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herrMer Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprsch-Anschluh Nr. 8
Nr. 15.
Sonnabend, den 4. Februar 1911.
Amtlicher teil.
Hertseld, den 2. Februar 1911.
Im vustrage deS Herrn RegierungS-Präsidenten wird die Abhaltung der ViehmarkteS in hiesiger Stadt am 7. d. Mtr. auS veterinärpolizeilichen Gründen untersagt.
I. 1442. Der Landrat
von GruneliuS.
HerSseld, den 1. Februar 1911.
Im Monat Januar d. J-. sind diesseits den nachbenannten Persönlichkeiten Jagdscheine erteilt worden:
A. Jahresjagdscheine:
a. entgeltliche:
am 2/1. dem Königlichen Hauptmann Bey« in HerSfeld,
„ 3/1. „ Gastwirt Heinrich Eichmann in MengShausen,
„ 12/1. „ Occonomen Fritz Zobel in HerSfeld,
b. unentgeltliche:
„ 6/1. „ Königlichen Förster Herterich in Herfa.
„ 10/1. „ von Baumbach'schen Untersörster JohS. Kegelmann in Frielingen,
8. Tagesjagdscheine:
„ 11/1. „ Königlichen Hauptmann v. Lindem« in HerSfeld
Der Landrat von GruneliuS.
Gefundene Gegenstände.
Eine Broche. Meldung deS Eigentümer» bei dem OrtS- Vorstand in KathuS.
nichtamtlicher teil.
Politischer Wochenbericht.
Die BerichtSwoche war durch einen patriotischen Festtag deS deutschen Volkes, nämlich den Geburtstag Seiner Majestät unseres Kaiser» und König» au», gezeichnet. Vielerorts hat sich die Feier diesmal zu einer machtvollen Kundgebung für daS monarchische Prinzip gestaltet, und wir freuen unS dessen von ganzem Herzen. Wir wollen keine Monarchie, die nur ein schattenhafte» Dasein fristet, sondern ein krastvolleS. lebendiges Kaiser- und Königtum, das auf eigenstem, ursprünglichen Rechte ruht und sich innerhalb der verfassungsmäßigen Schranken in vollster Freiheit und Unabhängigkeit zu bewegen und zu betätigen vermag. Wir wollen keinen Herrscher von Volke» oder Parlament- Gnaden, und wir bt grüßen eS mit freudiger Genugtuung, daß unser Kaiser sich während seines letztverflossenen Lebensjahres wieder laut und öffentlich zum GotteSgnadentum bekannt hat. ES ist die» ein zugleich stolzrS und doch auch wieder ties demütiges Bekenntnis, durch daS von neuem daS starke sittliche Verantwortlichkeit-gefühl Kaiser Wilhelms zum Ausdrucke gebracht worden ist. Ein Herrscher mit einer solchen Stärke deS Verantwortlichkeitsgefühls, mit einer solchen Empfindung des GebundenseinS in und durch Gott aber ist ein hohes, köstliche- Gut für ein Volk, und wir danken Gott herzlich dasür und bitten ihn inständig, daß er den gleichen Geist auch in allen künstigen Trägern der Hohenzollernkrone lebendig und wirksam erhalten möge.
Unter den Beratung-gegenständen deS deutschen Reichstages während der verflossenen Woche traten an Wichtigkeit der V e r f a s s u n g S e n t w u r s für Elsaß-Lothringen und die Z u w a ch S st e u e r hervor. Der Entwurf einer künftigen Verfassung für die Reichtland« weiß in richtiger Weise das Streben der elsaßisch-lothringischen Bevölkerung nach Autonomie mit den staatlichen und nationalen Interessen Gesamtdeutschlands in Einklang zu bringen. Die künftige parlamentarische Vertretung Elsaß Lothringen- soll auS zwei Kammern bestehen. Für die zweit« Kammer ist da- allgemeine und direkt« Wahlrecht vorgesehen, eingeschränkt durch die Gewährung zweier Alter-stimmen. Die Gestaltung deS Oberhauses aber ist so gedacht, daß der Kaiser für dasselbe aus Vorschlag deS Bundesrate- eine angemessene Zahl von Mitgliedern ernennen kann. CS liegt darin der Ersatz in dem bisher vom BundeSrate auf diesem Gebiete auSgeübten politischen Einfluß. Von der Vorlage, die daS letzte Ziel des Fürsten BiSmarck zu erreichen strebt, läßt sich erhoffen, daß sie sowohl das politisch wirtschaftliche Leben Elsaß- Lothringens wie dessen Beziehungen zum Reiche nachhaltig sördern wird. — Die Zuwachisteuer ist nunmehr in dritter Lesung endgültig angenommen. Damit hat die ReichSfinanz- resorm ihren daS Ganze krönenden Abschluß gefunden. ES ist bezeichnend für die Sozialdemokratie, daß ihre Vertreter im Reichstage auch gegen diese- eminent soziale Gesetz, durch da- eine Besitzsteuer eingesührt wird, die so gerecht ist wie nur möglich und allein den unverdienten Gewinn trifft, gestimmt haben.
