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Hersfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-^nschlutz Nr. 8
Nr. 145.
Donnerstag, den 8. Dezember
1910.
Amtlicher teil.
HerSfeld, den 2. Dezember 1910.
Am 19. Dezember 1910 von vormittag» 10 Uhr ab findet im Sitzungszimmer im hiesigen LandrattamtSgebäude eine Kreistagssitzung mit nachfolgender Tagesordnung statt.
1. Prüfung und Feststellung der Rechnung der KreiS- kommunallasse für daS Rechnungsjahr 1909 und Erteilung der Entlastung an den RechnungSführer.
2. Abänderung bei KreirtagSbefchlusseS vom 27. November 1909 (Ziffer 9 der Tagesordnung) betreffend die Aufbringung der Kosten für den Grunderwerb für die Kleinbahn Herrseld-HeimboldShaufen.
3. Begutachtung bei Landwegebauetats für daS Jahr 1911.
4. Begutachtung bei Projekts zum Umbau der Mühlgraben- und Herfabachbrücke in Station 0,04*0,6 und 0,04-81 bei Landwege» WölferShaufen-LengerS innerhalb der Gemarkung Wölfershausen.
5. Nachbewilligung von Kosten, die durch Beschädigung einer Anzahl Landwege infolge wolkenbruchartiger Regengüsse am 11. und 12. Juni d. I. entstanden sind.
6. Begutachtung bei Projekt» zum Ausbau bei Verbindungsweges MalkomeS-Dünkelrode und Aufnahme der Wegestrecke in den Landwegebau-Verband.
7. Beschlußfassung über die Frage, in welcher Reihenfolge Neubauten von Landwegen und bedeutenderen Correktionrn an solchen sowie Brücken etc. im Kreise dem BezirkS- vrrbande in den nächsten Jahren zur Ausführung vorzuschlagen sind, und Ausstellung eines entsprechenden Verzeichnisses.
8. Wahl einei KreiSauSschußmitgliedeS an Stelle bei Herrn Bürgermeister» Strauß in HerSfeld, für die Zeit bis zum 1. Juli 1914.
9. Wahl der Abgeordneten zum Kommunallandtage für die Wahlperiode vom 20. Dezember 1910 bis 20. Dezember 1916 (§ 11, 16 und 19 der Provinzialordnung.)
10. Wahl der Mitglieder und Stellvertreter der Ersatzkommission für die Jahre 1911 bis einschließlich 1913 (§ 2 pos. 6 der Ersatz-Ordnung.)
11. Wahl von 6 Sachverständigen für die Aushebung von Kraftwagen im Mobilmachung-falle. (§ 33 Absatz 3 bei ReichsgesetzeS über die KriegSleistungen vom 13. Juni 1873 und § 16 der Verordnung vom 1. April 1876.)
12. Wahl der Kommission zur Untrrv«rteilung der vom Kreise aufzubringenden Lieferungen im MobilmachungS- falle. (§ 16 bei Gesetzes über die KriegSleistungen vom 13. Juni 1873.)
13. Beschlußfassung über die Veräußerung von Grundstücks- parzellen (Trennstücke), die auS Anlaß deS Baue» der staatlichen Nebenbahnen HerSfeld-Treyfa und Gerstungen-
Roman von E. v. Winterfeld-Warnow.
(Fortsetzung.)
ES war noch ein junger Deutscher anwesend, ein Herr Roderich, und der zweite Pastor an St. John, Mr. Gurney.
Mit dem Deutschen konnte Leonie von Deutschland plaudern, von deutschen Wäldern im Schneegewand, von deutschen Weihnachten. Und auch Miß Barton, die ein Jahr lang in Dre-den in Pension gewesen war, gesellte sich dazu und srifchte gern ihre deutschen Erinnerungen aus.
Und so verging der Abend, vor dem sich Leonie anfangi so gesürchtet hatte, fröhlich und in Frieden.
Sobald die Gäste ausgebtochen waren und noch eine Weile vom Vorgarten her die lustigen Stimmen erschallten, drehte Leonie die Gasflammen au-, und reichte Mr. Bateman die Hand zum Gute-Nacht-Gruß. Er hielt sie einen Augenblick fest in bet seinen und sah ihr tief in die Augen.
Aber er sagte nicht».
Sie hatte heute wohl ihr Leid vergessen.
Nur die Glückseligkeit, von bet er gesprochen hatte, die war ihr wohl noch nicht ausgegangen. Wenn er sie ihr doch bringen könnte!
* * *
Tagelang war Leutnant von Tessow mit einem Gesühl von Angst herumgegangen. Er schrak zusammen bei jedem Geräusch.
Doch endlich beruhigte er sich.
Er konnte nicht ander» sein, seine erregten Sinne hatten ihm eine Spukgestalt vorgetäuscht.
Oder vielleicht auch hatte ihn nur eine Aehnlichkeit genarrt. Ein» jedenfall» war ihm zweifellos klar geworden, seine Liebe zu der schönen Frau war nur ein Rausch gewesen, ein Strohseuer der Leidenschaft, und beibei verflog, je länger er in Bremen lebte.
