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hersfelder Armblatt

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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 132

Dienstag, den 8. November

1910.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 4. November 1910.

An die sämtlichen Schulvorstände des Kreises.

Die Schulvorstände deS Kreises mache ich auf den in Nr. 44 deS RegierungS-AmtSblatteS vom Jahre 1910 ab- gedruckten Verteilungsplan derLehrer-Ruhegehalts- lasse für das Rechnungsjahr 1910 aufmerksam. I. 10917. Der Landrat.

I. A.:

W e s s e l, Kreissekretär.

HerSseld, den 4. November 1910.

Zur Beseitigung von Zweifeln mache ich die Ortspolizei­behörden im Anschluß an meine Vcrsügung vom 14. November 1901 I. 6349 Kreisblatt Nr. 136 daraus ausmerk- sam, daß in die Katasterblätter, die zu sühren und dem Herrn Gewerbe-Inspektor alljährlich bis zum 1. Dezember zu über­senden sind, alle Bäckereien auch solche, in denen sremde Arbeiter nicht beschäftigt werden, auszunehmen sind.

I. 11363. Der Landrat.

I. A.:

W e s s e l, Kreissekretär.

HerSseld, den 4. November 1910.

Die unter dem Schweinebejtande des Bürgermeisters Lotz in Kruspis ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen. I. 11354. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, KreiSsekretär.

1 1 iii ' ' ' '

Anstrich an Hit Bevölkern»!

über die Bedeutung uud Ausführung der Volks­zählung sowie der Viehzählung in Preußen am

1. Dezember 1910.

Mit dem 1. Dezember d. I. kehrt in Preußen wie im ganzen Deutschen Reiche der Tag der VolSzählung wieder. Die unbedingte Notwendigkeit regelmäßiger Ausnahmen dieser Art ist allgemein anerkannt. Kein Volk vermag sie zu ent­behren, das sich mit Sicherheit über sich selbst und die ersten Bedingungen seiner Entwickelung und Größe, über Zahl, Geschlecht und Alter, Familienstand, Berus, Religionsbekennt­nis und sonstige persönliche Verhältnisse seiner Angehörigen unterrichten will. Die Ergebnisse der Volkszählung dienen aber bei uns nicht nur als HilsSmittel wissenschaftlicher Er- sorschung wichtiger Verhältnisse deS Volkslebens, sondern auch zu mancherlei praktischen Zwecken, wie zur Verteilung ge­meinsamer Einkünfte und Lasten der einzelnen BundeSstaaten, zur Regelung der Münzprägung, zur Ordnung vieler Ver­hältnisse, welche sich nach der VolkSzahl richten wie z. B. die Zuständigkeit von Behörden der allgemeinen Landesver- waltung, die Bildung von Stadtkreisen und Urwahlbezirken,

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Roman von Tea van Hufen.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

und

Wollen Sie dem Ehrenwort eines Edelmannes Christen glauben, daß ich von dem ganzen Vorsall nichts wußte, bis Doktor Reinwald ihn mir vor wenigen Stunden mitteilte?«

Ja, ich glaube Ihnen", erwiderte Linda, während sie ihm furchtlos in die klaren grauen Augen blickte,denn wenn Sie ein Herz haben, würden Sie Ihrem unschuldigen Opfer Mlt einer so offenbaren Lüge nicht in die Augen sehen können."

Brav gesprochen, Linda 1" rief Werner Reinwald mit einem bewundernden Blick aus seine Frau.Ich bin voll­kommen Deiner Meinung und denke, wir können den Grasen freisprechen. Ich glaube, daß wir Ihnen sehr unrecht getan haben, lieber Rosfi, und bedaure eS von ganzem perlen*

Damit streckte er ihm die Hand entgegen, welche der Gras warm schüttelte.

