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herrfel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" ,

Zernfprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. E 5. Donnerstag, den 23. März 1911.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 15. März 1911.

Nachstehend bringe ich das vorläufige Ergebnis der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 im Kreise Hersfeld zur öffentlichen Kenntnis.

I. 3299. Der Landrat.

Wessel, Kreis-Sekretär.

Kreise

Städte

Gemeinde­einheiten

Wohn- stätten

Haushalt­ungen

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davon ländl. Orte

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14

4682

79

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Ortsanwesende Bevölkerung am 1. Dezember 1910

Zunahme (4-) Abnahme () d. Bevölkerung von 1905 bis

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18176

19112

37288

194

35087

4-2201

4- 6,27

13436

14239

27675

2

26399

+1276

4- 4,83

HerSseld, den 16. März 1911.

Unter Bezugnahme auf die diesseitige Bekanntmachung vom 11. Februar 1873 (KreiSblatt Nr. 13) betreffend die Vertilgung der Raubennester, werden hierdurch die Herren Ortsvorstände der Kreise- aufgesordert, die gehörige Vollziehung der deshalb ergangenen Vorschriften zu überwachen und gegen jeden Nachlässigen mit den den OrtSpolizeiverwaltungen zu- stehenden Mitteln vorzugehen resp, dem Polizeianwalt zwecks der gerichtlichen Bestrafung nach dem § 368,2 des Strafge­setzbuches zur Anzeige zu bringen.

Die Königliche Gendarmerie wird tun. waS ihre Pflicht ist.

Gleichzeitig erhalten die Herren Bürgermeister den Auftrag, für tunlichste Verbreitung der hierunter abgedruckten Belehrung über die Vertilgung der Kohlweißlinge zu sorgen und dahin zu wirken, daß Prämien für Einlieferung der weiblichen, im Frühjahr fliegenden Kohlweißlinge gezahlt werden.

I. I. 3287. Der Landrat von Gruneliut. *

*

Die Vertilgung der Kohlweiselinge.

Jeder Landwirt und Gartenbesitzer kennt den großen Schaden, welchen die Raupen und Kohlweißlinge an den verschiedenen Kohlarten in Feldern und Gärten anrichten. Die Milliarden von Raupen anderer Art vertilgenden Vögel verschmähen fast aus­nahmslos gerads diejenige des Kohlweißlings. Das Geschäft der Raubenvertilgung bleibt deshalb vorzugsweise der mensch- I

lichen Tätigkeit überlassen. Diese vermag das Uebel auch zu bezwingen, wenn sie nur überall und zur rechten Zeit unter An­wendung der richtigen Mittel ein greifen wollte.

Bekanntlich überwintern die Kohlweißlinge als Puppen. Sie hängen oft in großen Mengen an Bäumen, Hecken, Mauern und an den Wänden von Gebäuden. Bei warmer Witterung kommen schon im April die Schmetterlinge zum Vorschein. Sie fliegen dann ziemlich einzeln.

Bald nachdem sich die Geschlechter gefunden, beginnt daS Eierlegen an der unteren Seite kreuzblütiger Gewächse (RapS, Meerretig rc.). Nach 1014 Tagen schlüpfen die Räupchen auS und beginnen an den sie beherbergenden Gewächsen ihre zerstö­rende Tätigkeit. Nach viermaliger Häutung, welche innerhalb vier Wochen bewerkstelligt wird, sind sie ausgewachsen und jetzt verpuppen sie sich an den oben näher bezeichneten Orten. Etwa 14 Tage nach dem Eierpuppen erscheint der Schmetterling.

Hiermit ist die erste Generation zum Abschluß gekommen und eS beginnt nun die zweite. Die jetzt oft massenhaft fliegenden Schmetterlinge legen ihre Eier und die aus diesen auskriechenden Raupen gelangen vor Winter in der Regel nur noch zum Ver­puppen. Die Raupen dieser zweiten Generation sind es, welche in warmen, mehr trockenen als feuchten Jahren außerordentlichen Schaden anzurichten vermögen.

Soll nun eine wirksame Vertilgung der Kohlweißlinge vvr- genommen werden, so muß sich diese erstrecken:

1. auf da? wiederholte Aufsuchen und Zerdrücken der Eier, welche sich wie gesagt, auf der untern Seite kohlartiger Gewächse und stets in größerer Zahl auf einer kleinen Fläche vorfinden.

2. aus das Einsammeln und Vernichten der Puppen während

der Wintermonate, besonders während des Januars und Februars und ganz besonders

3. auf das Fangen der der ersten Generation angehörenden Schmetterlinge, welche im Frühjahr und im Vorsommer fliegen.

Das Fangen der Schmetterlinge der zweiten Generation bleibt erfolglos, weil die vorhandenen Massen dieser Generation gar nicht bewältigt werden können.

