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herrselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: Illustriertes Sonntagsblatt" und Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage'
Zernsprech-Hnschlutz Nr. 8
Nr. 139.
Donnerstag, den 24. November
1910.
Amtlicher teil
HerSfeld, den 18. November 1910.
Die unter dem Schweinebestande deS Heinrich Nuhn in KruspiS auSgebrochene Rotlausseuche ist erloschen. I. 11950. Der Landrat.
I. «.:
W e s s e l, Kreissekretär.
HerSfeld, den 18. November 1910.
Die unter dem Schweinebestande de- Peter Goßmann in Friedlos auSgebrochene Rotlausseuche ist erloschen.
I. 11934. Der Landrat.
I. ».:
Wessel, KreiSsekretür.
An der KreiSlehrschmiede in Weißenborn, KreiS Rotenburg a/F., soll der nächste KursuS für Schmiede, die ihre Hufbeschlag-Prüfung ablegen wollen, Mitte Dezember d. I». beginnen. Derselbe wird Mitte März 1911 mit der Prüfung endigen. Kost und Wohnung erhalten die Teilnehmer billigst im Hause. Werkzeuge und Bücher werden frei geliefert. Nähere Auskunft erteilt Lehrschmiedemeister Diegel in Weißen- born b/Sontra.
Rotenburg a/F., am 12. November 1910.
Der Vorsitzende deS KreiSauSschuffeS: gez. Tuercke, Landrat.
* * HerSfeld* den 19. November 1910. Wird veröffentlicht.
I. 12013. Der Landrat.
I. A.:
W e s s e l, Kreirsekretär.
nichtamtlicher teil.
Sie WertzMWtmr.
Der Reichstag wird sich demnächst mit einem letzten, aber bedeutsamen Rest der ReichSfinanzreform zu befassen haben, der Wertzuwachssteuer. Sie wurde im Frühjahr 1909 nach der Ablehnung der Erbschaftssteuer von dem konservativen Abgeordneten Grafen Westarp beantragt und in der Kommission im Prinzip einstimmig von allen Parteien angenommen. Man beschloß dann, bis die ReichSfinanzverwaltung eine Wertzuwachssteuer ausgearbeitet hätte, einen Zuschlag zu dem GrundstückSumsatzstempel zu erheben. Bereits im Frühjahr dieses JahreS wurde nun dem Reichstag der von der Reichs- finanzverwaltung auSgearbritete Entwurf einer Wertzuwachs- steuer vorgelegt. Leider konnte die Kommission ihn nicht
Ein missvmtändnis.
Novelle von Tea van Hufen.
(Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
»Diese Frage richtig zu beantworten ist sehr schwer, Frau Gräfin, wenn man sich nicht wirklich in solcher Lagt befunden hat", erwiderte Konrad nach einer momentanen Pause, während er mit halb traurigem, halb bitterem Lächeln zu ihr niedersah.
„Dann will ich Ihnen sagen, wie Sie gehandelt haben würden", fuhr Marianne fort, während ihre Züge eine tiefe Erregung ausdrückten, „Sie würden der Verarmten durch verdoppelte Liebe zu ersetzen suchen, waS sie verloren hat. Habe ich recht?" und sie sah mit liebevollem Au-druck zu ihm aus. »Konrad", fuhr sie, immer leidenschaftlicher werdend, fort, und streckte ihm unwillkürlich ihre beiden Hände entgegen, „haben Sie nach alledem, waS ich Ihnen zu Leide getan habe, noch Achtung genug vor mir, um mich eine kleine Weile anzuhören. und meinen Worten Glauben zu schenken?"
Und sie schaute ihn mit einem trüben, halb verlegenen, halb bittenden Lächeln an, daS Konrad tief zu Herzen drang.
Hätte er seinen Gefühlen folgen dürsrn, so würde er bit "dargereichten Hände mit leidenschaftlichen Küssen bedeckt haben. Aber sein Stolz mahnte ihn noch zur rechten chrige ^"^^"' fast zögernd, legte er seine Hand in die
„Warum sollte ich Ihnen nicht glauben?"
