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Herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernfprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 25.

Dienstag, den 28. Februar

1911.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 21. Februar 1911.

Zur Abhaltung des diesjährigen ErsatzgeschäfteS für den Kreis HerSfeld sind solgende Termine bestimmt worden: Freitag den 17. März d. J.

von Morgens V28 Uhr an

und zwar im Saale des Gastwirts Gebeb zu Schenhlengsfeld

Musterung der Militärpflichtigen aus den Landgemeinden pp. des AmtSgerichtsbezirks SchenklengSseld.

Sonnabend den 18. März d.

von Morgens 8 Uhr an

und zwar im Saale des Gastwirts Hnton Cräger zu friedewald

Musterung der Militärpflichtigen aus den Landgemeinden pp. deS AmtsgerichtSbezirkS Friedewald

Montag den 20. März d. J.

von Morgens 7 Uhr an

und zwar im Saale des Gastwirts B. Bolender zu Bersfeld

Musterung der Militärpflichtigen aus der Stadt HerSfeld.

Dienstag den 21. März d. I.

von Morgens 7 Uhr an

tn demselben Lokale

Musterung der Militärpflichtigen aus den Landgemeinden pp. des AmtSgerichtSbezirkS HerSfeld mit Ausnahme derjenigen von Untergers, Unterhaun, Wilhelmshof und Wippershain.

Mittwoch den 22. Mttrz d. 3. von Morgens 7 Uhr an

in demselben Lokale Musterung der Militärpflichtigen auS den Landgemeinden Untergeis, Unterhaun, Wilhelmshof und Wippers­hain, sowie auS sämtlichen Gemeinden pp. deS AmtSgerichtS- bezirks Niederaula.

Donnerstag den 23. März d. 3. von Morgens 8 Uhr an

in demselben Lokale

Losung, sowie außerdem Zurückstellung derjenigen Mann­schaften der Reserve, Landwehr und Ersatz-Reserve sowie der auSgebildeten Landsturmpflichtigen deS zweiten Aufgebots, welche wegen häuslicher, gewerblicher oder Familienverhält- niste ein Zurückstellung für den Fall der Einberufung zu den Fahnen beanspruchen wollen. (§ 123 der Wehrordnung vom 22. November 1888).

Die Herren OrtSvorstände der Stadt- und Landgemeinden deS Kreises werden angewiesen:

1. die militärpflichtigen Mannschaften ihrer Gemeinden rc. und zwar:

a) die^ in der Zeit vom 1. Januar bis einschließlich 31.

5

Roman von Freifrau Gabriele von Schlippenbach

(Herbert Rivulet.) (Fortsetzung.)

Es war lange still in dem Zimmer; dann ging El- sriede zu Ernst und legte leise die Hand aus seinen Arm.

Sonnensehnsucht", fiel ei von seinen Lippen.

Er ergriff die kleine Mädchenhand und hielt sie einen Moment. Dann ließ er sie fallen, als versenge sie seine Finger und ging schnell hinaus.

Elsriede sühlte, wie zwei heiße Tränen über ihre Wangen liefen; sie konnte ihnen nicht wehren. Tiefes Mitleid mischte sich mit dem Gefühle heftigen Schreckes.

Hauptmann von LörSbach kam müde und hungrig vom Dienst nach Hause. Er bewohnte eine Etage in der Mark- grasenstraße, die für seine Verhältnisse viel zu teuer war. Der Entschluß, Berlin zu verlassen, um in eine billigere Provinz­stadt zu ziehen, stand bei ihm fest, er konnte seine Einnahmen mit seinen Ausgaben nicht mehr in Einklang bringen. Seine Frau trug den größten Teil der Schuld daran, daß der Haus­halt so viel kostete, sie verstand nicht, sich nach der Decke zu strecken und war sehr anspruchsvoll.

Gestern abend waren sie in der Oper gewesen, nachher hatten sie in einem teuren Restaurant zur Nacht gespeist und waren erst nach ein Uhr hrimgesahren, natürlich im Auto, wie Jrmgard er wünschte. LörSbach hatte früh zum Dienst fort gemußt, hatte allein den schlechten Kaffee getrunken, wäh­rend Jrmgard bis in den Tag hinein schlief.

Als der Hauptmann mit dem Schnepper seine Tür aus- schloß, hörte er lauter Kindergeschrei und die keifende Stimme Jrmgardr. Der kleine Fritz lag aus der Diele und strampelte eigensinnig mit den Beinchen, die kleine Anna schrie zur Ge- sellschast mit und die Mutter schalt.

»Na, waS ist denn los?" fragte LörSbach.

Dezember 1891 geborenen, soweit sie nicht bereits in daS Militär eingestellt sind oder einen Ausstand erhalten haben,

b) die in den Jahren 1890, 1889 und 1888 oder früher Geborenen, welche bei den Erjatz-Geschäften deS vorigen JahreS zurückgestellt, überzählig geblieben oder nicht erschienen sind, und demnach über ihr Militärverhältnis noch keine endgültige Entscheidung erhalten haben, zu den vorbezeichneten Musterungs- terminen vorzuladen.

