[r^^^^ dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe, per Bezugrpreir beträgt für Hersfeld vierteljährlich 140 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, wa
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hersselder Urekblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage'
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 128. Sonnabend, den 29. Oktober
1910«
Amtlicher teil
HerSseld, den 27. Oktober 1910.
Am 1. November d. Jr. wird die dritte Rate der sür daS lausende Rechnungsjahr zu entrichtenden Kreis- steuer sällig.
Ich ersuche die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des hiesigen Kreises, gefälligst dafür Sorge zu tragen, daß die Einzahlung der fälligen Beträge bis spätestens zum 8. November d. JS. bei der KreiSkommunalkasse hier erfolgt
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
von Grunelius,
Landrat.
HerSfeld, den 26. Oktober 1910.
Diejenigen Herren Orts- und Gutsvorstände deS Kreises, welche meine Verfügung vom 4. Oktober 1910 I. Nr. 9983 — Kreisblatt Nr. 171 — betreffend den Bedars an QuittungS- sormularen für das Jahr 1911 noch nicht erledigt haben, werden mit 3tägiger Frist erinnert.
I. 9983 HI. Der Landrat.
I. Vertr.:
Nessel, Kreissekretär.
HerSseld, den 25. Oktober 1910.
Ich habe den Leinweber Friedrich Ruppel in Kirchheim als Leichenschauer für die Gemeinde Kirchheim bestellt und als solchen heute eidlich verpflichtet.
I. 11017. Der Landrat.
, I. Vertr.:
Nessel, KreiSsekretär.
—............... .......
HerSseld, den 25. Oktober 1910.
Ich habe den Landwirt Peter Schwerer in Frielingen als Fleisch- und Trichinenbeschauer für die Gemeinde Frielingen bestellt und als solchen eidlich verpflichtet.
I. 11014. Der Landrat
von GruneliuS.
Dieses wird gemäß § 57 des Zuständigkeit-gesetzes vom 1. August 1883 mit dem Bemerken veröffentlicht, daß Einsprüche hiergegen binnen einer Frist von 4 Wochen, vom Tage dieser Bekanntmachung an gerechnet, bei Meldung deS Ausschlusses bei der unterzeichneten Behörde geltend zu machen sind.
Reimboldshause«, den 27. Oktober 1910.
Die Wegepolizeibehörde:
Bornemann.
nichtamtlicher teil
HerSseld, den 25. Oktober 1910.
Die unter dem Schweinebestande deS Pflasterers Nikolaus Schenk n in Hattenbach auSgebrochene Rotlausseuche ist loschen.
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I. 10965.
Der Landrat.
I. Vertr.: Nessel, Kreissekretär.
HerSseld, den 26. Oktober 1910.
In Friedlos ist der Schweinerotlauf amtlich festgestellt worden.
I. 10989.
Der Landrat.
I. Vertr.: Nessel, KreiSfekretär.
Der Saatenftand Mitte Oktober 1910. Regiemugsbezirk Cassel, Kreis Hersfeld.
BegutachtungSziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 = gut,
3 — Mittel, 4 = gering, 5 — sehr gering.
Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirt- schaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.
— I B c 9476 M. s. L. — I d 3646 M. d. I. —)
Fruchtarten usw.
Winterwetzm .
Sommerweizen . . W n erspelz (Dinkel) . Wmterroggen .
Sommerroggen.
Sommergerste Hafer, Erbsen
Ackerbohnen ' '
Wicken
Kartoffeln ‘
Zuckerrüben ' * ^/"^^p^u.-Rübsen Nach« (Lein) .
Junger Klee
Luzerne
Wiesen mit künstlicher »?E° (Ent.) Wässerung Andere Wiesen . .
Durchschnittsnoten für den Staat Reg.-Bez. Cassel
Anzahl der von den Vertrauensmännern abgegebenen Noten
Cd
CQ
(N | M
2,6
2,5
2,5
2,8
2,4
2,5
2,3
2,7
2,7
3,5
2,4
2,4
2,7
1
2
1
1
Kgl. Preuß. Statistisches Landesamt. vr. Blenk, Präsident.
MmtmAiiz.
Von einem im hiesigen Orte gelegenen
JoH die Grundstück-parzelle Kartenblatt 3 Nr.
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Politischer Wochenbericht.