Und er klang eine leise Wehmut durch seine Stimme.
Er wollte ihr feine Hand wieder entziehen; doch ihre Finger hatten sich fest um dieselbe geschlossen, und mit einem leisen Druck derselben zog sie ihn neben sich nieder. Und mit hastigen Worten erzählte sie ihm nun, wie ihr als sie noch die arme Psarrerttochter gewesen, ' Wahrsagerin prophezeit habe, sie werde nicht um ihrer sondern um ihres Titel« und Reichtum- halber gefreit
mehr vor der Vertagung erledigen, so daß er noch im Winterpensum aufzuarbeiten bleibt.
Die Besteuerung deS unverdienten Wertzuwachses ist eine so vernünftige Idee, daß sie bei allen gesund denkenden Menschen Beifall findet. Wenn eine Stadt sich rasch entwickelt und einen beständigen Zustrom neuer Einwohner aufnimmt, so machen die Besitzer deS Grund und Boden- in der Stadt einen erheblichen Gewinn, weil die Nachfrage nach Woh- nungcn und Geschäftsgrundstücken ständig zunimmt, während der Grund und Boden sich nicht vermehren läßt. So heimsen diejenigen, die den Grund und Boden in Händen haben, ganz erklecklichen Gewinn ein, zu dessen Entstehung sie nichts oder so gut wie nicht- beigetragen haben. Ein ganz besonderer PluS erzielen dabei die Terrain-Spekulanten, die sich rechtzeitig den Besitz de» Boden- in den Vororten der großen Städte sichern und, wenn nun die Großstadt sich dorthin entwickelt, die reservierten Grundstücke an die Zuziehenden teuer verkaufen. Er gibt in der Tat wohl kaum einen Gewinn, an den sich die Steuerschraube so mit Recht ansetzen ließe, wie an diesen unverdienten Wertzuwachs. Natürlich erheben die nächst betroffenen die Terrain-Gesellschaften und Grundstücksspekulanten lebhaften Protest.
ES wird nun aber die Befürchtung ausgesprochen, als könnte die Wertzuwachssteuer auch die ländlichen Grundbesitzer in erheblicher Weise treffen. Wenn nämlich durch die Arbeit bei Landwirt- der Boden auS einem minderwertigen um» gewandelt fei in erstklassigen, ertragreichen Boden, so steige damit auch fein Wert, und wenn der Besitzer ihn verkausc, käme auch er in die Notwendigkeit, für die von ihm verrichteten Arbeiten eine Steuer zahlen zu müssen. Da- würde zweiselloS den Absichten der Gesetzgebers nicht entsprechen, der ja nur den unverdienten Wertzuwachs treffen will. Nach den Bestimmungen deS GesetzeS ist c- aber ausgeschlossen, daß ein erarbeiteter Mehrwert der Steuer unterfallen könnte. Einmal bestimmt eS, daß Aufwendungen des Besitzers von dem Zu- wachs abzurechnen sind, und daneben ein Zuschlag zu den Auswendungen, der eine Entlohnung für die von dem Grundbesitzer ausgewendete eigene Mühe und Arbeit darstellt. Sodann aber hat man die Steuerstaffel verschieden gestaltet, je nachdem eS sich um hochwertige Grundstücke mit einem Preise, wie er nur in großen Städten oder in ihrer Nähe vorkommt, handelt, oder um landwirtschaftliche Grundstücke mit normalem Preise. Für die letzteren ist die Steuer so abgestuft, daß der Wertzuwachs, welcher unter normalen Verhältnissen durch die Kulturarbeit deS Grundbesitzers erzielt wird, ganz steuerfrei bleibt. Bei ländlichen Grundstücken wird eine Wertzuwachssteuer nur zu zahlen sein, wenn unter besondem Umständen, wie infolge der Tätigkeit der AnsiedlungSkommission oder bei erheblicher Verbesserung der Verkehrs- und Absatzverhältnisse durch Anlegung von Eisenbahnen, Errichtung von Eisenbahn- haltestellen in kurzer Zeit eine erhebliche Wertsteigerung ein» getreten ist.
