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herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage'

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 16.

Dienstag, den 7. Februar

1911.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 2. Februar 1911.

Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden des hiesigen KreiseS erinnere ich an Erledigung meiner Setfügung vom 3. Januar 1899 I. A. Nr. 24 im Kreisblatt Nr. 3, Berich­tigung der Liste der Gemeindeglieder und sonstigen Stimm­berechtigten sowie Offenlegung der Wählerliste betreffend, m i t Frist biS zum 10. d. MtS.

I. A. Nr. 707. Der Landrat

von GruneliuS.

HerSfeld, den 2. Februar 1911.

Der Bürgermeister Heinrich Schade in Allmershausen ist am 28. Dezember 1910 als solcher für einen weiteren acht­jährigen Zeitraum wiedergewählt worden.

Ich habe diese Wiederwahl heute bestätigt.

A. 671. II. Ang. Der Landrat

von GruneliuS.

Hersfeld, den 2. Februar 1911.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher deS KreiseS ersuche ich, die BetriebSsteuer-Rollen bis spätestens zum 20. d. Mts. einzureichen.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veranlagungskommission.

Nr. 349. von GruneliuS.

Hn der Königlichen Lehranstalt für Mein-, Obft- und Gartenbau zu Geieenheim a/Rhein finden im Jahre 1911 solgrnde Unterricht-kurse statt: 1. Reb- lauSkursuS vom 16. bis 18. Februar, 2. ObstbaukursuS vom 16. Februar bis 8. März, 3. BaumwärterkursuS vom 16. Februar bis 8. März, 4. Obstbaunachkursu» vom 17. bis 22. Juli, 5. BaumwärternachkursuS vom 17. bis 22. Juli, 6. ObstverwertungSkursuS für Frauen vom 31. Juli bis 5. August, 7. ObstverwertungSkursuS für Männer vom 8. bis 19. August, 8. Analyienkursus vom 1. bis 18. August, 9. HefekursuS vom 14. biS 26. August.

DaS Honorar beträgt für KursuS 1 nichts, für KursuS 2 und 4: für Preußen 20 Mk., für Nichtpreußen (auch Lehrer) 30 Mk. Preußische Lehrer sind frei. Personen, die nur am Nachkursus (Nr. 4) teilnehmen, zahlen 8 Mk., Nichtpreußen 12 Mk.; für KursuS 3 und 5: Preußen sind frei, Nicht­preußen zahlen 10 Mk., und wenn sie nur am Nachkursus (Nr. 5) teilnehmen, 5 Mk.; sür KursuS 6: für Preußen 6 Mk., für Nichtpreußen 9 Mk.; für KursuS 7: für Preußen 10 Mk., für Nichtpreußen 15 Mk.; für KursuS 8 und 9: für Preußen je 20 Mk., für Nichtpreußen je 25 Mk.. wozu noch 20 Mk. für Gebrauchsgegenstände und 1 Mk. für Bedienung kommen.

Anmeldungen sind zu richten, bezüglich der Kurse

Roman von E. v. W i n t e r s e l d - W a r n o w.

(Fortsetzung.)

Leonie und Eteinmeister brachten Förster Erdmann bald inS Leben zurück, und mit seligem Lächeln lag er still da. Aber die Lebenskraft war zu schwach. Sie hatte die Auf­regung nicht ertragen. Der herbeigerufene Arzt sah ernst aus. Er nannte keine direkte Krankheit, aber er gab auch keine Hoff­nung. In der Nacht, als Leonie an feinem Bett saß, tastete des Vater- Hand nach der ihren.

Nun sterbe ich gern, meine Lonny, ich hinterlasse keinen befleckten Namen, er ist wieder rein geworden. Nun ist auch die Zeit im Kerker nur eine Prüfung für mich gewesen. Ich trage dir nichts nach. Im Gegenteil, ich danke dir für da- letzte schöne Jahr, für all deine Liebe, meine Lonny! Auch dafür, daß ich hier in meinem Walde sterben konnte."

