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Herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Sernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 130.

Donnerstag, den 3. November

1910-

Amtlicher teil.

Bekanntmachung.

Der Herr Ober-Präsident der Provinz Hessen-Nassau hat gemäß § 6 Abs. 1 der Allerh. Verordn, vom 2. Februar 1901, betr. die Einrichtung einer Standesvertretung der Apotheker, (S. S. S. 49), bestimmt, daß für die Apotheker- kammer der Provinz Hessen-Nassau im Wahlbezirk Cassel vier Mitglieder und vier Stellvertreter aus die Jahre 1911, 1912 und 1913 zu wählen sind.

Bezüglich der Wahlberechtigung und Wählbarkeit verweisen wir auf die Bestimmungen der § 3 a. a. O.

Aus Grund der §§ 5 Abs. 1 und 6 Abs. 2 wird der Endtermin (Wahltermin) auf Freitag, den 18. No­vember d. 38., Ab endS 8 Uhr hiermit sestgesetzt.

Die Wahl hat schriftlich durch Einsendung des Stimm- zettels an den Vorstand, zu Händen der unterzeichneten Vor- sitzenden, zu erfolgen.

Wir fordern die wahlberechtigten Apotheker hiermit auf, ihre Stimmzettel bis spätestens zu dem vorgenannten Endtermin an die bezeichnete Adresse gelangen zu lassen.

Jeder Stimmzettel muß Namen, Stand und Wohnort des Wählenden, sowie der von ihm gewählten Mitglieder und Stellvertreter enthalten.

Wegen der Ungültigkeit von Stimmzetteln nehmen wir auf § 6 Abs. 4 a. a. O. Bezug.

Cassel, den 26. Oktober 1910.

DerVorstand der Apothekerkammer für die Provinz Hessen-Nassau

Nagell, Kgl. Hosapotheker, Vorsitzender.

Aufnahme von Waise«!

In der Lenoir'jchen Waisenanstalt aus dem Teichhose bei Hessisch-Lichtenau, die dazu bestimmt ist, Waisen­kinder ohne Rücksicht aus daS religiöse Bekenntnis und die Orts- oder LandeSangehörigkeit der Eltern zu erziehen, können fünf Mädchen und zwar Vollwaisen Ausnahme finden.

Voraussetzungen für die Aufnahme sind:

1. Gänzliche Mittellosigkeit deS Zöglings.

2. Geistige und physische Gesundheit deS auszunehmenden Kindes, die durch Beibringung einer Bescheinigung des KreiS- Physikus nachzuweisen ist.

3. Ein Alter von 6 oder 7 und nur im äußersten Be- dürsniSsalle ein solches bis zu 8 Jahren.

Die Kinder verbleiben bis zum vollendeten 16. Lebensjahre in der Anstalt und werden dort der natürlichen Familie ent­sprechend in Familienkreisen erzogen, auch für einen späteren LebenSberuf unter möglichster Berücksichtigung ihrer Fähig­keiten und Neigungen vorbereitet.

Ordnungsmäßig entlassenen Zöglingen können auch in ihrem späteren Leben noch Unterstützungen (z. B. Ausstattung, Beihilfe in UnglückSsällen) zugewendet werden.

rlö$t.

Roman von Tea van Hufen.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Dort fiel LichtenbergS Blick aus eine Visitenkarte und wie ein Blitz durchzuckte es ihn. Ja, während deS letzten Be­suches, den ihm der Eigentümer jener Karte gemacht hatte, war Otto von Rabenhorst mehrere Minuten lang allein hier im Zimmer gewesen. AlS ersterer gemeldet wurde, war der Fürst, wie er sich jetzt deutlich erinnerte, in daS Empfangs­zimmer geeilt und hatte den an dem Siegelring befestigten Miniaturschlüffel an der Schranktür stecken lassen. Seinem Neffen blindlings vertrauend, hatte ihm seine Vergeßlichkeit keine Sorgen gemacht. Jetzt aber bedurfte eS keiner wei- teren Bestätigung seines schlimmen Argwohnes, und nun traf Rabenhorst der ganze Zorn, welches BelindaS Ent­kommen zuvor auf ihr unschuldiges Haupt herabgeschworen hatte.

