Geschäft-unkosten, kontraktliche Tantiemen 3619431,86 Mk., b) feste Vergütung an den Aussicht-rot 40000,— Mk., feste Vergütung an den Lokalausschuß 45 000,— Mk., Steuern 451 751,31 Mk., zusammen 4156183,17 Mk. Der aus den 7. März 1911 einzuberusenden Generalversammlung sollen 7 % Dividende, wie in den letzten 4 Jahren, vorgeschlagen werden. Aktiva und, Passiva balanzieren mit je 263 914 561,50 Mk. Gleichzeitig beschloß der Aussicht-rat, der Generalversammlung vorzuschlagen, dar Grundkapital von 50 000 000.— Mk. auf 60 000 000.— Mk. durch Ausgabe von 10 000 000.— Mk. neuer Aktien zu erhöhen. Diese Aktien sollen an der halben Dividende de- laufenden JahreS teilnehmen und von einem Konsortium unter Führung der Deutschen Bank, dem u. a. die Berliner HandelS-Gesellschast, die Nationalbank für Deutschland und die Commerz- und DiSconto-Bank angehören, zum Kurse von 1171/2% über- nommen werden mit der Maßgabe dir neuen Aktien den alten Aktionären im Verhältnis von 5 : 1 zum Kurse von 120 %, abzüglich 4% Stückzinsen bis zum 30. Juni cr. an- zubieten. Die Mitteldeutsche Privat-Bank, Aktiengesellschaft hat in den letzten 16 Jahren ihr Kapital nur einmal, und zwar im Jahre 1905, durch Ausgabe von 6 000 000.— Mk. junger Aktien, die den alten Aktionären zum Bezüge angeboren wurden, erhöht. Alle übrigen Emissionen erfolgten zum Zwecke der Uebernahme bestehender Banken und Bankfirmen. Die fortschreitende Entwicklung der ausgedehnten Geschäfts läßt es der Verwaltung wünschenswert erscheinen, da- verant- wörtliche Kapital gegenüber den wachsenden Verpflichtungen zu stärken. Nach Durchführung dieser Erhöhung wird das Aktienkapital mit Reserven 67 300 000.— Mk. betragen.
):( Hersfeld, 13. Februar. Die Firma Bg. Braun, Tuchfabrik, verkaufte ihr in der KlauSstraße belegeneS Wohnhaus Nr. 411, in welchem sich früher die Kontorräume befanden, nebst dem dahinter liegenden Fabrikgebäude an die Herren Gebrüder Limberger hier.
):( HerSfeld, 13. Febr. Am gestrigen Sonntag beging der Her-felder Radfahrer-Verein 1886 die Feier seine- 25jährigen Bestehens. Au- diesem Anlässe fand im Saale des Hotel zum Stern eine offizielle Frier nebst Festessen statt. Zu diesem hatten sich nachmittag- gegen 3 Uhr ca. 80 Personen vereinigt. E- nahmen daran die Vertreter der städtischen Körperschaften, der hiesigen und zahlreicher au-wärtiger Vereine sowie de- Gauvorstandes teil. Der Vorsitzende der festgebenden Verein-, Herr Hans Weidmann, begrüßte die erschienenen Gäste und erteilte dann dem Ehrenvorsitzenden der Her-felder Radfahrerverrins, Herrn Fabrikanten T r a u t v e t t e r, das Wort. Dieser gab in feiner Ansprache einen kurzen Urberblick über die Entstehung det Radsport- sowie der Gründung des Jubelvereinr. Seine Rede schloß mit einem begeistert ausgenommenen „All Heil" aus den Schirm- herrn des Friedens, Se. Majestät den Kaiser. E- sprachen sodann die Vertreter des Gauvorstande-, der auswärtigen sowie der hiesigen Vereine, und brachten dem Her-felder Radfahrer-Verein ihre Glückwünsche zur 25jährigen Jubelfeier dar. Von feiten des Vorstände- des Jubelverein- wurde Herrn Fabrikanten Trautvetter für seine Verdienste um den Verein sowie als dessen Mitbegründer ein silbernes