Beratung deS § 22 (Steuerbefreiung) wieder auf. Ein Antrag des konservativen Abgeordneten Grafen Carmer, die von der Kommission gestrichene Bestimmung über die Steuerfreiheit der Landesherren wiederherzustellen, rief eine lange und lebhafte Diskussion hervor, in welcher sich weitaus die meisten Redner aus dem Haufe, dir Abgeordneten Neumann-Hsser (Fortfchr. Vp.), Dr. Weber (nat.-lib.), Dove (Fortfchr. Vp.), Göhre (foz.), Binder (foz.), Dr. David (foz.) und Arno (Fortfchr. Vp.) mehr oder weniger entschieden gegen den Antrag Carmer und demnach gegen die Steuerfreiheit der Landesherren auSsprachen, während die Abgeordneten Kirsch (Zentr.) und Gras Westarp (Kons.) für dieser Privileg der Fürsten eintraten. Im Sinne der AntrageS Carmer griffen regierungsseitig der Schatzsekretär Wermuth und der preußische Finanjminister Dr. Lentze in diese Verhandlung ein, sie endete damit, daß das HauS mit den Stimmen der Socialdemokraten, der Fortschrittlichen Volk-Partei, des GroS der Nationalliberalen, der Wirtschaftlichen Vereinigung und vereinzelter Zen- trumtleute den genannten Antrag verwarf. ES bleibt demgemäß bei dem Kommission-beschlusse und also bei der Steuer- Pflicht der LandeSsürsten. Auch sonst gelangte § 22 im Sinne der Kommission-beschlüsse zur Erledigung. Ein Antrag deS Zentrum-abgeordneten Gröber, eine Gesamtabstimmung über § 22 vorzunehmen, veranlaßte eine ausgedehnte Ge- schästSordnungSdebatte; schließlich zog Abg. Gröber seinen Antrag zurück. Im weiteren Fortgange der Freitag-sitzung erledigte der Reich-tag die WertzuwachSsteuervorlag» bis mit § 48, dann trat Vertagung deS Hause- bis Dienstag ein.
Wische föwtawB über WWMO.
Die englische Presse fährt fort, im Anschluß an die Nachrichten über die deutsch-russischen Verhandlungen wegen Reiften und wegen deS Anschlüsse- der projektierten Zweiglinie Bagdad—Hankin nach Teheran die Möglichkeit einer deutschenglischen Verständigung zu erörtern. Bei diesen Betrachtungen ist von einem Abkommen über die Flottrnrüstungen kaum noch die Rede, war wir schon alS einen Fortschritt zum Besseren bezeichnen können. Vielmehr tritt die Frage der Bagdadbahn in den Vordergrund, in der ein praktischer Interessenausgleich an und für sich viel leichter möglich ist als bei jenem gefährlichen Thema, bei dem da- freie Selbst- bestimmungSrecht unabhängiger Reiche im Spiele ist.
Wir sehen nun, daß sich auch gegenüber dem großen Unternehmen der Bagdadbahn die Stimmung in England mehr den realen Verhältnissen anzubehuemen sucht. Früher war die Stimmung offen feindselig, waS auch von der offiziellen Politik Englands galt, die wiederholt dem Fortgang deS BaueS durch Erschwerung der türkischen Garantien und der Beteiligung englischen Kapitals Hindernisse bereitete. Diese Hindernisse sind durch die Energie der deutschen Konzessionäre und die wachsende Erkenntnis bei großen Nutzender Bahn bei den türkischen Machthabern überwunden worden. DaS schwierigst« Stück, die Ueberwindung bei TauruS mit einer Paßhöhe von 1400 Metern, geht seiner Vollendung entgegen, und wenn er gelingen sollte, die leichtere, aber lange Strecke durch Mesopotamien gleichzeitig von mehreren Seiten aur in Angriff zu nehmen, so würde man schon in süns Jahren bi- Mossul oder gar Bagdad fahren können.
WaS man nicht hindern kann, soll man wenigstens zum eigenen Vorteil zu kehren suchen. DaS ist alte praktisch« Politik, aus die sich jetzt die englische Presse einrichtet. Dabei sind erhebliche Unterschiede wahrnehmbar. Er gibt liberale Blätter, die offen anerkennen, daß sich deutsch« Tatkraft hier ein große-, legitimes wirtschaftliche- Interessengebiet geschaffen hat, da» zugleich zur inneren Stärkung der Türkei dient, und daß man sich da, wo diese Interessen mit den englischen im südlichen Mesopotamien und am persischen Golfe, Zusammentreffen, gütlich vertragen solle. Konservative Blätter dagegen, wie die „Time-", halten el für eine ausgemachte Sache, daß die Endstrecke Bagdad—Golf unter englische Kontrolle fallen müsse. Dabei berufen sie sich aus den rechtlich sehr zweifelhaften Einfluß, den England aus die Scheiche von Koweit und Mohammera gewonnen hat, und Lb«rsehen geflissentlich die Tatsache, daß die Konzession für bal ganze türkische Gebiet bis zum Golf gegeben worden ist.
