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herrfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Sernsprech-Snschlutz Nr. 8
Nr. 133.
Donnerstag, den 10. November
1910.
Amtlicher teil.
HerSseld, den 7. November 1910.
Den Herren Vorsitzenden der Voreinschätzungs-Kommissionen teile ich nachstehend die Termine für die Sitzungen in ihren Bezirken mit.
Ich ersuche, die Mitglieder rechtzeitig und ordnungsmäßig vorzuladen und dafür zu sorgen, daß die sämtlichen Listen der zu den VoreinjchätzungSbezirken gehörigen Ortschaften rechtzeitig bei den Vorsitzenden eingehen.
Es ist daraus zu halten, daß die vorgelegten Listen vollständig sind.
Sollten über den einen oder den anderen Steuerpflichtigen noch keine vollständigen Nachrichten (Lohnnachweisungen pp.) vorgelegt werden können, so ist, wenn nicht Veränderungen bekannt geworden sind, mit den vorjährigen Verdienst- oder Gehaltssätzen zu rechnen.
Verzeichnis
der im Kreise Bersfeld ttattfindender. Voreinfcbätzungetermine zur Veranlagung der Einkommensteuer für 1911.
Z
L
Der Voreinschätzungs- bezirke
Die Sitzung findet statt am
Beginn der Sitzung
Die Sitzung wird abgebalten im
Vorsitzender der Voreinschätzungs- ' kommission
Nr.
Namen
1
X.
Hattenbach
14. 11. 10
9 V.
Bürgermeisteramt Niederjossa
Eckhardt, Bürgermeister Niederjossa
2
XIII.
Mecklar
15. 11. 10
9 „
deSgl. Mecklar
Jffland,
3
VII.
Unterhaun
17. 11. 10
9 „
desgl. Unterhaun
Großkurth,
4
XII.
Mengshausen
18. 11. 10
9 „
desgl. Mengshausen
Aegsahrt,
5
XVI.
Niederaula
19. 11. 10
9 „
desgl. Niederaula
Nuhn,
6
II.
Obergeis
21. 11. 10
10 „
deSgl. Obergeis
Walper, „
7
IX.
Kirchheim
22. 11. 10
9 „
desgl. Kirchheim
Heß,
8
IV.
Asbach
23. 11. 10
9 „
deSgl. ASbach
Baumhard, „
9
V.
Friedlos
24. 11. 10
9 „
desgl. Friedlos
Kauffmann, „
10
I.
Gershausen
25. 11. 10
9 „
desgl. Reimboldshausen
Bornemann, „ Reimboldsbausen
11
xvin.
Ransbach
26. 11. 10
9V2 B.
desgl. RanSbach
Scheer, „
12
XIV.
Lenzer-
28. 11. 10
9 V.
desgl. WölferShausen
Lotz, „ Lengers
13
111.
Kalkobes
29. 11. 10
9 „
desgl. Allmershausen
Schade, „ Allmershausen
14
VIII.
WillingShain
30. 11. 10
9 „
desgl. WillingShain
Dippel,
15
XXII.
Schenklengsseld
2. 12. 10
9 „
Gastwiitsch. Stöppler Schenklengsseld
Rüger,
16
VI.
Eitra
3. 12. 10
9 „
Bürgermeisteramt Eitra
Döring, „ Sieglos
17
XX.
LanderShausen
5. 12. 10
9 „
deSgl. Landershausen
Reinhardt, „
18
XV.
Sorga
6. 12. 10
9 „
deSgl. Sorga
Heinz,
19
xvn.
Heringen
7. 12. 10
9 „
deSgl. Heringen
Gebauer, „
20
XXI.
Philipp-thal
8. 12. 10
9 „
deSgl. Philippsthal
Lingemann, „
21
XVI.
Friedewald
9. 12. 10
9 „
desgl. Friedewald
Budesheim, „
Hersseld, den 8. November 1910.
