensbewegung, als daß England, daS, wenigstens mit Worten und auf dem Papier, an deren Spitze marschiert, seine Rüstungen am allereifrigsten betreibt und in der neuesten Zeit mehr alS einen Krieg gesührt hat. Nicht minder liebt man es in Nordamerika, die Schalmei der ewigen Friedens zu blasen und die Abschaffung der Kriege zu fordern, aber daS hat die Union nicht einen Augenblick abgehalten, sich mit

Denke ruhig darüber nach," bat seine Frau,laß die Standervorurteile fallen und ziehe nur deine- Kinde- Glück in Erwägung. Wir wollen diese- Thema jetzt nicht weiter erörtern. Sage dir, daß du all Vater die Pflicht hast, nicht vorschnell eine Entscheidung zu füllen."

Weiß Bruno von dieser Vermittlung? Bat er dich darum?"

Nein, daS Mutterherz erriet seine Liebe," versetzte die Baronin weich.

Schorn blickt grübelnd zu Boden, dann sagte er kurz:

Ich hoffe, du hast dich getäuscht, Mariechen."

Er verließ ausgeregt da- Zimmer. Der alte Aristokrat hielt an dem Hergebrachten fest; er mußte Zeit haben, um sich die Sache zurechtzulegen.

Nachdem Gras Rombeck von Schorn- Abschied genommen, reiste er nach Hause, die Wirtschaft verlangte den Herrn. Um die Weihnacht-zeit ging der Gras nach Berlin und beteiligte sich an dem politischen Leben der Residenz, besuchte die Oper und Galerien und suchte, in Geduld daS Jahr abzuwarten, da- Elsriede sich au-gedungen hatte, ehe sie da- bindende Wort sprach. Immer größer wurde die Sehnsucht nach einer glücklichen Häuslichkeit in dem Herzen des Witwers, der so schnell sein jungeS Weib verloren. Zweifel und Hoffnung kümpsten in Rombecks Brust. Er fühlte es, er war sähig, daS junge Wesen glücklich zu machen, dem er die tiefe Liebe deS reifen Mannes geschenkt.----

In G. war die Zeit dahingeflogen. LörSbach- lebten ein andere-, besseres Eheleben. Jrmgard bildete sich immer mehr zu der deutschen Hausfrau, Gattin und Mutter au-, die ihr Mann in Margarete West hochstellte.

E- ist doch am schönsten, wenn wir still zu Hause sind, Reiner," sagte Jrmgard oft,ich finde, wir haben fast zu viel Geselligkeit in G. Seitdem die Heirat-epidemie hier au-ge- brochen ist, gibt e» für meinen Geschmack zu viel Vergnügen."

Ich freue mich über diesen Au-spruch," sagte der Haupt­mann lächelnd,tu Hu- ist tu Hur, wie die alte Gesangene sagte."

Spanien aus kriegerischem Wege auseinanderzusetzen. Bald nach der ersten Haager Friedenskonferenz begann zwischen Ruß- land und Japan, obwohl beide die Friedensschlüsse unter­zeichnet hatten, einer der blutigsten Kriege der Neuzeit, und nie ist ein Abrüstungsantrag schlagender widerlegt worden, als der Virchows wenige Monate vor Autbruch deS Krieges 1870/71. Der berühmte Gelehrte begründete im preußischen Landtage am 21. Oktober 1869 feinen Antrag ausallgemeine Abrüstung" mit der Versicherung, daS französische Volk sei viel zu gebildet und friedsertig, um in absehbarer Zeit an einen Krieg gegen Deutschland auch nur zu denken. Wäre man vor 42 Jahren aus diese Torheit der Abrüstung in Deutschland eingegangen, so hätten wir heute wahrscheinlich kein deutsches Reich und an seiner Spitze keinen Kaiser.