Die schaffe Zurückweisung, die unsere ReichSregierung durch die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" der Wahldemagogie deS HansabundeS hat zuteil werden lassen, hat natur- gemäß in den Kreisen des Liberalismus arge Mißstimmung hervorgerufen. So erscheint unter anderem der Versuch, auS den Worten der RegierungSkundgebung eine einseitige Parteinahme für den Bund der Landwirte gegenüber dem Hansabunde herauszulesen, vollkommen verfehlt. Der Bund der Landwirte hat niemals in seinen offiziellen Veröffentlichungen die leitenden Organe der Gesetzgebung und Verwaltung mit dem gleichen Maße ungerechtfertigter Gehässigkeit angegriffen, wie dieS in dem jüngst erlassenen Wahlaufrufe deS Hansabundes geschehen ist. Die Regierung hat daher gar keinen Anlaß, ihre Verteidigung gleichseitig auch nach jener Seite hin zu richten. ^.-
Unser Kaiserpaar nebst der Prinzessin Viktoria Luise hat während der verflossenen Woche einige Tage am Brüsseler Königshofe zugebracht. Dieser Besuch ist in erster Linie von dem Gesichtspunkte der Höflichkeit und deS diplomatischen Brauches aus zu betrachten. DaS belgische Königspaar hat seinen ersten Antrittsbesuch an einem fremden Hose Ende Mai in Berlin gemacht und es entspricht daher nur dem Herkommen, daß auch Kaiser Wilhelm der erste Monarch ist, der den Besuch des Königs in dessen Hauptstadt erwidert. Der Empfang, der dem deutschen Kaiserpaare seitens der Brüsseler Bevölkerung zuteil geworden ist, war ein überaus herzlicher. Ebenso aber waren auch die wechselseitigen Trink- sprüche der beiden Monarchen auf den Ton wärmster Freundschaft gestimmt. Einen sehr sympathischen Begrüßungsartikel hat daS ministerielle Preßorgan der belgischen Hauptstadt unserm Kaiser gewidmet. ES heißt darin unter anderem: „Ein gemeinsames Bedürfnis hat enge Beziehungen zwischen Deutsch- land und Belgien hergestellt, und ein herzliche« Einvernehmen zwischen den beiden Ländern ist entstanden, waS sich ebensowohl auf Gründe der Vernunft wie des Herzens stützt und; einen zugleich politischen und wirtschaftlichen Charakter hat;! einen politischen, weil die gewaltige Militärmacht Deutschlands für uns heute eine Bürgschaft der eigenen Sicherheit ist; einen wirtschaftlichen, weil Deutschland unserer Handelstätigkeit Ab- jatzgebiete öffnet, deren Verschließung für uns von den härtesten Folgen wäre." Wir sind überzeugt, daß diese freundlichen Worte im deutschen Volke einen durchaus entsprechenden Widerhall finden werden.
Die Verhandlungen der Türkei mit Frankreich in Sachen der türkischen Anleihe sind endgültig gescheitert, weil« Frankreich an die Gewährung der Anleihe politische Forderungen knüpfte, die sich mit dem Selbstbewußtsein und der Würde der Türkei nicht vertrugen. ES hat nunmehr ein Konsortium deutscher Banken, dem sich höchstwahrscheinlich auch österreichische anschließen werden, der Pforte ein entsprechendes Angebot aus rein geschäftlicher Grundlage gemacht, und eS ist sicher, daß die Verständigung ohne jede Schwierigkeit erfolgen wird. Politische Beweggründe und GesichtSpuntte spielen hierbei nicht die mindeste Rolle, wohl aber ist gu. hoffen und wünschen, daß die finanzielle Hülselristung, die da« deutsche Kapital der Türkei leistet, der deutschen Industrie reiche Bestellungen und damit unserer gesamten nationalen Volkswirtschaft wesentliche Vorteile bringen wird.
Bei der Eröffnung der neuen Session des französischen Parlamentes ist eS, wie zu erwarten stand, zu heftigen Zusammenstößen zwischen den Sozialisten und dem Minister- Präsidenten Briand wegen des verflossenen EisenbahnerauS- standeS gekommen. Die Sozialisten suchten wie gewöhnlich den Mangel an Beweisgründen durch möglichst tumultarisches Auftreten zu ersetzen. Briand aber wußte ihnen trotzdem eine regelrechte Abfuhr zu bereiten und hageldicht fausten seine wohlgezielten und trefflich sitzenden Hiebe nieder. Insbesondere geißelte er in äußerst wirksamer Weise den klaffenden Zwiespalt, der zwischen den bombastischen Freiheitsphrasen der sozialdemokratischen Revolutionäre und ihren Handlungen besteht, die in Wirklichkeit nur der ärgsten Tyrannei dienen. Es wäre zu wünschen, daß die auf intimster Kenntnis deS Wesen- der internationalen RevolutionSpartei beruhenden Au-sührungen deS französischen Ministerpräsidenten nicht bloß in Frankreich, sondern überall dort, wo die Sozialdemokratie ihr schmachvolle- Handwerk treibt, sorgfältigste Beachtung finden möchten.
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Der 31. Oktober, an dem im Fahre 1517 die deutsche Reformation eingeleitet wurde, ist ein Markstein in der deutschen Geschichte. Wohl trug Luthers Thesenanschlag an der Wittenberger Schloßkirche zunächst nur einen akademischen Charakter, auch steht fest, daß sich der junge Wittenberger Prosessor damals noch längst nicht im tiefklaffenden Gegensatze zu Rom wußte. Dennoch pulsierte schon in diesen Streitjätzen wieder den Ablaß etwas Neue- und Unerhörtes. Die persönliche Not eines Menschengewiffens sprach d«au-, daS sich schließlich allein an den gnädigen Gott klammert, daS sich nicht mit Kirchensatzung und guten Werken begnügt, sondern das „des Christen ganzes Leben, als eine „fort- währende Buße" faßt.
