11. d. Mts. als solcher für einen am 7. März d. JS. beginnenden weiteren achtjährigen Zeitraum wiedergewählt worden. Ich habe diese Wiederwahl bestätigt.
A. 999. Der Landrat
von Grunelius.
Her-seld, den 16. Februar 1911.
Der Bürgermeister Ludwig Hahn in Hillartshausen ist am 14. d. MtS. al- solcher für einen am 5. März d. JS. beginnenden weiteren achtjährigen Zeitraum wiedergewählt worden.
Ich habe diese Wiederwahl bestätigt.
A. 1008. Der Landrat
von Grunelius.
Gefundene Gegenstände.
Aus dem Wege von GiegloS nach Fischbach ein Geldbeutel mit Inhalt. Meldung des Eigentümers bei dem OrtSvorstand in EiegloS.
Zugelaufen.
Ein brauner Wolfshund. Meldung des Eigentümer- bei dem Ortsvorstand in Biedebach.
nichtamtlicher Ceil.
Abgeordnetenhaus.
DaS Abgeordnetenhaus gedachte am Sonnabend seine- verstorbenen Mitgliedes, des Abgeordneten von Lücke, in der üblichen Weise. Es hatte sich dann darüber zu entscheiden, ob ein neulich vom Präsidenten an den Abg. Leinert (Sozd.) erteilter Ordnung-ruf gerechtfettigt sei. Der sozialdemokratische Abgeordnete hatte schriftlich dagegen Einspruch erhoben. Der Abg. Leinert hatte den Ausdruck „ReichSlügenverband" auf den Reich-verband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie angewandt. Präsident v. Kröcher erteilte ihm damals einen Ordnungsruf, weil auch Mitglieder des HauseS dem Verbände angehören. Die Abstimmung ergab, daß der Ordnungsruf alS gerechtfertigt anerkannt wurde; dagegen stimmten außer den Sozialdemokraten die Volkspartei und die Polen.
Das Haus setzte dann die am Freitag abgebrochene Beratung über die Strafanstalten fort. Sie brächte wenig Neues zutage. Die Behandlung der Gefangenen, der Wettbewerb, der auS der GefängniSarbeit dem Handwerke erwächst, die Tätigkeit der Gefängnisgeistlichen, die Frage, wie Selbstmorde zu verhindern sind, und anderes mehr wurde ausführlich er- örtert. Fast durchweg wurde der Dualismus in unserem StrasanstaltSwesen, das bekanntlich zum Teil der Justizverwaltung, zum Teil dem Ministerium des Innern untersteht, bedauert. Geheimrat Krohne ging aus alle Fragen bereitwillig ein. Die Einführung der bedingten Begnadigung bezeichnete er als ein verfehltes Unternehmen. Am Schlüsse seiner von warmem Idealismus getragenen Ausführungen trat er für die Fürsorge für die verlassenen Sträflinge ein. Es folgte eine Erörterung über die Veteranenbeihilfen, die von RechtS wegen in den Reich-tag gehört hätte. Das betonte auch der Minister des Innern, der erneut der Hoffnung Au-druck gab, daß in Zukunft mehr für die Veteranen gesorgt werden könne.
Reichstag.
Im Reichstag folgre am Freitag der mehrtägigen Debatte über den Marineetat die Beratung des Etat- für Kiautschau nach. Es entwickelte sich zunächst eine allgemeine Diskussion, in welcher die Abgeordneten Nacken (Zentr.) Eickhoff (Fortschr. Vp.), v. Richthosen (kons.), Dr. Görcke (nat.-lib.) — letzterer auf Grund seiner nach Kiautschau unternommenen Informationsreise — Erzberger (Zentt) und Arendt (ReichSp.) die fortschreitende Entwickelung dieser deutschen Kolonie anerkannten. Nur die sozialdemokratischerfeitS vorgeschickten Redner, die Abgeordneten Noske und Ledebour, hatten aller- Hand an Kiautschau herumzunörgeln, wobei letzterer meinte, Deutschland täte am besten, dieses Schutzgebiet so schnell wie möglich wieder aufzugeben. Regierungsseitig griff der Staatssekretär deS ReichsmarineamteS v. Tirpitz wiederholt in die Diskussion ein, wobei er sich namentlich über die Pest- epidemie in Ostasien verbreitete und die Hoffnung auSsprach, daß^ eS gelingen werde, Deutsch-Kiautschau infolge der getroffenen umfassenden Abwehrmaßregeln vor der Pestgesahr zu bewahren. Energisch sprach er sich unter verschiedenen Gesichtspunkten gegen den sozialdemokratischerseits gewünschten Verzicht auf den Besitz von Kiautschau aus. Nach Schluß der allgemeinen Aussprache gelangten die einzelnen Posten
In ihrer natürlichen, ungezwungenen Art verneigte sich das junge Mädchen und sagte einige verbindliche Worte. Dann nahm sie deS Bruders Arm und ging mit ihm zum Wagen.
