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derart aufgebracht, daß sie sich in Tätlichkeiten gegen den Täter ergingen. Gizolme hat schon gelegentlich seiner Ent- lassung Briand Rache geschworen. Er war bereit» srüher einer Irrenanstalt überwiesen worden, au- welcher er kürzlich aus Antrag seine» Bruder» wieder entlassen wurde.

DaS Invasion-fieber in England scheint seinen Höhepunkt endlich überschritten zu haben. Hiersür spricht namentlich die neue Ausgabe des Buche» deS Generals Hamilion über die Wehrpflicht, welches Mitteilungen von Admiral John Wilson, dem ersten Lord der Admiralität, an den Kriegsminister Haldane über die Jnvasion-gesahr von der „anderen Seite" der Nordsee enthält. Wilson erklärt, daß selbst, wenn die Hochseeflotten abwesend seien, die Ver- teidigung durch kleine Schiffe den Einbruch von 70 000 Mann (bie kleinste Zahl, womit eine Invasion ersolgreich ausgeführt werden könnte) unmöglich machen würde, und stellt fest, daß eine tatsächliche Gesahr im Kriegsfall nicht in der Invasion bestehe, sondern in der Unterbrechung des Handelsverkehr» und der Zerstörung der Handelsflotte Eng­lands.

Der belgische Bergarbeit er streik nimmt noch immer an Umsang zu; 26 200 Bergleute befinden sich im Ausstande. Die Syndikatkleitung macht die größten An­strengungen, die Arbeiter der Eisenindustrie zum Anschluß an den Streik zu bewegen. Das Gerücht, daß zwischen den Ab­geordneten der Ausständigen und den Grubenbesitzern eine Einigung zustande gekommen sei, indem die letzteren die For­derungen der Arbeiter annahmen, findet unter diesen keinen Glauben. Die Syndikatsleitung stellt die Wahrheit der Nach­richt gleichfalls in Abrede.

Jliis Provinz u. Nackbargebiel

):( Hersfeld, 18. Januar. Durch Allerhöchsten Erlaß vom 15. Dezember v. I. ist dem Kreise Her-feld in Sachen bei Grunderwerbs zum Bau der Kleinbahn Her-feld—Heimbolds­hausen das Enteign ungSrecht verliehen worden.

):( Hersfeld, 18. Januar. In der vergangenen Nacht wurde durch einen Beamten des hiesigen Wach- und Schließ- instituts in einem Hause in der KlauSstraße ein Wasser- r o h r b r u ch bemerkt und der Besitzer deS Anwesens daraus aufmerksam gemacht. DaS Wasser hatte bereits den ganzen Keller, in dem allerlei Waren ausbewahrt wurden, bis zum Kellersenster ungefüllt. Die Leitung konnte nun sojort ab­gestellt und größerer Schaden vermieden werden.

):( Hersfeld, 18. Januar. Ein hiesiger Schreinerge» selle hatte heute vormittag das Unglück, sich bei der Hobel­maschine drei Finger der rechten Hand zum Teil abzuschneiden.

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):( Hersfeld, 18. Januar. Als Vorbote des Frühlings, der sich allerdings etwas versrüht hat, wurde unS heute ein M a i k ä s e r gebracht, der im Freien gefangen worden war.

I. Kruspis, 18. Januar. Gestern nachmittag gegen 4 Uhr brach im hiesigen Pfarrhause Feuer aus. In einem der oberen Zimmer war ein Holzbalken durch den Ösen in Brand geraten, wodurch dann das Dach Feuer gesangen hatte, so daß die hellen Flammen heraus schlugen. Nur durch das schnelle und tatkräftige Eingreisen der hiesigen Feuerwehr war es möglich, eine größere Ausbreitung des Brandes zu ver­hüten. Nach ca. Inständigem Bemühen war jede weitere Gesahr beseitigt. Der Schaden wird sich aus einige hundert Mark belaufen.

Leidenhofeu, 14. Januar. Von einem bedauerlichen Unfall wurde hier gestern ein 8jähriger Junge betroffen. Er hatte eine Leiter bestiegen, machte sich an einem Weinstock am Hause zu schaffen, all plötzlich die Leiter au-glitt und der Junge so unglücklich stürzte, daß er einen Schädelbruch davon- trug, und in die Marburger Klinik gebracht werden mußte.