Verein-abzeichen mit der Zahl „25" überreicht. Gegen 6 Uhr erreichte die offizielle Frier ihr Ende. Küche und Keller des Herrn Kniefe hatten wieder in der bekannt vorzüglichen Weise da- beste geleistet. Am Abend fand in der Turnhalle des Turnvereins zur Feier M Tage- große- Gala-Saal-Fest statt, welche- sich zu einem sportlichen Ereignis ersten Ranges gestaltete. Der weite Raum war dicht mit Zuschauern gefüllt. Mit dem flott gespielten Bunde-marsch der Fuldaer Artilleriekapelle wurde dir Festlichkeit eingeleitet, woraus Fräulein Henny Traut- Vetter mit einem Prolog die Gäste willkommen hieß. Diesem folgte ein von 12 Mitgliedern deS HerSselder Rad- jahrer-Vereins exakt au-gesührter Begrüßung-reigen, der allgemeinen Beifall fand. Namen- deS festgebenden Verein- hieß dann der Ehrenvorsitzende, Herr Trautvetter, die erschienenen Gäste willkommen und widmete ihnen ein dreifaches „All Heil". In ununterbrochener Reihenfolge wickelte sich dann da- umfangreiche Programm deS Abend- ab. Ein 6er Schulreigen deS Radsahrerverrin- „Adler"-Eschwege und ein prächtiger Schmuckreigen deS Radfahrervereins „Radsport"- Eschwege fanden stürmischen Beifall. Eine schöne AbwechS- hing der radsportlichen Leistungen bot daS Auftreten der Roll- schuhabteilung aus Bremen. Die drei Damen und Herren zeigten sich sowohl im Einzel- wie Paarlaufen aus der Höhe dieser noch jungen Kunst und ernteten lebhaften Beifall für ihre graziösen Darbietungen. Ein 6er Kunstreigen det JubelvercinS ver- dientganz besondereünerkennung. Wahrhaft erstaunlicheLeistungen vollsührten zwei Göttinger Herren, welche sich alS Kunstfahrer auf dem Niederrad produzierten. DaS am Bormittag bereits begonnene Radballspiel wurde abend- zwischen Mannschaften eine- Göttinger und eines Eschweger Verein- fortgesetzt und gestaltete sich in seinem Verlause sehr interessant. In dem dann folgenden Entscheidungsspiel ging der Göttinger Verein mit dem ersten Preise hervor. Ein Wettlaufen der Rollschuhmannschaft beschloß die bunte Reihenfolge des Gebotenen. ES schloß sich dann hieran die Preisverteilung. Erste Preise erhielten Radfahrerverein „Radjport"-Eschwege für einen 8er Schmuckreigen, Radsahrerverrin „Adl«"-Ejchwege für einen 6er Kunstreigen. Im Radballspiel wurde dem Radfahrerverein „Möve"°Köttingen der 1. PreiS, „Radsport"» Eschwege der 2. und „Adler"-Ejchwege der 3. PreiS Anerkannt. Für im vorigen Jahre von den Mitgliedern deS JubelvereinS gefahrene VereinS-PreiStouren erhielten die Herren HanS und Ferd. Weidmann, Chr. Apel, Gras, Gerlach und Hirschhäuser je einen PreiS. Auch den Damen und Herren der Bremer Rollschuhabteilung wurden für ihre vorzüglichen Leistungen wertvolle Anerkennungen überreicht. Ein Festball, der sich bis zum frühen Morgen ausdehnte, beschloß die in allen Teilen wohlgelungene Feier.
):( Hersfeld, 13. Febr. Gesellenprüfungen i m Schneiderhandwerk für den PrüsungSbezirk Hersseld finden Anfang April statt. Gesuche um Zulassung sind unter Beifügung eines selbstgeschriebenen LebenSlauseS, Zeugnis deS Lehrherrn, Zeugnis der Fortbildung-- oder Volksschule und eines LehrvertrageS bis zum 10. März an den Vor- sitzenden deS Prüfungsausschusses Schneiderobermeister Conrad Vogel portofrei einzusenden.