Vacha-Hünfeld in daS Eigentum bei Kreise- übergegangen sind und noch übergehen werden.
A. 8618. Der Landrat
von GruneliuS.
Der Saatenftand Mitte November 1910. Regierungsbezirk Cassel, Kreis Hersfeld. Begutachtungsziffern (Noten): 1 — sehr gut, 2 = gut, 3 = mittet, 4 = gering, 5 = sehr gering.
Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirt- schaff rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.
— I B c 9476 M. f. L. — I d 3646 M. d. I. —)
Fr u ch t art en usw.
Winter wetzen . Sommerweizen . Winterspelz (Dinkel) . Winterroggen . Sommerroggen . Sommergerste . Hafer . Erbsen Ackerbohnen Wicken . Kartoffeln . Zuckerrüben Winterraps u.-Rübsen Flachs (Lein) .
Luzerne
Wiesen mit künstlicher Be- (Ent-) Wässerung Andere Wiesen .
Kgl. Preuß. Statistisches Landesamt. Dr. Blenk, Präsident.
nichtamtlicher Ceil.
Ae internationale Seite des deutschen SchisfahrtsatziidenProjtktts.
Der Verlauf der ersten Lesung bei Gesetzentwürfe», bet» die Einführung von SchiffahrtSabgaben, im Reichstage hat bereit» erkennen lassen, daß der Gesetzentwurf zustandekommen wird, wenn auch wohl nicht in feiner vorliegenden Form, so doch in der Gestalt, die er in der Kommission erhalten dürste. ES darf sogar schon jetzt al» sicher gelten, daß die Vorlage in der Kommission-fassung schließlich eine sehr erhebliche Mehrheit im Reich-tage findet, und ebenso kann man ei ali ziemlich feststehend erachten, daß dir verbündeten Regierungen keinen prinzipiellen Widerspruch gegen die zu erwartenden Kommission-beschlüsse erheben werden.
Er hatte im Lüningschen Hause Besuch gemacht.
Der Herr Senator trat ihm entgegen ali ein würdevoller älterer Herr, mit leuchtend frischen Farben, aui- rasiertem Kinn und einer sehr stattlichen Haltung. Ruhig und gemessen wie seine Bewegungen war auch seine Art zu sprechen. Neben ihm erschien die Frau Senator Lüning als eine kleine, außerordentlich frische, rundlich-rosige Blondine.
Als er sie erblickte, schoß ei Tessow durch den Kopf: So wird Lolo später auch einmal au-sehen! Er schien ihm nicht unsympathisch. Sicher war diese Frau Senator ein Frauentypus, mit dem sich leben ließ. Freundlich, tätig, geschickt, nicht gerade hervorragend, im Gegenteil, ein bißchen unbedeutend eher, aber die geborene HauSsrau, ganz auf. gehend in der Fürsorge für Gatten und Kind, und außer» dem bequem in ihren DurchschnittSansprüchen, in ihrer Lenkbarkeit.
Vorläufig freilich war Lolo Lüning noch ein unbeschriebene- Blatt. Er blieb jedenfalls ganz ihrem zukünftigen Gatten über, lassen, in ihr die Leben-gefährtin ganz nach seinem Geschmack zu bilden. Sie war weich wie Wach», ein Kind mit ihren siebzehn Jahren.
Diesen Winter sollte übrigen- ihr Debüt in der Gesellschaft stattfinden; sie freute sich kindlich auf ihren ersten wirklichen Ball.
Da eS damit aber noch geraume Zeit dauerte, genoß sie ein vorerst andere», nach ihrer Meinung auch köstliche- Vergnügen: da- Schlittschuhlaufen. Kaum ist wohl eine andere deutsche Stadt so begeistert, ihrer Lage nach so geeignet für diesen Sport ali Bremen.
Rund um die innere Stadt zieht sich ein Ring von breiten Gräben, den ehemaligen Festung-gräben, umrahmt von Wallonlagen, Rasenflächen und Blumrnparterre-. Diese ehe» maligrn Festung-gräben tragen im Winter meist eine starke Ei-decke und bilden bann eine stundenweit au»ge- dehnte, herrliche Ei-bahn, vom Stefani-Tor bii zum Oster- deich.