Jetzt war eS ihm klar, daß sein gewissenloser Neffe, dem et völlig in die Hände gegeben, ihn düpiert hatte.

Wütend preßte er die Zähne auseinander und verfluchte o>e Stunde, in welcher er daS gewagte Jntriguenspiel be­gonnen hatte; und da er nicht wagte, den natürlichen Folgen mnes Verbrechens entgegenzusehen, riß er heftig an der »lmgcl und besah! dem eintretenden Kammerdiener so ge- u tlle ^Bch. seine Sachen zu packen, da er beschlossen habe, für einige Zeit aus Reisen zu gehen.

XXVII, tonl^g««^, Hochzeitsgesellschaft war nach Doktor Rein- rimmer ^ber Th^ ü"b plauderte in dem Wohn, dem Da,t»! ^S^'\ be» Diner« harrend, als man ®roJ ?M fei da und wünsche den zu sprechen! 6l6txft wichtigen Angelegenheit zu

Auf des glücklichen Bräutigam» Antlitz lagerte sich eine

Ausnahmegesuche sind unter Darlegung der persönlichen Verhältnisse innerhalb 2 Wochen, vom Tage der Ausschrei­bung an, an den unterzeichneten Schristsührer der Stiftung zu richten.

Cassel, den 22. Oktober 1910. Stiftung der Brüder George und Conrad Lenoir zur Er­ziehung von Waisen in Cassel. B r u n n e r.

nichtamtlicher Ceil.

W«M Mehr in litt ^blitafrott.

Die angebliche Bedrohung Englands durch das Wachs­tum der deutschen Kriegsflotte, deren fortwährende Aus­streuungen von der englischen Hetzpartei schon so viel böseS Blut in den Beziehungen zwischen England und Deutschland erzeugt haben, scheinen nun doch vernünftigen Erwägungen in England Platz zu machen, denn die Behauptungen, daß bald eine Zeit kommen werde, daß die deutschen Dreadnoughts die englischen an Zahl und Stärke übertreffen würden, haben sich nun auch in England als ganz unhaltbar herausgestellt. Eine ganze Anzahl englischer Leitungen rechnet jetzt fast jeden Tag dem englischen Volke vor, daß Deutschland im Jahre 1912 nicht jünsundzwanzig, sondern nur dreizehn Dreadnoughts besitzen werde, also auch die Theorien, die der angesehene Staatsmann Balfour im Bezug aus die Be­drohung Englands durch Deutschlands Kriegsflotte ganz salsch seien, da es unmöglich sei, daß selbst ein Land wie das Deutsche Reich in wenigen Jahren die Zahl seiner großen Kriegsschiffe verdoppeln könne. In London will man sogar erfahren haben, daß Deutschland den Bau seiner vier neuen Dreadnoughts verzögern werde, da man erst noch größere Ge­schütze konstruieren wolle, die die englischen Geschütze an Tragweite und Durchschlagskraft möglichst übertreffen sollten. Man muß darüber erstaunt sein, wie in England die Fach- teilte und die Presse über alle Angelegenheiten der deutschen Marine so gut unterrichtet find. Aber so loyal ist man in England nun doch auch in der Flottenfrage geworden, daß man Deutschland das Recht nicht bestreiten kann, die besten und schnellsten und größten Kriegsschiffe mit der stärksten Geschützausrüstung zu bauen, denn bei dem heutigen Wett­bewerbe im Flottenbau wäre es ja ein wahrer finanzieller Selbstmord, wenn die riesigen Ausgaben für die Flotte nicht für den Bau der besten Schiffe verwandt würden. So hat die deutsche Schiffsbaukunst im Bezug auf den Bau von großen Panzerkreuzern jetzt eben wieder einen Erfolg davon- getragen, der die deutschen Panzerkreuzer wahrscheinlich als die besten und schnellsten der Welt hinstellen wird. Der neue deutsche Panzerkreuzervon der Tann" hat bekanntlich bei seinen Probefahrten eine Geschwindigkeit von 27,4 Seemeilen erreicht. Bei den späteren Fahrten dieses neuesten deutschen Panzerkreuzers sind nach den amtlichen Ermittelungen und

