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Herzfeltzer Kreisblatt

_ - I, I i.,. .^D,, m I UJll ...ll.^^ IM Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 140. Sonnabend, den 20. November 1910*

Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten.

Erstes Blatt.

71 unlieber teil

HerSseld, den 17. November 1910.

Briese dienstlichen Inhalts werden durch die Post wieder­holt in meiner Privatwohnung bestellt, weil sie mit meiner persönlichen Adresse versehen sind, und ihr dienstlicher Charakter äußerlich nicht zu erkennen ist. Hierdurch kann eine unerwünschte Verzögerung in der Erledigung dienstlicher Angelegenheiten eintreten.

Ich bitte deshalb, Dienst-Briese nur mit der dienstlichen AdresseAn den Herrn Landrat in Herkseld" zu versehen und bei Briefen, die einenGeheimen" oder Vertraulichen" Inhalt haben, der Adresse noch den VermerkPersönlich" hinzuzusetzen.

I. 12241. Der Landrat

von GruneliuS.

HerSseld, den 23. November 1910.

Unter dem Schweinebestande des Georg Schäfer hier ist die Rotlausseuche auSgebrochen. I. 12143. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, Kreissekretär.

HerSseld, den 23. November 1910.

Unter dem Schweinebestande deS Landwirts Louis Rein­hardt hier ist die Echweineseuche auSgebrochen. I. 12223. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, Kreissekretär.

HerSfeld, den 23. November 1910.

In HedderSdors ist der Schweinerotlaus amtlich festgestellt worden.

I. Nr. I. 12144. Der Landrat.

I. A.:

Wefsel, Kreissekretär.

HerSseld, den 23. November 1910.

Unter dem Rindviehbestande bei Gutsbesitzers Krudup in Hof Metzlar bei Sontra, Kreis Rotenburg, ist die Maul- und Klauenseuche auSgebrochen. I. 12202. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, Kreissekretär.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Der ReichStag, der nicht geschloffen, sondern nur vertagt worden war, hat seine Psorten wieder geöffnet. Ein sehr reiches Arbeitspensum harrt seiner. Toll dasselbe erledigt werden, so müssen alle überflüssigen parteipolitischen AuS- einandersetzungen vermieden und die Verhandlungen so knapp und sachlich wie nur möglich gestaltet werden. In einer seiner ersten Reden nach Uebernahme deS höchsten EtaatSamtrS gab der jetzige Reichskanzler dem Gedanken Ausdruck, daß der Zwang zur Arbeit" daS Heilmittel sei, aus daS er rechne, um der nutzlosen Parteiverhetzung ein Ende zu bereiten und die Parteien, die durch ihre Grundsätze und Bestrebungen aus­einander angewiesen seien, wieder zusammenzusühren. Nun, dieserZwang zur Arbeit" ist gegenwärtig sür den Reichstag im stärksten Maße vorhanden, und so wollen wir von Herzen wünschen und hoffen, daß er die segensreiche Wirkung, die ihm unser Reichskanzler zuschreibt, in vollem Umfange betätigen möge.

In Oesterreich ist der böhmischeLandtag vertagt worden. Doch bedeutet diese Vertagung keineswegs ein end­gültiges Scheitern deS AuSgleichSwerkeS. Die nationalpolitische Kommission wird vielmehr ihre Arbeiten wahrscheinlich um oie Mitte deS Dezember» wieder aufnehmen. Für einen ge- derhlichen Fortgang der AuSgleichtverhandlungen aber dürfte eS von entscheidender Bedeutung sein, welche Stellung die beutschen und tschechischen Parteien in der jetzt beginnenden Kampagne bei Reich-rate» zueinander einnehmen werden.

wäre daher im höchsten Grade wünschenswert, wenn in ocn bevorstehenden Verhandlungen des ReichSrateS auf beiden Zeiten eine versöhnliche und dem nationalen Frieden geneigte Stimmung zutage träte.