Daß England an ben Küsten bei persischen Golfe- überwiegende Interessen besitzt, brauchen wir nicht zu bestreiten; aber noch weniger brauchen wir unS durch jene anmaßlichen Forderungen in unserer ruhigen Zurückhaltung stören zu lassen. Nach den bisherigen Erfahrungen werden sich wohl auch die imperialistischen Heißsporne in England noch veranlaßt sehen, ihre Bedingungen für eine Verständigung mehr den wohlerworbenen rechtlichen und tatsächlichen Verhältnissen anzupassen.
wichtigsten Stationen für Lungenkranke und Rekonvale-zenten gehört. DaS ganze italienische Gepräge der Stadt entzückte auch Tessow. Die Umgebung, mit Oelbäumen, Kastanien- waldungen und Weinreben bepflanzt, war auch für ihn, der noch nie im Süden war, neu und interessant. Sie fuhren am Kai entlang, der wie ein Naturdiadem den See entlang die Stadt halbkreisförmig umzieht. Der Monte San Sal- vadore ragt wuchtig und ganz alleinstehend in die klar« Lust, währrnd dar jenseitige User bei See» durch eine ganze Kette von Bergen abgeschlossen wird. Und tiefblau lag der See im Grunde.
„Mit dem Dampfschiff müssen wir auch fahren, Schatz! Da hast du die herrliche Luft und kannst still auf dem Deck dabtl fitzen. Wir müssen nur die Mittagsstunde wählen, damit eS nicht kalt wird."
Lolo schwatzte immerzu. Sie war wie berauscht von der Gegend und machte die großen Kinderaugen so wert auf, daß ein Vorübergehender sie gutmütig lächelnd ansah.
Tessow genoB nicht so freudig. Für ihn barg dieser Aufenthalt noch zu viel Bitterkeit durch bie GewissenS-
die ihn quälten. — Würde er wieder ganz gesund werden?
$ütte er dies junge Leben an sich fesseln dürfen? Lag nicht vielleicht ein langer Siechtum vor ihm?
Plötzlich schreckte ihn Lolo aul feinen trüben (lebanten auf. ®ie legte die Hand auf seinen Fahrstuhl und beugte sich zu ihm nieder.
„Du, Schatz, sie kommen! Da hinten der große Herr ! Ach», sagte sie enttäuscht, „sie ist nicht mit, wi« schad«."
„Aber da ist doch eine Dame."
kie kleine! Nein, nein, sie ist nicht dabei — meine schöne Fremde!"
Auch bie Begegnenden erkannten Lolo wieder. Und hier war e, Flonyr, die sehr interessiert sagte: „Pa, da ist sie wiedrr, bie Deutsche aul der Kirche „degli Angeli"! Und acht neben einem Krankenstuhl. Und der hübsch«, blond«, junge Mann! Ob bal ihr Gatte ist?
Aus In- und Ausland.
Berlin, den 22. Januar 1911.
S e. Majestät bet Kaiser hat folgende Allerhöchste St abinettlorber an bal Kommando der Marinestation ber Ostsee in Kiel gerichtet: Berlin, Schloß, den 20. Januar. Da» Unglück, von welchem bal Unterseeboot U. 3 betroffen worden ist, hat Mich tief bewegt. Mit allen Familienangehörigen und näheren Sameraben der eingeschossenen Offiziere und Mannschaften empfand Ich bie bangen Stunden mit, die vergingen, bevor bie Rettung gelang oder Gewißheit über da» Schicksal der leider nicht mehr zu Rettenden geschaffen war. Ich brklage innig den Tod dieser drei tapseren Männer, die all ein erneuter Beweis für den in Meiner Marine herrschenden Geist bis zum letzten Augenblick, die Offiziere immer voran, ihre Pflicht getan haben. Sie sind nicht umsonst gestorben. Ehre ihrem Andenken! Mit großer Ge- nugtuung hat el Mich erfüllt, mit welcher Tatkrast die Ret- tungSarbeiten in Angriff genommen und durchgeführt worden sind. Allen Beteiligten spreche ich dafür meinen kaiserlichen Dank aul und behalte Mir besonder« Belohnungen für Offiziere und Mannschaften vor, bie Gelrgenheit fanden, sich bei ben Rettung-arbeiten persönlich auSzuzeichnen. Zu den glücklich Geretteten wie zu allen Ungehörigen ber Unterseebootwaffe aber habe Ich bal Vertrauen, daß sie unbeirrt durch bal Unglück auf U. 3, beffen Wiederkehr für die Zukunft auSzu- schließen unzweisrlhast gelingen wird, mit gleichem Eifer und Mut wie bisher ihren wichtigen Dienst tun werden. Wilhelm I. R.