Die Zeitgenossen horchten denn auch mächtig aus. In deutscher Uebersetzung flogen die Thesen bis in die letzten Zipsel deS deutschen Vaterlandes. Man fühlte es ohne weiteres: eS war etwas Resormatorische» geschehen. LutherS Verdienst wird nicht dadurch geschmälert, daß damals die kirchlichen und die humanistischen Resormgedanken allenthalben in der Lust lagen; denn schließlich war eS doch eben erst Luther, der diese Strömungen in eine bestimmte, sieghafte Richtung zwang. ES bleibt dabei, wir danken ihm eine neue Auffassung deS religiösen Leben«, eine großartige Vereinfachung im Sinne deS Evangeliums. Gottes Wort und lebendiger Glaube, evangelische Freiheit und Gebundenheit in Christo, und dieser Christus da« eigentliche wahre Haupt der Kirche, das find Luther- resormatorische Hauptgedanken. Der Leipziger Historiker Lamprecht hat vom Wirken deS deutschen Reformators mit Recht zesc^t : „Zwar leistete er bamit nur, waS geitenteis war; aber darin besteht da« Wesen der persönlichen Großtat, daß sie den für andere noch im Dunkel liegenden Fortschritt alS notwendig erklärt und im harten Kamps mit dem Bestehenden durchsetzt."
Ja, Luther war ein Kind seiner Zeit und doch seiner Zeit weit voran! Eine solche Persönlichkeit mußte ihre innern und äußern Kämpse haben. Man weiß, daß sich oft schwermütige Schatten in die Seele des Resormator« senkten, und daß er nicht nur mit den päpstlichen Widersachern, sondern auch mit radikalen Schwarmgeistern und übereifrigen Freunden zu streiten hatte. ES ist mit daS Größte an Luther, daß er z. B. in Sachen der großen Bauernrevolution sogar feine ganze Volkstümlichkeit aufS Spiel setzte, um nur keine Konzessionen zu machen, die sein resormatorische- Gewissen hätte belasten können.
Auch in allgemein kultureller Beziehung bleibt Luther der große führende Geist. Der bekannte altkatholische Theologe Döllinger hat wohl richtig geurteilt, wenn er sagte: „Luther- Name ist für Deutschland nicht mehr bloß der eine- auf- gezeichneten Mannes, er ist der Kern einet Periode deS nationalen Lebens, da» Zentrum eines neuen Jdeenkrrise-, der kürzeste Ausdruck jener religiösen und ethischen Anschauungsweise, in welcher der deutsche Geist sich bewegte, deren mächtigem Einflüsse auch die, welche sie bekämpften, sich nicht ganz zu entziehen vermochten." Seit der deutschen Reformation datiert eine neue Zeit. Luther eröffnet die Linie Goethe— BiSmarck. Dabei dürfen wir eben freilich nicht vergessen, daß der teutsche Reformator zuerst und zuoberst ein rrl i gi ö ser Anreger sein wollte, ein Prediger schriftgemäßer Heil-wahrheit, ein vom Evangelium tiefinnerlich durchdrungener Mensch, der in schwersten seelischen KampseSstunden immer wieder von dem heißen Verlangen durchschüttert worden war: Wie kriege ich einen gnädigen Gott? Luthers GebetSleben darf jedensäll» nun und nimmer auSgeschaltet werden, wenn man sein Resormationswerk recht verstehen, und wenn man selber einen rechten Segen davon haben will.
Aus 3fr und Ausland.
Berlin, den 27. Oktober.
Aut Brüssel, 27. Oktober, wird gemeldet: Se. Majestät der Kaiser, die Kaiserin, Prinzessin Wktorja Luise sowie der König und die Königin besuchten heute-vormittag die Weltausstellung, wo sie in Automobilen um 9 Uhr 30 Min. eintrasen. Sie wurden auf der deutschen Abteilung empfangen vom Reichskommissar, Geheimen Regie« rungsrat Albert und den Geh. Kommerzienräten Goldberger und Ravenee. Anwesend waren ferner der Präsident der Ausstellung Baron Janssen, der Herzog von Ursel, Gesandter v. Flotow, Konsul Bobrit und Bürgermeister Max. Die Kaiserin wurde geführt von den Damen Albert, Ravenee und Bobrik. Auf dem längeren Rundgang verweilte der Kaiser besonder- in der in Betrieb befindlichen Werkzeugmaschinenhalle. Hiernach wurde die belgische Abteilung besichtigt und dann daS Haus der Stadt Brüssel, wo die Epitzrnindusttte besonder- interessierte. Die Majestäten unternahmen darauf eine Rundfahrt durch und um Brüssel in Automobilen und begaben sich dann über Tervueren nach Park und Schloß Laeken, wo FrühstückStasel stattfand. Die Majestäten wurden überall aufS sympathischste begrüßt.