Derjenige verfährt somit rationell, welcher die Puppen ver- nichtet und die weiblichen Schmetterlinge der ersten Generation einfängt, denn hierdurch wird das Uebel an der Wurzel ange­griffen und im Keime erstickt.

Die weiblichen Schmetterlinge sind aber leicht selbst im Flug an den schwarzen Flecken zu erkennen, welche sie auf der Mitte der Vorderflügel haben. Dem Männchen fehlen dieselben.

Das Wegsangen unterliegt keinen Schwierigkeiten. Einmal ist die Zahl der Schmetterlinge im Frühjahr nicht groß und dann ist ja die Schmetterlingsjagd eine Lieblingsbeschäftigung für die Jugend. Schaffe nur jeder Landwirt und Gartenbesitzer den Kindern Fangnetze an. Er setze für Einlieferung einer ge­wissen Anzahl dieser Frühlingsschmetterlinge Prämien auS. Es würde sich ohne Zweifel selbst lohnen, Tagelöhner mit dem Ein­fängen der Schmetterlinge zu betrauen.

Stadt- und Landgemeinden und die landwirtschaftlichen Ver­eine sollten die Einlieferung der Kohlweißlinge ebenwohl ange­messen prämiieren. Geschehe dies allgemein, so würde man des schädlichen Insekts bald Herr werden.

ES wird daraus ausmerksam gemacht, daß Wartegelder, Pensionen, Witwen- und Waisengelder und Witwen- und Waisenrenten, sowie Witwenpensionen und im voraus zahlbar« Unterstützungen und ErziehungSbeihilsen innerhalb deS Deutschen Reichs im Wege deS Postanweisung-verkehr- ohne MonatS- quittungen bezogen werden können, sosem die Zahlung an die Bezugberechtigten selbst nicht an einen Dritten (Vormund, Pfleger, Bevollmächtigten) zu erfolgen hat. Bei Waisen- grlderu gilt hierbei die witwengeldberechtigte Mutter alS be­zugsberechtigt.

Gleichzeitig wird zur Erleichterung bei Zahlungsverkehrs und zur Vermeidung größerer Barbestände in eignet Verwah­rung daraus aufmerksam gemacht, daß diese Bezüge auch im ReichSbankgiroverkehr durch Ueberweisung aus daS eigene oder auf ein fremdes Girokonto geleistet werden können.

Die Zusendung der Giroüberweisung erfolgt nur aus schriftlichen Antrag deS Berechtigten.

Formulare zu diesen Anträgen werden bei den zahlenden Kassen unentgeltlich verabfolgt.

Cassel, den 7. September 1907.

Königliche Regierung, gez: Schenk.

HerSfeld, den 16. März 1911. Der Landrat. 3 8 *

Wessel, Kreissekretär.

Wird veröffentlicht.

I. I. Nr. 3288.

Cassel, den 14. Februar 1911.

Mit Rücksicht anf die starke Ausbreitung der Feldmäuse im letzten Sommer ist ein Ucberhandnehmen dieser Schädling^ zu befürchten, wenn ihre Vertilgung nicht energisch und ge.

Roman

von Freisrau Gabriele von Schlippenbach

(Herbert Rivulet.)

(Fortsetzung.)

Ich kann nicht; Sie wissen, daß ich meine Pflichten in Berlin habe. Nach einigen Tagen find die Ferien zu Ende, und meine liebe Mutter hat mich jetzt besonders nötig."

Ja, ich weiß ei, Aber ei ist hart sür einen, dem Sie unentbehrlich geworden sind, Keiner Kamerad."

Sie werden sich diesen Winter erholen; wenn wir uni wiedersehen, sind Sie krisch und gesund, Herr Baron."

Ich möchte el gern, aber ich bin doch ein elender Kerl, nur mit einem Fuß; ei heißt vielem entsagen.

Sie müssen suchen, für andere Dinge Interesse zu gewinnen. Es gibt so viel Schöne- in der Welt der Kunst, so viel, wat unsern Geist adelt und erhebt. Soll ich Ihnen aus der Reisebeschreibung weiter vorlesen, die wir neulich anfingen?"

So leitete Emmy die trüben Gedanken Brunos von seinem Schicksal ab und gab ihm neue Interessen.

Und eine Woche später war sie abgereist.

Sie hatte die Beruhigung, daß ei ihm besser ging. Die Fieberansälle fetzten auS, er verlor die bleiche Farbe, und seine Stimme klang kräftiger. Auf seine Krücken gestützt, konnte er einige Schritte gehen. Elfriede und seine Mutter begleiteten ihn bei seinen Versuchen. Einige Male waren sie nicht da, dann hatte Emmy ihr Amt übernommen.

Ich muß daS Gehen wieder lernen wie ein kleine-Kind," hatte er gescherzt.

O, nach einem Jahre brauchen Sie die Krücken nicht mehr, dann haben Sie sich an den künstlichen Fuß gewöhnt," hatte dann Emmy entgegnet.

