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Zu spät! Soeben ist der letzte Mann eingestiegen und die Verschlußklappe legt sich über die Oeffnung.

„Tauchen wir jetzt?"

„Sofort!*' erwidert der Kommandant aus unsere Frage, und ein ganz, ganz leichte- Gruseln läuft uns über den Rücken. Doch lassen wir unk nicht- merken.

Mit gespannter Aufmerksamkeit lauschen wir und paffen aus, wann der große Moment eintreten wird. Leise surrend arbeiten die Dynamomaschinen und elektrische- Licht be­leuchtet hell das ganze Boot-innere. Geht'- schon hinunter? Merkwürdig, wir spüren gar nicht- von einer Neigung des Bootes. Dagegen scheint die Lust sich rasch zu verschlechtern. Wenigstens kommt es uns so vor. Tatsächlich ist e- nicht der Fall, denn der Lustvorrat reicht für die Besatzung von 18 Köpfen für etwa 24 Stunden aus.

„Wie tief find wir unten?"

„Drei Meter!" lautet die Antwort und ein Blick durchs Periskop zeigt uns nur noch ein geringes der Oberfläche.

„Nein, Spritzer gegen das Glas beeinträchtigen da- Sehen jost gar nicht! Wohl aber Beschlagen infolge der Kälte!" werden wir aus eine Frage belehrt. „Die Periskope können daher elektrisch erwärmt werden."

„Jetzt wird überhaupt alle- mit Elektrizität betrieben, auch die Küche!" heißt eS weiter. „Und nun wollen wir bis auf fünfzehn Meter gehen. Einen Druck von fünfzig Metern halten die Boote glatt aus!" DaS ist für uns eine große Beruhigung, obwohl ein Gefühl der Unruhe bei dem sanften, durch Horizentalruder bewirkten Tauchen noch gar nicht aus- kommen konnte.

Die Periskope werden einzigen und nun sind wir lediglich aus den Kompaß angewiesen, während wir mit der Höchstgeschwindigkeit von 8 sm durch daS Wasser gleiten, von dem wir allerdings nichts sehen und hören.

In dieser Tiefe würde selbst das Rasen eine- Taifuns für unS unbemerkbar bleiben.

Nach Ausführung einiger Wendungen und Kreise steigen wir sachte wieder an die Oberfläche hinauf, für un- ebenso unmerkbar wie das Niedergehen, und dann heißt es: „Wenn Sie jetzt wieder nach oben gehen wollen, bitte!" Der Deckel öffnet sich und ein Strom frischer Luft dringt ein. Rasch steigen wir hinaus und schauen uns um. Neben unS rauscht das Waffer! Mit großer Fahrt geht'- in den Hasen zurück und bald liegen wir wieder an der Boje neben dem Mutter- und Wohnschiff „Vulcan", wo wir unS mit Dank für die interessante Fahrt verabschieden. —

„Und verspürten Sie gar keine Angst?"

„Nicht im mindesten! Das ist bei der Ruhe und Sicher- Heft, mit der alle- gehandhabt wird, auch völlig ausgeschlossen! Wir befanden un- ja aus, oder vielmehr in einem deutschen Unterseeboot!"

Hm > und Hmlawd.

Berlin, den 10. November.

S c. Majestät der Kaiser empfing gestern vor­mittag im hiesigen Königlichen Schlöffe den Gesandten in Caracas v. Prollius zur MAdung. Am Abend wohnte Se. Majestät mit der Prinzessin Viktoria Luise der Vorstellung im Königlichen Schauspielhause bei. Gegeben wurde Wallen- steins Lager und Die Piccolomini. In der Hofloge bemerkte man u. a. den Gouverneur von Berlin General v. Keffel, den kommandierenden General der Gardekorp- v. Loewenseld, den Kommandantm von Berlin General v. Boehn, Admiral v. Hollmann und Wirklichen Geheimen Rat v. Valentini.