2. dafür zu sorgen, daß diejenigen Personen, zu deren Gunsten eine Zurückttellung bezw. Betreiung vom w.UltärdlenN beansprucht wirb, sich im Musterungs- lermine ebentaUS einfinben.

3. in den Terminen sich persönlich einzufinden, und so lange zur Stelle ftu~|ein, big sämtliche Müuärpfllchttge der betreffenden Gemeinde gemustert sind. Im ,raUe einer Verhinderung ist für Die Anwesenheit eines Stell­vertreters Sorge zu tragen.

4. für rechtzeitige Gestellung der Militärpflichtigen rc. zum Ersatz-Geschäft Sorge zu tragen und denselben aus­drücklich zu eröffnen, daß sie mit sauberem Körper und reiner Wäsche zu erscheinen haben.

Militärpflichtige, welche ohne genügenden Entschuldigungs- grund im Musterungstermin nicht erscheinen oder beim Auf- rus ihrer Äamen im Musterungslvkt.le nicht anwesend sind, werden mit einer Geldstrafe bis zu 30 Mk. oder Hall biS zu drei Tagen bestraft, außerdem können ihnen die Vor- teile der Lotung entzogen meiden. Ist die Versäumnis in böswilliger Absicht oder wiederholt ersolgt, so kann ihre alSbaldige Einziehung zum Militärdienst als unsichere HeereS- pflichtige erfolgen.

Reklamationen Militärpflichtiger um Zurückstellung bezw. Befreiung vom Militärdienst oder von Mannschaften der Reserve, Landwehr und Ersatz-Reserve, sowie des Land­sturms zweiten AusgebotS um Zurückstellung vom Militärdienst im Falle einer Mobilmachung deS Heeres sind schleunigst bei dem betreffenden OrtSvorstände anzubringen, welcher für ordnungsmäßige und vollständige Ausfüllung des vorgeschriebenen in L. Funks Buchdruckcrei hier stets vor­rätigen Fragebogens sorgt.

Eine Beifügung von ärztlichen Attesten über den Gesund­heitszustand derjenigen Personen, (Eltern, Geschwister rc.) zu deren Gunsten eine Zurückstellung rc. vom Militärdienst beansprucht wird, dedors eS nicht, da sie im MusterungSlermln mit zu erscheinen haben. Die erforderlichen Feststellungen werden hier durch den anwesenden Militärarzt bewirkt, dessen AuSspruch allein maßgebend ist.

ES ist nicht zum Aushalten mit den Kindern", klagte Jrmgard.Fritz wollte mit meiner Uhr spielen, und als ich sie ihm nicht gab, schrie er und warf sich auf die Erde."

LörSbach zog den Jungen am Arm in die Höhe und ver­setzte ihm einige kräftige Hiebe, natürlich brüllte der Knabe nun erst recht los.

Wie kannst du mit deiner großen Soldatenfaust daS arme Kind so derb prügeln!" rief Jrmgard heftig.Komm, mein Liebling, zu deiner Mutter, ich gebe dir auch die Uhr, du follst nicht mehr weinen!"

LörSbach sprach kein Wort. Er ergriff die Händchen beider Kinder und sührte sie hinaus, sie der Obhut der Wärterin übergebend. Dann ging er zu seiner Frau zurück, schloß energisch die Tür, stellte sich, beide Arme in die Seiten ge­stemmt, vor sie und sagte:

So geht ei nicht weiter, Jrmgard, es muß eine Aende- rung eintreten. Du verleidest mir daS HauS, verziehst die Kinder, überläßt alles den Dienstboten und wirfst das Geld für Putz und Vergnügungen fort. Ich werde morgen um meine Versetzung bitten."

Jrmgard war vom Stuhl ausgeschnellt, mit blitzenden bösen Augen stand sie da, einen harten Zug um den Mund. Ihr Anzug war unordentlich, denn sie war erst um zwölf Uhr auf­gestanden, hatte sich nicht frisiert und sah recht vernach­lässigt auS.

LörSbach fragte sich traurig, ob daS feine einst reizende Jrmgard war, die er auS großer Liebe geheiratet hatte, die so sanft und gut erschien und nun war sie so verändert, äußerlich wie innerlich. Ein bitteres Gefühl der Enttäuschung überkam ihn.

Ich gehe nicht mit", bemerkte Jrmgard,ich verlasse Berlin nicht, hier allein kann man leben!"

Gut, so bleibe! Aber ich nehme die Kinder mit", sagte LörSbach fest,du verstehst nicht, sie zu erziehen."

Eine drohende Falte grub sich zwischen die Brauen deS HauptmannS. Jrmgard kannte diese Falte. So nachgebend und selbstlos ihr Mann gegen sie war, er hatte einen eisernen

Sämtliche Reklamationen sind umgehend bis spätestens zum 8. März d. Js. hier einzureichen. Militärpflichtige, welche an Epilepsie zu leiden behaupten, haben aus ihre Kosten drei glaubhafte Zeugen bei dem Bürgermeister ihres Wohnortes zu stellen, welcher dieselben an EideSstatt protokollarisch darüber vernimmt, daß, wann, wie oft und in welcher Weise sie selbst die epileptischen Ansälle bei dem be­treffenden Militärpflichtigen wahrgenommen haben. Diese Protokolle nebst etwaigen ärztlichen Attesten über Fehler und Erkrankungen, welche sich im Termin nur mit Schwierigkeit feststellen lassen (z. B. geistige Beschränkheit, Bluthusten, Herz­leiden u. s. w.) sind gleichfalls umgehend einzureichen, bezw. den Reklamationsverbandlungen beizulügen.