Wer aber ist es gewesen?« sann Linda laut über ihr Abenteuer.

wollen wir bald entdecken«, meinte Rosfi.Jetzt $ egoistisch genug, mein Interesse einem anderen ?S komme wieder auf das Mieder zurück. ®ie besitzen also dasselbe

Die Graf sprach hastig, und seine Stimme bebte merklich, ^nhi» ^"wortete Linda.Und nie seit meiner Mutter Taae in nten Händen gekommen, als an jenem 3 i 34 bewahrte es, weil sie mir sterbend ob sie dn« M ^^ >^ g°ben, und da ich nicht wußte, denen Rieael 1, "der einen daran befestigten gol- nisfe s"g k/ wahrte ich beide als heilige Vermächt-

Dem Himmel fei Lob und Dank! Es muß dasselbe

die Wahl von Abgeordneten zu den Kreis- und Provinzial- landtagen, das Versahren bei Gemeindewahlen usw.

Eine Ausnahme von dem Umfange der Volkszählung ist natürlich ohne erhebliche Mühe nicht durchzusühren. Ein Blick aus den allgemeinen Verlaus des Zählversahrens zeigt aber sogleich, daß der Bevölkerung selbst hieraus verhältnis­mäßig nur wenig Arbeit und Belästigung erwächst.

In den Tagen vom 28. bis 30. November d. J. werden im ganzen Staate Zähler, insgesamt wohl eine Viertelmillion und darüber, bei den einzelnen Haushaltungen vorsprechen, um sür jede vom 30. November bis 1. Dezember d. I. vor­aussichtlich dort übernachtende Person eineZählkarte A" und für jede Haushaltung einHaushaltungsverzeichnis B" zu überreichen. Als Umschlag für diese Papiere, dem zugleich eineAnleitung C" zu ihrer Aussüllung sowie je eine Musterausfüllung für beide ausgedruckt ist, dient einZähl- brief D."

Die HaushaltungSvorstände haben nur

a) die Zählpapiere in Empfang zu nehmen,

b) sie gemäß der Anleitung auszufüllen oder durch geeig­nete Vertreter auSfüllen zu lassen und

c) sie vom 1. Dezember d. I. mittags 12 Uhr ab zur Abholung durch den Zähler bereit zu halten.

Die Viehzählungen, welche das notwendige Material für die Beurteilung und Bedeutung des Viehstandes in unserer Volkswirtschaft zu liefern haben, sind der Bevölkerung ebenfalls bereits bekannt und geläufig. Es werden gezählt die Pferde, Rinder, Schafe und Schweine.

Aus die genaueste Beantwortung der Fragen nach den Unterabteilungen der einzelnen Viehgattungen muß besondere Sorgfalt verwendet werden, uu nur hierdurch eine au-» reichende Kenntnis der Zusammensetzung und der vor- oder rückwärts schreitenden Entwickelung des Viehstandes gewonnen werden kann. Diese Kenntnis ist für viele wirtschaftliche Zwecke, so u. a. für alle Maßnahmen zur Förderung der Viehzucht, unentbehrlich; insbesondere soll festgestellt werden, ob durch die heimische Viehzucht die für die Volksernährung nötigen Fleischmengen gewonnen werden können.

Die Zählung erfolgt wieder nach viehhaltenden Haus­haltungen.

Jeder Haushaltungsvorsteher oder sein Stellvertreter hat das ihm gehörende oder unter seiner Obhut befindliche Vieh, welches in der Nacht vom 30. November bis zum 1. De­zember 1910 auf dem Gehöfte, wo er wohnt, steht, nach Maßgabe der Zählkarte zu zählen und in diese wahrheits­getreu einzutragen. Dabei sind die auf der Rückseite der Zählkarte gegebenen Erläuterungen genau zu beachten.

Die Viehzählung ist eine selbständig zu bewirkende Er­hebung. Wenn es daher aus Mangel an geeigneten Per­sonen auch vielfach nicht zu vermeiden sein sollte, daß dieselben Zähler mit der Ausführung beider Aufnahmen befaßt werden, so sind doch die Zählpapiere einer jeden Erhebung völlig von einander getrennt zu halten.

fein I" rief Rosfi in höchster Aufregung.Haben Sie in dem Mieder nicht Papiere gesunden, welche großen Wert für Sie haben ?"