Da auch Tessow leidenschaftlicher Schlittschuhläufer roar' traf et hier bald mit Lolo Lüning zusammen. Er sprach sie
Soweit wäre demnach alle» recht gut und schön, aber trotz bet zu gewärtigenden Zustimmung bei deutschen Reich-- parlamente- zum Gesetzentwürfe über die Schiffahrt-abgaben hat die ganze Frage doch noch einen recht bemerken-werten Haken, und dieser wird durch die internationale Seite der Angelegenheit repräsentiert. Bekanntlich können Oesterreich und Holland ein Wörtchen in der Sache mitreden, die- aus Grund der mit diesen beiden Staaten früher abgeschlossenen Verträge über die Schiffahrt auf der Elbe, resp, auf dem Rhein, in welchen internationalen Abkommen die Abgaben- sreiheit bei Veikchr» aus diesen Strömen ganz besonder- festgesetzt worden ist. E- haben aber sowohl die österreichische al- auch die holländische Regierung bii jetzt schon zu wieder, holten Malen in bestimmtester Weise erklärt, daß sie an diesen Verträgen festhalten und darum die Belastung der Schiffahrt auf Elbe und Rhein mißbilligen müßten, eine Stellungnahme, welche alle beide Regierungen noch bii in die letzte Zeit hinein bekundet haben und welche auch von den Parlamenten in Oesterreich und in den Niederlanden und weiter von der ganzen öffentlichen Meinung in diesen beiden Staaten geteilt wird. Speziell waS Oesterreich anbelangt, so hat erst jüngst der österreichische Relch-rattabgeordnete Dr. Urban auf der in DreSden obgehaltenen Sitzung bei Vorstand«- bei Alldeutschen Verbände- nochmals mitteilen können, daß die österreichische Regierung wie der österreichische Reich-rat nach wie vor ihre ablehnende Haltung gegenüber dem Schiffahrtt- abgabenprojekte nicht geändert haben.
E- ergibt sich also für die deutsche Regierung die Notwendigkeit, nach und trotz der Genehmigung bei Gesetze- über die SchiffahrtSabgaben noch die Zustimmung Oesterreich» und Holland» hierzu einholen zu müssen. Selbstverständlich find hierzu diplomatische Verhandlungen nötig, welche auch der Reichskanzler v. Bethmann Hollweg bei der Generaldebatte bei Reich-tage» über die Schiffahrt-abgabenvorlage angekündigt hat. Angesicht» der erwähnten Stellungnahme Oesterreich» und Hollands in der Angelegenheit der SchiffahrtSabgaben dürften sich diese Verhandlungen kaum zweifelhaft recht schwierig gestalten, und ei scheint fast, daß man in den Berliner Regierung-kreisen die internationale Seite der Frage der SchiffahrtSabgaben viel zu leicht genommen hat. Zunächst muß freilich obgewartet werden, welchen Verlaus die Verhandlungen Deutschlands mit den beiden AuSlandSstaaten über die SchiffahrtSabgaben nehmen werden. Immerhin muß doch bereits jetzt mit der Möglichkeit eines negativen Ergebnisse- gerechnet werden, dann würde der deutschen Regierung nichts übrig bleiben, als entweder durch eine Art Gewaltpolitik die beiden widerstrebenden Mächte noch zur Einwilligung in die SchiffahrtSabgaben zu zwingen, oder bat ganze Gesetz nur sehr verkürzt zur Au-führung zu bringen. Ersterer AuSweg, das läßt sich ohne weitere» erkennen, hätte seine großen Bedenklichkeiten, würden doch durch eine solche Gewaltpolitik die freundschaftlichen Beziehungen DeutschlandS zu Oesterreich und Holland schwer erschüttert werden, so bliebe
sofort an und bat, sie begleiten zu dürfen. Sie gab mit ihrem strahlenden Lächeln die Einwilligung und dann fausten sie dahin über die spiegelnde Fläche.
War da- köstlich!
War dar herrlich! So frisch, so frei! Die Wangen röteten sich, und die Augen glänzten.
Sie plauderten von allem Möglichen und lachten oft hell und ungezwungen aus. Tessow war ja auch erst vlerundzwanzig Jahre alt.
Jugend um Jugend I
Schien heute die Sonne besonder» hell? Lachte der Himmel besonder» blau? Wie köstlich die Landschaft war! Rauhreif auf Bäumen und Sträuchern; alle» sah auS wir mit Zuckerkant bestreut. Goldige Lichter zitterten darüber. Dazwischen tummelten und trieben sich fröhliche und lachende Menschen umher. Jungen, die eine lange Kette bildeten und mit Hurra und Gejohle die einzelnen Schlittschuhläufer umzu- rennen suchten, elegante Damen, die mit viel Geschmack und Grazie ihre Kreise zogen, Kunstläuier, die Zahl-n und Buchstaben in daS EiS ritzten und eine Menge Zuschauer um sich versammelten.
Endlich wurde es einsam. Aus dem kleinen Fernste, dem letzten, ganz von Bäumen cingtschlosscncn Teil der Stadt- grädcn, waren nur wenige Läufer, meist Aniänger, die hier in der Einsamkeit den schönen Sport erlernen wollten. Bit hierher war Tessow mit feiner Begletterin gekommen. Unwillkürlich blieb er stehen und warf einen prüfenden Blick aus sie. Ihre Blicke fielen ineinander; sie erröteten beide.
Tessow erschrak plötzlich bis ins Herz hinein. WaS war daS, waS ihm auS den kindlich offenen Zügen deS jungen Mädchen» entgegen blickte? DaS war mehr al» ungeheuchelte Zuneigung — da- war Leidenschaft, Liebe!
Da- durste nimmer geschehen!
Er konnte doch nicht so rasch vergessen, waS hinter ihm lag, waS ihn bis in die jüngsten Tage verfolgte.
Mit einem Ruck riß er sich innerlich zusammt».
„Mein gnädige» Fräulein", sagte er plötzlich sehr förmlich