Sprich nicht so viel, Vater", bat Leonie,e- greift dich an."

«WaS tut da- ?" lächelte er.Zu End« ist'- nun doch. Und ich bin nicht bang« davor. Gott hat ei doch noch gut mit mir gemeint!

Er lag eine Weile ganz still.

Dann fing er leise wieder an.

Leonie, scheint der Mond? Zieh die Vorhänge au-ein- ander kann man den Wald sehen?"

Ja, Vater, eS ist Mondschein!"

Sie schob die Vorhänge beiseite, und das Mondlicht flutete hell in den Raum. Draußen standen die Tannen im Schweigen der Nacht und hoben sich scharf ab gegen den lichten Glanz.

Noch einmal hob sich Förster Erdmann, wobei Leonit ihn stützte, um hinauszublicken.

»Mein Wald!" hauchte er leise. Die welken Lippen konnten die Worte kaum noch formen.

Dann legte er sich zurück.

2 biS 7 an die Direktion der Kgl. Lehranstalt, bezüglich deS KursuS 8 an den Vorstand der önochemischen Versuchsstation und bezüglich det KursuS 9 an den Vorstand der pflanzen- physiologischen Versuchsstation.

Wegen Zulaffung zum ReblauSkursuS (Nr. 1) wollen sich Preußen an den Herrn Oberpräsidenten der Provinz ihre» Wohnsitze-, Nichtpreußen an ihre Landesregierung wenden.

Weitere Auskunft ergeben dir von der Anstalt kosten­frei zu beziehenden Satzungen.

Der Direktor

Prof. Dr. W o r t m a n n, Geh. Reg.-Rat.

* »

HerSfeld. den 2. Februar 1911. Wird veröffentlicht.

I. 12871. Der Landrat.

3. «.:

Wesfel, Kreissekretär.

Ein Teil bei

Gemeindeweges an der Neustadt soll eingezogen und verkauft werden, Karten- blatt 5, Parzelle 145/107, 36 qm, daselbst Kartenblatt 5, Parzelle 95, 27 qm.

Nach Vorschrift bei § 57 bei ZuständigkeitSgesetzeS vom 1. April 1883 wird dies mit der Aufforderung bekannt ge­macht, daß Einsprüche hiergegen binnen 4 Wochen bei Meidung deS Ausschlusses bei der unterzeichneten Behörde geltend zu machen sind.

Heimboldshausen, den 4. Februar 1911.

Die Wegeyolizeibehörde.

B r a n d e n st e i n.

nichtamtlicher Ceil.

Iie Wulf her WertMaWeiler.

Am letzten Mittwoch hat der Reichstag mit großer Mehr­heit die Wertzuwachssteuer in der Schlußabstimmung an­genommen. Die Majorität war diesmal nicht dieselbe wie bei der Finanzreform; nicht der sogenannte schwarz-blaue Block, sondern sie fetzte sich auS allen bürgerlichen Parteien zusammen. Für daS Gesetz stimmten nationale und wirt­schaftliche Vereinigung geschlossen, Konservative und ReichS- Partei mit wenigen Ausnahmen, die Mehrheit deS ZentrumS und ein Teil der Fortschrittlichen VolkSpartei, dagegen die Minderheit deS ZentrumS, ein anderer Teil der Fortschrittlichen VolkSpartei, einzelne Abgeordnete der Rech.en und die Sozial- demokraten; die Polen enthielten sich der Abstimmung.

Die WertzuwachSsteuer beruht bekanntlich auf der Initiative bei Reichstages, aus einer einstimmig angenommenen

Gute Nacht, Lonny ich will schlafen!"

Sie saß an dem Rande bei BetteS, sie hielt seine Hand. Regungslos saß sie, um ihn nicht zu stören. Kein Weinen, kein Schrei sollte ihn zurückrusen, in daS Leben, daS ihm Schweres, aber zum Schluß doch noch die Erlösung von allem Leid gebracht.

So schritt die Nacht vor.

