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dem weiteren Verlause der innerpolitischen Krisis jenseit bei Kanals entgegensehen.

Der Sieg der Demokraten über die Republikaner in dm Vereinigten Staaten hat wegen seine- Umfanges und seiner Bedeutung für die künftige Gestaltung der Politik der Union allgemeine Ueberraschung hervorgerufen. Insbesondere ist das Vordringen der Demokraten in den einzelstaatlichen Parlamenten von großer Wichtigkeit, da von diesen Parlamenten die Wahlmänner, die den künftigen Präsidenten der Union zu wählen haben, ernannt werden. Indessen läßt sich noch nicht übersehen, ob nun schon mit Sicherheit aus die Wahl eine- demokratischen Kandidaten bei den in zwei Jahren bevorstehenden nächsten Präsidentenwahlen zu rechnen ist. Jedenfalls aber hat die seit 1896 herrschende republikanische Partei eine gewaltige Erschütterung ihrer Stellung ersahren. Der AuSgang bei Wahlkampfes zeigt, daß da- nordamerika- nische Volk in seiner Mehrheit gegenwärtig dem Truftsystem und der Hochschutzzöllnerei sowie der von Theodor Roosevelt erstrebten Stärkung der Zentralgewalt abgeneigt ist.

In der Türkei ist die Parlamentssession eröffnet worden. Die Thronrede besagt über die auswärtige Politik, die Be­ziehungen zu den andern Mächten seien freundschaftlich, und versichert weiterhin, daß die bisherige Politik der Türkei, die darin bestehe, den Frieden ehrlich und würdig zu wahren und keine fremden Rechte anzutasten, auch in der Zukunft ihre Fort- setzung finden werde. Zum Echluffe gibt die Thronrede der Zuversicht Ausdruck, daß die Zustände in der Türkei sich ge­deihlich weiterentwickeln werden. Das deutsche Volk wünscht von Herzen, daß diese Hoffnung sich in vollstem Umfange ver- wirklichen möge.

H« > und Ausland.

Berlin, den 17. November.

Se. Majestät der Kaiser hörte am Dienstag vor- mittag in Donaueschingen den Vortrag des Chefs des Mili» täckabinetts und begab Sich später mit dem Fürsten zu Für- stenberg und der Jagdgesellschaft zur Fuchsjagd in die Reviere Hüfingen und Döggingen. DaS Frühstück wurde im Jagdzeit eingenommen. Der $hef bei Marinekabinetts Vizeadmiral v. Müller und der kommandierende General deS 14. Armeekorps Freiherr von Hoiningen gen. Huene find gestern in Donau­eschingen eingetroffen. Gestern vormittag hörte Ee. Majestät der Baiser dm Vortrag des ChefS bei MarinekabinettS. Der Kaiser, die fürstlichen Herrschaften sowie die fürstlichen Gäste nahmen daS Frühstück im sürstlichen Jagdschlößchen Unterhölzer. Der Erzabt von Beuron ist alS Gast deS Fürsten zu Fürstenberg gestern abend in Donaueschingen ein­getroffen.

Vom Minister der öffentlichen Arbeiten ist über die pünkliche Bedienung d e S Verkehr-, wie die Neue politische Correspondenz mitteilt, nachstehende Verfügung an die Königlichen Eisenbahndirektionen und das Königliche Eisen- bahnzentralamt erlaffen worden. Angesichts der ungünstigen Abschlüsse der letzten Jahre ist den Königlichen Eisenbahn- direktionen Wirtschaftlichkeit auf allen Gebieten der Verwaltung wiederholt zur Pflicht gemacht worden. Anderseits dars aber, wie ich bereiti bei der letzten Präfidentenkonscrenz Hervorzu- hrbm Gelegenheit hatte, kein Zweifel darüber obwalten, daß die gebotene Wirtschaftlichkeit nur unter voller Befriedigung der Anforderungen des Verkehrs -urchzuführen ist. Solange der starke Verkehr-andrang dauert, muß deshalb daS erforderliche Zugförderung»- und Begleitung-personal vorgehatten werden, bamit die Einlegung von Bedarjkzügm zur Beschleunigung des WagenumlaufrS ohne Verzug erfolgen kann. Ebenso ist für beschleunigte Fertigstellung der Reparaturwagen, ge- gebeneusalls unter Einlegung von Ueberstunden, in den Werkstätten zu sorgen.