):( HerSfeld, 13. Febr. In der Nacht von Samstag aus Sonntag, gegen 3 Uhr morgens, wurde durch einen Beamten des Wach» u. Schließ-Jnstituts in der Mansarde einer Hauses am Ncumarkt ein Rohrbruch entdeckt. DaS Wasser hatte bereit- schon in zwei Stockwerken die Küchendecken durchnäßt. Durch die Aufmerksamkeit des Beamten wurde der Hausbesitzer vor noch größerem Schaden behütet.
):( HerSfeld, 13. Februar. Von einem Freunde unsere! Blattes wird uns solgendeS Stückchen mitgeteilt: Als sich d" Personenzug, der nachtS gegen 12 Uhr in Fulda eintrifft, Fischen den Stationen Salzschlirs und Großenlüder befand, hörte der Herr, wie in einem Nebenkoupee verschieden« in
animierter Stimmung sich befindende junge Leute, wie sie einen derselben aufforderten, sich dsch mal an das „Ding da oben" zu hängen. Plötzlich gibt es einen Ruck und der Zug steht auf offener Strecke. Einer der jungen Leute hatte sich an da- „Ding" gehangen und die Notbremse gezogen. Der Spaß wird der übermütigen Gesellschaft doch wohl etwas teuer zu stehen kommen.
Nipp«, 11. Februar. HauS Nippa, der schöne HerrschaftS- sitz, welcher im vorigen Jahre durch Herrn Kämmerer an ein Kasseler Konsortium verkauft wurde, ist jetzt mit einem großen Teil Areal, welcher zum Bau der beiden Schachtanlagen erforderlich ist, an die Gewerkschaften HeimboldShausen und RanSbach weiterverkauft worden. Die Wohn- und sonstigen Gebäulichkeiten werden für Bramten-Wohnungen nutzbar gemacht.
Heimboldshausen, 11. Februar. Für die Schachtanlagen der Gewerkschaften HeimboldShausen und RanSbach treffen jetzt täglich Maschinen und Materialien ein. Dieser Tage ging vom hiesigen Bahnhos der Transport eines mächtigen Dampfkessel- vor sich, zu dessen Transport zeitweise bis zu 14 Pferden erforderlich waren. Der Koloß liegt jetzt glücklich an Ort und Stelle.
Fulda, 8. Februar. Die Stadtverordneten haben in ihrer letzten Sitzung beschlossen, allen mindesten- ein Jahr in hiesiger Stadt wohnenden Veteranen, deren Einkommen 1200 Mark nicht übersteigt, ein Ehrengeschenk von je 30 Mark zu überreichen. Die Ueberreichung soll am 10. Mai erfolgen, dem 40. Jahrestag des Friedens von Frankfurt.
Allendorf, 9. Febr. Ein 17jährige- Mädchen, daS bei einem Tanzvergnügen aus den Kopf gefallen war, klagte seitdem über Unwohlsein. Jetzt ist da- Mädchen plötzlich gestorben, als TodeSurjache wnrde eine durch den Sturz hervorgerufene Gehirnerschütterung festgestellt.
Cordach, 10. Febr. Durch Uebersahren um- Leben gekommen ist der Bierkutscher Tausch in der Kiliansbrauerei in der Nähe von Obernburg. An einer abschüssigen Stelle rutschte der Wagen zur Seite und T. geriet unter ihn. Er wurde überfahren und getötet, T. ist gebürtig aul Buchenberg.
Arnsberg, 8. Febr. Vor 55 Jahren ist ein Arbeiter Bräutigam aus dem benachbarten Orventrop wegen DiebstahlS einer Geldrolle, einer sog. Goldpistole, im Werte von 11 Talern 10 Silbergroschen zu 6 Monaten Gefängnir verurteilt worden, da da- Gericht ihn trotz feiner Unschuld-beteuerungen für übersührt ansah. Bräutigam hat denn auch feine Straff verbüßt. Jetzt, nach dieser jahrzehntelangen Zeit, ist seine Unschuld durch eine Beichte an den Tag gekommen. Der alte Mann erhielt ein Schreiben des PsarrerS von Freienohl, in dem der Pfarrer ihm mitteilte, daß er als Beichtvater von einer mit Namen bezeichneten Person ermächtigt worden sei, diese als den ehemaligen Dieb zu nennen. Die erbetene Verzeihung wurde von dem unschuldig Verurteilten gewährt; strafrechtlich ist die Schuld de- wirklichen Täter- längst verjährt, der Richter findet also hier nicht die Arbeit dr- Wiederaufnahmeverfahren-.