DaS deutsche k r o n p r i n z l i ch e P a a r hat aus seiner Fahtt nach Ceylon an Bord de- Dampfer- „Prinz Ludwig" in der Nacht zum Mittwoch den Suezkanal passiert. In Suez erfolgte die Ankunft am Mittwoch früh 4 Uhr. Um 8 Uhr vormittags verließ der „Prinz Ludwig" Suez und dampfte ins Rote Meer hinein.

Die Wahl deSzweitenVizepräsidenten des Reichstages, welcher Posten seit dem Rücktritte des Erbprinzen zu Hohenlohe von ihm erledigt ist, soll erst am 25. und 26. November vorgenommen werden. Die national- liberale Fraktion hat es definitiv abgelehnt, aus ihren Reihen den Kandidaten für den zweiten Bizepräsidentenposten zu präsentieren; vermutlich wird er von der Reichspattei gestellt werden.

Gegen den Reichstagsabgeordneten für ® o s I a r—Z ellerfeld, AmtSgerichtsrat Kölle, ist vom Ditziplinarsenat des OberlandeSgerichtS Celle eine Disziplinar­strafe verhängt worden, weil sich Herr Kölle in seiner amt­lichen Eigenschaft einen Amtsmißbrauch soll zu schulden haben kommen lassen. Die Strafe besteht darin, daß Herr Kölle zur Strafversetzung, zu 500 Mark Geldstrafe und in die Kosten der Verfahrens verurteilt wurde. Eine Reichstag-ersatzwahl für Goslar—Zellerfeld ist indessen infolge dieses Vorganges nicht nötig, da die Disziplinarverfügung gegen AmtSgerichtsrat ÄSUe ihn keineswegs zur Niederlegung seines ReichStagS- mandateS zwingt.

Der deutsch-türkische Anleihevertrag ist am Mittwoch abend in Konstantinopel vom Finanzminister Djavid Bey und vom Direktor der Deutschen Bank, Dr. Helfferich, unterzeichnet worden. Laut dem Vertrag gewährt das hierbei beteiligte deutsche Bankkonsottium eine Anleihe von 7 Millionen türk. Psd, zu 4 Prozent zum Kurse von 84, die in 41 Jahren tilgbar find. Die Anleihe ist spätestens bis 14. März 1912 abzunehmen, bis dahin leistet dar Bankkonsortium der Türkei einen Vorschuß auf Schatzwechsel. Außerdem räumt die Pforte dem Konsottium daS Recht ein, noch weitere vier Millionen Psd. der gleichen Anleihe zum nämlichen Kurse zu beziehen, sodaß die gesamte Anleihe elf Millionen Psd. be- ttägt.

Bei der LandtagSersatzwahl im 4. Berliner Wahlkreise, die infolge der MandatSniederlegung deS Abgeordneten Dr. Müller-Eagan erforderlich geworden war, wurde der Kandidat der Fortschrittlichen Volkspattei Kreitling mit 269 Stimmen gewählt. Sein Gegner, der Sozialdemo- trat Schriftsteller Grunwald erzielt 193 Stimmen. Bei der letzten Wahl im Jahre 1908 hatte Dr. Mäller-Sagan von 455 gültig abgegebenen Stimmen 279 erhalten, während auf „Genossen" Grunwald 181 Stimmen gefallen waren.

Wegen der Unruhen in Honduras ist von Deutschland der kleine Kreuzer „Bremen" zum Schutze der deutschen Eigentums und der deutschen Aitereffen dorthin entsandt worden.

Die Ergiebigkeit der Erbschaftssteuer in England zeigt eine Feststellung, die zugleich die Unsicherheit in der Schätzung großer Vermögen beleuchtet, solange keine genaue Aufnahme der Masse, wie sie zu Erbschast-steuerzwecken gemacht wird, vorhanden ist. Wie schnell sich große Vermögen mehrm können, geht aus den Verhandlungen über die Erbschaftsab­wicklung in den Fällen der verstorbenen englischen Millionäre Best und Morrison hervor. Nach Abzug von Stiftungen im