In England ist der Wahlkamps bereit» mit einer ^ ^ r em ierm 1 n i st«r ««quit h eröffnet worden. UnÄu scharfe Angriffe gegen bal Oberhau«. DaS 'terljaul sei durch daS Oberhau» systematisch lahmgelegt

worden; daS Oberhaus müsse aus jene untergeordneten Funk­tionen beschränkt werden, die sür eine solche Körperhaft ange­messen seien. Die großen Fragen, welche die Regierung ver­trete, könnten nicht ausgeschoben werden. Ebenso sind auch die Konservativen bereits aus dem Kampsplatze erschienen. Ihr Führer B a l s o u r hielt in Nottinghaum in der Jahresver­sammlung deS Landesverbandes konservativer Vereine eine Rede über die Lage. Er stellte als Hauptaufgabe der Kon­servativen oder Unionisten die Tarifresorm hin; wenn diese zu einer Erhöhung der Brotpreise sühre, so müsse zum AuSgleich eine Ermäßigung der Zölle aus Tee, Zucker und dergleichen eintreten. Sodann äußerte er sich zur Frage der Reform bei Oberhauses und legte dar, daß die treibende Kraft im Kampse der Regierung um daS Oberhaus die Sozialisten und die Iren seien. In der Bevölkerung England» ist die Wahlstimmung noch sehr lau und von Kampfeslust wenig zu spüren. Für die englische Regierung, welche die Erledigung der OberhauS- srage in ihrem Sinne gern all nationale Lebensfrage be­handelt sehen möchte, erscheint dieser Umstand nicht gerade besonder» günstig.

Aus den französischen Ministerpräsidenten B r i a n d ist ein allerding» ganz unblutig verlaufenes Attentat auSgeübt worden. Der Attentäter gehört den monarchistischen Parteien an, waS der Sache dieser Parteien gewiß nicht von Vorteil sein dürste. In Mexiko sind revolutionäre Unruhen im Gange, die eine gefahrdrohende Ausdehnung zu gewinnen scheinen. Die Vereinigten Staaten treffen bereit» Maßnahmen, um ihren Grenzschutz zu verstärken, und man geht vielleicht nicht fehl, wenn man annimmt, daß ihnen bei ihrem starken Expansion-drang« ein Grund zur Einmischung in den mexikanischen Angelegenheiten gar nicht so unwillkommen wäre.

Reichstag.

Am Mittwoch, den 23. November, beschäftigte sich der Reichstag mit dem leidigen Thema von der Fleischnot, wozu die von konservativer, wie von sozialdemokratisch« Seite hier­über eingebrachten Interpellationen Anlaß gaben. Die sozial­demokratische Interpellation wurde vomGenossen" Emmel in scharfer Weise begründet, während der Vertreter der konser­vativen Interpellation, Abg. Rupp, wesentlich andere Töne anschlug und im Gegensatz zum Vorredner meinte, von einer Fleischnot in Deutschland könne gar keine Rede sein, sondern höchsten» von einer an vielen Orten herrschenden Fleischteuerung. Der Staatssekretär bei ReichSamteS bei Innern Dr. Delbrück beantwortete die Interpellationen durch eine vom Blatte ver­lesene längere Erklärung, aus welcher erhellt, daß nach wie vor keine einschneidenden Maßnahmen der ReichSregierung zur Be- kämpsung der unzweiselhaft vorhandenen empfindlichen Fleisch- teuerung zu erwarten sind. Unter Ausbietung eines großen Zahlenmaterial» erklärte der Staat-sekretär, schon auS ernsten Bedenken wegen der vielfach im Auslande bestehenden Seuchen- gefahr fei an eine erweiterte Oeffnung der Reich-grenzen für die Schlachtvieheinfuhr nicht zu denken, eine Aushebung bei FleischeinsuhrverboteS aber fei zurzeit wegen der strengen Be­stimmungen des deutschen FleifchbeschaugesetzeS nicht angängig. Auch eine Ermäßigung oder Beseitigung der Einfuhrzölle auf Fleisch-, Vieh- und Futtermittel könne wegen der sonst hier- von zu gewärtigenden Erschütterung der deutschen Tarissysteme nicht stattfinden. Die Eisenbahntorise sür Vieh und Futter schließlich seien schon so mäßig, daß sie nicht noch weiter herab- gesetzt werden könnten. Dem Staatssekretär sekundierte der preußische Landwirtschaft-minister von Echorlemer. Auch er operierte mit einem großen Zahlenmaterial, durch welches er den Nachwei- zu führen versuchte, daß ungeachtet der nicht zu leugnenden Fleischteuerung in Deutschland kein Grund zu dauernden Besorgnissen wegen einer Fleischnot vorhanden sei. In der sich anschließenden Besprechung der Interpellationen teilte der Zentrum-abgeordnete Dr. Herold durchaus den Standpunkt der beiden RegierungSvertreter in der Fleischnot» frage, aus welchen sich auch der Abg. Stauffer von der wirtsch. Vereinigung stellte; er versocht die Meinung, in Deutschland könne es überhaupt niemals einen Fleischmangel geben, bal deutsche Volk vermöge sich selbst zu ernähren.