Ueber be« Unfall des Unterseebootes „U r, welcher sich, wie erinnerlich, am 18. Januar d. J. ereignete, ist uns ein Bries eines Augenzeugen in liebenswürdiger Weise zur Verfügung gestellt worden. Der Brief- schreiber dient als Unteroffizier auf dem Unterseeboot „U 1" und schildert da- Unglück deS „U 3" in einem Schreiben an seine Angehörigen wie folgt: Kiel, den 21. 1. 1911. Liebe Eltern und Geschwister! Vor allem sende ich Euch viele Grüße, und teile Euch mit, daß ich noch gesund bin, trotzdem ich letzten Dienstag in naher Verbindung mit dem sehr großen Unglück stand, welches da- erste für Unterseeboote in der deutschen Marine ist. E- war alles in Zeit von Sekunden, als da- Boot U 3 sank. Wir fuhren mit U 3 zusammen heraus zu Tauchübungen. U 3 sollte zuerst tauchen, dann wir. Ich stand an Deck bei uns und sah wie U 3 die Wassertanks voll Wasser ließ. Durch ein Versehen oder durch irgend einen Konstruktionsfehler kam erst ganz wenig, dann, als daS Boot unter der Oberfläche des Wassers war, plötzlich da- Wasser in Strömen herein, sodaß innerhalb 10 Minuten die Maschine und sämtliche hinteren Räume verlassen werden mußten. Alle Mann bis auf den 1. Offizier und den Rudergänger waren im vordersten Raum zusammen gedrängt. Auf einmal hnß eS, daß noch 2 Mann im Turm seien. Da ist der Kommandant nach dem Turm, konnte aber nicht wieder zurück nach dem vorderen Torpedoraum. Infolgedessen waren die drei im Turm eingeschlossen. Das ganze Boot war voll Schwefel und Clorgase von den Akulumatorzellen, sonst würden sie gleich erstickt fein. DaS Heben des BooteS dauerte etwa- zu lange und die Luft in dem kleinen Turm wurde in der Länge der Zeit zu schlecht und die 3 Helden sind langsam erstickt. BiS abend- 8 Uhr haben diese noch Lebenszeichen von sich gegeben. Wie die Gesichter nach der Bergung ausfahen, kann ich Euch nicht beschreiben. Aber jeder faß auf seinen Posten, verzerrt in Todesangst. Die 28 Geretteten sind sämtlich auS dem vorderen Torpedolanzierrohr herausgeholt worden, aber Alle waren schon von den giftig n Gasen schlapp und ohnmächtig. Ein Retter ist ja auch, ohnmächtig geworden. Ihr könnt Euch gar nicht Vorsteven, wie diese Gase auf die Lunge wirken. Ein Atemzug genügt, um uns zu vergisten. Aber Alle sind wieder im Dienst. Prinz Heinrich war an der Unfall stellt und sämtliche Admiräle. Gestern war Leichenparade von der Kirche aus. So etwas hat Kiel noch nie gesehen. Ich mußte gleichsalls, wie alle Unteroffiziere von Unterseeboot U 1 und 3, den Kommandanten tragen, die anderen Unteroffiziere den Leutnant. Der Matrose wurde in Kiel begraben. Der Kommandant kam nach Darmstadt, der Leutnant nach Berlin. Die Kirche war 1 Stunde vom Bahnhof. Da war erst eine Ansprache in der Kirche, wo nur UnterseebootSbesatzung und Offiziere waren. Dann wurden die vielen Kränze von un- hinausgetragen und dann die Särge. Auf dem Vorplatz der Kirche standen noch mindesten- 2Ö0 Offiziere. Auch Prinzen nnd Prinzessinen waren im Gefolge. Die Särge wurden unter gedämpftem Trommelschlag auf die Leichenwagen gesetzt. Eine Ehren- kompagnie präsentierte die Gewehre. Er waren mindesten- für 2000 Mark Kränze. Vom Kaiser und der Kaiserin war ein herrliche- Kreuz au- frischen Blumen, dies sah kostbar ouk, mit echt seidener Schleife umwunden, auf der die Namen standen. Dann fetzte sich der Zug in Bewegung nach dem Bahnhof zu. Zuerst kam die Ehrenkompagnie, dann kam der erste Leichenwagen, 4jpännig, dann kamen wir als Träger, daraus der 2. Leichenwagen, sodann die Angehörigen der Verunglückten nebst den hohen Herrschaften und sämtlichen Marineoffizieren. 