Bei einem verendeten Schwein der Heinrich Nutzn in KruSpis ist Rotlaufseuche amtlich festgestellt worden.
I. 11517. Der Landrat.
3. A.:
W e s s e l, Kreissekretär.
€rlö$L
Roman von Tea van Husen.
(Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
„Eine selbst auserlegte Buße für das Unrecht, welches ich an zwei unschuldigen Frauen verbrochen habe, besonders an meinem armen Weibe, deren liebevolle Treue sicher ein besseres Los verdient hätte. Ich hörte durch Zusoll, daß sie Italien verlassen hatte, um ihren treulosen Gatten zu suchen, konnte aber weiter nichts über sie in Ersahrung bringen. Allerdings bemühte ich mich auch nicht darum, da ich eS für besser hielt, wenn sie mich tot glaubte, alS daß ich die furchtbare Existenz, die ich in dem Zusammenleben mit ihr gejährt hatte, von neuem begänne. Das war hauptsächlich der .Grund, welcher mich meinem Vaterhause fern hielt; selbst "och, als mehrere Jahre darauf mein Vater starb und meine Rechte ohne Ausnahme auf meinen jüngeren Bruder über- gingen.
Vor ein paar Jahren habe ich den Geburtsort meiner rfrau ausgesucht, in der Hoffnung, dort etwas über ihr Schicksal zu ersahren; aber sie ist nie wieder dahin zurückge- kshrt, noch hat sie ein Wort von sich hören lassen. Man hielt ftc im ganzen Orte für tot. Und auch in mir gewann diese Annahme immer mehr Raum. Ob ich das als eine Erlösung ober als einen Schmerz betrachten sollte, wußte ich selbst nicht.
war und blieb ein unglücklicher, trostloser Mann. Da Mh tch Dich zum ersten Mal und aus Deinen Augen, Deiner Stimme trat mir mein armes, verratenes Weib entgegen. Du hieltest mich ohne Zweifel für dreist, als ich in meiner Auf- reßung Dich unverhohlen nach Deinem Alter fragte. Und als
daßDuzweiJahrc weniger zu zählen meintest, als mem Kind hätte sein können, gab ich bitter enttäuscht die Wmng auf, daß Du mein seiest. Doch der Gedanke wich mcht mehr auS meinem Innern.
Entschlossen, alle meine Zweisel zu lösen, unternahm ich
Bei Beginn der Sitzungen haben die Vorsitzenden der Voreinschätzungs-Kommissionen die Mitglieder aus die Bestimmungen in Art. 46 I und II hinzuweisen und in bestimmter Weise darüber auszuklären, daß die Kommissionen vorschriftswidrig versahren, wenn sie die jeweiligen Umstände des Einzelsalles nicht erschöpsend inS Auge fassen und ohne sachliche Prüsung der Einkommens- und Vermögensverhältnisse nur darüber beraten und beschließen, welchen Steuersatz der Pflichtige zu bezahlen wohl in der Lage sein möchte. Auch ist den Mitgliedern der wesentliche Inhalt der Artikel 3—25, 30, 46 und 47 unter Hervorhebung der neuesten Aenderungen mitzuteilen. Daß dies geschehen, ist in der Niederschrift über den Verlaus der Sitzung zu bemerken.
Der Vorsitzende der (Einkommensteuer« Veranlagungs-Kommission.
Nr. 3111. I. A.: Fenner,
Steuer-Supernumerar.
Zugelaufen.