DaS Krönung-. und Orden-fest wurde heute auf Allerhöchsten Befehl im Königlichen Schloß in gewohnter Weise gefeiert. DaS Schloß, die königlichen und städtische Gebäude und viele Häuser in der Umgebung bei Schlosse» waren beflaggt. Schon seit mehreren Tagen war in Küch« und Keller schars gearbeitet worden, denn auch heute wieder sollten gegen tausend Personen an ben Tafeln bei König- speisen. Um 9 Uhr begannen die neu zu dekorierenden Herren und Damen sich einzufinden, die geladenen Generale, Minister, Diplomaten und Fü stlichkeiten fuhren an. Bei trübem Wetter fanden sich im Lustgarten und auf dem Schloßplatz eine größere Anzahl Schaulustiger ein. Der Kaiser unternahm morgens eine Ausfahrt im Automobil. Gegen llVa Uhr «r. schienen der Kaiser und die Kaiserin. Die Majestäten begrüßten die anwefenben Fürstlichkeiten, nahmen die Meldung de» Präses der General-OrdenS-Kommission, General v. Jacobi, entgegen und begaben sich dann im feierlichem Zug« mit großem Vor- tritt, dem bie Pag«n voranschritten, von den drei Marschällrn geleitet, nach dem Rittersaal. Unterbeffen füllte sich bie weite Halle der Schloßkapelle mit den zum Gottesdienst gelabenen und befohlenen Hrrrschaften, unter denen sich viele der im letzten Jahre Ausgezeichneten befanden — die neu ernannten Ritter und Inhaber strömten herein und füllten den Raum bis auf den letzten Sessel. Viele mußten im Vorraum verbleiben, zu dem die Flügeltüren auch während der Gottesdienstes geöffnet blieben. Am Altar stand die Hofgristlichkeit. Die Majestäten nahmen mit den Prinzen und Prinzessinnen dem Altar gegenüber Platz. Der Kaiser trug GeneralSunisorm mit dem Bande deS Schwarzen Adler-OrdenS und den Ketten der anderen preußischen Orden, die Kaiserin eine dunkel violette Toilette mit gleichfarbigem Hut. Die Gemeinde fang: „Großer Gott, wir loben Dich!" Nach der Liturgie predigte Hof- und Domprediger Kritzinger über 2. Chronica 15 V. 7: „Seid getrost, und tut Eure Hände nicht ab, denn Euer Wort hat feine Not." DaS gelte auch heute noch. Vierzig Jahre bestehe daS Reich unter der Sonne eines ungestörten Frieden»; aber trotzdem fei eine ungeheure Riesenarbeit hrrangewachjen, bie getan werden müsse in unermüdlicher Treue, von jedem Einzelnen auf seinem Posten bil zum Tode, zum Heil bei Ganzen. DaS Niederländische Dankgebet, von Gemeinde und Chor gesungen, von den Posaunen und Kesselpauken bei BläserchorS begleitet, schloß die kirchliche Feier. Die Majestäten verweilten nach dem Gottesdienst kurze Zeit im Marine- Saal, die Geladen«n nahmen ihre Plätze an ben Taseln im Weißen Saal, der Weißen-Saal-Galerie, der Bildergalerie und den anstoßenden Räumen ein. Die Taseln zierten die großen goldenen und silbernen Aufsätze, Armleuchter und Jardinieren, gefüllt mit den schönsten Orchid«en. Die Hoffouriere, Kellermeister, Büchsenspanner und Leibjäger walteten in großer Gala ihre» Amte», die Pagen in ihren roten Röcken mit Spitzen- jabot und Galanterirdegen stellten sich hint«r die Stühle der Fürstlichkeiten, da» Heer der silberbetreßten Lakaien harrte der Befehle. Alle Säle waren voll beleuchtet. Um 1^/t Uhr betraten die Majestäten mit den Prinzen und Prinzessinnen unter ben Klängen feierlicher Musik den Weißen Saal. Im
Ach, die beiden möchte ich kennen lernen, da» müssen reizende Leute sein. Die lerne ich bestimmt kennen", setzte sie sehr energisch hinzu. „Da» werde ich arrangieren!" -
So spannen sich die ersten Fäden herüber und hinüber.