In Oesterreich»Ungarn lagen gegenwärtig die Delegationen. Vor ihnen gab der Minister deS Aeußern Graf Aehrenthal ein längere# Expose. Er kam dabei
auch auf die Rede unseres Reichskanzler- vom 11. Dezember 1910 zu sprechen und bemerkte hierzu, daß Herr von Bethmann Hollweg di« Beziehungen Deutschlands zu England und Rußland in einer Weise erläutert habe, „welche jeden Freund der Ronfoltbieiung der Verhältnisse in Europa mit Genugtuung erfüllen muß-. Von der Potsdamer Entrevue ferner sagte er, daß die in PotSdam und Berlin bekräftigten Grundsätze über die im nahen Orient zu beobachtend« streng konservative Politik in vollster Uebereinstimmung mit dem österreichischen Programm ständen. Im Übrigen ist die diesmalige Tagung der Delegationen der österreichisch-ungarischen Monarchie von besonderer Wichtigkeit, da eS sich um erhebliche Mehrsorderungen für Heer und Marine handelt. Insbesondere dars man aus daS Schicksal der österreichischen Marinevorlage gespannt sein. Die Regierung betrachtet ihre Forderungen als ein Minimalprogramm, und Admiral Gras Montecuccoli empfahl dieselben mit den Worten: „Keine Flotte, wie groß sie auch sei, ist so teuer wie ein Krieg. Schützen wir unS vor dem Krieg, indem wir unsere Wehrmacht verstärken.- DaS ist eine allgemeingültige Wahrheit, die überall, und nicht bloß in Oesterreich, beherzigt werden sollte.
Auch in Japan hat der Minister deS Auswärtigen Graf Komura im Abgeordnetenhaus« zu Tokio Erklärungen zur auswärtigen Politik Japans abgegeben. Er betonte, daß die Beziehungen Japans zu sremden Mächten ständig an Herzlichkeit zugenommen und keine Trübung durch irgendwelche Zwischen- sälle «jähren hätten, und gab insbesondere seiner lebhaften Befriedigung über die Gestaltung des englisch-japanischen Bündnisses wie über dir sreundschastliche Entwicklung der Beziehungen zwischen Japan und Rußland Ausdruck. Die Er» klärungen deS Leiters der auSwärtigen Politik Japans sind durchaus geeignet, die Weltlage unb besonders die Lage im fernen Osten in günstigem Lichte erscheinen zu lassen.
In Rumänien stehen Parlament-wahlen bevor. Die konservative Regierung CorpS sieht sich einer mächtigen, auS den Liberalen und den sogenannten Takisten, d. i. den Anhängern deS früher«» konservativen MinistrrS Take JoneSku, bestehenden Opposition gegenüber, und wird einen sehr energischen Kampf sühren müssen, wenn sie sich be» haupten will.
Reichstag.