„Aber wie wird der Gras nach Holmseld kommen, eS ist ja kein Fuhrwerk da? Ich laus« zurück und biete ihm einen Platz in unserem Wagen an; der Kutschrr kann zu Fuß zurückgehen."
Gustav eilte, so schnell er konnte, auf drn Bahnsteig.
Graf Rombeck stand noch da und blickte den Geschwistern nach.
Das freundliche Anerbieten wurde dankend angenommen. Bald darauf rollte daS leichte Fuhrwerk über die Land- straße.
„Ich fürchte, Sie müfs«n meinetwtgen einen Umweg machen, Baroness«", sagte Rombeck. „Ich begreife nicht warum mein telrgraphisch bestellter Wagen nicht gekommen ist!"
„Wir treffen ihn vielleicht unterwegr. Ich bin froh über den «einen Umweg", versetzte Elsriede. „Mein Ali und ich können uns nur dessen freuen."
„Ich schließe daraus, daß Sie gern reiten."
„Ja, sehr gern sogar."
_ hinter dem Wagen her; die neu« Bekannt- schüft bewältigte sie. Wie «rnst-vornehm sah der Graf au» Cte dachte an das Wort „Sonnensehnsucht". Kannte auch « Lag darum ein schwermütiger Zug über dem männ- ltchen Gesicht? Er war nicht eigentlich schön, aber ansprechend und Vertrauen erweckend. Man gewann gleich die Ueber- zeugung, daß Rombeck ein Edelmann in der Worte? bester Bedeutung sein mußte.
Sie waren kaum eine halbe Stunde gesahren, da kam der Wagen aus Holmseld ihnen entgegen, ein offener Jagdwagtn mit zwei schweren Ackergäulen. Rombeck vrrab- schledete sich von den Geschwistern, ihnen nochmals höflich oammv.
»Na, Gustav, wie ist die Zensur au-grsalltn?" fragte
I des Etats für Kiautschau debatteloS zur iüiM^c. xwu. vertagte sich da- HauS bis zum 22. Februar, für welche Sitzung die Beratung deS JustizetatS auf der Tagesordnung des Reich-tage- steht.
AuS den verschiedenen Reich-tagskommissionen ist kurz folgendes zu berichten: In der Kommission für die Schiffahrt?« abgaben-Vorlage wird noch immer die allgemeine AuSsprach« über Art, 1 fortgesetzt. Di« Kommission für die ReichS- Versicherungsordnung erledigte am Freitag da- Fünfte Buch (Beziehungen der Versicherung-träger untereinander und zu anderen Verpflichteten) und vertagte sich hierauf bis nächsten Donner-tag. Sehr schwierig gestalteten sich die Verhandlungen in der ReichStagSkommission, welche die Borlage zur Bekämpfung deS KurpsuscherwesenS berät, die- hauptsächlich infolge der auS dem Schoße der Kommission gestellten zahlreichen Abänderung-anträge. Vertagt aus unbestimmte Zeit hat sich die Kommission für die elsaß-lothringische Bcr- safsungsvorlage, weil die verbündeten Regierungen zunächst definitiv Stellung zu den einschneidenden Abänderung-beschlüssen der Kommission nehmen wollen.
Aus ]n- und Ausland.
Berlin, den 19. Februar 1911.
Nach den bisher getroffenen Dispositionen für die S ü d - landreise der Kaiserpaares sollen die drei Prinzen- Enkelsöhne, die seit der Abfahrt deS KronprinzenpaareS unter der besonderen Obhut der Kaiserin gestanden haben, ihren kaiserlichen Großeltern nach Korsu folgen. Dort ist auch für die erste Aprilhälfte der Besuch des Kronprinzen und der Frau Kronprinzessin in Aussicht genommen. Nach dem Osterfest dürfte dann, gemeinsam mit den jungen Prinzen, die Rückreise der kronprinzlichen Herrschaften nach Deutschland erfolgen.