Aus der gestrigen Tagesordnung stand zunächst die Wahl eines Zweiten Vizepräsidenten an Stelle deS von seinem Amte zurück.,etretenen Adg. Erbprinzen zu Hohenlohe-Langenburg. Die unter NamenSausrus mit Stimmzetteln vollzogene Wahl ergibt solgendes Resultat: von 311 abgegebenen gültigen Stimmen entfallen aus den Abg. Schultz-Bromberg (Rp.) 186, auf den Abg. Singer (Soz.) 52, je eine auf die Abgg. Dr. Naumann (Fortschr. Vp.), Dr. Müller-Meiningen (Fottschr. Vp.), Stadt- Hagen (Soz.), Kobelt (Fortsch. Vp.), und Dr. Spahn-War- bürg (Z.) (Heiterkeit), unbeschrieben sind 68 Stimmzettel. Abg. Schnitz ist somit gewählt. Dieser nimmt die Wahl mit Dan- kesworten an. An Stelle bei verstorbenen Abg. Schmidt- Marburg (Z.) wird auf Borschlag bei Abg. v. Normann (konj.) Abg. Dr. Faßbender (8 ) per Akklamation zum Mitglied für die ReichSschuldenkommission gewählt.

Darauf wird die Besprechung der Interpellationen bcir. Nahrung-mittel resp. Fleischteuerung fortgesetzt.

Aus -en Geheimnissen -er Fremdenlegion.

Pari-, 22. November. AuS den Geheimniffen der sranzösilchen Fremdenlegion erzählt daSJournal" heute eine grauenhafte Geschichte, an deren Wahrheit gewiß niemand zu glauben wagte, wenn der Tatbestand nicht von einem der namhaftesten Mitarbeiter bei großen Boulevardblatt«- in jeder Einzelheit verbürgt würde. ES handelt sich wieder einmal um die grausame Mißhandlung eine! jungen Rekruten, einet Elsässers, den die Hetzreden der Franzö-linge über die Grenze und unter die Fahnen der Republik getrieben hatten, wo er statt der erträumten kriegerischen Ehren ein ebenso qualvolle» wie unrühmliches Ende fand. Weißrock hieß er, und in bem Dörfchen Sulz, wo er geboren war, hatte er seine Kindheit verlebt. Sein Vater soll viele Jahre in der französischen Armee gedient und sich in verschiedenen Feldzügen bei Kaiserreichs so ausgezeichnet haben, daß er schon für die Tapferkeit-medaille vorgeschlagen war, als ibn der Krieg von 1870 in deutsche Grsangenschaft brächte. Daß in der Familie einet solchen Veteranen französische Erinnerungen sortleben, ist nicht zu verwundern. Die jungen Männer, bet alten Weißrock Neffen, zogen, sobald sie bat gestellungspflichtige Alter erreichten, einer nach dem andern nach Frankreich hin­über, und der Sohn folgte ihnen im letzten Frühjahr, alt er eben 18 Jahre zählte. Er kam in bat erste Fremden« Regiment und mit demselben nach Marokko. Lange hat er die Sklaverei nicht ertragen müssen, denn schon im Juni bracht« ihn die erbarmungslose Strenge seiner Vorgesetzten elen­dig um- Leben.Am 22. Juni, adendt", so erzählt bat Journal",verließ die dritte berittene Kompagnie de» 1. Regiment- Forthassa, um aus Berguent und Wetter aus Tocourt zu marschieren. Dem Brauch gemäß gab ei für je zwei Mann ein Maultier, da» sie abwechselnd bestiegen, so daß jeder Soldat eine Etappe im Sattel, die nächste zu Fuß zurücklegen mußte. Man machte 5Va dir 6 Kilometer in der Stund«. Die ersten beiden Tage über ging alle- gut, und am 25. Juni, gegen 9 Uhr vormittags, brach die Kompagnie zu ihrer vierten Etappe aus. Er herrschte eine versengende Sonnenglut, den Leuten brannte da» Gehirn und die Kehlen waren trocken, aber der Leutnant Brillat-Savarin hatte verboten, unterwegs aus Bächen oder Zisternen zu trinken, weil er daS Waffer sür ungesund, vielleicht gor sür vergiftet hielt. Aber der Rekrut Weißrock traut dennoch. Als die Kolonne Halt machte, schlich er sich um etwa 200 Meter weit rückwärts zu einem Waffertümpel, aus dem er feine Feldflasche füllte. Der Leutnant hatte ihn bemerkt und diktierte ihm sofort eine Strafe; er mußte statt einer Etappe beten zwei zu Fuß zurücklegen. Da er korpulent war, lies er sich sehr bald wund, an den Füßen und anderwärts. Es wurde ihm immer schwieriger, Schritt zu hatten, er geriet in- Hintertreffen und humpelte mühsam hinter der Kolonne drein. Dafür brummte ihm der Feldwebel Landser, alt die nächste AuSruhestelle erreicht war, sür eine dritte Etappe Fuß­marsch auf. Er überwand auch diese Anstrengung, aber mit einer halben Stunde Verspätung.