Der Reichstag beendigte am Mittwoch die dritte Lesung der Borlage über die Wertzuwachssteuer nach zweitägiger Dauer. Die Beratung der noch restierenden Paragraphen vollzog sich an diesem zweiten Tage der Debatte glatt und ohn« sonderlich verwickelte Diskussion. Die einzelnen Paragraphen gelangten überwiegend nach den Vorschlägen deS Kompromißantrages Westarp zur Annahme, nur hie und da noch mit Amendememt versehen. Der wichtige § 49, welcher von den Erträgnissen der neuen Steuer 50 Prozent dem Reiche, 40 Prozent den Gemeinden und 10 Prozent den BundeS» floaten überweist, wurde in dieser Fassung ausrecht erhalten, nachdem daS HauS einen Antrag von sozialdemokratischer Seite, dem Reiche nur 30 Prozent zuzubilligen und sechs Millionen Mark für die Veteranen zurückzustellen, abgelehnt hatte. Im weiteren Verlause der Beratung wurde auch der von den Sozialdemokraten abermals hervorgebolte Antrag, es solle mit dem Inkrafttreten der Wertzuwachssteuer daS Zünd- warensteuergesetz ausgehoben werden, wiederum verwrrsen. In der Schlußabstimmung, die durch NamenSausrus erfolgte, wurde daS Wertzuwachssteuergesetz im ganzen mit 199 gegen 93 Stimmen bei 20 Stimmenthaltungen definitiv angenommen, die unterlegene Minderheit wurde von den Sozialdemokraten, der Mehrheit der Fortschrittlichen Volkspartei und dem Reichs- parteiler Arendt gebildet. Nach Erledigung dieser bedeutsamen Vorlage setzte der Reichstag di« neulich abgebrochene Debatte über die Petitionen, betr. die Aufhebung deS Impfzwanges, fort, doch kam es auch diesmal noch zu keinem Beschluß. Die nächste Sitzung findet am 6. Februar statt.
Abgeordnetenhaus.
Am Mittwoch begann die Beratung der JustizetatS. Dem Abg. Dr. Liebknecht wurde, als er trotz dreimaliger Auffor» derung des Präsidenten, zur Sache zu sprechen, doch seine Protestrede gegen die Polizei fortsetzte, durch Beschluß deS Hause» daS Wort entzogen. Justizminister Dr. Beseler ging aus den Moabiter Prozeß ein. AuS seinen Ausführungen ging hervor, daß er den Landgericht-direktor Unger vernommen und dieser dem Minister gesagt hat, daß er ohne ein Urteil über den im Prozeß zur Sprache gekommenen Fall Herrmann zu fällen, in Anknüpfung an diesen Fall theoretisch einen recht krassen Fall konstruiert und dabei bargelegt habe, daß bei einem wirklich rechtswidrigen Angriff der Polizei auch eine Abwehr mit der Feuerwaffe straffrei sei. An der Hand von Entscheidungen deS Reichsgericht- betonte der Minister, daß selbstverständlich nicht bei jedem Notwehrakt der Gebrauch von Schußwaffen guläffig sei, noch viel weniger, wenn nur eine vermeintliche Ueberschreitung der Amtsgewalt vorliegt. Der Abg. Dr. Zimmer (Zentr.) erkannte die Objektivität bet Moabiter Richt« an.
Vom schwarzen Tod.
Wenn sich dem Menschen der Renaissance alle Geißeln und Schrecken der Welt vor die Seele stellten, dann sah er, neben dem grinsenden Knochengerippe mit der mähenden Sense, dem dürren Gespenst bei Hunger» und der drohenden Schreckgestalt des KriegeS auch einen schwarzen, grausig unheimlichen Schatten, der ihm alle- Licht bei Leben» verdunkelte. Es war die entsetzliche Pestilenz, die schlimmst« unter all jenen ägyptischen Plagen, mit denen Gott bet Herr schon in der Bibel die sündige Menschheit gepeinigt. Dem modernen Europäer ist die» Schreckbild wieder au» der Seele aewichen; dem Inder aber ist ei noch heute ein alltägliche» Memento mori, und ei wächst für unS alle wieder zu drohenden Dimensionen aus, da die Seuche ganz Ostastrn verheert und bedrohliche Meldungen von ihrem immer stärkeren Umsichgreisen erzählen. Die erste Weltseuche, die wir mit Bestimmtheit als Drüsen- oder Beulenpest bezeichnen können, ist die sogenannte justinianische Pest, die um di« Mitte bei 6. christlichen Jahrhundert» au-brach und in den Jahren 631—580 die ganze damals bekannte Welt in den furchtbarsten Formen heimjuchte. Von