finstere Wolke, während die schöne Braut so deutliche Zeichen ihrer inneren Angst verriet, daß man eine Ohnmacht bei ihr fürchtete.

Ach, Werner, verlaß mich nicht! Sage, Du könntest ihn jetzt nicht sehen."

Nein, mein Liebling, das kann ich nicht", entgegnete dieser.Du weißt ja, daß ich mit ihm noch ein Wörtchen zu reden habe wegen deS Raubes, den er an mir zu begehen dachte."

Nicht heute, nein, nicht heute!" bat sie.Ich fürchte mich so unsagbar."

Er soll mir nicht wieder mit meinem teuren Schatz entfliehen", sprach er, sie an sich ziehend und einen innigen Kuß auf die Lippen seines jungen Weibes drückend.Keine Macht der Erde soll uns von einander trennen, so lange dieser Arm Dich zu schützen vermag. Also Mut, meine Linda. Ich muß hören, was er über sich und sein grausames Betragen Dir gegenüber zu sagen hat."

Langsamen Schrittes betrat der Doktor sein Arbeitszimmer, in welches man den Grasen geführt hätte. Sein Gesicht zeigte einen kalten entschlossenen Ausdruck und mit steifer Förmlich- teil begrüßte er den Gast.

Der Gras schien darüber betreten und verletzt. Er hatte dem Eintretenden mit liebenswürdigem Lächeln die Hand ent° gegengestreckt, und war schmerzlich berührt von der Kälte, mit welcher der Doktor fein Entgegenkommen zurückwies. Ein jeder von ihnen wartete auf die Anrede des anderen. Der Gras hatte seinen Platz wieder eingenommen. Doktor Reinwald blieb stehen.

Rossi brach endlich daS peinliche Schweigen.

Wie ich mit Bedauern bemerken muß, scheine ich zu einer ungelegenen Zeit gekommen zu sein", bemerkte er entschul­digend.

Das tut gar nichts", entgegnete Reinwald kurz.Ich stehe zu Ihren Diensten, wenn Sie die Güte haben wollen, mich nicht lange auszuhalten."

Gewiß. Aber darf ich um die Gunst einer kurzen Unter­redung mit Ihrer Adoptivtochter bitten?"

Vergleichungen der Fahrtabellen als absolute Höchstge» schwindigkeit für den Panzerkreuzervon der Tann" sogar 28,12 Seemeilen pro Stunde erzielt worden. Die englischen Blätter stellen dagegen fest, daß die größte Geschwindigkeit der englischen Panzerkreuzer nur 26,65 Seemeilen beträgt, und es ist damit ein neuer Beweis für die hohe technische Leistungsfähigkeit des deutschen Schiffsbaues gegeben. Glück­licherweise hat dieser Erfolg des deutschen Schiffsbaues die Engländer nicht wieder aus dem Häuschen gebracht, sie haben diese Sache ruhig hingenommen und werden natürlich mit allen Mitteln bestrebt sein, künftig Panzerkreuzer zu bauen, welche noch rascher sahren wie der deutsche Panzerkreuzer von der Tann". Da jede Großmacht und zumal auch England und Deutschland ihre großen Flotten aber nur zu Verteidigungszwecken unterhalten und am politischen Horizonte kein einziges dunkeles Wölkchen zu entdecken ist, welches wie eine drohende Friedensstörung aussehen könnte, und außerdem die Flottenrüstungen ihre Grenzen in den finanziellen Leistungen der Völker finden, so wäre als die beste Folge der englischen Einkehr in der Flottenfrage eine Mäßigung in den Flottenrüstungen überhaupt zu erwarten. Eine solche Verständigung könnte sogar zwischen der englischen und der deutschen Regierung von Fall zu Fall oder von Bauperiode zu Bauperiode in den Flottenangelegenheiten getroffen werden. Wir glauben, der deutsche Reichstag und daS englische Parlament würden einer solchen Verständigung auk Gründen der Stärkung des Friedens und der finanziellen Ersparnisse gern zustimmen. Vor allen Dingen sollte jetzt, wo die Er­örterungen über die flottenfrage in der öffentlichen Meinung Englands in ein ruhigeres Fahrwasser eingetreten find, keine Mühe versäumt werden, um die Flottenstreitigkeiten zwischen Eiland und Deutschland überhaupt aus der Welt zu schaffen, denn aus solchen und zumal früher so leidenflyast- lichen Kritiken über das Wachstum der Flotten und den dieserhalb an die Wand gemalten Befürchtungen konnte nur eine Verschlechterung der Beziehung zwischen England und Deutschland entstehen.