Unglückseliger Weise kam es mir nie in den Sinn, das Mieder so weit zu untersuchen", antwortete Linda.Nachdem ich es aber verloren hatte, erfuhr ich zu meinem größten Kummer, daß das Geheimnis meiner Geburt und Verwandtschaft darin verborgen war.«

Sie ist eS! Sie ist es!" jubelte der Graf, während er die rechte Hand auf Lindas Schulter legte, mit der anderen die ihre ergriff und sie mit innigem Blick von oben bis unten musterte.

Belinda I Du liebliches Abbild der Verlorenen und Betrauerten! Meine geliebte Tochter, darf ich Dich nach so vielen Jahren der Reue als Belohnung annehmen? O das ist mehr, weit mehr, als ich in meinen glücklichsten Träumen zu hoffen wagte!«

Mein Vater?" flüsterte Linda vor Aufregung bebend.

Ja, Dein Vater, mein schönes Kind. O, das ist zuviel für mich!"

Der Graf ließ sie plötzlich los und sank, halb knieend, auf eine hochlehnige Chaiselongue nieder. So verharrte er mehrere Augenblicke schweigend, das Gesicht in den Händen vergraben.

Linda war nicht minder bewegt und blickte sprachlos von ihm zu ihrem Gatten hinüber. Ein düsterer Schatten auf des letzteren Zügen durchzuckte sie schmerzlich. Der Doktor be­merkte den Eindruck, welchen seine umvillkürlich gekräuselte Stirn auf sie gemacht hatte, und um denselben wieder zu ver­scheuchen, trat er dichter an sie heran und flüsterte ihr zärtliche Worte in das Ohr.

Sei ruhig, mein Lieb. WaS Deines VaterS Schuld auch gewesen sein mag, kannst Du doch versichert sein, daß sie in meiner unsterblichen Liebe zu Dir kein Gewicht hat!"

Roffi mußte etwas von Rcinwalds Rede gehört haben, denn er sprang hastig aus. Und sieh! Anstatt des dichten schwarzen Haares umrahmten silberne Locken und ein dünner

Die Fragen der Zählpapiere der Volks- wie auch der Viehzählung sind nicht zahlreich, dabei durchweg einfach und völlig unverfänglich. Niemals werden die durch beide Zählungen gewonnenen Nachrichten über einzelne Personen und deren Besitz veröffentlicht oder für andere als statistische, besonders auch nicht für steuerliche Zwecke benutzt. Die aus den Zählpapieren gewonnenen Ergebnisse gehen in allgemeine Tabellen über, in welchen der einzelne Mensch und seine Viehhaltung nicht mehr erkennbar ist. Die Zähl­papiere selbst werden nach beendigter Arbeit eingestampft; jedermann darf danach insbesondere auch sicher fern, daß die Angaben feiner Zählkarte übe Aller, Bekenntnis, Staatsan­gehörigkeit, Militärverhältnis, Beruf und Erwerb, etwaige Mängel und Gebrechen usw. niemals vor unberufene Augen kommen oder an die Oeffentlichkeit gelangen werden.

Auf ein vertrauensvolles Entgegenkommen der HauShal- tungsvorstände wie überhaupt der ganzen Bevölkerung, auch hinsichtlich der nicht vom Staate sondern von den einzelnen Gemeinden gestellten Fragen dürfen die Zähler hiernach wohl um so eher rechnen, als diese Männer ihre umfangreiche und mühevolle Arbeit fast sämtlich freiwillig übernommen haben und dem Gemeinwesen dadurch wertvolle Dienste leisten. Nachdem die zuständigen Behörden Anordnung dahin ge­troffen haben, daß den Beamten der verschiedenen Dienstzweige, den höheren und den Elementarlehrcrn die für eine rege Beteiligung dieser Kreise an dem Zählgeschäste erforderlichen Diensterleichterungen zu gewähren sind, darf erwartet werden, daß alle noch hinreichend rüstigen und in ihrem Amte für einige Tage abkömmlichen Reichs-, Staats- und Gemeinde- beamten sowie die an höheren, Mittel- oder Volksschulen ütigtficuicii uub wegm '^uäiuüeiiü des Unterrichts am Zähl- tage dienstfreien Lehrer einer Aufforderung der Gemeindebehörde, das Ehrenamt eines Zählers zu übernehmen, bereitwilligst Folge leisten werden.