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Es war eine seltsame Verkettung von Umständen, daß auch die Horstfield» sich gerade jetzt in Lugano befanden. FlorryS Mutter war in der Blüt« ihrer Jahre an Lungenschwindsucht dahingewelkt. So war el begreiflich, daß der Lord, in der Angst, fein einziges Kind durch dieser böse Erbteil zu ver- lieren, Florry vor den rauhen Nebelmonaten de» englischen Klima» zu schützen suchte. Er war deshalb schon im vorigen Jahre um diese Zeit im Süden gewesen. Für Florry war also die Pracht südlicher Vegetation nicht» Neuer, wohl aber für Leonie.
Unb doch wagte sie nur zaghast zu genießen, mal die schöne Gotterwelt ihr an Wundern bot. Ihre Spannkraft schien nach- zulassrn nach all den Ausregungen der letzten Zeit. Sie mußte einige Tage ganz still im vrrdunkelten Zimmer liegen und so kam e», daß Florry stet» mit ihrem Vater allein zur Table d’hote und zu ben Gartenkonzerten ging. Florry hatte von Lolo gesagt: „Die will ich kennen lernen!" Und wenn Miß Florry etwa» wollte, dann fetzte sie ihren Willen durch.
Beim Nachmittag»konzert im Hotelgarten fah sie Tessow».
Der Sonnenschein war so warm, daß alle Kranken draußen waren, und man im freien sitzen und sogar liegen konnte.
Aber dir Plätze waren verschieden. An einigen war el jugig und schattig, längerer Ausenthalt unter diesen Umständen nicht gerade angenehm.
Lolo fand da» auch von ihrem sonst so schönen Plätzchen. Sie wollte an die Sonne, doch war dort kein Tisch mehr frei.
Da erhob sich drüben an dem sonnigsten Tril bei Garten, nahe ber mit Spalierobst bewachsenen Mauer, ein junget Mädchen, die Heine Engländerin.
Verlauf de» Mahler «rhob sich Seine Majestät der Kaiser und trank „aus da« Wohl der neu ernannten und der vorigen Ritter". Die Musik spielte den Iorkschen Marsch. Nach der Tafel hielten die Majestäten Crrcl« und beehrten viele der neu Nu»gezeichneten durch Ansprachen.
Die Studierenden der tierärztlichen Hochschule in Hannover stellten wegen Differenzen mit dem Direktor den Besuch der Vorlesungen ein. In einer Depesche an den Direktor erklärte Landwirtschaft-minister v. Schorlem«r, daß den Studierenden da» lausende Semester nicht angerechnet werden würde, soll- sie nicht baldigst wieder in den Vorlesungen erscheinen sollten.
Die Desertion in der französischen Armee ist recht bedenklich. Die „France militaire" meldet, daß im Jahre 1910 in der französischen Armee die Zahl der Deserteure 13 500, die Zahl der Gestellung-flüchtigen 53 000 betrug. Gegenüber dem Jahre 1909 hat die Zahl der Deserteure um 500, bie der Gestellung-flüchtigen um 3000 zuge- nommen.
Der neue Ausstand in der arabischen Provinz I e m«n gegen die türkische Herrschaft greift nach den letzten Meldungen hierüber immer weiter um sich. Der eigentliche Führer bei Ausstander, Scheik Jdri», hat jetzt sogar die Offensive gegen die türkischen Trupprn ergriffen, er belagert gegenwärtig die türkische Garnison in der Stadt Affir. direkt bedenklich für die Türken ist el, daß sich auch der einflußreiche Jman Seid Jahia für die Sache der Rebellen erklärt hat und mit seinen bewaffneten Banden ebenfalls gegen die türkischen Truppen zu Felde zieht. Die Verbindungen zwischen bet Hafenstadt Hodeida und Sana, dem Regierungssitze für Armen, sind unterbrochen. Die Pforte beschloß, unverzüglich namhaste Truppenverstärkungen nach Aemen zu entsenden, im ganzen 36 Bataillone und zehn Maschinen- grwrhrabteilungen.