Betrage von über 60 Mill. Mark wurde der Rest des Beit- jchcn Vermögens seinerzeit auf weitere 60 Mill. Mark ein- geschätzt, jetzt aber, wo die Erbschaftssteuer; fällig geworden ist, stellt sich heraus, daß der Nachlaß 161 Millionen Mark beträgt, von denen 21 Millionen in die Kaste deS Echatzkanz- lerS fließen. Morrison- Vermögen war bei dessen Tode im Mai 1909 auf etwa 135 Millionen Mark geschätzt worden, jetzt aber sind die Erben bereit, Abgaben von 220 Millionen Mark an die Erbschaftssteuerkaste zu zahlen, d. h. einen Betrag von etwa 40 Millionen Mark. Natürlich ist der Unterschied zwischen der Abschätzung kurz nach den Todesfällen und dem heute zugestandenen Wert der Erbschaften zum Tül auf mangelnde Kenntnis der Vermögenslage zurückzuführen.

Die am 8. November in der nordamerikanischen Union vollzogenen Wahlen zum Kongreß sowie zu den Gouvernement-posten der Bundc-staaten haben der Herrschenden republikanischen Partei eine empfindliche Niederlage gebracht, die erste seit vielen Jahren. Die bisherige republikanische Mehrheit im Repräsentantenhaus ist vernichtet, die neue demo­kratische Mehrheit daselbst wird auf mindestens. 40 Stimmen geschätzt. Im Senat vermochten die Republikaner ihre Mehrheit zwar noch zu behaupten, dieS ist aber ganz erheblich herabgemindert. In zahlreichen Bundesstaaten wurden die bisherigen republi­kanischen Gouverneure durch demokratische Gouverneure ersetzt, so vor allem in den ausschlaggebenden Staaten New Iork, Ohio, New Jersey, Connecticut und MastachusetS. Von speziellem Interesse ist es hierbei, daß der von Roosevelt protegierte republikanische Kandidat für den New Imker GouverneurSposten seinem demokratischen Mitbewerber unterlag. Wie die Verhältnisse liegen, bedeutet dieser WahlauSfall zu­gleich eine persönliche Niederlage für den Ex-Präsidenten Roosc- velt, dessen Chancen, 1912 zum dritten Mal zum Präsidenten der Union gewählt zu werden, durch den demokratischen Wahl- sieg einen schweren Stoß erlitten haben. Schon heute kann die Wahl einer demokratischen UnionSpräsidenten im Jahre 1912 alS ziemlich sicher gellen.

Nach den neuesten Meldungen über die Revolution in Uruguay haben sich die Aufständischen der Stadt Ricoperez bemächtigt. Die Regierung sendet weiter Truppen in- Innere. In Montevideo herrscht völlige Ruhe. Mehrere Politiker sind abgereift, um zwischen der Regierung und den Führern der Aufständischen, welche die Wahl von Batele y Ordonez zum Präsidenten der Republik verhindern wollen, zu vermitteln.

Wie auS der Stadt Mexiko gemeldet wird, veranstalteten Studierende aus Anlaß eine- LynchgerichteS gegen den Mexi­kaner Antonio Rodriguez in Rockspringe- (TexaS) Kund­gebungen gegen dieVereinigtenStaaten, die am Mittwoch zu Angriffen aus Amerikaner und amerikanische Handelshäuser führten, deren Fenster zertrümmert wurden. Die Menge zerriß eine amerikanische Fahne und trat sie mit Füßen, ohne daß die Polizei eingeschritten wäre. Mehrere Zeitungen veröffentlichten festige Artikel, die die Demonstranten noch mehr erregten. Die Menge griff die Geschäftsräume der El Jmparcial an, zerstörte sie und steckte sie in Brand. Die berittene Polizei machte nun von der Schußwaffe Gebrauch. Drei Demonstranten wurden getötet und viele verletzt. Etwa 200 Personen wurden verhaftet. Nach einer weiteren Meldung war auch der Sohn des amerikanischen Botschafters Angriffen ausgejetzt. Ein Straßenbahnwagen, in dem amerikanische Kinder zur Schule fuhren, wurde mit Steinen beworfen. Ein Kind trug Verletzungen davon. Der amerikanische Botschafter erhob beim Minister des Aeußeten energischen Einspruch. Der Gouverneur richtete vor dem Rathause eine Ansprache an die Demonstranten, in der er die Protestkundgebung der Studierenden zwar billigte, die Studenten aber aufforderte keine Gewalt- tätigkeiten zu begehen. Die berittene Polizei durchzog gestern abend das ganze Geschäftsviertel, auf das die Unruhen beschränkt geblieben sind. Der mexikanische Botschafter in Washington hat beim Staatsdepartement wegen de- gegen Rodriguez ver- anstalteten LynchgerichtS Einspruch erhoben.