Krieg, nach Moltke ein Element der natürlichen und gött- lichen Ordnung der Dinge, wird er immer geben, eS sei denn, daß es alle Völker und Staaten dahin bringen, in ihren In­teressen völlig übereinzustimmen, oder daß ein einziger einheit­licher Weltstaat mit gemeinsamer RechtSordnuug von ewiger Dauer hergestellt wird. Weder das eine noch dak andere wird jemals gelingen, und darum bleibt eS ein naturwidrige-, un­vernünftiges Streben, den Krieg abschaffen zu wollen und zu diesem Zwecke abzurüsten. Wenn eS überhaupt eine Frieden-- bürgschast gibt, so kann sie nur in einem starken, kriegsbereiten Heere bestehen. Wollte das Deutsche Reich mit dem Beispiele der Abrüstung vorangehen, so würden dieS unsere Feinde, weit entfernt, diesem Vorbilde zu folgen, als die Eröffnung der längst ersehnten AuSficht begrüßen, mit unS abzurechnen und uns von der Höhe der Machtstellung durch Krieg jäh hinabstürzen. Daß das deutsche Heer dem sranzöfischen über­legen ist, daraus beruht hauptsächlich die Sicherheit der euro­päischen Frieden-. Rüsten wir ab, so hörten diese Ueberlegen- heit und diese Friedenssicherheit auf; jenseit- der Vogesen würde dann der Gedanke derVergeltung" unheimlich wachsen. Die FriedenSzünstler begehen den Fehler, daß sie die großen Armeen der europäischen FestlandSmächte als eine Gefahr für den Frieden behandeln, während sie in ihrer furchtgebietenden Echlagfertigkeit daS Gegenteil, Friedensbollwerke find. Ab­rüstungen würden kriegerische Auseinandersetzungen nicht ver­hüten, eher dazu anreizen, und den Vorsprung und Vorteil müßten dann die haben, die dem Leichtsinn der Entwaffnung nicht oder am wenigsten gefrönt haben; die jedoch, die zu un­vollkommener Kriegsrüstung Übergängen sind, müßten bei tausendfach büßen.

Bor allem verharren die Abrüstungsapostel unbelehrbar bei dem Grundirrtum, daß die Heere, besonders die auf der all­gemeinen Wehrpflicht beruhenden Volksheere, eine gänzlich un­produktive Belastung darstellen. Jahraus, jahrein kehrt in den parlamentarischen Abrüstungsplaudereien die Behauptung wieder, die Armee vergeude geradezu da- Nationalvermögen, und der ungeheure Druck der Heereslasten müsse den finanziellen Zu- sammenbruch der Staaten zur Folge haben. Schon im Jahre 1899 sagte aus der Haager Friedenkonserenz der damalige

Du hast mich gefangen, du lieber," sagte Frau von LörS» bach und schmiegte sich zärtlich an ihren Mann.

Nach Weihnachten verbot es sich von selbst, daß Lör-bachS aller mitmachten, denn im Frühjahr klapperte der Storch auf ihrem Dach. Ein strammer Junge wurde dem Ehepaar ge­boren. Jrmgard schlang die Arme um ihrer Gatten Nacken und küchelte ihn glückselig an.

Nun haben wir ein dreiblättriges Kleeblatt," sagte der Hauptmann strahlend zu Frau West, alS er die Ankunft deS kleinen Weltbürgers den treuen Nachbarn meldete,ein präch­tiger Knabe ist uns geschenkt."

Margarete wünscht ihm erfreut Glück.

Wir haben Ihnen viel zu danken," sagte LörSbach be­wegt,Sie sind Jrmgard eine Freundin geworden; Ihr Beispiel ist nicht ohne guten Einfluß aus sie geblieben."

LörSbach küßte die Hand Margaretens ; es schimmerte feucht in seinen Augen.

O, Sie überschätzen mich," erwiderte Margarete in ihrer bescheidenen Art.Gott half, ihm sei Lob und Ehre, Herr LörSbach. Ach, da kommt mein Mann! Wird der sich freuen!"

DaS tat West aufrichtig und schüttelte dem Freund herz­lich die Hand.

Es schien wirklich, daß seit der Geburt deS dritten Kindes eitel Lachen und Fröhlichkeit in da- HauS deS HauptmanneS eingezogen war.

Jrmgard blühte in fraulicher Schönheit. Dieses Kind pflegte sie ganz allein, und es wurde keine Amme angenom­men wie für Fritz und Aennchen. Wenn der Säugling in der jungen Mutter Armen lag, wenn sie täglich sah, wie er ge­dieh, bann erfüllte ein tiefes Glück daS Herz der Frau, die jetzt erst schätzen lernte, was sie früher alS Last von sich ge­stoßen, was ihr nun so viele Freude bereitet«: solch lieber kleine- Wesen allein zu hegen und zu pflegen.

Der Kleine gedieh prächtig. Er erhielt den Namen bei Oberlehrers West in der Tause: man nannte da- Kind Hein­rich, mit der Abkürzung Heinz.

Zur Taufe luden LörSbachS ihre Bekannten ein, nicht allein die au- Offizier-kreisen, auch viele aus dem Zivilstande, mit