Die lange sommerliche Ruhepause des Reichstages, die am 10. Mai anhob, steht vor ihrem Ende; am Dienstag, dm 22. November, tritt der Reichstag wieder zusammen. ES ist bekanntlich die letze Tagung-periode bei jetzigen deutschen ReichSparlamentS, welche hiermit ihren Anfang nimmt, da im Herbst kommenden Jahres ja die Wahlen zu der neuen Volks­vertretung stattfinden sollen. Trotzdem erwartet den Reichstag auch in diesem letzten Abschnitt seiner Legislaturperiode noch ein umfassender Arbeit-material von teilweise recht wichtigem Charakter, hoffentlich wird eS ihm vergönnt sein, in Ruhe sein Arbeit-programm zu erledigen und seine Tättgkeit beschließen zu sönnen. Die erste Sitzung bei Hause- nach der sommerlichen Ferienpause ist der Generaldebatte über mehrere in der Zwischen- zeit eingegangene Keine Vorlagen gewidmet; außerdem stehen Petitionen auf der Tagc-ordnung.

Ratton von dem wärmenden und anfeuemben Getränk. AlS ausgetrunken war, nahm Herr von W. aus dem Lederfutteral die zwei Hinterlader hervor, holte aus der Tasche seines PelzeS die Patronen hervor und schob vier von ihnen in die beiden Läuse jede- Gewehres. Dann zählte er die übrig bleibenden Patronen, es waren noch zwöls. Er schob sechs in die Tasche zurück und reichte mir die andere Hälfte zu­gleich mit dem anderen Gewehr, indem er äußerte:

Hier nehmen Sie; jeder von uns kann achtmal feuern, ich denke, daS wird genügen, einen Angriff der Wölse zurück- zuweisen, wenn es tatsächlich noch dazu kommen sollte. Für diesen Fall kann ich Ihnen nur empfehlen, ruhig Blut zu behatten und gut zu zielm. Doch nun wollen wir machen, daß wir weiter kommen; vorwärts Stephan; guten Abend Staaislau-!"

Die Pferde zogen ungeduldig an, der alte Förster machte zum Abschied wieder eine tiefe Verbeugung, und nun glitt der Schlitten von neuem aus dem knirschenden Schnee bei Landweges dahin. Es mochten etwa zehn Minuten seit unserer Absahrt von dem Försterhause verflossen sein, als ich an einer Wegbiegung mehrere graue Schattengestalten am Waldsaume längst der einen Wegseite Hinstreichen sah. Ich machte Herrn von W. auf die Erscheinungen aufmertiam, kaum aber hatte er sie erblickt, so rief er aus:

Bei Gott, da find sie ja, die Bestien haben offenbar die Witterung von den Pserden bekommen! Jetzt heißt es, die Gewehre in die Hand nehmen und aufpaffen! Stephan, gib auf die Pferde scharf Achtung, die Wölfe find da!"

Stephan wandte jedoch den Kopf halb zurück und sagte:

Keine Sorge, gnädiger Herr, der Stephan weiß schon, was er zu tun hat! Ich habe übrigens das Satan-viehzeug ebensallt schon bemerkt!"