Aus > und Ausland.

Berlin, den 1. November.

Se. Majestät der Kaiser nahm gestern vor­mittag im Neuen Palais bei Potsdam den Vortrag deS ChesS des Zivilkabinetts, Wirklichen Geheimen Rats v. Valentini entgegen.

Ihre Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten der Kron­prinz und die Frau Kronprinzessin werden sich am 3. d. in Genua an Bord des Dampfers Prinz Ludwig bc» geben. Port Said wird am 8. passiert, Colombo am 20. er­reicht. In Ceylon gedenken die hohen Reisenden unter dem Inkognito Gras und Gräfin von RavenSberg drei Wochen zu verbringen. Von dort tritt die Frau Kronprinzessin die Heim-

Sie müssen sie entschuldigen. Sie kann heute unmöglich jemand sehen."

Ist sie nicht zu Hause?"

Ein verächtliches Lächeln kräuselte des Doktors Lippen, als er antwortete:Sie ist zu Hause, wie ich Gott fei Dank sagen kann, und in den sicheren Händen eines Mannes, welcher sie vor der Gewalt eines schmachvollen Verräters zu schützen weiß."

Gras Rossi sah ihn verwundert an, während ihm daS Blut heiß zu Kopse stieg.

Ich verstehe Sie nicht, Herr Doktor."

Vielleicht verstehen Sie mich besser, Graf, wenn ich Ihnen sage, daß Sie ein frecher, erbärmlicher Schurke find, und trotz Ihrer anständigen MaSke nicht den Namen eines Ehrenmannes, vielweniger den eines Kavaliers ver­dienen."

Das mir!" rief der Gras außer sich.Doktor Rein­wald, sind Sie wahnsinnig! Was habe ich getan, daß Sie sich einer solchen Sprache gegen mich erdreisten?"

Was Sie getan haben", wiederholte der Arzt, indem er dem Grafen einen zornigen Blick zuwars.Wahnsinnig bin ich nicht, aber wahrhaftig, Ihre Schuld ist es nicht, daß ich es nicht geworden bin. Sie haben Ihr Möglichstes getan, mich dahin zu bringen."

Ich?"

Ja, Sie, Gras Rossi. Haben Sie denn gar kein Ge­wissen ?"

Mein Gewissen spricht mich allerdings frei von dem, was Sie mir zur Last legen!" entgegnete der Graf stolz.

Sie haben recht", entgegnete Rcinwald bitter.Es muß zu sehr verknöchert sein, um noch Eindrücke empfangen zu können, dem steinernen Herzen nach zu urteilen, dem es an. gehört."

Doktor Reinwald", sagte der Gras jetzt mit entschiedener Fassung,wollen Sie die Güte haben, mir zu sagen, wessen ich in Ihren von Vorurteilen befangenen Augen angeklägt bin?"