Ein Vortrag des Kaiser- im Landwirt- schastSrat gab eine aussührliche Schilderung der Moorkulturtätigkeit auf dem kaiserlichen Gute Cadinen. Der Vortrag war mit feinem Humor gewürzt. So sagte er, neben den Meliorationsarbeiten sei sein Bestreben einhergegangen, die Viehhaltung zu verbessern. Er habe sich an Hagenbeck, gewendet, um eine Verbesserung der Milchproduktion aus Cadinen zu erreichen. Hagenbeck habe ihm geraten, KreuzungSversuche zu machen mit dem indischen Zebubullen, Zebu indicus major. Die Bezeichnung „major" gebe diesem Rinde aber nicht daS Recht, in die Gattung der Stabsoffiziere ausgenommen zu werden. Was auS den Kreuzung-versuchen herauS- gekommen ist, könne die Versammlung auf einem Bilde sehen, daS er zur näheren Besichtigung zur Verfügung stellte. Eine Photographische Ausnahme hätte er nicht mitbringen können, „da die Biester nicht zum Stehen zu bringen waren". Infolgedessen habe sein Porzellanmaler von der Majolikafabrik in Cadinen sich die Mühe genommen und habe die Eltern mit dem Kinde porträtiert. Dem von wiederholten Heiterkeitsausbrüchen unterbrochenen Vortrag« folgte allseitiger stürmischer Beifall.
Se. Majestät der Kaiser nahm heute den Vor- trag des Chess der Marinekabiyett-, Admiral- v. Müller, entgegen.
Gerüchtweise verlautet, die Reich-regierung plane, die nächsten allgemeinen Neuwahlen zum Reichstage erst im Jahre 1912 vornehmen zu lasten, und dafür den jetzigen Reichstag noch zu einer Herbstsession behufs möglichster Erledigung aller gesetzgeberischen Materien einzuberufen. Einstweilen handelt eS sich hierbei jedoch eben nur um ein unbestätigte» Gerücht.
Von amtlicher Stelle wird mitgeteilt, daß aus dem Schutzgebiet Kiautschau und von dem ostasiatischen Marine» detachement in Peking irgendwelche Nachrichten über das Vor» kommen von Pestfällen in diesen Bezirken nicht eingegangen find. — Hiernach ist die Lage im Schutzgebiet und beim Marinedetachement unverändert gut, so daß kein Anlaß zur Beunruhigung vorliegt.
Im Kongreß zu Washington war von dem Republikaner Bennet der merkwürdige Anttag eingebracht worden, diplo» matische Unterhandlungen wegen einer Annexion Kanadas durch die Vereinigten Staaten einzuleiten. Der für Auswärtige Angelegenheiten bestehende Ausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses (Abgeordnetenhauses) hat indessen den Antrag kurzerhand mit neun Stimmen gegen eine Stimme abgelehnt, womit er also abgetan ist. Dieser Ausgang der Sache ist jedenfalls im Interesse der Erhaltung guter Beziehungen zwischen der Union und England, als dem Mutterlande Kanadas, nur mit Genugtuung zu begrüßen.
Die Beziehungen zwischen Rußland und
Elfriede, als sie allein blieben, „bist du fleißig gewesen?"
Der Junge würd« verlegen.
„Ja, aber in Mathematik habe ich eine schlechte Nummer bekommen; ich soll in den Ferien Nachhilsestund«n haben."
„O weh, was wird der Vater sagen?"
„Er wird schelten. Aber Friedel, die Zahlen sind schrecklich, ich bin immer der Letzt« beim Rechnen."
Am Abend kam Baron Echorn zurück und begrüßte Gustav,
„Junge, Junge, dat g«ht nicht so!" sagte er verstimmt, „du mußt vorwärts kommen. Wo in aller Welt bekomme ich nun jemand her, der dir di« Weithrit ein- trichtert?"
Auch Baronin Marie wußte keine Hülse.
„Vater", sagte Elsriede, „ich hab« eine gute Idee!"
„Nun, heraus damit, Friedel!"
„Herr Ludolff ist ja Buchhalter und gewiß ein tüchtiger Rechner; frage ihn, ob er nicht kommen kann."
„Hm, da- wär« nicht so übel! Wat meinst du, Mariechen?"