Der bekannte amerikanische Milliardär Carnegie hat sich schon wieder eine Milllonenschenkung zu gemeinnützigen Zwecken geleistet. Er stistete für daS von ihm gegründete Carnegie-Institut in Washington weitere 10 Millionen Dollart, womit sich die Gesamtsumme seiner Schenkungen für diese» Institut auf 25 Millionen DollarS erhöht.
Aus Provinz u. Nachbargebiet.
* (Eine wichtige Entscheidung auL dem M i e t t r«ch t.) Die meisten Mietsverträge enthalten die Bestimmung, daß mündliche Nebenabreden keine Geltung haben sollen. Und doch werden sie so häufig getroffen, und sogar bei mehrjährigen Verträgen. Ueber die Wirksamkeit dieser Abreden hat sich soeben da» Reichsgericht, wie folgt, ausgelassen : Ungültig sind solche Abreden nicht, da ja der für länger als ein Jahr nur mündlich abgeschlossene Mietvertrag selber nicht ungültig ist, sondern all aus unbestimmte Zeit geschlossen gilt; sie sind vielmehr in vollem Umfange wirksam. Denn da- Erfordernis der Schristlichkeit für diese Abreden beruht auf Privatwillkür, welche» die Parteien jederzeit wieder außer Kraft setzen können, und zwar sowohl ausdrücklich, als auch durch schlüssige Handlungen, zum Beispiel durch Er» süllung -er mündlich übernommenen Verpflichtung. Denn wer sich durch tatsächliche Vertragserfüllung über ein Formerfordernis hinwegsetzt, obwohl er sich der Erfüllung durch Berufung auf dieses FormerforderniS leicht hätte entziehen können, der erklärt hierdurch feinen Willen, das Formerfordernis nicht mehr für und gegen sich gelten zu lassen und der andere, der diese dargeboten« Leistung annimmt, erklärt hierdurch stillschweigend sein Einverständnis mit dem Verzicht bei Gegners auf die Schristform. Damit ist der Vertrag vollzogen.
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* (DaS Ende der Bleistifte.) Wenn die Bleistifte wirklich, wie man el nach ihrem Namen glauben sollte, in ihrer „S«elr" aul Blei bestünden, so würde man sich um ihre Zukunft nicht zu sorgen brauchen, aber auch der Graphit,
Sie ging schräg über den Platz und kam aus Tessows zu.
Leicht enötend, trat sie an den Tisch.
„Ich bitte Ihre Verzeihung! Wollen Sie nehmen Platz an unserm Tisch. Er ist dort schöner. Hier ist eS zu kalt."
Tessow hatt« sich erhoben und den Hut gelüstet. Er dankte für daS freundliche Anerbieten und wollte gleich ab- lehnen.
Aber Lolo unterbrach ihn:
„Wir find Ihnen sehr dankbar und kommen gern. Wir hätten hier wirklich nicht länger sitzen können."
Sie nahm die Decke für ihren Mann über den Arm und ging mit der rasch voranschreitenden Florry. Langsam folgte Tessow. Er hatte eigentlich durchaus keine Lust, mit Fremden Verkehr anzusangen.
Aber Lolo schien ei zu wünschen, gerade mit diesen Leuten bekannt zu werden, und er wollte sie durch Opposition nicht verletzen.
So saßen sie an einem Tisch, und selbst der innerlich so widerstrebende Tessow war bald in einem interessanten Gespräch mit dem Lord. ES' fand sich zufällig, daß Lord Horstfield bei Erwähnung der Jagdzeit Hauptmann von Reichrnbacht Namen nannte. Da horchte Tessow hoch auf und fragte nach dem Regiment deS Genannten.
ES stimmte. ES war Freund Reichenbach. Lächelnd sagte Florry: „Ihr Freund? Nein, mein Freund!"
DaS war ein Anknüpfungspunkt, wie ihn sich Florry nicht besser hätte wünschen können. Nun erinnerte sich auch Tessow, des Lords Namen von Reichenbach gehört zu haben.
(Fortsetzung folgt.)
— Trier, 21. Januar. In der Nähe von Kerpen in der Eifel stürzten an ber Neubaustrecke Hille-heim—Daun vier Kippwagen in einen Abgrund. Eine große Anzahl Arbeiter wurden mit in die Tiefe gerissen. Drei von ihnen blieben auf der Stelle tot liegen, einer wurde schwer, mehrere leicht verletzt. Die Ursache deS Unfalls ist noch nicht ermittelt.