Am folgenden Morgen, am 26. Juni, durst« er zuerst bat Maultier besteigen. Da ihn feine wunden Füße allzusehr schmerzten, wollte der nebenher marschierende Kamerad ihn auch noch die folgende Strecke im Sattel lassen, aber der Feldwebel duldete solche Verletzung der Dienstregeln und der Disziplin nicht, sondern hieß ihn heruntersteigen und in Reihe und Glied marschieren. Da» ging nur eine kurze Weile; dann konnte der unglückliche Mensch nicht weiter. Sein Unteroffizier, gutmütiger all dir andern Vorgesetzten, riet ihm, er möge sich am Schweif bei neben ihm schreitenden Maultiere- festhalten. Indes dieser neue Verstoß gegen die Disziplin regte dem Leutnant Brillat-Savarin die Galle. Er war empört, daß der junge Soldat sichso schamlos mit- schleppen ließ" und trieb ihn in die Reihen der Fußgänger zurück. Von Schmerzen gepeinigt, von der Hitze betäubt, taumelte Weißrock noch eine kurze Strecke weiter, dann sank er besinnungslos hin und blieb in der dürren WildniS liegen. Als der Leutnant sein Verschwinden bemerkte, schickte er einen Unteroffizier aus der Marschroute zurück, um dem Maroden sein Gewehr abzunehmen und ihn dann seinem Schicksal zu überlasten. . . .

Die Kolonne marschierte weiter, und niemand hörte mehr von dem Kameraden Weißrock. Etliche Tage später traf Per- stärkung ein, die derselben Wege« gezogen war. Man fragte die Leute nach dem Verschwundenen. Sie hatten ihn nicht gesehen, oder doch! An der Stelle, wo der arme kleine Elsässer gefallen, entwaffnet und wehrlos jedem Angriff prci<- gegeben worden war, hatten die Nachzügler ein in der Sonne bleichendes Gerippe gesunden und neben demselben noch vereinzelte Tuchsetzen, die von der Uniform einet Legionär» herzustammen schienen. Kein Zweifel: der kleine Elsässer, den feine törichte Begeisterung für bal edle Galliervolk von Heimat und Freunden fort in die afrikanische Wüstenei getrieben hatte, war dort hilflos und wehrlos den reißenden Tieren zur Beute gefallen, er war noch lebend von Hyänen und Schakalen zeifleischt worden."

Man möchte daS Ent'etzliche nicht für möglich halten. Aber Waffengenosten bei Unglücklichen haben den Vorgang brieflich an die Redaktion derJournal" gemeldet, und biefe