Die Baronin war einverstanden.
„Bitte, laßt Emmy Ludolff auch kommrn", sagt« Elsriede. „Sie spricht gut englisch und französisch, ich nähme gern bei ihr Stunden."
„Auch da- ließe sich mach«n, und nebenbei wäre ei mir lieb, wenn ich den Kindern meine- alten Kameraden etwas Freundliche- erweisen kann."
„Väterchen, du bist goldig!"
Friedel umarmte den Vat«r stürmisch.
„Denke dir, sie find noch nie aus dem Lande gewesen, nur in Pankow im Sommer. Dort muß e- greulich sein! Ich hoff«, sie nehmen an."
„Schreib« du, Mariechen", sagte Schorn, „du verst«hst ei besser."
®o ging denn noch am selben Abend der Brief durch den Reitkn«cht ab, der ihn zur Post bracht«. — — —
ä91nu haben sich plötzlich einigermaßen b «drohlich zu- gespitzt. Von der russischen Regierung ist in Peking eine schars gehaltene Note übergeben worden, welche Beschwerden über die höchst mangelhafte Durchführung des russisch.chine» sischen Handelsvertrages von 1881 feiten» Chinas enthält. Die russische Note wirft China vertragswidrige Behandlung der russischen Handelsinteressenten in der Mongolei vor und zählt die vertragsmäßigen Rechte auf, welche Rußland in diesem großen chinesischen Grenzlande zustehen. Schließlich enthält die Note die ziemlich deutliche Drohung, daß Rußland sich volle Freiheit zur Wiederherstellung der von China verletzten BertragSrechte Vorbehalte, falls sich China weigern sollte, seinen Verpflichtungen gegenüber dem russischen Handel gerecht zu werden. ES heißt sogar, daß die russische Note den Charakter eines Ultimatum- trage, da mit der Besetzung der wichtigen chinesischen Grenzstadt Kuldscha durch russische Truppen gedroht wird. Indessen weist die Veröffentlichung deS wesentlichsten Inhaltes der russischen Note an China von informierter Peter-burger Seite noch nicht- von dieser angeblichen Drohung aus. Immerhin weiß „Reuters Bureau" in dieser Angelegenheit zu melden, daß Rußland zwar keine Erwerbung chinesischen Gebietes beabsichtige, daß aber wahrscheinlich doch russische Truppen an die chinesische Grenze dirigiert werden würden, wenn China nicht befriedigende Versicherungen in Petersburg abgebe. ES kommt nun zunächst daraus an, welche Haltung die chinesische Regierung in dem entstandenen Konflikt mit Rußland des weiteren einnehmen wird. UebrigenS glaubt man in chinesischen Kreisen, daß die starke Gereiztheit Rußlands gegen China aus die völlig ungenügenden Maßnahmen der chinesischen Regierung gegen die Pestepidemie in der Mandschurei zurückzuführen sei.
AuS Deutsch-Südwestasrikawird amtlich gemeldet, daß eine Bande bei AuroS Vieh gestohlen hat und sodann 6 Köpfe stark in der Richtung auf Sperling-puetz und GaobiS abgezogen sein soll. Einzelheiten konnten bisher weder durch die Schutztruppe noch durch die Polizei festgestellt werden. Aus englischem Gebiet liegen keine weiteren Nachrichten vor. Scharfe Beobachtung der Süd» und Ostgrenze des Schutzgebiet- ist eingeleitet. Gleichzeitig trifft eine Meldung des deutschen Generalkonsulats in Kapstadt ein, wonach dort über angebliche Bewegungen der Simon Copper-Leute keine Mitteilungen eingegangen sind. Es ist demnach zu hoffen, daß sich die ganze Angelegenheit aus einen einfachen Viehdiebstahl beschränkt.
Eine erschütterndeTrauerkundeautKamerun wird vom stellvertretenden Kaiserlichen Gouverneur durch eine soeben beim Reichskolonialamt eingetroffene telegraphische Meldung übermittelt: In Buca, am Sitze deS Gouvernements, hat der in der ersten Dienstperiode stehende Sekretär Kerner in einem Ansall von Geisteskrankheit den Bezirksleiter Biernatzky und den Sekretär Gnieß erschossen, die Sekretäre Nagel und Schnäbele leicht verletzt und dann sich selbst erschossen. Der Verlust von Biernatzky und Gnieß trifft die Kolonialverwaltung um so schwerer, als «r sich um Beamte handelt, die sich in langjährigem Dienste des Schutzgebietes Kamerun besonders bewährt hatten.