Tiefenort, 15. Januar. Ende Dezember war hier ein ca. 13jähriger Junge ausgegriffen worden, welcher angab, seinen Eltern aus einer Reise entlausen zu sein. Es handelt sich um den Schulknaben Wilhelm Günzel, geboren im Jahre 1897 zu Schwerstedt bei Weimar. Seine Eltern waren seither in Altern in Thüringen ansässig. Es scheint festzustehen, daß der Junge tatsächlich seinen Eltern und zwar in Roßbach bei Hünseld entlausen ist. Auffällig ist, daß trotz eifrigster Recherchen die Eltern nicht aufzufinden sind. Zweckdienliche Angaben wolle man an den Gemeindevorstand hierselbst richten. Der Knabe ist im Rettung-Hause untergebracht worden.

Heiligenstadt, 14. Januar. Der 22jährige Knecht Lepsi in Marth hatte das Unglück, mit der rechten Hand in die Häckselmarschine zu geraten. Die Hand wurde völlig ab­getrennt und der Verunglückte mußte eilend- in daS Kranken­haus nach Heiligenstadt geschafft werden.

Aus dem Kreise Rotenburg, 15. Januar. Viel Glück mit der Umsatzsteuer hat da- klein, Dorf Dankerode, das von einem großen Gute in zwei Jahren 4500 Mark Umsatzsteuer vereinnahmte. Da» Gut ist in der kurzen Zeit zweimal verkauft worden.

Hatzfeld, 15. Januar. Im nahen Zirkhausen fand der Steinhauer Lauber im Steinbruch eine Sprengkapsel, die explodierte, als er dieselbe über ein brennendes Licht hielt. Da- linke Auge wurde ihm geblendet und drei Finger der linken Hand halb weggerissen.

Eschwege, 16. Januar. Eine große Feuersbrunst zerstörte in dem benachbarten Frieda in dieser Nacht 3 Wohnhäuser und vier Scheuern. Die Löscharbeit war durch den Frost sehr erschwert.

Frankfurt a. M., 14. Januar. Für 40 000 Mk. Haare gestohlen ! In der vergangenen Nacht wurde bei einem Friseur in der Goethestraß« ein eigenartiger Einbruch und Diebstahl verübt. Die Einbrecher gelangten, nachdem sie die Haustür mit Nachschlüsseln geöffnet hatten, vom Flur aus in das Geschästklokal. Hier räumten sie unter den dort Vor­gefundenen Haaren gründlich auf. Sie nahmen alle nur er­reichbaren Haare und etwa 20 fertige Haarzöpse mit. Die gestohlenen Haar«, unter denen sich auch eine Partie weiße besanden, waren in Bündeln zusammengebunden und hatten eine Länge von 15 Zentimeter bis zu einem Meter. Der Bestohlen« beziffert feinen Verlust aus 40 000 Mk. Di«

Einbrecher, die sich über den Wert ihrer Beut« j«denfall» wohl klar waren, werden wahrscheinlich versuchen, die gestohlenen Haare im Auslande zu verwerten. Bekanntlich ist Paris der Stapelplatz für den internationalen Haarhandel. — Gestern nachmittag erschoß sich in einem Hotel am Hauptbahnhof ein zugereister Mann. Aut seinen Papieren ging hervor, daß e- sich um den Friseur Karl Wünsch aut Gröst bei Weißen- fels handelt. Ueber da» Motiv zur Tat ist nicht» bekannt.

Weimar, 14. Januar. Der Schaden, den der entlassene Arbeiter Erhardt der Feldschlößchen-Brauerei aus Rache zuge- sügt hat, ist bedeutend größer, als anfangs angenommen wurde. Die Geschäft-leitung schätzt den Verlust aus etwa 50 000 bis 80 000 Mk. Der Täter, der noch nicht ermittelt ist, scheint mindesten- sechs Stunden an seinem erbärmlichen Racheakte gearbeitet zu haben. Erhardt hat 140 große Fässer geöffnet. Da» Bier stand in den weiten Kellereien zwei Meter hoch. Man rechnet, daß rund 4000 Hektoliter Bier ausgelaufen sind.

Erfurt, 16. Januar. Im benachbarten Fischleben wollte der 16jährige Sohn bei Landwirt» Schreiner ein Teschin prüfen, ob e» geladen sei. Dabei entlud sich die Waffe und der junge Mann wurde so unglücklich in den Kopf getroffen, daß er bereits nach zwei Stunden starb.

Marburg, 17. Jan. In der Nacht aus gestern hat sich iu Neustadt (Kr. Kirchhain) eine bedauerliche Familientragödie abgespielt. Der dortige Einwohner Keßler, der mit der Heirat feines Sohnes nicht einverstanden war, überfiel diesen und seine junge Frau im Schlafzimmer und verletzte beide durch Revolverjchüss« schwer. In der hiesigen chirurgischen Klinik, wohin die Verletzten alsbald gebracht wurden, ist die Frau heute morgen verstorben, während ihr Mann in bedenklichem Zustande darniederliegt.