DaS Mondlicht draußen verblaßte. Die Hand, die in Leoniek Händen lag, erkaltete. Sie saß noch immer unbeweglich. Erst als die Lampe knisternd verlosch, erhob sie sich mit ganz erstarrten Gliedern. Nun war auch dieser Lebensabschnitt zu Ende.

Vorbei daS friedliche, stille, glückliche Dasein! Er hatte ihr gedankt, daß sie ihm diese Zeit noch verschönt habe durch ihre Pflege. Oh und sie dankte Gott, daß er eS ihr ver­gönnt hatte, diese Zeit zu erleben!

Nur zu kurz, viel zu kurz war sie gewesen. Sie hätte ihn ja noch so gern behalten, er war noch so notwendig für ihr Glück!

Und nun kam der Schmerz über sie. Nicht wild und leidenschaftlich und verzweiflungSvoll, aber tief und heiß.

Er löste sich in Tränen. Aber dieses Weinen zerriß nicht ihr Herz wie damals der wahnsinnige Schmerz nach deS BaterS Verurteilung. Diese Tränen flossen um einen Ver­klärten.

Sie hatten beide ihren Frieden gesunden.

Jahre sind vergangen!

Der große AnstaltSgarten deS städischen Krankenhause- liegt im hellen Sonnenschein, und eine Schar von Kindern spielt da, sich haschend und suchend. Einige au» der Schar können nicht mitspielen und mittollen. Sie müssen noch still* sitzen, sie sind noch nicht so weit in der Genesung wie ihre kleinen Genossen. Dirt ist die Kinderabteilung des Krankenhauses; eine pflegende Schwester steht zwischen ihnen.

Sie ordnet sie, sie lehrt sie kleine Spiele, sie pflückt ihnen Blumen, und besonders für ein kleine-Mädchen, da-im Fahr-

R'folution in der Finanzkommission, die Verbündeten Re­gierungen um Vorlegung eine- Wertzuwach-steu«rgesetze- zu ersuchen. Trotz diese- einstimmigen Beschlusse- hat die Durchdringung der Vorlage noch langwierige Verhandlungen und ziemlich heftige Jntereffenkämpse gekostet. Die Schwierig­keit den verdienten und unverdienten Wertzuwachs au-- einanderzuschälen, bot eine bequeme Handhabe für alle möglichen Verbesserung-- ober Verschlechterung-versuch«, und daS Gesetz ist denn auch nicht ganz ohne Schaden au- bet immer erneuten Siebung herausgekommen. Der Wunsch, di« einzelnen Interessen, feien ei landwirtschaftliche, seien ei gewerbliche, zu berücksichtigen, den Forderungen der Weinbauer, der KappeS-Bauern, der Bauhandwerker, der Festung-städte und, wa» sich sonst noch an Interessenten hervortat, Rrchnung zu tragen, hat zu manchen bedauerlichen Abschwächungen geführt. Immerhin bebeutet daS Gesetz einen wesentlichen und bedeutsamen Schritt in der Fortentwicklung untere« Reich-besteuerung, namentlich dadurch, daß hier eine Steuer aus den Besitz geschaffen ist, die, ohn« in die Rechte der Emzel- staaten einzugreisen, einer weiteren Entwicklung fähig ist.

Der Gedanke, den unverdienten Wertzuwachs in Grund und Boden zu besteuern, ist noch nicht alt, er hat zum erstenmal in Frankfurt a. M. 1904 seinen Ausdruck gefunden, sodann 1909/1v10 in der englischen Gesetzgebung, und nun­mehr wird ihm auch in den Finanzen des Deutschen Reiche- sein bleibender Platz angewiesen. Erst im Laufe der Jahr« wird sich Herausstellen, wie er diesen Platz au-zufüllen ver­mag. Schon jetzt wird man mit Sicherheit sagen könnrn, daß die Steuer in den ersten Jahren nur geringe Erträge bringen wird, weil ei eine geraume Zeit dauert, bii die Veranlagung durchgesührt ist. Di« Erfahrungen der Gemeinden beweisen aber, daß ei sich um eine Abgabe handrlt, die im Laufe der Jahre, besonder-* beim Aufsteigen der Konjunktur, einer guten Entwicklung fähig ist. Möge ei sich auch bei der Reichssteuer bewähren und sie einen Teil dazu beitragen, die Wiederkehr der Finanznot früherer Zeiten zu verhindern.