20 Kriegervereine mit Fahnen, sowie von jedem Truppenteil und Kriegsschiff ein Trupp Soldaten schloffen sich an. Dies war ein Leichenzug, wie Ihr wohl noch keinen gesehen habt. 2 Regiment-kapellen, Spalier von Zuschaucrn, Tausende von der Kirche bis zum Bahnhof, aber
dicht gedrängt. Die Schutzleute mußten oifperrm, so voll war eS. Am Bahnhose wurden die Särge in die Wagen gehoben und auch die Kränze, der ganze Eisenbahnwagen war voll davon. Dann schoß die Ehrenkompagnie eine scharfe Salve, der große und schwere Tag war zu Ende. Genau 40 Jahre nach Gründung deS Deutschen Reiche- in Versailles am 18. Januar 1871 hat sich dieser Unfall zugetragen. Wenn U 1 in dieser Lage gewesen wäre, wie U 3, so wären wir alle innerhalb einer halben Stunde schon erstickt, weil unser Boot nicht so modern eingerichtet ist wie U 3.
Vermischtes.
— Ein Mißverständnis löste dieser Tage im Verhandlungssaale des Amtsgerichts Greußen (Kreis Sonder-» Hausen) große Heiterkeit auS. In der Prozeßangelegenheit eines HöndlerS im Hessischen war der Sohn zur Benehmung geloben worden. Als der etwa 14 Jahre alte Junge bei seinem Ausruf im Saale erschien, brach ein unbändiges Gelächter lo-, und selbst der R chter hatte große Mühe ernst zu bleiben. Der schmächtige Körper de- Zeugen verschwand fast unter einem langen Gehrock, der bis auf die mit großen Stiefeln bekleideten Füße herabfiel. Von gleichem Umfange waren die Hosen, der Kragen und der unförmliche Hut. Außerdem trug der sonderbare Zeuge einen gewaltigen Stock in der Hand. Aus die Frag« de- Vorsitzenden, wie er sich unterstehen könne, in einem solchen Auszüge vor Gericht zu erscheinen, meinte der Junge schüchtern, das stände doch in der Ladung vorgeschrieben. Allgemeine- Erstaunen ! Der Kleine aber schürzte den langen Aermel zurück und suchte eine Weile eifrig in den tiefen Taschen herum, bis er endlich ausatmend dir Ladung zum Vorschein brächte und mit triumphierender Miene auf die Worte zeigte: „In Sachen Ihres Vaters!"
— (Das Dienstbuch der Ehefrau.) Aus Thüringen wird der „Franks. Ztg." folgendes Geschichtchen erzählt: In Apolda hatte sich ein Ehepaar scheiden lassen. Bei der Auseinandersetzung von „Mein und Dein" war, wie das „Apoldaer Tageblatt" schreibt, daS Dienstbuch vergessen worden, da- die Frau wegen der wertvollen Zeugniss« nachträglich einfordern ließ. Sie war nicht wenig erstaunt, als sie sah, daß ein neues Zeugnis hinzugekommen war, das — der frühere Ehemann ausgestellt hatte. „Inhaberin angenommen als Frau," so hieß eS in der ersten Spalte. Als Grund des Dienstau-tritt- war angegeben: „Unwillkürlich auSgerissen. Erste Zeit zufrieden, dann langsam und faul und mit den Kindern ungezogen, mißhandelt." Nun wird die Frage aufgeworfen, ob der Ehemann, der allzu sehr nach dem bekannten Bibelwort „Er soll dein H«r fein . . ." gehandelt, sich nicht strafbar gemacht hat.