Göttingen, 17. Januar. Heute morgen 7 Uhr ent­stand durch Ueberheizung eines Kanonenosens im Laden des Gärtners Fränzke, Gronerstraße 12, ein Brand, der sofort solche Dimensionen annahm, daß die in den oberen Stock­werken noch schlasenden Bewohner des Hauses wegen des Rauches von der sreiwilligen Feuerwehr durch Sprungtücher gerettet werden mußten. Eine junge Dame sprang srhl, zerschmetterte sich die Beine und mußte zur Klinik geschafft werden. Mittag» war die größte Gefahr vorüber; das Haus, das sehr alt war, und die Hintergebäude sind aus- gebrannt und müssen niedergerissen werden.

Halle, 17. Januar. Einen tragischen AuSgang nahm eine Wildereraffäre, die sich am Montag in Lindenbrück in der Bedlauer Hride abgespielt hat. Dort waren der Arbeiter Leonhardt und der Schlosser Hilpert au- Halle, all sie mit einem Frettchen Kaninchen jagten, von drei Flurichützen überrascht worden. Hilpert setzte sich, all die Beamten seine Persönlichkeit fest stellen wollten, zur Wehr und bedrohte die Flurschützen mit einem Messer. Daraus gab einer der Schützen zwei Schüsse au» einem Revolver ab. Der erste Schuß verletzte Hilpert an der Hand, während ber zweite den Sirbeiter Leonhardt in den Hals traf. Beide Wilderer, die stark bluteten, flüchteten. Der Aufenthalt Hilperts, der nur leicht verwundet wurde, ist bis heute noch nicht ermittelt worden. Leonhardt wurde vier Stunden nach dem Kamps im Tannendickicht mitten im Schnee gesunden und in« Krankenhaus gebracht. Dort ist er heute seiner Verletzung, die sich durch das lange Liegen im Schnee verschlimmert hatte, erlegen. Die Staatsanwaltschaft hat zur Aufklärung de- Tat­bestände», der in seinen Einzelheiten noch im Dunkeln liegt, eine Untersuchung eingeleitet.

Untergang -es Untersee­bootes U. 3 im Kieler Hafen.

Kiel, 17. Januar. Da» Unterseeboot U. 3 ist in der Heikendorfer Bucht im Kieler Hafen gesunken. DaS Hebeschiff „Vulkan" und der große Krähn der Kaiserlichen Werft sind zur Hilfeleistung abgegangen.

Kiel, 17. Jan. Die 30 Mann starke Besatzung bei Un- terseebotes U. 3 ist gerettet worden mit Ausnahme von 3 Mann, die sich noch im Turm befinden. Zu ihrer Rettung muß das Boot gehoben werden.

Kiel, 17. Jan. Die Rettung der bisher an daSTages­licht beförderten Mannschaften grschah durch ein Torpedolanzier- rohr sowie durch Lücken.

Kiel, 17. Jan. Als bai Unterseeboot U. 3 versank, be­fand ei sich aus einer Ueberwosserfahrt in Begleitung eine» anderen Boote». Die an Bord befindliche Mannschaft hatte eine Stärke von 28 Mann. ES wird fieberhaft daran gear­beitet, die Abbringung und Hebung bei Boote» zu ermöglichen. Gegen 6 Uhr abend» war e» den eifrigen Bemühungen der Rettungsmannschaften gelungen, durch eine Lücke 24 Mann bei Boote» herauSzuziehen. Ein Teil der Leute war bereit» bewußtlos.

Kiel, 17. Jan. Drei Mann der Besatzung, darunter der Kommandant, Kapitänleutnant Fischer, befinden sich noch im Innern bei Boote«, bai von den Ketten der beiden großen Werstkrane gehalten wird. Der Unfall ist wahrscheinlich auf eine Gasolinexplosion zurückzusührcn, durch die der Hintere Teil bei Boote» leck sprang und das Eindringen bei Wasser- er­möglicht wurde.