Die Pferd« schienen nunmehr auch ihrerseits die Nähe der gefährlichen Feinde zu wittern, denn sie wurden unruhig, bäumten sich sogar, und erforderten so die ganze Ausmerk, famteit ihres Lenker». Er schien aber, als ob die Wölfe den Eintritt dieser für uns etwa» ungemütlichen Situation nur abgewartet-hätttn, denn mit einem Male erscholl da, 8W-w*k ** ^*«- -"- - **

Vom 8. biS 14. Dezember wird die Deutsche Landwirtschaft-gesellschaft in Berlin ihre 25. Jubiläum-tagung abhalten. Hui der Reihe der öffentlichen Veranstaltungen verdient die aus den 11. Dezember festgesetzte Enthüllung der Porträtrelies- von Heinrich von NathusiuS, 8. Schultz-Lupitz und A. Wölbling auf dem Hose der Geschäfts­hauses, Deffauer Straße 14, besondere Erwähnung. Hier steht auch daS Denkmal bei schwäbischen Poeten und Meister- ingenieuri Max von Eyth, bei Begründer- der D. L. G. Am Tage vorher findet imRheingold" die Hauptversammlung statt, in welcher Ritterschaft-rat von Freier-Hoppenrade, der Vorsitzende der Vorstandes der D. L. G., die Festrede halten und der Direktor der Biologischen Anstalt für Land- u. Forst­wirtschaft in Dahlem, Geheimer RegierungSrat Professor Dr. BehrenS, über den gegenwärtigen Stand der Bodenbakteriologie sprechen wird. In der Sitzung bei GesamtauSschuffcS am 14. Dezember wird Exzellenz Thiel, der Altmeister der deutschen Landwirtschaft, einen Rückblick aus den zweiten Rundgang der Wanderausstellungen erstatten.

Im ReichSschatzamt ist man gegenwärtig mit der Zu- sammcnstcllung der Ergebnisse beschäftigt, welche die jüngsten Besprechungen mit den verschiedensten Interessentenkreisen über die Reich SzuWachssteuer gezeitigt haben. Sie werden bei den nächstens beginnenden Verhandlungen zwischen dem Reichsschatzsckretär und den ReichttagSpartcien wegen der anderweitigen Gestaltung der Kommissionrbeschlüsie über den Entwurs eineS ZuwachSsteuergesetze- zu Rate gezogen werden.

Zar Nikolaus ist mit seiner Familie nach Beendigung bei vielwöchigen Erholungsaufenthalte» auf hessischem Boden wieder iu Zarrkoje Sselo eingetroffen. Bei der Abreise der russischen Raiferfamilie von Station Egelsbach bei Schloß Wolf-garten hatte der Zar noch eine sehr herzlich gehaltene Abschied-depesche an Kaiser Wilhelm gesandt, welche von letz­terem ebenso warm erwidert wurde.

Die LebenSmittelpreise weisen nach der monat­lichen Zusammenstellung deSStatist. LandeSamtS" im Oktober beim Vergleich mit dem voraufgegangenen Monat zum Teil eine kleine Preiserhöhung aus, die besonder- bei Heu, Stroh, Kartoffeln, Butter und Eiern sich bemerkbar macht, während Getreide, Mehl und Backwaren keine nennenswerten Verände­rungen ausweisen.

Der bonapartistische Prätendent aus den französischen Thron, Prinz Viktor Napuleon, hat sich endlich mit seiner .ewigen" Braut, der Prinzessin Klementine von Belgien, vermählt; die Hochzeit wurde im Schlosse Moncalieri bei Turin, der Besitzung der Mutter der nunmehrigen Gemahlin bei Prinzen Vittor Napoleon, der Prinzessin Klothilde von Belgien, gefeiert. Vielfach erwartet man infolge der Ver­bindung bei bonapartistischen Prätendenten mit einem der regierenden europäischen Fürstenhäuser ein stärkere- Hervor­treten bei Prätendenten in der Oeffentlichkeit. Indessen be­absichtigt der Prinz, wie er am Tage seiner Hochzeit mehreren von ihm empfangenen französischen Journalisten erklärte, biei bii auf weitere- noch nicht, da er den Augenblik für die Verwirklichung seiner Pläne und Hoffnungen ali noch nicht gekommen erachtet. Wie er betonte, könne man nicht- ohne da- Volk tun, er wolle nur durch daS Volk und für das Volk triumphieren. Doch verlieh er der Erwartung Ausdruck, es werde der Tag kommen, an welchem man in Frankreich das Bedürfnis nach einer mehr autoritären Republik empfinden würde, dann werde er sehen, waS er zu tun babe. Da die Zahl der Anhänger bei Prinzen Viktor Napoleon in Frankreich eine verhältnismäßig geringe ist und da er ferner schon viele Jahre mit seinen Ansprüchen aus den sranzöfischen Thron wartet, ohne sie bislang im geringsten praktisch be* tätigt zu haben, so braucht die dritte Republik schwerlich besonders Furcht vor diesem Prätendenten zu haben.