Sir hatten sich Lebewohl gesagt vor den anderen, höflich,

söcmlich; der eigentliche Abschied lag hinter ihnen am Abend vorher.

Ich danke Ihnen sür aller, war Sie an mir getan, kleiner Kamerad."

ES war so wenig, Herr Baron."

Mehr brächte Emmy nicht hervor.

Er küßte ihre schlanken Hände.

Sie werden mir schreiben, nicht wahr?" bat er.Ich kann ihre lieben Briefe nicht mehr missen, jetzt noch weniger."

Ja ich will ei, Herr Baron."

Immer dieser förmliche Titel," sagte er etwas ungeduldig, bin ich Ihnen weiter nichts? Ich hoffe, Ihr Freund zu fein."

Das sind Sie gewiß, aber"

Emmy stockte verlegen.

Dann nennen Sie mich einmal fo."

Sie tat ei errötend, dann eilte sie davon.

Wie leer und öde erschien ihm Schornstätten nach ihrer Abreise. Um sich zu zerstreuen, begann er, seine Erlebnisse in Afrika aufzuschreiben, Emmy hatte ihn dazu angeregt. Die Arbeit sagte ihm zu und füllte viele Stunden auS.

Im September, kurz bevor SchornS ihre Reise in den Süden antraten, kehrten LörSbachS aus der Schweiz nach Deutschland heim; sie holten Fritz und Aennchen ab und blieben einige Tage bei den Eltern. Der Hauptmann sah wieder wohl und kräftig auS; er hatte einen heiteren, glück­lichen Gesicht-ausdruck, wenn er seine Frau ansah. Jrmgard hing an seinem Arm, und innige Liebe sprach aus jedem Worte, daS sie zusammen wechselten.

Mariechen," sagt Baron Hugo zu seiner Frau,die sind jetzt ebenso miteinander zufrieden wie wir beide. Der Reiner war immer ein famoser Mensch, Jrmgard scheint daS erst jetzt eingesehen zu haben."

Ja, daS hatte sie. In dem langen, engen Zusammensein mitten in der erhabenen Alpenwelt war ihr daS rechte Ver- ständniS sür ihres Gatten innerste- Sein aufgegangen; sie sagte ei ihm oft in demütiger Abbitte. Es war ihr, als lerne sie jetzt erst kennen, was eine glückliche Ehe ist, der Zufammen- Nang zweier Menschenseelen, daS Sich verstehen und Stützen.

Ich habe viel gut zu machen, Gott helfe mir dazu," so betete Jrmgard, so hoffte sie ei zu vollbringen.

Als LörSbachS von Schornstätten abreisten, als sie sich G. näherten, schmiegte Jrmgard sich an ihren Mann.

Ich freue mich so auf unser Heim," sagte sie.

Lörsbach küßte sie stumm; er war zu bewegt, um ant­worten zu können.

Dat hübsche Häuschen war von dem herbstlich gefärbten wilden Wein umrankt, die Fenster blitzten in der Sonne, und alle sieben Wests waren im Garten und erwarteten dieHeim-- kehrenden. Selbst der kleine Reiner, ein allerliebste- Bürsch- chen, lachte freundlich auf dem Arme seiner Mutter.

Hurra! Willkommen!" riefen die beiden großen Jungen, und die zwei kleinen Mädchen streckten die Händchen mit den Blumen Frau von LörSbach entgegen. Die Männer schüt­telten sich die Hände.

Ich brauche wohl nicht zu fragen, wie ei dir geht?" sagte der Oberlehrer, einen schnellen, prüfenden Blick auf den Freund werfend.

Gut, sehr gut, mein Alter."

Mit so hellem, frohem Tone hatte der Hauptmann sonst nie gesprochen, und dazu lachte sein tief gebräunte- Gesicht.

Die beiden Frauen umarmten sich herzlich, zeigten sich ihre Kinder, bei Fragen- und Erzählen- war kein Ende.

Wunderhübsch, sauber und wohnlich war alle- in den Stuben; Frau Margarete hatte wie eine gute Fee im Nach- barhause gewaltet. Die blütenweißen Gardinen an den Fen­stern, große Sträuße bunter Herbstblumen, der gedeckte Kaffee- tisch mit dem leckeren Kuchen, alle- sah so heimlich und gemütlich aus.

Ich danke dir, Gretchen," sagte Jrmgard immer wieder.

Sie hatten das Du angenommen, seit der Hauptmann so schwer krank gewesen, und Frau West wie ein hülssbereiter guter Geist Jrmgard beigestanden hatte. Die Freundschaft der Männer verband nun auch die Frauen.

Auch von den Kameraden stand eine hübsche Jardiniere aus dem Tisch, und bet brave Bursche bei Hauptmanne- hatte einherzliche- Willkommen," kunstvoll gemalt, über der Haus­türe angebracht. Zwei neue, nett au-fehende Mädchen, hatte