DaS deutsch« Unterfeebot U. 3 befand sich am gestrigen DienStag in großer Gesahr. Da» Unterfeebot ist in Kiel stationiert. Infolge unbeabsichtigten VollaufenS einer Abtei­lung bei Boote- ging diese» im Kieler Hafen auf Grund. ES lag jedoch so günstig, daß von Erfolg gekrönte Hebung«» arbeiten al-bald in Angriff genommen werden konnten. Die Disziplin der aus dem Meeresgrunde eingeschossenen Mann­schaften war während der triti|d)en Stunden eine wahrhaft mustergültige. Jeder tat treu auf seinem Posten feine Pflicht. Man versuchte zunächst auS eigener Kraft hochzu- kommen, waS man umso energischer tun konnte, all der dem Boote mitgegebene Sauerstoffvorrat auf mehr al» 48 Stunden berechnet war. Erst alk nach einstündigem Bemühen deren Erfolglosigkeit eingesehen wurde, stieg die Fernjprechboje bei Bootes an die Oberfläche, sodaß die Verständigung mit den sofort von den nahen Ankerplätzen herbeigeeilten HilfSmann- schasten ausgenommen werden konnte. Von der Werft wurde sofort der große Schwimmkran abgeholt und da« Untersee­boot-Hebeschiff „Vulkan" nach der Unsallstelle geschleppt. Eine unmittelbare Gefahr für da« gesunkene Boot lag damit nicht mehr vor, wie auch nicht die leiseste Panik unter den Mann- schasten auskam. E« war ja ein Glück im Unglück, daß bai Boot noch im Hasen und noch dazu in seichtem Wasser sank, sodaß die Bergung sogleich in Angriff genommen werden konnte. Ueber die eigentliche Ursache bei Sinken- wird man kaum positive Gewißheit erhalten, da sie wohl in der Kon­struktion bei Boote» liegt, die au- begreiflichen Gründen strenge- militärische» Geheimnis ist. Prinz Heinrich von Preußen ver­

schob seine Abreise zur Teilnahme an den Hoffestlichkeiten in Berlin und begab sich nach der Unsallstelle bei Untersee­boote» U. 3.

Kiel, 18. Januar. (Fernsprechmeldung.) Da» Unter­seeboot U. 3 wurde heute morgen durch da» Hebeschiff „Vulkan" geborgen. Die im Turm Befindlichen, Kapitän- leutnant Fischer, Leutnant Kalbe und Matrose Rieser, wurden leblo» herausgeholt. Du Wiederbelebungsversuche sind erfolg« loi geblieben.

Znr WWW des Ballons „Hildebrandt".

Wie sich herauSstellt, ist der „Hildebrandt" bereit» Freitag mittag gesunden worden. Ein Bauer namenS Schüler hatte sich am Freitag mittag von Wildenbruch nach dem Göhrense« begeben, um dort auf der Eisdeck« Rohr zu schneiden. In der Nähe der Unsallstelle, hart am User bei See», zieht sich ein Waldweg von Wrldenbruch nach dem Dörfchen Bornow entlang. Aus diesem Wege fand der Bauer zwei Taschen, in denen sich Orientierung-karten besanden. Der Mann nahm die Karten an sich, in dem Glauben, daß ein Spaziergänger sie verloren habe. Auf der Ei-decke bei SeeS, etwa 45 Meter vom User entfernt, entdeckte er am Rande einer Rohrinjel ein Stück gelber Leinewand, das aut der Eisdecke heraut- ragte. Aus der Hülle war in blauer Farbe ein großes H zu erkennen. Der Bauer, der von dem Unsall bei „Hrldebrand" gehört hatte, eilte nun nach Wildenbruch zurück und machte dem Ort-vorsteher von seiner Entdeckung Mitteilung. Der Beamte alarmierte daraushin bie nahebelegene Försterei und noch am Nachmittag versuchte man an die Unsallstelle heran- zukommen. Die Dunkelheit verhinderte jedoch die Arbeiten und erst am Sonnabend morgen konnte man daran gehen, über da» poröse Eis hinweg einen Steg in den See hinau» zu legen. Im Lause bei Vormittags konnte man einen großen Teil der Hülle aui dem Wasser herauSziehen und ei stellte sich nun heraus, daß et sich um den vermißten Ballon „Hildebrandt" handle. Während die Ballonhülle selbst auf dem Eis« liegt, befindet sich neben der Hülle ein größere-, von den Fischern geschlagenes Loch, Der Vollmond und die leuchtende Schnee- fläche geben jetzt — 10 Uhr abends — genug Licht, um bit Gondel unter der Wasserfläche erkennen zu lassen. Darin steht ein Mann aufrecht. Er hat schwarzes Haar und einen kleinen schwarzen Schnurrbart, und seine rechts und links au-gestreckten Hände fassen krampfhaft die Stricke, die Gondel und Ballon verbinden. Ueber den Rand der Gondel scheint eine zweite Gestalt zu liegen. Dir trüben, sich leise bewegenden Fluten verwischen die Linien derart, daß sich Bestimmte« nicht erkennen läßt. Auch Säcke scheinen auf dem Boden der Gondel zu liegen. Neben der Hülle auf dem E>se liegen zwei Pakete.