Pelufium in Unter- äayptcn ausgehend, nahm die Pest ihren TodeSzug über Alexandrien, Palästina, Syrien, Konstantinopel nach Italien, Gallien und Germanien. Die Verheerungen, die sie an* richtete, waren in einzelnen Teilen Europa» so groß, daß bedeutende Städte durch sie buchstäblich verödeten. Eine andere Pestepidemie die nicht lange danach unter Konstantin Kopronymus ausbrach, zeigte nicht die dezimierend« Gewalt der ersten Seuche, und ebenso waren die Epidemieen, die vom 7. bis zum 14. Jahrhundert immer wieder einzelne Länder heimsuchten, nicht so anhaltend und nicht so gefährlich. Ihren HapptvernichtungSzug begann die Pest im 14. Jahrhundert, wo sie im innern Asiens au-brach. Schon damals war China ihr Hauptherd; sie soll allein 13 Millionen Bewohner deS Himmlischen Reiches getötet haben. Ueber Kleinasien und Arabien eilte der schwarze Tod bald auch nach Europa. Eine ungeheure Panik bemächtigte sich der gesamten Christenheit; man glaubte, bai Ende der Welt sei nahe herangekommen und Gott suche noch einmal an dem armen Menschengeschlecht alle Sünden der Väter heim. Wie ein gewaltiger, von grauenhafter Angst erpreßter Notschrei geht es durch die ganze Literatur jener Tage, durch Predigten, Chroniken, Flugschristen und Volkslieder. In den Jahren 1346 bis 1353 erreichte die Epidemie ihren Höhe» Punkt. Während sich die vornehmen Damen und Herren Boccaccios aus dem von Leichengeruch vergifteten Florenz auf ihre Villen flüchteten und sich durch lustige Erzählungen über daS Grauen um sie her hinwegtäuschten, sterben in den Städten die Menschen wie die Fliegen. Nach d«n deutschen Chroniken sollen in Nürnberg im Jahre 1437 13 000 Menschen, in Köln sogar 21000 Menschen dahingerafft worden sein. Mag man dies« Zahlen auch für übertrieben halten, so besitzt doch die Schätzung eine gewisse Wahrscheinlichkeit, nach ber Europa in jenen mörderischen Jahren 24 Millionen Menschen, ein Viertel seiner ganzen Bevölkerung, verlor. Die groben „Sterben", die dann im 16. und 17. Jahrhundert besonder» zur Sommerzeit die Stäote dezimierten, find nicht immer aus Die Pest zurückzuführen, auch wenn die Seuche ausdrücklich so benannt wird. Doch wütete die Pest in weniger furchtbarer Weise weiter. Im 7. und 14. Jahrhundert war die Seuche über die Menschheit hergesollen, wie ein plötzlich an- springendeS Raubtier, das einen Schlajenden erwürgt. Der namenlose Schrecken ließ niemanden recht zur Besinnung kommen. Im 15. Jahrhundert aber begann man den Kampf mit dieser Menschheit-geißel mannhaft aufzunehmen. Man begnügte sich nicht mehr damit, die Kiankheit alt eine von Gott verhängte Strafe hinzunehmen, sondern man erkannte, daß sie durch Ansteckung übertragen werde, und bie Obrigkeiten fingen an, diese Ansteckung auszuhalten ober zu verhüten. Die ältesten solcher Verordnungen, die jede Gemeii.schalt mit den Kranken verboten, und die Reinigung der verpesteten Kleider und Sacyen anbesahlen, werden unS aus Italien schon vom Ende bei 14. Jahrhundert» überliefert. Die ersten Ouaran- täntvorschristen und die Einrichtung von abgeschlossenen Pest. Häusern sind wohl von Venezianern autgegangen. Leute, die pestverdächtig waren, wurden gefangen gesetzt, ja bisweilen auf den blossen Verdacht hin verbrannt. In Pari» bestand 1581 das Recht, Leute, dir die Pest hatten, einsach zu töten. Noch im 17. Jahrhundert richtete die Pest schrecklichen Schaden an; so vernichtete sie 1665 in London in ganz kurzer Zeit das Leben von 70 000 Menschen. Erst gegen Ende deS 17. Jahrhundert» verlor sie an Furchtbarkeit und Ausdehnung. Seitdem sind die großen Peftepldrmiem hauptsächlich aus Asien beschränkt geblieben und höchsten» in die Häsen Europa- und nach Rußland eingedrungen.
Aus Jn- und Ausland
Berlin, den 2. Februar 1911.
Am Mittwoch abend begann der erste große H o s d a H
bei Ihren Majrstäten dem Kaiser und der