Am Provinz x. Nachbargebiet.

* Verliehen: dem pensionierten Oberpostschaffner Adam Bickhardt zu Niederaula dar Kreuz deS Allg. Ehren­zeichens.

§ Hersfeld, 10. Nov. Der Borstand der Handwerks- kammer hat im Einverständnis mit dem Ausschuß für das Lehrlingswesen den Stellmachermeister V. S ch a d e in Hersseld zum Vorsitzenden des GesellmprüsungSau-schusseS für Stell- macherlehrlinge ernannt. Der Prüfungsausschuß ist zuständig für die Stellmacherlehrlinge in den Kreisen Hersfeld und Hünfcld.

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p. Hersfeld, 11. November. (D e r M a r t i n S v o g e l.) Die GanS, der brave Martinsvogel, spielt in jetziger Zeit bei Besetzung der Tafel die Hauptrolle. Und daS mit Recht. Denn das edle Geflügel ist und bleibt nun einmal für den Magen etwa- Besondere-, und zu keiner Zeit deS Jahres be- finbet sich das gute Tierchen derart auf dem Gipfel der Schmackhastigkeit, wie um die Mitte deS November«. Die Gan- darf sich auch wahrlich nicht darüber beklagen, daß sie hier auf Erden nicht gewürdigt werde. Freilich geschieht daS erst nach ihrem Tode. Doch wa- tut das? Teilt sie dieses Schicksal nicht mit den meisten Größen dieser Erde? Auch in historischer Beziehung kann die Gan- eS mit allem, was da kreucht und fleucht, aufnehmen. Gebührt doch ihren laut schnatternden Ahnen das Verdienst, einst zu Zeiten der alten Römer das Kapital gerettet zu haben. Volkstümliche Redens­arten und Sprichwörter beschäftigten sich ebenfalls mit der nun leider einmal als etwa« dumm verschrieenen GanS. Wenn uns ein Frösteln überläuft, reden wir von einer Gänsehaut, Waffer bezeichnen wir mit Gänsewein, junge Mägdlein nennen wir nicht nur Backfische, sondern auch Gänschen, und wenn Leute hintereinander hergehen, so sprechen wir im Hin­blick auf daS originelle Vorbild von einem Gänsemarsch. Der starke Esser behauptet nicht mit Unrecht, die Gans sei ein seltsamer Vogel: für einen fei sie zu viel, für zwei zu wenig. Det Rasen» bescheidenen Schmuck bilden die schlichten Gänse» blümchm, und wenn wir beim Schreiben etwa» hervorheben

wollen, setzen wir eS in Gänsefüßchen. Daß eS intelligem. lose Menschen gibt, die ein Gesicht machen wie die Gans, wenn'- wettert, wird keinem wunderlich scheinen, der die braven Tierchen einmal bei einem derartigen Elementarereignis be. obachtet hat. Die Fabel erzählt unS vom Fuchs, der den Gänsen predigt, und jedeS Kind kennt daS Liebchen: Fuchs du hast die GanS gestohlen. So begegnen wir der GanS an den verschiedensten Orten und Stellen. Am meisten aber, wie gesagt, an diesen Novembertagen aus den Speisekarten und auf den Mittags- und Abendtischen. Und da ist dies Begegnen un» am liebsten, auS leicht begreiflichen Gründen.