Die unverzügliche Auslösung deS englischen Parlament« ist beschlossen worden. Der früheste Termin für die Neuwahlen zum Parlament kann Sonnabend, der 3. Dezember, sein. Aus Aeußerungen A-quiths und Winston Churchills geht hervor, daß die Regierung gewillt ist, die Krisis zu beschleunigen und zu einem endgültigen Abschluß zu bringen. Falls am Montag, den 28. November, der König das Wahldekret unterzeichnet und am 29. bte Wahlausschrei- bung erfolgt, können bereiti Freitag, den 2. Dezember, in einigen größeren Städten die Wahlen stattfinden. Diese dürften allerdings keine größeren Veränderungen ergeben, da sie, wie der Wahlkreis Jeo ChamberlainS in Birmingham, fester Parteisitz sind. Am Tage daraus, dem 3. Dezember, wird dann in über hundert Wahlkreisen schon die Entscheidung sollen.

Die Einwanderung in Kanada von April bii Juli einschließlich beträgt, wie ein Kabelbericht aus Montreal

die Pferde gingen beim Klänge der unheimlichen Töne förm­lich in die Höhe, sodaß Stephan alle Mühe hatte, di« Zügel jest in den Händen zu behatten. Und in der nächsten Minute tauchte ein ganzer Trupp Wölfe am Schlitten auf, die Bestien mußten schon vorher an diesem Punkte angelangt sein; die am WaldeSrande hinhuschenden Wölse, die wir zu- erst gesehen hattm, waren zweifellos nur die Nachzügler bei Trupps gewesen, doch jetzt war keine Zeit mehr, sich mit solchen Betrachtungen zu beschäftigen, schon sprang einer der Wölse nach dem ihm am nächsten befindlichen Pferde, indessen trachte im gleichen Moment auch ein Schuß au» dem Gewehre meine» Beglefter», und mit dumpfen Tode-röcheln stürzte der gut getroffene freche Angreifer in den Schnee nieder.

Fort, fort, Stephan," donnerte Herr v. W.,laß die Pferde laufen, was sie können; vielleicht, daß die Wölse an ihrem ersten Versuch genug haben!"

(Schluß folgt.)

Görlitz, 17. Nov. Heute früh wurde eine Schülerin die Tochter bei Eisenbahnaffiftenten Appell in Kohlsurt, zwischen Kohlsurt und Penzig vom Zuge überfahren und ge­tötet. Vermutlich ist sie au» dem Personenzug gestürzt und von einem vorbeifahrenden Güterzuge erfaßt worden.

Gemütliche- Gefängni-leben herrscht in Nordamerika. Frau Schenk, die junge Frau bei Fleischwaren. Fabrikanten Schenk in Wheeling, die angeklagt ist, ihren Mann vergiftet zu haben, hat ihre ganze Boudoir-Einrichtung in ihre Zelle bringen lassen und macht zweimal täglich Toilette. Sir ist aber nicht nur elegant, sondern auch streitbar. Sie eröffnet einen Preß-Feldzug gegen alle die Journale, die gegen ihre Unschuld eintreten und erklärt, sie werde ihre Unschuld beweisen können.

