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Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 88. Dienstag, den 7. März 1011.
Amtlicher Ceil.
Der Vorsitzende des Sekttons-Vorstandes.
8. 120.
Her-sfld, den 1. März 1911.
Diejenigen Herren Bürgermeister und Gut-vorsteher bei Kreises, welche mir gemäß meiner Verfügung vom 26. Januar d. Js. 8. 120 (Kreisblatt Nr. 14) noch nicht berichtet haben, an welchen Stellen die übersandten Exemplare der Bekanntmachung betreffend die Durchführung der UnsallverhütungS- vorschristen in den landwirtschaftlichen Haupt- und Nebenbe- trieben der Hessen-Nassauifchen landwirtschaftlichen Berussge- nossenschast zum AuShange gelangt sind, ersuche ich nunmehr, bestimmt bis zum 8. d. Mts. zu berichten.
von Grunelius.
Der in der Gemarkung Frielingen gelegene Weg
Kartenblatt 5 Parzelle 157/85 am Stückrain 85 qtn groß von Littr. gt. soll eingezogen und an den Landwirt Johannes Hahn abgegeben werden.
Nach Vorschrist bei § 57 bei ZuständigkeitS-Gefetze- vom 1. April 1883 wird dies mit der Aufforderung bekannt gemacht, daß Einsprüche hiergegen binnen 4 Wochen bei Meidung deS Ausschlusses bei der unterzeichneten Behörde geltend zu machen sind.
Frielingen, den 4. März 1911.
Die Wegrpolizeibehör-e.
Battenberg.
nichtamtlicher Ceil.
M Wilde 1871.
Friede! — so erscholl ei in den ersten Märztagen bei Jahres 1871 durch unser deutsche- Vaterland. In allen Städten, allen Gauen fand ei den freudigsten Widerhall. BlitzeSfchnell trug der elektrische Funke in die entlegensten Gegenden, wie zu Mitte Juli den Mobilmachungsbefehl, so jetzt die Freudenbotschaft, die in dem Telegramm Kaiser Wilhelm- deS Siegreichen an die deutschen Fürsten ihren Ausdruck fand: „Mit dankerfülltem Herzen gegen die Vorsehung zeige ich Ihnen an, daß gestern (26. Februar) nachmittags die Friedenspräliminarien unterzeichnet worden sind, durch welche das Elsaß, aber ohne Belsort, Deutsch-Lothringen mit Metz an Deutschland abgetreten worden find, fünf Milliarden gezahlt werden und Teile Frankreich- bis zur Abzahlung dieser Summe besetzt bleiben. PariS wird teilweise besetzt.
KmMM
Roman von Freifrau Gabriele von Schlippenbach.
(Herbert Rivulet.)
(Fortsetzung.)
„Jrmgard", bat Lörsbach, „wollen wir nicht versuchen, hier ein bessere-, neue- Leben anzusangen? Ich von meiner Seite will alles tun, um dir entgegenzukommen, aber auch du mußt es. Denke an unsere Kinder! E- ist unsere Pflicht, ihnen das Elternhaus zu einer glücklichen, friedlichen Heimstätte zu bereiten! Nicht wahr, liebe Jrmgard, so soll es sein?"
Er kniete vor ihrem Bette, hielt ihre Hand und sah sie innig an.
Sie brach in Tränen aus und schluchzte dazwischen:
„Hier soll ich vegetieren? Fern von Berlin und allem, war mir lieb war?! Nein, ich werde eS nie zu stand« bringen! Quäle mich nicht, ich bin müde und will Ruhe haben!"
So endete der erste Abend im neuen Heim.
Die nächsten Tage brachten für die verwöhnte Frau von Lörsbach mancherlei Unannehmlichkeiten. Sie mußte sich in die neuen Verhältnisse hineinfinden, die vielen Koffer und Kisten au-packen, die sie mitgebracht hatten, die Dienstboten anleiten und sich um Dinge bekümmern, die sie früher den Leuten überließ.