):( Hersfeld, 10. November. (Schöffengericht Fünf junge Burschen aus benachbarten Ortschaften erhielten wegen Körperverletzung je 20 Mk. Geldstrafe cv. 4 Tage Gefängnis. — Ein Bursche wurde wegen unbefugten Tragen« einer Schußwaffe und Schießens mit derselben zu 5 Mk. Geldstrafe ev. 1 Tag Haft verurteilt. Auch wurde auf Ein. ziehung der Schußwaffe erkannt. — Ein früher hier beschäl- tigter Weber wurde wegen Jagdvergehens mit 5 Mk. Geld- strafe ev. 1 Tag Hast bestraft. — 4 hiesige junge Burschen hatten sich wegen Körperverletzung zu verantworten. Einer derselben erhielt zwei Wochen Gefängnis, zwei je 5 Tage Gefängnis und einer wurde freigcsprochen. Außerdem erhielt einer von denselben noch 2 Tage GesängniS wegen Dieb, stahl». — Ein hiesiger Fabrikarbeiter wurde wegen Beleidigung und Körperverletzung mit 20 Mk. ev. 4 Tagen Gefängnis bestraft. — In drei weiteren Sachen erfolgte Freisprechung.

):( Her-feld, 11. November. Der gestrige Austrieb von Rindvieh war gering; es waren dem Markte nur 193 Stück, dem Schweinemarkt dagegen 629 Stück aufge. bracht. Aus beiden Märkten wurde flott gehandelt und die Preise blieben hoch. — Der nächste Viehmarkt findet am 29. November statt.

):( Hersfeld, 11. Nov. Am gestrigen Abend hielt die 5 er 8 selb er S ch ü tz e n g e s e l l s ch a s t aus der Wald- schenke ihre Generalversammlung ab. Bor Erledigung der Tagesordnung teilte der Vorsitzende, Herr S ch ü ß l e r, die im Lause des Jahres auf der Standmeisterscheibe im Frei- handschießen aus 175 m Entsernung erzielten Resultate mit. Als bester ging hierbei Herr Reinhard Kniese hervor, welcher mit 52 Ringen die Meisterschaft im Freihandschießen errungen hat, wofür demselben ein Meisterschaft-stern überreicht wurde. Zweitbester Schütze war Herr BernhardSchneider mit 50 Ringen, welchem sich Herr Franz P s o r r mit Der­selben Ringzahl anschloß. Auch die übrigen Resultate sind als sehr gut zu bezeichnen. Hieraus wurde in die Beratung der Tagesordnung eingetreten. U. a. wurde beschlossen, daß zu der am Sonntag den 27. November in Gaffel stattfindenden Sitzung deS Kurhessischen Schützenbundes außer dem Vor­sitzenden, Herrn Schüßler, noch dieHerrrnHermann Bartholomäus und Reinhard Kniese als Vertreter entsandt würden. Der sich in weiten Kreisen großer Beliebtheit erfreuende Schützenball soll wieder am 1. Januar 1911 im Saale des Hotel Stern abgehalten werden.

*(BauernregelnfürdenMonatNovember.) Wenn im November der Donner rollt, wird dem Getreide Lob gezollt. — Allerheiligen bringt Sommer für alte Weiber, da» ist des Sommers letzter Vertreiber. — Allerheiligen trägt eigen, den Winter zu allen Zweigen. — Wenns um Aller- heiligen schneit, lege deinen Pelz bereit. — Frau Lucia findet zu kurz den Tag, drum wird er verlängert acht Tage danach. — Sankt Martin setzt sich schon mit Dank am warmen Ofen auf die Bank. — Martinstag trüb, macht den Winter lind und lieb: ist er hell so macht er das Wasser zur Schell. — Wenn um Martini Nebel sind, so wird der Winter meist gelinb. — Wenn Gänse um Martini im Eise stehn, müssen sie Weihnachten im Kote gehn. — Wenn das Laub von Bäumen und Reben vor Martini nicht abfällt, folgt ein kalter Winter. — Sankt Elisabeth sagtS an, was der Winter für ein Mann. — Schafft Katharina vor Frost sich Schutz, so watet man lange draußen im Schmutz. — Wie der Tag ist zu Kathrein, so wird der nächste Januar sein. — AndreaSschnee tut den Saaten weh. — Sankt Andreas hell und klar, gibt es meist ein gutes Jahr. — Hocken die Hühner in den Hecken, kommt bald des Winters Frost und Schrecken. — Baumblüte spät im Jahr noch nie ein gutes Zeichen war. — Helles Wetter und trockne Kälte verkünden einen gelinden und regnerischen Januar. — Tummeln sich die Haselmäuse, ist noch weit vom Schnee und Eise. — November trocken und klar, bringt wenig Segen fürS nächste Jahr. — Hat Sankt Martin weißen Bart, so wird der Winter lang und hart.