(Ein lustiges HauS.) Ein Haus, in dem sehr lebenslustige Leute sich nicht besonders wohl sühlen dürsten, befindet sich, wie dieBerliner Börsen-Zeitung" mitteilt, in Pari» in der Avennue Ledru Rollin. Es trägt die Haus­nummer 100 und hat fünf bewohnte Stockwerke: im ersten Stock wohnt ein Geistlicher, im zweiten ein Arzt, im dritten der Direttor eines Beerdigungsinstituts, im vierten ein Strck-

meldet, 156 000 gegen 90 000 im Vorjahre. Davon entsallen aus die Vereinigten Staaten 55 000 (gegen 40 000), auf die überseeischen Staaten 101000 (gegen 50 000).

Aus Provinz n. Nachdargediet

* Die starke Zunahme der Nachfrage auf dem Arbeits- markt, die in den Monaten August und September zu kon­statieren waren, hat, so schreibt die ArbeitSmarkt-Correspondenz, im Oktober eine äußerst kräftige Vermehrung des Angebotes am gewerblichen ArbeitSmarkt zur Folge gehabt. Diese Ver- stärkung deS Angebotes war gegenüber der Ausnahmefähigkeit deS gewerblichen ArbeitSmarkteS zu rasch. Im Oktober hat sich infolgedessen das Verhältnis zwischen Angebot und Nach- frage nicht mehr so sehr günstig gestaltet wie im September, und der Andrang bleibt daher relativ nur wenig hinter dem ß vorjährigen zurück.

):( Her-feld, 18. November. Ein tätlicher Un- glückssall ereignete sich heute morgen in der an der . Friedloserstraße gelegenen Lehmgrube des Herrn Ziegeleibcsitzcrs Ehrhardt. Zwei daselbst beschäftigte Arbeiter wurden plötzlich durch eine einstürzende Lehmwand begraben. Während einer derselben ohne jede Verletzung auSgegraben werden konnte, erlitt der andere einen doppelten rechten Unterschenkelbruch, sowie innere Verletzungen, an denen er bald nach dem Unfall ver­starb. Der Verunglückte stammt aus Meckbach und hinterläßt eine Frau mit 5 Kindern. Die Leiche wurde nach der städtischen Leichenhalle auf dem Friedhose gebracht.

):( Hersfeld, 17. Nov. (Schöffengericht.) Ein Einwohner aus Erdwannrode erhielt wegen Diebstahls einen Tag Gefängnis und weil er einem Beamten gegenüber einen falschen Namen angegeben hatte, eine Mark Geldstrafe cv. einen Tag Hast. Zwei hiesige Arbeiter wurden wegen Diebstahl» mit je drei Tagen Gefängnis bestraft. Wegen Körperverletzung und Bedrohung wurde ein Bierbrauer aus Friedlos zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. In einer Einspruch-sache erhielt ein Einwohner aus Heenes wegen Uebertretung des § 27 veS Feld- und Forstpolizeigesetzes zwei Mk. Geldstrafe ev. einen Tag Hast.