Außerdem kann allerdings auch die Bodenspekulation, die
werden, und wie sie sich in ihrem törichten Aberglauben mit dem Gedanken gcquält habe, daß Konrad sie nicht allein um ihrer selbst willen liebe, daß sie ihn deshalb habe auf die Probe stellen wollen, wodurch dann jenes unselige Mißverständnis entstanden sei, und daS sie erst vor wenigen Tagen erfahren habe und womit ihr erst bat ganze bittere Unrecht, daS sie ihm zugefügt, klar geworden fei.
Konrad hatte ihr mit dem Ausdruck höchster Verwunderung und Ucberraschung zugehört; ihre Worte drangen wie ein plötzlicher Strahl in die Finsternis, die feit seinem letzten BegegniS mit der Geliebten sein Dasein umnachtet hatte.
Die Gräfin hatte mit bleichen Wangen und zitternder Stimme zu reden angefangen, aber allmählich ward ih e Stimme fester und al- sie jetzt schwieg, suchte sie mit hochgc» röteten Wangen und tränenumflorten Augen seinem Blicke zu begegnen.
Und Konrad?
RegungSlo» saß er da; sie hätte noch lange, lange sprechen können, ohne daß er sie unterbrochen haben würde. Nur seine Augen verrieten, welcher Wechsel in seinem Innern vorging. War er kein Traum? War e- denn wirklich wahr, daß seine Marianne al- Reuige, al» Bittende um seine Liebe zu ihm gekommen war?
Ihre Hände, die die seinen ersaßt, schreckten ihn auS der Erstarrung, die ihn ergriffen hatte, auf.
„Konrad", rief sie in höchster Erregung, „hast Du Ber- zeihung für mich? Kannst Du mir Deine Liebe wiedergeben und mich wieder an Dein Herz nehmen?"
Da, noch ehe sie zu Ende gesprochen, hatte Konrad sie in feine Arme geschlossen.
„Marianne, meine liebe Marianne! Ich sollte Dir ver- geben? Hast Du mir nicht ebenso zu vergeben? Taten wir nicht beide ein gleiches Unrecht? Hegten wir nicht beide gleich unwürdige Zweifel aneinander. Laß un- auS der unglücklichen Zeit der Prüsung, die wir un- selbst bereitet haben, eine gute Lehre ziehen und nie wieder an deS anderen Liebe zweiseln. Denn auch Dir, Geliebte, hat der Versuch, den
sich in der letzten Zeit bei großen wie bei Keinen mittleren landwirtschaftlichen Betrieben in bedrohlichem Umfange bemerkbar gemacht hat, durch die Steuer betroffen werden. Der Vorsitzende der LandwirtschaftSkammer für die Provinz Ostpreußen von Batocki-Bledau macht daraus aufmerksam, daß, wenn ein sogenannter Landwirt, oder eine HandrlSgeselljchHt alle paar Jahre ein neues Gut kaufen, etwa» zurecht stutzen und unter Ausnutzung der steigenden Konjunktur mit erheblichem Vorteil verkaufen, diese Tätigkeit genau so gemeinschädlich, ja wegen ihreS verhängnisvollen Einflüsse- aus die Arbeitt- verhältnisse und damit auf daS gesamte landwirtschaftliche Gewerbe vielleicht noch verhängnisvoller tobst als die städtische und vorstädtische Grundstücksspekulation. Würde dieser Tätig- keit durch eine wirksame und allgemeine Zuwachtsteuer ein gewisser Dämpfer aufgesetzt, so würde daS für die Landwirte nur wünschenswert sein.
Nach alledem ist zu hoffen, daß die Reichstag-abgeordneten, die in den letzten Monaten Gelegenheit hatten, Fühlung mit ihren Wählern zu nehmen und dabei zu erfahren, welch großer Popularität die Wertzuwachssteuer sich allgemein erfreut, sich durch die Proteste der Terraingesellschaften und Grundstücksspekulanten nicht werden ine machen lassen, daß sie vielmehr die im Prinzip bereit- vor lVa Jahren eingenommene Wertzuwachssteuer nunmehr auch in die Wirklichkeit umsctzcn.