Die Herren OrtSvorstände rc. haben Vorstehendes wieder­holt in ihren Gemeinden, insbesondere den gestellungspflichtigen Mannschaften und deren Angehörigen bekannt machen zu lassen, und daß dieses geschehen, biS zum 10. März d. JS. hierher zu berichten.

Der Civilvorsitzende der Ersatzkommission:

I. M. 395. von GruneliuS,

Landrat.

Landespolizeiliche Anordnung. betreffend JMassregeln gegen die Ginschleppung der Maul- und Klauenseuche.

Auf Grund der §§ 18 und 20 des ReichsgesetzeS, be­treffend die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen vom 23. Juni 1880/1. Mai 1894, und mit Genehmigung des Herrn Ministers sür Landwirtschaft, Domänen und Forsten wird der Teil II meiner landespolizeilichen Anordnung vom 5. Februar 1911 A. III. 550 veröffentlicht im Amtsblatt Nr. 6, Seite 45/6 hierdurch auf das auS den Fürstentümern Lippe-Dctmold und Schaumburg-Lippe ein« geführte Klauenvieh ausgedehnt.

Diese Anordnung tritt mit dem Tage ihrer Veröffent­lichung in Kraft. Ihre Aufhebung wird erfolgen, sobald die Seuchengefahr beseitigt ist. (A. III. 671.)

Cafsel, am 11. Februar 1911.

Der Regierungs-Präsident. gez.: Gras von Bernstorff. * *

HerSfeld, den 24. Februar 1911.

Wird im Anschluß an die mit Verfügung vom 20. d. MtS. I. Nr. 2253 Kreisblatt Nr. 24 veröffentlichte landes­polizeiliche Anordnung vom 5. Februar d. JS. A. TU. Nr. 550 zur öffentlichen Kenntnis gebracht.

I. 2238. Der Landrat

von GruneliuS.

HerSfeld, den 23. Februar 1911.

Ich mache auf mein Ausschreiben vom 13. d. MtS. Nr. 956 (Kreisblatt Nr. 21) betreffend die Beschaffung von Zucht­bullen Gimmentaler Rasse nochmals aufmerksam und ersuche

Willen, wenn er etwas als recht erkannte; dann halfen alle Bitten und Tränen nichts.

Ich werde Papa bitten, mein Jahrgeld zu erhöhen."

Nein, daS verbiete ich dir", fiel es kurz von LörsbachS Lippen.

Du darfst es nicht!" schrie Jrmgard außer sich.

Wenn du es tust, sind wir geschiedene Leute!"

Sprachs und ging dröhnenden Schrittes in sein Arbeits­zimmer. Dort reinigte er sich vom Staube, zog die Uniform aus und die Litewka an; dann saß er still an seinem Schreib­tisch, den Kops in die Hände gestützt, in schweren traurigen Gedanken. Es war bitter, die geliebte Gardeunisorm auSzu- ziehen, bitter, die lieb gewordenen Kameraden zu verkästen, doppelt bitter, sich in der Frau, die er liebte, getäuscht zu haben. Ja, er liebte sie noch immer treu und aufrichtig, mit allen ihren Fehlern, mit ihrer Oberflächlichkeit und Selbst­sucht. Er hoffte, sie zu erziehen zu dem, was ein echter deutsches Weib sein muß. Hier in Berlin ging es nicht! Deshalb heraus, weit fort nach einem kleinen Orte, wo ei keine Versuchung für sie gab, wo das eigene Heim ihr lieb wurde.

Er setzte sich gleich hin und schrieb. Wohin? DaS wußte er nicht. Einerlei, daS sollten seine Vorgesetzten be­stimmen.

Zu Mittag erschien Jrmgard nicht. Sie ließ jagen, sie habe Migräne und wünsche, nicht gestört zu werden. Sie lag auf ihrem Bett und weinte Tränen des AergerS und der Selbstbemitleidung; keine der Reue über ihr Betragen.

LörSbach speiste allein mit seinen beiden Kindern, dem vierjährigen Fritz und der dreijährigen Anna. ES waren ein paar hübsche, gutgeartete kleine Wesen, leicht zu lenken und gehorsam, wenn man es richtig anfing. DaS muntere Ge- plauder der beiden rosigen Mündchen erheiterte den Vater; er versorgte sie mit den Speisen und spielte die Mutter bei ihnen. DaS Gemüse war ungebrannt; die Köchin hatte es zu spät ausgesetzt und zu schnell gekocht. Der kleine Fritz wollte bei Tisch etwaS eigenwillig werden, ein strenger Blick deS VaterS, ein ermahnendes Wort genügten, um das Kind zum Gehorsam zu bringen.