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§ Cassel, 15. Nov. Am 8. November d. I. fand im SitzungSsaale der LandeSversicherung-anstalt Hessen-Nassau zu Cassel die ordnungsmäßige Tagung des für 5 Jahre neu ge­wählten Ausschusses dieser Anstalt statt. Es wurde daS Prä­sidium deS Ausschusses in der Weise gebildet, daß der Justiz- rat Haeuser-Höchst a. M. zum Vorsitzenden, Krankenkassenkon- trolleur Brinkmann-Caffel zum stellvertretenden Vorsitzenden, Stadtrat Ruetz-Caffel zum Schriftführer, Fabrikant Mittler- Wetter zum ersten Beisitzer und Arbeitersekretär Müller-Biebrich zum zweiten Beisitzer gewählt wurden. Stadtrat Ruetz be­richtete hierauf über die Vorprüfung der Rechnung für das Jahr 1909 und beantragte, die Rechnung für abgehört zu er­klären und dem Vorstand Entlastung zu erteilen, auch die statt- gehabten Etat-überschreitungen nachträglich zu genehmigen. Bezüglich der stattgehabten EtatSüberschreitungen ist besonders hervorzuheben, daß die etatSmäßigen Mittel für Zwecke des Heilverfahrens nach Abzug der von den Krankenkassen geleisteten Mehreinnahmen um rund 175 000 Mk. haben überschritten werden müssen. Die Gesamtausgaben für Zwecke bei Heil- Versahrens haben im Jahre 1909 rund 942 000 Mk. betragen. Es schloß sich eine eingehende Beratung und Prüfung des Haushaltsplanes für daS Jahr 1911 an, der vorher vom Ge- samtvorstand gemeinsam ausgestellt und vom ReichSversiche- rungSamt vorgeprüft war. Der Haushaltsplan wurde unver­ändert genehmigt und zugleich eine große Anzahl von Fragen aus dem Gebiete der Invalidenversicherung erörtert. Dabei wurde vom Vorstand der Standpunkt vertreten, daß die in den letzten Jahren in ganz außerordentlicher Weise stattgehabte Steigerung der Au-gaben für Krankenfürsorge in diesem Maße nicht mehr stattfinden dürfe, und gleichzeitig mitgeteilt, daß fabrikant, im fünften ein Kaufmann, der künstliche Grabkränz^ fabuliert. Der Friedhof ist auch nicht weit entfernt. Es ist also, wie man zu sagen pflegt,Alle- da" Angenehm.

(SchwereSBauunglück inWien.) Bei dem Abriß eines Hause- auf dem Wiener Getreidemarkt ereignete sich gestern ein schwerer UnglückSsall. Durch eine einstürzende Wand wurden zahlreiche Arbeiter verschüttet. Es gelang bisher drei Arbeiter tot auS den Trümmern zu ziehen.

(Einer, b eri eilig hat.) Vor dem Peters­burger Bezirksgericht stand dieser Tage, wie der Frkf. Ztg. geschrieben wird, ein sehr eigenartiger Verbrecher, der frühere | Feldscher DoSkowski, ein Mann von etwa dreißig Jahren. Dieser DoSkowSki hat ei fertiggebracht, nicht mehr und nicht t weniger al- 318 verschiedene, nachweisbare Verbrechen zu be­gehen. Er hat an dem bewaffneten Aufstand in Nijhnt? Nowgorod während der Revolution teilgenommen, floh nach Norwegen und wurde unter der Bedingung, daß er nicht zum i Tode verurteilt würde, auSgeliefert. Vom Moskauer Militär­gericht wurde er zu lebenslänglicher, vom Militärgericht m k Kiew zu achtzehnjähriger Zwangsarbeit verurteilt; er sitzt f*°n K mehrere Jahre in Untersuchungsgefängnissen, weil inzwischen die 318 Straftaten herausgekommen sind, die er sämtlich zugl^ W Zur Aburteilung befindet er sich seit längerer Zeit aus einer Tournee von Gericht zu Gericht. In Petersburg war er wegen Unterschlagung von zweieinhalb Rubel an geklagt, una i die Lapalie verdroß ihn offensichtlich. Er hielt den Richter z eine vorwurfsvolle Rede:Meine Herren Richter! Was N denn diese ganze Geschichte? WaS steht darauf? Nun W stens dreieinhalb Jahre Arrestantenabteilung. Hält das cim Vergleich mit lebenslänglicher Zwangsarbeit aus? 36 "' die Verhandlung zu beschleunigen. Wohin soll das füh"»- wenn wir hier lange hin und her reden und mir stehen nu 211 unverhandelte Sachen bevor? Ich weiß doch,L geht. In einem Jahr räumen Sie bei mit mit höchstens Fällen aus. Berechnen Sie fich einmal die Zeit I Ist Vergnügen, so Jahr um Jahr in Ketten von einer Stadt i anderen zu reifen? Ich ersuche Sie, sich zu beeilen!" Petersburg legte man ihm zwei Jahre Gefängnis zu. " also I" rief der Verurteilte unwirsch.