Bei Wests hatte sie auf nachdrücklichen Wunsch ihr«- Mannes mit ihm Visite gemacht. Sie hatte dazu eine ihrer eleganten Berliner Toiletten und den Hut mit der großen weißen Straußseder gewählt. Frau Margarete empfing sie herzlich und bat Jrmgard, sich an sie zu wenden, wenn sie irgendeiner Hülse bedürfe. Die feinfühlende Frau bei Oberlehrers tat ei in so natürlicher, bescheidener Art, daß Jrmgard sich unwillkürlich davon angenehm berührt fand.
Wenn die Ratifikation (Bestätigung) in Bordeaux erfolgt, fo stehen wir dem Ende diese- glorreichen, aber auch blutigen KriegeS, der uns mit Frivolität (frevelhaft) ohnegleichen aufgezwungen wurde, und an dem Ihre Truppen so ehrenvollen Anteil nahmen. Möge Deutschlands Größe sich nun in Frieden konsulidieren (festigen)." Schon am 1. März, schneller als man geglaubt, war eS dem französischen Staatsmann Thiers gelungen, die in Bordeaux tagende Nationalversammlung zur Annahme dieser Bedingungen zu veranlassen und dadurch einen endgültigen Abschluß herbeizuführen.
Großer Mühen hatte eS bedurft, und vielerlei Schwierigkeiten ernster Art waren zu überwinden, ehe dieses Ziel erreicht wurde. Zertrümmert und in die Gefangenschaft geführt waren zwar die Heere des ehedem fo stolzen napaleonifchen Kaiserreichs, vergeblich hatten seine Kriegsschiffe die deutschen Küsten bedroht, überall geschlagen und zum Teil ebensallS der Vernichtung anheimgesallen waren die neu gebildeten Armeen der Republik — waS konnte Frankreich also noch von einer Fortsetzung deS KampfeS erhoffen? Die Partei der einsichtsvollen und besonnenen Franzosen, an ihrer Spitze Thier-, war daher auch für den Frieden. Aber sie hatte eine nicht unerhebliche Anzahl lebhaft wühlender Widersacher, die den Krieg bis zum Aeußersten fortfetzen wollten und zu ihrem Wortführer den Diktator Gambetta, den bisherigen unumschränkten Machthaber, hatten. Dieser legte aber am 12. Februar die Geschäfte nieder.
Am 19. Februar traf ThierS mit Jules Favre, dem französischen Minister des Auswärtigen, in Versailles ein, um da- für Frankreich von ihm alS aussichtslos erkannte Ringen dem Ende zuzusühren. Mit bewunderniwerten und für ihn als französischen Patrioten verdienstvoller Zähigkeit kämpste der greise Staatsmann, um möglichst günstige Friedensbe- dingungen für sein Vaterland zu erreichen. Aber er stieß auf einen harten Widersacher, den eisernen Kanzler Bismarck. ES fehlte nicht an erregten Auseinandersetzungen, namentlich als Thiers die Absicht äußerte, Englands Vermittelung in Anspruch nehmen zu wollen, ein Ansinnen, welches BiSmarck in deutlichster Form zurückwies. In zwei Punkten gelang es Thier-, etwa- „abzuhandlen". Belfort sollte sranzösisch bleiben und die Krieg-entschädigung, die aus 6 Millarden Franks beziffert war, wurde aus deren 5 herabgesetzt. Alle weiteren Bitten der französischen Unterhändler aber fanden kein Gehör. Insbesondere der Einzug der deutschen Truppen in die überwundene feindliche Hauptstadt, den Thier- und Favre gern verhindern wollten, den Kaiser Wilhelm aber als einen Herzenswunsch bezeichnete, wurde in die weltgeschichtliche Urkunde ausgenommen, die am 26. Februar gegen 7 Uhr abends in VersailleS unterzeichnet wurde.