— (Gattenliebe.) Zu einem Zahnarzt im Münsterlande kommt ein Bauer „Gu'n Dag, Här Doktor! Ick wull mi'n Tann trecken laoten." Dann setzen Sie sich mal und lassen Sie mal sehen! Wo sitzt er denn? Oben oder unten ? „Aoh, bat i! ganß eendohn. Trecken Se män eenen!" „Ja, welcher soll's denn sein?" Och, bat kümp d'r nich üm. Trecken Se män eenen." Der Zahnarzt untersucht das lückenlose Gebiß und kann mit dem besten Willen keinen schadhasten Zahn entdecken. Seine darauf bezüglichen Einwendungen beantwortet der Bauer stereotyp mit: „Aoh, trecken Se män eenen!" „Soll-'- denn dieser sein?" „Jau, den trecken Se män!" Mit Auswendung nicht geringer Kraft gelingt die Operation bei dem sonderbaren Patienten, und sroh ob der überstandenen Anstrengung atmet der Zahnarzt auf: „So, nun sollen Sie wohl Ihre Zahnschmerzen los sein!" „Jä," erklärt ihm da der Bauer, „de heww' ick auck gar nich hatt; aowwer usse Libbeth, wat mine Frau is, da hätt so wahne Tannpiene, und wiel se so 'ne Angst vüör't Tiänetrecken hätt, sin ick äß t'erst loßgaohn und wull äß seihn, wu weh bat wull döht. Män — bat kann m' ja nao wull uthollen!" (Guckkasten.)
— Ratibor, 9. Februar. Der Föster Wiesel« stieß im Bandziner Gelände mit zwei Wilderern zusammen, von denen einer auf den Förster anlegte. Dieser kam jedoch dem Zielenden zuvor und tötete ihn durch einen Schuß. Der Komplize wurde ergriffen, verweigerte aber die Angabe seines Namens. Als später eine Kommission eintraf, war die Leiche des Erschossenen fortgeschafft.
Cctztc Nachrichten.
Berlin, 12. Febr. Durch die Verhaftung eines vor zehn Jahren auS dem Dienst entlassenen auS Danzig gebürtigen Postassistenten, ist ein abgefeimter Postanweisung-schwindel aufgeklärt worden, bei dem dem Schwindler 8500 Mark zur Beute fielen.
Newyork, 12. Febr. Eme neue Lenkballonfahrt über den Atlandijchen Ozean plant WellmannS Ingenieur Vaniman. Er will Anfang Juli von Cmclnattr aus zur Ucbe,querung des Ozeans abfliegen. Die Kosten schätzt er auf 280 000 Mark, die von einer Gruppe von Finanzleuten garantiert werden. ___________
Newyork, 12. Febr. In der Nacht zum Sonntag geriet ein Kaushaus in Brocklyn in Brand. Tausende von Frauen und Verkäuserinnen stürzten in wilder Hast die Strippen hinunter und rollten zu Knäueln geballt auf die Straße. Ob Verluste an Menschenleben zu beklagen sind, ist noch nicht festgestellt.
Eingesandt.
Betrifft Haltest eile Herifeld-Süd.
Dienstag Nachmittag 4 Uhr soll durch die zuständigen Behörden in Gemeinschaft mit den Interessenten eine Besichtigung der in Vorschlag gebrachten Plätze für die Haltestelle vorgenommen werden. Bei dieser Besichtigung wird wohl die endgültige Entscheidungsallen, an welchen PlatzdieHattestelle kommen wird. ES bedars nun wohl keiner großen Belehrung mehr, daß der Platz hinterm alten Bezirk-kommandogebäude der geeigneteste ist und den Reisenden und Arbeitern aus der Aula und Schlitz« Gegend nur von diesem Platze aus eine bequeme Erreichung der Stadt bezw. ihrer Arbeitsstätte geboten wird. Pflicht eines Jeden, der Interesse an der Sache hat, ist es nun, zu dem Termin am Platze zu sein und möchten wir auch die Einwohner der Ortschaften der Aula und Schützer Gegend bitten, Ihr Interesse durch zahlreiches Erscheinen zu bekunden.
Mehrere Interessenten.