Ueber dieneuestenKämpfe der französischen Expedition-truppen im Wadailande mit den dortigen feindlichen Eingeborenen-Stämmen veröffentlicht jetzt dar Kolonialministerium zu Paris einen offiziellen Bericht. Ihm ist u. a. zu entnehmen, daß am 13. November v. I. ein Kamps der Kolonne des Hauptmanns Faure bei Sagond mit 700 Massaliten-Leuten stattsand, wobei der Feind einen Verlust von 200 Toten hatte; er floh schließlich in der Richtung aus Darfur. Nach einer dem Kolonialministerium zugegangenen späteren Meldung vom 1. Dezember war zu diesem Zeitpunkt in Wadai alles wieder ruhig.
Au- Kalkutta, 18. Februar, wird gemeldet: Der Kronprinz hat gestern in Sunderbunds auf Büffel gejagt. Im ganzen wurden zehn Tiere gesichtet, von denen der Kronprinz zwei, drei seiner Begleiter je einen erlegten.
Aus Provinz u. nachbargebiet.
* (Dir Haftpflicht der Vereine.) Eine Entscheidung von prinzipieller Bedeutung für alle Vereine hat das Reich-gericht in einer den Turnverein zu Pfaffenschwabenheim (Rheinhessen) angehenden Angelegenheit gefällt. Im Jahre 1908 hatte der Verein dat Gauturnfest de- Gaues Rheinhesten übernommen. Da- Fest wurde in der üblichen Weise durch Schießen von Böllern am Vorabend eingeleitet. Mit dem Abschießen war der Spengler Hörbrand betraut worden. Der Mann führte feine Tätigkeit au-, leider aber zersprang einer der Böller und der Spengler wurde furchtbar zugerichtet. Ein Arm wurde zerschmettert und mußte abgenommen werden, der Leib wurde ihm ausgerissen und monate-
In bet Kaiser-Wilhelmstraße in Berlin merkte man wenig von dem über Schornstätten verschwenderisch ausgestreuten Zauber bei Sommert. Grau und verstaubt sahen die Räume au-, und bei „Garten" Emmyt bot einen traurigen Anblick Die roten Blätter der Gerani«n, die gelben der Kresse ließen schlaff und trübselig die Köpse hängen trotz täglicher Pflege. ES war drückend heiß in den Zimmern, über denen das Blechdach bei Hause- lag. —
Frau Oberlehrer West war seit einigen Tagen mit ihrem • Söhnchen bei der Mutter. Margarete war klein und zierlich von Gestalt; niemand hätt« ei ihr zugetraut, daß sie so viel leistete. Bei vier Kindern und bei nur einem Dienstmädchen, bei einem sehr bescheidenen JahreSbudget war ei selbstverständlich, daß die Gattin und Mutter oft über ihre Kräste in Anspruch genommen wurde. Aber Frau W«st war eine jener mutigen Leben-kämpserinnen, die den Kops immer hoch halten, nie verzagen und sich dabei srisch und sröhlich erhalten im Bewußtsein, den Platz voll und ganz au-zusüllen, den Gott ihnen angewiesen, im Bewußtsein, ben Ihren alle- zu sein. Solche Frauen finden da- Süß« in jeber Blume und lassen da- Bittere zurück. Sie blühen litblich, obgleich sie im Schatten stehen und gönnen anderen die Sonne, die sich selten zu ihnen verirrt. —
„Mütterchen", sagte Frau West, „ich finde, Ernst sieht schlecht au-, und in der Nacht hörte ich ihn husten. Ist er nicht überarbeitet?"
„Ich finde er auch oft, mein Kind", entgegnete Frau Ludolff, „er ist gut, daß er bald seinen Urlaub antritt."
„Er müßte fort, irgendwo auf- Land, in ben Wald. Seit er vorigen Winter die Lungenentzündung hatte, gefällt er mir gar nicht."
„Ja, aber wie sollen wir aus- Land? Er kommt doch wied-r aus Pankow und unsere Laube Hinaur."
„Emmy ist auch bleich und sollte sort! Ach, Mutt«r, wie gern würde ich euch all« zu uni auffordern!"
(Fortsrtzung folgt.)