Ein Hund. Meldung des Eigentümers bei dem Orts- Vorstand in Lautenhausen.
eine Reise nach Italien, wo ich durch jede denkbare Bemühung erfuhr, daß mir meine Belinda genau vor zwanzig Jahren eine Tochter geboren, und nachdem sie vergeblich aus eine Antwort aus verschiedene nach meinem Elternhaus an mich gerichtete Briese gewartet hatte, suchte sie mich an meinen Lieblingsorten Rom, Venedig, Neapel, Florenz, ja sogar Paris. Dann glaubte sie sicher an meinen Tod und beschloß, mein Kind zu seinen fürstlichen Großeltern zu bringen. Soviel erfuhr ich, mehr wußte man mir nicht zu sagen. Die kleine Belinda zählte zu jener Zeit fünf Jahre, und eine Person, die ich nach vielen Hindernissen in Paris auffand, erinnerte sich, daß sie, bevor sie ihre weite Reise antrat, die Vorsicht gebrauchte, in der Kleinen Mieder die Papiere einzunähen, welche die Beweise für deS KindeS rechtmäßige Geburt enthielten. DaS Mieder wurde mir als ein schwarzfammteneS mit gelber Spitze bezeichnet, welches mit einem goldenen Riegel geschloffen war.
Bei Erwähnung des goldenen Riegels fiel mir derjenige ein, welchen ich an Deiner Uhrkette hatte hängen sehen, und mich lebhaft an einen ähnlichen erinnert hatte, welchen Belinda trug, als ich sie kennen lernte. Das alles veranlaßte mich, heute hierher zu kommen, bevor ich meinen Bruder aussuchte, der mir jedenfalls die Briese meiner Frau noch wird einhändigen können. Das Mieder, von dem Ihr beide spracht, beseitigte meine letzten Zweifel, und versicherte mich deS Glückes, daß ich wirklich eine Tochter besitze, auf die ein König stolz fein könnte!"
„Und nun auch einen Sohn, mein Vater", schaltete Be- linda mit einem scheuen Blick nach ihrem glücklichen stolzen Gatten ein.
„Ja, mein geliebtes Kind, und zwar einen, den so nennen zu dürfen ich mich hochgeehrt fühle. Seinem edlen Herzen verdanke ich eS, daß ich Dich finde, meine Tochter, und so finde", dabei sah er ihr strahlend in die durchgeistigten Züge, „ein Glück, daS ich so wenig verdient habe. Werner Rein- wald, vergelten kann ich Ihnen nicht, waS Sie an ihr getan haben, vergessen aber werde ich eS nie. Und obgleich
nichtamtlicher teil.
Neues bom Flugsport.
Nun hat die junge Technik der Aviatik auch ihre erste Polizeiverordnung bekommen. Der Polizeipräsident von Berlin hat eine Verfügung erlassen, des Inhaltes, daß Flüge über geschlossene Ortschaften hinweg überhaupt zu unterbleiben haben, daß Ueberlandflüge drei Tage vorher angemeldet werden sollen. Ueber die Berechtigung und Zweckmäßigkeit dieser Verordnung ist'viel hin- und hergestritten worden und wird auch noch heut gestritten. Insbesondere sehlt es nicht an Stimmen, die da meinen, was dem Aeroplan recht sei, müsse auch dem Lenkballon billig sein, und die deshalb ähnliche Einschränkungen für die Motorluftschiffahrt verlangen.
Dem ist nun aber doch nicht so. Es besteht ein schwerwiegender Unterschied zwischen Luftschiff und Aeroplan. Das Aeroplan muß bei jedem Motordesekt zur Erde gehen. DaS Motorluftschiff kann dagegen auch mit desekten Motoren als Freiballon irgendwohin abtreiben und sich einen geeigneten Landungsplatz suchen. Versagt einem Aeroplan die Zündung über einer Großstadt, etwa über Berlin, so ist das weitere wohl auszudenken, aber wenig erfreulich. Der Flieger wird dann zum Gleitflug übergehen und in einer schrägen Ebene zur Erde herunterkommen. Nun ist eine normale Flugmaschine etwa 8 Meter breit und dürfte bei Gleitflug mit einer Vorwärtsgeschwindigkeit von wenigstens 40 Kilometer aus die Erde aufsetzen und dann auf dem Boden allmählich auslaufen. Es leuchtet ohne weiteres ein, daß dies Experiment aus einer der normalen Straßen undurchjührbar ist. Ganz abgesehen davon, daß der Flieger schon nicht richtig in den Lustraum zwischen den Häusern der Straße eintauchen wird, abgesehen auch von den Oberleitungen der elektrischen Straßenbahnen, die mit Brand und Bruch drohen, ist selbst auf einem größeren Platz mit einer solchen Landung die Bedrohung zahlreicher Menschenleben verknüpft.