Cafsel, 9. November. (O b e r k r i e g s g e r i ch t.) Die Musketiere H. und V. de- Jnf.-RegtS. Nr. 82 waren im September 1910 vom Kriegsgericht wegen Fahnenflucht, Preisgabe von Dienstgegenständen, Sachbeschädigung, Dieb- stahlS und BettelnS verurteilt worden. Ersterer hatte 2 Jahre 4 Mon. Gefängnis, letzterer ein Jahr 6 Mon. GesängniS erhalten. Bei beiden war gleichzeitig aus Versetzung in die 2. Klasse deS Soldatenstandes erkannt worden. Die Ange­klagten haben hiergegen Berusung eingelegt. Sie entschuldigen sich vor dem OberkriegSgericht damit, daß sie nicht die Absicht gehabt hätten, eine Fahnenflucht zu begehen. Vielmehr wollten sie zu ihrem Truppenteil zurückkehren, sobald sie ihre Heimat und ihre dort wohnenden Verwandten besucht hätten. Sie konnten jedoch ihr Vorhaben nicht ausjühren, denn kurze Zeit, nachdem sie sich Zivilkleider verschafft hatten, erfolgte ihre Verhaftung in der Nähe von Göttingen. Die Verteidigung plaidierte aus Freisprechung, während der Vertreter der An­klage Verwerfung der Berufung beantragte. Das Kriegsge­richt erkannte dem Antrag deS Vertreter- der Anklage gemäß, rechnete ihnen jedoch 6 Wochen der erlittenen Untersuchungs­haft aus die Strafe an. — Der Musketier S. des Jnf.-RegtS Nr. 167 war im September vom Kriegsgericht wegen uner­laubter Entfernung und Beharrens im Ungehorsam vor versammelter Mannschaft mit 65 Tagen GesängniS bestraft worden. Hiergegen ist durch den Angeklagten Berusung ein­gelegt worden. Die Beweisaufnahme ergibt, daß S. sich am 14. August ohne Erlaubnis von seinem Truppenteil ent­fernt habe und eS wurde auch nachgewiesen, daß er gelegent­lich der Gewehrübungen trotz mehrfachen Befehls des Unter­offiziers sein Gewehr nicht in die vorschriftsmäßige Lage gebracht hatte. Seine Revision wurde verworfen.

Tteiuau b. Gelnhausen, 9. Nov. AuS unserm Orte hat sich vor einigen Tagen der 15jährige Sohn deS Aufsehers Kräh vom Elternhause entfernt und sich vagabundierend um­hergetrieben. Gestern entdeckte man ihn aus freiem Felde und versuchte seine Festnahme. Er kam jedoch dieser zuvor und er­schoß sich angesichts seiner Versolger.

Rotenburg a. F., 9. Nov. Der Kreis Rotenburg Ya aus Veranlassung deS KreiSauSschusses nunmehr ebenfalls cimi Polizeihund auf Kreiskosten angeschafft. Dem ©enbarm«1? Wachtmeister Klee in Obersuhl ist die Führung des hundeS übertragen worden. Für Angehörige deS Kreil« Rotenburg ist die Benutzung des Polizeihundes insofern geboten, als nur die Reisekosten für den Führer und die TranSpolt"