Abgeordnetenhaus.

Im Abgeordnetenhaus« nahm am Sonnabend die allge­meine Besprechung bei Justizetats ihren Fortgang. Sie be­wegte sich, nachdem Abg. Strossen (kons.) mit dem Abg. Liebknecht abgerechnet hatte, in rein juristischem Fahrwasser. Auch wurde wieder von mehreren Rednern dir Vorbildung unserer jungen Juristen, die Vermehrung der Richterstellen, die segensreich« Tätigkeit der Jugendgerichte und andere- mehr ausführlich erörtert. Der Freispruch im Prozeß Schröder wurde als geeignet bezeichnet, bai Vertrauen zu unserer Recht-pflege zu festigen. Die Verteidiger in den Sensation-prozessen er­hielten auch heute von einem Kollegen, dem Abg. Bell (Z.), ihr TadclSvotum; freilich machte er darauf aufmerksam, daß der Angeklagte keinesfalls unter den Verfehlungen fein-- Ver­teidiger- leiden dürfte. Der Justizminister beschränkte sich aus

stuhl liegt, sorgt sie liebevoll und rührend. Die kleine, gedul­dige Frida ist ihr besonderer Liebling. Da- arme Dingelchen hat schon seit zwei Jahren nicht mehr gehen können, ei hat Hüstenlähmung, und jetzt soll im Krankenhause eine lang­wierige Kur versucht werden, von der man sich aber Befferu..g verspricht. An biefem Fahrstuhl steht die Schwester am häufigsten.

Sie freut sich immer, wenn es ihr gelingt, «in Lächeln c. s die blassen Lippen bei Kinder zu zaubern, aber die anb.un lassen sie meist nicht allzulange dort. Man ruft sie hierhin und dorthin.

Sie hat für jeden ein offene- Ohr, für jeden ein freund­liche- Wort, für alle kleinen Nöte und Leiden Trost und Hilfe. Und dabei strahlt ein glückliches Leuchten aus den schönen Augen, daß ihre kleine Schar niemals das Gefühl überkommen kann, als wären eS der Wünsche zu viel, al- fiele ei ihr mit­unter schwer, allen, allen Bitten gerecht zu werden. Im Gegen­teil, jedcS hat daS Gefühl, besonder- geliebt zu werden. Wie hängen sir aber auch an ihrer Pflegerin! Wie strahlen all« dir Kinderaugen, wenn sie kommt! Wir leicht und sanft ist ihre Hand, wenn sie sich aus ein fieberheiße» Köpfchen legt! Wie füß ihre Stimme, wenn sie ein müde- Kind in den Schlaf singt! Wie hell leuchten ihre Augen, wenn sie den Kindern Märchen und Geschichten erzählt I Einmal sollte sie auch in der Apotheke verwendet werden. Sie studierte dafür und ver­stand ihren Posten wohl auszufüllen. Aber lange hielt sie ei nicht auS. Die Sehnsucht nach ihrem Kinderheim war zu groß. Nachdem sie ein halbes Jahr in der Apotheke gewaltet hatte, bat sie um Ablösung und meldete sich wieder für die Sinder- abteilung.

Dieses war ihr Feld. Hier war sie glücklich. War sie denn äußerlich noch die alte Lonny? Nein! Die Schwester Leonie, deren Antlitz so mild und freundlich auS dem weißen Häubchen heroorschaute, war älter geworden. Ihre Züge hatten scharfe Linien bekommen durch manche schwer« Pflege. In ihr Haar zogen sich einzelne weiße Fäden von mancher Nachtwache, und die stolze Gestalt, deren königlicher Gang «inst so virle entzückte, kommt im einfachen EchwefternAelde kaum noch zur Geltung. Und doch, w«r einmal in diese