Aber ein solcher Gleitflug ist immer noch die allergünstigste Annahme. Wir haben es nur allzu oft gesehen, daß Flugmaschinen aus irgendwelchen Ursachen plötzlich wie die Steine aus der Luft herunterstürzten und schwer ausschlugen. Etwas derartiges ereignete sich ja erst kürzlich aus einem englischen Flugplatz und es wurden mehrere Zuschauer dabei verletzt, ein Knabe getötet. Ein derartiger Absturz, etwa auf eine belebte Großstadtstraße, müßte eine schwere Katastrophe zur Folge haben und mit gutem Recht können sich die Bewohner geschlossener Ortschaften eine solche Gefährdung verbitten. Und das um so mehr, als diese Ucberstadtflüge gar keine praktische Bedeutung für die Aviatik selbst besitzen. ES ist ein solcher Flug eine unnützige Gefährdung des Publikums, und wenn er unglücklich ausgeht, eine schwere Diskreditierung der Aviatik, der jeder vernünftige Zweck fehlt.
In diesem Sinne kann man die polizeiliche Jnhibierung solcher Flüge über geschlossene Ortschaften nur als zeitgemäß
Sie ein Recht haben, mich als Gatte und Sohn zu verachten, hoffe ich doch, daß Sie den Vater in mir ehren werden."
„Eure Durchlaucht haben das lange verjährte Unrecht sicher abgebüßt in der selbst auserlegten Buße harter Arbeit", entgegnete der Doktor, des Fürsten ihm hingehaltene Hand ergreifend. „Wir haben alle unsere Fehler und dürfen die Anderer nicht zu streng beurteilen. Ich bin nur allzu glücklich. daß die geheimnisvolle Dunkelheit, in welche meines Lieblings Herkunft so lange gehüllt war, sich so zur Zufriedenheit gelöst hat. Kommen Sie, Durchlaucht, wenn es Ihnen angenehm ist, wollen wir zu unseren Gästen zurück kehren, und ihnen diese herrliche Neuigkeit mitteilen !"
„Sie werden mit erlauben, die Braut zu führen, nicht wahr, Doktor?" sagte der Fürst, indem er Lindas Arm zärtlich in den seinen legte. „Es ist nur eine traurige Vaterschaft, die ich besitze, da mir mein Kleinod entrissen worden ist, bevor ich wußte, daß eS mein eigen war."
„O nein!" rief die glückliche Linda, „sage daS nicht. Ich war schon dazu geneigt, zu murren, daß ich, indem ich einen Gatten gewann, den Vater verlor. Nun ober bin ich durch die glückliche Wendung des Schicksals in den Besitz beider gelangt."
Doktor Reinwald schritt ihnen voran und öffnete die Tür nach dem Wohnzimmer, wohin sich die kleine Hochzeitsgesellschaft zurückgezogen hatte, und während er daS Paar hindurch, gehen ließ, meldete er mit schelmischem Lächeln in den strahlenden Augen:
„Seine Durchlaucht, Fürst Lichtenberg nebst Tochter, Frau Doktor Belinda Reinwald."
Die Anwesenden waren aus eine große Neuigkeit gesaßt gewesen durch das seltsame Gebühren des ungeladenen Hoch- zeitSgasteS, keines von ihnen hatte aber eine solche Enthüllung geahnt und aller Augen waren erstaunt aus die Eintretenden gerichtet. ES bedurfte einer ganzen Weile, bevor sie begriffen, wie alles zusammenhing. Sie teilten ausrichtig die Freude