Wil denbruch, 17. Januar. Di« Arbeiten zur Bergung det Ballon« Hildebrandt, die heute vormittag begannen, werden durch das noch immer sehr dünne Eis sehr erschwert. Um 2 Uhr konnte bie Leiche bei RechtanwaltS Kohrt« an Land gebracht werden. Die Leiche bei Prokuristen Kridel schien bei dem Bergung-versuch au- dem Ballonkorb in bai Wasser gefallen zu sein. Die Uhr bei RechtSanwaltS KohrtS ist um Va8 Uhr stehen geblieben. Danach haben die Insassen wahrscheinlich nach zweistündiger Fahrt einen Landung-versuch unternommen. Bei der fortgesetzten Suche nach der Leiche bei Prokuristen Keidel wurde festgestellt, daß die Vermutung, die Leich« sei bei der Bergung in daS Wasser geglitten, auf einem Irrtum beruhte. Der in da- Wasser gefallene Gegen­stand war eine Wolldecke, die jetzt aui bem See herau-gefifcht wurde. Man neigt zu der Annahme, daß Keidel schon während der Fahrt au- der Gondel gestürzt tst. Die Leiche bei Rechtan walt- Kohrts wird nach Berlin übergeführt.

— Köln, 16. Januar. Gestern nachmittag liefen Kinder und Erwachsene in Lange! bei Worringen auf dem Rheinstrom auf einer Kiibbe Schlittschuh. Plötzlich gab die Ei-decke nach und neun Personen stürzten in den Rhein. Trotz aller Be­mühungen gelang es nur, vier von ihnen zu retten. Die übrigen fünf Kinder, sind ertrunken. Der Schmerz der von dem Unglück betroffenen Familien ist unbeschreiblich.

— (Selbststellungeine-Desraudanten.) Der nach Unterschlagung von 25 000 Mk. in Wertpapieren flüchtig gewordene Bankbuchhalter Franz Graper von der Darmstädter Bankfiliale in Rottbui hat sich, nachdem er vergeblich versuchte, die Wertpapiere zu Geld zu machen, der ttotrbuser Polizei gestellt. Das Bankinstitut hat die gesamten Veruntreuten Papier« wieder zurückerhallen.

Letzte nachrichten.

EpernaY, 18. Januar. In Damery hat heute eine große Anzahl von Winzern den Weinkeller eine- Champagner- Händler- vollständig auSgeplündert. Die Winzer zerbrachen 70 000 Flaschen Champagner. Auch ein Rollwagen mit einer Ladung von 2500 Flaschen Champagner wurde geplündert und der Wein in die Marne gegossen.

Köln, 17. Januar. In Emmerisch an der holländischen Grenze sind umfangreiche Zigarrenschmuggeleien entdeckt worden, durch die der preußische FiSkuS um über 25000 Mk. Zoll­gebühren benachteiligt wurde. Der Schmuggel ist drei Jahre lang von holländischen Zugbeamten ausgesuhrt worden. Die Beteiligten sind grösstenteils verhaftet.

Petersburg, 17. Januar. Zur Linderung der Not der bei dem letzten Erdbeben im Gebiet vom Semicetschensk Betroffenen hat sich unter dem Vorsitz der Kaiserin ein Komitee gebildet, dem der Kaiser 50 000, die Kaiserin 10 000 und bai Rote Kreuz 15 000 Rubel zur Verfügung stellten.

Paris, 17. Jan. Bei der ärztlichen Untersuchung Mir- mans wurde sestgestellt, daß der Schuß den rechten Schenkel völlig durchbohrt und am linken Bein eine leichte Kontusion hervorgerufen hat. Gizolme antwortete dem Untersuchungs­richter in unzusammenhängenden Sätzen. Er verweigerte jede Auskunft und antwortete aus fast alle Fragen mit Schimpf- worten, erklärte aber schließlich, er habe wohl in der Richtung auf die Mitglieder der Regierung geschossen.

Bern, 17. Januar. Im Walliser Walde wurden vier Skiläufer aus Gens von eine Lawine überrascht. Drei von ihnen konnten sich retten, während der vierte tief im Schnee begraben wurde. Eine starke Rettung-kolonne mußte erfolgtet zurückkehren.