AMchmz der Mitini ii Rexils.
Der Regierung bei Präsidenten Porfirio Dioz will e- doch nicht so schnell gelingen, der aufrührerischen Bewegung Herr zu werden, die von bei Grenze bei nordamerikanischen Bundet» staateS TexaS her gegen da- Zentrum der Republik vorzu- dringen beginnt. ES scheinen bereit- mehrere Aufstand-herde entstanden zu fein, und in den Kämpfen mit Regierung-truppen hat beten Zuverlässigkeit die Probe nicht überall gut bestanden.
Mexiko, 22. November. Gomez Palacio, Durango Parral und Torreon waren am Montag der Schauplatz heftiger Kämpfe. Die Aufständischen eroberten Gomez Palacio. Da die Telegraphendrähte nordwärts von Monterey von den Aufständischen durchschnitten wurden, sind Einzelheiten über die Kämpfe nicht zu erhalten.
Washington, 22. November. Chiffrierte Depeschen auS privater revolutionärer Quelle behaupten, die mexikanischen Rebellen seien im Besitz von Gomez Palacio und Torreon. 300 Mann der Regierung-truppen hätten sich mit den Aufständischen vereint und die regierungstreuen Truppen in Torreon angegriffen. In Zacatecas, wo ei 25 Tote gegeben haben soll, sei die Regierung Herr der Lage geblieben. Die mexikanische Regierung habe sich, um die Weitergabe von Nachrichten zu verhindern, aller Telegraphendrähte, auch der im Privatbesitz befindlichen, bemächtigt. AuS 6an Antonio (TexaS) find zwe;
armen Konrod verachten und vergessen zu lernen, die rosigen Wangen gebleicht und schmerzvolle Tage und Rächt« gebracht."
Und Marianne?
Fest lehnte sie ihr Haupt an seine Brust, daran sie nun geschützt sich wußte gegen alle Stürme deS Leben-.
Nun alle Aufregung, alle Angst, alle bange Sorge von ihr genommen und sie ihr Herz von der furchtbaren Last befreit fühlte, trat nach der überstandenen Seelenanstrenzung, bis sie der Kampf der letzten Tage gekostet hatte, eine vollständige Erschöpfung ein, und wie eine Ohnmacht überkam eS sie.
Mit geschloffenen Augenlidern ruhte sie in feinen Armen.
Unter feinen glühenden Küssen kehrte sie erst nach Minuten zu vollem Bewußtsein zurück, und mit glücklichem Lächeln schlug sie ihre großen, dunklen Augen zu ihm auf.
Kaum eine Stunde später traten die zwei Glücklichen, denen eine einzige gesegnete Stunde einen neuen Himmel auf der Erde erschlossen hatte, in Fräulein von ReicheltS Boudoir ein. Marianne schlang in ihrem Glück ihre Arme mit Ungestüm um den Hai- der Tante.
„Aber Kind", wehrte diese ab, „Du zerdrückst ja ganz und gar die Haube Deiner alten Tante! Wa« ist denn geschehen? WaS macht Dich so glücklich, daß Du darüber ganz vergessen konntest, daß unsere Teestunde längst geschlagen hat und ich schon wahre Sorge um Dein lange- Au-bleiben gehabt habe."
„WaS geschehen ist, laß Dir von diesem Herrn erzählen, Tanlchen", versetzte Marianne, indem sie sich mit schelmischem Blick nach Konrad umwandte, der nahe der Tür stehen geblieben war und den Fräulein von Reichelt erst jetzt be- merkte.
„Ich stelle Dir in Konrad Herbig meinen Verlobten vor. an dem ich viel wieder gutmachen muß, ehe er seiner bösen Marianne ganz vergeben kann."
Ein inniger Kuß verschloß ihr die Lippen.