Das Gelingen beider Ausnahmen hängt wesentlich von dem Zusammenwirken der Zähler mit den HaushaltungSvor- ständen ab. Diese werden deshalb ersucht, den Zählern, deren jeder eine größere Anzahl von Haushaltungen aufzu- suchen hat, ihr Amt nach Möglichkeit zu erleichtern und ihnen unnützige Gänge oder Arbeiten zu ersparen. Sie können dies tun durch sachgemäße, deutliche Aussüllung der Zählpapiere, durch bereitwillige Auskunft über einzelne etwa noch verbliebene Lücken oder Undeutlichkeiten in der Auschllung und durch die Sorge für sichere und schnelle Empsangnahme der Zählpapiere sowie deren Bereithaltung zur Wiederabholung auch für den Fall, daß der Haushaltungsvorstand selbst nicht zu Hause sein sollte. Die Zähler genießen in der Wahrnehmung ihrer Pflichten den besonderen Schutz der Gesetze; ei wird wohl kaum einer von ihnen diesen anzurusen brauchen, sondern alle werden ohne weiteres die Rücksicht finden, die jeder für daS allgemeine Beste arbeitende Staatsbürger beanspruchen darf.

Endlich ist noch in geeigneter Weise, etwa durch Be­sprechung in den Gemeindeversammlungen und in den Schulen

grauer Bart die Züge des plötzlich gealterten Mannes, welche den Sprechenden gegenüberstand.

Werner Reinwald", sprach er mit seierlichem Ernst,Sie haben in edelster Weise ein unbekanntes, ausgestoßeneS Kind an Ihr Herz und Ihren Herd genommen; und ich bin stolz, zu der Mitteilung berufen zu fein, daß Sie nicht ein namenlose- armes Mädchen zur Frau genommen haben. In dem jungen schönen Wesen hier an Ihrer Seite sehen Sie meine, des Fürsten Lichtenberg rechtmäßige Tochter und einzige Erbin."

XXVIV.

Nachdem sich Doktor Reinwald und sein schönes jungei Weib von ihrer ersten Ueberraschung und Freude erholt und Vater und Tochter sich aus der innigen Umarmung gelöst hatten, bat der Fürst, ihn ruhig anzuhören, damit er ihnen in kurzen Worten die Umstände mitteilen könne, welche zu einer so glücklichen Lösung geführt hätten.

Zuvor aber", unterbrach er sich selbst,muß ich Euch ein flüchtiges Bild von den letzten fünfundzwanzig Jahren meinet Lebens geben. Ich hatte einen jüngeren Bruder, größer und schöner und weit begabter als ich. Er war der offen erklärte Liebling meiner Eltern. Ich sah und sühlte daS und wurde düster und mürrisch. Doch ich war der natürliche Erbe der großen Besitzungen wie deS Fürstentitels und lächelte über die meinem Bruder gespendeten Liebkosungen. Da ich mich in dem Hause meiner Eltern nicht so wohl fühlte, wie eS viel­leicht der Fall gewesen wäre, wenn ich mich mehr um ihre Liebe bemüht hätte, suchte ich Trost im Reisen. Mehrere Jahre brächte ich an verschiedenen Orten deS AuSlandeS zu und kam selten und dann nur auf kurze Zeit besuchweise nach Hause. Vor ungefähr zweiundzwanzig Jahren traf ich während meines Aufenthaltes in Italien mit einer reizenden Bäuerin zusammen, deren Schönheit mich gänzlich berauschte. In einem Moment, in welchem sie mich gleichzeitig durch ihre natürliche Anmut in einen vollständigen LiebeSrausch versetzt hatte, machte ich sie meinen Eltern zum Trotz zu meiner recht« mäßigen Gemahlin. Aber ach! Nur zu bald merkte ich, daß meiner Belinda Reize nur aus der Oberfläche lagen. Zwar