Von allen Bedingungen empsanden die Franzosen den Einzug der siegreichen deutschen Truppen in die eroberte Hauptstadt für den Augenblick am bittersten. Aber die Herausforderungen und Beleidigungen, welche die Pariser Bevölkerung und ihre Blätter sowie die Heißsporne der
Die beiden kleinen Mädchen spielten artig im Garten; sie waren sauber, aber sehr schlicht gekleidet.
Frau von LörSbach dachte: „wie Dienstbotenkindel". Sie verglich die teuren Kleider der eigenen Kinder mit denen der kleinen Emmy und Franziska. Fritz und Annchen sahen nicht immer so sauber aus, und oft war an ihren Sachen etwas zerriffen. Die Mutter dachte nicht daran, c- selbst aus- zubessern, und die Wärterin war nachlässig, ei fehlte die Aufsicht.
„Wollen Sie nicht unser Jüngstes sehen, gnädige Frau?" fragte Margarete mit der Eitelkeit, die so natürlich bei jungen Müttern ist.
Jrmgard sagte ja, dachte aber dabei:
„Ich kann so kleine Kinder nicht leiden."
Trotz diese- Gedanken- mußte sie sich eingestehen, daß bai Baby ein prächtige- Kerlchen war. Margarete hob ei auf und drückte bai kleine Geschöpf an sich, die reinste Mutterliebe strahlte dabei au- ihren Augen.
„Wie viele Kinder haben Sie?" fragte Jrmgard aus Höflichkeit.
„Fünf, gnädige Frau, drei Buben und zwei Mädchen."
„Fünf Kinder!" rief Jrmgard, „wie schrecklich!"
„Warum schrecklich?"
Etwa- wie Empfindlichkeit klang durch diese Frage hindurch; die Taktlosigkeit Frau von Lörsbach hatte die zärtliche Mutter verletzt.
„Sie haben doch viel Arbeit und Last durch so viele kleine Kinder."
„Ja, da- gebe ich zu. Aber die Freude und das Glück sind größer als die Arbeit; wir möchten keins missen. Für unS Mütter ist eS doch die schönste Ausgabe, die uns von Gott anvertrauten Schätze zu hüten, zu pflegen, sie zu guten Menschen zu erziehen. Kinder sind daS uns von Gott anvertraute Pfand, über dat wir ihm einst Rechenschaft ablegen sollen."
In diesem ihr neuen Lichte hatte Jrmgard noch nie die Pflichten der Mutter gesehen; sie blickte mit Verwunderung aus die klein« zarte Frau, deren dunkle Augen wie verklärt schimmerten.
Nationalversammlung den Deutschen entgegen geschleudert hatten, machten die Besetzung zu einer Art Pflicht. Er galt, den braven Truppen eine Genugtuung, den Parisern aber den Beweis zu geben, daß sie unter der Gewalt bei Sieger- ständen. Von letzterer wurde allerdings dank der Großmut Kaiser Wilhelms nur ein sehr mäßiger Gebrauch gemacht. Nur der westliche Teil der Stadt mußte am 1. März nach einer Parade aus den Longchamps eine Besatzung von 30 000 Mann deS 6. und 11. preußischen sowie bei 2. bayerischen Armeekorps aufnehmen. Am 3. und 5. März sollten Staffeln von gleicher Stärke sich ablösen, doch kam e- hierzu nicht mehr, da bereits am 1. März die Volksvertretung in Bordeaux mit 546 gegen 107 Stimmen die Friedensbedingungen angenommen hatte und die bezüglichen Urkunden am 2. März nachmittags zwischen den beiderseitigen Unterhändlern au-gr- tauscht worden waren.
Bei dem Bekanntwerden dieser freubigen Nachricht tat sich überall im neu geeinten Deutschen Reiche unermeßlicher, nicht endenwollender Jubel kund. Zum Ausdruck gelangte er besonders bei der feierlichen Verkündung des erfolgten Friedensschlusses am 3. März vor dem königlichen Palais in Berlin. In der zuversichtlichen Erwartung, daß die Nachricht von der Bestätigung der Friedensbedingungen ein treffen müsse, hatte sich schon am Vormittage des 3. März eine wogende Menschenmenge Unter den Linden versammelt. Freudig erregt und hochbegeistert harrte sie des Augenblick-, in dem die amtliche Bestätigung der Botschaft erfolgen sollte. Dicht umringt war da- Denkmal des großen KönigS, dessen Haupt ein fristet Lorbeerkranz zierte. Genau sechs Monate waren verflossen seit dem Tage, an dem zur Feier des SiegeS von Sedan die Hauptstadt in Fahnen- und Flammenschmuck erglänzte, sech- Monate schweren Ringens, denen nun das Festgeläute bei Friedens und des Sieges den Abschluß gab. Um 12 Uhr mittags traten die in Berlin anwesenden Generale auf die Rampe bei Palais, voran der alte Feldmarschall Graf von Wrangel, und mit weit vernehmbarer Stimme, mehrfach von lauten Jubelrusen unterbrochen, las der stellvertretende General- stabschef der Armee das von Seiner Majestät dem Kaiser an seine Hohe Gemahlin gerichtete Telegramm vor: „Soeben habe ich den Friedensschluß ratifiziert (bestätigt), nachdem er schon gestern in Bordeaux von der Nationalversammlung angenommen worden ist. Soweit ist also bai große Werk vollendet, welcher durch siebenmonatliche siegreiche Kämpfe errungen wurde, dank der Tapferkeit, Hingebung und Ausdauer bei unvergleichlichen Heeres in allen seinen Teilen und der Opjersreudigkeit des Vaterlandes. Der Herr der Heerscharen hat überall unsere Unternehmungen sichtlich gesegnet und daher diesen ehrenvollen Frieden in Seiner Gnade gelingen lassen. Ihm sei die Ehre! Der Armee und dem Vaterland« mit tief erregtem Herzen meinen Dank!"
„Mich machen schon meine zwei nernöS! Sind Sie es nie?"
Margarete lachte fröhlich.
„Nein, gottlob, nie! Ich habe keine Zeit dazu, die Arbeit für Hau-, Mann und Kinder erhält mich frisch."
„Sie sehen aber gar nicht so kräftig auS."
„Ich darf nicht müde werden. Das ist mein Wahlspruch. Und der zweite: Nur Mut, Gott hilft."
AlS Jrmgard allein war, dachte sie über diese Worte nach. Der Gedanke an gute Vorsätze kam über sie. Aber wie schwer war die Ausführung. Immer wieder fiel sie in ihre Fehler zurück.
Eines TageS war Frau West im Garten und hörte den kleinen Fritz jämmerlich weinen; er war gefallen und hatte sich da- Knie wund geschlagen. Annchen weinte zur Gesellschaft mit, und Jrmgard stand ratlos daneben und wußte sich nicht zu helfen.
„Darf ich hinüberkommen?" fragte Margareten- freundliche Stimme.
„Ja, bitte. Ich habe so viele Unannehmlichkeiten, die Wärterin der Kinder hat Ausgehtag, und die Köchin hat gekündigt."
Frau West ging rasch zu den Nachbarn hin. Sie nahm den heulenden Jungen in die Arme und küßte ihn; dann wusch sie die kleine Wunde und legte eine kühlende Kompresse auf bai Knie.
„Sie machen er so geschickt wie ein Arzt", sagte Jrmgard bewundernd, „wo lernten Sie das?"
Margarete lachte.
„Bei fünf lebhaften Kindern lernt man solche kleinen Dienste. Es vergeht keine Woche, in der ich nicht Achnliche- erlebe. — So, mein Junge", sie strich ihm daS verwirrte Haar aus dem Gesicht, „nun lauf zu Annchen. Wenn die Mama erlaubt, kommst du später zu uns in den Garten und spielst mit Fränzchen und Emmy. Meine Buben machen heute mit dem Vater eine kleine Fußtour, bai ist Sonntag- oft so."
„Ich bin heute ganz allein", klagte Jrmgard, „mein Mann ist dienstlich verreist und kehrt erst spät zurück."